Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 37 f.

Hanseatische Land-, Minen- und Handelsgesellschaft für Deutsch-Südwestafrika. Am 11. Okt. 1884 schloß Dr. Höpfner im Namen von F. A. E. Lüderitz (s.d.) mit dem Kapitän der Bastards von Rehoboth einen Vertrag des Inhalts, daß Lüderitz das erste Recht im Lande der Bastards, Ihnen zu erwerben, eingeräumt wurde. Dieser Vertrag ging auf die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika (s.d.) über. Als aber der von den Bastards erhoffte baldige Bergbaubetrieb ausblieb, erteilte der Bastardkapitän im Jahre 1889 dem Ingenieur Fleck eine neue Konzession. Die Inhaberin dieser Konzession, das L. von Lilienthalsche Syndikat und die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, die aus der Höpfnerschen Konzession Berechtigte, bekämpften sich längere Zeit. Dieser Streit fand im Jahre 1893 dadurch seine Erledigung, daß die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika ihre Ansprüche auf das L. von Lilienthalsche Syndikat unter der Bedingung übertrug, daß eine deutsche Gesellschaft behufs Übernahme und Verwertung der abgetretenen Rechte gebildet werde. - Zu diesem Zwecke erfolgte unter dem 19. Mai 1893 die Gründung der H. L.-, M.- u. H.-G. In diese Gesellschaft wurden von L. v. Lilienthal und der South West Africa Company, die Eisenbahnrechte im Bastardgebiete besaß, eingebracht: 1. die Rechte und Pflichten aus der dem Ingenieur Fleck von dem Kapitän der Rehobother Bastards, Hermanus van Wyk, am 29. März 1889 erteilten Konzession; 2. die Rechte und Pflichten aus der Höpfnerschen Rehobothkonzession vom 11. Okt. 1884; 3. die Rechte und Pflichten aus der dem Ingenieur Fleck am 24. März 1890 von dem Kauaskapitän, Andreas Lambert, erteilten Konzession; 4. die der South West Africa Company in der sog. Damaralandkonzession vom 12. Sept. 1892 eingeräumten Eisenbahnrechte, soweit sie sich auf das Gebiet der Rehobother Bastards beziehen; 5. das Recht auf Erwerb der Aktiva und Passiva des Warengeschäfts des Herrn L. v. Lilienthal in Rehoboth. Das Gesellschaftskapital wurde auf 2400000 Mark festgesetzt und in 12000 Anteile zu 200 M eingeteilt. Davon erhielt die South West Africa Company für die Einbringung ihrer Eisenbahnrechte 6000 Anteile und die Lilienthalsche Gruppe 5000 Anteile als voll eingezahlt. Nur 200000 M, der Gegenwert für 1000 Anteile wurden in bar eingezahlt. Von dieser Summe erhielt die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika als Gegenleistung für die von ihr abgetretenen Rechte sofort 25000 M und im Jahre 1895 weitere 150000 M bar, so daß von dem Gesellschaftskapital von 2400000 M nur 25000 M als bar eingezahlt verblieben. Nachdem die Einigung der streitenden Konzessionsberechtigten im Jahre 1893 stattgefunden hatte, erteilte der RK. der neubegründeten Gesellschaft unter dem 11. Aug. 1893 eine Konzession, welche die Gesellschaft von der Unsicherheit der zugrunde liegenden Rechtstitel unabhängig machte und ihre Einzelrechte maßgebend festsetzte. Nach der Konzessionsurkunde erhielt die Gesellschaft innerhalb des Gebiets der Rehobother Bastards und im Gebiete der Kauas- Hottentotten auf die Dauer von 25 Jahren das ausschließliche Recht zur Aufsuchung, Gewinnung und Bearbeitung von Mineralien aller Art. Die Verleihung der Rechte innerhalb des Bastardgebiets hatte zur Voraussetzung, daß die Gesellschaft sich dauernd im Besitze der Höpfnerschen Konzession befindet. Diese Bestimmung bedeutete aber nicht, daß die Grundsätze dieser alten Konzession für die neue maßgebend sein sollten, sondern bezweckte nur die Loslösung der Höpfnerschen Konzession und den nochmaligen Ausbruch von Streitigkeiten zu verhüten. Ferner wurde der Gesellschaft in der Konzession zugesagt, daß die Regierung ihr im Kauasgebiete 10000 qkm Kronland unter gewissen Verpflichtungen zu Siedlungszwecken überweisen werde. - Der Umstand, daß der H. L.-, M. u. H.-G. von vornherein durchaus ungenügende Mittel zur Verfügung standen, hat ihrer ganzen Entwicklung den Stempel aufgedrückt. Bis zum Jahre 1899 betätigte sie sich überhaupt nicht. In diesem Jahre beschloß sie, das Rehobother Gebiet auf das Vorkommen von Mineralien durch eine Expedition untersuchen zu lassen. Da ihre unbedeutenden Mittel zur Durchführung dieses Vorhabens nicht ausreichten, suchte sie nach neuen. Sie vermochte weitere 180000 M in der für sie allerdings ungünstigsten Weise aufzubringen, daß 1200 Vorzugsaktien zu 200 M ausgegeben und gegen Zahlung von 75 % des Nennwertes in bar von der South West Africa Co. und der Lilienthalschen Gruppe übernommen wurden. Die Expedition nahm die Untersuchung des Bastardgebietes unter Leitung des Bergmeisters Eichmeyer in den Jahren 1899/1900 vor. Die aufgewendeten Kosten von 236 228 M hatten aber kein unmittelbar praktisch verwertbares Ergebnis. Zwar wurde an verschiedenen Punkten das Vorhandensein von Gold, Silber und Kupfer nachgewiesen, es fehlten aber die nötigen Mittel, um die Untersuchungsarbeiten bis zu dem Grade durchzuführen, um ein endgültiges Urteil über die Abbauwürdigkeit der einzelnen Fundstellen zu gewinnen. Eichmeyer empfahl in seinem Gutachten dringend die Vornahme endgültiger Feststellungen. Die Gesellschaft ließ aber ein Jahr nach dem andern verstreichen, ohne an weitere Untersuchungsarbeiten heranzutreten und ohne sich weiter zu betätigen. Die Regierung nahm infolgedessen davon Abstand, der Gesellschaft die in Aussicht gestellten Kronländereien zu übertragen. Ferner erklärte sie durch V. vom 31. Dez. 1907 die gesamten Rechte aus der Konzession vom 11. Aug. 1893 für verwirkt, weil die Gesellschaft den auferlegten Verpflichtungen nicht nachgekommen sei und infolge gänzlich ungenügender Mittel auch in Zukunft dazu außerstande sein würde. Gleichzeitig erklärte sich die Regierung aber zu Verhandlungen in der Richtung bereit, denjenigen Mitgliedern der Gesellschaft, die Bare Aufwendungen für dieselbe gemacht hatten, aus Billigkeitsgründen eine gewisse Entschädigung, die jedoch nicht in barem Gelde bestehen solle, zu gewähren. Diese Verhandlungen wurden alsbald von der Gesellschaft aufgenommen und mit Erfolg zu Ende geführt. Regierung und Gesellschaft verständigten sich dahin, daß die H. L.-, M.- u. H.-G. für Südwestafrika aufgelöst und eine neue Kolonialgesellschaft unter der Firma Hanseatische Minen-Gesellschaft gegründet wurde. Dieser Gesellschaft wurde eine neue Konzession erteilt; andererseits verpflichtete sich die neue Gesellschaft, die Liquidation der H. L.-, M.- u. H.- G. und den Übergang aller Rechte und Pflichten der letzteren auf sie selbst herbeizuführen. Die neue Gesellschaft als Rechtsnachfolgerin der alten verzichtete auf alle Schadensansprüche gegen den Fiskus wegen der Rücknahme der Konzession vom 11. Aug. 1893. Die H. L.-, M.- u. H.-G. trat mit dem 7. Mai 1911 in Liquidation. Wegen der Rechte und Pflichten der Hanseatischen Land-, Minen und Handelsgesellschaft s. d. Gewinnzahlungen hat die H. L.-, M.- u. H.-G. nicht gemacht.

Literatur: Hesse, Die Landfrage usw. Jena 1906. Hermann Costenoble. - Reichstagsdrucksachen Nr. 196, 12. Legis1aturperiode, II. Session 1909/10 und Nr. 683, 11. Legislaturperiode, I. Session 1903/05.

Meyer-Gerhard.