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Kaffee (s. Farbige Tafel ).
1. Botanisches.
2. Anbau. 3. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge.
1. Botanisches. K. nennt man die Samen verschiedener Arten der Gattung Coffea
(Familie der
Rubiaceen), insbesondere des arabischen Kaffeebaums, Coffea arabica L. Dieser,
in den ostafrikanischen
Hochländern, von Südabessinien bis zum Gebiet des Victoriasees beheimatet, wird
in den Tropen der alten
und neuen Welt in weitestem Umfange kultiviert. Ihm an Bedeutung am nächsten
steht C. liberica Bull., der
Liberia-Kaffeebaum aus dem tropischen Westafrika, dessen Produkt allerdings
minderwertig ist.
Außer den beiden genannten Arten sind in größerem Maßstabe in Kultur genommen:
C. stenophylla G. Don,
einheimisch in Sierra Leone und Französisch-Guinea, liefert den "Highland-
Coffee" der Engländer und den
"Café de Rio Nuñez" der Franzosen; C. canephora Pierre, einheimisch im Gebiete
des unteren Kongo; die
unter dem Namen C. robusta in die Praxis eingeführte C. Laurentii de Wild,
ebenfalls vom Kongo, wird
neuerdings namentlich auf Java und Sumatra sowie auf der Halbinsel Malakka viel
angebaut, soll bedeutend
höhere Erträge liefern als C. arabica (vgl. Berkhout). Über die Bedeutung dieser
und anderer Arten für die
Praxis des K.baus gehen die Ansichten noch auseinander.
C. arabica ist ein immergrünes Bäumchen mit schlankem Stamm, schlanken, meist
leicht abwärts geneigten
Zweigen und dünnlederigen Blättern, wird ungekappt 5-6, selten bis 9 m hoch,
nimmt gekappt bald
Strauchcharakter an. Zur Blütezeit, reich mit den weißen, wohlriechenden Blüten
bedeckt, von besonders
anmutigem Aussehen. Die Frucht - eine Steinfrucht - im Reifezustand
dunkelkarmoisinrot gefärbt, enthält in
der zucker- und schleimhaltigen, fleischigen Fruchtschale zwei plankonvexe, mit
den beiden Flachseiten
einander zugekehrte Samen, die "Kaffeebohnen", deren jede von einer gelblichen,
hornartigen Hülle
("Pergamentschicht" oder "Hornschale") umschlossen wird. Unter dieser liegt die
Samenschale, ein dünnes
Häutchen ("Silberhaut"). An den Enden der Zweige und unter gewissen Umständen
auch sonst, wird nur ein
Same ausgebildet, der beiderseits gerundet ist. Solche Bohnen werden, als "Perlkaffee" gesondert, zu
höheren Preisen verkauft. Die Hauptmasse der Kaffeebohne besteht aus dem
Nährgewebe (Endosperm), das
den kleinen Keimling umschließt.
Varietäten und Spielarten von C. arabica zahlreich, vorwiegend aus Brasilien und
den Sundainseln und dort
kultiviert. Aus dem Gebiet des Victoriasees stammen: var. intermedia Fröhn. und
var. Stuhlmannii Warb.,
die den bekannten Bukobakaffee liefert, aus
Sierra Leone var. leucocarpa Hiern mit weißen, erbsengroßen
Früchten (vielleicht eigene Arten).Näheres über die Coffeavarietäten bei Fröhner
und De Wildeman. - Der
wichtigste chemische Bestandteil des Kaffees, das Koffein, ist in den rohen
Kaffeebohnen zu 0,7-2,2%
enthalten, findet sich aber auch in den Blättern und anderen Teilen der Pflanze.
Der Liberiakaffee, im
Habitus kräftiger als der arabische Kaffeebaum, wird bis 12 m hoch; Zweige
aufwärtsstrebend, Blätter,
Blüten und Früchte bedeutend größer als bei C. arabica, Fruchtfleisch fester,
weniger süß und zähe an der
Samenschale hängend. Die ebenfalls größeren Samen enthalten durchschnittlich
etwa 1,3% Koffein.
2. Anbau. Der arabische K. verlangt ein mäßig warmes, gleichmäßiges Klima, wie es in mittleren
Höhenlagen der Tropenzone herrscht. Niederschläge sollen nicht unter 1500 und
nicht über 4000 mm
jährlich betragen und müssen günstig verteilt sein. Schutz gegen heftige Winde
erforderlich. Nennenswerte
Erträge vom 4. Jahre an, Vollernten nicht vor dem 6. Jahre. Höhe der Erträge je
nach Boden und Klima
wechselnd (vgl. Dafert und Stuhlmann). Erntebereitung. Man unterscheidet zwei
Methoden: die
gewöhnliche oder trockene und die westindische oder nasse Bereitung. Bei der
ersteren wird der frisch
geerntete K. zunächst vollständig getrocknet; darauf werden das trockene
Fruchtfleisch und die
Pergamentschale durch Schälmaschinen
entfernt. Bei der nassen Bereitung werden die frischen Früchte mit
eigenen Maschinen ("Pulper") so schnell als möglich vom Fruchtfleisch befreit,
dann einer oberflächlichen
Gärung unterworfen, gewaschen und getrocknet; endlich werden die Pergamenthülsen
durch Schälen
beseitigt. Einige Produktionsgebiete verschiffen den K. in der Pergamentschale.
(Näheres über die
Erntebereitung in K.buch des Gesundheitsamts S. 40 ff.) Der Liberia - K. ist im
Gegensatz zum arabischen
keine Gebirgs-, sondern eine Tieflandpflanze und beansprucht ein höheres Maß von
Wärme, Luft - und
Bodenfeuchtigkeit. Er ist im übrigen aber widerstandsfähiger gegen äußere
Einflüsse, auch gegen
Schädlinge, als C. arabica. Die Vollernten des einzelnen Baumes sind
durchschnittlich bedeutend höher,
doch verlangt der größere Baum weitere Abstände als die arabische Art.
Erntebereitung nach der nassen
Methode, mit besonderen Modifikationen. (Vgl. K.buch des Gesundheitsamts S. 52
ff.)
Über die Verbreitung der K.kultur auf der Erde und die Handelssorten des K. vgl.
Fuchs, Semmler,
K.buch des Ges.-Amts, und de Wildeman. - Ausdehnung der Kaffeekultur in den
deutschen Kolonien: im
Jahre 1913 unter Europäerkultur in Ostafrika
rund 4800, in Kamerun 107 ha, in der Südsee unbedeutende
Flächen. - Ausfuhr im Jahre 1912 aus Deutsch-Ostafrika rund 1575 t (s. Amtl. Jahresber.).
3. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge. A. Pflanzliche Parasiten: Hemileia vastatrix (s.d.) Berk., ein
Rostpilz,
erzeugt die" K.krankheit" par excellence, befällt die Blätter und kann
zur völligen Entlaubung führen. Diesem Pilz ist die einstmals blühende
K.kultur Ceylons zum Opfer gefallen. In Ostafrika vorhanden, aber
weniger
gefährlich, Stilbum flavidum Cooke, der Erreger einer als "Ojo de
gallo",
"Mancha de Hierro" oder "Iron stain" in Mittel- und Südamerika und
Westindien
bekannten und gefürchteten Blattkrankheit; Colletotrichum Coffeae Massee
in Uganda und Cercospora Coffeae Zimm. in Deutsch-
Ostafrika
- beides blattbefallende Pilze. B. Tierische Parasiten: Wurzelälchen
(Nematoden)
aus den Gattungen Tylenchus und Heterodera; Wanderheuschrecken; die bunte
Stinkschrecke
(Zonocerus elegans Thunb.), zerstört junge Blattriebe, Blütenknospen und
Blüten; die K.kirschenfliege, Ceratitis capitata Wied., legt ihre Eier
in die reifenden K.früchte ab, die Larven nähren sich vom Nährgewebe der
Samen; der weiße K.bohrer, Anthores leuconotus Pascoe, ein Bockkäfer (s. Kaffeebock), der gefährlichste Feind des K.baums
in Ostafrika, legt seine Eier in die Borke ausgewachsener Bäume ab,
worauf
die Larven das Holz bis in das Mark zerstören; der orangegelbe K.bohrer,
Nitoeris usambica Kolbe; die Borkenkäfer aus der Gattung Xyleborus; die
K.wanze Antestia variegatas Thunb., var. lineaticollis Stal., sticht die
unreifen Früchte an und zerstört Triebspitzen und Knospen. (Näheres bei
Aulmann und La Baume und bei Morstatt.) S.a. Kaffeebock und Kaffeebohnenkäfer.
Literatur: Fuchs, Die geograph. Verbreitung des Kaffeebaums,
Inaug.-Diss.
Halle 1885. - van Delden- Laërne, Brazilië en Java, Verslag van de
Koffiecultuur
en America, Azië en Africa. 's Gravenhage 1885. -Dafert, Erfahrungen
über
rationellen Kaffeebau. Berl. 1896. - Morren, Werkzamheden op een Koffie-
Onderneming. Amsterdam 1896. Semler, Trop. Agrikultur, 2. Aufl., Bd. 1.
Froehner, Die Gattung Coffea und ihre Arten, Englers Botan. Jahrb. Bd.
XXV, 233 ff. 1898. - Der Kaffee, gemeinfaßliche Darstellung der Gewinnung,
Verwertung u. Beurteilung des Kaffees u. seiner Ersatzstoffe; herausgeg.
v. Kaiserl. Gesundheitsamt. Berlin 1903. (Daselbst weitere Literatur).
- Pierrot, Culture pratique et rationelle du cafeier. 1906. - Fouchère,
Culture pratique du cafeiér. 1908. - de Wildeman, Les plantes tropicales
de grande culture, Bd. I. Brüssel 1908. - Stuhlmann, Beitr. z.
Kulturgesch.
Ostafrikas. 1909. - Cramer in: Fruhwirth, Züchtung landwirtsch.
Kulturpflanzen,
Bd. V, Berl. 1912, S. 74 ff. - Aulmann u. La Baume,- Die Schädlinge des
Kaffees (Heft 2 der V. Reihe von: Die Fauna d. deutschen Kolonien).
Berl.
1911. - Morstatt, Die Schädlinge u. Krankheiten des Kaffeebaumes in
Ostafrika.
Beih. zum "Pflanzer" 1912, Nr. 2. -Zahlreiche Abhandlungen im
Tropenpflanzer.
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