Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 54

Heiße Quellen oder Thermen nennt man Quellen, deren Temperatur höher ist, als der mittleren Lufttemperatur an der Ausflußstelle entsprechen würde. Die Erhöhung der Wassertemperatur kann davon herrühren, daß die geförderten Wassermassen aus bedeutenden Tiefen der Erdrinde stammen; denn da mit zunehmender Tiefe die Temperatur in der Erdkruste zunimmt, so muß auch das tief hinabgelangte Wasser auf seinem Wege eine erhöhte Temperatur annehmen. (Solcher Entstehung sind offenbar die warmen Quellen, die in einer nordsüdlichen Zone Deutsch- Südwestafrikas auftreten und stellenweise Temperaturen bis 78° C. aufweisen; derselben Entstehung sind auch viele der an Bruchlinien gebundenen Thermen Deutsch-Ostafrikas, z.B. die des östlichen mesozoischen Küstengebiets oder die des Schollenlandes von Karagwe.) Können derartige Thermen ebensowohl in eruptivem wie sedimentärem Gebiet entstehen, so sind dagegen andere auf vulkanische Gegenden beschränkt, nämlich solche Thermen, deren Wasser durch Berührung mit noch nicht völlig erkalteten Magmamassen in der Tiefe der Erde oder durch aufsteigende heiße Gase und Dämpfe erwärmt worden sind. Meistens wird es sich um Wassermassen handeln, die von der Erdoberfläche aus erst nach der Tiefe hinabgedrungen sind ("vadoses" Wasser); doch gibt es auch Forscher, welche glauben, daß bei der fortschreitenden Entgasung des Erdinnern auch Dämpfe "juvenilen" Wassers aus dem in der Tiefe ruhenden Magma aufsteigen und für sich allein heiße Quellen bilden oder wenigstens einen nennenswerten Bestandteil solcher ausmachen können. Vulkanische Thermen sind zahlreich in Deutsch- Melanesien; doch sind solche auch von den Marianen oder von Deutsch-Ostafrika (z.B. im Kondeland und wahrscheinlich am Olmoti) bekannt.- In vulkanischen Gegenden treten nicht selten heiße Quellen von so hoher Temperatur zutage, als dem Siedepunkt bei dem daselbst herrschenden Luftdruck entspricht oder selbst von höherer Temperatur, in letzterem Falle als Dampfquellen (Fumarolen). Unter bestimmten natürlichen Verhältnissen kann es auch eintreten, daß nicht allzu reichlich zuströmendes Grundwasser durch ständige Erwärmung von der Tiefe her schließlich in der Nähe der Wärmequelle so erhitzt wird, daß die benachbarten Wassermassen die Temperatur erreichen, die der Siedetemperatur bei dem in der betreffenden Tiefe herrschenden Druck entspricht, und daß bei fortschreitender Wärmezufuhr dann die darüber lastende heiße Wassersäule explosionsartig in die Höhe geschleudert wird : es entsteht ein Geiser (s.d.), ein intermittierender heißer Springquell. Da einerseits die Wasserzufuhr, andererseits die Wärmezuleitung für lange Zeit ziemlich gleichförmig eintreten können, so stellen sich die Geisereruptionen auch in vielen Gegenden in ziemlich gleichmäßigen Zeitzwischenräumen ein. - Da heißes Wasser im allgemeinen ein wesentlich größeres Lösungsvermögen besitzt als kaltes Wasser, so bringen Heiße Quellen häufig bedeutende Mengen gelöster Mineralstoffe mit sich, die nahe der Mündung beim Erkalten wieder ausfallen und mehr oder minder bedeutende Absätze bilden können. Bei manchen Thermen und namentlich Geisern nehmen sie die Form flachgeneigter Kegel oder übereinander befindlicher Terrassen an, wie solche in Deutsch- Neuguinea (Feni, Willaumezhalbinsel) mehrfach vorkommen. Wegen der heißen Quellen in Deutsch-Südwestafrika s.d. 4. Gewässer.

Sapper.