Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 98

Inselberge (s. Tafel 37, 76, 189) sind eine charakteristische Landschaftsform Afrikas wie der Tropen überhaupt. Doch findet man sie auch in einzelnen Gebieten der Subtropen wie der gemäßigten Zone. Aus weiten welligen bis ebenen Flächen ragen hier und dort, in Entfernungen von oft vielen Kilometern, isolierte Berge oder Gebirgsstöcke auf. Die Ebenen treten unvermittelt, ohne die kleinste Erhebung, bis scharf an den Fuß des Berges, dessen Hänge kahl, oft von großer Steilheit sind. Nur manchmal umgibt ihn ein schmaler Mantel von Blöcken und Schutt, die vom Gehänge stammen. Der Typus der I. findet sich häufig im mittleren und nördlichen Kamerun. Manche Gegenden von Adamaua (s.d.) setzen sich aus einzelnen Massiven und trennenden Ebenen zusammen. Das Mandara- (s.d.), Ssari- (s.d.), Alantika- (s.d.) und Tschebtschigebirge (s.d.) sind weitere Beispiele solcher inselbergartigen Massive. Die I.landschaft von Bubandjidda, das Kebbigneisland, das Plateau von Dalami und Gaschaka, die Farobucht sind weite Ebenen mit verstreut aufgesetzten I. Über die Entstehung der I.landschaft kann nur sehr vorsichtig geurteilt werden. Einmal ist sie in der Natur der Gesteinszusammensetzung begründet: die Berge bestehen aus massigen, schwer zerstörbaren Graniten, Quarziten, Quarzstöcken, Diabasen usw., die Ebenen hingegen aus klastischen Gesteinen, weißen oder kristallinen Schiefern, Sandsteinen u. a. In den Ebenen treten häufig die abgehobelten Schichtköpfe zutage. Wenn es sich auch in einigen Fällen um tektonische Entstehung handeln könnte, so läßt sich die Erscheinung doch am besten durch Winderosion erklären, setzt also ein heißes trocknes Klima zur Zeit der Entstehung voraus. In der heutigen niederschlagsreicheren Zeit würden die I. ihrer allmählichen Zerstörung entgegengehen.

Passarge-Rathjens.