Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 134

Justizhoheit, die auf dem Gebiete der Rechtspflege sich äußernde Staatsgewalt, die insbesondere das Recht umfaßt, über die Ordnung und Ausübung der Rechtspflege zu befinden. Sie steht für die Schutzgebiete mit den Beschränkungen, welche aus dem SchGG. und den darin angezogenen Vorschriften des KonsGG. folgen, als ein Ausfluß der Schutzgewalt dem Kaiser zu (§ 1 SchGG.). Die Ausübung der Gerichtsbarkeit ist in den seinerzeit bei der Erwerbung der meisten deutschen Kolonien abgeschlossenen Schutzverträgen zum Teil den Häuptlingen belassen worden. Da indes den Schutzverträgen nicht die Bedeutung einer Beschränkung der Schutzgewalt zusteht, wird auch die J. durch sie nicht beeinträchtigt. Jene Verträge haben, soweit sie noch in Kraft sind, lediglich innerstaatsrechtliche Bedeutung (s. Schutzgewalt).

Gerstmeyer.