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Jute, alte indische Kulturpflanze, neben der Baumwolle (s.d.) heute die wichtigste
Faserpflanze.
Ihr Anbau ist noch fast ausschließlich auf Indien und den Osten Asiens
beschränkt. Sie liefert das unentbehrliche Verpackungsmaterial für die
Massengüter des Welthandels. Die echte J. gehört zu den Lindengewächsen
und ist eine einjährige Pflanze. Für die Fasergewinnung kommt neben der
mehr als Gemüse genutzten Corchorus olitorius in erster Linie C.
capsu1aris
in Frage. Ihr Hauptkulturgebiet liegt in Indien, vor allem in Bengalen
und erstreckt sich von dort bis nach China und in die Mandschurei.
Anbauversuche
in anderen Gebieten, in Ägypten, den Vereinigten Staaten und auch in den
deutschen Kolonien liegen in großer
Zahl
vor, haben es aber bis jetzt zu einer nennenswerten Produktion nicht
bringen können. Gerade in der
letzten Zeit fehlte es nicht an Anregungen, die indische Monopolstellung
durch Aufnahme der J.kultur in anderen, geeigneten Gebieten zu brechen.
Es sind aber nicht nur die Kulturbedingungen, sondern auch
Arbeiterfragen,
die die Entwicklung der J.kultur erschweren. Die J. gedeiht am besten
in heißen, feuchten Gegenden mit regelmäßigem Wechsel von Regen und Sonnenschein. Sie braucht einen
fruchtbaren,
feuchten, aber durchlässigen Boden. In Bengalen geben die durch die
Wanderung
der Flußbetten gebildeten Schwemmländereien das geeignetste Kulturland
für die J. Die Aussaat erfolgt etwa im März, breitwürfig oder, wenn
Maschinen
zur Verfügung stehen, als Drillsaat. Wird mit der Hand gesäet, so müssen
die jungen Pflanzen auf einen Abstand
von 15 bis 20 cm ausgedünnt werden. Nach etwa 4-5 Monaten sind die
Pflanzen
schnittreif. Vielfach wird die J. im Wechsel mit Reis
gebaut. Gut gerotteter Stalldünger sagt den jungen Pflanzen besonders
zu. Er ist allen anderen Düngemitteln vorzuziehen. Kurz nach der Blüte
und kurz vor dem Fruchtansatz werden die Stengel geschnitten und dann
zunächst 1-2 Tage mit
dem unteren Ende etwa 30-60 cm aufrecht in Wasser gestellt, nachher ganz
hineingelegt und darauf ähnlich wie der Flachs
bei uns behandelt. Durch die Vorröste der unteren Teile soll eine
möglichst
gleichmäßige Aufbereitung der Faser erreicht werden. Sind die
Rindenschichten
genügend erweicht, so werden die Stengel geschlagen und die Fasern
abgezogen.
Durch geschicktes Durchziehen durch Wasser und Absuchen der letzten
Holzreste
wird die Faser weiter aufbereitet und schließlich ausgerungen und zum
Trocknen aufgehängt. Die Erntezeit in Indien fällt je nach der Aussaat
in die Monate Juni bis Oktober, hauptsächlich aber in den August und
September.
Der indische Export von J. betrug im
Jahre
1911/12 rund 4 Millionen Ballen zu 400 Pfund englisch und an J.abfällen,
die zum größten Teil in die Papierfabrikation wandern, 460000 Ballen.
Davon geht etwa die Hälfte nach England und 1/5 nach Deutschland.
Hamburg
importierte 1913 annähernd 1660000 dz fast ausschließlich aus Indien im
Werte von etwa 80 Mill. M. Die erste J.spinnerei in Deutschland wurde
im Jahre 1861 mit etwa 1000 Spindeln in Vechelde im Braunschweigischen
und rund 100 Arbeitern eröffnet. Heute bestehen über 70 Betriebe mit
160000
Spindeln.
Literatur: R. Wolff, Die Jute, ihre Industrie und
volkswirtschaftliche
Bedeutung. Berlin 1913, Siemenroth.
Voigt. |