Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 138

Kabure oder Kabre, heidnischer Volksstamm im Verwaltungsbezirk Sokode in Togo, welcher ethnologisch der Tim-Völkergruppe zuzurechnen ist (s. Togo, 8. Bevölkerung). Die K. nehmen ein verhältnismäßig kleines Gebiet nördlich des Oberlaufes des Kara ein. Vor der Erschließung des Landes durch die europäische Verwaltung lebten sie völlig abgeschlossen von der Außenwelt. Das Betreten ihres Landes war Fremden untersagt. Sie besuchten aber die außerhalb ihres Gebiets befindlichen nächstgelegenen Märkte, wie Kabu, Dako, Bafilo, Semere u. a., um dort das von ihnen außerordentlich begehrte Salz und Roheisen einzuhandeln. Als Gegenwert zahlten sie Menschen. Nach der Zahl der in Südtogo, besonders im Bezirk Anecho und Atakpame zu findenden alten K.Sklaven zu schließen, müssen in früherer Zeit die K. sehr viele ihrer Stammesgenossen verkauft haben. Erst im Jahre 1897 wurde das K.-gebiet in seinem vollen Umfange unter ziemlich heftigen Kämpfen erschlossen. Im Anschluß daran ist es der Verwaltung gelungen, einen Teil der K.bevölkerung aus ihrem engen übervölkerten Gebiet in der bis dahin unbewohnten Ebene südlich des Kara anzusiedeln. - Das K.gebiet zerfällt in die Landschaften Tschátschau, Báu, Jáde, Láma, Ssumdiná, Lása, Kodjene, Kutáu, Ssírka, Pjía und Láma-Tessi. Zur Zeit der Erschließung des Landes ging die männliche Bevölkerung der K. völlig nackt, die weibliche Bevölkerung bedeckte in dürftigster Weise die Scham. Sehr malerisch ist im Gegensatz zu dieser alltäglichen Dürftigkeit der Tanzanzug. Bei ihm spielen als Ausputz Kaurischnecken die Hauptrolle, die vom Helm ab (s. Tafel 195 Abb. 8) alle Gürtel, Brustbänder usw. bedecken. Ihre Bewaffnung besteht aus Pfeil und Bogen sowie aus langen, gekrümmten Messern mit O-förmigem Griff (s. Tafel 195 Abb. 4), seltener aus Streitäxten und Streithämmern. Von einer besonderen, an altägyptische Formen erinnernden Gestalt sind die Barten der K. (s. Tafel 195 Abb. 5). Die halbmondförmige Klinge ist mittels zweier Dorne an dem Heft befestigt. Auch die eiserne Armschiene (s. Tafel 195 Abb. 7) erinnert an östliche, diesmal wohl nordindische Beziehungen. Der Patronengürtel (s. Tafel 195 Abb. 17) hingegen, der im übrigen in ganz Togo heimisch ist, dürfte auf jüngeren europäischen Einfluß zurückgehen. Sie sind vorzügliche Ackerbauer; ihre Felder sind durch Steinwälle abgegrenzt; sie verstehen die Felder durch Anlage von Gräben geschickt zu entwässern. Auch das kleinste Stückchen Land wird ausgenutzt, wenn auch die Bebauung wegen der aus den Äckern zu entfernenden Steine häufig recht schwierig ist. Der Landmangel dürfte die K. zur Anwendung der Düngung bei der Feldbestellung veranlaßt haben. Das Land der K. macht den Eindruck eines großen gepflegten Gartens. Die K.leute betreiben auch Großviehzucht, aber in geringerem Maße als sonst in Nordtogo üblich. Sowohl mit den benachbarten Lössoleuten als auch unter sich lebten die K. vor dem Eingreifen der europäischen Verwaltung vielfach in Feindschaft. Eine staatliche Organisation besaßen sie früher nicht; sie ist ihnen erst von der europäischen Verwaltung gegeben worden. An die von der Verwaltung geschaffenen friedlichen Zustände haben sie sich sehr schnell gewöhnt. Wo sie bisher als Arbeiter verwendet wurden, haben sie sich vorzüglich bewährt. Die K. sind der brauchbarste und tüchtigste Volksstamm Togos.

Literatur: B. Groh, Sprachproben aus zwölf Sprachen des Togohinterlandes in Mitt. d. Orient. Sem. 1911. - F. Hupfeld, Die Erschließung des K.- Landes in Nordtogo. Globus 1900. - Graf Zech, Vermischte Notizen über Togo und das Togohinterland, Mitt. a. d. d. Schutzgeb.1898.

v. Zech.