Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 116

Jadseram, ein südlicher Zufluß des Tsadsees (s.d.), der im Ober- und Mittellauf die Westgrenze von Kamerun bildet. Seine Quellflüsse kommen im Westabhang des Mandaragebirges (s.d.) und vereinen sich ungefähr bei Uba. Der J. fließt meist in nördlicher Richtung am Westfuß des Gebirges entlang. Bei Isge verschwinden die Inselberge, und damit beginnt die Ebene des Tsadseebeckens. Durch ein Dünengebiet, das der J. umfließt, wird er zu einem großen Knie nach Osten gezwungen, bei Bama schlägt er dann eine nordöstliche Richtung ein und behält sie bis zur Mündung bei. Oberhalb des Knies, stauen sich seine Wasser zu Sümpfen auf. Von Bama bis Dikoa ist sein Lauf vielfach gewunden und seine Ufer zum Teil sumpfig, seine Breite sehr wechselnd, im Mittel 60 m. Unterhalb Dikoa teilt er sich in viele Arme, die untereinander und mit den Mündungsarmen des Schari- LogoneSytems in Verbindung stehen. Bei Hochwasser gelangt man in einem Boot von Dikoa bis Kusseri, ohne den Tsadsee zu berühren. Die Wasserführung des J. ist sehr unbeständig, er kommt deshalb für die Schiffahrt kaum in Frage. Beim Höhepunkt der Regenzeit ist er allerdings ein ziemlich tiefer Fluß mit kräftiger Strömung, aber sobald der Regen aufhört, versiegen seine Mündungsarme, die großen Überschwemmungsseen trocknen aus, und es bleibt trockner und staubiger, von tiefen Furchen zerrissener "Firkiboden". Er führt nur bis zu seinem Knie das ganze Jahr hindurch Wasser. Auch die unbedeutenden Zu flüsse, die der J. vom Mandaragebirge erhält, sind nur periodische Wasserläufe. Der J. durchfließt im Oberund Mittellauf die Gebiete mehrerer heidnischer Sudanstämme, der Mandara, Margi und Gamergu. Bedeutende Ansiedlungen auf deutschem Ufer sind Untube, Urga und Bama. Von hier ab sind die Ufer ungemein dicht bebaut; eine wichtige Handelsstraße zieht sich am rechten Ufer außerhalb des Überschwemmungsgebiets von Bama über Tschantari, Malematari nach Dikoa hin (s.d.). Bei Dikoa verläßt die Grenze den J. und läuft in gerader Linie weiter, so daß die Mündungsarme zum großen Teil auf englisches Gebiet Fallen. Die Bevölkerung am Unterlauf ist ein Gemisch von Kanuri (s.d.), Fulbe (s.d.), arabischen Schua (s. Araber). Im Mündungsbereich des J. liegen noch die Städte Senigi, Sadjiba und Amhabio.

Passarge-Rathjens.