Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 50

Haussa, ein großes Volk mit hamitischer Sprache im westlichen und mittleren Sudan, das im 16. und 17. Jahrh. große Reiche zwischen Niger und Tsadsee besaß und nach Barth einst von Norden gekommen sein soll. Die H.staaten (s.d.) wurden durch die Fulbe (s.d.) zerstört. Allein bis heutzutage sind die H. als gewerbe- und handeltreibendes Volk im ganzen westlichen und mittleren Sudan, vom Senegal bis zum Schari und nach Süden zur Kamerunküste und bis an die Grenze des äquatorialen Urwaldes, ja sogar bis in diesen hinein verbreitet. Ihre Sprache ist die vorherrschende Handelssprache im ganzen mittleren Sudan geworden (s.a. Handelssprachen). Der Typus der H. ist sehr verschieden, bald sieht man häßliche Negergesichter mit breiten Nasen und wulstigen Lippen, bald haben sie lange, feine, fast kaukasische Gesichter. Tatauierung (s.d.) ist vielfach vorhanden. Die Verbreitung der H. in Kamerun geht von zwei Zentren aus, einmal von englischem Gebiet, vom Benue bis Donga und Bakundi und andererseits von Garua. Von letzterem Zentrum aus folgen sie hauptsächlich den Flüssen, und zwar dem Benue und dem Faro und Laro nach Süden. Die Umgebung von Marua und Binder bildet noch ein drittes, kleineres H.zentrum. Von den beiden Zentren sind sie auf das Hochland Kameruns vorgedrungen, und zwar ist die Ausbreitung hier bedingt durch den Urwald, in den die H. ungern hineingehen. Nur auf den großen Handelsstraßen nach Calabar, Duala, Kribi, sowie Bumbe und Ssanga abwärts, bis zum Beginn der Schifffahrt, wagen sie sich auch in den Wald hinein. - Wie schon gesagt sind die H. Händler und Gewerbetreibende. Als letztere sind sie natürlich fast immer seßhaft. Als Händler sind sie teils auch seßhaft, teils ziehen sie mit kleiner Karawane umher bis zu den äußersten Sudanstämmen und bringen Salz und die industriellen Produkte der islamitischen Länder, wie Kleider, Schmuck, Waffen, die sie gegen die Landesprodukte, Elfenbein, früher Sklaven, Kolanüsse u.a. eintauschen. So ist in jeder größeren Eingeborenensiedlung eine kleine oder größere H.Kolonie. Die H.händler haben im Laufe der Zeit ihre guten und sicheren und besonders gesunden Straßen sich gewählt, die sie den Europäern lange vorenthalten haben. - Heutzutage gehen die Fulbe (s.d.) ganz in den H. unter. Rein erhalten haben sich nur die herumziehenden Bororo (s.d.), während die Fulbe (s.d.) mit Vorliebe H.frauen nehmen und zum größten Teil schon H.charakter angenommen haben. So bilden sich jetzt sozusagen 3 Stände in Adamaua heraus. Die Fulbe sind die Herrscher, die Aristokraten, die Neger und Sklaven die Demokratie, und die H. bilden einen wohlhabenden Mittelstand. Über die Sprache und die alten Staaten der H. s. Haussasprache und Haussastaaten.

Passarge-Rathjens.