Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 128

Jaunde, Hauptort der Jaunde (s.d.) und Hauptstadt des Bezirks Jaunde in Südkamerun, eine der ältesten deutschen Stationen im Hinterland der Kolonie. - Der Ort J. liegt auf dem Ostrand des Südkameruner Randgebirges in 731 m Meereshöhe, auf der Grenze zwischen Urwald und Grasland, auf einem fruchtbaren Plateau. Die Entfernungen zum Sanaga im Norden und Njong im Süden sind ungefähr die gleichen. Die Bebauung des Landes ist, der starken Bevölkerung entsprechend, schon sehr fortgeschritten. Die Jaunde sind ein Volk von Händlern, Kautschuk und Elfenbein sind die Haupthandelsartikel. In J. kreuzen sich mehrere wichtige Handelsstraßen, die eine führt in östlicher Richtung nach Akonolinga am Njong und weiter zur Dumestation, eine nördliche aber nach Tibati und eine westliche nach Edea. Südlich geht es nach Widimenge am Njong, der geplanten Endstation der Mittellandbahn und nach Olama, Lolodorf, Kribi. Die Straße nach Kribi ist zu einem Fahrweg ausgebaut worden. Bereits 1887 drangen Kund (s.d.) und Tappenbeck (s.d.) als erste durch den breiten Urwaldgürtel bis J. vor. Nach dem unglücklichen Ausgang dieser Expedition unternahm es Tappenbeck, Kunds Pläne fortzuführen und gründete 1889 die Station J. zum Schutze der deutschen Händler und als Bollwerk gegen aus Norden und Osten andrängende Stämme der Wute (s.d.). Morgen (s.d.), der als erster folgte, ließ Zenker als Stationsbeamten in J. zurück, der ca. 5 Jahre lang allein fast ohne Verbindung mit der Küste die Station hielt, Pflanzungen anlegte, Häuser baute und so ein wichtiger Pionier der Weißen wurde. Seit Dominik (s.d.) dann die Leitung der Station übernahm, hat diese einen gewaltigen Aufschwung genommen. Jetzt besitzt J. außer dem Bezirksamt und einer Kompagnie der Schutztruppe ein Polizeiamt, eine Postagentur, ein Lepraheim, eine Viehzuchtstation, eine Reg.-Schule und 14 europäische Faktoreien. Die 1911 begründete Viehzuchtstation betreibt Kreuzung des Adamaua-Buckelrindes mit Allgäuer Bullen (vgl. KolBl. 1912 Nr. 6). Die Katholische Mission der Pallottiner (s. Genossenschaft der Pallottiner) hat in J. eine Niederlassung. Die Zahl der Weißen des Bezirks beträgt 114 (1913).

Passarge-Rathjens.