Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 32

Handelsregister. Der 2. und der 3. Abschnitt des 1. Buches des HGB., betr. Handelsregister und Handelsfirmen finden auf die Weißen in den deutschen Schutzgebieten allgemein Anwendung. Wie im Mutterlande ist daher jeder Vollkaufmann verpflichtet, seine Firma und den Ort seiner Handelsniederlassung sowie jede Zweigniederlassung zur Eintragung in das Handelsregister anzumelden und seine Firma zur Aufbewahrung zu zeichnen (§ 29 HGB.). Die gleiche Verpflichtung trifft nach § 2 HGB. sonstige Gewerbetreibende, deren Unternehmen nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert (§ 2 HGB.). Zu diesen Personen gehören in den Schutzgebieten namentlich Arbeiteranwerber und Bauunternehmer. Die Farmer und Pflanzer dagegen sind gemäß § 3 HGB., auch wenn sie ein kaufmännisches Nebengewerbe betreiben, von der Eintragungspflicht befreit. Die Führung der Handelsregister und die Ausübung des Eintragungszwangs liegt nach § 2 SchGG., § 7 Nr. 2 KonsGG. den Bezirksrichtern ob. Für die Führung und Einrichtung der Register sind nach § 19 Nr. 1 und § 23 Abs. 5 KonsGG. außer dem HGB. das Reichsgesetz und das preußische Gesetz über die Freiwillige Gerichtsbarkeit, das preußische Ausführungsgesetz zum HGB. und die Vf. des Justizministers vom 7. Nov. 1899 (Justizministerialblatt 313) maßgebend. Die öffentliche Bekanntmachung der Eintragungen erfolgt nach einer auf § 29 KonsGG. beruhenden Vf. des RK. vom 14. Okt. 1909 (KolBl. 979) durch das Deutsche Kolonialblatt und mindestens ein anderes Blatt. Ein Handelsregister für Farbige in Deutsch-Ostafrika war, durch eine V. des Gouverneurs vom 5. Jan. 1897 (KolBl. 123) eingeführt worden. Es diente jedoch nur der Vorbereitung der Gewerbesteuer und wurde mit der GewerbesteuerV. vom 7. Dez. 1907 (KolBl. 1908, 373) beseitigt.

Radlauer.