Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 128

Jaunde, Stamm der Fang (s.d.) in Südkamerun, auf dem Plateaurand zwischen Sanaga und Lokundje. Ihr Gebiet stellt einen schmalen Streifen dar, der sich von Südwesten nach Nordosten erstreckt. Sie teilen sich in eine ganze Anzahl von Unterstämmen. Die kleinen Dörfer der J. liegen meist auf kleinen Hochflächen, selten im Tale. Sie enthalten ein Männerhaus, mehrere Frauenhäuser, ein Vorratshaus, sowie Ställe. Das ganze Dorf ist als Rechteck angelegt. Die J. sind große schöne Leute von brauner Farbe. Die Haare werden kunstvoll in die typische Fangfrisur (s. Farbige Tafel Kamerun Abb. 3, Jaundemädchen), den Helm, gebracht. Die Kleidung besteht in einem Lendenschurz, in früherer Zeit aus Rindenstoff, neuerdings aus Kattun. Das weibliche Geschlecht trägt hinten am Lendenriemen ein starkes Büschel von geschlitzten Pisangblättern oder Weinpalmenliedern, das auffallend an einen gestutzten Pferdeschweif erinnert. Die Scham hingegen wird mittels eines dreieckigen Stückes Pisangblatt züchtig verdeckt (s. farbige Tafel Kamerun Abb. 3, Jaundemädchen). Die jungen Mädchen durchbohren ihre Nasenscheidewand und stecken als Schmuck ein kleines Stäbchen hindurch. Einige kleine Bambusstäbe, die an dem Gürtel befestigt sind, zeigen, wieviel Freunde die Besitzerin hat. Ganz allgemein ist schließlich die Bemalung des gesamten Körpers mit Rotholzpulver. Als Schmuck werden Ketten von Pflanzensamen, Perlenschnüre, Arm- und Beinringe getragen. Die Tatauierungen sind zahlreich und sehr verschieden, die Stammesmarke, die in Querstrichen auf dem Rücken besteht, tragen nur die Männer. Ihre Waffen sind Wurfspeere mit und ohne Widerhaken, Haumesser und große Schilde.. Heute haben sie fast alle Gewehre, aus denen sie mit kleinen Speeren schießen. Musikinstrument der Mädchen und Frauen ist die Flöte, ein etwa 2 Fuß langes Bambusrohr mit mehreren Löchern, dem man recht ansprechende Melodien zu entlocken versteht. Die Männer bevorzugen dagegen Trommeln, Klappern usw. Ihre Religion ist ein typischer Ahnenkult mit viel Schamanismus. Giftprozesse, Liebestränke, Gottesurteile sind an der Tagesordnung. Die Ordnung und Regierung der J. ist wie bei fast allen Fangstämmen eine patriarchalische. Der Familienälteste hält Gericht und entscheidet über Krieg und Frieden. - Der J. hat meist mehrere Frauen, nach der Anzahl seiner Frauen richtet sich sein Ansehen und Macht. Diese werden schlecht behandelt und sind Sklavinnen des Mannes, der ihnen alle Arbeit überläßt. Die Knaben werden unter großen Festlichkeiten nach einer Vorbereitungszeit im Walde im 14.-16. Jahr beschnitten. Die J. sind geschickte Handwerker, alles, was zu ihrem Gebrauch nötig ist, wird zu Hause angefertigt. Ein Handel unter sich bestand ursprünglich kaum; allein seit der Erschließung des Waldlandes durch den europäischen Handel sind sie geradezu ein Handelsvolk geworden. Ihre Hauptbeschäftigung ist ferner Ackerbau und Jagd. Angebaut werden Bananen, Ölpalmen, Jams, Tabak, Mais. Die Kulturen befinden sich entweder in der Umzäunung des Dorfes oder im Urwald. Dichter Urwald bedeckt das ganze Gebiet der J., teilweise aber nur noch sekundärer. An Siedelungen besitzt das Gebiet der Jaunde vor allem die Stadt Jaunde (s.d.), ferner Olama am Njong.

Literatur: Zenker, Jaunde. Mitt. a. d. deutsch. Schutzgeb. VIII (1895), 36 ff.

Passarge-Rathjens.