Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 81

Hottentottenschürze, Bezeichnung für eine Verlängerung der kleinen Schamlippen bei Hottentotten- und Buschmannfrauen. Es handelt sich dabei um eine Vergrößerung der kleinen Schamlippen und gewöhnlich auch des Kitzlers sowie der diesen bedeckenden Kitzlervorhaut (praeputium clitoridis), die kontinuierlich in die stark vergrößerten kleinen Schamlippen übergeht. Die Vergrößerung ist bisweilen sehr beträchtlich; 14-18 cm lange kleine Schamlippen sind festgestellt worden. Es ist klar, daß diese stark vergrößerten Organe nicht von den großen Schamlippen bedeckt werden können, vielmehr freihängend weit herabreichen. Die Frage, ob diese eigenartigen Bildungen angeboren bzw. während der Entwicklungsjahre auf natürliche Weise ohne künstliche Nachhilfe entstehen oder vielmehr durch künstliche Manipulationen (Masturbation) erworben werden, ist bisher nicht entschieden. Waldeyer macht darauf aufmerksam, daß mehrere Autoren von einer auffallend starken Entwicklung der kleinen Schamlippen bei weiblichen Hottentotten- und Buschmannkindern bereits bei der Geburt berichten. Dagegen wird von anderer Seite (Merensky) darauf hingewiesen, daß bei den Hottentottenmädchen die Teile künstlich gedehnt würden und zwar soll dies bereits bei kleinen Kindern von seiten älterer Mädchen ausgeführt werden. Bei manchen Südseestämmen sollen nach neueren Berichten für diese Manipulationen ätzende Stoffe (z.B. Pfeffer) verwandt werden.

Literatur: Ploß-Bartels, Das Weib in Natur- und Völkerkunde, 5. Aufl., S. 235 f. - Waldeyer, Zeitschr. f. Ethnologie 1885, XVII. Verhandlungen, 568- 573.

Werner.