Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 13

Hamburgische Südsee-Expedition. Die 1907 begründete Hamburgische Wissenschaftliche Stiftung entsandte in den Jahren 1908/11 eine Schiffsexpedition zur völkerkundlichen Erforschung des Bismarckarchipels und Deutsch- Mikronesiens. Die nach den Plänen des Direktors des hamburgischen Museums für Völkerkunde, Prof. Dr. Thilenius (s.d.), ins Werk gesetzte Expedition hatte ein eigenes Schiff zur Verfügung und zerfiel in zwei Abschnitte. In dem ersten wurden unter Führung von Prof. Dr. Fülleborn (s.d.) und Teilnahme von Dr. W. Müller als Ethnologe, Dr. O. Reche als Anthropologe, H.Vogel als Maler und F. E. Hellwig als ethnographischer Sammler und kaufmännischer Leiter der Expedition die Admiralitätsinseln, St. Matthias, die Tench-, Sturminseln, Neupommern, die Küste von Kaiser- Wilhelmsland, der Kaiserin- Augustafluß besucht, im zweiten unter Führung von Prof. Dr. Krämer (s.d.) und Teilnahme von Dr. P. Hambruch und Dr. E. Sarfert (s.d.) als Ethnologen, F. E. Hellwig als Sammler und kaufmännischer Leiter und Frau Prof. Krämer zum Studium der Weberei und als Malerin die Palauinseln, die Karolinen und Marshallinseln. Neben den sehr reichen völkerkundlichen Ergebnissen sind auch zoologische, geologische und geographische zu nennen. So wurde Neupommern von der Expedition zum ersten Male an zwei Stellen im Westen durchquert, eine Reihe von Ankerplätzen und Häfen entdeckt und vermessen, der Kaiserin-Augustafluß bis etwa 480 km aufwärts befahren und kartiert. Die Sammlungen der Expedition sind den hamburgischen wissenschaftlichen Anstalten überwiesen worden, die Ergebnisse der mit einem Kostenaufwande von rund 600000 M unternommenen Expedition werden seit dem Jahre 1912 in einem auf etwa 14 Bände berechneten Werke veröffentlicht.