Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 28

Handelskammern. Die H. in den deutschen Schutzgebieten sind nicht staatlich organisierte Korporationen, denen deshalb auch öffentlichrechtliche Befugnisse nicht beigelegt sind. Sie sind (wie vielfach über See) private Vereine von Kaufleuten, der Regel nach nur eingetragener Firmen, welche die Interessen des Handels wahrnehmen wollen, insbesondere gegenüber der staatlichen Verwaltung und der Öffentlichkeit, aber auch sonst durch Vereinbarungen, Kreditschutz, Auskunfterteilung usw. Die ersten Versuche solcher Vereinsbildungen, die in Kamerun und Togo gemacht waren, sind wieder eingeschlafen. In den letzten 5 bis 6 Jahren sind aber lebenskräftigere Neubildungen entstanden, die zum Teil sehr nützliche Arbeit leisten. S. a. Gewerbegesetzgebung und Handelsrecht. In Togo besteht zurzeit keine H. In Kamerun (seit Okt. 1907) ist die sehr rührige H. für Südkamerun mit dem Sitze in Kribi zu nennen; deren lehrreicher Bericht, der 1912 erschien, verdient besondere Erwähnung. In Duala ist Mitte 1911 eine H. für Duala und Mittelkamerun gegründet, die sich Anfang 1914 aufgelöst hat; ihre Aufgaben werden fortgeführt durch den neugegründeten Verein der Nord- und Mittelkamerun-Kaufleute. Für das tropische Westafrika sei auch auf den Verein Westafrikanischer Kaufleute in Hamburg hingewiesen, gegr. 5. Juni 1902 (Jahresberichte), sowie auf den Verband der Kameruner und Togopflanzungen in Berlin (gegr. 1907). In Deutsch-Südwestafrika bestehen H. in Windhuk (Berichte) und in Swakopmund (gegr. 1910). Daneben sei der Lüderitzbuchter Börsenverein (Ende 1908 von Inhabern der Anteile von Diamantgesellschaften gegründet, letzter Jahresbericht 1911) und die Lüderitzbuchter Minenkammer (Ende 1910 gegründet, Berichte) erwähnt. In Deutsch-Ostafrika besteht keine H. Die Handelsinteressen werden zum Teil durch den Wirtschaftlichen Landesverband vertreten, zu dem sechs Vereine gehören (die wirtschaftliche Vereinigung für Daressalam und Hinterland, der wirtschaftliche Verband für den Rufiji, der wirtschaftliche Verein in Lindi, der wirtschaftliche Verband vom Kilimandscharo, der wirtschaftliche Verein vom Meru, der wirtschaftliche Verband der Nordbezirke). Auch der Verband deutschostafrikanischer Pflanzungen in Berlin sei erwähnt. In Tsingtau besteht eine H. von Inhabern eingetragener Firmen, die zwar ein Privatverein ist, deren Vorstand aber öffentliche Befugnisse hat, insofern er aus seiner Mitte einen Bürgerschaftsvertreter für den Gouvernementsrat wählt (V. vom 14. März 1907) Daneben besteht seit Mitte 1909 eine chinesische H., der die chinesische Regierung mit Genehmigung der deutschen Verwaltung gewisse Befugnisse verliehen hat.

Rathgen.