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Hausbau der Eingeborenen (s. Tafel 29). Schutz gegen die Witterung gewährt neben der Erdhöhle, dem hohlen
Baum usw. das Obdach, das der Mensch künstlich errichtet. Als Material
dient vor allem Holz in den verschiedensten Formen zur Herstellung der
tragenden Teile, nächst dem Lehm und Stein; die deckenden Teile werden
vorzugsweise aus Blättern und Gräsern, aber auch aus Lehm und Rindermist
hergestellt. Der Form nach stellt das Haus den vollkommensten Bau dar,
das aus dem Dach (Schutz gegen Regen), der
Wand (Schutz gegen Wind) und dem Fußboden (Schutz gegen Erdfeuchtigkeit)
besteht. In der Hütte fehlt der Fußboden (an dessen Stelle auf der Erde
ruhende Matten, Felle, Pritschen usw. treten), gelegentlich auch die
feste Wand. Doch steht manche Hütte weder an Größe noch an technischer
Vollkommenheit dem Hause nach. Neben diesen beiden Wohnbauten, die im
wesentlichen als Obdach für die Nacht bestimmt sind, werden Bauten für
besondere Zwecke errichtet: getrennte Schlafhütten für Männer und
Frauen,
Knaben und Mädchen; Wohn- und Versammlungshäuser der Männer; Kultbauten;
Kochhütten, Bootshütten, Ställe, Speicher. Zu diesen dauernden Bauten
kommen vorübergehend errichtete, wie die Hütten,
in denen die Knaben oder Mädchen vor den Mannbarkeitsfesten einige Zeit
zubringen, die kleinen Zufluchtshütten in großen Bäumen oder die rasch
errichteten Schirme und Hütten, die während eines Unwetters oder für
eine
Nacht entstehen. Daher finden sich bei den Naturvölkern vollkommene
neben
primitiven Bauten, die aber stets einen charakteristischen Stil
aufweisen,
da jedes Volk seine eigene Baukunst
besitzt.
Sie zeigt sich in kleinen Einzelheiten, so in der Art, wie die
Blattbedeckung
auf den Dachsparren befestigt wird, der Flechtart der Wände, aber auch
in der Anordnung der tragenden Teile, der Verwendung der Wand oder
besonderer
Konstruktionen als Träger des Daches, vor allem in der Form des
Grundrisses
und dem Dachbau. Das einfachste Obdach bildet der Windschirm, der aus
nebeneinander in den Boden gesteckten Zweigen besteht (Buschmänner
u.a.). Stehen sie im Kreise oder Halbkreise, verflicht man ihre
freien
Enden und bedeckt die Außenseite etwa mit Laub, so ist der Übergang zur
runden oder elliptischen Kugelhütte gegeben. Ihr Gerüst ist aus Ruten
gebildet, die zum Halbkreis gebogen mit beiden Enden in der Erde stecken
und ineinander kreuzen. Zur Bedeckung dient Laub (afrikanische Pygmäen)
oder Buschwerk, das außen mit Lehm und Rindermist verklebt wird (Pontok
der Herero usw., Massai).
Ist der Windschirm durch Verflechten der Zweige zu einer Tafel ausgebildet,
so muß sie durch Stäbe gestützt werden (Ozeanien); stellt man zwei
solcher
Tafeln gegeneinander,
so entsteht das Satteldach mit einem offenen Giebel
an jedem Ende, der durch Stäbe und Blattwerk oder durch Bretter
geschlossen
werden kann. Dort, wo das Dach auf der Erde ruht, entsteht ein Winkel,
der wenig nutzbar ist. Er wird dadurch vermieden, daß man das Dach auf
Stützen stellt, die es in seiner Mitte und an seinem Rande tragen.
Zwischen
den Stützen an der Traufe können Tafeln aus Flechtwerk oder Bretter als Anfang der Wand
aufgestellt
(Mikronesien) oder Jalousien aus Matten (Samoa)
angebracht
werden. Doch verlangt die Wand bald eigne Träger und Stützen
(Westafrika)
oder wird zur Trägerin des Daches (Ostafrika, Sudan). Dabei ist das Giebeldach mit geraden Wänden
auf viereckigem Grundriß verbunden (Südsee, Westafrika), während die zylindrische Wand
ein Kegeldach trägt (Ostafrika, Westsudan, zum Teil Ozeanien). Äußerlich ist der Anteil der Wand nicht
immer erkennbar, da die Dachbedeckung über die Wand zur Erde
herabgezogen
sein kann, so daß die Konstruktion der Wand erst im Innern des Baues
sichtbar
wird. Tritt das Dach weit über die Wand nach außen hervor, so entstehen
Veranden als schattige und zugleich luftige Sitzplätze. Einen Fußboden
aus Stangen erhält der Bau, wenn man das ganze Haus auf Pfähle stellt
(Neuguinea, Bismarckarchipel,
Marshallinseln, Süden von Ostafrika). Funktionell entspricht ihm der
Unterbau
des Hauses aus Korallenplatten (Westkarolinen), Aufschüttungen von
Rollsteinen
(Samoa) usw. Der großen Mehrzahl nach sind alle Häuser einstöckig
gebaut,
wenn man nicht die Gestelle, Plattformen usw., die innen etwa an der
Grenze
zwischen Dach und Wand angebracht sind, als Andeutung eines zweiten
Geschosses
ansehen will. Wo es das Material gestattet und ein Bedürfnis vorliegt,
so in Westkamerun und Togo, kommen auch
zwei-
und mehrstöckige (Tambermaburgen) Bauten vor; die Teilung des Innenraums
durch feste Wände, die etwa den Schlafraum abtrennen, ist in dem
afrikanischen
Hause verbreitet, im ozeanischen meist nur angedeutet.
Literatur: H. Frobenius,
Afrikanische
Bautypen. Dachau 1894. - Ders., Ozeanische Bautypen. Berl. 1899. - A.
Schachtzabel, Die Siedelungsverhältnisse der Bantu-Neger, Intern. Arch.
f. Ethnogr., Bd. XX, Suppl. 1911.
Thilenius. |