Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 123

Jannasch, Rob. J., geb. 30. April 1845 in Köthen, Nationalökonom und Statistiker, ist einer der ersten Bahnbrecher kolonialpolitischer Bestrebungen in Deutschland. Durchdrungen von der Wichtigkeit der Handels- und der Ackerbaukolonisation für die Macht und den Einfluß eines Volkes, gründete er mit Kersten im Oktober 1878 den "Zentralverein für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Auslande", als dessen Ziele Förderung der Ausfuhr, Hinleitung der Auswanderung nach Gebieten, wo das deutsche Volksbewußtsein sich lebendig zu erhalten vermag, und Hinwirken auf Begründung deutscher Kolonien aufgestellt wurden. Seit 1880 gab J. die Zeitschrift "Export" heraus, welche den Zielen des Zentralvereins zu dienen bestimmt war. Eine rege Tätigkeit galt der Ausdehnung des deutschen Handels über See, und vor allem den deutschen Interessen in Südbrasilien und Argentinien. Aus J.s reger schriftstellerischer Tätigkeit sei kolonialpolitisch die Herausgabe der dritten Auflage von W. Roschers Werk: Kolonien, Kolonialpolitik und Auswanderung, 1885, hervorgehoben, dem J. einen neuen selbständigen Abschnitt über die "deutschen Aufgaben der Gegenwart" hinzufügte.