Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 69

Hochland der Riesenkrater wird ein jungvulkanisches Gebiet in Deutsch-Ostafrika genannt, das im NO von der Ostafrikanischen Bruchstufe (s.d.) abgeschnitten wird. Das 4100 qkm große H. d. R. gehört damit zu dem nördlichen abflußlosen Gebiet von Deutsch-Ostafrika, in dem es dank seiner Höhe eine Art zentraler Stellung einnimmt. Die Einzugsgebiete des Njarasa, Magad und Lawa ja Mweri (s. diese) teilen sich zusammen mit noch 4-5 kleineren, selbständigen abflußlosen Gebieten in seine Hänge. Den NO des H. d. R. nimmt das Winterhochland (so genannt nach dem Verlagsbuchhändler O. Winter-Heidelberg, der die Mittel zur ersten Erforschung gab) ein, das aus 4 Vulkanbergen zusammengeschweißt ist; der Loolmalassin, eine Kraterruine, hat im Hettner-Gipfel mit 3643 m die weitaus höchste Erhebung zwischen Meru und Victoriasee. Der 3200 m hohe Elanairobi besitzt einen Krater von 6-8 km Durchmesser; auf seinem Boden, 1000 m tief eingesenkt, liegt von Urwald umsäumt, ein blaugrüner See von 10 qkm Fläche, ein wunderbar großartiges Landschaftsbild; zwischen zwei weiteren Bergen, dem Olossirwa (3297 m) und dem Ololmoti (3087 m), erloschen wie alle Vulkane des H. d. R., kommt der Bach herab, der dem Boden des Ngorongoro-Kraters (s.d.) Wasser zuführt. An diesen zentral und verhältnismäßig tief gelegenen schließen sich nach SW noch drei weitere Kraterberge des H. d. R. an. Ihr höchster ist mit 3188 m der Oldeani (= der Bambus, nach der Vegetation des NO-Hanges); n. von ihm liegen Malanja (2864 m) und Lemagrut (3127 m). In ihrer Gesamtheit bilden sie das Baumann - Hochland. - Das Klima des H. d. R. (s. Ostafrikanische Bruchstufe) ist an den Ost- und Südhängen zweifellos viel feuchter als im Kessel von Ngorongoro (s.d.). Die Niederschläge reichen jedenfalls für die Bedürfnisse einer stattlichen tropischen Höhenwaldzone, deren untere Grenze zwischen 1500 und 2100 m liegt. Unterhalb des Waldes ist dürftige Baum- und Buschgrassteppe die Vegetation der Hänge, an deren unteren Teilen herrscht dichter Dornbusch. Über dem Wald, von 2200-2500 m ab, breiten sich prächtige Grasfluren aus, weiter droben die großer Trockenheit angepaßte Hochgebirgsvegetation, ähnlich wie man sie von 3300 m ab am Kilimandscharo (s.d.) findet. Auf die Hochweiden trieben die Massai (s.d.) einst ihr Vieh. Heute gibt es hier nur Wild aller Art. Die einzigen Siedlungen des Gebiets sind die von Ngorongoro (s.d.) und Engaruka am Ostfuß des Winterhochlandes, wo ein paar Wanjamwesi (s.d.) und Küstenleute leben. Bei besserer Verkehrslage wäre fast das ganze H. d. R. ein gutes Ansiedelungsgebiet für Europäer (s. Ostafrikanische Bruchstufe, auch unter Literatur).

Literatur: F. Jaeger. Das Hochland der Riesenkrater, I u. II, Erg.-H. 4 u. 8 der Mitt. a.d. d. Schutzg. 1911/13.

Uhlig.