Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 27

Handelsfirmen. Firmen, die nur Handel treiben, gibt es in den Kolonien häufig, indes finden wir noch zahlreicher Firmen vertreten, die sich neben dem Handelsgeschäft noch mit Farmwirtschaft, Plantagenbau usw. beschäftigen oder an anderen Unternehmungen beteiligt sind. So sind fast alle Handelsgesellschaften in der Südsee mit Plantagen verbunden, einzelne auch am Phosphatbergbau beteiligt. Eine scharfe Trennung in Handelsfirmen und andere läßt sich nicht immer durchführen. Nimmt man diejenigen Firmen, bei denen das Handelsgeschäft überwiegt, so ergibt sich folgendes: In Deutsch-Ostafrika sind 80 größere Handelsfirmen tätig. Die größte davon ist die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft (s.d.), die allerdings auch umfangreiche Plantagen besitzt. Daneben finden wir noch eine Reihe großer Hamburger Exporthäuser, wie Hansing & Co. und W. Oswald & Co. Wesentlich mehr Handelsfirmen als in Deutsch-Ostafrika befinden sich in Kamerun, da die Sammeltätigkeit der Eingeborenen in Kamerun größer ist und daher mehr Erwerbsgelegenheit für den Kaufmann bietet. Infolgedessen gibt es dort mehr reine Handelsunternehmungen als in Deutsch-Ostafrika. So ist beispielsweise die Afrikanische Kompagnie der Typus des reinen Handelsunternehmens. Daneben finden wir als Handelsfirmen noch die Bremer Kolonial-Handelsgesellschaft Oloff, die Deutsch- Westafrikanische Handelsgesellschaft, die Firma Woermann und eine Reihe englischer Häuser. Im Kameruner Kautschukhandel sind nicht weniger als 49 Firmen tätig, die mehr als 300 Angestellte haben. In Togo sind 17 Handelsfirmen tätig; die bedeutendste hiervon ist die Deutsche Togo-Gesellschaft (s.d.), die mit einigen Plantagenunternehmungen eng liiert ist. Außerdem haben Kameruner Firmen in Togo Zweigniederlassungen. In Deutsch-Südwestafrika bestehen 18 größere Handelshäuser, darunter die Firma Karl Bödicker, die mit einem Kapital von 1,4 Mill. M arbeitet. In der Südsee betreiben, wie schon erwähnt, alle Handelsfirmen neben dem Handelsgeschäft noch Plantagenbau, so daß hier eine strenge Scheidung nicht möglich ist. In Deutsch-Neuguinea existieren 12 Firmen, die Handel betreiben, auf den Marshallinseln 3, auf den Karolinen 10 und in Samoa 3 größere Firmen neben zahlreichen kleinen. Die größten dieser Handelshäuser sind: die Neuguinea- Kompagnie (Kapital 11 Mill. M), die Deutsche Handels- und Plantagen- Gesellschaft der Südseeinseln (2,7 Mill. M), Hernsheim&Co. (1,8 Mill. M), Heinr. Rud. Wahlen (1,8 Mill. M), die Jaluit- Gesellschaft (1,2 Mill. M) und die Hamburger Südsee-Aktien- Gesellschaft mit 2 Mill. M Kapital (s.d. betr. Art.). - In Kiautschou, das im Gegensatz zu den anderen Kolonien den Typus der reinen Handelskolonie darstellt, bestehen 8 große Handelshäuser, darunter Karl Bödicker&Co., Carlowitz&Co. und Arnhold, Karberg&Co. -Bezüglich der Rentabilität ist zu bemerken, daß die Gewinne der Handelsgesellschaften stark schwankend sind, daß aber die meisten Dividenden recht hoch lauten. Es betrugen die Dividenden in den letzten Jahren:

*) Außerdem erhielt jede Aktie 2 Genußscheine; diese bekamen 1910: 110 M, 1911: 120 M.

S.a. die einzelnen Firmen.

Zoepfl.

Literatur: Kolonial-Handels-Adreßbuch (W. Süßerott. Berlin). - v. d. Heydts Kolonial-Handbuch.