Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 54

Heiratsregister. Zwecks Beurkundung der Eheschließungen der nicht eingeborenen Bevölkerung haben die Standesbeamten in den Schutzgebieten Heiratsregister nach einem vom RK. vorgeschriebenen Formular zu führen (§ 2 des durch § 7 SchGG. für die Eheschließung und die Beurkundung des Personenstandes in den Schutzgebieten eingeführten G. vom 4. Mai 1870 [BundesGBl. S. 599], sowie die Instruktion des RK. vom 1. März 1871 [KolGG. Bd. I S. 58], ferner den Erl. des RK. v. 11. Dez. 1885 [KolGG. Bd. I S. 66 und den RErl. des RK. v. 22. Dez. 1899 [KolGG. Bd. IV S. 1501.) In die H. sind aufzunehmen: 1. Vor- und Familiennamen, Staatsangehörigkeit, Alter, Stand oder Gewerbe, Geburts- und Wohnort der die Ehe eingehenden Personen; 2. Vor- und Familiennamen, Alter, Stand oder Gewerbe und Wohnort ihrer Eltern; 3. Vor- und Familiennamen, Alter, Stand oder Gewerbe und Wohnort der zugezogenen Zeugen; 4. die auf Befragen des Beamten abgegebene Erklärung der Verlobten, sowie die erfolgte Verkündigung ihrer Verbindung; 5. die Unterschrift der anwesenden Personen. Die zu 4. abzugebenden Erklärungen haben dem Wortlaute der §§ 7, 7a des G. v. 4. Mai 1870 in der Fassung des Art. 40 EG. z. BGB. zu entsprechen. Wegen der Einrichtung und Führung der H. im allgemeinen s. Standesregister. - Für die Eingeborenen gelten die Bestimmungen des G. v. 4. Mai 1870 nicht. Indes sind in einzelnen Schutzgebieten durch Sonderbestimmungen H. für die Eingeborenen eingeführt, so in Deutsch-Ostafrika allgemein, jedoch nur versuchsweise (RErl. des Gouv. v. 25. Juli 1905, KolGG. 1905 S. 179), ferner in Kamerun für die christlichen Eingeborenen durch die Bek. d. Gouv. v. 7. Dez. 1896, 18. März 1907, 13. Sept. 1897 und 18. Okt. 1911 (Landesgesetzgebung S. 852). Diese H. dienen indes nicht zur Beurkundung des Eheschließungsaktes selbst, sondern lediglich dem Zwecke der Registrierung der bereits anderweit (z. B. in Kamerun von Missionaren durch kirchliche Trauung) geschlossenen Ehen (s.Ehe).

Gerstmeyer.