Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 41

Harze. 1. Allgemeines. 2. Gummiharze. 8. Balsame. 4. Harze.

1. Allgemeines. Unter H. versteht man in ihrem Äußeren dem Gummi arabicum ähnliche, feste und spröde oder weiche und zum Teil knetbare, in Wasser unlösliche, in Alkohol dagegen meist lösliche, schmelzbare Stoffe von sehr verschiedener chemischen Zusammensetzung. Sie sind im Pflanzenreiche weit verbreitet und treten meistens in der Rinde und im Holze der Bäume auf, seltener an Früchten und bei krautigen Pflanzen. Besonders reich an Harzen sind die Nadelhölzer, ferner die hülsenfrüchtigen Bäume, die ausschließlich tropischen Dipterocarpaceen und Burséracén u.a. m. Eine Einteilung der H. nach ihren chemischen Bestandteilen ist heute für die Praxis noch zu schwierig. Man hält meist an der alten Gruppierung in Gummi-H., Balsame oder Weich-H. und eigentliche H. fest. - Gummi- H. bestehen im wesentlichen aus einer Mischung von Gummi arabicum ähnlichen, d. i. schleimigen, und von harzigen Bestandteilen. Die ersteren sind wasserlöslich, die letzteren wasserunlöslich, dagegen in Alkohol lösbar. Man kann auf diese Weise die Natur eines Gummi-H. feststellen; daneben enthalten sie noch vielfach Ätherische Öle (s.d.). -Die Balsame bestehen meist aus einer Lösung eines H. in ätherischem Öl, sie sind dann dickflüssig wie Honig. Durch Verdunsten des ätherischen Öles reichert sich der H.Gehalt an und die Masse wird konsistenter; durch vollständiges Abdestillieren des ätherischen Öles kann man die eigentlichen Harze rein in der oben beschriebenen, spröden Form erhalten. Das beste Beispiel für einen Balsam ist das sog. H. unserer Nadelhölzer. Es fließt beim Anschneiden als träge, zähflüssige Masse aus und erstarrt allmählich an der Luft durch Verdunsten des ätherischen Öles zu einer harten, bröckligen Masse, dem eigentlichen H. Rein wird dieses gewonnen durch Abdestillieren des ätherischen Öles, des bekannten Terpentinöls, einer wasserhellen, leicht beweglichen Flüssigkeit von starkem Geruch. Der Rückstand ist in seinen reinsten, besten Sorten das als Kolophonium oder Geigenharz viel gebrauchte H., die gewöhnlichen Sorten sind das sog. gemeine Harz und werden meist kurzweg Harz genannt. Es ist dies dasjenige Rohmaterial, das in großem Umfange zum Dichten von Fässern, zur Leimung des Papiers, als Kautschukersatz und zur Herstellung von H.Seifen und Lacken Verwendung findet. - Mit ihren Stammpflanzen verschüttet, verändern sich die Balsame und H. bei jahrelangem Lagern wesentlich. Sie werden fester, härter, schwerer löslich und schwerer schmelzbar. Man bezeichnet sie, als recent-fossil. Sie führen im Handel den Namen Kopale (s.d.). Gehören die Stammpflanzen der heutigen Pflanzenwelt nicht mehr an, sondern einer früheren Erdperiode, so haben die H., wie das Holz, eine mineralähnliche Beschaffenheit angenommen und sind der Bernstein. Die besten Kopale haben daher eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Bernstein, wenn sie ihn auch in den wichtigsten Eigenschaften, der Härte, der schweren Löslichkeit und Schmelzbarkeit, nicht ganz erreichen.

2. Gummiharze. Eines der bekanntesten GummiH. ist das Gummi Gutti, das von verschiedenen Arten der Gattung Garcinia in Vorder- und Hinterindien gewonnen wird. Der harzhaltige Saft wird nach dem Anschneiden der Rinde in Kokosnußschalen oder Bambusröhren aufgefangen und zum Eintrocknen gebracht. Die Handelsware zeigt die Form dieser Sammelgefäße, ist rötlichgelb und ziemlich fest und spröde. Die wässerige Lösung zeigt eine intensiv gelbe Farbe, hervorgerufen durch die in der Gummilösung suspendierten, ungelösten H.teilchen. Die alkoholische Lösung ist von roter Farbe und klar. Das Gummigutt ist giftig, gibt eine bekannte Farbe und findet beschränkte Verwendung als Heilmittel. Ferner liefern eine Reihe von Umbelliferen (Doldengewächse), namentlich aus der Gattung Ferula in Zentralasien, früher vielseitig besonders medizinisch verwendete Gummi-H., die heute aber meist nur noch in beschränktem Maße technisch als Klebe- und Kittmittel und zu Lacken Anwendung finden. Hierher gehören die bekannte Asa foetida oder der Stinkasant, das Galbanum und das Ammoniakum. Die Asa foetida wird außerdem in ihrem Heimatlande und vereinzelt auch in Frankreich wegen ihres lauchartigen Geruches als Gewürz verwendet. Die Gewinnung dieser H. geschieht meist durch Abschneiden der Pflanzen am Wurzelkopf und durch Auffangen des hervorquellenden, harzigen Saftes in kleinen, um die Pflanze herum angelegten Gruben. Reich an wohlriechenden, ätherischen Ölen ist eine Gruppe von Gummi-H., die seit altersher das Material für die Räuchergefäße liefert. Hierher rechnet man die Myrrhe, das Bdellium und das Olibanum. Die Stammpflanzen, Balsamodendron (Commiphora) und Boswellia, gehören sämtlich zur Familie der Burseraceen. Sie sind vor allem in den trockenheißen Gebieten des Somalilandes und Arabiens zuhause, finden sich aber auch über die Levante bis nach Ostindien verbreitet. Die Handelsware dieser Gummi-H. besteht aus den am Stamme gesammelten, an Bissen der Binde aus dem ausgeflossenen Safte erstarrten, tränenartigen, aber auch anders geformten, meist bitter schmeckenen, stark balsamisch riechenden Stücken von weißgelblicher bis roter Farbe. Da die Stammpflanzen dieser Weihrauch-H. in den deutschen Kolonien nicht verbreitet sind, so kommen sie wohl nur für Ostafrika als Handelsartikel für Araber und Inder in Frage.

3. Balsame. Die Beschaffenheit der Balsame ist bereits oben an einem Beispiel, dem Terpentin der Nadelhölzer, auseinandergesetzt worden. Da die Terpentinöl und H. liefernden Koniferen ausschließlich in gemäßigten Gebieten verbreitet sind, so kommen dieselben für die meisten kolonialen Gebiete nicht in Frage. Bei der stetig gesteigerten Nachfrage nach diesen Rohstoffen für die Papier- und Lackindustrie kann der Gedanke nicht ganz von der Hand gewiesen werden, ob nicht für Deutsch-Südwestafrika in einigen Gebieten wenigstens Versuche mit Terpentinkiefern möglich erscheinen. Die im Handel bekannteren, anderen Balsame werden in der Regel unverändert verwendet und nicht in ätherisches Öl und H. zerlegt. Der Mekkabalsam stammt ebenfalls von einer Burseracee, Balsamodendron, und wird in Arabien gewonnen. Er ist dünn bis dickflüssig, gelb und riecht angenehm nach Zitronen und Terpentin. Er findet in der Parfümerie Verwendung. Ähnlich, aber auch medizinisch wird der Perubalsam gebraucht, der von hülsenfrüchtigen Bäumen, Myroxylon pereirae, der Westküste Süd- und Mittelamerikas (St. Salvador) in eigenartiger Weise gewonnen wird. Der Balsam ist nicht vorgebildet in den Rindengeweben und im Holze vorhanden, sondern entsteht erst nach längerem Klopfen und Anbrennen der Rinde. Der nach einigen Tagen sich bildende und hervortretende Balsam wird nach Entfernung der Außenrinde in vorgehängten Tüchern aufgefangen und durch Auskochen derselben gewonnen. Er ist in dünnen Lagen gelblich, sonst tiefbraun und hat einen stark aromatischen, etwas vanilleartigen Geruch. Ähnliche Eigenschaften besitzt der Tolubalsam von Myroxylon toluiferum in Venezuela und Kolumbien. Der Balsam ist meist fest, hat einen sehr feinen, vanilleähnlichen Geruch und findet gleiche Verwendung wie der Perubalsam. - Ebenfalls aus Südamerika und Brasilien, Venezuela und den Antillen stammt der technisch und medizinisch sehr wichtige Kopaivabalsam von verschiedenen hülsenfrüchtigen Bäumen der Gattung Copaifera. Er fließt nach Anschlagen des Stammes freiwillig aus und wird meist in Höhlungen, die in den Stamm geschlagen werden, aufgefangen. Der Balsam ist dünnflüssig, klar und von gelber bis dunkelgelber Farbe. Er wird als Heilmittel, in der Lackfabrikation und zur Herstellung von Pauspapieren verwendet. Die Copaiferaarten sind auch an der Westküste Afrikas verbreitet und werden von den Eingeborenen zum Teil auf Balsam ausgebeutet, allerdings bis jetzt ohne große Bedeutung für den Handel. - In Ostindien wird von verschiedenen Dipterocarpusarten ein dickflüssiger, brauner, fluoreszierender Balsam gewonnen, der im Handel Gurjunbalsam oder Holzöl genannt wird. Er dient zur Verfälschung des Kopaivabalsams und zur Herstellung von Lacken.

4. Harze. Außer dem gemeinen H., dem H. der Koniferen, über das oben bereits das Nötige gesagt ist, sind noch folgende H. erwähnenswert: Mastix, kleine, rundliche Tropfen, die bereits beim Kauen erweichen. Sie stammen aus dem Mittelmeergebiet von Pistacia lentiscus; Sandarac, ähnliche, sprödere, kleine Körner, die von einem Nadelholze Nordafrikas, Callitris quadrivalvis, gewonnen werden; das Dammarharz von Dipterocarpaceen des Sundaarchipels, in besseren Sorten fast wasserhelle oder weiß bereifte H.klumpen, die einen vorzüglichen Lack liefern; Elemiharze, infolge des ätherischen Ölgehalts weiche, knetbare Massen von verschiedenen Burseraceen des Sundaarchipels, Südamerikas und Westafrikas, die den Lacken die Sprödigkeit nehmen und in der Hutfabrikation Verwendung finden; Drachenblut, ein rotes H., das in den Früchten des Stuhlrohrs (Calamus) enthalten i st; die Benzoe, ein sehr aromatisches, nach Zimt und Vanille riechendes H., das durch Einschnitte in die Stämme von Styrax Benzoin in Sumatra, Java und Siam gewonnen wird. Die Benzoe kommt entweder in Tränen als Mandelbenzoe oder als gemeine Benzoe in den Handel. Die erstere besteht aus tränenförmigen Einzelstücken von gelblicher Farbe. Bei der Mandelbenzoe sind kleinere Tränen zu einer Gesamtmasse verklebt. Die gemeine Benzoe ist eine unreine Mandelbenzoe, sie wird auch Blockbenzoe genannt. Die Benzoe wird in umfangreichem Maße in der Parfümerie, in der Lackfabrikation und in der Medizin gebraucht. Zu der Gruppe der H. rechnet man auch den Schellack, obgleich er seiner Zusammensetzung nach als ein Fett-H. zu bezeichnen ist. Durch den Stich einer Schildlaus, Tachcerdia lacca, wird auf verschiedenen Wirtspflanzen (Croton-, Schleichera-, Ficus- und anderen Arten) eine Ausscheidung hervorgerufen, die nach und nach die befallenen Zweige mit den Schildläusen in eine dicke, rote, harzartige Masse einhüllt. In dieser Form wird das Produkt gesammelt und heißt Stocklack. Für die weitere Verarbeitung oder den Versand werden die röhrenförmigen H.massen von dem Holz getrennt. Weiter zerkleinert entsteht der sog. Körnerlack. Aus der gewonnenen H.masse läßt sich mit sodahaltigem Wasser ein je nach der Einwirkungszeit hellerer oder dunklerer, gelber bis dunkelroter Farbstoff gewinnen, der früher als Lacklack oder Lack-dye (s. Farbstoffe) zum Färben von Wolle vielseitige Verwendung fand, heute aber ebenso wie die anderen Pflanzenfarbstoffe durch die künstlichen Farben fast verdrängt ist. Durch Schmelzen des unveränderten oder zum Teil entfärbten Rohmaterials und flaches Ausgießen der flüssigen Masse auf Blätter entsteht nach dem Erkalten der sog. Schellack. Dabei werden die leicht schmelzenden Anteile des Stocklacks von den schwer schmelzenden getrennt. Nur die ersteren geben den Schellack. Die in dünnen Blättchen erstarrte Masse wird zerbrochen und kommt so je nach der Entfernung der Farbe in goldgelben bis blutroten, unregelmäßigen Blättchen in den Handel. In Spiritus gelöst gibt er die bekannte Möbelpolitur, mit Terpentin und Zinnober gemischt, die besten Sorten Siegellack. In Europa wird der Schellack auch gelegentlich gebleicht und stellt dann eine seidig glänzende, weiße Masse dar. - Da von den Schildläusen die Wachsschilde in den Schellack mit übergehen, so enthält derselbe auch kleinere Mengen Wachs. Dieses wird dem Schellack manchmal ebenfalls entzogen und als Schellackwachs gehandelt und verwendet.

Literatur: A. Tschirch, Die Harze und die Harzbehälter, 2 Bände, Lpzg., Gebr. Bornträger, 1906. - A. Guillaumin, Les produits utiles de Burseracees, Paris 1910, Challamel, pag. 25/66.

Voigt.