Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 163 f.

Kakao (s. farbige Tafeln u. Tafel 73, 74). 1. Botanisches. 2. Verwertung. 3. K.kultur in den deutschen Kolonien. 4. Anbau. 5. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge.

1. Botanisches. Samen verschiedener Arten der Gattung Theobroma (Familie der Steruhaceen), vornehmlich von Theobroma Cacao L. Nur diese Art wird im großen kultiviert. Die K.-pflanze (T. Cacao L.) entwickelt sich unter normalen Bedingungen zu einem kräftigen Baume von 6-8m Höhe mit immergrüner, dichtlaubiger Krone und mehr oder weniger hängenden Zweigen. Die kleinen, unscheinbaren Blüten sind stammbürtig, d. h. sie sitzen nicht in den Achseln der Blätter, sondern am Stamme selbst oder an den dickeren Teilen der Äste und Zweige, wo sie aus besonderen Blütenpolstern entspringen. Frucht je nach Varietät 10-25 cm lang bei 5-10 cm Durchmesser, am Grunde mehr oder weniger verbreitert, in der Mitte meist unsymmetrisch gewölbt, nach oben sich in eine Spitze verjüngend; Oberfläche meist höckerig oder runzlig, mit 10 seichteren oder tieferen Längsfurchen. Färbung gelb oder rot oder gelb und rot oder grünlich. Samen (" K.Bohnen") zu 20-70, durchschnittlich etwa 30, an der Mittelachse der Frucht angeheftet, länglich eiförmig, beiderseits etwas abgeplattet, normal zu 5 Längsreihen angeordnet, in frischem Zustande 2-3 cm lang, 1-1,5 cm dick. Die Samen bestehen aus der bräunlichen, papierdünnen Samenschale, den beiden, unregelmäßig ineinander gefalteten Keimblättern ("nibs") und dem verschwindend kleinen Keimfing. Die Keimblätter sind in eckige Stücke zerklüftet, ihre Färbung ist weiß, weiß mit violetter Zeichnung oder rein violett. Varietäten, Kulturformen. In den K.gebieten Amerikas haben sich zahlreiche, mehr oder weniger scharf gegeneinander abgegrenzte Varietäten, Spielarten und Kulturformen herausgebildet, die man nach Form, Größe und Farbe der Früchte, Dicke der Fruchtschale, Gestalt und Größe der Bohnen, nach Farbe und Aroma der Keimblätter und endlich nach geographischer Herkunft unterscheidet. Wichtige Varietäten, Spielarten und Handelssorten sind u. a.: "Venezuela- Criollo", liefert die Hauptmenge des im Handel unter dem Namen "Caracas" gehenden K.; Jorastero" aus Trinidad - in Venezuela und Nikaragua "Trinitario" oder "Carupano" genannt - im Vergleich zum Venezuela- Criollo minderwertig; "Amelonado" von Trinidad, ein Typ, dem die Handelssorten "Surinam", "Arriba", "Balao", "Machala" und "Bahia" - letztere 4 ans Ekuador -entsprechen; "Cundeamor" von Trinidad und Venezuela, in Surinam "Alligator-Cacao" genannt. (Näheres bei Preuß.)

2. Verwertung. Die rohen K.samen enthalten 41-48 % Fett, das als sog. "K.Butter" in den Handel kommt. Der wichtigste stickstoffhaltige Bestandteil der K.bohnen ist das Theobromin, ein dem Koffein nahe verwandtes Alkaloid, das neben dem Koffein in glykosidischer Bindung in den Keimblättern und Samenschalen vorhanden ist. Die Mengen wechseln. Beide Alkaloide werden während der Gärung und Trocknung der Bohnen abgespalten, daneben wird ein Gerbstoff frei, der alsbald unter Übergang in höhere Oxydationsstufen Löslichkeit in Wasser einbüßt und braunrote Farbe annimmt, daher K.rot genannt. (Über die Chemie des K. vgl. Lazarus, Hilger, Dekker, Hart, König und Denkschr. 1906/07.) Die Verwendung des K. als Genußmittel -insbesondere in der entölten Form - ist in den meisten Kulturstaaten im Steigen begriffen.

3. Kakaokultur in den deutschen Kolonien. Im Jahre 1913 waren unter Europäerkultur in Kamerun rund 13160, in Samoa 3610, in Deutsch-Neuguinea 390, in Togo 180, in Deutsch-Ostafrika 120 ha. -Ausfuhr im Jahre 1912: aus Kamerun rund 4552, Samoa 734, Togo 283, Deutsch-Neuguinea 74, Deutsch-Ostafrika 12 t (Näheres in den Amtl. Jahresber.).

4. Anbau. K. ist ein exquisitisch-tropisches Gewächs mit starkem Wärmebedürfnis. Anbau feinerer Sorten geht bis etwa zu 400, mittlerer Sorten bis zu 600 m Meereshöhe hinauf. In der Jugend zweckmäßig geregelte Beschattung erforderlich. Mindestmaß jährlicher Niederschlagsmenge bei guter Verteilung 2000 mm. Vollernten vom 6. Jahre an. Erträge: pro Baum 20-60 ausgereifte Früchte = 1/2-2 kg marktfähiger K. (in Kamerun 5-11 dz pro ha). Höhe der Jahreserträge, je nach Klima, Boden, Pflanzweite, Pflege und Varietät wechselnd. Erntebereitung: zerfällt in Gärung und Trocknung der aus den Fruchtschalen entnommenen frischen Bohnen. In einigen Ländern werden beide Prozesse noch durch das Waschen unterbrochen. Zweck der Gärung (Fermentation) ist, die den Bohnen anhaftende Schleimschicht zu entfernen, die unangenehm herb und bitter schmeckenden Gerbstoffe zu beseitigen und dem K. eine gute Farbe zu verleihen. Das Trocknen erfolgt entweder ausschließlich mit Sonnenwärme und freier Luft oder mit künstlicher Wärme. (Näheres über die Erntebereitung bei Preuß, Ettling und Strunk, speziell über die Gärung bei Schulte im Hofe, Busse, Köppen, Fickendey, Hamel-Smith).

5. Wichtigste Krankheiten und Schädlinge (s. farbige Tafel Kakaokrankheiten). A. Pflanzliche Parasiten: verschiedenen Familien angehörige Pilze, Erreger der Braunfäule der K.früchte, Phytophthora omnivoro Faberi und Colletotrichum incarnatum Zimm., namentlich ersterer in Kamerun sehr gefährlich; Erreger der Krebskrankheiten, mehrere Arten von Nectria und verwandter Gattungen; Erzeuger der "Hexenbesen" in Kamerun, Taphrina Bussei v. Fab.; Erreger der Rindenfäule auf Samoa, Fusarium samoänse Gehrm.; die "Wurzelpilze", darunter besonders verderblich Xymenochaete noxia Berk. auf Samoa, dort "Limumea" genannt; Corticium javanicum Zimm., Erreger des "Djamoeroepas" auf Java: die Kräuseltrieb- oder "Krulloten"-Krankheit in Gayana, erzeugt durch Colletotrichum luxifieum v. Hall et Drost., eine der gefährlichsten Pflanzenkrankheiten, die im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts die K.kultur in Surinam vor eine schwere Krisis stellte.- B.Tierische Parasiten: Bockkäfer (Cerambyciden), deren Larven Gänge in Rinde und Holz fressen und damit zu großen Schädigungen führen (s. Kakaobohrer), Blatthornkäfer (Lamellicornien), deren Larven als "Engerlinge" die Wurzeln benagen; Ameisen; Wanzen, und zwar vor allem die gefürchtete Rindenwanze Kameruns (Sahlbergella singularis Hagl.) (S. Farbige Tafel Kakaokrankheiten.) (Näheres von Faber, woselbst ältere Literatur eingehend berücksichtigt ist; ferner Aulmann und La Baume und Gehrmann.)

Literatur: Zipperer, Unters. über Kakao u. dessen Präp. Hamb. u. Lpz. 1887. - Lazarus, Das Olykosid d. Kakaosamen. Inaug-Diss. Erlangen 1892. - Hilger in Deutsche Vierteljahrsschr. f. öffentl. Gesundheitspflege XXV (1893), 559 ff. - Wohltmann, I in Tropenpfl. 1897, 5 ff; II. Beih. z. Tropenpfl. 1904. - Semler, Trop. Agrikultur, 2. Aufl., Bd. I. 1897. - J. H. Hart, Cacao. II. Edit. Port of Spain, Trinidad 1900. - Peckolt in Ber. d. Deutsch. Pharmazeut. Gesellsch. 1900, 119. - Preuß, I. Expedition u. Zentral- u. Südamerika. Berl. 1901. II. Beih. z. Tropenpfl. 1907, 38 ff. - Ettling, Der Kakao, seine Kultur u. Bereitung. Berl. 1903. - Strunk, Tropenpfl. 1905, 93 ff.- Busse, I. in Tropenpflanzer 1905, 25 ff u. 247 ff. II. Beih. z. Tropenpfl. 1906, 166 ff. - Denkschr. Schutzgeb. 1906/07 u. 1907/08, jeweils Tl. C (Kamerun). - König, Menschl. Nahrungs- u. Genußmittel, Bd 11, 1112 ff. H. Wright, Theobroma Cacao or Cocoa, its botany, cultivation etc. Colombo 1907. - Köppen in Tropenpfl. 1901, 566 ff. -Fickendey in Amtsbl f. Kamerun I (1908), 98 ff. -Hamel-Smith, The Fermentation of Cacao. Berlin 1913. - Chevalier, Le Cacaoyer dans l`Ouest Africain. Paris 1908. - Hunger in: Fruhwirth, Züchtung landwirtsch. Kulturpflanzen, Bd. V, Berl. 1912, S.90 ff. - von Faber, Krankheiten u. Parasiten da Kakaobaumes (Arb. a. d. Kais. Biolog. Anstalt). 1909, - Aulmann u. La Baume, Die Schädlinge des Cacaos. (Die Fauna d. deutschen Kolonien Reihe V, Heft 3.) Berl. 1912.

Busse.