Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 33

Handelssprachen. Bei der großen sprachlichen Zerrissenheit, wie sie in unseren Kolonien herrscht, ist der Gebrauch von H. unerläßlich, wenn man über die Grenzen des Stammes hinaus verkehren will. Der Europäer ist begreiflicherweise nicht imstande und nicht willens, sich die Sprachen aller einzelnen Stämme anzueignen, mit denen er als Kaufmann zu tun hat. So bedient auch er sich dieser H. und veranlaßt sogar ihre Entstehung und Ausbreitung. Als solche H. sind anzusehen: die Haussasprache für gewisse Gebiete von Togo und Kamerun, die Ewesprache für Südtogo, die Dualasprache für die Gegenden in Kamerun, die von Dualahändlern besucht werden, das Jaunde (s.d.) in Südkamerun, das Bangala für Neukamerun, die Suahelisprache für Deutsch-Ostafrika. Nur die letztgenannte Sprache hat sich wirklich in den deutschen Kolonien für einen großen Bezirk durchgesetzt. Die übrigen Sprachen werden überwuchert vom Pidginenglisch (s.d.), das sich besonders in Kamerun dauernd ausbreitet. In Deutsch-Südwestafrika dient noch vielfach das Kapholländische als Verkehrssprache. Auch in der Südsee ist eine Art Pidginenglisch als Handelssprache im Gebrauch.

Meinhof.