Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 139 ff.

Kaffee (s. Farbige Tafel ). 1. Botanisches. 2. Anbau. 3. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge.

1. Botanisches. K. nennt man die Samen verschiedener Arten der Gattung Coffea (Familie der Rubiaceen), insbesondere des arabischen Kaffeebaums, Coffea arabica L. Dieser, in den ostafrikanischen Hochländern, von Südabessinien bis zum Gebiet des Victoriasees beheimatet, wird in den Tropen der alten und neuen Welt in weitestem Umfange kultiviert. Ihm an Bedeutung am nächsten steht C. liberica Bull., der Liberia-Kaffeebaum aus dem tropischen Westafrika, dessen Produkt allerdings minderwertig ist. Außer den beiden genannten Arten sind in größerem Maßstabe in Kultur genommen: C. stenophylla G. Don, einheimisch in Sierra Leone und Französisch-Guinea, liefert den "Highland- Coffee" der Engländer und den "Café de Rio Nuñez" der Franzosen; C. canephora Pierre, einheimisch im Gebiete des unteren Kongo; die unter dem Namen C. robusta in die Praxis eingeführte C. Laurentii de Wild, ebenfalls vom Kongo, wird neuerdings namentlich auf Java und Sumatra sowie auf der Halbinsel Malakka viel angebaut, soll bedeutend höhere Erträge liefern als C. arabica (vgl. Berkhout). Über die Bedeutung dieser und anderer Arten für die Praxis des K.baus gehen die Ansichten noch auseinander. C. arabica ist ein immergrünes Bäumchen mit schlankem Stamm, schlanken, meist leicht abwärts geneigten Zweigen und dünnlederigen Blättern, wird ungekappt 5-6, selten bis 9 m hoch, nimmt gekappt bald Strauchcharakter an. Zur Blütezeit, reich mit den weißen, wohlriechenden Blüten bedeckt, von besonders anmutigem Aussehen. Die Frucht - eine Steinfrucht - im Reifezustand dunkelkarmoisinrot gefärbt, enthält in der zucker- und schleimhaltigen, fleischigen Fruchtschale zwei plankonvexe, mit den beiden Flachseiten einander zugekehrte Samen, die "Kaffeebohnen", deren jede von einer gelblichen, hornartigen Hülle ("Pergamentschicht" oder "Hornschale") umschlossen wird. Unter dieser liegt die Samenschale, ein dünnes Häutchen ("Silberhaut"). An den Enden der Zweige und unter gewissen Umständen auch sonst, wird nur ein Same ausgebildet, der beiderseits gerundet ist. Solche Bohnen werden, als "Perlkaffee" gesondert, zu höheren Preisen verkauft. Die Hauptmasse der Kaffeebohne besteht aus dem Nährgewebe (Endosperm), das den kleinen Keimling umschließt. Varietäten und Spielarten von C. arabica zahlreich, vorwiegend aus Brasilien und den Sundainseln und dort kultiviert. Aus dem Gebiet des Victoriasees stammen: var. intermedia Fröhn. und var. Stuhlmannii Warb., die den bekannten Bukobakaffee liefert, aus Sierra Leone var. leucocarpa Hiern mit weißen, erbsengroßen Früchten (vielleicht eigene Arten).Näheres über die Coffeavarietäten bei Fröhner und De Wildeman. - Der wichtigste chemische Bestandteil des Kaffees, das Koffein, ist in den rohen Kaffeebohnen zu 0,7-2,2% enthalten, findet sich aber auch in den Blättern und anderen Teilen der Pflanze. Der Liberiakaffee, im Habitus kräftiger als der arabische Kaffeebaum, wird bis 12 m hoch; Zweige aufwärtsstrebend, Blätter, Blüten und Früchte bedeutend größer als bei C. arabica, Fruchtfleisch fester, weniger süß und zähe an der Samenschale hängend. Die ebenfalls größeren Samen enthalten durchschnittlich etwa 1,3% Koffein.

2. Anbau. Der arabische K. verlangt ein mäßig warmes, gleichmäßiges Klima, wie es in mittleren Höhenlagen der Tropenzone herrscht. Niederschläge sollen nicht unter 1500 und nicht über 4000 mm jährlich betragen und müssen günstig verteilt sein. Schutz gegen heftige Winde erforderlich. Nennenswerte Erträge vom 4. Jahre an, Vollernten nicht vor dem 6. Jahre. Höhe der Erträge je nach Boden und Klima wechselnd (vgl. Dafert und Stuhlmann). Erntebereitung. Man unterscheidet zwei Methoden: die gewöhnliche oder trockene und die westindische oder nasse Bereitung. Bei der ersteren wird der frisch geerntete K. zunächst vollständig getrocknet; darauf werden das trockene Fruchtfleisch und die Pergamentschale durch Schälmaschinen entfernt. Bei der nassen Bereitung werden die frischen Früchte mit eigenen Maschinen ("Pulper") so schnell als möglich vom Fruchtfleisch befreit, dann einer oberflächlichen Gärung unterworfen, gewaschen und getrocknet; endlich werden die Pergamenthülsen durch Schälen beseitigt. Einige Produktionsgebiete verschiffen den K. in der Pergamentschale. (Näheres über die Erntebereitung in K.buch des Gesundheitsamts S. 40 ff.) Der Liberia - K. ist im Gegensatz zum arabischen keine Gebirgs-, sondern eine Tieflandpflanze und beansprucht ein höheres Maß von Wärme, Luft - und Bodenfeuchtigkeit. Er ist im übrigen aber widerstandsfähiger gegen äußere Einflüsse, auch gegen Schädlinge, als C. arabica. Die Vollernten des einzelnen Baumes sind durchschnittlich bedeutend höher, doch verlangt der größere Baum weitere Abstände als die arabische Art. Erntebereitung nach der nassen Methode, mit besonderen Modifikationen. (Vgl. K.buch des Gesundheitsamts S. 52 ff.) Über die Verbreitung der K.kultur auf der Erde und die Handelssorten des K. vgl. Fuchs, Semmler, K.buch des Ges.-Amts, und de Wildeman. - Ausdehnung der Kaffeekultur in den deutschen Kolonien: im Jahre 1913 unter Europäerkultur in Ostafrika rund 4800, in Kamerun 107 ha, in der Südsee unbedeutende Flächen. - Ausfuhr im Jahre 1912 aus Deutsch-Ostafrika rund 1575 t (s. Amtl. Jahresber.).

3. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge. A. Pflanzliche Parasiten: Hemileia vastatrix (s.d.) Berk., ein Rostpilz, erzeugt die" K.krankheit" par excellence, befällt die Blätter und kann zur völligen Entlaubung führen. Diesem Pilz ist die einstmals blühende K.kultur Ceylons zum Opfer gefallen. In Ostafrika vorhanden, aber weniger gefährlich, Stilbum flavidum Cooke, der Erreger einer als "Ojo de gallo", "Mancha de Hierro" oder "Iron stain" in Mittel- und Südamerika und Westindien bekannten und gefürchteten Blattkrankheit; Colletotrichum Coffeae Massee in Uganda und Cercospora Coffeae Zimm. in Deutsch- Ostafrika - beides blattbefallende Pilze. B. Tierische Parasiten: Wurzelälchen (Nematoden) aus den Gattungen Tylenchus und Heterodera; Wanderheuschrecken; die bunte Stinkschrecke (Zonocerus elegans Thunb.), zerstört junge Blattriebe, Blütenknospen und Blüten; die K.kirschenfliege, Ceratitis capitata Wied., legt ihre Eier in die reifenden K.früchte ab, die Larven nähren sich vom Nährgewebe der Samen; der weiße K.bohrer, Anthores leuconotus Pascoe, ein Bockkäfer (s. Kaffeebock), der gefährlichste Feind des K.baums in Ostafrika, legt seine Eier in die Borke ausgewachsener Bäume ab, worauf die Larven das Holz bis in das Mark zerstören; der orangegelbe K.bohrer, Nitoeris usambica Kolbe; die Borkenkäfer aus der Gattung Xyleborus; die K.wanze Antestia variegatas Thunb., var. lineaticollis Stal., sticht die unreifen Früchte an und zerstört Triebspitzen und Knospen. (Näheres bei Aulmann und La Baume und bei Morstatt.) S.a. Kaffeebock und Kaffeebohnenkäfer.

Literatur: Fuchs, Die geograph. Verbreitung des Kaffeebaums, Inaug.-Diss. Halle 1885. - van Delden- Laërne, Brazilië en Java, Verslag van de Koffiecultuur en America, Azië en Africa. 's Gravenhage 1885. -Dafert, Erfahrungen über rationellen Kaffeebau. Berl. 1896. - Morren, Werkzamheden op een Koffie- Onderneming. Amsterdam 1896. Semler, Trop. Agrikultur, 2. Aufl., Bd. 1. Froehner, Die Gattung Coffea und ihre Arten, Englers Botan. Jahrb. Bd. XXV, 233 ff. 1898. - Der Kaffee, gemeinfaßliche Darstellung der Gewinnung, Verwertung u. Beurteilung des Kaffees u. seiner Ersatzstoffe; herausgeg. v. Kaiserl. Gesundheitsamt. Berlin 1903. (Daselbst weitere Literatur). - Pierrot, Culture pratique et rationelle du cafeier. 1906. - Fouchère, Culture pratique du cafeiér. 1908. - de Wildeman, Les plantes tropicales de grande culture, Bd. I. Brüssel 1908. - Stuhlmann, Beitr. z. Kulturgesch. Ostafrikas. 1909. - Cramer in: Fruhwirth, Züchtung landwirtsch. Kulturpflanzen, Bd. V, Berl. 1912, S. 74 ff. - Aulmann u. La Baume,- Die Schädlinge des Kaffees (Heft 2 der V. Reihe von: Die Fauna d. deutschen Kolonien). Berl. 1911. - Morstatt, Die Schädlinge u. Krankheiten des Kaffeebaumes in Ostafrika. Beih. zum "Pflanzer" 1912, Nr. 2. -Zahlreiche Abhandlungen im Tropenpflanzer.

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