Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 130 f.

Johann Albrecht, Herzog zu Mecklenburg, geb. zu Schwerin am 8. Dez. 1857, Sohn des Großherzogs Friedrich Franz II. von Mecklenburg- Schwerin, aus dessen erster Ehe mit der Prinzessin Auguste Reuß zu Schleitz- Köstritz, trat nach Vollendung seiner Studien zu Dresden und Bonn in das Kgl. Preuß. Leib-Garde-Husaren-Regiment ein, bei dem er noch jetzt als General der Kavallerie à la suite steht. 1901 ernannte ihn der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin zum Chef des Großherzoglich-Mecklenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 14. 1914 wurde er à la suite der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika gestellt. Die Rostocker Universität verlieh ihm 1901 die Würde eines Ehrendoktors aller vier Fakultäten. Vom 11. April 1894 bis zum 9. April 1901 war der Herzog Regent des Großherzogtums Mecklenburg- Schwerin. Am 28. Mai 1907 wurde er zum Regenten des Herzogtums Braunschweig gewählt; diese Würde bekleidete er bis Nov. 1913. Am 15. Januar 1895 wurde der Herzog, der sich damals in Neapel befand, um von hier aus die Reise nach Ceylon und Ostafrika anzutreten, einstimmig von der in Dresden tagenden Vorstandssitzung zum Präsidenten der Deutschen Kolonialgesellschaft gewählt. Von der erwähnten Reise nach Deutschland zurückgekehrt, waltete der Herzog zum ersten Male auf der am 5. und 6. Juni 1895 in Kassel stattgehabten Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft seines Amtes. Er hat von diesem Zeitpunkt bis zur Stunde allen Tagungen der Deutschen Kolonialgesellschaft persönlich präsidiert. Der Herzog, der durch nationalökonomische und sprachliche Studien, sowie durch wiederholte Reisen auch nach Afrika und Asien für das übernommene Amt in hervorragendem Maße vorgebildet war, hat seine Kraft in erster Reihe den wirtschaftlichen Interessen der Schutzgebiete zugewandt, aber auch mit gleicher Energie und Umsicht die übrigen Aufgaben und Zwecke der Gesellschaft gefördert, deren Mitgliederbestand von 16514 Mitgliedern in 243 Abteilungen im Jahre 1894 auf rund 42000 in 422 Abteilungen im Jahre 1912 anwuchs. In allem, worin die Deutsche Kolonialgesellschaft in den letzten 18 Jahren zur Förderung unserer Schutzgebiete und Deutschlands überseeischer Machtstellung sich betätigte, hat der Herzog nicht bloß wärmsten persönlichen Anteil genommen, sondern auch zu zahlreichen und mit den bedeutsamsten Maßnahmen die unmittelbare Anregung gegeben (s. Deutsche Kolonialgesellschaft). Die 3 in Berlin am 10. und 11. Okt. 1902, am 5., 6. und 7. Okt. 1905 und am 6., 7. und 8. Okt. 1910 abgehaltenen deutschen Kolonialkongresse (s.d.) fanden unter seinem Präsidium statt. Der Herzog ist bis zur Aufhebung des Kolonialrats (s.d.) Mitglied desselben gewesen, er bekleidete seit dem Jahre 1900 die Stellung eines Vorsitzenden des Auskunftsbeirats der ZentralAuskunftsstelle für Auswanderer (s. Auskunftsstellen). Er ist Protektor des Hauptverbandes der deutschen Flottenvereine im Auslande und führt seit dem Jahre 1898 den Vorsitz in der Wohlfahrtslotterie (s.d.). Als Membre Effectif des Institut Colonial International (s.d.) hat er wiederholt, der auf ihn gefallenen Wahl Folge leistend, den Verhandlungen präsidiert (1897 in Berlin, 1904 in Wiesbaden). Der Herzog war seit dem 6. Nov. 1886 mit der Prinzessin Elisabeth von Sachsen Weimar vermählt, die ihm am 10. Juli 1908 durch den Tod entrissen wurde. Die verewigte Herzogin brachte dem kolonialen Gedanken tiefgehendes Verständnis und wärmstes Interesse entgegen, sie war Ehrenvorsitzende des Deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Kolonien (s. d.). Ihren Namen trägt das in Windhuk errichtete Elisabethhaus. – Am 15. Dez. 1909 vermählte sich der Herzog mit der Prinzessin Elisabeth zu Stolberg-Roßla, mit der er Ende des Jahres 1909 eine Reise nach Ostasien ausführte, von der er auf der sibirischen Bahn nach Deutschland zurück kehrte.