Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 16

Handel. 1. Allgemeines. 2. Deutsch-Ostafrika. 3. Kamerun. 4. Togo. 5. Deutsch-Südwestafrika. 6. Die Schutzgebiete der Südsee. 7. Überblick. 8. Kiautschou. 9. H. der Schutzgebiete mit Deutschland und anderen Ländern.

1. Allgemeines. Alle neuere überseeische Kolonialpolitik in schon bevölkerten Ländern ist vom Handel ausgegangen, vom Kaufmann, der Waren für den europäischen Markt aufsuchte und gegen eingeführte Produkte eintauschte. Das trifft ganz besonders auf die deutschen Schutzgebiete zu. Die ersten deutschen Besitzergreifungen erfolgten in Afrika wie in der Südsee auf Gebieten, auf denen deutsche, speziell Hamburger und Bremer Kaufleute tätig geworden waren (s. Erwerbung der deutschen Kolonien). Die Kolonialpolitik Bismarcks (s.d.) wollte sich ja zunächst beschränken auf den Schutz der territorialen Erwerbungen und Niederlassungen deutscher Kaufleute, denen die Entwicklung der Kolonien überlassen bleiben sollte. Auf der ersten Stufe der Entwicklung beschränkt sich die kolonialwirtschaftliche Tätigkeit darauf, daß der Kaufmann die vorhandenen Naturerzeugnisse sammelt, seien es wild vorkommende, seien es Erzeugnisse der Eingeborenenkulturen, die über den lokalen Bedarf hinaus produziert werden. Doch überwiegen zunächst die ersteren weitaus, wo die Eingeborenen noch auf dem Stadium der Hauswirtschaft beharren. Das war aber, im Gegensatz zu den alten Kulturländern Südasiens, in den von Deutschland in Besitz genommenen Ländern durchweg der Fall. Diese Gebiete hatten aber dem europäischen H. früher außer ordentlich wenig zu bieten, und dementsprechend, wie nach dem Kulturgrad der sie bewohnenden Völker, war ihre Aufnahmefähigkeit für europäische Waren ganz unbedeutend. Diesem Umstande ist es auch zuzuschreiben, daß die älteren Kolonialstaaten diese Gebiete nicht in ihren Herrschaftsbereich gezogen hatten. Erst die industrielle Entwicklung Europas seit der Mitte des 19. Jahrh. ließ allmählich eine Nachfrage nach Rohstoffen entstehen, die sich im tropischen Afrika wie auf den Inseln der Südsee fanden, dort Kautschuk und die Erzeugnisse der Ölpalme, hier Kopra, wo vorher nach der Ausfuhr von Menschen nur etwas Elfenbein, Straußfedern, Muscheln zu finden waren. Damit erhielten diese tropischen Gebiete seit den siebziger Jahren zuerst eine etwas größere Bedeutung für den H. und fingen damit an, auch zu Märkten für europäische Waren zu werden. - Der Ausdehnungsfähigkeit des bloßen Sammelns sind aber enge Grenzen gesteckt. Ja, sobald es etwas intensiver betrieben wird, entsteht die Gefahr der Erschöpfung der natürlichen Schätze. Elefanten und andere jagdbare Tiere werden ausgerottet, die Kautschukpflanzen vernichtet. Die Gewinnung von Nutzholz aus dem Urwald erweist sich als schwieriger und unrentabler, als Afrikareisende, wie Stanley, glaubten. Demgegenüber entwickelt der H. sich in doppelter Richtung: er sucht immer weiter entlegene Gebiete in seinen Bereich zu ziehen, tiefer ins tropische Afrika einzudringen, wo er vorher sich auf einige Küstenplätze beschränkt hatte. Auf der anderen Seite sucht der H. nach neuen Gegenständen der Sammeltätigkeit, die er dem Welt markte zuführen kann: Häute und Felle von Haustieren, das Wachs wilder Bienen u. dgl. Immerhin ist aber auch dies in seiner Wirkung begrenzt. Nachhaltig kann auf die Dauer nur das Entstehen einer Produktion für den Absatz und insbesondere für die Ausfuhr wirken, auch diese wieder in doppelter Richtung. Auf der einen Seite werden die Eingeborenen zu landwirtschaftlicher Produktion für den Markt angeregt, zum Anbau von Ölsaaten, Kakao, Baumwolle usw. Auf der anderen entstehen europäische Produktionsunternehmungen, die Landbau, Viehzucht, Bergbau betreiben. Durch diese Entwicklung wird auch die Einfuhr gesteigert. Die Eingeborenen werden kaufkräftiger durch den Verkauf ihrer Produkte und die von ihnen verdienten Arbeitslöhne. Die Kolonisationstätigkeit der Weißen aber schafft neue Einfuhr für deren persönlichen Verbrauch und durch den Bedarf an Produktionsmitteln. Beide Wege zeigen zunächst nur langsam größere Wirkungen. Voraussetzung ist zunächst neben der politischen Befriedung die Erschließung durch Verkehrsmittel (die ihrerseits die Einfuhr steigert), insbesondere durch Eisenbahnen. Die Eingeborenen sind nur langsam für andere als die herkömmliche Tätigkeit zu gewinnen. Für die Unternehmungen der Weißen fehlt es an Kapital. Sie müssen in vollständigen Neuländern ohne Erfahrung ein längeres Versuchsstadium durchmachen. Plantagenbau wie Viehzucht liefern erst nach längerer Zeit größere Mengen für die Ausfuhr. - Auf dieser Entwicklungsstufe verschiebt sich auch das Verhältnis der Einfuhr zur Ausfuhr. Solange der Handel rein durch die Sammeltätigkeit genährt wird und sonstige Aufwendungen für die Kolonie nicht gemacht werden, wie in den ersten Zeiten der deutschen Kolonialpolitik, ist der Umfang der Einfuhr ganz von der Ausfuhr abhängig. Mit der weiteren Entwicklung ermöglichen die heimatlichen Zuschüsse zu den Kosten der Kolonialverwaltung und die in der Kolonie erfolgenden Kapitalaufwendungen ein stärkeres Ansteigen der Einfuhr. Erst allmählich folgt diesem das Wachsen der Ausfuhr. Das ist der Zustand, der jetzt in fast allen deutschen Schutzgebieten besteht. Nach voller Entwicklung muß als Normalzustand sich herausstellen, daß die Ausfuhr die Einfuhr übersteigt, da sie nicht nur zur Bezahlung der Einfuhr, sondern auch dazu dienen muß, Zins und Gewinn der in die Kolonie hineinverwendeten Kapitalien ans Mutterland abzuführen, während die Zuschüsse zu den Kosten der Verwaltung allmählich aufhören müssen. - Die oben ausgeführte Entwicklung wird durch die Zahlen der Handelsstatistik (s. d.) beleuchtet. Einfuhr und Ausfuhr der Schutzgebiete hielt sich anfangs die Wage und war im ganzen ziemlich stabil, je nach Trockenheit und Nässe und nach den Preisen für Palmöl, Kautschuk u. dgl. schwankend. In diesem Zustande blieb die Ausfuhr bis zum Schlusse des Jahrhunderts. Aus den drei Schutzgebieten des tropischen Afrika, für die allein wir längere vergleichbare Zahlenreihen haben, bewegte sie sich hin und her bis 1900 zwischen 9,7 und 13,6 Mill. M, ohne Fortschritte zu machen. Erst von 1901 an machen sich die kolonisatorischen Einflüsse geltend. Die Ausfuhr steigt anhaltend, erst langsam, dann immer schneller, nur vorübergehend gehemmt durch die Nachwirkungen der Wirtschaftskrisis von 1907, übersteigt in den drei Schutzgebieten 1907 33 Mill., erreicht 1912 64,7 Mill. M. In den gleichfalls tropischen Südseekolonien beginnt die stetige Zunahme der Ausfuhr gleichfalls 1901, in dem zuerst die dritte Million überschritten wird, erreicht 1907 5,6 Mill. M, um dann bis 1912 auf 17,1 Mill. M zu steigen, wovon allerdings 5,0 Mill. M auf Phosphate kommen, auf die sonstige Ausfuhr also doch 12 Mill. M. Nur aus Deutsch- Südwestafrika ist die Ausfuhr, unbedeutend geblieben bis 1907, dann aber durch Kupfer und Diamanten 1910 auf 34,7, 1911 auf 28,6, 1912 auf 39,0 Mill. M gestiegen. In allen diesen Schutzgebieten betrug die bis dahin im wesentlichen stabile Ausfuhr 1900 erst 17 Mill. M, 1903/04 rund 25, 1907: 41, 1910 dagegen 101, 1911: 98, 1912: 121 Mill. M. - Früher setzt die Steigerung der Einfuhr ein, entsprechend den größeren Aufwendungen aus Reichsmitteln und dem Beginn etwas größerer Kapitalanlagen. Schon 1893 übertraf sie, auch im tropischen Afrika, die Ausfuhr. In diesen Schutzgebieten war sie 1894/96 stabil mit knapp 16 Mill. M und war 1900 schon auf fast 30 Mill. M gestiegen, ein Höhepunkt, der erst 1904 wieder erreicht wurde. Von da an ist die Zunahme gleichmäßig und stark; 1912 waren es 96 Mill. M. Zu beachten ist, daß in diese Zeit die beginnende Anleihepolitik der Schutzgebiete und der energischere Eisenbahnbau fällt. In den Südseegebieten ist der erste Höhepunkt der Einfuhr 1903 mit fast 7 Mill. M. Sie erreicht 1912 14,2 Mill. M. Hier übertrifft die Ausfuhr die Einfuhr seit 1909, die Folge der Ausfuhrsteigerung durch die Phosphate. Aber auch in Samoa hat seit 1910 die Ausfuhr einen etwas höheren Wert als die Einfuhr. - Auch in Deutsch- Südwestafrika stieg die Einfuhr bis 1901, war aber durchschnittlich von 1899- 1904 stabil mit 7-10 Mill. M. Dann aber traten ganz anormale Verhältnisse ein durch den Aufwand, den die Bekämpfung des Aufstandes (s. Hereroaufstand) nötig machte. Für die Jahre 1904/05 enthält die Handelsstatistik den Wert der Regierungsgüter nicht; 1906 betrug der Einfuhrwert 68,6, denen eine nennenswerte Ausfuhr nicht gegenüberstand. Aber auch nach Herstellung normaler Zustände ist die Einfuhr hoch geblieben, 1907-1911 von 32 auf 45 Mill. M gestiegen und erst 1912 nach Fertigstellung der großen Bahnbauten wieder auf 32,5 Mill. M zurückgegangen. Der Wert der Einfuhr in die Schutzgebiete überhaupt, der von 1899 bis 1903 sich um 40 Mill. M bewegte, hat 1912 142 Mill. M übertroffen.

2. Deutsch-Ostafrika. Vor der deutschen Besitzergreifung ging der Außenhandel dieses Gebiets über Sansibar, das in direkter Verbindung mit Europa und Bombay stand. Hier saßen die europäischen, namentlich deutschen Handelshäuser, aber auch indische, die den Verkehr mit Bombay vermittelten. Von Sansibar aus wurde der Verkehr mit dem gegenüberliegenden Festlande durch Araber und Inder besorgt, die in den wichtigeren Küstenplätzen saßen, unter denen das nächstgelegene Bagamojo das wichtigste war. Hier war der Ausgangs- und Endpunkt der wichtigsten Handelsstraße, die ins Innere, nach Tabora, dem Mittelpunkte des binnenländischen Sklaven-, Elfenbein- und Waffenhandels ging, der in den Händen der Araber lag. Von Tabora führten Handelswege nördlich zum Westufer des Victoriasees, westlich nach Udjidji am Tanganjikasee. Andere Handelsstraßen führten landeinwärts von Tanga, Sadani und Pangani, im Süden, vor allem dem Sklavenhandel dienend, von Kilwa zum Tanganjika, von Lindi und Mikindani zum Njassasee. - Dieser Zustand hat sich seit Aufrichtung der deutschen Herrschaft erst langsam, dann immer stärker verändert. Noch um 1900 kam von dem Außenhandel Deutsch-Ostafrikas die Hälfte bis drei Viertel auf den Verkehr mit Sansibar. Jetzt ist es nur noch ein Fünfzehntel. Das ist die Folge zunächst der Herstellung direkter Schiffahrtsverbindung mit Deutschland (1890) und mit Bombay (1892; s. Dampfschifffahrt und Postverbindungen), des Anschlusses an die Kabellinien Sansibars (1890), der Loslösung des Geldwesens (1903/04; s. Geld und Geldwirtschaft). Auch daß 1899 Sansibar aufhörte Freihafen zu sein, dass 1905 der Ausbruch der Pest in Sansibar den Verkehr unterbrach, hat zu der Loslösung von Sansibar beigetragen. Der Aufrichtung der deutschen Herrschaft an der Küste folgte die Ansiedlung europäischer Kaufleute in den Hafenstädten, später auch an den wichtigsten Plätzen im Innern. Doch ist der Handelsbetrieb hier wie der Kleinhandel in den Küstenplätzen zum großen Teile in der Hand von Indern (s. d.), während die Araber (s. d.) mit der Unterdrückung des Sklavenhandels und der Herstellung des Landfriedens fast ganz ausgeschaltet sind. Unter den Küstenplätzen ist der Sitz der Regierung Daressalam stark hervorgetreten und hat den Verkehr von Bagamojo an sich gezogen. Ebenso ist im Norden die Zunahme des Verkehrs ganz Tanga zugute gekommen, dem Hafen für die westlich und nordwestlich davon gelegenen Pflanzungs- und Ansiedlungsgebiete. Daß dementsprechend diese beiden Plätze die Ausgangspunkte der Eisenbahn geworden sind, hat die Entwicklung stark beschleunigt. - Noch 1897 kam von den Zolleinnahmen von rund 1,5 Mill. M 25 % auf Bagamojo und 15 % auf Kilwa, 1912 von 5,2 Mill. M nur 2 und 3%, dagegen auf Daressalam und Tanga 1897 20 und 11%, 1912 43 und 25%. Vom Werte der Einfuhr über die Zollstellen der Küste kam 1912 allein auf Daressalam 60%, auf Tanga 27%, von der Ausfuhr aber auf Daressalam 21, auf Tanga 53%. Ganz neu ist der Verkehr über die binnenländische Grenze. Früher kaum nennenswert und an der Westgrenze gegen den Kongostaat hin noch durch dessen Monopolpolitik ganz erstickt, ist er am Victoriasee durch den Bau der englischen Ugandabahn hervorgerufen. Die dortigen drei Zollstellen (Muansa, Bukoba, Schirati) brachten 1911 fast 20% der Zolleinnahmen; von der Gesamteinfuhr des Schutzgebiets kam auf sie 10%, von der Ausfuhr 20%. Am Gesamthandel des Schutzgebiets war der Victoriasee 1912 beteiligt mit 14%, der Nordwesten (Moschi, Tanga, Pangani, Sadani) mit 35, die Mitte (Daressalam, Bagamojo) mit 41, die Südküste (Kilwa, Lindi, Mikindani) mit 10 %. - Während Aus- und Einfuhr absolut seit dem Anfang des Jahrhunderts gestiegen ist, hat sich ihre Zusammensetzung stark verschoben (s. Handelsstatistik). Was insbesondere die Ausfuhr, die den Maßstab der wirtschaftlichen Entwicklung abgibt, betrifft, so hat sie gegenüber den bis 1901 stabilen Zahlen ihren Wert bis 1912 versechsfacht. Hatte ursprünglich Elfenbein (s.d.) daran den Hauptanteil (1893 : 2,16 Mill. M = 45% der Ausfuhr), so ist dessen Wert auf den sechsten Teil gesunken. Der nächstwichtige Artikel war Kautschuk (s. d.), den seit etwa 1860 die europäischen Kaufleute in Sansibar aufkauften. An Menge und Wert ist seine Ausfuhr mit der Weltkonjunktur stark gestiegen, von 640000 M 1893 auf 8,4 Mill. M 1912. Anfang der 90er Jahre hatte die Ausfuhr an Getreide (Mtama [s. d. Reis usw.) den gleichen Wert wie die von Kautschuk, jetzt hat sie nur geringe Bedeutung, während die Einfuhr an Getreide (namentlich Reis), Mehl usw. 1912 auf 4 1/2 Mill. M gestiegen ist. Dementsprechend ist auch die Entwicklung einer erheblichen Zuckereinfuhr. Deutsch-Ostafrika hat - wie auch Kamerun - sich zu der typischen tropischen Pflanzungskolonie entwickelt, die ihren Nahrungsbedarf nicht mehr selbst erzeugt. Ein anderes altes ostafrikanisches Produkt, der Kopal (s.d.), hat an Bedeutung eher ab- als zugenommen (1912: 120000 M). An Rohstoffen der Ölgewinnung lieferte Deutsch-Ostafrika anfangs etwas Kopra (s.d.) und Sesam (s.d.). Jene hat ihren Wert fast verzehnfacht (1912: 1,56, 1910/11 bereits 1,9 Mill. M), dieser vervierfacht (1912: 524000 M); dazu sind neu Erdnüsse (s.d.) (1912: 1273 000 M) getreten. Alle anderen Ausfuhrwaren von Belang haben erst um die Jahrhundertwende an Bedeutung gewonnen, so als Erzeugnis der Sammeltätigkeit Wachs (1912: 829000 M, aber erheblich weniger als 1907/08, s. Bienen und Bienenzucht) und Häute und Felle (s.d.) (1912: gut 4 Mill. M), beide Posten zum Teil die Wirkung der Ugandabahn. Nutzholz und Gerbholz und Rinden (1912: 248 000 und 100 000 M) sind hier noch zu nennen. Vor allem aber sind die Pflanzungen mit ihrer Tätigkeit hervorgetreten, die auch an dem angeführten Zuwachs von Kautschuk den Hauptanteil haben (1911: 3,6, 1912: 7,2 Mill. M). Die erste Ware dieser Art, der Kaffee (s. d.), hat freilich enttäuscht, mit mancherlei Schwankungen ist 1912 ein Wert von 1,9 Mill. M erreicht, wovon über ein Drittel von Bukoba kommt. Am stärksten tritt Sisalhanf (s. Sisalagaven) hervor (1911: 4,5, 1912: 7,4 Mill. M), dem Baumwolle (s.d.) mühsamer (1911: 1,33, 1912: 2,11 Mill. M) gefolgt ist. Auf Planzungskautschuk, Kaffee, Sisal und Baumwolle kam also 1912 18,6 Mill. M, gleich 59 % der Ausfuhr. Der Bergbau trägt mäßige Summen bei für Glimmer (1912: 582000 M) und Gold (1912: 531000 M). Die Ausfuhr der Pflanzungserzeugnisse (mit Ausnahme der Baumwolle) erfolgt, entsprechend der Lage der Pflanzungen ganz vorzugsweise über Tanga, dessen Hochkommen mit der Entwicklung der Plantagenwirtschaft eng zusammenhängt. Denselben Weg nimmt die Holzausfuhr. Die Sammelerzeugnisse und die Produkte der Eingeborenenkultur sowie Baumwolle gehen vorwiegend über Daressalam, die Südküste und die Plätze am Victoriasee.

3. Kamerun. Diese Kolonie bildete ursprünglich kein einheitliches Handelsgebiet. Der geringe Handel der nördlichen Grasländer ging nach Bornu und Timbuktu und weiter nach Tripolis, das für den westlichen Sudan bis zur Waldgrenze eine ähnliche Handelsstellung einnahm wie Sansibar im Osten. Die Träger dieses Verkehrs waren die handelsbegabten Haussa (s.d.). An der Küste, die zum Waldgebiet gehört, fingen seit den 60er Jahren deutsche Kaufleute (C. Woermann) Verkehr mit den dortigen Negerstämmen an, um Palmöl und -kerne, Elfenbein und Kautschuk einzutauschen. Bei der Unsicherheit der Verhältnisse vollzog sich dieser Verkehr im Kamerunästuar selbst von Bord verankerter alter Schiffe (Hulks) aus. Den weiteren Verkehr ins Innere vermittelten die Küstenstämme, insbesondere die Duala (s.d.), die eifersüchtig über ihrem Monopol des Zwischenhandels gegenüber den Weißen wie den Inlandsstämmen wachten. Ins Innere ging der Handel der Neger nicht in der Form des Wanderhandels, sondern immer nur von Stamm zu Stamm. Der Ausdehnung der deutschen Herrschaft hat dieses Sperrhandelssystem den stärksten Widerstand entgegengesetzt. Wenn auch nach Errichtung der deutschen Herrschaft die Faktoreien der weißen Kaufleute aufs feste Land verlegt wurden, so blieben sie doch länger als ein Jahrzehnt ganz auf die Küstenplätze beschränkt. Erst die unter dem Gouverneur v. Puttkamer (s.d.) in der zweiten Hälfte der 90er Jahre eingeleitete Unterwerfung des Innern öffnete dieses auch für den Handel der weißen Kaufleute, zuerst über die Jaunde-Station (etwa seit 1897). Erst von etwa 1900 an ist die Absperrung endgültig durchbrochen, was in dem Ansteigen der Ausfuhrzahlen (s. Handelsstatistik) zum Ausdruck kommt. Im Norden dringt der Handel über den Kreuzfluß ein (Gesellschaft Nordwest-Kamerun [s. d.]). Vor allem aber im Süden schieben sich die Faktoreien der Kaufleute von Kribi aus vor, während die Eröffnung der Kongo-Eisenbahn (1898) ermöglicht, über den Kongo und Ssanga in die Südostecke der Kolonie einzudringen (Gesellschaft Süd-Kamerun [s. d.]). Von Norden her aber drängen die Haussahändler nach dem Südosten (1896 in Jaunde, in Molundu 1901) und nach der Küste vor (1902 in Victoria). Im Norden aber ist der alte Verkehr über Bornu durch die inneren Kämpfe der 90er Jahre (s. Rabeh) gestört und nach dem Benue über Garua und Jola gelenkt. - Durch den Bau der Eisenbahnen, die in Duala münden und durch die Erschließung von Nordkamerun werden in den jetzigen Handelswegen weitere namhafte Verschiebungen vor sich gehen. - An dem Gesamtaußenhandel haben die binnenländischen Zollstellen nur einen geringen Anteil. Auf Molundu (Südost) kamen in den letzten Jahren rund 8%, auf Garua (Norden) 2%, auf Nssanakang (Kreuzfluß) noch nicht 1%. Die ganze Masse kommt auf die Zollstellen Duala mit 45%, Kribi mit 37 und Victoria mit 10%. Doch verhält sich Aus- und Einfuhr ganz verschieden. Denn es kam 1912

Über Kribi geht die große Masse der Kautschukausfuhr, die den Wäldern des Südens entstammt, und der größere Teil des Elfenbeins, über Victoria die Pflanzungserzeugnisse, also vor allem der Kakao, über Duala gehen vor allem Palmkerne und Palmöl, Holz und der Kakao aus Eingeborenenkulturen. Wenn Duala bei der Einfuhr stark voransteht, so gehen Waren des Eingeborenenbedarfs (außer Branntwein) doch stärker über Kribi ein. Hier macht sich die durch die Ausfuhr entstehende Kaufkraft geltend. - Die Ausfuhr aus Kamerun setzte sich anfangs ganz überwiegend aus vier Waren zusammen. Auf Elfenbein kam etwa ein Zehntel, auf Palmöl, Palmkerne (s. Ölpalme) und Kautschuk je etwa drei Zehntel. Noch jetzt kommen auf diese Waren fünf Sechstel des ganzen Ausfuhrwertes. Aber ihr Anteil hat sich verschoben. Auf Elfenbein kommen nur noch 2-3%. Der Wert ist ungefähr ebenso hoch wie in den 90er Jahren (1912: 536000 M), nach dem er inzwischen wesentlich höher gewesen ist, 1907 und 1909 eine Million überstiegen hatte. Die Erzeugnisse der Ölpalme haben absolut ihren Wert verdoppelt und verdreifacht (1912 : 6, 0 Mill. M), aber ihr Anteil an der Gesamtausfuhr beträgt nur noch etwa ein Viertel, und während früher der Wert von Palmkernen und Palmöl ungefähr gleich war, nehmen jene jetzt etwa drei Viertel in Anspruch. Der ganze Wertzuwachs entfällt auf die Palmkerne. Ganz in den Vordergrund ist aber Kautschuk getreten, der die Hälfte der Ausfuhr und darüber liefert (1910/12 gut 11 Mill. M). Nimmt man noch Hölzer (mit 696000 M. 1912) hinzu, so ergibt sich, daß die große Masse der Ausfuhr in Kamerun noch der Sammeltätigkeit entspringt, das Interesse des Kaufmanns noch ganz vor dem des Pflanzers steht. Zu der Summe der Kautschukausfuhr trug 1912 Pflanzungskautschuk nur 171000 M bei. Nur ein Pflanzungserzeugnis hat im Außenhandel Bedeutung gewonnen: der Kakao (s.d.) (1912: 4,2 Mill. M), auf den in den letzten Jahren rund ein Sechstel der Ausfuhr entfiel. Davon entstammt für 3721000 M Pflanzungen, für 521000 M Eingeborenenkulturen. Außerdem sind noch Bananen (s.d.), Tabak (s.d.) und Kolanüsse (s.d.) mit kleinen Beträgen zu nennen. - Der Handel der europäischen (vorwiegend Hamburger und englischen) Firmen mit dem Innern vollzieht sich zu einem großen Teile noch in der Form des Tauschhandels, wenn auch die Geldwirtschaft zunimmt. Von den Hauptniederlassungen an den großen Plätzen werden von weißen Angestellten geleitete Zweigniederlassungen ins Innere vorgeschoben, denen die schwarzen Aufkäufer die Produkte zuführen. Für diese war zuerst in Duala das sog. "Trustsystem" entstanden: den farbigen Händlern wurden Waren anvertraut, "in Trust" gegeben, um dafür Produkte einzutauschen. Durch die Konkurrenz der europäischen Firmen wurde es den Händlern leicht gemacht, immer größere Beträge schuldig zu bleiben. Trotz der offenkundigen Bedenken dagegen hat sich das System vor allem nach dem Süden ausgedehnt, wo der Gummihandel zum großen Teil darauf aufgebaut wurde und wo man nun unter Trust den Kredit verstand, den der Eingeborene Händler dem eingeborenen Gummisammler gibt. Schließlich sind trotz der Bedenken aus kaufmännischen Kreisen durch GouvV. vom 15. Nov. 1912 die Trustgeschäfte verboten. Es ist verboten, Eingeborenen Waren oder Geld auf Vorschuß mit der Abrede zu geben, daß die Gegenleistung in Gummi bestehen soll. Solche Handelsgeschäfte sind nichtig. Das den Eingeborenen Geleistete kann nicht zurückgefordert werden. Auf Zuwiderhandlung steht Geldstrafe bis zu 10000 M oder Gefängnis bis zu 3 Monaten.

4. Togo. Seit den 50er Jahren hatten sich deutsche, insbesondere Bremer Kaufleute (Vietor) in Anecho niedergelassen, um Palmöl und Palmkerne einzutauschen. In der ersten Zeit nach der deutschen Besitzergreifung bestand auch die Ausfuhr des Schutzgebiets fast ausschließlich aus diesen Erzeugnissen, die durch Farbige Händler den europäischen Faktoreien zugeführt wurden. Erst hierdurch entstand ein Handelsverkehr von der Küste nach Norden. Hier bestand ein alter Durchgangshandel in Kolanüssen, auch Salz und Eisen, mit den Nachbargebieten. Auch heute hat der Norden noch Verkehr mit dem Sudan, der aber wesentlich nur Durchgangshandel und als solcher wegegebührenpflichtig ist. Von Süden her ist aber durch die deutsche Erschließung die Handelssperre der Inlandstämme durchbrochen, das Trustsystem (s. oben) beseitigt, der Tauschhandel durch Geldverkehr ersetzt. Umschlagplätze für den Verkehr mit dem Hinterlande sind die Endpunkte der Eisenbahn Palime und Atakpame. In der unnatürlichen Abgrenzung nach Osten und Westen liegt es begründet, daß der Hinterlandsverkehr in wechselndem Maße in die französischen und englischen Nachbargebiete abgelenkt wird oder über deutsches Gebiet geht. Hierin und in dem starken Einfluß, den trockene oder nasse Jahre üben, liegt der Grund für das starke Schwanken der Handelsziffern. Bei den Ein- und Ausfuhrzahlen ist auch die relativ starke Geldein- und ausfuhr nicht zu übersehen. Der Wert der Ausfuhr von Palmkernen und Palmöl, der Anfang der 90er Jahre 3 Mill. M überstiegen hatte, war bis 1897 auf 513000 M gesunken, ist seitdem aber ziemlich stetig gestiegen bis auf 5,27 Mill. M im Jahre 1911 und 4,79 Mill. M im Jahre 1912, fast zwei Drittel der Warenausfuhr (ohne Geld). Die Kautschukausfuhr, ganz unbedeutend in den Anfängen, ist allmählich gestiegen, hat aber nur in den Haussejahren 1907 und 1910 den Wert von einer Million überstiegen, machte 1912 fast ein Achtel der Warenausfuhr aus (976 000 M). Den Kulturen der Eingeborenen entstammt eine langsam, aber, stetig steigende Baumwollausfuhr (1912: 515000 M) und etwas Kakao (1912: 243000 M), außerdem mit starken Schwankungen Mais (s.d.), dessen Wert plötzlich 1907 auf 1,2, 1908 auf 2 Mill. M anstieg, um dann ebenso plötzlich zu Fallen (1912: 231000 M), was mit dem gleichzeitigen starken Ansteigen der Ölpalmenprodukte zusammenhängt. Auch die Zunahme der Ausfuhr von Vieh in den letzten Jahren (1912: 610 000 M), das in die afrikanischen Nachbargebiete geht, ist zu erwähnen. Der Außenhandel über die Küste, der mit dem Bau der Landungsbrücke ganz auf Lome konzentriert ist, umfaßte 1912 82% des Gesamthandels, 79% der Einfuhr und 86% der Ausfuhr. Von der Einfuhr gingen außerdem 13% im Lome-Landverkehr ein. An dem sonstigen Landverkehr war mit einem größeren Anteil nur der Noepe-Bezirk (westl. Küstengebiet), der Ho- und der Kpandu-Bezirk mit je 2 bis 8% beteiligt, so daß auf alle weiter inland gelegenen Bezirke nur 4% des Gesamthandels kommen. Von der Einfuhr über die Landgrenzen bestanden zwei Fünftel in barem Geld, die Ausfuhr bestand zu vier Fünfteln aus Lebensmitteln und Vieh.

5. Deutsch- Südwestafrika. Der Handel hat in diesem Gebiete immer in europäischen Händen gelegen. Von der Kapkolonie her entstand seit den 50er Jahren (Andersson, s.d.), seit den 60er Jahren auch seitens der Barmer Mission (s. Rheinische Missionsgesellschaft) eine geringe Handelstätigkeit, die den Hereros (s.d.) Vieh abtauschte, um es nach der Kapkolonie, später namentlich nach Kimberley zu treiben. Auch nach der deutschen Besitzergreifung bewegte sich der Handel auf dieser Bahn, betrieben durch weiße Händler, die mit dem Ochsenwagen das Land durchzogen und in den "Stores" sich mit Ware versorgten. Manche davon Ansiedlungslustige, die auf diese Weise sich Vieh verschafften, wohl auch Land abtreten ließen. Bis 1901 blieb die Ausfuhr ganz unbedeutend, Häute, Felle, Hörner, Straußenfedern, vor allem aber Guano waren ihre Stütze. Die starke Nachfrage des britischen Südafrika nach Vieh nach der Beendigung des Burenkriegs brachte 1902 und 1903 die erste merkliche Zunahme (1903 Viehausfuhr 2,3 Mill. M, bei einer Gesamtausfuhr von 8,4 Mill. M). Der ursprüngliche Tauschhandel ging allmählich in einen Borghandel über, der zu vielen Mißbräuchen führte. Mit dem Ausbruch des Aufstandes Ende 1903 (s. Hereroaufstand) brach die Ausfuhr ganz zusammen und sank auf einige hunderttausend Mark (wesentlich Häute und Felle). Erst 1907 fing sie an zu steigen, weil nunmehr die Ausfuhr von Kupfererzen (s.d. u. Bergbau) eintrat, dazu kam seit 1908 Blei und die ersten Diamanten (s.d.), die dann die Ausfuhrziffern der folgenden Jahre plötzlich in die Höhe trieben. Während diese drei Waren 1910, 1911 und 1912 33,4, 27,2 und 37,2 Mill. M zur Ausfuhr beitrugen, blieb für alle andern Waren nur 1,3, 1,4 und 1,8 Mill. M übrig. Davon kam aber die Hälfte auf wieder ausgeführtes Packmaterial und sonstige Wiederausfuhr, so daß nur 639000, 733000 und 813000 M auf sonstige Erzeugnisse der Kolonie kommen, davon 1912 289000 M auf Häute, Felle und Hörner, 150000 M auf Wolle, 97000 M auf Straußenfedern, 44000 M auf Vieh und sonstige Haustiere. Die Entwicklung der Farm- und Viehwirtschaft des Schutzgebiets hatte noch nicht ausgereicht, die große Zufuhr an pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln zurückzudrängen. - Fast der ganze Außenhandel vollzieht sich über Swakopmund und Lüderitzbucht. Und zwar kamen 1912 auf jenes 39, auf dieses 59%. Dagegen hat der ursprüngliche Eingangsplatz an der Küste, Walfischbai, jede Bedeutung verloren. Auf Swakopmund kam 62% der Ein-, nur 20 % der Ausfuhr, auf Lüderitzbucht 35% der Ein-, aber 79% der Ausfuhr. Die Landgrenze im Süden hat für die Ausfuhr gar keine Bedeutung, von der Einfuhr kamen 1911 nur mehr 1 % über die dortigen Zollstellen. - Der alte Handel mit den Eingeborenen ist mit der Niederwerfung des Aufstandes vernichtet, da diese kein Großvieh mehr besitzen und kreditunfähig sind. An die Stelle des Wanderhandels ist der Laden (Store)-handel in den entstehenden Ansiedelungszentren getreten, wo die weiße Bevölkerung sich versorgt. Der Krieg brachte für diesen Detailhandel, der wieder von wenigen großen Firmen sich versorgt, große Umsätze bei hohen Preisen. Dagegen trat dann naturgemäß mit der Herstellung der Ordnung und der Verminderung der Schutztruppe und ihres großen Verbrauchs ein starker Rückschlag ein, der zu lebhaften Klagen führte.

6. Die Schutzgebiete der Südsee. Die Kaufleute, die mit den Südseeinseln ursprünglich von kleinen Segelfahrzeugen aus Handel trieben, setzten sich an manchen Punkten schon um die Mitte des 19. Jahrh. fest und gründeten hier und da Faktoreien, um Produkte der Eingeborenen einzutauschen. Zum Teil aber dienten solche Handelsfahrten der Anwerbung farbiger Arbeiter für die Zuckerplantagen in Queensland. In dieser Weise kamen deutsche Kaufleute nach den Fiji-, den Tongainseln, nach Tahiti usw., vor allem seit den 50er Jahren nach Samoa (C. Godeffroy), wo seit 1865 auch Pflanzungen angelegt wurden. Anfang der 70er Jahre kamen sie auch in den Bismarckarchipel und nach den Marshallinseln und Karolinen (die Brüder Hernsheim). Neben einigen Seeprodukten, wie Perlmuscheln (s. Perlen und Muscheln) und Trepang (s.d.), war bald das wichtigste Produkt, was eingehandelt und auf eigenen Pflanzungen erzeugt wurde, die Kopra (s.d.), um die auch heute fast der ganze Südseehandel sich dreht. Die starke Nachfrage nach Pflanzenfetten ist ihm deshalb sehr förderlich gewesen. Von 1902/4 bis 1912 stieg der Wert der Kopraausfuhr aus den Südseeschutzgebieten von 3,4-3,6 auf 10,1 Mill. M. - In Samoa liefert die Kopra immer noch gut vier Fünftel des Ausfuhrwerts, wobei über zwei Drittel von den Eingeborenen stammen, nicht ganz ein Drittel aus europäischen Pflanzungen; 1912: 4,1 Mill. M, zusammen gegen rund 1,5 Mill. M 1902/04. Auch einige Durchfuhr von Kopra, die aus anderen Südseeinseln stammt, geht über Samoa (1912: 317 t). Diesem entstammt so gut wie ausschließlich der Kakao, der 1906 zuerst den Wert von 100000 M, 1912 den von 840000 M erreichte. Kautschuk wurde 1912 zum ersten Male in größerer Menge (110 000 M) ausgeführt. Andere Erzeugnisse sind ganz unbedeutend. - Die Schutzgebiete der westlichen Südsee lieferten 1902/04 für etwa 2 Mill. M Kopra, 1912 für 6,0 Mill. M, wovon zwei Drittel aus dem Bismarckarchipel, 1,7 Mill. von den Marshallinseln und Ostkarolinen kamen. Alle anderen Ausfuhrwaren tragen nur ganz geringe Summen zur Ausfuhr bei, etwas größere Perlmuttermuscheln (1912: 158000 M), Paradiesvögel (449 000 M) und Kautschuk (156000 M). Mit großen Summen aber treten die Phosphate auf, 1912 mit 5,0 Mill. M, 41% der Ausfuhr, während auf Kopra 50% entfielen, so daß auf alle andere Ausfuhr nur 9% kamen. Von den einzelnen Teilen des weitverstreuten Schutzgebietes kamen anfangs nur der Bismarckarchipel und die Marshallinseln in Betracht, da in Kaiser-Wilhelmsland die Gewinnung von Ausfuhrwaren erst ganz zu schaffen war. Bei dem Wechsel in den Methoden der statistischen Veröffentlichung ist ein Vergleich des Anteils der einzelnen Gebiete über längere Zeiträume unmöglich, da Kaiser-Wilhelmsland jetzt mit dem Bismarckarchipel (a), die Marshallinseln mit den Ostkarolinen (b), die Westkarolinen mit den Marianen (c) zusammengefaßt sind. Es betrug:

7. Überblick. Einen Überblick über die Entwicklung der wichtigeren Ausfuhrprodukte aus den deutschen Schutzgebieten (ohne Kiautschou) gibt die folgende Zusammenstellung (in Mill. M).

*) Kupfer, roh 313,0.

Von 1903-1912 stieg die Ausfuhr der Schutzgebiete überhaupt von 25,6 Mill. M auf 120,9 Von dem Zuwachs von 95,3 Mill. M kam auf die oben angeführten Produkte 72,0 Mill. M. Davon kamen 1912 auf gewerbliche Rohstoffe 101,7 Mill. M und von dem Zuwachs seit 1903: 85,9 Mill. M. Davon wieder entfielen auf die vier angeführten Montanerzeugnisse 42,1 Mill. M. - Der Außenhandel der deutschen Schutzgebiete zeigt auch in der Beziehung das typische Bild des Handels von kolonialen und Neuländern, daß er in jedem Gebiete auf der Ausfuhr einer verhältnismäßig geringen Zahl von Waren beruht, wenn auch eine zunehmende Mannigfaltigkeit , nicht zu verkennen ist. Überall liegt in der Abhängigkeit von einem oder wenigen Artikeln und dem Ausfall der Produktion eine gewisse Schwäche der Kolonialwirtschaft, die noch durch den Umstand verstärkt wird, daß die kolonialen Rohstoffe sehr stark im Preise schwanken, je nach der von der wirtschaftlichen Konjunktur abhängigen Nachfrage, in Europa und Amerika oder bei Veränderung im Angebot. Hiervon sind die deutschen Kolonien um so abhängiger, je weniger ihre Produktion noch - einen entscheidenden - Einfluß auf den Weltmarkt ausübt. Denn dafür sind die auf den Markt gebrachten Mengen durchweg viel zu niedrig. Die allerdings merkwürdig rasch überwundene Wirtschaftskrisis von 1907/08 brachte für eine ganze Reihe von für uns wichtigen Waren einen starken Preisrückgang, so für Kautschuk, Häute, Kopra, Kakao, was in den Zahlen des Außenhandels wie in den Gewinnen der kolonialen Unternehmungen einen merklichen Ausdruck fand. Trotz der im ganzen steigenden Tendenz der Entwicklung sank der Wert der Ausfuhr aus Ostafrika und Kamerun von 28,4 auf 23 Mill. 34. Die große Hausse von Kautschuk im Jahre 1910, wie die erneute Baisse 1913 hat die ganze Kolonialwirtschaft stark beeinflußt.

8. Kiautschou. Die bisherigen Ausführungen beziehen sich nicht auf das Schutzgebiet Kiautschou. Hier handelt es sich nicht um ein selbständiges Produktionsgebiet. Abgesehen von dein Verbrauch am Ort, soweit er durch Zufuhr von See gedeckt wird, kommt der Verkehr mit dem Hinterlande in Frage, für den Tsingtau der Durchgangspunkt ist, und bei dem nur die Einfuhr und Ausfuhr seewärts festgestellt wird. Im wesentlichen handelt es sich also hier um ein Stück des nordchinesischen Außenhandels, vor allem der Provinz Schantung, den Kiautschou an sich gezogen hat. Das ist zum Teil Verkehr der dem älteren Hafenplatz Tschifu entzogen ist (der 1906 von Kiautschou überholt wurde), zum Teil neugeschaffener Verkehr, den die neuen Hafenanlagen, in Verbindung mit dem Eisenbahnbau, hier haben entstehen lassen. Er ist in seinem Umfange ganz abhängig vom Gange des Wirtschaftslebens in Nordchina, ist auf der anderen Seite in Aus- und Einfuhr zum Teil wieder Ver- 1 kehr mit anderen Plätzen an der Küste Chinas, vollzieht sich in den Organisationsformen des chinesischen Handels. Die Ein- und Ausfuhr, wenigstens im Verkehr mit Europa und Amerika, liegt in, den Händen der okzidentalischen Kaufleute, während der Verkehr mit denjenigen Chinas durch die chinesischen Kaufleute besorgt wird. Es war zunächst die Einfuhr, die in raschen Sprüngen 1906/07 einen Wert von 82,4 Mill. M erreichte (davon 20,8 Mill. M aus China), infolge der dann einsetzenden schweren Erschütterung des Wirtschaftslebens 1907/08 auf 55,4 Mill. M zurückging, bis 1911/12 auf 114,9 Mill. M stieg (davon 47,9 Mill. M aus China). Ihre Zusammensetzung entspricht der des chinesischen Handels überhaupt, wobei an nichtchinesischen Waren Baumwollgarn und Gewebe mit der Hälfte des Werts ausländischer Waren an der Spitze stehen, daneben Petroleum, -Zündhölzer, Zucker, Zigaretten, an Produktionsmitteln Metalle und Anilinfarben, zeitweise auch Eisenbahnbaumaterialien bemerkenswert sind. Die Ausfuhr hat sich langsamer nach Tsingtau gewöhnt, ist aber ganz stetig gewachsen, wenn sie auch mit dem Steigen des Zinsfußes nicht ganz Schritt gehalten hat (1911/12: 80,3 Mill. M). Dabei stehen die eigenartigen Industrieerzeugnisse der Provinz Schantung, Strohborten und Seidengewebe (Pongees) sowie landwirtschaftliche Erzeugnisse im Vordergrunde, wie gelbe Seide und Baumwolle, Erdnüsse und Erdnußöl, Bohnenöl usw., wozu .neuerdings Steinkohlen kommen.

9. Handel der Schutzgebiete mit Deutschland und anderen Ländern. Es liegt im Wesen einer Kolonie, daß sie in erster Linie in Verkehr mit dem Mutterlande steht und für dieses ein Vorzugsmarkt ist. Durch die politischen und persönlichen Beziehungen wird das befördert. Die staatliche Verwaltung, öffentliche und halböffentliche Unternehmungen (z.B. Eisenbahnen) decken ihren Bedarf, soweit möglich, im Mutterland, die. Schiffahrts- und sonstigen Verkehrs-, die Bankverbindungen führen dorthin usw. - Dieser allgemeine Satz wird aber durch eine Reihe von Momenten beschränkt. Gewisse Waren er zeugt das Mutterland überhaupt nicht oder nicht in genügender Menge (z.B. Petroleum) oder nicht in den besonderen Qualitäten, die der Kolonialmarkt verlangt, oder nicht zu Preisen, daß es auf dem Weltmarkte konkurrenzfähig wäre (so Deutschland die meisten Lebensmittel). Umgekehrt kann für die kolonialen Erzeugnisse die Nachfrage im Mutterlande fehlen oder ungenügend sein. - Ferner spielen die Entfernungen und Verkehrsverbindungen eine große Rolle. Deutschland hat keine Besitzungen wie die nordafrikanischen Frankreichs, die in unmittelbarer Nähe liegen und von Natur auf den Verkehr mit dem Mutterlande angewiesen sind. Sehr entlegene Kolonien sind auf den Verkehr mit benachbarten Ländern hingewiesen, so unsere Südseebesitzungen auf den mit Australien und Neuseeland, Deutsch-Ostafrika auf Bombay und Sansibar, namentlich so lange der Handel geringen Umfang hat und die Herstellung direkter Schifffahrtsverbindungen nicht lohnt. Aber selbst mit diesen ist die Bedeutung der Entfernung und der Transportkosten nicht aus der Welt zu schaffen. Auf der anderen Seite verschleiern direkte Schiffahrtsverbindungen mit dem Mutterlande, wie die unserer afrikanischen Schutzgebiete, das wirkliche Verhältnis, da sie Waren aus dem Mutterlande bringen und ihnen zuführen, die deren Wirtschaft nicht entstammen und nicht dafür bestimmt sind. - Im Handel überseeischer Gebiete ist es deshalb überhaupt schwer, den Ursprung der Einfuhr und die Bestimmung der Ausfuhr zahlenmäßig genau zu erfassen, besonders dann, wenn Verkehr mit Plätzen bestellt, die nur internationale Umschlagsplätze sind, wie Sansibar. Insbesondere die Bestimmung der Ausfuhr ist genau überhaupt nicht möglich, weil bei manchen Waren im Augenblicke der Ausfuhr die endgültige Bestimmung noch gar nicht feststeht. Etwas genauer kann die Herkunft der Einfuhr festgestellt werden. Aber auch hier bleibt viel Unsicherheit. Die Angaben der Handelsstatistik dürfen immer nur mit der größten Zurückhaltung benutzt werden. In der Handelsstatistik der deutschen Schutzgebiete stehen Waren, die zwar in Deutschland verschifft sind, aber nicht aus Deutschland stammen. Zuweilen ist das ganz klar, wie bei dem dorther kommenden Petroleum. Oder es ist leicht festzustellen, daß z.B. die in Hamburg nach Kamerun verschifften getrockneten Fische (1911: 1253000 M oder das Bau- und Nutzholz nicht aus Deutschland stammen. Der Reis, 1911 für 908000 M aus Deutschland ist dort zwar bearbeitet, aber nicht gewachsen usw. Voll der Einfuhr Sansibars nach Deutsch-Ostafrika (1912: 3,773 Mill. 34) entstammt last nichts der Produktion dieser Insel. Aber woher die Waren wirklich kommen, sagt die Statistik nicht. Die große Unsicherheit aller dieser Zahlen müssen wir uns vor Augen halten, wenn wir Folgerungen daraus ziehen wollen. Können doch große Veränderungen der Zahlen einfach die Folge veränderter Anschreibung sein. - Nach der Statistik der deutschen Schutzgebiete (ohne Kiautschou) kam von der Gesamteinfuhr aus Deutschland

Die Angabe, daß von der Ausfuhr 1912.. 70 % (1911 bereits 83 %) nach Deutschland ausgeführt werden (84,9 Mill. M ist nach den obigen Ausführungen von geringerer Bedeutung. Von anderen Ursprungsländern sind 1912 hervorzuheben Großbritannien mit 10, 7 Mill. M = 7 ½ %,die den Schutzgebieten benachbarten afrikanischen Gebiete mit 15, 7 Mill. M (davon Sansibar mit 3,8) = 11 %, Asien mit 10,7 Mill. M 7 1/2 %, Australien und Südsee mit 6,5 Mill. M = 4 ½ %. Für alle anderen Länder blieben dann 0,6 Mill. M = 7 ½ %). - In den einzelnen Schutzgebieten liegt die Sache sehr verschieden. Das tropische Westafrika stand von vornherein in direkten Beziehungen zu Deutschland. Dieses war an der Einfuhr nach Kamerun 1903 mit 70, 1912 mit 80 % beteiligt. Neben Deutschland kommt hier nur England mit größeren Summen in Betracht: 1912 mit 5,5 Mill. M = 16 % Namentlich an Baumwollgeweben, Salz, Seife, gewissen Eisenwaren hat es einen erheblichen Anteil In Togo schwankt die Höhe des deutschen Anteils stark zwischen 40 und 55 %.Wenn er von der Gesamteinfuhr aber 1912 nur 42 % betrug, so war er von der Wareneinfuhr (ohne Geld) 46 % auf die afrikanischen Nachbargebiete kamen 25, aber ohne Geld 15 % auf England kamen 17 resp. 19 % Der Anteil Deutschlands an der Einfuhr nach Deutsch-Südwestafrika bewegt sich um 80 0/0. An zweiter Stelle steht das Nachbargebiet Kapland, 1912 mit 12 % (4,0 Mill. M), hauptsächlich Lebens- und Futtermittel und Vieh. Doch kommt manches nur in Durchfuhr vom Kapland (so Mehl, Zucker, Petroleum). Die Einfuhr aus England ist 1912 nur noch mit 319000 M angegeben (wovon ein Drittel Steinkohlen). - In Deutsch-Ostafrika ist der Anteil Deutschlands an der Einfuhr ziemlich stetig gestiegen, von 26 % 1903 auf 51 % 1912 (25,8 Mill. M). Sansibar und den afrikanischen Nachbargebieten waren 8,2 Mill. M = 16 %, Indien 8,8 Mill. M = 17 %, England 2,5 Mill. M = 5 % zugeschrieben. Doch ist mit diesen Zahlen nicht viel anzufangen, da die Einfuhr Sansibars und der afrikanischen Nachbargebiete nur zum kleinsten Teile aus diesen Gebieten stammt. Der englische, aber auch der deutsche Anteil muß demnach größer sein als angegeben. Von der Einfuhr über die Binnengrenzen allein kamen fast zwei Drittel aus "afrikanischen Nachbargebieten". Zu einem ganz kleinen Teil waren das afrikanische Produkte für die Wiederausfuhr, zum größten Teil europäische Waren. - Im Schutzgebiete Neuguinea betrug der deutsche Anteil an der Einfuhr 1912 34½ % (3,2 Mill. M; 1911 bereits 43%), während auf die viel näher gelegenen Gebiete Australiens (und Südseeinseln) 3,4 Mill. = 37%, Asien 1,9 Mill. M = 21 % kamen. Darin mag aber manches anderen Ursprungs sein. Noch viel stärker tritt Australien in Samoa hervor, 1912 mit 62 % (3,1 Mill. M), während auf Deutschland nur 20 % (986 000 M), auf die Vereinigten Staaten 9 % (459 000 M) kamen. Die große Einfuhr an Nahrungs- und Genußmitteln kam in allen Südseegebieten naturgemäß ganz überwiegend aus den Nachbargebieten. - Die Zweifel an dem Werte dieser Angaben der Schutzgebietsstatistik werden verstärkt, wenn man sie vergleicht mit der Statistik der Verkehrsländer. Die Einfuhr nach Deutsch-Südwestafrika betrug nach der Schutzgebietsstatistik aus England 1911 7,5 Mill. M, die Ausfuhr aus England nach der dortigen Statistik nur gut 4 Mill. M, die Einfuhr aus Kapland nach Deutsch- Südwestafrika 1912 nach der dortigen Statistik 4,0 Mill. M, nach der kapländischen nur 1,6 Mill. M, die deutsche Einfuhr nach allen Schutzgebieten (außer Kiautschou) nach der Schutzgebietsstatistik 1912 88,7 Mill.M, davon 3,0 Mill. M Gold- und Silbermünzen und 2,5 Mill. M anderes Geld, also Wareneinfuhr 83,0 Mill. M. Dagegen hatte die Ausfuhr aus Deutschland nach denselben Schutzgebieten nach der deutschen Statistik 49135000 M, außerdem an Edelmetallen 3,234 Mill. M. Wenn auch der Zeitraum sich wegen der Dauer der Transporte nicht deckt, so genügt dies Moment doch nicht zur Erklärung, denn die Schutzgebietszahlen sind, wenigstens beim Warenverkehr, jedes Jahr erheblich größer als die deutschen. Etwas höher müssen ja die Schutzgebietszahlen sein, als die deutschen, da die Transportkosten hinzu kommen. Aber der tatsächlich wiederkehrende Unterschied ist doch zu groß, als daß er so erklärt werden könnte.

Die Zahlen des Hamburger Hafenverkehrs, der doch nicht die ganze deutsche Ausfuhr nach den, Schutzgebieten enthält, nähern sich den Schutzgebietszahlen erheblich mehr als die der deutschen Zollstatistik, zum Teil natürlich dadurch, daß sie Waren nichtdeutschen Ursprungs umfassen. Wahrscheinlich ist auch, daß bei der Einfuhr in die Schutzgebiete der Wert anders berechnet wird als bei der Ausfuhr aus Deutschland, was wegen der ausgedehnten Anwendung von Wertzöllen erforderlich erscheint. S.a. Handelspolitik.

Literatur: Alle allgemeine Literatur über Kolonialpolitik und über die deutschen Schutzgebiete beschäftigt sich mit dem Handel, ebenso die amtlichen Denkschriften.

Rathgen.