Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 137

Kabel. Reichseigene K. zur unmittelbaren telegraphischen Verbindung Deutschlands mit seinen Schutzgebieten besitzt das Deutsche Reich zurzeit noch nicht. Jedoch steht der unmittelbare Anschluß von Togo und Kamerun an das Mutterland kurz bevor, und zwar über das Kabel Emden- Teneriffa-Monrovia-Pernambuco der am 27. Aug. 1908 in Köln gegründeten Deutsch- Südamerikanischen Telegraphengesellschaft. Von Monrovia ist im Januar 1913 ein Gesellschafts-K. nach Lome (Togo) und Duala (Kamerun) verlegt worden, so daß diese beiden Schutzgebiete nunmehr unabhängig von fremden (englischen) K.linien und unmittelbar mit Deutschland verbunden sind. Der Anschluß von Deutsch- Südwestafrika durch Verlängerung dieses K. nach Swakopmund wird voraussichtlich nicht lange auf sich warten lassen. Reichseigene K. besitzt nur das Schutzgebiet Kiautschou; es ist während der chinesischen Wirren in den Jahren 1900 und 1901 durch die deutschen K. Tsingtau- Schanghai und Tsingtau-Tschifu an die K. der Eastern Extension Australasia and China Telegraph Company und der Großen Nordischen Telegraphengesellschaft, sowie an die Landlinien der letzteren Gesellschaft nach Irkutsk und durch Sibirien angeschlossen. Ein dritter, von fremden (englischen) K.gesellschaften unabhängiger K.weg bietet sich dem Schutzgebiet über Schanghai und von dort über das K. Schanghai-Jap der Deutsch-Niederländischen Telegraphengesellschaft (s.d.). In Jap (s.d.) geben die Telegramme auf das K. Manila- San- Francisko der amerikanischen Commercil Pacific Cable Company über, werden zwischen SanFrancisko und New York auf den Landlinien der Commercial Cable Company befördert und gelangen auf den K. der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft New York-Azoren-Emden nach Deutschland. Im übrigen sind die Schutzgebiete Deutsch-Ost- und Deutsch-Südwestafrika für den telegraphischen Verkehr mit dem Mutterlande noch auf britische K.linien angewiesen. Deutsch-Ostafrika ist durch das der Eastern and South African Telegraph Company gehörige und ihr abgemietete Unterseekabel Daressalam- Bagamojo-Sansibar an das Welttelegraphennetz angeschlossen. Das derselben Gesellschaft gehörige K. Mossamedes -Kapstadt ist in Swakopmund eingeführt und vermittelt den telegraphischen Verkehr Deutsch- Südwestafrikas mit Deutschland. Dieser Verkehr hat neuerdings einen zweiten Abflußweg über Kapstadt dadurch gefunden, daß die oberirdischen Leitungen Deutsch- Südwestafrikas mit denen der Südafrikanischen Union verbunden worden sind. Kamerun und Togo sind dagegen, wie oben erwähnt, durch die Linien einer deutschen Telegraphengesellschaft mit dem Mutterlande verbunden. Togo besitzt außerdem noch oberirdischen Anschluß an englische und französische K. der Westküste Afrikas, und zwar über die englische Kolonie Goldküste und die französische Kolonie Dahomé. Die Schutzgebiete in der Südsee entbehren zurzeit abgesehen von Jap (s. unten) jedes K.anschlusses an das Welttelegraphennetz; der Anschluß durch ein unterseeisches K., dessen Legung hohe Kosten erfordert, ist mit Rücksicht auf den nur geringen Telegrammverkehr und auf andere Umstände auch nicht empfehlenswert. Der Anschluß wird in den nächsten Jahren auf funkentelegraphischem Wege unter Einrichtung von Funkentelegraphenstationen in Rabaul (Deutsch-Neuguinea), Nauru (Marshallinseln) und Apia (Samoa) erfolgen, die über die Funkenstation in Jap (Karolinen) mit dem K.netz der Deutsch-Niederländischen Telegraphengesellschaft in der Südsee verbunden werden, wie es hinsichtlich Naurus (Marshallinseln) seit dem 1. Dez. 1913 schon geschehen ist. S.a. Telegraphen.

Literatur: Bericht über die Ergebnisse der Reichspost- und Telegraphenverwaltung während der Rechnungsjahre 1906/10, 54 ff und 97 ff.

Puche.