| Heiße Quellen oder Thermen nennt man Quellen, deren Temperatur höher ist, als der mittleren
Lufttemperatur
an der Ausflußstelle entsprechen würde. Die Erhöhung der
Wassertemperatur
kann davon herrühren, daß die geförderten Wassermassen aus bedeutenden
Tiefen der Erdrinde stammen; denn da mit zunehmender Tiefe die
Temperatur
in der Erdkruste zunimmt, so muß auch das tief hinabgelangte Wasser auf
seinem Wege eine erhöhte Temperatur annehmen. (Solcher Entstehung sind
offenbar die warmen Quellen, die in einer nordsüdlichen Zone Deutsch-
Südwestafrikas
auftreten und stellenweise Temperaturen bis 78° C. aufweisen; derselben
Entstehung sind auch viele der an Bruchlinien gebundenen Thermen
Deutsch-Ostafrikas, z.B. die des östlichen mesozoischen Küstengebiets
oder die des Schollenlandes von Karagwe.)
Können derartige Thermen ebensowohl in eruptivem wie sedimentärem Gebiet
entstehen, so sind dagegen andere auf vulkanische Gegenden beschränkt,
nämlich solche Thermen, deren Wasser durch Berührung mit noch nicht
völlig
erkalteten Magmamassen in der Tiefe der Erde oder durch aufsteigende
heiße
Gase und Dämpfe erwärmt worden sind. Meistens wird es sich um
Wassermassen
handeln, die von der Erdoberfläche aus erst nach der Tiefe
hinabgedrungen
sind ("vadoses" Wasser); doch gibt es auch Forscher, welche glauben, daß
bei der fortschreitenden Entgasung des Erdinnern auch Dämpfe "juvenilen"
Wassers aus dem in der Tiefe ruhenden Magma aufsteigen und für sich
allein
heiße Quellen bilden oder wenigstens einen nennenswerten Bestandteil
solcher
ausmachen können. Vulkanische Thermen sind zahlreich in Deutsch-
Melanesien;
doch sind solche auch von den Marianen oder von Deutsch-Ostafrika (z.B. im Kondeland und wahrscheinlich am
Olmoti) bekannt.- In vulkanischen Gegenden treten nicht selten heiße
Quellen
von so hoher Temperatur zutage, als dem Siedepunkt bei dem daselbst
herrschenden
Luftdruck entspricht oder selbst von höherer Temperatur, in letzterem
Falle als Dampfquellen (Fumarolen).
Unter bestimmten natürlichen Verhältnissen kann es auch eintreten, daß
nicht allzu reichlich zuströmendes Grundwasser
durch ständige Erwärmung von der Tiefe her schließlich in der Nähe der
Wärmequelle so erhitzt wird, daß die benachbarten Wassermassen die
Temperatur
erreichen, die der Siedetemperatur bei dem in der betreffenden Tiefe
herrschenden
Druck entspricht, und daß bei fortschreitender Wärmezufuhr dann die
darüber
lastende heiße Wassersäule explosionsartig in die Höhe geschleudert wird
: es entsteht ein Geiser (s.d.), ein
intermittierender
heißer Springquell. Da einerseits die Wasserzufuhr, andererseits die
Wärmezuleitung
für lange Zeit ziemlich gleichförmig eintreten können, so stellen sich
die Geisereruptionen auch in vielen Gegenden in ziemlich gleichmäßigen
Zeitzwischenräumen ein. - Da heißes Wasser im allgemeinen ein wesentlich
größeres Lösungsvermögen besitzt als kaltes Wasser, so bringen Heiße
Quellen
häufig bedeutende Mengen gelöster Mineralstoffe mit sich, die nahe der
Mündung beim Erkalten wieder ausfallen und mehr oder minder bedeutende
Absätze bilden können. Bei manchen Thermen und namentlich Geisern nehmen
sie die Form flachgeneigter Kegel oder übereinander befindlicher
Terrassen
an, wie solche in Deutsch-
Neuguinea
(Feni, Willaumezhalbinsel) mehrfach vorkommen. Wegen der heißen Quellen
in Deutsch-Südwestafrika
s.d.
4. Gewässer.
Sapper. |