Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 33

Handelsstatistik. Die Statistik des Ein- und Ausfuhrhandels der deutschen Schutzgebiete ergibt sich aus der Tätigkeit der Zollverwaltung und ist dieser in der Vollständigkeit ihrer Erhebungen gefolgt, anfangs den kontrollierten Ein- und Ausgang an der Küste erfassend, allmählich auf die Binnengrenzen sich erstreckend. Sie ist im wesentlichen zwischen 1888 und 1892 eingerichtet, so daß wir für das tropische Afrika seit 1892, für Deutsch-Neuguinea seit 1900, für Deutsch-Südwestafrika seit 1896 einigermaßen brauchbare und vergleichbare Angaben besitzen, denen die später erworbenen Schutzgebiete sich alsbald anschlossen. Sie wurde allgemein auf der Deklarationspflicht der Ein- und Ausführenden aufgebaut. Anfangs in der Form im einzelnen sich vielfach voneinander unterscheidend und daher schwer benutzbar, ist die H. der dem Reichs-Kolonialamt unterstehenden Schutzgebiete seit 1902 nach einheitlichen Grundsätzen (KolBl. 1902 S. 391 ff) aufgestellt. Nachgewiesen wird nach einem im ganzen einheitlichen Schema Menge und Wert der Ein- und Ausfuhr, wobei Regierungsgüter besonders anzugeben sind. Als Wert gilt im allgemeinen der Preis der Waren im Momente der Ein- oder Ausfuhr. - Ein- und Ausfuhr von Geld ist in der H. mit enthalten. - Die H. gibt ferner die wichtigsten Länder, aus denen die Waren kommen und wohin sie gehen, an. Mehr und mehr ist auch die Grenzstrecke resp. Zollstelle berücksichtigt. Für Deutsch-Ostafrika ist der Küstenhandel und der Handel über die Binnengrenzen ganz getrennt dargestellt, für das Schutzgebiet Deutsch- Neuguinea wird jetzt neben der H. der einzelnen Inselgruppen und Gebietsteile eine Zusammenstellung für das ganze Gebiet veröffentlicht. Die Ergebnisse der H. werden vierteljährlich im Deutschen Kolonialblatt, für das ganze Jahr in dem Jahresbericht resp. der Denkschrift veröffentlicht (s. Denkschriften), im Auszuge auch im Statistischen Jahrbuche des Deutschen Reichs. Eine eingehende Bearbeitung der H. Deutsch-Ostafrikas und Kameruns erscheint alljährlich in den vom Reichsamt des Innern herausgegebenen "Berichten über Handel und Industrie". - Die H. des Schutzgebietes Kiautschou beruht auf den Erhebungen des chinesischen Seezollamtes und erfolgt in den bei der chinesischen Seezollverwaltung üblichen Formen in deren Veröffentlichungen und in den Berichten des Reichs-Marineamts. Sie unterscheidet bei der Einfuhr die Waren chinesischen und ausländischen Ursprungs, bezieht sich aber nur auf die seewärts erfolgende Ein- und Ausfuhr. - In Betracht kommt auch für den Verkehr zwischen Deutschland und seinen Schutzgebieten die H. des Deutschen Reiches. - Im folgenden sind nach den angeführten Quellen die Hauptergebnisse des Handels der deutschen Schutzgebiete seit 1892 zusammengestellt (bis 1905 nach dem Statistischen Handbuch des Deutschen Reichs). Von älteren vereinzelten Angaben in Reichstagsdrucksachen seien die folgenden angeführt (in 1000 M):

 

  

 

Literatur: Außer den angeführten amtlichen Veröffentlichungen Rud. Hermann, Kolonialstatistik in F. Zahn, Die Statistik in Deutschland nach ihrem heutigen Stand. 1911. Bd. II, 955 ff.

Rathgen.