Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 70

Hochwald, in der Sprache des Forstmanns ein Wald, der mit hoher Umtriebszeit bewirtschaftet wird und in der Regel aus gleich alten, durch Saat oder Pflanzung oder in Naturverjüngung erzogenen Bäumen besteht, in der kolonialen Literatur jeder hochstämmige geschlossene Wald im Gegensatz zu lichten Beständen mit Graswuchs oder zu solchen, in denen niedere Bäume und Buschwerk vorherrschen. Derartige Hochwälder sind vor allem die Gebirgsregenwälder, welche unter dem Einfluß hoher Luftfeuchtigkeit und großer Niederschlagsmengen sich entwickelt haben. Sie bestehen gewöhnlich aus einer großen Anzahl meist immergrüner Arten mit ziemlich breiten, oft etwas lederartigen Blättern, deren Spreite oft in eine Spitze ausläuft, welche den Wasserablauf von der Blattfläche beschleunigt (Träufelspitze). Das übrigens sehr unregelmäßige Kronendach breitet sich in Höhen von 80 und mehr Metern aus, und Bäume von 50 m Höhe sind keine Seltenheit. Die Wurzelanläufe sind stark, oft brettartig entwickelt und können sich mehrere Meter weit am Stamm hinaufziehen. Die Blüten erscheinen manchmal am Stamm statt an den jungen Zweigen der Krone. Holzige Lianen hängen von den Ästen herab, die namentlich in Gebieten mit großer Luftfeuchtigkeit von Epiphyten (Orchideen, Moosen u. a.) bewohnt sind. Die Zusammensetzung des H. ist nach den Gebieten und nach seiner Höhenlage verschieden. Da ihm die meisten wertvollen Holzarten der Schutzgebiete angehören und er wichtige Wohlfahrtswirkungen ausübt (Wasserwirtschaft, Bodenpflege), ist er der hauptsächlichste Gegenstand forstlicher Fürsorge (s. Forstwesen).

Büsgen.