Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 141

Kaffern nennt die moderne Völkerkunde die südöstliche Gruppe der Bantu (s.d.), im Gegensatz zu der Ethnographie der 60er Jahre, die mit diesem Namen alle Bantu bezeichnete, denen man dabei die Sudanneger (s.d.) als eigentliche Neger entgegenstellte. K. ist nicht Selbstbenennung, sondern die seitens der ersten Entdecker Ostafrikas, der Portugiesen, und der ersten Besiedler Südafrikas, der Buren, von den Arabern übernommene und verderbte Bezeichnung Kafir (d.h. Ungläubiger), womit die die äquatoriale Ostküste beherrschenden Araber alle Eingeborenen Ostafrikas bezeichneten. Das gegenwärtige Verbreitungsgebiet der K. liegt zwischen dem Großen Fischfluß im östlichen Kapland im Süden, dem Meer im Osten, der Kalahari im Westen und dem Victoria Njansa im Norden. In diesem ungeheuern Komplex sitzen sie geschlossen allerdings nur im Süden, während die Verbreitung nördlich des Sambesi nur sehr lückenhaft ist. - In ihrer Gesamtheit zerfallen die K. in die 5 Gruppen der Südostkaffern oder Amakosa, der Sulu (Zulu ist holländische und englische Schreibweise), der Matabele, der Betschuanen und der nördlichen Kaffern, wenn man alle nördlich der Sulu wohnenden K. in dieser Weise zusammenfaßt Die Südostkaffern reichen bis zur Grenze von Natal; sie zerfallen wieder in die Amakosa, Amagaleka, Amatembu, Amampondo und Amapondumisi, zu denen sich als ein Produkt der großen Wirren im ersten Drittel des 19. Jahrh. die Fingu gesellen. Politisch am bedeutsamsten und auch von nicht geringem Einfluß auf die Verhältnisse von Deutsch-Ostafrika sind die Sulu gewesen. Ihr Herrscher Tschaka hat zwischen 1818 und 1828 durch grausam geführte Kriege ganz Südostafrika unterjocht und viele Stämme zersprengt. Im Verfolg dieser Wirren hat Mosilikatse das Matabelereich zwischen Limpopo und Sambesi gegründet, und auch das Staatswesen der Makoloko im großen Sambesibogen, wie dasjenige der Basuto, in den Drakensbergen gehen auf die gleiche Ursache und dieselbe Zeit zurück. Das Matabelereich ist erst 1896 den Schlägen der Engländer erlegen; das der Basuto bereitet ihnen noch jetzt von Zeit zu Zeit Schwierigkeiten. - Die Betschuanen gelten als der mildere Typus des sonst sehr kriegerischen und kräftigen Kaffern. Ihr Gebiet erstreckte sich von den Drakensbergen bis tief in die Kalahari, und vom Orange bis zum Sambesi. Von den ursprünglich 23 Stämmen besteht unberührt keiner mehr, sondern alle sind mehr oder weniger durch die unumschränkte Herrschaft der Weißen in Mitleidenschaft gezogen worden. - Nördlich von den Sulu sitzen die Amatonga und die Swasi. Andere, weniger scharf als Volkstum ausgeprägte Stämme reichen bis an den Sambesi heran. Nördlich dieses Stromes finden sich K. unter dem Namen Angoni am Westufer des Njassa, als Wangoni im südwestlichen Deutsch-Ostafrika (s.d.), als Wambunga (s.d.) im Rufijital, und als Watuta wenig von der Südwestecke des Victoria Njansa entfernt. Über die Wanderungen, die Schicksale und den Einfluß aller dieser Gruppen auf die eingesessene Bevölkerung Deutsch-Ostafrikas s. Wangoni, Sulu und Suluaffen. Über die Sprache der K. s. Kaffernsprachen.

Literatur: G. Fritsch, Die Eingeborenen Südafrikas. Mit Atlas. Breslau 1872. - Barthel, Die Völkerbewegungen auf der Südhälfte Afrikas. Mitt. d. Vereins für Erdkunde zu Leipzig 1893.

Weule.