Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 52

Heidenstämme. Der Name H. hat sich eingebürgert für eine Anzahl von Völkern im Sudan, die unter mohammedanischen Völkern als unterworfenes resp. zurückgedrängtes Volk leben. Es ist das im ganzen Gebiet der unbeschränkten Fulbeherrschaft der Fall. Die Fulbe (s.d.) kamen zuerst als friedliche Viehzüchter aus Westen eingewandert und lebten, wenn auch einzelne Kämpfe vorkamen, als friedliche Hirten gemeinsam mit den Heiden. Erst mit der Gründung des Fulbereiches von Sokoto begann der Kampf mit letzteren. Die Fulbe kamen mit Pferden und gut bewaffnet, und ihrem Ansturm konnten die H. in der Ebene nicht standhalten. Sie zogen sich in die isolierten und unzugänglichen Bergmassive zurück, dort konnte die Fulbereiterei sich nicht entwickeln, dort blieben die H. bis zum heutigen Tage unabhängig. So sitzen im Ssarimassiv, im Tschebtschigebirge und Alantikagebirge, sowie im Mandaragebirge (s. Tafel 85) und kurz in allen größeren Gebirgsmassiven überall H., die in stetem Kampf mit den Fulbe liegen, aber immer ihre Selbständigkeit bewahrt haben.

Passarge-Rathjens.