Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 93 f.

Indigo. Der I. des, Handels wird aus den Blättern verschiedener, zu den hülsenfrüchtigen Gewächsen gehörenden Indigoferaarten gewonnen. Die wichtigsten sind I. tinctoria, in Ostindien heimisch, I. oligosperma aus Mittelamerika, I. anil ebenfalls aus Amerika, I. arrecta in Natal und I. argentea in Ostindien. Während in Indien und Amerika die dort heimischen Arten kultiviert werden, ist man in Holländisch-Indien mehr und mehr zur Kultur des Natalindigo übergegangen, weil dieser in dem harten Konkurrenzkampfe mit dem künstlichen Indigo sich besonders geeignet für Verbesserungen in der Kultur und Aufbereitung gezeigt hat. - Das größte Produktionsgebiet für Indigo ist heute immer noch Bengalen in Vorderindien. Allerdings ist die Produktion von ca. 3000 tons im Jahre 1901 auf ca. 700 tons in 1910 zurückgegangen. 1895 belief sich die Produktion sogar noch auf ca. 6000 tons. An zweiter Stelle steht Java mit einer Ware von wesentlich besserer Qualität. Trotzdem ist auch hier die Produktion von 600 000 kg in 1900 auf 60 000 kg 1910 zurückgegangen. Hamburg importierte 1913 44100 kg im Werte von 260 000 M. Die anderen Länder, Guatemala, Venezuela und Südafrika, kommen für den Welthandel nicht in Betracht. Bei dieser Sachlage dürften größere Anpflanzungen von Indigo kaum anzuraten sein. - Für die Kulturen der Eingeborenen werden Indigofera tinctoria und I. anil die besten Arten sein, für die Pflanzungen der Europäer dagegen der Natal- und der Guatemalaindigo. Die I.kultur läßt sich mit dem Anbau von Klee und Luzeren recht gut vergleichen. Wenn auch ursprünglich in den Tropen zuhause, läßt sich der I. noch in den wärmeren Subtropen anbauen. Der Boden soll fruchtbar, locker und tiefgründig sein. In Java wird der I. häufig nach Reis gepflanzt. In die gut bearbeiteten und gedüngten Felder pflanzt man den I. in Reihen mit 60 cm Zwischenraum in Abständen von etwa 45 cm. Die Pflanzen werden entweder aus Samen oder aus Stecklingen gezogen. In der Regel wird nach dem ersten Monat jede zweite Furche ausgetieft und mit der Erde die dazwischen liegenden Furchen ausgefüllt, so daß dann zwei Reihen Pflanzen auf einem Beete stehen. Der I. liefert unter günstigen Verhältnissen drei Schnitte, den ersten etwa nach 4-5 Monaten und die beiden anderen nach je drei weiteren Monaten. Zur Gewinnung des Farbstoffes wird der I. in großen Zisternen mit Wasser ausgelaugt. Die Pflanzen werden mit Holzrahmen bedeckt, damit sie vollständig untertauchen. Durch warmes Wasser und einen Zusatz von Kalkmilch wird die Ausbeute befördert und erhöht. Nach etwa 8 Stunden läßt man die gewonnene Flüssigkeit in eine tiefer liegende Zisterne ab, in der mit Schlagvorrichtungen, z.B. Schaufelrädern, die Lösung stark bewegt und so mit der Luft in kräftige Berührung gebracht wird. Der Farbstoff setzt sich in der Schlagzisterne allmählich zu Boden. Der Prozeß ist vollendet, wenn eine kleine Probe der Flüssigkeit filtriert auf Zusatz von Ammoniak keine Grün- oder Blaufärbung mehr gibt. Die darüberstehende Flüssigkeit wird durch geeignet angebrachte Öffnungen über dem Bodensatz abgezogen und dieser dann herausgenommen und auf Tüchern von dem Rest des Wassers befreit. Der gewonnene Farbstoff wird dann noch eine Zeitlang vorsichtig gekocht und langsam abgekühlt. Der gekochte Brei wird schließlich auf Pressen vom Wasser vollständig befreit und zu großen Kuchen geformt, die dann noch in Würfel geschnitten und auf Hürden nachgetrocknet werden.

Literatur: van Lookeren C. J. Campagne, Indigo, in van Gorkoms Oost-indische Cultures, Bd. III, pag. 1 -56. Amsterdam, Bussy, 1913.

Voigt.