Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 97 f.

Insekten (s. Tafel 67/68). I. sind Gliederfüßer, deren erstes Gliedmaßenpaar als Fühler, nicht (wie bei den Spinnentieren) als Mundwerkzeug ausgebildet ist, welche drei Beinpaare oder gar keine Beine besitzen, auf dem Lande oder im Süßwasser, selten im Meere leben und mit Tracheen oder Tracheenkiemen, nicht mit echten Kiemen atmen. -Man teilt sie nach der Entwicklung der Mundwerkzeuge, der Flügel und der Beine und nach der Art der Verwandlung in Ordnungen ein. Da die Flügel oft (bei der Larve stets) fehlen, und man die Art der Verwandlung bei einem Tiere, das man gerade findet, nicht wissen kann, muß man besonders nach der Ausbildung der Beine und Mundwerkzeuge die Ordnung zu erkennen suchen. Eine kurze Untersuchung etwa folgender Art wird den Laien bei den meisten der für ihn in unsern Kolonien in Betracht kommenden Tiere zum Ziele führen: Ein Insekt ohne Spur von Beinen (s. Tierformen) ist entweder die Larve eines Käfers (s. Käfer), wenn es in Holz oder in einer festen Frucht lebt, oder die Larve eines Hautflüglers (s.d.), wenn es sich in einer künstlich hergestellten Hülle oder in einem Nest befindet; in allen andern Fällen die Larve eines Zweiflüglers (s.d.). Sind Beine vorhanden und diese mit nur einer Kralle versehen, so hat man eine Schmetterlingsraupe vor sich, wenn außer den drei kurzen Beinpaaren noch 2-5 Paar Höckerfüße am Hinterleibe (s. Tafel 67/68 Abb. 24) vorhanden sind (s. Raupen), eine Blattwespenlarve, wenn mehr als 5 Paar Höckerfüße vorhanden sind, eine Laus (s. Läuse), wenn Höckerfüße fehlen, das Tier parasitisch auf einem Säugetier oder dem Menschen lebt und die Kralle sehr stark entwickelt ist. In andern Fällen entscheidet (bei Tieren mit einer Kralle an den Füßen) die Zahl der erkennbaren Hinterleibsringe. Sind deren nur 5-7 vorhanden, so ist es eine Schildlaus (s.d.), wenn die Beine nach der Reife des Tieres kaum oder gar nicht erkennbar sind oder das Tier nach der Reife festgesogen an Pflanzen lebt, ein Springschwanz (s.d.), wenn man es an zerfallenden oder faulenden Pflanzenstoffen oder auf dem Wasser findet und die Beine wohl entwickelt sind. - Sind mindestens 9 Hinterleibsringe vorhanden (s. Tafel 67/68 Abb. 29), so ist es die Larve einer Eintagsfliege (s.d.), wenn das Tier im Wasser lebt und der Körper mit 2-3 vielgliedrigen Fäden endet (wie Tafel 67/68 Abb. 7). Fehlen die gegliederten Schwanzfäden, so ist es eine Käfer- oder Netzflüglerlarve (s.d.). - Enden die Beine (statt mit einer Kralle) mit einem Bläschen und ist das Tier äußerst klein, so ist es ein Blasenfüßer (s.d.). - In fast allen andern Fällen sind zwei Krallen vorhanden. Es kommt dann die Zahl der Tarsenglieder in Frage, die außer den beiden größeren Beingliedern, dem Schenkel und der Schiene vorhanden sind. Sind höchstens 4 Tarsenglieder vorhanden, so liegt ein Schnabelkerf (s.d.) vor, wenn beißende Mundwerkzeuge fehlen (s. Tafel 67/68 Abb. 13-17), ein Ohrwurm (s.d.), wenn eine lange Zange am hinteren Körperende sich findet (s. Tafel 67/68 Abb. 12), ein Käfer (s.d.), wenn auf dem Hinterleibe zwei in einer Naht zusammenschließende Flügeldecken (s. Tafel 67/68 Abb . 25-27) vorhanden sind und eine Zange am Ende fehlt. Durch ein einzelnes Tarsenglied ist die Larve einiger Netzflügler (s.d. u. Tafel 67/68 Abb, 18) ausgezeichnet. - Alle andern Insekten mit 24 Tarsengliedern und beißenden. Mundwerkzeugen wollen wir hier als Geradflügler (s.d.) zusammenfassen (s. Tafel 67/68 Abb. 6-11). - Sind 5 Tarsenglieder vorhanden, so mögen zunächst diejenigen Formen hervorgehoben werden, welche am Hinterleibsende 2-3 mehr oder weniger deutlich gegliederte, entweder fadenförmige (wie Tafel 67 68 Abb. 7) oder stäbchenförmige (wie Tafel 67/68 Abb. 10) Anhänge besitzen. Dahin gehören die Eintagsfliegen (s.d.) mit fadenförmigen Anhängen (wie Tafel 67/68 Abb. 7), die Fangheuschrecken (s.d.), deren Vorderbeine Fangbeine sind (Tafel 67/68 Abb. 5), die Skorpionfliegen, deren Kopf in einen Rüssel verlängert ist und die Schaben (s.d.), welche durch kurzen Kopf und 6 Laufbeine sich von jenen unterscheiden. - Fehlen die Anhänge am Hinterleibe, so handelt es sich um einen Käfer (s.d.), wenn (wie bei Tafel 67/68 Abb. 27) zwei dem Hinterleibe aufliegende feste Flügeldecken ohne deutliches Geäder vorhanden sind, um einen Zweiflügler (s.d.), wenn nur zwei Flügel entwickelt und statt der Hinterflügel kleine Kölbchen vorhanden sind (Tafel 67/68 Abb. 19), um einen Schmetterling (s.d.), wenn sowohl der Körper als auch die Flügel (letztere wenigstens teilweise) mit staubartig abreibbaren farbigen Schuppen bekleidet sind (s. Tafel 67/68 Abb. 23). Flügellose, parasitisch auf Wirbeltieren lebende Insekten mit kurzen Fühlern und längeren Tastern (s. Tafel 67/68 Abb. 20) sind die Flöhe (s.d.). - Es bleiben dann nur noch die Hautflügler, Köcherfliegen, Netzflügler und Gespenstheuschrecken. Unter diesen zeichnen sich die großen Gespenstheuschrecken (s.d.) durch ihre Ähnlichkeit mit Zweigen und Blättern (s. Tafel 67/68 Abb. 1-3), die Netzflügler (s.d.) durch vier fast gleiche, netzaderige Flügel (wie Tafel 67/68 Abb. 6), die Hautflügler (s.d.) durch kleine, wenig geäderte Hinterflügel (s. Tafel 67/68 Abb. 21) oder Flügellosigkeit (s. Tafel 67/68 Abb. 22) verbunden mit wohlentwickelten beißenden Mundteilen und die Köcherfliegen durch verkümmerte Mundwerkzeuge und dicht behaarte oder beschuppte Flügel aus. Der Körper der letzteren ist im Gegensatz zu den Schmetterlingen nicht mit Schuppen bekleidet.

Dahl.