Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 114

Iwindo, bedeutendster Nebenfluß des Ogowe (s.d.), der noch deutsches Gebiet in Kamerun durchfließt. Er entspringt im Süden des Hochlandes von Südkamerun, auf der alten deutschfranzösischen Grenze, fließt zuerst genau gegen Osten, die Richtung des oberen Kampo (Ntem) fortsetzend als Aina, biegt dann aber schroff nach S., um in dieser Richtung den Ogowe zu erreichen. Der Oberlauf des Flusses auf seiner westöstlichen Strecke ist flach und sumpfig. Erst von der Einmündung des Karagua an beginnt er sich in das Plateau einzuschneiden; erst treten an den Ufern Hügel und Berge auf, dann kommt die Schnellenregion, die die Schifffahrt auf dem unteren I. verhindern. Bei der Einmündung des Dschua, der selbst streckenweise die Grenze bildet, verläßt der I. das deutsche Gebiet. Die Nebenflüsse des I. sind folgende: von links der Ngum und der Gumu von Norden, der Karagua und der Dschua von Osten; von rechts der Bemwula, der Nuna, der Nsige und der Ua, die alle von Nordwesten dem I. in spitzen Winkel zufließen. Die letzten vier Flüsse und der Mvung, der ebenfalls auf deutschem Gebiet entspringt, entspringen auf dem Sandsteinplateau, das sich von Norden nach Süden im Osten des oberen Ntem hinzieht. - Die Vegetation des I.gebietes ist dichter Urwald, der eine Übersicht über das Gelände sehr erschwert. Die Völker, die in seinem Gebiete wohnen, sind im Westen Fang (s.d.), in viele Unterstämme geteilt, im Osten die Bakota (s.d.). Neuerdings findet ein Vorstoß der Fangstämme nach Osten gegen die Bakota statt, so daß wahrscheinlich schon Fang auf das östliche Ufer des I. übergetreten sind. Nach einigen Angaben sitzen am ganzen Flußlauf des I., selbst wo er deutsch ist, Ndsimu (s. d.), deren Hauptmasse im Gebiete des Dscha (s.d.) liegt. Sie gleichen im Aussehen den Fang, haben ihre Sitten und Gebräuche angenommen, sind aber Bantu, während die Fang ursprünglich Sudanstämme sind. - Der I. ist im ganzen Oberlaufe schiffbar. Erst bei Kandjama wird die Schiffahrt durch bedeutende Schnellen, die sich dann bis ganz zur Mündung des Ogowe hin wiederholen, verhindert. Weiter oberhalb befindliche Schnellen können überwunden werden. Der Nebenfluß des I., der Dschua, ist ebenfalls bis weit hinauf, bis Madjingo, befahrbar, so daß nur auf eine kurze Strecke der Landtransport bis zu den schiffbaren Strecken der Ngokonebenflüsse notwendig ist. Bedeutendere Siedelungen liegen nicht am I., Minkebe am oberen Nuna und Mui am Bemvula seien erwähnt.

Passarge-Rathjens.