Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 124

Jao, Wajao, Wahiao, Wahiau, Ayawa (Livingstone), Bantuvölkerschaft im Süden von Deutsch-Ostafrika, in der westlichen Umrandung des Makondeplateaus, auch am Mbemkuru und vom mittleren Rovuma bis zum südlichen Njassa und Schire hinunter. Die J. galten lange als nahe Verwandte der Wangoni, also als Sulu, doch gehören sie sicher zu den östlichen Bantu. Im Gefolge der südafrikanisehen Kaffernwirren und der Wangonizüge sind sie seit Jahrzehnten auf einer langsamen Nordostwanderung begriffen, die sie gegenwärtig bis fast vor die Tore von Lindi geführt hat. Sie sind dabei im allgemeinen auf dem friedlichen Wege des Handels, zuweilen allerdings des Sklavenhandels, vorgedrungen und haben es überall verstanden, sich die kommerzielle und politische Hegemonie zu sichern. Befähigt werden sie dazu durch einen kräftigen Körper (s. Tafel 203) und eine energische Veranlagung, die sie zu einem der tüchtigsten und auch zuverlässigsten Stämme im, Süden von Deutsch-Ostafrika stempelt. Auch im Aufstand von 1905/06 sind sie den Deutschen treu geblieben. 1905 wurde die Zahl der J. im Bezirk Lindi auf rund 26 000 Seelen geschätzt. Ihr Häuptling auf deutschem Gebiet ist zurzeit Matola, dessen stattliche Residenz Ntschingulungulu von 1906 in der Tafel 70 wiedergegeben ist.

Literatur: Weule, Wissenschaftl. Ergebn. m. ethnogr. Forschungsreise in d. Süd. v. Deutsch-Ostafrika. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1908. Ergänzungsheit 1. - Derselbe, Negerleben in Ostafrika. Lpz. 1908. - Adams, Lindi und sein Hinterland. Berl. 1902. - Livingstone, The last Journals of D. L. Lond. 1874.

Weule.