Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 123

Jangere, Stamm der Sudanneger (s.d.) in Kamerun, die wahrscheinlich den Baia sehr nahe stehen. Ihre Hauptmasse sitzt östlich des oberen Ssanga bis Nola abwärts und reicht im Osten bis ins Quellgebiet des Lobai. Mehrere Enklaven von J. sitzen einmal am unteren Kadei unterhalb des Einflusses des Bumbe, andererseits weit im Norden am mittleren Uam sowie am oberen Pennde im Hochland von Jade. Sie wohnen erst seit kurzem in ihren jetzigen Sitzen; noch in der Mitte des vorigen Jahrhunderts saßen sie geschlossen im Norden der Baiamasse, von wo sie durch die Raubzüge der Fulbe vertrieben wurden. - Die J. sind ein kleiner, schwacher Menschenschlag, doliozephal und plattnasig. Sie nähren sich hauptsächlich von Maniok. Mangel an Fleischnahrung treibt sie zur Menschenfresserei. Der Mann ist Fischer und Jäger und überläßt der Frau die Feldarbeit. Sie tatauieren sich wenig und feilen ihre Zähne nicht spitz. Im ganzen sind sie intelligenter als die Baia, in deren Gebiet sie wohnen und die sie unterdrücken. Mit den Lakka, Sara, Baia, Mbum haben sie gemeinsame Beschneidungssitten und eine Beschneidungssprache, das Labi.

Passarge-Rathjens.