Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 38 f.

Hanseatische Minengesellschaft. Durch V. vom 31. Dez. 1907 erklärte der Staatssekretär des Reichskolonialamts die der Hanseatischen Land-, Minen- und Handelsgesellschaft (s.d.) durch Konzession vom 11. Aug. 1893 im Gebiete der Rehobother Bastards und im Gebiete der Kauas- Hottentotten verliehenen Rechte wegen Nichterfüllung der konzessionsmäßigen Pflichten für verwirkt. Gleichzeitig wurde aber seitens der Reichsregierung die Geneigtheit zu Verhandlungen in der Richtung ausgesprochen, denjenigen Mitgliedern der Hanseatischen Land-, Minen- und Handelsgesellschaft, die Bare Aufwendungen gemacht hätten, aus Billigkeitsgründen eine gewisse Entschädigung, die jedoch nicht in barem Gelde zu bestehen hätte, zu gewähren. Diese Verhandlungen führten dahin, daß unter dem 7. Mai 1910 die H. M. gegründet wurde. Durch Beschluß des Bundesrats vom 19. Jan. 1911 wurden der Gesellschaft die Rechte einer juristischen Persönlichkeit als deutscher Kolonialgesellschaft verliehen. Die Rechte dieser neuen Gesellschaft gründen sich auf die vom Staatssekretär des Reichs-Kolonialamts unter dem 26. März 1909 erteilte Sonderberechtigung nebst Nachtragsverfügung vom 1. Mai 1910. Nach Maßgabe dieser, auf Grund des § 94 der ksl. Berg-V. für Südwestafrika vom 8. Aug. 1905 erlassenen V. (KolBl. S. 815) erhielt die H. M. auf die Dauer von zwei Jahren das ausschließliche Recht zur, Aufsuchung und Gewinnung aller Mineralien im Gebiete der Rehobother Bastards und im ehemaligen Gebiete der Kauas- Hottentotten. Dafür ist die Gesellschaft verpflichtet, während dieser Zeit zur Erforschung des Gebietes mindestens 60000 M aufzuwenden. In Anschluß an diese zweijährige Sonderberechtigung stellte das Reichskolonialamt der Gesellschaft auf die Dauer von drei Jahren das ausschließliche Recht zur Aufsuchung und Gewinnung von Kupfer in demselben Gebiete in Aussicht. Abgesehen von diesen befristeten Sonderrechten soll im ganzen Gebiete der Sonderrechtsverfügung vom 26. März 1909 Schürf- und Bergbaufreiheit gemäß den jeweilig im Schutzgebiete geltenden gesetzlichen Bestimmungen eintreten. Jedoch sollen die zur Erhebung gelangenden bergrechtlichen Gebühren, Steuern und Abgaben nicht für den Fiskus des Schutzgebiets, sondern zugunsten der Hanseatischen Minengesellschaft erhoben werden. Die Schürfgebühren sind im Vergleiche zu den Sätzen der Bergverordnung erheblich erhöht. Die Feldessteuer wird dahin erhöht, daß sie für jedes vom Bergwerkseigentümer in sein Bergwerkseigentum einbegriffene Schürffeld jährlich 500 M betragen soll. Endlich erhält die Gesellschaft das Recht der Beteiligung mit einem Achtel an dem Betriebsgewinn jedes Bergbauunternehmens. Falls der Bergwerkseigentümer eine Gesellschaft mit festem Grundkapital ist, hat die H. M. das Recht, an Stelle der Gewinnbeteiligung den achten Teil der bei Gründung der Bergwerksgesellschaft und der später zur Ausgabe gelangenden Anteilscheine als voll eingezahlt zu beanspruchen. Durch die Nachtragsverfügung vom 1. Mai 1910 wurde namentlich sichergestellt, daß die Gesellschaft berechtigt ist, dauernde Abbaurechte zu erwerben. Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt statutengemäß 1 Mill. M, eingeteilt in 10000 Anteile zu je 100 M An dem Grundkapital sind beteiligt: der südwestafrikanische Landesfiskus mit 2000 Anteilen zu 100 M als voll eingezahlt. Diese Anteile erhielt der Fiskus als Gegenleistung für die in der Sonderberechtigung vom 26. März 1909 verliehenen Rechte. Die Hanseatische Land-, Minen- und Handelsgesellschaft für Südwestafrika erhielt für die Einwilligung in den Übergang ihrer Bergrechte auf die H. M. 2400 Anteile zu 100 M als voll eingezahlt. Die South West Africa Company Ltd. erhielt 2800 Anteile zu 100 M und die Metallurgische Aktiengesellschaft zu Frankfurt a. M ebenfalls 2800 Anteile zu 100 M. - Die letztgenannten beiden Gesellschaften haben den vollen Betrag für ihre Anteile einzuzahlen. Dem südwestafrikanischen Landesfiskus wurde ferner für die Gewährung der Konzession 1/5 der für die Inhaber von Gewinnanteilsberechtigungen vorgesehenen Gewinnbeteiligungen zugestanden. Nach ihrer Gründung begann die H. M. im Juli 1910 mit der bergmännischen geologischen Erforschung des Gebietes der Rehobother Bastards und des Kauasgebietes. Die Arbeiten wurden fachmännisch geleitet und sachgemäß und gründlich ausgeführt. Das Ergebnis der Untersuchungen war aber ein negatives. Die Hoffnungen, welche der Bergmeister Eichmeyer an seine Expedition in den Jahren 1899/1900 geknüpft hatte, verwirklichten sich nicht, vielmehr erwiesen sich die früher festgestellten Vorkommen als nicht abbauwürdig. Die Gesellschaft hat zum Zwecke der Durchführung dieser Untersuchungen wesentlich mehr Geld aufgewendet, als sie nach der Konzession verpflichtet war. Nach diesem vergeblichen Versuche, selbst einen Bergbaubetrieb zu gründen, besteht das für die Gesellschaft verbleibende allein wichtige Recht darin, daß ihr die bergrechtlichen Steuern, Abgaben und Gebühren innerhalb des Gebietes der Rehobother Bastards und der Kauas-Hottentotten auf die Dauer von dreißig Jahren vom Tage der Konzessionserteilung an zustehen. In der Erklärung vom 16. Sept. 1913 hat die H. M. auf ihre Konzession insoweit verzichtet, als sie sich nur die Abgaben in der durch die Ksl. Bergverordnung vom 8. Aug. 1905 festgesetzten Höhe mit einer die Bergbautreibenden nicht wesentlich ungünstiger stellenden Ausnahme vorbehalten hat.

(Literatur über die Gesellschaft ist nicht vorhanden. S. aber: Hanseatische Land-Minen und Handelsgesellschaft für Deutsch-Südwestafrika.)

Meyer-Gerhard.