1. Lage und Grenzen. Die Kolonie K. liegt im innersten Winkel
der Bucht
von Guinea, bildet also einen Teil der Guineaküste
und trennt das sog. Ober-Guinea von Nieder-Guinea. Im Verhältnis zu
ihrer
Größe hat sie nur einen relativ geringen Anteil am Meer. Nach dem
Innern,
dem Osten zu verbreitert sie sich, so daß sie an der östlichen Grenze
vom Kongo bis zum Tsadsee reicht; das ist eine Strecke von über 14
Breitengraden
in der Luftlinie. K. erstreckt sich vom 13. Grad n. Br. bis zum 1. Grad
s. Br. und vom 7 1/2 bis zum 18 1/2 Grad ö. L. Das sind beträchtliche
Dimensionen und Entfernungen, und es ist ohne weiteres daraus
erklärlich,
daß sich K. aus landschaftlich und klimatisch verschiedenartigen
Regionen
zusammensetzt. Wir finden fast alle Übergänge vom trockenen
Steppengebiet
im Norden, am Tsadsee, bis zum dichtesten Urwald
im Süden am Ssanga. Die Grenzen von K., wie sie heute bestehen, sind
noch
sehr unentwickelt, teilweise sogar noch gar nicht näher festgelegt. Die
relative Unkenntnis besonders eines Teils der Grenzgebiete bedingt, daß
die Grenzlinie entweder durch Flüsse geführt wird, oder in gerader Linie
fest bestimmte Punkte verbindet. Zu großen Unzulänglichkeiten würde der
Bestand der spanischen Kolonie Spanisch-Guinea führen, die als Enklave
im deutschen Gebiet liegt, und zwar so, daß sie einen Teil des deutschen
Besitzes, nämlich den südlich von ihr liegenden Zipfel vollkommen vom
übrigen deutschen Gebiet trennt. Wir grenzen mit unserem Besitz an den
dreier anderer Kolonialmächte, nämlich Frankreich, England und Spanien.
An der ganzen Nordwestgrenze grenzen wir an englisches Gebiet, an
Britisch-Nigeria.
Im Osten und Süden liegt Französisch-Zentralafrika. Von Spanisch-Guinea
ist schon gesprochen. Nur mit dem Kongozipfel würden wir den belgischen
Kongostaat berühren, wenn nicht die Inseln im
Kongo französisch geblieben wären. Unser Gebiet umfaßt nach neuen
Feststellungen
des geodätischen Bureaus im KA. rund 795 000 qkm; davon haben wir durch
das Abkommen vom 4. Nov. 1911 mit Frankreich (s.-Erwerb der deutschen
Kolonien 3) 295000 qkm gewonnen, aber mit dem sog.
Entenschnabel 12000 verloren. Was
nun die Grenzen von K. anbetrifft, so sind dieselben teilweise noch
nicht
festgelegt. Die ganze Süd- und Ostgrenze ist durch den Vertrag vom 4.
Nov. 1911 in den Grundzügen bestimmt; die genauere Aufnahme des
Grenzgebietes
wird aber wohl die Notwendigkeit vieler Abänderungen ergeben. Die
Westgrenze
ist durch zwei Expeditionen vermessen, aber nur das Stück von Jola bis
zum Tsadsee ist bisher gesetzlich festgelegt. Für die Grenze von der
Küste
bis Jola kommt der Grenzvertrag vom 15. Nov. 1893 mit England in
Betracht.
Es hat eine Vermessung bis Jola stattgefunden, aber die z.B. schon in
der Karte des großen Kolonialatlas niedergelegten Vertragsentwürfe sind
noch nicht ratifiziert. Die Grenze verläuft geradlinig und macht geringe
Abweichungen zwischen dem oberen Ende des Rio del Rey bis zu den
Schnellen
des Kreuzflusses und verläuft von dort fast ebenso geradlinig in der
Richtung
auf Jola. Für die Strecke Jola-Tsadsee kommt der deutsch.-engl. Vertrag
vom 16. Juli 1906 in Betracht. Die Grenze beschreibt um Jola einen
Halbkreis
mit etwa 45 km Radius, folgt dem Unterlauf des Faro,
geht dann ein Stück den Mao Tiel hinauf und verläuft in nördl. Richtung zum Mao
Kilanje und dann zum Jadseram, dem sie
bis eben vor Dikoa folgt. Dikoa, das deutsch bleibt, wird in kleinem
Bogen
umgangen und dann verläuft die Grenze in der Richtung N 25° O bis zum
Tsadsee geradlinig (Riebow, Deutsche Kol.Gesetzgebung
Bd. I 79, 92, 215, 696; Bd. II 54, 80; Bd. X 277). - Was die Ost- und
Südgrenze unseres Schutzgebietes anbelangt, so richtet sie sich
vorläufig
nach dem Abkommen vom 4. Nov. 1911 zwischen Deutschland und Frankreich.
Sie verläuft vom Massoliee in der Bucht von Monda zur Südostecke von
Spanisch-Guinea
in gerader Linie. Von dort in einer Linie zur Mündung des Dschua in den Iwindo, darauf ersterem folgend bis
Madschingo (franz. bleibend) und darauf von dort geradlinig zum Ngoko-
Ssanga-Punkt.
Wesso bleibt französisch. Die Grenze geht nun nach SW 6-12 km unterhalb
Wesso zum Kandeko und folgt diesem, dem Bokiba und dem Likuala Mossaka
bis zum Kongo. Hier ist eine Strecke von 6-12 km deutsch. Dann geht die
Grenze den Likuala Essubi aufwärts bis Botungo. Von hier verläuft sie
geradlinig nach S bis Bera Ngoko, dann nach Nordw. zur Vereinigung von
Lobai und Bodinge und darauf den Lobai abwärts zum Ubangi.
Auch hier folgt sie dem Fluß 12 km, dann steigt sie in gerader Linie zum
Pama etwas westlich vom Zusammenfluß mit dem Mbi. Dann den Pama aufwärts
und in gerader Linie zum Penndé oder östlichen Logone bei Goree. Nun
folgt
sie dem Penndé, Logone und Schari bis zum, Tsadsee (DKolZtg. 1911 S.
765).
Das spanische Gebiet, Span.Guinea oder Munigebiet bildet eine Enklave
in deutschem Besitz. Seine Grenzen werden durch das deutsch-franz.
Abkommen
vom 24. Dez. 1885 im Norden bestimmt, weil damals noch das ganze südlich
der Kampo gelegene Gebiet französisch war, und erst später an Spanien,
durch den Vertrag vom 27. Juni 1900, abgetreten wurde. Im Norden wird
die Grenze bis zu dem Punkte, wo der Kampo den 10° östl. Länge
schneidet,
durch diesen Fluß geführt und von dort auf dem Breitengrad dieses
Punktes
nach Osten weitergeführt. Im Osten und im Süden wird die Grenze durch
den spanisch-französischen Vertrag vom 27. Juni 1900 festgelegt. Im
Süden
geht sie im Talweg des Muni nach Osten
und folgt dem 1° nördl. Breite von dem Punkt an, wo der Utemboni diesen
zuerst schneidet. Die Ostgrenze bildet der 9° östl. Länge von Paris, d.
h. 11° 20' östl. Länge von Greenwich. Es hat zwar eine Grenzregulierung
im Jahre stattgefunden 1901, aber es ist noch kein Vertrag zwischen den
Regierungen abgeschlossen. - Von den dem deutschen Gebiet vorgelagerten
Inseln gehören Fernando Po und Annobon
den Spaniern, Principe und San Tomee
den Portugiesen und von den kleineren Inseln nahe dem Festland Elobi
und Corisco den Spaniern.
2. Bodengestaltung. Man kann in K. in großen Zügen 5 verschiedene Gebiete
nach der
Oberflächengestaltung unterscheiden:
a) Das Küstenvorland, b) das Plateau von K., c) die Massivregion von Adamaua, d)
das Logone-Tsad--
Becken, e) das Ssangatiefland. Der Besprechung dieser Gebiete im einzelnen soll
kurz ein Überblick über
die geologischen Verhältnisse in K. vorangehen. Die geologische Erforschung
beschränkt sich bisher auf
wenige Routen, die durchgelegt sind, und auf die Untersuchung von nutzbaren
Lagerstätten. K. ist wie der
größte Teil von Afrika ein in Schollen abgesunkenes oder aufgerichtetes Plateau.
Wo Sedimentärschichten
auftreten, sind sie meist flach gelagert. Im Anschluß an die Bildung von Spalten
und Brüchen sind
vulkanische Ergüsse erfolgt und haben Decken oder Vulkane entstehen lassen.
Alluvialebenen sind das
dritte Element, das für die Bodengestaltung K.s maßgebend ist. Über die Tektonik
des Gebietes ist noch
wenig Klarheit geschaffen worden, weil im kristallinen Gebirge, aus dem der
größte Teil K.s besteht,
Brüche und Verwerfungen sehr schwer nachzuweisen sind. Die Küste in einer
Entfernung voll 30-100 km
begleitend, haben wir überall einen verhältnismäßig steilen Anstieg, der in 2
Stufen zum Hochland
hinaufführt. Wahrscheinlich ist, daß diese Stufen einen Bruchrand darstellen,
der aber von der Erosion stark
angeschnitten ist. Sicherer ist eine zweite Bruchlinie, auf der überall
vulkanische Ausbrüche stattgefunden
haben. Diese Linie beginnt bei der Insel Annobon und geht über Principe und
Fernando Po zum K.-Berg.
Die Region jung vulkanischer Gesteine setzt sich in derselben Richtung nach
Nordosten noch bis Banjo hin
fort und fällt hier mit dem Nordwestrand des Plateaus von Adamaua zusammen.
Außerdem dürfte ein
tektonisches Gebilde der Mberegraben sein, der sich an der Ostseite des
Hochlandes von Adamaua im
Quellgebiet des Mbere in der Richtung von
Westsüdwesten nach Ostnordosten erstreckt. Auch bei seiner
Bildung sind vulkanische Ergüsse erfolgt. Seine Ränder brechen 2-400 m steil ab,
seine Sohle hat eine
Breite von 5 bis 7 km. Petrographisch kann man in K. vier verschiedene Gebiete
unterscheiden: 1. Das
altkristalline Rumpfgebirge, 2. die Sedimentärgebiete, 3. die jung vulkanischen
Gebiete, 4. die
Alluvialgebiete. Das altkristalline Gebiet hat die weiteste Verbreitung in K.
Ganz Südkamerun und
Adamaua wird von ihm eingenommen. Die wichtigsten Gesteine sind Granit, Gneis
und Glimmerschiefer
mit vereinzelten Vorkommen von Quarziten, Amphiboliten, Granatfelsen, Syeniten,
Dioriten, Diabasen. Die
Sedimentärgesteine haben ihre größte Ausbreitung einmal im Benuetiefland und
andererseits im
Küstengebiet. Im Tale des Benue sind es die sog. Benuesandsteine, die weite
Verbreitung haben. Die
genaueren Grenzen im Süden sind noch nicht bestimmt. Im Norden reichen sie wohl
bis Demssa, Tengelin
zum Hossere Duli, wo die Auflagerung auf Granit zu erkennen ist. Auf englischem
Gebiete ist die
Verbreitung eine ungleich weitere. Das Alter dieser gelben bankigen Sandsteine
konnte wegen Fehlens jeder
Fossilien bisher noch nicht festgestellt werden. Ein zweites Vorkommen von
sedimentären Schichten haben
wir im Kreuzfluß, wo wir einen 30-40 km breiten Gürtel von Sandsteinen von
Keschan im Norden bis Araru
im Süden reichend finden. Es sind helle Sandsteine, die nach Fischresten in
ihnen jetzt der unteren Kreide
zugerechnet werden. Es liegen in ihnen Tonschichten, die sehr reich an Bitumen sind, ferner sind
Kohlenschmitzen gefunden und Soolquellen nachgewiesen. An der Küste von den
Fällen des Sanaga bis zu
den Ndianfällen im Norden treten überall Sandsteine und Schiefertone auf, die
zur oberen Kreide, und zwar
zur Emscherstufe gerechnet werden müssen. Im Süden tauchen sie unter tertiären
Schichten unter, die aus
mürben Sandsteinen, Tonen und Lehmen bestehen. Die in ihnen gefundene Fauna ist eozänen Alters. Die
jüngeren Eruptivgesteine bedecken im Westen von Adamaua weite Gebiete. Es sind
meist Basalte, Andesite
und Trachyte, Laven und Tuffe, aus denen die Decken und Vulkane dieser Gegenden
bestehen. Dann haben
wir in Mittel-Adamaua einzelne Vorkommen von Basalten, ferner im Mandaragebirge
und am Benue. Das
Absinken des Mberegrabens ist ebenfalls mit vulkanischen Ausbrüchen verbunden
gewesen. - Nutzbare
Mineralien: Zinkerze wurden mit Bleierzen
verbunden in Gutschumi in Adamaua gefunden. Glimmer
kommt abbauwürdig in Essudan, dann bei Babanki Tungo und Kentu, sowie bei Woe Matun vor. Marmor
für Gebrauch im Lande bei Bidjar in Adamaua. Bitumen und Kohle in kleinen Flözen
bei Mamfe. Erdöl tritt
im Dualabezirk in verschiedenen kleinen Quellen zutage. Salz kommt in Form von
Kochsalzquellen im
Ossidingebezirk vor. Natronquellen sind um Adamaua bekannt geworden, aus Demssa
und Ngaundere.
a) Das Küstenvorland. Wir wollen unter diesem Begriff den Streifen
niederen
Landes fassen, der von der Küstenlinie bis zum Beginn des Anstiegs zum
Plateau reicht. Dieser Streifen wird durch den K.Berg (s. Tafel 77) unterbrochen,
den wir also noch zu diesem Gebiet zählen wollen, da er als einzelner
Vulkan dem Vorland als fremdes Gebilde
aufgesetzt ist. Die Küstenlinie von K. bildet einen Bogen, der nach
Südwesten
geöffnet ist und in dessen innerem, Winkel der K.-Berg gelegen ist. Im
Westen haben wir das mächtige Nigerdelta, das eine Flußfahrt von Togo
nach K. auf den vielen Creeks möglich macht, im Süden vom K.-Berg das
K.-Astuar, das wahrscheinlich ein ehemaliges Delta des Sanaga darstellt.
Wenigstens spricht dafür, daß noch eine Wasserverbindung mit dem Sanaga
existiert. Weiter im Süden, südlich des Sanaga tritt dann das
kristalline
Gestein bis an die Küste heran. Dementsprechend haben wir eine
verschiedene
Gestalt der Küste. Westlich des Kamerunberges bilden sumpfige, flache
Mangrovendickichte die Ufer. Dann folgt auf der ganzen Strecke, an der
die Hänge des Kamerunberges ans Meer treten, eine steile, zerrissene
Kliffküste,
an der noch zu sehen ist, wie junge Lavaströme ins Meer geflossen sind.
Wieder einen anderen Charakter zeigt die Küste des Kamerunästuars. Dort
haben Küstenströmung und Kalema, die beide ungehindert wirken konnten,
eine geradlinige Flachküste geschaffen mit Strandwällen und Nehrungen.
Dieser Charakter der Küste reicht bis nach Kribi hin. Zwischen Kribi und
Kampo tritt das kristalline Grundgebirge direkt bis an die Küste, und
dadurch wird stellenweise eine Kliffküste bis 20 m Höhe geschaffen.
Denselben
Charakter trägt die Küste von Spanisch-Guinea bis zum Kap St. Jean. Hier
springt die Küste in rechtem Winkel zurück, um die Bucht von Corisco zu
bilden.Im ganzen Umkreis dieses Gebietes scheinen Sedimentärschichten
zu liegen, während der Rand des kristallinen Plateaus bis hinter den Rio
Muni zurückzutreten scheint. Die Ufer der Bucht von Corisco mit der
Bucht
von Monda und dem Rio Muni sind flach und mit Mangroven
bewachsen. Der Streifen des Küstenvorlandes ist entsprechend dem Vor-
und Rücktreten des inneren Plateaus verschieden breit. Er teilt sich
wieder
in einen alluvialen Streifen und einen kristallinen Streifen. Folgende
Tabelle gibt die verschiedenen Breiten an:
Ganzes Vorland (km)
Alluv.
(km)
Krist.
(km)
Kap Peleikan . . . . . .
195
45
150
Kap Suellaba . . . . . .
110
85
25
Sanagamündung . . .
130
70
60
Lonji. . . . . . . . . . . . . .
55
5
50
Kampo . . . . . . . . . . .
25-30
-
25-30
Man kann wohl als Regel angeben, daß die ersten Schnellen an allen
Flüssen
den Anfang des kristallinen Gebiets bezeichnen. Das alluviale Vorland
bildet überall ein mit dichtem Urwald bewachsenes, durch ein Gewirr von
kommunizierenden Flüssen zerschnittenes, sumpfiges Tiefland. Nach der
Küste zu findet man Strandwälle, Lagunen
und Mangrovendickichte, in der Tiefe liegen Kreideschichten, die lokal
aufgeschlossen sind. Im Norden haben wir das Rio del Rey-Tiefland mit
4 tiefen Buchten, die weit in das Land führen und teilweise mit Dampfern
befahren werden können. Mit Flußdampfern kann man die kleinen
Küstenflüsse
bis zu den Schnellen hinauffahren. Im Süden des K.berges liegt das
K.ästuar,
das durch den Kwakwa mit dem Sanaga
verbunden
ist. Wie schon erwähnt, ist das Ästuar wohl das alte Delta des Sanaga,
der später weiter südlich durchgebrochen ist. Die Creeks sind teilweise
bis 20 m tief, eine schwer zu erklärende Tatsache. Im Hintergrunde der
Bucht liegt der schöne Hafen Duala, der Hauptort der ganzen Kolonie.
Duala
gegenüber liegt Bonaberi als Hafenplatz
der Nordbahn. In die K.mündung fließen
die Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba, die
alle von dem Plateaurand herabkommen und bis zu den Schnellen schiffbar
sind. Mit dem K.ästuar unmittelbar in Verbindung steht das Tiefland des
Sanaga und des Njong. Das Land steigt hier meist bis zu 10-15 m an und
wird stellenweise von bis 60 m hohen Sandsteinwällen durchzogen. An der
Grenze des kristallinen Gebietes liegt Edea und der Ossasee. Von da
steigt
das Tiefland bis zum Dibamba auf 45 m an. Im Süden der Njongbucht wird
dann das Alluvialgebiet immer schmäler, bis bei Kribi das kristalline
Vorland direkt ans Meer tritt. - Im Zusammenhang mit dem Alluvialland
der Küste wollen wir das Massiv des K.berges betrachten, das ihm
aufgesetzt
ist. Im Norden des K.berges, zwischen ihm und dem Manengubagebirge
steigt
das Alluvium an seiner höchsten Stelle
bis auf 267 m bei Kumbo, südlich des
Elefantensees,
an. Dieser selbst ist ein Alter
Krater,
ebenso wie der Diadiasee, zwischen Dibamba und Mungo. Dort liegt auch
an der schmalsten Stelle des Schwemmlandes der Rickardsee, ebenfalls ein
alter Krater. Der K.berg ist ein aus
mehreren
Vulkanen zusammengesetztes Massiv von etwa 50 km Durchmesser. Er gehört
zu der schon erwähnten, sich von Annobon und Fernando Po hinziehenden Vulkanreihe, und
demgemäß
ist seine Längsachse nach Nordosten gerichtet, daher sind auch die
jüngsten
Ergüsse von Südwesten nach Nordosten hin fortgeschritten, von der
Mannsquelle
bis zum Fako. Der letzte Ausbruch war im
April bis Mai 1909. Dabei entstanden 3 neue, kleine Krater. Das Massiv
steigt in mehreren Terrassen an. Die erste Stufe liegt etwa in 900 m;
auf ihr befindet sich Buea, die zweite Stufe steigt steil bis etwa 2800
m an, und von dieser Terrasse aus erhebt sich bis 4170 m der Faro. Im
Westen erhebt sich mit sehr steilen Hängen der etwa 2000 m hohe Etinde,
der nach Esch die alte Vulkanruine eines früheren Berges darstellt, der
durch die späteren Ausbrüche zerstört und teilweise verschüttet wurde.
Auch hier im Westen haben wir erst einen allmählichen Anstieg bis auf
etwa 1000 m Höhe. Zwischen dem Etinde und dem Fako liegt inmitten eines
in der Ausbruchsrichtung streichenden Zuges von Kratern und parasitären
Vulkanen die Mannsquelle, die einzige Quelle, die über dem Waldgürtel
sich findet, und daher ein wichtiger Punkt für Besteigungen des Gipfels
ist. Alles Wasser verschwindet sonst sofort im porösen Gestein. Der
Krater
des Fako ist zum größten Teil durch die Erosion zerstört, nur auf der
Nordseite ist er teilweise erhalten und bildet hier den Gipfel des
ganzen
Berges. Eine geschlossene Urwaldzone reicht etwa bis 2200 m hoch empor,
doch streckt der Wald an feuchten Stellen, besonders in den Flußtälern,
Zungen bis 2700 m hinauf. Dann beginnt
ganz unvermittelt das Grasland, das bei 2800-3000 m in eine wilde,
vegetationslose
Hochgebirgswüste übergeht. Eine ständige Schneebedeckung führt der
K.berg
nicht, doch halten sich Schneeflecken wohl öfter längere Zeit. Fast
immer
ist der Gipfel in einer Nebel- und Wolkenschicht verborgen, und nur
selten
sieht man vom Fuße des Berges aus den Gipfel frei vor sich liegen. An
der Küste, am Fuße des K.berges, liegen die beiden Hafenstädte Bimbia und vor allem Victoria, letzteres an der
schönen
Ambasbucht. Hier, an der zerrissenen
Küste des Berges, sind viele gute Häfen, die aber wegen der
Schwierigkeit
des Zugangs zum Lande wertlos sind. Die Brandung hat die weichen
Tuffschichten
zerstört und Buchten in den Hang eingegraben, während die härteren Laven
als Vorgebirge stehen geblieben sind. Victoria ist der Hafen für Buea,
das in 900 m Höhe am Westhang des K.berges gelegen ist. Es ist wegen
seiner
gesunden Lage Sitz der Regierung geworden. Das südliche Ufer des Rio
Muni,
das seit dem Novemberabkommen deutsch ist, scheint ein sedimentäres
Plateau
von geringer Höhe darzustellen. In der Nähe des Rio Muni, und besonders
in seinem hinteren Teil, ist das Gebiet sumpfig, so ist z. B. der Bane
mit dem Tembone durch Kanäle verbunden. Die Stufe zum kristallinen
Plateau
liegt etwa 50 km von der Küste entfernt. Ob noch ein kristallines
Vorland
vorhanden ist, ist ungewiß. Das ganze Vorland liegt etwa 50 m hoch, und
diese Erhebung tritt bis nahe an die Küste heran. Der Rio Muni selbst
ist ein tiefes Becken, das wahrscheinlich einen guten Schiffshafen
abgibt.
In Butika legen schon jetzt die Woermanndampfer an. In den Rio Muni
fließt
der Tembone, der aber im unteren Teil deutsch ist und wie der Noya vom
Plateau herabkommt. Das ganze Gebiet ist mit dichtem Urwald bestanden.
- Das kristalline Vorland entwickelt sich überall, mit einer deutlichen,
wenn auch oft geringen Stufe aus dem alluvialen Gebiet. Im Norden des
Rio del ReyTieflandes wird das kristalline Vorland bis zum Abfall des
Baliplateaus unter dem Namen der Westkameruner Massivregion
zusammengefaßt.
Die Stufe zum Tiefland ist im Osten am Mungo, wo dieses selbst sehr hoch
ansteigt, gering, wird aber nach Westen immer mächtiger, so daß die
Flüsse
zum Teil Wasserfälle von außerordentlicher Schönheit bilden. Das ganze
Gebiet stellt eine Stufe von etwa 200 m Meereshöhe dar, aus der einzelne
Massive hervorragen. Ob das Ganze eine Inselberglandschaft, die einfach
abgesunken ist, darstellt, oder von Brüchen und Senkungen zertrümmert
ist, ist nicht bekannt, doch spricht das Auftreten von jungvulkanischen
Gesteinen für letztere Auffassung. Drei Massive treten besonders hervor:
Die Rumpiberge, das Obangmassiv und,
schon zur Hauptsache auf englischem Gebiet, die Auaberge.
Ein unruhiges Hügelland bildet die Fläche, auf der sie sich erheben. Die
Rumpiberge sind ein zerrissenes, urwaldbedecktes Bergland von bis zu
1500
m Höhe, während Obang- und Auamassiv 1000 m nicht übersteigen. Unter den
trennenden H ügelländern möge nur die Ossidingesenke mit der
anschließenden
Banjangbucht erwähnt werden. Erstere ist von den schon erwähnten
Sandsteinen
der unteren Kreide erfüllt, die bituminöse Schiefer und Kohlenflöze
führen
sowie Salzquellen enthalten. Die Entwässerung
des Gebietes wird einesteils durch kleine Küstenflüsse, wie den Meine,
Ndian und Koran, andererseits durch den Kreuzfluß und seine
Nebenwässer,
besorgt, der erst nach Nordwest fließt und dann in großem Bogen nach
Süden
umbiegt. Das ganze Gebiet ist mit dichtem Urwald bedeckt, und nur auf
den höheren Massiven finden wir einige Grastäler, die Viehzucht
zulassen.
An Siedelungen haben wir in der Westkameruner Massivregion zuerst
Johann-Albrechtshöhe
in günstiger Lage, die Straße von Duala nach Ossidinge beherrschend.
Ossidinge
am Kreuzfluß liegt in dem Zentrum des Ossidingetieflandes und Mamfe am
Ende der Schiffahrt des Kreuzflusses. - Zwischen dem Wuri und Dibombe haben wir ein stark zerschnittenes
Hügelland
von 200-300 m Höhe; dann verbreitert sich das kristalline Vorland und
erweitert sich zur sog. Wuri-Njong-Bucht, die am Sanaga eine Breite von
70 km besitzt. Es ist das eine ebene bis hügelige Platte, überall mit
dichtem Urwald bedeckt und noch wenig erforscht. Jenseits des Lokundje
verschmälert sich dann das Vorland wieder, es bildet eine ebene Fläche,
die aber teilweise von markanten Bergen überragt wird. Ein solcher Berg
ist der Elefantenberg, der etwa 350 m hoch ist. Ob
die Platte eine abgesunkene Inselberglandschaft darstellt, oder ob die
Erosion die Hügel stehen gelassen hat, ist zweifelhaft. Bei Kribi tritt
die kristalline Zone ans Meer. Kribi ist der wichtigste Hafen an der
Südküste,
von dem aus wichtige Handelsstraßen
ins Innere führen, während Kampo schlechte Landungsverhältnisse besitzt.
Außer ihm kommen noch Groß- und Kleinbatanga, letzteres am Njong
gelegen,
in Betracht. Lolodorf, an der Straße nach Jaunde gelegen, liegt am Fuße
der Hauptstufe des Plateaus. Die Flüsse des ganzen Gebietes kommen vom
Plateau oder wenigstens vom Rande der Stufe herab.
b) Das Plateau von K. Von dem Küstenvorland steigt man nach Osten meist
mit mehreren Stufen auf ein weites Plateau hinauf, das sieh über den
größten
Teil von K. erstreckt. Es ist der nördliche Teil der sog. Schwelle von
Nieder-Guinea, setzt sich ununterbrochen über Spanisch-Guinea und
Französisch-Kongo
in den Kongostaat hinein fort. Nach Norden endet es ebenfalls mit einer
Stufe, und es ist strittig, ob diese Stufe einen Bruch darstellt oder
eine Erosionsstufe ist. Auf jeden Fall setzen die Massive von
Nordadamaua
die Oberfläche des Plateaus von K. fort. Nach Osten zu senkt die
Hochfläche
sich allmählich und geht ununterbrochen in französisches Gebiet über.
Die Oberfläche dieses Plateaus ist nicht gleichmäßig flach; sie ist
aufgebogen,
zerbrochen, und einzelne Sockel ragen von ihr hervor. Sie besteht zum
größten Teil aus archaischen, gefalteten Gesteinen, die Überreste eines
einstigen Gebirges sind, von dem die Abtragung einzelne Erhebungen
übriggelassen
hat. Im Norden haben wir den höchsten Teil, von dem aus sich das Plateau
in mehreren Stufen senkt. Im Westen, wo vielleicht der aufgebogene Rand
eines Staffelbruchs vorliegt, liegen ebenfalls im Norden die größten
Höhen
über 2500 m, während sich der Rand im Süden auf 1000 m etwa erniedrigt.
Man kann das Plateau von K. in zwei große Gebiete trennen, deren Grenze
nördlich der Sanagamulde nach Kunde und von da zum Uam
hinüberzieht,
im Norden das Hochland von Südadamaua und im Süden die Hochfläche von
Süd-K. - Die Hochfläche von SüdK. läßt sich wieder in drei Gebiete
teilen,
in das Südkameruner Randgebirge, in die Sanagaschwelle und in die Njemplatte.
Das Südkameruner Randgebirge ist lediglich der aufgebogene Westrand des
Plateaus, der zur Küste steil, wahrscheinlich überall in zwei Stufen
abfällt
und sich nach Osten zu langsam senkt. Im Norden beginnt es mit der
Sanagasenke,
und im Süden setzt es sich durch das spanische Gebiet in das
französische
Gebiet hinein fort. Die erste Stufe von der Küste aus liegt in etwa 300-
600
m Höhe und scheint sich nach Norden zu zu verbreitern, um am Sanaga
direkt
in die dort 500 m hoch gelegene Plateaufläche überzugehen. Östlich von
Kampo sind die Mbembeberge, die vielleicht noch zur ersten Stufe
gehören,
700-800 m hoch. Im Süden im deutschen Munigebiet hat es den Anschein,
als ob der Plateaurand, der ununterbrochen durch Spanisch- Guinea
reicht,
auf einer Linie auf der Höhe des Rio Muni abbricht und erst weiter im
Osten wieder einsetzt, während zugleich eine Erniedrigung stattfindet.
Wir haben auch dort zwei Stufen, die erste in 200 m Höhe etwa, während
der Rand der zweiten bis zu 700 m sich erhebt. Der Übergang des
Gebirgslandes
nach Osten in die wellige und nur durch einzelne Inselberge überragte Hochfläche ist ein
allmählicher
und daher auch schwer festzulegen. Im Norden sind die Ndogoberge östlich von Jaunde die letzten
Ausläufer,
weiter im Süden soll der Pfalla die
Grenze
bilden. Es wird davon abhängen, wie weit sich die vom Rande aus
einschneidenden
Flüsse bereits eingegraben und die früher vorhandenen Flächen zerrissen
haben. Man wird wohl fast g anz Spanisch-Guinea und also auch das ganze
südlich davon gelegene deutsche Gebiet zum Randgebirge zählen können.
Das ganze betrachtete Gebiet ist mit tropischem Urwald bedeckt, nur am
Sanaga im Norden greift das Grasland über die Ndogoberge und auf die
erste
Stufe bis an Jaunde heran. Die Flußläufe bevorzugen, wie es, bei
Bruchstufen
oft der Fall ist, zwei Richtungen, einmal parallel zur Stufe und
zweitens
senkrecht zu ihr. Es scheint sogar, als ob die erste Stufe zuweilen
angedeutet
wäre durch auffällige Ablenkungen in der Flußrichtung parallel zum
Hochlandrande.
Die meisten Flüsse haben den Rand durchbrochen und entwässern teilweise
große Teile der Hochfläche. Wahrscheinlich haben sie sich große Gebiete
der nach Osten hin entwässernden Flüsse leicht erobern können. Der
Njong,
der den Rand bei den Tappenbeckschnellen
durchbricht, entspringt weit innerhalb der Njemplatte, sein Nebenfluß,
der Nkele, hat den Rand noch nicht durchbrochen. Der Lokundje und sein
Nebenfluß Tjange haben den Rand
durchbrochen,
haben die Hochfläche noch nicht erreicht. Der Kampo oder Ntem dagegen hat ein großes Einflußgebiet. Der Uelle
oder Rio Benito liegt nur mit seinem
Oberlauf
auf deutschem Gebiet und hat schon einen Teil der Hochfläche erobert.
Die Hauptzuflüsse des Rio Muni, der Tembone und der Noja, liegen noch
vollständig im Randgebirge. Im Anschluß an das Südkameruner Randgebirge
ist noch das zu ihm gehörige Ebomassiv
zu betrachten, das nur orographisch von ihm zu trennen ist. Wir hatten
im Süden des Sanaga einen fast nördlichen etwas nach Osten gerichteten
Verlauf des Hochlandrandes. Am Sanaga macht der Rand eine Biegung, er
wendet sich nach Nordwest. Zugleich steigt die Höhe des Randes bis auf
über 2000 m. Die Stufe nach Westen fällt steil und wahrscheinlich ohne
Vorstufe ab, aber auch nach Osten zum Tal des Mbam soll der Abfall sehr
steil sein. Die Hänge des Massivs sind mit dichtem Urwald bedeckt, doch
sind auf den obersten Teilen schon Hochweiden und Hochsteppen zu finden.
Das ganze Gebiet ist wild und unzugänglich und daher unbewohnt und eine
Völkerscheide zwischen Bantu- und Sudannegern geworden. - Die Njemplatte
ist eine 600700 m hohe wellige Ebene, die sich durch die großen
Flußgebiete
in einzelnen Mulden und Schwellen teilen läßt. Andererseits sind die
Niveauunterschiede
so gering daß meilenweit nicht zu unterscheiden ist, in welchem
Flußgebiet
man sich befindet. Die Entstehung dieser aus gefaltetem kristallinem
Gestein
bestehenden Rumpfflächen ist eins der interessantesten Probleme in
Afrika.
Im Süden, im neuerworbenen deutschen Gebiet, haben die Nebenflüsse des
tief eingeschnittenen Ogowe, die also eine
relativ große Erosionskraft besitzen, die ursprüngliche Hochebene stark
zerrissen. Im Osten des Iwindo tritt ein Sandsteinrand auf. Wir haben
dort eine ziemlich bewegte Oberfläche. Im einzelnen ist dies Gebiet
außer
an den Flußläufen wenig erforscht. Im Osten steigt die Hochfläche zu der
Kunabembe-Schwelle an, die etwa 800-900 m hoch ist und die durch den
Dscha
und Bumba in tiefen Tälern durchbrochen
wird. Im Südosten fällt die Kunabembe-Schwelle ziemlich steil zum
Sanagatiefland
ab. Es ist noch nicht recht ersichtlich, ob sie ein Hügelland ist, oder
ob noch einzelne Hochflächen zwischen den Flüssen liegen. Wie in allen
diesen von dichtem Urwald bedeckten Gebieten ist die Übersicht dem
Reisenden
sehr erschwert. Auf der alten Kameruner Südgrenze zieht sich im Laufe
des Ntem und des Aina ein langer Sumpfgürtel von Westen nach Osten. Die
Wasserscheide zwischen dem Kom und dem Aina bildet eine ebene Fläche.
Im Norden dieser Sumpfgebiete liegt ein Hügelland von etwa 100 m
Niveauunterschieden,
das nach Südosten zwischen Aina, dem Quellfluß des Iwindo, und dem Dscha
unmittelbar in die Kunabembe-Schwelle übergeht. Nach Norden von den eben
besprochenen Gebieten kommen wir auf die eigentliche Njemplatte, das ist
das Stromgebiet der vier Flüsse Dscha, Njong, Dume und Bumba. Man kann bei diesen vier
Stromgebieten
kaum von Schwellen, die sie trennen, sprechen, so gering sind die
Höhenunterschiede,
wenn man von einem Flußgebiet ins andere kommt. Ein mächtiges
Sumpfgebiet
im mittleren Teil der Platte gibt ihnen allen ihre Entstehung und macht
es auf weite Strecken unmöglich, die Quellgebiete zu trennen. Mit
Ausnahme
des oberen Njong ist das ganze Gebiet mit dichtem Urwald bedeckt, der
auch dort, wo das Terrain nicht völlig eben ist, den sog. Urwaldsumpf
bildet, der die Feuchtigkeit im Ge-
wirr der vermodemden Pflanzenreste zurückhält. Das ganze obere
Ssangagebiet
ist in ein Plateau von durchschnittlich 600 m Höhe eingeschnitten. Der
Fluß kommt vom Hochland von Jadé, das die östlichen Ausläufer des
Baiaplateaus
darstellt, und also schon zum Hochland von Südadamaua zu zählen ist. Wir
haben hier die Grenze südlich von Kunde, etwa in der Fortsetzung der
Sanagaschwelle
nach Osten zum Uam hinüber zu ziehen: Die Grenze des Hochlandes gegen
das Tiefland des unteren Ssanga und Ubangi ist schwer zu ziehen;
ungefähr
richtig wird man wohl gehen, wenn man sie von Bayanga zum Zusammenfluß Mbaere-Lobai und von dort
nach Bangi etwa legt. Die Gegend zwischen Mambere (Ssanga) und Kadei
wird von einer Schwelle eingenommen, vielleicht ein Ausläufer des Baia-
Hochlandes
wie die Sanagaschwelle, und sie zwingt den Kadei zu seinem
ausgesprochenen
Bogen. Die Wasserscheide zwischen Mbaere
und Mambere soll nur von geringer Höhe sein, nur einzelne Inselberge von
beträchtlicherer Höhe sind ihr aufgesetzt. Weiterhin nach Osten
erniedrigt
sich das Plateau immer mehr und löst sich zuletzt in Einzelberge auf,
um dann allmählich in die Ebenen am Ubangi, in der aber doch immer
wieder
einzelne Inselberge auftreten, überzugehen. Mehr ist kaum über dieses
noch so unbekannte Gebiet zu sagen, zumal man auf französische Literatur
angewiesen ist, aus der schwer exakte Tatsachen zu entnehmen sind. Wie
im ganzen Südkamerun haben wir auch hier fast nur Granite, Gneise,
Glimmerschiefer,
aber darin zuweilen Diabase und Quarzgänge, die oft den Anlaß zu
Stromschnellen
bilden. In den Flußtälern haben wir teilweise schon weite
Alluvialflächen,
dagegen auf den Plateaus Eluvium, das hier zum Teil den sterilen
konkretionären
Lateritboden bildet, der für Kultur sehr ungünstig ist. Der umgelagerte
Laterit dagegen bildet einen sehr fruchtbaren
Boden.
- Im Norden der Njemplatte bildet die Sanagaschwelle die Wasserscheide
zur Sanagamulde hin. Die Hochfläche steigt auf 600-700 m an, und
einzelne
bis 200 m hohe Inselberge sind ihr aufgesetzt. Nach Osten geht die Sanagaschwelle ins Baiahochland über, im
Westen
über die Ndogoberge ins Randgebirge. Wir kommen hier schon aus dem
Urwaldgebiet
heraus. Das Grasland umfaßt bereits die ganze Njongmulde und zieht sich
dann etwas nördlich des Kadei zum Ssanga, um von dort in fast gerader
östlicher Richtung zum Ubangi hinüberzulaufen. An den Flußläufen greift
der Urwald dagegen noch weit in das Steppen- und Grasland hinein. Die
Sanagamulde, die nördlich der Sanagaschwelle sich allmählich herabsenkt,
ist zum größten Teil mit weiten Grasflächen bedeckt. Nördlich des Sanaga
trifft man auf zahlreiche flache, sumpfige Mulden, die mit
Raphiadickicht
bewachsen sind. Wenn wir die Südkameruner Hochfläche noch einmal im
ganzen
betrachten, so sind für sie charakteristisch weite, nur sehr wenig
bewegte
Flächen, die an den Rändern überall durch die Erosion in ein mehr oder
minder zerrissenes Bergland verwandelt sind. Um so seltsamer mutet das
plötzliche Auftreten von steilen Massiven oder Bergen an, die sich steil
aus der Ebene erheben und die manchmal mitten im Waldlande schwarze,
kahle
Felskuppen bilden. Die Ebenen sind meist mit Laterit bedeckt, während
im Gebirge die Gipfel mit ungeheuren Blockmeeren bedeckt sind. - Zwei
Hauptstraßen führen von Kribi aus nach Osten auf das Hochland. Die eine
führt über Lolodorf nach Jaunde und von dort zur Dumestation
weiter, die andere direkt nach Ebolowa und von dort nach Lomie und Molundu.
Damit sind schon die Hauptsiedelungen charakterisiert. Jaunde liegt an
der Grenze von Wald und Grasland noch im Randgebirge. Ebolowa, ebenfalls
noch im Randgebirge, zwischen den Zuflüssen des Kampo und des Njong. Im
Süden ist Molundu der wichtigste Ort, am Zusammenfluß des Bumba und
Dscha
gelegen und Endpunkt der Handelsstraße über Ebolowa. Die Schiffahrt den
Ssanga abwärts ist offen. Nordwestlich liegt Bayanga am Ssanga,
ebenfalls
am Fuße der Kunabembeschwelle gelegen. Auch von hier ist Schiffahrt
Ssanga
abwärts möglich. Diese geht aufwärts bis Nola, das am Zusammenfluß, von Ssanga und Kadei
gelegen
ist und erst 1911 an Deutschland fiel. Weitere Orte im Flußgebiet des
Ssanga sind Carnot und Bania am Mambere und Gasa am Libumbi, einem Nebenfluß
des Kadei. Es wird sich erst herausstellen müssen, ob sie für
Deutschland
die Bedeutung gewinnen, die sie bei den Franzosen hatten. In der Mitte
der Njemplatte liegen, Lomie, Kam und Dumestation. Im Norden von
letzterer,
aber schon im Grasland, liegt Gamane, das
alte Bertua, wie auch die vorigen Orte an einer wichtigen
Handelsstraße gelegen. - Das Hochland von Südadamaua ist ungleich
reicher
gegliedert als das Hochland von, Süd-K. Von Süden kommend, treffen wir
nörd lich der Sanagamulde auf eine 400-700 m hohe Stufe, auf eine Linie,
die durch die Orte Sasu, Linte, Joko, Ndumbi
und Mande bezeichnet wird. Wir kommen auf ein etwa 1000-1500 m hoch
gelegenes
Plateau, das man nun wieder in westöstlicher Richtung in drei gesonderte
Hochländer teilen kann. in das Balihochland, das Mbamhochland und das
Baiahochland. Nördlich dieser Hochländer treffen wir aber noch auf eine
weitere Stufe, die uns zu Höhen von 1700-3000 m hinaufführt, und auch
hier ist eine Dreiteilung durchzuführen. Wir haben auf dieser höchsten
Terrasse des Plateaus von K. das Balihochland, das Kumbohochland und das
Ngaunderehochland. Weiterhin nach Norden
Fallen diese letzterwähnten Hochländer
steil zu der nur ca. 500 m hoch liegenden Fläche der Massivregion des
mittleren Adamaua ab. Im Osten haben wir anscheinend ein stufenförmiges
Abfallen zu den Ebenen des Scharibeckens. Doch liegen die Verhältnisse
hier wohl recht kompliziert, was schon aus dem Vorhandensein des
Mberegrabens,
der hier in den Rand des Hochlandes eingesenkt ist, hervorgeht. Noch
komplizierter
sind die Verhältnisse an der Westseite des Hochlandes. Der eigentliche
Rand des Plateaus scheint hier in nordwestlicher Richtung, in der
Fortsetzung
des Ebohochlandes, zu verlaufen. Doch ist ihm in der Mitte, auf der Höhe
des K.berges, ein dreieckiger, etwa durchschnittlich 7-800 m hoher
Sockel
angegliedert, dem wieder einzelne, teils bis 2500 m hohe Massive
aufgesetzt
sind. Das ganze wird unter dem Namen Manengubahochland zusammengefaßt.
Zugleich hat eine starke vulkanische Tätigkeit hier an dem Nordostrande
des Plateaus eingesetzt und hat den einheitlichen Charakter des Randes
zerstört. Wo aber der Rand deutlich ausgebildet ist, da haben wir nicht
wie im Süden ein Abfallen in 2 Stufen, sondern einen einzigen sehr
steilen
Abbruch. Wir wollen mit der Betrachtung der einzelnen Hochländer im
Westen
beginnen. Das Balihochland ist das westlichste der drei oberen
Hochländer.
Es ist ein etwa viereckiger Klotz, der nach Osten und Westen sehr steil,
nach Süden ebenfalls steil abfällt und nur nach Norden zu sich
allmählich
zum Benuetiefland senkt. Der höchste Teil ist das Bamettagebirge, das sich bis auf 3000 m
erhebt
und ein wildes, rauhes Gebirgsland mit vielen Höhlen darstellt. Nach
Nordwesten
vom Bamettagebirge folgen die Wadjemberge,
die nur noch 1200 m hoch sind und mauerartig nach Bascho
zu abfallen. Bei Bali haben wir ein Plateau von 1200-1500 m Höhe, mäßig
bewegt, mit 500 bis 800 m hohen Rändern, nämlich im Osten das
Bamendagebirge,
im Westen das Bamettagebirge. Dieses Hügelland, die sog, Mijasenke,
bildet
die Wasserscheide zwischen Benue und
Kreuzfluß.
Sie setzt sich im Norden in das Bafuthügelland fort. Die geologischen
Verhältnisse dieses Gebietes sind wenig bekannt, aber wohl recht
verwickelt.
Basaltdecken, Laven und alte Krater lassen vermuten, daß Brüche und
Verwertungen
das Gebiet durchziehen. Das Grundgebirge ist altkristallin. Im Norden
fließt der Mija oder Metschum zum Katsena Allah und Benue. Die Wasserscheide zum Kreuzfluß
läuft
auf dem Kamme des Bamettagebirges entlang. Die Urwaldgrenze läuft hier
am westlichen Rande des Hochlandes entlang.. Der Übergang vom Waldland
zum Grasland ist ein ganz unvermittelter und liegt etwa in 1000 m Höhe.
Die wichtigste Stadt dieses Gebietes ist Bali, in der Mijasenke gelegen.
- Im Süden des Balihochlandes liegt das Manengubahochland. Vom Ebomassiv
ausgehend verläuft in nordwestlicher Richtung ein Steilrand, der
eigentliche
Rand des ganzen Plateaus, und südwestlich von diesem, also vielleicht
als nicht ganz abgesunkene Scholle, beginnt das Manengubahochland. Der
700-800 m hohen Oberfläche dieses Klotzes sind einzelne Hochländer, die
beträchtliche Höhen erreichen, aufgesetzt, teils vulkanischer
Entstehung,
wie überhaupt das ganze Gebiet in der Verlängerung der Vulkanlinie, die
von den Guineainseln zum K.berg verläuft, liegt. Am weitesten im Süden
liegt das Massiv des Kupe, eine von, mehreren Gipfeln gekrönte
Berggruppe,
deren Gestein aus Diorit besteht. Doch
deuten junge Vulkane und Krater an, daß das Massiv jugendlicher
Entstehung
ist. Östlich davon trifft man auf das 700-800 m hohe Bakossibergland und
im Norden von beiden auf das eigentliche Manengubagebirge, das eine Höhe
von 2230 m erreicht. Letzteres besteht aus Basalten und Trachyten und
stellt wohl nur eine Reihe junger Vulkane dar, deren Krater und
Lavaströme
teilweise noch gut erhalten sind. So z. B. im Westen der 3 km breite Epochakrater mit zwei Kraterseen in seinem Grunde. Westlich des
Manengubagebirges
erhebt sich der sog. Mugozug und in gleicher nordnordöstlicher Richtung
ihn fortsetzend die Bafaramiberge,
ein unwirtliches, wildes Gebirge. Jenseits des tiefen Quertals des Mbo
setzen die Mboberge die Bafaramiberge fort und erreichen wieder Höhen
von 2000 m. Nach Westen senken sich die Mboberge langsam zum Batombergland, dagegen fallen sie steil nach
Osten zum Nkamkessel ab. Nach Westen
haben wir weiter im Norden den Einbruch des Fontem kessels, mit Rändern von 1500-2000 m Höhe.
Damit endet das Manengubahochland im Norden. Die Ränder im Süden werden
gebildet durch ein 700-600 m hohes Bergland, das sich an den Rand des
Plateaus von K. anlehnt und in westlicher Richtung davon durch das
Nlonakomassiv,
das bis zu 2400 m erreicht. Zwischen ihm und dem Kupemassiv findet sich
eine tiefe Senke. Inmitten dieser eben besprochenen Umkränzung von
Gebirgszügen
liegt in 600-800 m, Meereshöhe der Nkamkessel, der also allseitig von
2000 m hohen Bergen umgeben ist. Der Boden ist sumpfig, weil der einzige
enge Abfluß zum Mungo den ganzen fallenden Regen oft nicht schnell genug abführen kann. Dieser
Fluß ist also die Hauptwasserader, die das Manengubahochland entwässert.
Die Randgebirge werden nach außen durch Nebenflüsse des Mungo, Dibombe
und Kreuzflusses entwässert. Die Hänge des Manengubahochlandes sind bis
etwa 800-1000 m mit Urwald bedeckt. Dann folgt die Ölpalmenwaldzone und
dann bereits das Grasland. Nur die Nkamebene ist ebenfalls mit Gras
bedeckt
und nur an den zahlreichen Wasserarmen mit Galeriewald bewachsen.
Bedeutende
Siedelungen gibt es im Manengubahochlande nicht, das ganze Gebiet ist
sehr unzugänglich, wenn auch wegen des vulkanischen tiefgründig
verwitterten
Gesteins äußerst fruchtbar. Die Manengubabahn wird wohl zur wirtschaftlichen
Belebung des schönen Landes beitragen. - Jenseits des Fontemkessels, in
der Verlängerung der Mboberge, kommen wir zum Bamendagebirge und
besteigen
damit wieder das Plateau. Der Bamendazug wird durch eine tiefe Senke in
die Bainbutoberge und die Mutiberge zerlegt, letztere erreichen bis 2500
m Höhe. Beide bestehen aus altkristallinem Gestein und sind mit jungen
vulkanischen Decken teilweise überlagert. Der Paß zwischen beiden
Gebirgen,
der Babanki Tungo, liegt 1800 m hoch. Der Muti, der höchste Gipfel der Mutiberge, ist ein Vulkan
und in seiner Nähe liegt der anmutige Kratersee Bambulue. Das Bamendagebirge gehört schon zur
niederen
Terrasse des Hochlandes. Nördlich steigen wir noch fast 1000 m auf das
Kumbohochland hinauf und betreten damit den gewaltigsten Gebirgsstock
von ganz K. - Das Kumbohochland ist ein Plateau von 2000 bis 3000 m Höhe
und durch tiefe Einschnitte in mehrere einzelne Massive zerlegt. Auch
hier haben wir noch überall Zeugen der vulkanischen Tätigkeit, die
diesen
Teil K.s heimgesucht hat, in Form von vulkanischen Decken und Kratern.
Nach Norden fällt das Plateau einmal steil zu etwa 1000 m hoch gelegenen
Gebirgsländern ab und dann nochmals in einer ebenso steilen Stufe zu den
300-400 m hoch gelegenen Ebenen der Benuelandschaften. Im Osten der
Mijasenke
kommt man auf das Hochland von Bekom, ein
2000 m hoch liegendes Plateau, das steil zu seiner etwas tiefer
liegenden
Vorstufe, dem Hochlande von Bafum, abfällt. Letzteres ist ein wildes,
teils Wald tragendes, zerrissenes Bergland. In ihm liegen
die beiden Ndüseen, die wohl als Maarbildungen anzusprechen sind. Weiter
östlich von diesen beiden Landschaften kommen wir zu dem Hochland von
Oku, m it seiner Vorstufe, die in eine Anzahl von tief
gelegenen Kesseln aufgelöst ist. Im Okuhochland findet sich in 2340 m Höhe der
Mauwesee,
ein alter Krater. Die Wasserscheide nach Süden liegt hier, im höchsten
Teil des Kumbohochlandes, in 2800 m Höhe. Das nächste Gebirgsmassiv nach
Osten ist zwischen Katsena-Allah
und dem tief eingeschnittenen Donga das Banssohochland, eine ziemlich einförmige
Hochfläche
mit einzelnen Bergen von geringer Höhe. Die durchschnittliche Höhe
beträgt
2000 m. Jenseits des Donga liegt ein 2000 m hohes Gebiet, das wenig
bekannte
Mambilahochland, das weit nach Nordwesten
vorstößt. Damit endet der Zug des Kumbohochlandes. Eine tiefe
Einsenkung,
der Djauro-Gotil-Paß, der kaum 2000 m hoch ist, trennt es vom
Ngaunderehochland.
Die Entwässerung dieses Kumbohochlandes ist senkrecht zur Längsrichtung.
Die Nebenflüsse des Benue, Katsena-Afiah, Donga, Mija und Taraba,
fließen
vom Nordhang, während die Nebenflüsse des Mbam für die Entwässerung der
südlichen Gehänge sorgen. An Siedelungen haben wir in unserem Gebiet
eine
Reihe auf dem Kamm des Hochlandes längs der Straße, die hier nach Osten
zieht. Das sind Bamenda, am Zugang zur
Mijasenke und dem Paß von Babanki Tungo gelegen, ferner Bafut,
Kumbo und Banjo am Westfuß des Mambilahochlandes, am Zugang zum
Genderopaß.
- Das Ngaunderehochland schließt sich nach Osten jenseits des Djauro-
Gotil-Passes
an das Kumbohochland in einer
durchschnittlichen
Höhe von 1300-1400 m an. Es sind ihm einzelne Massive bis zu 2000 m Höhe
aufgesetzt. Nach Norden fällt es steil mit einer 600-900 m hohen Stufe
ab, nach Süden ist eine Stufe von 200 m vorhanden, die aber ebenfalls
steil zum Siebenstromlande abfällt. Im Osten senkt es sich langsam zum
Logonetiefland und ist in eine Reihe von westöstlich streichenden Rücken
durch tiefe, grabenförmige Erosionsrinnen zerlegt. Während wir im Westen
fast nur altkristalline Gesteine finden, haben wir im Osten, besonders
nördlich von Ngaundere, Basaltdecken in großer Ausdehnung und im Gendero
und im Labai alte Vulkane. Ganz im Westen ist der Stock des Djauro Gotil
gelegen, der wenig bekannt ist, aber eine Höhe von 2000-3000 m erreichen
soll. Südlich von diesem Massiv liegt die etwa 1100 m hohe Hochfläche
von Galim, die das nördliche Ende der
Tibatischwelle
darstellt. Verschiedene andere Massive, teils noch völlig unerforscht,
sind dem Ngaunderehochland aufgesetzt, von denen nur das Karnagebirge,
das durch den Quellfluß des Benue vom eigentlichen Hochland getrennt
ist,
das Ubakagebirge, das Lakoigebirge im Osten usw. genannt seien. Etwas
nördlich von Ngaundere entspringt auf dem Basaltplateau, das mit einer
Stufe von 600 m nach Norden abbricht, der Wina, der die östlichen Teile
des Plateaus, das hier etwa 1800 m hoch ist, durchbricht. Südöstlich von
Ngaundere liegt der Labai und der Bab el Gendero, beides Vulkankegel. Die
Entwässerung
dieses Teiles des Hochlandes setzt von Norden, Osten und Süden ein.
Überall
reichen die Wasseradem weit auf das Plateau hinauf. Die Vegetation ist Grassteppe mit Gebüsch, auf den höheren Teilen
schöne Hochweiden, aber auch wilde, blockbesäte Abhänge. Die Siedelungen
dieses Gebietes sind spärlich. An bedeutenderen haben wir vor allem
Ngaundere,
in 1118 m Höhe am oberen Wina gelegen, der Mittelpunkt dieses ganzen
mittleren
Teils von K. und Ausgangspunkt wichtiger Straßen. -Mit einer meist gut
ausgebildeten Stufe fallen diese eben besprochenen Hochländer zu der
zweiten
Etage des Plateaus von K. ab. Das Niveau dieser Hochländer liegt
zwischen
1000 und 1500 m, und ihre Entwässerung wird nur durch die Nebenflüsse
des Sanaga besorgt. Im Westen haben wir im Flußgebiete des Mbam das sog.
Mbamplateau, das sich wieder in verschiedene Hochflächen und Mulden
einteilen
läßt. Wenn man vom Bamendagebirge, das als schroffer Wall von 2000 m und
mehr sich erhebt, blickt, so schaut man nach Südosten auf eine bewegte
Hochfläche von 1300-1600 m Höhe, die nach dem Fluß, der sie entwässert,
Nunplateau genannt werden kann. Aus
dem sonst ziemlich gleichmäßigen Niveau ihrer Oberfläche schauen
einzelne
schroffe Erhebungen heraus, Inselberge, so z. B. der Bali Rumbat. Nach
Westen erhöht sich das Hochland etwas und bildet hier den Rand des
Plateaus,
der steil zum Nkamkessel abstürzt. Der Hauptsache nach besteht dies
Gebiet
aus Graniten und kristallinen Schiefern, doch treten im Norden
vulkanische
Bildungen auf. Dort bilden auch einige größere vulkanische Massive die
Grenze des Nunplateaus nach Osten. Das sind die Mbamberge, der Nka Gam
und der Batpit. Von den beiden letzteren
kann man vermuten, daß sie früher riesige Vulkane waren, der Batpit
trägt
sogar auf seinem Gipfel einen kleinen See, den Mfusee, der den Boden
eines
vollständig erhaltenen Kraters ausfüllt. -Nach Osten setzt sich das
Nunplateau
in gleichmäßiger Senkung zwischen den aufgesetzten vulkanischen Massiven
ins Bamumhochland fort, das eine
durchschnittliche Höhe von 900-1000 m besitzt und sich gegen Süden zum
Mbam und Nun bis auf 700 m senkt. Beide Hochländer sind mit hohem Gras
bewachsen, doch geht das Grasland oft in eine offene Parklandschaft über. Der einzig wichtige Ort
des ganzen Gebietes ist Bamum in 1180 m
Höhe, Knotenpunkt einer Anzahl von wichtigen Straßen. Der Rand beider
eben besprochenen Hochländer geht nach Westen unmittelbar in das Ebohochland über, das ja, wie erwähnt, auch
nichts
weiter ist, als der aufgebogene Rand des K.er Plateaus. Im nördlichen
Teil des Mbomassivs geht nach Osten hin das Bafiabergland, das man wohl
ebensogut als die Fortsetzung des Bamumhochlandes nach Süden ansehen
kann,
ebenso wie das Nguttebergland, das seine Fortsetzung nach Osten bildet.
Dann hätten wir also ein einheitliches Plateau, das sich von Norden und
von Westen senkt und in das sich Nun und Mbam in teils sehr engen
Schluchten
eingeschnitten haben. Es liegt ungefähr in 900 m, das Bafia- und das
Nguttebergland
und einzelne Inselberge von 300-500 m Höhe sind ihm aufgesetzt. Nach
Süden
fällt es mit der erwähnten Stufe zur Sanagamulde ab. - Im Quellgebiete
des Mbam liegt das Tikarplateau, das sich nach Osten aus der Mbammulde
allmählich bis zu Höhen von 1000 m erhebt. Im Innern sind ihm einzelne
Bergmassive aufgesetzt, die 1200 m und mehr erreichen, so die Ngua- und
Bumbaberge. Nach allen Seiten ist es von höheren, m eist bis 1200 m
hohen
Gebirgsrändern eingefaßt. Im Norden haben wir den Rand, der zu den
höheren
Hochländern, hier dem Kumbohochlande, emporführt. Im Osten erhebt sich
die Tibatischwelle, die Wasserscheide zwischen den beiden
Hauptnebenflüssen
des Sanaga, dem Mbam und Djerem bildend.
Sie besteht aus einer Reihe von Massiven, die ohne Stufe nach Westen zu
dem Tikarplateau, nach Osten zur Djerembucht abfallen. Im Süden liegt
das Dommegebirge, das mit steiler Stufe zur Sanagamulde abfällt und im
Westen in die Ngutteberge übergeht, wenn auch eine tiefe, 660
m hohe Senke dazwischen liegt. Das Dommegebirge ist wild und
unzugängiglich.
Die oberen Regionen sind steinig, mit weiten Blockhalden besetzt, die
oft fast alle Vegetation verhindern, ebenso wie es der Fall ist bei den
höchsten Teilen der Tbatischwelle. Die niedrig gelegenen Gebiete sind
mit Grassteppen oder Parklandschaften bedeckt, und nur an den Flußtälern
finden wir Galeriewald, der allerdings bis fast zu den Quellen
emporsteigt.
Der Verkehr meidet dieses ganze Gebiet,
und die Siedelungen, die von Bedeutung sind, liegen daher meist am
Rande.
Der größte Ort im Innern ist Ngambe, am Kim, einem
Nebenflusse des Mbam, gelegen. Joko, am Fuße des Dommegebirges gelegen,
ist ein wichtiger Straßenort, ebenso wie Tibati,
das am Fuße der Tibatischwelle liegt, schon fast in der Djerembucht. -
Von der Tibatischwelle nach Osten gehend, kommen wir in die Djerembucht
oder, wie die Fulbe sie nennen, das Siebenstromland. Das Quellgebiet des
Djerem, der es mit seinen Nebenflüssen bildet, streckt sich von Osten
nach Westen und bildet eine weite Mulde, deren Flüsse teilweise mit
Booten
befahrbar sind. Im Süden wird sie von der Sanagamulde durch die Ndumbischwelle
begrenzt, die den Djerem zu seinem ostwestlichen Laufe zwingt, bis er
umbiegt und sie in engem, mit Schnellen versehenem Tal durchbricht. Die
Ndumbischwelle bricht nach Süden mit einer steilen Stufe ab, ebenso wie
das Dommegebirge, das sie nach Osten fortsetzt. Das ganze Gebiet ist
wenig
bekannt. Nach Osten zu hebt sich die Djerembucht und die Ndumbischwelle allmählich,
um in das weite Baiaplateau überzugehen. Das Baiaplateau ist der
Quellknoten
aller wichtigen Flüsse, die nach Norden zum Tsadsee, nach Westen zum
Meer,
nach Süden zum Kongo und nach Osten zum Ubangi fließen. Hier entspringen
der Logone, der Schari, der Lobai, der Ssanga und der Sanaga. Im Norden
geht das Ngaunderehochland direkt in das Baiaplateau über, im Osten
sollen
nach Lenfant 2-3 ausgesprochene Stufen zum Logonetiefland hin vorhanden
sein, und im Süden senkt es sich allmählich zur Hochfläche von Süd-K.
herab. Die durchschnittliche Höhe ist 900-1200 m, und einzelne Berge von
1400 m Höhe sind ihr aufgesetzt. Das Hochplateau wird durch den
Mberegraben,
einen tiefen Grabenbruch mit 400 m
hohen steilen Rändern, in zwei Teile geteilt. Im Norden haben wir bis
zum Wina eine ziemlich gleichmäßige Hochfläche, die sich wohl nach Osten
zuerst ganz allmählich bis zu den Lukubergen senkt, um dann bis zum
Zusammenfluß
des Wina und des Mbere schnell zu sinken. Im Süden des Mbere liegt das
Hochland von Jadé, ebenfalls eine weite, aber bereits von der Erosion
aufgelöste Hochfläche, die mit dreien, das Plateau in einem vollen
Halbkreis
umziehenden Stufen nach Osten abfallen soll. Eine Reihe von Bergen, von
den Bumbabalbergen im Norden bis zu den Karebergen im Osten sollen die
aufgebogenen Ränder der ersten Stufe darstellen. Zur Pluvialzeit soll
nach Lenfant der Tsadsee den Fuß des Hochlandes von Jadé bespült haben,
so erklärt er die Sand- und Geröllmassen, die die Täler erfüllen. Nach
Osten setzt sich dann das Plateau zur Wasserscheide zwischen den
Zuflüssen
des Schari und Ubangi fort. Es herrscht hier derselbe
Landschaftscharakter
wie im Süden, nämlich weite Ebenen mit einzelnen Massiven oder
Inselbergen.
Das Hochland von Jadé besteht zur Hauptsache aus Granit; Kristalline Schiefer sollen
hauptsächlich
an den Flußschnellen auftreten. Am mittleren Mambere und Nana sollen rote Sandsteine auftreten, die
beträchtliche
Steilhange bilden. Ob wir im Süden einen allmählichen Übergang zu den
Plateaus am Ssanga haben, oder ob ein Steilrand vorhanden ist, läßt sich
aus der Literatur nicht feststellen. Doch haben wir noch südlich des Uam
im Hochland von Buar eine Hochfläche von über 1000 m Höhe. Die Flüsse,
die von dem Plateau nach allen Seiten abströmen, sind tief
eingeschnitten
und sollen an jeder der drei von Lenfant angenommenen Stufen Schnellen
besitzen, während dazwischen teilweise fahrbare Flußstrecken liegen. Die
Vegetation ist Gras, auf den Höhen lichter Wald, während die Gipfel
wahre
Blockmeere darstellen, in denen die Dörfer der Eingeborenen vorzügliche
Deckung besitzen. Die Hochflächen sind vielfach mit Laterit besetzt.
Kunde,
im Süden vom Hochland von Jadé gelegen, ist der wichtigste Ort im neu
erworbenen Gebiet, ein Kreuzungspunkt wichtiger Straßen. Das ganze
Hochland
ist nach dem Dorfe Jadé genannt, das im Mittelpunkt der Hochfläche
liegt.
Nach Lenfant ist Bugaruia der wichtigste Ort des Gebietes.
c) Die Massivregion von Adamaua. Wie wir gesehen haben, steht man im
Norden
des Plateaus von K. vor einem gewaltigen Absturz. Wir schauen vom Rande
dieser Stufe in weite, tief gelegene Alluvialböden und Gesteinsflächen,
aus denen aber gewaltige, steil nach allen Seiten abfallende Massive
sich
erheben, deren plateauförmige Oberfläche die gleiche Höhe besitzt, wie
der nördliche Teil des Plateaus von K., etwa 2000 m und mehr Höhe. Der
Schluß liegt nahe, eine Fortsetzung des Plateaus nach Norden zu
konstruieren.
Es ist aber ein noch offenes Problem, ob diese Massive stehengebliebene
Horste einer in weiten Gebieten abgesunkenen Hochfläche sind, ob also
der Nordrand von K. einem Bruche seine Entstehung verdankt, oder ob die
Erosion des Wassers und des Windes die Massive aus der Hochfläche
herausgearbeitet
hat. Daß diese Erosion beträchtlich ist und in früheren Zeiten noch viel
beträchtlicher war, ist wohl anzunehmen. Wir haben hier im ganzen
Gebiete
in vorzüglicher Ausbildung den Charakter der Inselberglandschaft: f ast
völlig ebene Gesteinsflächen, die über weite Räume sich hinziehen, und
daraus erheben sich in großer Zahl Berge mit steilen Hängen, deren Fuß
teilweise mit Schutt verhüllt ist. Durch das Benuetal wird eine
Zweiteilung
der Massivregion von Adainaua vorgenommen. Wir haben also 3 Gebiete: die
Massive von Mitteladamaua, das Benuetal und die Massive von Nordadamaua.
Mitteladamaua können wir im Westen begrenzen durch eine Linie, die wir
von den Ausläufern des Baliplateaus im Norden bis zum nördlichsten
Punkte
des Benue ziehen. Im Süden haben wir den Steilrand des Plateaus von K.,
im Norden das Benuetal und im Osten die letzten Ausläufer des
Ngaunderehochlandes.
Im Norden des Steilrandes von Südadamaua gelangen wir -zuerst auf eine
Reihe von Inselbergplatten, die nur durch niedrige Wasserscheiden
voneinander
getrennt sind. Es sind das von Westen nach Osten: die Inselbergglatte
von Gaschaka, die Farobucht, die Benuebucht und die
Inselbergplatte von Bubandjidda. Die Inselbergplatte von Gaschaka wird
von dem Taraba und seinen Nebenflüssen entwässert. Die Ebenen liegen in
einer Höhe von 250-400 m, während die Inselberge aus einem Plateau von
1000-1500 m Höhe herausgeschnitten zu sein scheinen, so z. B. der
Alkasin.
Im Süden wird die Platte durch das Kumbohochland begrenzt, im Norden
durch
das steile Massiv des Tschebtschigebirges. Im Osten erhebt sich das Land
nur wenig; ebene Flächen in der Höhe von 600 m bilden die Wasserscheide
gegen die Bucht von Faro. Nach Westen öffnet sich die Bucht gegen das
breite Benuetiefland. Die Inselbergplatte von Gaschaka setzt wegen der
breiten Talflächen dem Verkehr kein Hindernis entgegen. Die Vegetation
besteht aus einer lichten Buschsteppe, die teilweise in eine
Parklandschaft
übergeht. Der einzige, wenig bedeutende Ort ist Gaschaka, am Fuße des
Kumbohochlandes gelegen. Nach Osten zu gelangt man über eine nur 550 m
hohe Wasserscheide in die Farobucht, die vom Faro und seinem
Nebenflusse,
dem Mao Deo, entwässert wird. Im Norden
ragen
die Massive des Alantikagebirges und des Ssarigebirges, zwischen denen
der Faro nach Norden zum Benue fließt, empor. Im Süden liegt der
geschlossene
Wall des Ngaunderehochlandes, das im Osten der Farobucht einen Vorsprung
nach Norden sendet, das Karnagebirge, während gleichzeitig von Norden
aus vom Ssarigebirge ein Basaltplateau ausgeht, die
zusammen mit dazwischenliegenden Massiven die Wassergegen die Benuebucht
bilden. Die Farobucht ist eine von einzelnen Inselbergen überragte
Ebene,
die im Innern noch wenig bekannt ist, und deren Vegetationsdecke wohl
zur Hauptsache in Steppenbuschwald besteht. Im Westen liegt der Ort Kontscha,
an der Hauptroute nach Norden. Mehrere bequeme Übergänge führen zwischen
den Massiven im Osten der Farobucht zur Benuebucht hinüber. Diese, im
Quellgebiet des Benue gelegen, geht nach Nordosten unmittelbar in die
Inselbergplatte von Bubandjidda über. Der Benue reicht tief in die
Hochfläche
von Ngaundere, südlich der Karnaberge, hinein. Die Ebenen im Norden
bestehen
überwiegend aus Gneis, besitzen eine Höhe
von 300-400 m und werden von zahlreichen Inselbergen und kleinen
Massiven
überragt. Weiter im Osten scheint die Inselberglandschaft, nach den
Karten
zu urteilen, allmählich in die Ausläufer des Ngaunderehochlandes
überzugehen,
um sich dann gemeinsam zum Kebbigneisland hinabzusenken. Auch hier
scheint
überall Buschsteppe vorzuherrschen, die sowohl Ebenen wie Inselberge und
Massive bedeckt. - Wir kommen dann weiter im Norden zwischen den eben
besprochenen Inselberglandschaften und dem Benue zu einer Gruppe von
vier
größeren Massiven, die wieder kleinere Inselbergplatten zwischen sich
einschließen. Im Westen beginnend haben wir, zum größten Teil allerdings
auf englischem Gebiet liegend, das Tschebtschigebirge, ein in nordöstlicher
Richtung gestreckter Wall von 1800-2000 m Höhe, das durch die Erosion
teilweise tief zerschnitten ist. Es besteht zur Hauptsache aus Granit,
dem Basaltdecken aufgesetzt sind, während im Norden die Hänge schon von
Benuesandstein gebildet werden. Wie alle diese Massive ist es mit Buschwald bedeckt. Im Osten folgen das Werregebirge
und das Alantikagebirge. Das Werregebirge steigt direkt mit steilen
Hängen
aus dem Benuetal bis zu über 1200 m Höhe an. Das Alantikagebirge bildet
einen langen nach Nordosten gestreckten Zug von ca. 2000 m Gipfelhöhe
mit außerordentlich steilem Abfall nach Osten. Zwischen beiden zieht
sich
eine breite Ebene nach Norden. Inmitten der drei bereits behandelten
Massive
liegt die Dalamiplatte, die nach
Süden zu in die Laroplatte übergeht. Das nächste Massiv nach Osten zu
ist das Ssarigebirge, das eine Höhe von ca. 2000 m haben soll. Es ist
durch die nur schmale Ebene des unteren Faro vom Alantikagebirge
getrennt.
- Das Benuetal liegt bei Garua nur 210 m
hoch und ganz im Osten bei Rei Buba
erst
277 m. Aus dem englischen Gebiet im Westen zieht sich die Region des
Benuesandsteins
bis östlich von Garua in deutsches Gebiet hinein. Die
Oberflächengestaltung
dieses Sandsteingebietes ist schwach hügelig, nur zuweilen heben sich
einige Sandsteinketten oder aus dem Sandstein hervorragende kristalline Inseln über
das allgemeine Niveau. Dann bricht der Sandstein mit steilem Rand nach
Osten ab, doch haben sich einzelne Zeugenberge aus Sandstein, die dem
Grundgestein aufgesetzt sind, erhalten, so z. B. das 300 und mehr Meter
hohe Tengelingebirge. Weiter im Osten folgt dann ein hügeliges Terrain,
das allmählich in das Kebbigneisland, dem zahlreiche Inselberge
aufgesetzt
sind, übergeht, so z. B. die Hossere, Gore,
Duli und Basima. In den Flußtälern sind hier überall mächtige Alluvionen abgesetzt. Baum- oder Buschsteppe
bedeckt
das ganze Land. Der wichtigste Ort des ganzen Nordens unserer Kolonie
ist Garua am Benue, mit Schiffahrt zum Niger. Ferner kommt Rei Buba am
Mao Rei in Betracht, dann Adumre, Bipare und Lame, meist große
Siedelungen
der Eingeborenen und an wichtigen Straßen gelegen. - In Nordadamaua
bildet
nur ein einziges Massiv den Knotenpunkt aller Gewässer, die von ihm
allseitig
abfließen. Es ist das das Mandaragebirge, ein Plateau von 800-900 m Höhe
mit Gipfelhöhen bis zu 1200 m, in südwestlich- nordöstlicher Richtung
gestreckt und durch die Erosion und breiten Ebenen von allen Seiten
zugänglich
gemacht. Im Innern haben wir ein relativ geschlossenes Plateau, dann
folgen
die aufgelösten Ränder, die allmählich wieder in eine zuerst recht
geschlossene,
dann aber immer lichter werdende Inselberglandschaft übergehen. im
Westen
scheint der Abbruch des Plateaus ein ziemlich steiler zu sein, während
nach Osten und besonders nach Süden der Übergang zu den Ebenen des Tsad
und Logone und Benue ein viel allmählicherer ist. Bekannte Inselberge
oder kleine Massive sind im Süden der Hossere Holma,
im Osten die Hossere Ndili, Hossere Marua, der Mendif und andere. Die Vegetation des
Mandaragebirges
besteht meist aus Buschsteppe oder Dorngestrüpp, das aber ziemlich licht
steht. Die Siedelungen dieses Gebietes liegen am Fuße und in den Tälern
des Mandaragebirges, so vor allem Marua im Osten, das Zentrum von Nordadamaua, ferner
Mora im Norden. In dem Gebirge liegen die
weniger wichtigen Orte Gauar und am Westrand Madagali,
Mubi und Uba. Die Entwässerung des Gebirges wird vor allem von
Nebenflüssen des Benue und Schari aus besorgt, während der direkt in den
Tsadsee mündende Jadseram nicht weit ins Gebirge hineingreift.
d) Das Logone - Tsadseebecken. Im äußersten Nordosten unserer Kolonie
betreten wir weite Alluvialebenen. Die Grenzen dieses Gebietes, wo das
Gestein von Alluvien bedeckt ist, sind natürlich schwer festzustellen.
Außerdem tauchen vereinzelte Gesteinskuppen als Inselberge mitten aus
dem Schwemmland hervor. Im Mandaragebirge beginnen die Alluvien direkt
am Fuß der Berge, wo auch noch überall Inselberge auftreten, die erst
in weiter Entfernung vom Gebirge verschwinden. Dann greift das Tiefland
im Tal des Mao Kebbi weit nach Westen, aber im Süden dieses Flusses
tritt
sofort der Felsboden zutage. Weiter im Süden verläuft die Grenze des
Gneislandes
und Alluviallandes wohl nicht weit vom Logone entfernt, zieht sich dann
aber von Jerokol aus tief den Mbere entlang nach Westen hin. Die ersten
Schnellen des Logone liegen erst eben vor Kaitia. Von dort aus, von
Jerokol
geht die Grenze etwa nach Kagopal und Gore, um von hier aus direkt nach
Osten weiterzuziehen zum Bahr Sara. Der Tsadsee liegt etwa 290 m hoch, und
von dort aus steigt das alluviale Gebiet ganz allmählich nach Süden, mit
fast unmerklichen Neigungen bis auf 400 m an. Diese Alluvien bestehen
aus Lehmen und Sanden mit einzelnen Vorkommnissen von Kalktuffen. Die
Flüsse haben sich zum Teil mit steilen Ufern in diese Ablagerungen
eingeschnitten,
so daß in Gegenden, wo das Netz der Wasserarme sehr dicht ist, einzelne
Plateaus direkt herausgeschnitten sind. Man kann wohl annehmen, daß
früher
die Seebedeckung eine viel größere war, daß der Tsadsee vielleicht das
ganze Tsad-Logonebecken ausgefüllt hat. Die Franzosen nehmen an, daß
damals
ebenfalls ein jahreszeitliches Sinken des Seespiegels stattgefunden
habe,
und daß dann die Flüsse die vielen regellosen und jetzt für die
Entwässerung
unnützen Trockentäler und Sümpfe geschaffen haben. Im ganzen
Logonebecken
soll der Grundwasserspiegel ständig eine gleiche Höhe haben, und zur
Regenzeit
ein Teil der Flüsse, so z. B. der Penndé, die größte Menge ihres Wassers
an das Grundwasser abgeben. Der Penndé erhält durch
seine Nebenflüsse ungeheure Wassermengen zugeführt und ist zur Regenzeit
doch nur 80 m breit im Unterlaufe. Dagegen führen Uam und Logone zur
Regenzeit
ganz bedeutende Wassermassen in den Tsadsee und überschwemmen ihre Ufer
auf weite Strecken hin. Der Tsadsee hat ein Areal, das im Laufe der Zeit
die größten Schwankungen gezeigt hat. Nachtigal gibt es auf 27 000 qkm
an. Augenblicklich sind überhaupt nur noch zwei Becken ständig mit
Wasser
bedeckt, eins vor der Mündung des Schari und eins vor der Mündung des
Komadugu. Der Nordteil ist versandet. Die Uferlinie ist im Süden schwer
festzustellen wegen der dichten Röhrichtdickichte, die kaum zu
durchdringen
sind. Im Osten ist der sog. Archipel, eine Unmenge von länglich
parallelen
Inseln, die wegen ihrer Form als Dünen
gedeutet wurden. Nach Osten geht der Bahr el Ghasal als tiefgelegene,
teils sumpfige Niederung nach Borku hinein, der als früherer Abfluß des
See angesehen wird. Jetzt ist der See abflußlos. Das Gebiet zwischen
Jadseram
und Schari ist ausgezeichnet durch die Unmasse von Kanälen und toten
Wassern,
die besonders vom Schari ausgehen und überall in den Tsad münden.
Einzelne
Inselberge ragen aus dem Tiefland auf, so der Mendif, dann die Kuppe von
Balda, ferner nördlich des Taburi die Berge von Daua. Der Boden ist auf
weite Strecken hier von dem sog. Firki bedeckt, einem schwarzen, zur
Trockenzeit
mit tiefen Rissen zerspringenden Humusboden. Zur Regenzeit bildet er
einen
unter Wasser stehenden Sumpf. Im Westen bildet der Jadseram die Grenze
des deutschen Gebietes. Er kommt vom Mandaragebirge, an dessen
Westhängen
er entlang fließt. Er steht mit seinen Nebenarmen mit denen der übrigen
Flüsse, die vom Mandaragebirge kommen, sowie mit denen des Schari und
des Logone in Verbindung. Doch sind alle diese Kanäle zur Trockenzeit
meist wasserleer. Die großen Kanäle, die vom Schari und Logone ausgehen,
sind er Sserbeal, der Sawal, der Mere
Rura, der Kulal Mardia und der Matia. In
letzteren münden die zwei vom Mandaragebirge herabkommenden Flüsse Jegoa
und Tsanaga. Eine interessante Tatsache ist, daß der
Schari in offener Wasserverbindung mit dem Benue steht und zwar
vermittelst
des Mao Kebbi und der Tuburisümpfe. Inwieweit und wie oft der Logone
hier
zum Benue seine Wassermassen sendet, ist noch nicht ganz bestimmt.
Wahrscheinlich
ist, daß der Benue und der Mao Kebbi im Laufe der Zeit, wenn der Mensch
es nicht verhindern wird, den Logone und damit wohl auch den Schari
anzapfen
wird und damit das Tsadseebecken zur Wüste werden ließe. Die Grenze des
deutschen Gebietes läuft den Logone und dann den Penndé, wie der
östliche
Logone besser genannt wird, hinauf bis Gore, um von dort nach Süden
weiter
zu verlaufen. Bei Gore liegt auch der Eintritt des Penndé in das
Alluvialland.
Westlich dieser Logonelinie liegt das sog. Zwischenstromland zwischen
Schari und Logone, das seit dem Novemberabkommen an Frankreich
abgetreten
ist. Am linken Ufer des Logone ist wahrscheinlich nur noch ein schmaler
Gürtel des Alluviallandes vorhanden, der sich aber wohl weit am
westlichen
Logone hinaufzieht. Zwischen Logone und Penndé liegt das Lakkaland,
fruchtbare
Ebenen, die oft mit 20 m steilen Rand zu den in die Alluvien
eingeschnittenen
Flüsse abfallen. Die Vegetation dieses Gebietes ist Buschsteppe und
Grasland.
Dieser Charakter ändert sich nördlich der Tuburisümpfe. Dort tritt die
Dornbaumsteppe auf, die den ganzen nördlichen Teil des Tsadbeckens
einnimmt
und die sich im Unterlauf des Schari zu einem dichten Dornbuschwald
verdichtet.
An den Flußläufen haben wir Sumpfvegetation und am Tsadsee einen wohl
20 km breiten Schilfgürtel. Die Siedelungen liegen zur Hauptsache an den
schiffbaren Strömen, so am Jadseram Bama
und Dikoa, am Schari Gulfei, am Logone Kusseri, Musgam, Lai, am Kebbi Lere. Lame
und Binder sind Knotenpunkte wichtiger
Straßen.
e) Das Ssangatiefland. Wir haben die Grenze zwischen dem Hochland von
K. und dem Ssangatiefland von Wesso nach
Bera Ngoko und von dort in einem nach Süden offenen Bogen, etwa zur
Mündung
des Lobai, gezogen. Der Beginn des Plateaus wird beim Ubangizipfel durch
die die Schiffahrt hindernde erste Schnelle des Ubangi,
die sog. Schnelle von Singa, angezeigt. Es ist nun aber nach der
französischen
Literatur nicht nachzuweisen, wo die Schnellen liegen, ob oberhalb oder
unterhalb der Einmündung des Lobai. Das Ssangatiefland bildet einfach
den nördlichen Teil des gewaltigen Kongobeckens und liegt in etwa 350-
400
m durchschnittlicher Höhe. Da das Gebiet nur von den Flüssen aus bereist
ist und noch niemand ins Innere gekommen ist, so ist schwer, etwas über
die Natur des Landes zu sagen. Wahrscheinlich ist, daß das mit dichtem
Urwald bedeckte Sumpfland zur Regenzeit, und das ist die längere Hälfte
des Jahres, zum größten Teil unter Wasser steht. Eines weiteren Urteils
muß man sieh wohl vorläufig enthalten. Der deutsche Ssangazipfel liegt
einerseits zwischen dem Kandeko- und Likuala- Mossaka und andererseits
dem Likuala-Essubi, oder wie die Franzosen ihn nennen, den Likuala aux
Herbes, beides Flüsse, die gemeinsam mit dem zwischen ihnen fließenden
Ssanga mit einem Gewirr von Flußarmen, sich in das Gewirr der Flußarme
des, Kongo ergießen. Auch noch weiter oberhalb ist der Ssanga mehrmals
mit den beiden Likuala durch Kanäle verbunden. Der Ssanga selbst fließt
in großen Windungen zwischen sumpfigen, undurchdringlichen Uferwaldungen
dahin, der Schiffahrt aber keine Schwierigkeiten bereitend, wenn es auch
oft schwer ist, in dem Gewirr von Flußarmen den richtigen
herauszufinden.
Die Vegetation des ganzen Gebietes ist dichtester Urwald, der schwer zu
durchdringen sein wird. Am südlichen Ende des Ssangazipfels liegt Bonga
am Kongo, ein aus einigen Hütten
bestehender
elender, sehr ungesunder Ort, der aber wegen seiner Lage für unsere
Kolonien
Wichtigkeit erlangen wird. Sonstige Siedelungen sind kaum erwähnenswert.
3. Gewässer. Man kann in K. fünf große Stromsysteme unterscheiden. Das sind:
a) die Flüsse, die
zum Meere fließen, b) die Flüsse, die dem Benue zufließen, also damit dem
Nigersystem angehören, c) die
in das abflußlose Tsadseebecken fließenden Flüsse, d) die zum Kongo und Ubangi
gehörenden Zuflüsse,
und e) ganz im Süden die Quellflüsse einiger Nebenflüsse des Ogowe. Die
Hauptwasserscheide geht bei
dieser Verteilung des Flußnetzes auf dem Nordrand des Plateaus von K. entlang,
und zwar vom Ebomassiv
ausgehend zum Bamendagebirge, dann auf dem Kamm des Kumbohochlandes zum Kamm des
Ngaunderehochlandes und von dort zum Baiaplateau, in dessen südöstlichem Teile,
dem Hochland von Jadé,
wir den Quellknoten des ganzen Gebietes besitzen. Hier entspringen der Sanaga,
die Quellflüsse des Ssanga,
der Uam, als Quellfluß des Schari, sowie die beiden Quellflüsse des unteren
Logone, der westliche Logone
und der Penndé. Die Wasserscheiden gehen von diesem Zentrum nach allen Seiten.
Die Wasserscheide
zwischen den Flüssen, die zum Meer abfließen, und denen, die dem Kongo
zufließen, geht auf der
Sanagaschwelle entlang, um von dort nach Süden in die Sumpfwasserscheiden der
Njemplatte überzugehen,
wo es schwer hält, die Quellflüsse verschiedenen Stromsystemen zuzuteilen.
Südlich des Dscha teilt sie sich
in zwei Äste, die die Quellen des Iwindo zwischen sich einschließen, die aber
beide wenig markant sind. Die
Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Tsadbeckens und denen des Kongobeckens
ist ebenfalls wenig
markant; sie senkt sich mit dem allgemeinen Niveau der Landschaften nach Osten
zu. Ein seltenes
Vorkommen ist, daß in K. zwei Stromsysteme, das des Tsadbeckens und das des
Niger untereinander durch
den Tuburisumpf in Verbindung stehen, und
daß zu den feuchten Jahreszeiten ein Teil des Logonewassers
dem Meere zugeschickt wird. Man nimmt an, daß hier eine Wasserscheideneroberung
vom Benue aus
stattgefunden hat, und daß der Mao Kebbi, der Ausfluß der Tuburisümpfe, bestrebt
ist, den ganzen oberen
Logonelauf sich tributär zu machen.
a) Die Küstenflüsse. Man kann unter den Flüssen, die ihr Wasser ins Meer
führen, zwei Arten
unterscheiden, je nachdem sie den der Küste parallel verlaufenden aufgebogenen
Rand des inneren Plateaus
durchbrochen haben, oder ob sie auf diesem entspringen. Danach spricht man von
Vorlandflüssen und
Hochlandflüssen. Zu ersterer Kategorie gehören alle kleineren Küstenflüsse sowie
auch der Kreuzfluß, der
allerdings nur mit seinem Oberlaufe auf deutschem Gebiet liegt. Solche sind z.
B. der Akpa Korum, der
Ndian, der Meme, ferner Mungo, Wuri und Dibamba,
sowie der Lokundje und Lobe und endlich im Süden
von Spanisch-Guinea der Ndua. Von den Flüssen, die
weit auf das Hochland hinaufreichen, ist der größte
der Sanaga, der von dem äußersten Ostrand des Hochlandes entspringt. Ferner
gehören zu dieser Kategorie
der Njong und der Kampo oder Ntem. Wir wollen mit den kleinen Vorlandflüssen
beginnen. Der Kreuzfluß
oder Cross River gehört nur in seinem Oberlaufe zu unserem Gebiet. Seine
zahlreichen Quellflüsse
entspringen auf dem Rand des Plateaus vom Manengubagebirge bis zum Baliplateau.
Er durchfließt dann in
westnordwestlicher Richtung das OssidingeTiefland und beschreibt auf englischem
Gebiet einen großen
Bogen, um die Westkameruner Massivregion zu umgehen. Er mündet mit einem
ausgedehnten Ästuar, das
mit dem Ästuar von Rio del Rey zusammenhängt. Der Kreuzfluß ist bis Mamfe schiffbar und führt daher
einen großen Teil des Handels des westlichsten Teils unserer Kolonien zum Meer.
Er fließt völlig von den
Quellen bis zur Mündung im Urwald, der aber nicht weit von seinem Talweg nach
Norden aufhört.
Ossidinge und Mamfe sind die wichtigsten an ihm gelegenen Siedelungen. Die
beiden nächsten in das
Rio-del-Rey-Ästuar mündenden Küstenflüsse sind der Akpa Korum und der Ndian,
ersterer die Grenze
gegen Nigeria bildend. Beide entspringen auf dem Anom-Bergland und fließen
völlig im Waldland. Sie sind
wohl nur in ihren untersten Mündungsgebieten schiffbar, wo sie durch ein
Netzwerk von Creeks mit dem
Hafen Rio del Rey verbunden sind. Der nächste ebenfalls in das Rio-del-Rey-
Ästuar mündende Küstenfluß
ist der Meme, der von den Rumpibergen herabkommend erst nach Süden fließt, dann
durch den
Kamerunberg nach Westen abgelenkt, diesen umfließt. Für die Schiffahrt kommt er
nicht in Betracht.
Jenseits des Kamerunberges münden im
Kamerunästuar die drei im Unterlauf
schiffbaren Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba. Der Mungo entspringt
an den Westhängen des Bamendagebirges, biegt dann nach Süden um und fließt
zwischen
Manengubagebirge und Kamerunberg hindurch, um mit einem Netzwerk von Creeks in
die Kamerunbucht
zu münden. Er ist bis Mundame, also bis zum
Beginn des kristallinen Vorlandes, schiffbar. Der Wuri, der
längste dieser drei Flüsse, ist bis Jabassi
schiffbar und entspringt mit seinen Nebenflüssen auf dem
Plateaurand vom Ebomassiv bis zum Manengubahochland. Seine Hauptquellflüsse, von
denen wohl der
Nkam der Hauptfluß ist, der das ganze Innere des
Manengubahochlandes entwässert, sind außerdem noch
der Dibombe, der vom Manengubagebirge kommt und bis Nganga schiffbar ist, und
der Makombe. An der
Mündung des Wuri liegt der Haupthafen der Kolonie Duala. Der dritte der in die
Kameruner Bucht
mündenden Flüsse ist der Dibamba, der bis Bengange Schiffahrt erlaubt und auf
den Vorbergen des
Ebomassives entspringt. Wir überschlagen die großen vom Plateau herabkommenden
Flüsse Sanaga und
Njong und treffen im Süden zuerst auf den Lokundje, der am Plateaurand
entspringt, für die Schifffahrt
überhaupt nicht in Betracht kommt. Schon 10 km von der Küste beginnen die
Schnellen. Wo der Fluß aus
der letzten Plateaustufe heraustritt, liegt Lolodorf. Ebenso wie der Lokundje
sind der Kribi und der Lobe
im Oberlauf tief eingeschnittene Erosionstäler, im Unterlauf von Schnellen
unterbrochene Flüsse, die für die
Schifffahrt unbrauchbar sind. An der Mündung des Kribi liegt in einer kleinen
Bucht der bedeutendste
Handelsplatz von Südkamerun, Kribi. Nahe der Mündung des Lobe liegt Groß-Batanga. Der Hauptfluß von
Spanisch-Guinea ist der Uelle, der mit seinen
Quellen auf deutschem Gebiet liegt und daher hier betrachtet
werden muß. Der Uelle entspringt bei Andum, verläuft erst in westlicher Richtung
und durchbricht 2 Stufen
des Plateauabfalles, jedesmal erst nördlich oder südlich an ihr entlang
fließend. Vom Meer aus ist der Uelle
20 km mit Dampfbooten schiffbar. Die Schiffbarkeit des Oberlaufes beginnt in Fen
und endet in Akulaban.
In dem südlich von Spanisch-Guinea gelegenen Munizipfel besitzen wir in dem
Temboni noch einen kleinen
schiffbaren Küstenfluß, der bis Ekododo mindestens für Küstendampfer befahrbar
ist. Der Temboni liegt nur
im Unterlauf auf d eutschem Gebiet, während der südlichere, ebenfalls in den Rio
Muni mündende Ndua
oder Noja fast ganz deutsch ist. Wieweit dieser
breite Fluß im Unterlauf schiffbar ist, muß sich durch die
Erforschung zeigen. -Von größerer Bedeutung sind die großen Küstenflüsse, die
Hochlandflüsse Kampo,
Njong und Sanaga. Der Kampo bildet an seinem Unterlaufe die Grenze gegen
Spanisch-Guinea. An seiner
Mündung liegt der Hafenplatz Kampo, die Schiffahrt auf dem Kampo ist aber von
hier aus nur einige
Kilometer weit möglich. Der Ntem, wie der Kampo auch heißt, entspringt etwa auf
12° 36' östl. L. südlich
der alten deutschfranzösischen Grenze und läuft zuerst bis Minvul in sumpfigen
Niederungen. Dann beginnt
die Schiffbarkeit bis zum Einfluß des Kom, der wohl
eigentlich der Hauptzufluß des Kampo ist. Beim
Einfluß des Ke, der von Süden kommt, ist er schon 200 m breit. Außer dem Kom
strömen ihm von Norden
noch mehrere wichtige Zuflüsse zu, so der Mboro
und der Mwila, die beide aus der Gegend von Ebolowa
kommen. Eine eigentümliche Erscheinung ist es beim Kampo, daß er sich zweimal
mitten im Gebirge in 2
Arme teilt, die erst nach kilometerlangem Lauf sich wieder vereinigen. Die erste
Gabelung findet auf der
zweiten Plateaustufe statt, und gleich darauf wiederholt sich das Phänomen noch
einmal. Die dritte
Gabelung liegt eben vor der Mündung und hat eine Länge von über 45 km. Der
ganze Lauf des Kampo
liegt in Urwaldgebiet. Weit wichtiger als der Kampo ist der Njong, der auf der
Njemplatte entspringt, im
westlichen Lauf den Plateaurand in tiefem, an Wasserfällen reichem Tal
durchbricht, um dann in ruhigem,
zuletzt südlichem Laufe dem Meer zuzuströmen. An seiner Mündung ist er über 600
m breit und bis
Dehane, also etwa 60 km, weit schiffbar. Dann treten die ersten Schnellen auf,
die sich, je mehr wir uns dem
Plateau nähern, mehren. Die Tappenbeckschnellen sind die letzten, und damit
beginnt auch wieder die
Schiffbarkeit des Njong, die bis Abong Mbang möglich ist. Die wichtigsten
Nebenflüsse des Njong sind der
Nkele, der vom Plateaurand herunterkommt und dem Ngong im Vorland zufließt,
sowie der Pfalla mit dem
Sso, die beide von Süden kommen und noch auf dem
Plateau münden. Im Unterlauf fließt der Njong im
Urwaldgebiet, im Oberlauf wird er von dichten Galeriewäldern bis hinauf zu
seiner Quelle umsäumt. An
seinem Oberlaufe liegt das wichtige Abong Mbang, der Endpunkt seiner
Schiffbarkeit, weiter unterhalb
Akonolinga. Der mächtigste der direkt zur Küste fließenden Flüsse ist der
Sanaga, der auf dem östlichen
Rande des Kameruner Plateaus entspringend, dieses also in seiner ganzen Breite
durchfließt. Auf seinem
ganzen Laufe fließt er hauptsächlich in westsüdwestlicher Richtung. An seiner
Mündung ist er durch
schiffbare Creeks mit dem Kamerunästuar verbunden. Seine Schiffbarkeit reicht im
Unterlauf nur bis Edea,
wo die ersten Schnellen auftreten. Er durchbricht den Plateaurand, wo dieser
seine Richtungsänderung
vornimmt, wodurch eine Weite Bucht gebildet
wird. Aber auch nach Überwindung der Stufe folgen sich eine
Schnelle nach der anderen, so z. B. die Nachtigalschnellen, so daß der Strom nur
auf einer ganz kurzen
Strecke von etwa 50 km unterhalb Ndo schiffbar ist.
Sein Quellfluß ist der Lom, der auf dem Hochland von
Jadé entspringt. Von rechts fließt ihm sein größter Nebenfluß zu, der Djerem,
der östlich von Ngaundere
entspringt und das Siebenstromland entwässert. Unterhalb hat der Sanaga bereits
eine Breite von 500-1000
m. Die nächsten Nebenflüsse von Norden sind der Djam und der Dschi, die beide
vom Dommegebirge
herabkommen. Unterhalb der Nachtigalschnellen mündet ebenfalls von Norden der
Nbam mit seinen
Nebenflüssen Kim und Nun. Alle von Süden kommenden Flüsse sind unbedeutend. Wir
sehen also, daß der
Sanaga den ganzen nördlich der Sanagaschnelle gelegenen Teil des Kameruner
Plateaus entwässert, und
außer einer kleinen Strecke im Mittellauf und eines Teils des Siebenstromlandes
nirgends Schifffahrt
erlaubt. Auch der Sanaga ist auf seinem ganzen Verlaufe auf dem Plateau von
dichten Galeriewäldern
umgeben. Wichtige Orte liegen weder an ihm noch an seinen Nebenflüssen,
ausgenommen Edea, den
Endpunkt der Schiffbarkeit des Unterlaufs.
b) Das Nigersystem. Die dem Nigersystem angehörenden Gewässer K.s fließen
nur dem diesem
tributären Benue zu. Der Benue, ein linker Nebenfluß des Niger, entspringt auf
dem Ngaunderehochland,
fließt zuerst nach Norden und biegt dann in großem Bogen, die Massivregion
Nordadamauas durchfließend,
in westliche Richtung um, und nimmt dann seine Hauptrichtung WSW ein. Er verläßt
das deutsche Gebiet
bei der Einmündung des Faro. Das ganze Benuesystem ist weit hinauf schiffbar.
Der Hauptfluß selbst ist bis
zur Einmündung des Rei schiffbar, und dieser Nebenfluß ist wieder bis Rei Buba
befahrbar. Der Mao Kebbi
ist bis Lere der Schiffahrt zugänglich, und der Faro und sein Nebenfluß Mao Deo bis Laro. Der
Benue bildet
also die natürliche Ausfuhrstraße für den ganzen Norden von K.
Von links empfängt der Benue eine ganze Reihe von Nebenflüssen, die auf
deutschem Gebiet entspringen.
Nur der Faro, der ebenso wie sein Nebenfluß, der Mao Deo, auf dem
Ngaunderehochland entspringt, ist
ganz deutsch und bildet nur in seinem unteren Laufe die Grenze gegen englisches
Gebiet. Die drei
nächstfolgenden, der Taraba, der Donga und der
Katsena-Allah, haben ihre Quellen auf dem
Kumbohochland. Der Taraba und der Katsena-Allah sind im Unterlaufe schiffbar,
doch reicht ihre
Schiffbarkeit nicht mehr bis auf deutsches Gebiet. Von den rechtsseitigen
Zuflüssen des Benue ist vor allem
der Mao Schufi oder Mao Rei, der von den östlichen Ausläufern des Plateaus von
Kamerun entspringt,
ferner der Mao Sidi und endlich der Mao Kebbi,
die beide östlich von Lame entspringen, zu erwähnen. Der
Mao Kebbi ist durch die Tuburisümpfe zur Regenzeit mit dem Logonesystem
verbunden, so dass dieses also
zeitweise einen kleinen Abfluß zum Atlantischen Ozean besitzt. Ein Nebenfluß des
Mao Kebbi, der Mao
Lue, kommt vom südlichen Teile des Mandaragebirges herunter. Zwei weitere
rechtsseitige Nebenflüsse des
Benue, der Tiel und der Kilangi, bilden stellenweise die Grenze gegen Nigeria.
Entsprechend der
Schiffbarkeit des Benue liegen eine Reihe bedeutender Siedelungen an ihm und
seinen Zuflüssen. In der
Nähe des Benue selbst liegt, allerdings noch auf englischem Gebiet, Jola, weiter oberhalb Garua. Am Mao
Schufi liegt Rei Buba, am Mao Kebbi Bipare und Lere. Am Faro bzw. Mao Deo liegen
Kontscha, Tschamba
und Laro.
c) Das abflußlose Tsadseebecken. Wie wir gesehen haben, entwässert zu
bestimmten Jahreszeiten ein
Teil des Logone zum Benue, aber der Betrag ist zu
geringfügig, als daß
man nicht das Tsadseebecken als ein abflußloses bezeichnen kann. Die für unser
Gebiet in Betracht
kommenden Zuflüsse des Tsadsees sind der Schari und sein Nebenfluß, der Logone.
Der Quellfluß des Schari ist der Uam, der auf dem Plateau von Jadé in der Nähe
von Buala entspringt. Er
fließt erst östlich und umgeht die Karéberge in einem nach Norden offenen Bogen.
Nach Lenfant sollen 3
Stufen überwunden werden, die jedesmal durch eine Reihe von Schnellen angedeutet
sind. Dazwischen
liegen Flußstrecken, die mit Booten befahrbar sind. Vom französischen Posten des
Uam ab ist die Schiffahrt
mit Booten abwärts möglich, also erst auf französischem Gebiet. Wie weit der
Unterlauf des Uam für die
Flußschiffahrt in Betracht kommt, ist noch unbekannt. Sein größter Nebenfluß von
links ist der Nana Baria,
der im Lande der TallaBaia entspringt, aber auch bald das deutsche Gebiet
verläßt. Der Uam mündet etwas
unterhalb Fort Archambault in den eigentlichen Schari, der fälschlich so benannt
wird. Dieser, der sich in
den Grib fortsetzt, ist bis Fort Crampel für die Gribingi fortsetzt, ist bis
Fort Crampe für die Flußdampfer
befahrbar und bildet eine vorzügliche Verkehrsstraße bis zum Tsadsee hin. Nur
der unterste Teil des Schari
bis zum Einfluß des Logone bei Kusseri bildet die deutsche Grenze. Der Logone
bildet bis zu dem Punkte,
wo er sich in seine zwei Quellflüsse teilt, die Grenze des deutschen und des
französischen Gebietes. Dort
übernimmt dann der Penndé, der östlichste der beiden, auch östlich Logone
genannt, die Grenzführung bis
zum Orte Goré. Der Penndé entspringt auf dem Hochland von Jadé. Man kann drei
Regionen unterscheiden.
Die erste von der Quelle bis Bi Namcor mit starker Erosion und daher vielen
Schnellen; die zweite bis
Dokula in welligem Terrain mit breitem Tal, wo Bootschiffahrt möglich ist, und
drittens von Dokula an, wo
wahrscheinlich Flußschiffahrt möglich ist. Die letzte Schnelle liegt bei
Dimbaia. Der westliche Logone ist
wahrscheinlich bis etwas unterhalb Kaitia für die Schiffahrt brauchbar. Oberhalb
Kaitia teilt er sich in drei
Quellflüsse, in den Lim, der vom Hochland von Jadé kommt, den Mbere, der den
Mberegraben durchfließt
und auf dem Westende des Baiahochlandes entspringt und den Wina, der seine
Quelle noch westlich von
Ngaundere besitzt. Ein weniger bedeutender Nebenfluß des Logone ist der Nia, der von den östlichen
Ausläufern des Ngaunderehochlandes herunterkommt. In ihrem Unterlaufe teilen
sich Logone wie Schari in
zahlreiche Nebenarme, die teilweise mit Nebenarmen des Jadseram sich treffen und
ein Netzwerk von
Kanälen bilden, die das ganze Logonetiefland durchziehen. Ein solcher Arm ist z.
B. der Ebeji, der vom
Logone ausgeht und nahe dem Jadseram in den Tsadsee mündet. Südlich von Musgam
geht der Matia ab, in
den die vom Mandaragebirge kommenden Flüsse Tsanaga und Jegoa münden. Der
Jadseram bildet die
westliche Grenze von Kamerun. Er entspringt auf dem südlichen Ende des
Mandaragebirges und fließt in
nördlicher Richtung zum Tsadsee, wo er, wie erwähnt, ein unentwirrbares Netz von
Mündungskanälen, die
mit denen des Schari-Logone zusammenlaufen, bildet. Wie das Benuesystem weist
auch das Tsadseesystem
eine größere Periodizität der Wasserzuführung auf, als die vorher behandelten
Küstenflüsse. Diese
Wasserzuführung richtet sich nach den Niederschlägen und kann beträchtliche
Schwankungen in der
Schiffbarkeit der Flüsse verursachen. Auch liegt hier eine Reihe bedeutender
Siedelungen an den
Wasserwegen. So liegt Bakassi am Zusammenfluß
von Logone und Penndé. Am Logone liegen ferner Lai
(französisch), Musgum, Kusseri, Gulfei; am Jadseram liegen Bama und Dikoa.
d) Das Kongosystem. Zu diesem System gehören die Flüsse, die dem Kongo und
seinem großen
Nebenfluß, dem Ubangi zuströmen. Das deutsche Gebiet reicht mit zwei schmalen
Zipfeln an diese beiden
Ströme selbst, und daher müssen diese erst kurz besprochen werden. Der Kongo
fließt vom Eintritt des
Ubangi an in südwestlicher Richtung. Von seiner Mündung aus ist er bis Matadi
schiffbar. Dann folgt
aufwärts der Abschnitt der Schnellen und Fälle, der bis zum Stanley Pool reicht. Von dort ist der Kongo
wieder dem Dampferverkehr offen. Das deutsche Gebiet erreicht den Kongo bei der
Mündung des Ssanga.
Der Ssanga entspringt mit seinem Quellfluß, dem Nana, auf dem Hochland von Jadé
und fließt in ungefähr
südlicher Richtung. Seine Hauptzuflüsse erhält er von rechts. Zuerst fließt ihm
der Mambere zu, der vom
Baiabochland kommt. Beide Flüsse besitzen ein ziemlich starkes Gefälle. Weiter
unterhalb mündet bei Nola
der Kadei, der bei Kunde entspringt, mit seinen Nebenflüssen, dem Dume, dem Bumbe und dem Libumbe.
Der Kadei fließt mit seinen Nebenflüssen im Oberlaufe auf den ebenen Flächen der
Njemplatte und wir
haben darum im Gebiet des Dume und Kadei eine große schiffbare Flußstrecke. Die
Endpunkte dieser
Strecken sind am Dume die Dumestation, am oberen Kadei der Ort Bakumbo und am
unteren Kadei der Ort
Delele. Unterhalb tritt der Kadei in eine Zone von Schnellen ein, die bis Nola
hin reichen. Bei Nola beginnt
die ungehinderte Schiffahrt des Ssanga, die bis zum Kongo hinunterreicht. Der
nächste Zufluß von rechts ist
der Dscha, der im Unterlauf auch den Namen Ngoko führt, ebenfalls auf der
Njemplatte entspringt, erst
westlich verläuft, dann aber in einem kurzen Bogen in ostsüdöstlicher Richtung
umbiegt. Der ganze
Oberlauf des Dscha wird durch Schnellen unterbrochen, so daß eine Schiffbarkeit
erst von Dongo oder
Ngoila möglich wird, da die letzten Schnellen
oberhalb Dongo liegen. Sein Nebenfluß, der Bumba, den er
von links empfängt, entspringt
ebenfalls auf der Njemplatte. Bei der Mündung des Ngoko verläßt der Ssanga das
gebirgige Terrain und tritt
in das Tiefland ein. Eine Reihe von Verbindungskanälen verbindet ihn mit zwei,
ihm parallel verlaufenden,
die deutsche Grenze bildenden Flüssen, dem Likuala-Mossaka und dem Likuala-Essubi oder Likuala aux
herbes. Ersterer entspringt auf französischem Gebiet am Ostabfall der Schwelle
von Guinea und ist bis zum
Orte Makua auf französischem Gebiet schiffbar.
Letzterer
entspringt im Tiefland zwischen dem Ssanga und dem Ubangi und ist bis Botunga
schiffbar. Das ganze
Flußgebiet des Ssanga liegt bis auf seine beiden Quellflüsse im Gebiete des
Urwaldes. Im Tieflande sind die
Ufer sumpfig, der Fluß teilt sich in viele Arme, besonders nach der Mündung in
den Kongo zu, wo dieser,
der Ssanga und die beiden Likuala, ein unentwirrbares Netz von Kanälen bilden.
Auch hier ist der
Wasserstand ein jahreszeitlich sich ändernder. Zur Regenzeit steht wohl das
ganze Gebiet des unteren
Ssanga unter Wasser. An der Mündung des Ssanga liegt Bonga, am Einfluß des Dscha
Wesso (französisch),
am Dscha Molundu, Ngoila, Dongo. Am Zufluß des Dume, dem Kadei, liegt Nola, an
jenem die
Dumestation. Am Bumbe liegt Gasa, am Mambere Bania und Carnot. Der Ubangi ist zur
Regenzeit bis
Bangi mit Dampfern befahrbar. Zur Trockenzeit sind die Schnellen von Singa ein
Hindernis. Es ist typisch
für die Gründlichkeit der Franzosen, daß sich nicht feststellen läßt, ob diese
Schnellen unterhalb der
Mündung des Lobai oder oberhalb liegen. Das ist wichtig für den Wert des
Ubangizipfels. Vermutlich liegen
sie oberhalb, da der Lobai noch 80 km weit schiffbar ist und in sumpfigen Ufern
fließt, und die Schnellen
meist das Aufhören des Tieflandes bedeuten. Der Lobai, als der bedeutendste
Nebenfluß des Ubangi auf
dieser Strecke, entspringt auf dem Plateau von Buar, einem Ausläufer des
Hochlandes von Jadé. Sein
Nebenfluß wieder ist der Mbaere, der zwischen Ssanga und Lobai fließt. Die
Nordgrenze des Ubangizipfels
bildet der Pama, dessen Lauf aber noch vollständig unbekannt ist. Ebensowenig
wissen wir von den
unterhalb des Lobai auf deutschem Gebiete entspringenden, dem Ubangi
zufließenden Flüssen, dem Ibenga
und dem Motaba.
e) Das Ogowesystem. Dieses Flußsystem reicht nur mit seinem nördlichsten
Teil in das deutsche Gebiet
hinein.
Die unteren Nebenflüsse des Ogowe, der Abanga und
der Okano, liegen nur mit ihren Quellen in Kamerun.
Nur der Iwindo mit seinen Nebenflüssen gehört in größerer Erstreckung zum
Kameruner Besitz. Der Iwindo,
in seinem Oberlauf auch Aina genannt, entspringt nicht weit von der alten
deutschfranzösischen Grenze. Er
verläuft erst in Sümpfen in östlicher Richtung und biegt dann nach Süden um. Bis
zur Mündung des
Karagua oder Je, der von Nordosten aus Altkamerun kommt und der bis Ntam mit Booten
befahrbar ist,
verläuft der Fluß noch auf dem Plateau. Dann treten Hügel auf, der Lauf wird
schneller, und einige
Schnellen, die aber von der Schiffahrt überwunden werden können, sind vorhanden.
Endgültig Schluß der
Schiffahrt ist in Kandjama. Der Dschua, der streckenweise die Grenze bildet,
fließt dem Iwindo ebenfalls
von rechts zu. Er ist bis fast nach Madjingo hinauf schiffbar. Der Nuna etwas unterhalb mündet von rechts,
dann ebenfalls von rechts der Ua und der Mvung.
Alle diese Flüsse sind wohl im Oberlauf teilweise fahrbar,
aber an ihrem Unterlaufe, ehe sie ins Tal des Ogowe kommen, haben sie, wie auch
dieser selbst, eine Reihe
von Schnellen zu überwinden. Zuletzt müssen wir noch den in die Gabunmündung
fließenden Komo
erwähnen, der im spanischen Gebiet entspringt und auf kurzer Strecke durch
deutsches Gebiet fließt.
4. Klima. K. bildet klimatologisch kein einheitliches Gebiet.
Es liegt auf der Grenze zweier großer klimatischer Provinzen, einmal der
Sahararegion und andererseits des Kongobeckens. Dazu tritt der tief
einschneidende
Winkel der Bucht von Guinea, die das Klima des Gebietes beeinflußt.
- Luftdruck und Winde. Wenn die Sonne südlich des Äquators steht, bildet
sich über Südafrika ein Minimum, das dann mit der Sonne allmählich nach
Norden wandert und im Juli über der Sahara mit einem Luftdruck von ca.
756 mm steht. Wir haben dann eine vorwiegend südliche Luftbewegung.
Einerseits
reicht der Südostpassat dann bis
in den Süden von K. hinein, andererseits wird er durch das Minimum
abgelenkt
und in einen Südwestwind verwandelt. In der heißen Zeit haben wir also
abwechselnd Winde aus Osten, Südosten und Südwesten. Dagegen haben wir
im Januar, wenn das Minimum in Südafrika liegt, und über der Sahara ein
relativ hoher Luftdruck von 760-764 mm herrscht, eine vorwiegend
nordsüdliche
Luftbewegung. Dieser zuweilen kalte und staubtragende Nordwind, der zur
kalten Jahreszeit vorherrscht, führt in Togo
den Namen Harmattan (s.d.). Außer
diesen
allgemeinen Luftströmungen herrscht an der Küste überall der tägliche
Wechsel von Land- und Seewind. Am Tage erhitzt sich das Land, und es
findet
eine Luftbewegung vom kühlen Meere zum Lande statt. Der Vorgang ist dann
in der Nacht der umgekehrte. Der tägliche und der jährliche Gang des
Barometers
ist wie im ganzen Tropengebiet ein sehr regelmäßiger. In Duala
beispielsweise ist die tägliche Schwankung 3 mm, und die beiden Maxima
liegen bei 9 Uhr 30 Min. vormittags und 10 Uhr 30 Min. nachmittags.
- Temperatur. Die Temperatur ist von 3 Faktoren
abhängig, vom Sonnenstand, d.h. vom Wandern der Sonne, von der Lage zur
Küste und von der Meereshöhe. Obwohl K. nördlich des Äquators liegt, hat
der Süden seine heißeste Zeit im Nordwinter. Es liegt dann die Isotherme
von 30° über der Kalahari in Südafrika,
und die Isotherme von 28° umschließt noch die Mitte von K. Im Nordsommer
ist das Hitzezentrum ins Innere der Sahara gerückt, die 32° Isotherme
geht durch den Tsadsee, die 28° Isotherme geht wieder durch die Mitte
K.s. Nach Lage und Höhe kann man nun verschiedene Regionen mit
verhältnismäßig
einheitlichem Klima unter scheiden. Das Küstenvorland besitzt eine im
Verhältnis zu seiner äquatorialen Lage mäßig hohe Temperatur. Mehrere
Gründe sind dafür maßgebend. Einmal reicht die kalte Benguellaströmung
(s. d.) bis in diese Breiten, wenn auch Duala selbst die warme
Äquatorialgegenströmung
besitzt. Dann herrschen in dem ganzen Gebiet westliche, also vom Meere
kommende und daher relativ kühle Winde vor. Ferner ist das ganze Vorland
mit Wald bedeckt, der überall zu einer Minderung der Temperaturextreme
beiträgt. Es sind darum sowohl die täglichen wie die jährlichen
Schwankungen
der Temperatur sehr gering. Die jährliche Amplitude ist nur etwa 2- 4°,
und ebenfalls die tägliche Amplitude bewegt sich in gemäßigten Beträgen
(etwa 2-8°). Der K.berg ragt als Kälteinsel aus dem Tiefland auf, da mit
der Höhe ja die Temperatur abnimmt. In seinen höheren Teilen ist er aber
kälter, als die Höhe allein es veranlaßt. Buea (980 m) hat eine mittlere
Temperatur von 19,6°. Plateaus zeichnen sich meist durch große
Temperaturschwankungen
aus, besonders sind die täglichen Amplituden und die extremen
Temperaturen
beträchtlich. Das ist auch bei dem Plateau von K. der Fall. Die
jährliche
Amplitude ist nur gering, nämlich ca. 2°. Die mittleren
Jahrestemperaturen
schwanken natürlich mit der Meereshöhe. Jaunde (731 m) hat 22,5°, Bali
(1340 m) hat nur 18,1° mittlere Jahrestemperatur. Dagegen beträgt die
mittlere tägliche Amplitude in Jaunde 10,5°, in Bali 11,1°. Die
Massivregion
von Nordadamaua wird sich im Gegensatze zu dem südlichen Plateau durch
weniger extreme Temperatur auszeichnen, doch fehlen hier bisher
Beobachtungen.
Wenn wir noch weiter nach Norden gehen, nähern wir uns allmählich dem
Saharagebiete, und damit wird das Klima kontinentaler und die Extreme
größer. In Kuka z.B. haben wir ein Jahresmittel von 28,2°, die jährliche
mittlere Amplitude beträgt 11°. Nach Osten zu, in der Gegend des Ubangi
lassen diese Extreme wieder etwas nach. Im Ssangatiefland, sowie im
südlichsten
Teil des K.-Plateaus haben wir außerordentliche Gleichmäßigkeit der
Temperaturen.
Leranga (0° 40' s. Br., 17° 38' ö. L.) hat eine mittlere jährliche
Schwankung
von nur 2,1°.
- Niederschläge. Die Jahresmenge nimmt im allgemeinen im Kongogebiet von
der Küste nach dem Innern zu, im mittleren K. dagegen umgekehrt von der
Küste nach dem Innern ab. Die Beträge sind etwa an der Küste von
Französisch-Kongo
1-1/2 m, am Kongo bis zu 2 1/2 m; an der
K.-Küste 3-5 m, auf dem Plateau 1 1/2-2 m und in Garua 749 mm, in
Kusseri
nur noch 464 mm. Die größte Regenmenge fällt bei Bibundi und Debundja auf der Westseite des K.berges (10-11 m).
Die Häufigkeit des Regenfalls nimmt ebenfalls von Süden nach Norden zu,
ebenso nach dem Innern. Die regenbringenden Winde sind hauptsächlich die
Westwinde, die vom Meere kommen, doch scheint auch das Kongobecken als
Feuchtigkeitsreservoir zu dienen, so daß im südlichen K. auch die
Südostwinde
Regen bringen. Im allgemeinen gilt die Regel, daß Gebirge die Winde zur
Abgabe ihrer Feuchtigkeit zwingen. Daher haben wir überall an den
Erhebungen
und Gebirgsrändern große Regenmengen. Die jahreszeitliche Verteilung der
Niederschläge ist in den verschiedenen
Gebieten
eine verschiedene. Im Küstenvorland östlich des K.berges haben wir eine
einzige Regenzeit mit ihrem Maximum im Juni bis September. Trockenzeit
ist nur im Dezember und Januar. Nach Süden zu erfolgt allmählich ein
Übergang
in die Gebiete mit zwei Regenzeiten. Batanga, Jaunde, Kunde ist etwa
die Grenze dieser Zonen. Nördlich dieser Grenze haben wir nur eine
Regenzeit,
wenn auch oft zwei deutliche Maxima angedeutet sind, im Süden haben wir
zwischen den Regenzeiten eine Trockenzeit. Westlich des K.berges ist
eine
Zone, die nahezu gar keine Trockenzeit besitzt. Was die tägliche
Verteilung
der Niederschläge anlangt, so fällt an der Küste von K. ausnahmsweise
der meiste Regen nachts, während er an der Kongoküste am Tage fällt, was
den tagsüber wehenden Seewinden entspricht. Im Innern dagegen haben wir
überall den Regen zur Hauptsache während des Tages fallend. Duala hat
fast 70 % Nachtregen, Jaunde dagegen 60 % Tagregen. Die Menge eines
einzigen
Regentages ist in unserem Gebiet oft sehr groß, an der Küste erreicht
sie die größten Beträge. In Debundja erreichte das Maximum des täglichen
Niederschlags im Juni 1902 456,2 mm, in Victoria 336 mm, in Bamenda nur
noch 113 mm. Die Gewitterhäufigkeit nimmt wie die Regenhäufigkeit von
Süden nach Norden zu. Ihren höchsten Wert erreicht sie in Baliburg mit
über 200. Der jährliche Gang der Häufigkeit ist in der ganzen Kolonie
ein gleicher, nämlich zwei Maxima im Zenitstand der Sonne, und zwar ist
diese Periode auch dort vorhanden, wo die Regenzeit nur einmalig ist.
Nur am Tsadsee hat die Gewitterhäufigkeit mit der Regenzeit nur eine
einfache
Periode. Die Tageszeit, in der die meisten Gewitter
auftreten, ist überwiegend der Nachmittag. Außer ziemlich häufig auf dem
Hochlande auftretenden Hagelfällen haben wir auf dem K.berg eine
zeitweilige
Schneebedeckung. Ein Sinken der Temperatur unter den Nullpunkt und eine
Eisbildung kommt auf den Hochländern wohl ebenfalls des öfteren vor. Für
die Vegetation der Hochländer ist die starke Taubildung, die dort
während
der Trockenzeit überall morgens einsetzt, von großer Bedeutung. Der
Feuchtigkeitsgehalt
der Luft ist an der Küste sehr groß, besonders zur Regenzeit. Nach dem
Innern zu nimmt er allmählich ab. In Duala beträgt die relative
Feuchtigkeit
etwa 80 %, am Tsadsee dagegen nur noch 65 %.
- Die vorstehend abgedruckten von Dr. Heldke aufgestellten
Klimatabellen
geben über die Verhältnisse von Duala (Küste), Baliburg (Hochland von
Südadamaua) und Kusseri (Logone-Tsadseebecken) Auskunft, die
nebenstehende
Tabelle über die Niederschlagsverhältnisse einer Reihe weiterer Orte.
5. Pflanzenwelt.
Wir kommen in K. von der Küste ausgehend in eine Reihe
von verschiedenen
Pflanzenformationen, die je nach Klima, Bodenbeschaffenheit und Höhenlage andere
sind. Zwei große
Formationen sind besonders charakteristisch, einerseits das Waldland und
andererseits das Grasland. Diese
beiden Formationen zeigen nun wieder eine Reihe von besonderen Ausbildungen,
deren jede einem
besonderen Typus entspricht, der über weite Strecken sehr gleichförmigen
Charakter aufweist. An der Küste
treffen wir zuerst auf einen Gürtel Urwald. - Das Waldland. Die Küsten der
Ästuare sind von einem Gürtel
von Mangrovewald umsäumt, dessen einzige Charakterpflanze die stelzfüßige
Mangrove ist, die auf
Brackwasser angewiesen ist. Aus dem
Mangrovewald entwickelt sich allmählich der Sumpfwald mit
dichtem Unterholz, dessen Charakterpflanzen Pandanus, Raphia, Phönixpalme (s. farbige Tafel ) u. a. m.
sind. Dieser wieder geht in den höheren Lagen in den eigentlichen tropischen
Urwald (s. farbige Tafel ), den
immergrünen Regenwald über. Die Verbreitung
dieses Waldes ist eine große in K. Er nimmt das ganze
Vorland, sowie den Süden des Plateaus ein und geht unmittelbar in den großen
zentralafrikanischen Urwald
über. Die Bäume werden etwa 40-60 m hoch, und zwischen den 20 und mehr Meter
hoch emporragenden
Stämmen entwickelt sich ein Lianendickicht, doch tritt der kahle Erdboden oft
zutage. Die häufigsten in ihm
vorkommenden Bäume sind der Wollbaum, der
Mahagonibaum, der Rotholzbaum, dann die Ölpalme und
endlich als wertvollster Bestandteil für die Ausnutzung die Kautschukarten
Kickxia und die Liane
Landolphia (s. Kautschuk). Der Hochwald verlangt 1500-2000 mm Niederschläge. Eine
Unterabteilung des
Hochwaldes ist der Alluvialwald, der auch dort gedeiht, wo weniger Niederschläge
vorhanden sind, aber der
Boden große Mengen von Feuchtigkeit enthält. Diese Waldformation entspricht dem
Sumpfwald und enthält
Raphia, Calamus, Lianen, im Gebirge auch
Baumfarn, Aroideen u. a. m. Wird der primäre
Urwald
vernichtet, so regeneriert er nicht wieder, sondern es bildet sich nur der
Buschwald aus Bäumen von 3-5 m
Höhe mit sehr dichtem Unterholz. Nur in sehr regenreichen Gegenden entsteht
später wieder hieraus der
Hochwald. Am K.berg finden wir zwischen 700-900 m den Ölpalmenwald, der als
überwiegenden Baum die
Ölpalme enthält. Wieder ein anderer Wald ist der nur über 1800 m Höhe
auftretende Höhenwald, der bis
2700 m hinaufreicht, der einen großen Teil des K.berges bedeckt, aber wohl auch
auf den Hochländern im
Innern vorkommt. Ganz andere Waldarten finden wir in den Steppengebieten mit
mehrmonatlichen
Trockenzeiten. Das ist der
Steppenbuschwald, dessen Bäume mäßig hoch, oft verkrüppelt, mit lederartigen
Blättern oder sogar mit Dornen versehen sind. Eine Form dieses Waldes ist die Obstgartensteppe.
Charakteristisch für ihn ist, daß die Bäume licht stehen, so daß die Kronen sich
nicht berühren. Eine andere
Form ist der Laubbuschwald mit laubabwerfenden Bäumen. Einzelne hohe Bäume: Butterbaum,
Leberwurstbaum, Tamarinde und auch Affenbrotbaum sind ihr eingestreut.
Vorwiegend aus Akazien besteht
der Dornbuschwald, der oft undurchdringlich für den Europäer ist. - Das
Grasland. Die zweite auf den
Gebieten mit Trockenzeiten vorkommende Pflanzenformation ist das Grasland, in
dem Gräser die
vorherrschenden Pflanzen sind. Die Gräser sind
in Büscheln, die bis 30 cm auseinander stehen, angeordnet
und erreichen beträchtliche Höhen. So ist das Elefantengras, das auf den Hochflächen in
sehr weiter
Verbreitung vorkommt, 6-7 m hoch. Das Grasland
ist von dem, die Flüsse an beiden Seiten begleitenden
Galeriewald und flachen, meist mit Sumpfwald bedeckten feuchten Niederungen
unterbrochen. Der Urwald
geht nicht direkt in das, Grasland über, sondern als Zwischenformation schaltet
sich meist die
Parklandschaft ein. Es ist das eine Landschaft, wo einzelne Waldparzellen mitten
im Grasland auftreten,
wiederum einzelne Grasparzellen mitten im Walde. Es sieht aus, als ob sich
Grasland und Waldland
gegenseitig bekämpfen. Die Charakterbäume dieser Formation sind Borassus,
Hyphaene, zwei Palmenarten,
und Adansonia, d. i. der Affenbrotbaum. Ebenso wie beim Waldland ist der
Übergang in den
Steppenbuschwald vom Grasland aus ein allmählicher. Hier bildet die sog.
Buschsavanne den Übergang. Es
ist das eine Formation, in der Grasflächen mit Inseln und Streifen von Büschen
und Buschwald abwechseln.
- Was die Verbreitung dieser Formationen anbelangt, so folgen sie sich im
allgemeinen als breite Streifen
von Süden nach Norden, wobei einzelne Inseln
besonderer Verhältnisse halber natürlich im Gebiete fremder Formationen
auftreten. Der Mangrovewald
bildet an der Küste einen schmalen Gürtel. Dann beginnt der breite Gürtel des
Urwaldes, dessen Nordgrenze
sich an den Westhängen des Plateaus nach Süden zieht, etwa beim Sanaga das
Plateau erklimmt und eben
nördlich von Jaunde, Kam, Dumestation, Nola und weiter nach Osten sich hinzieht.
Das Grasland, das die
nächste Formation ist, nimmt das ganze übrige Plateau ein. Die Massivregion von
Nordadamaua ist die
Region des Laubbuschwaldes, und nur im nördlichsten Teil trifft man schon auf
Dornbuschwald, der große
Teile des Tsadseetieflandes einnimmt. Das Logone-Scharitiefland ist teilweise
von schönem Weideland
eingenommen, in dem einzelne Partien von Sumpfland vorkommen. Weiter im Süden
scheint dagegen das
Weideland teilweise wieder in die Laubbuschsteppe überzugehen.
6. Tierwelt. Die Vertreter der K.er Tierwelt gehören vier großen
Tierprovinzen an, die sich in K.
berühren. Es sind vertreten: Gattungen des Sudans, des Kongobeckens,
Niederguineas und Oberguineas.
Außer nach diesen zoogeographischen Verbreitungsgesetzen richtet sich das
Vorkommen der Tierwelt
streng nach den Pflanzenformationen. Das Waldland beherbergt einige Tierformen, die sonst schon fast
ausgerottet sind und die in den Schlupfwinkeln des Waldes sich noch erhalten
konnten. Charakteristisch für
das Waldland sind besonders die Menschenaffen, Schimpanse und Gorilla, dann einige Halbaffen, ein
Schuppentier, der Potanogale velox, ein Insektenfresser; ferner kommen folgende
bekannte Arten vor: der
rote Büffel, der Buschbock, das Pinselohrschwein, das Flußpferd, der Elefant, letztere aber auch
ebenso
häufig in der Savannenregion, der Leopard, mehrere Stummelaffen und eine ganze
Anzahl anderer Affen.
An Vögeln ist das Waldland arm, wenigstens fallen sie dem Auge des Reisenden
wenig auf. Hier ist die
Heimat des Graupapageis. Die Savannenregion ist durch das massenhafte Auftreten
der Wiederkäuer
charakterisiert, besonders einer Menge von Antilopen- und Gazellenarten. Der
rote Büffel des Waldlandes
wird durch den großen, schwarzen Büffel ersetzt. An Raubtieren, die diesen
Tierarten folgen, treten zum
Leoparden noch Löwe, Hyäne, Schakal und wilder
Hund. Zum Elefanten kommt das Nashorn. Bei den
Affen treten die Paviane hervor. Dann Zebra, das
Erdferkel und eine große Anzahl von wühlenden
Tieren,
besonders Nagetiere. An Vögeln treten auf: die
Strauße und eine große Anzahl von
Hühnervögeln, Trappen
und im Norden eine Unmenge von Wassergeflügel. Ebenfalls im Norden treten dann
Giraffe und Zebra als
Charaktertiere hervor. S. a. Tierwelt der Schutzgebiete, Zoologie und Tafel 79/80.
7. Eingeborenenbevölkerung (s. Tafel 58, 78, 81 -86). K. ist
in. der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Schauplatz großer
Wanderungen und Völkerverschiebungen gewesen.
Es stoßen hier 3 verschiedene Wanderrichtungen zusammen, und die
Wanderungen
sind heute noch nicht ganz zum Stillstand gekommen. Es kommt daher oft
vor, daß Nachrichten älterer Reisender über Wohnsitze
von Stämmen heute nicht mehr stimmen. Die drei in Frage kommenden
Wanderrichtungen
sind folgende: die erste, wahrscheinlich älteste Völkerbewegung kam aus
Süden oder Südosten, veranlaßt von den in Ostafrika
nach Süden drängenden Völkerschaften. Es sind dies die Bantustämme. Die
zweite Wanderstrasse benutzte wahrscheinlich die NilKongowasserscheide
und hat eine direkt ostwestliche Richtung. Es sind das die Fangvölker.
Und die dritte Richtung ist ein nordsüdliche, im allgemeinen das
Bestreben
der Saharavölker, in die fruchtbaren Gebiete des Sudans einzudringen.
Sprachen. Wir wollen erst die Sprachen, die in unserem Gebiet gesprochen
werden, betrachten. Die Bagielli, die
über das äquatoriale Waldland verbreitete Urbevölkerung, sprechen ihre
eigene noch wenig bekannte Sprache. Sie sprechen aber überall daneben
die Sprache der Stämme, in deren Gebiet sie sitzen. Das Arabische wird
nur von den Schua, südlich des Tsadsees
gesprochen, ist aber als die Sprache des Islams, die Schriftsprache der
ganzen mohammedanischen Völker und wird darum auch in einem großen Teile
Nord-K.s verstanden (s. Araber). Zwei
Sprachen,
die zusammengehören, sind das Ful, das die
Fulbe sprechen (s. Fulbesprache),
und das Kanuri. Beide Sprachen zeigen Verwandtschaft
mit dem Somali, wenn sie auch vieles aus
den Negersprachen schon übernommen haben, und sind also wohl hamitisch.
Die Sprachen der Neger zerfallen in 2
große
Gruppen, in die Sudansprachen
(s.d.)
und die Bantusprachen (s.d.). Beide haben gemeinsam,
daß die Präfixe gegenüber den Suffixen für die Bildung von Begriffen
außerordentlich
hervortreten. Die Sudansprache umfaßt eine große Anzahl von Sprachen,
die unter einander sehr verschieden sind, und die einzelnen Volksstämme
der Sudanneger können sich also nicht
untereinander verständigen. Gemeinsam aber ist allen die
Eigentümlichkeit,
daß die Worte einsilbig sind und verschiedene Tonhöhe besitzen. Zu der
Sudansprache gehört wohl auch das Haussa,
das als Verkehrssprache für K. sehr wichtig ist. Die Grenze zwischen
Bantu-
und Sudansprache fällt ungefähr mit der Waldgrenze zusammen. Doch kommen
sowohl in dem Bereich der Sudansprachen einzelne Enklaven von Bantu
sprechenden Völkern vor, wie auch umgekehrt Sudanneger im Gebiete der
Bantu sitzen. Die Bantusprache zerfällt eigentlich nur in eine große
Anzahl
von Dialekten, und die Völkerschaften können wenigstens zum Teil sieh
untereinander verständigen. Hier muß der Fang erwähnt werden, einer
großen
Völkergruppe, die in Süd-K. sitzt, mit Bantusprache, die aber viele
Sudanwortstämme
enthält, was neben der anthropologischen Gleichheit dazu geführt hat,
daß man sie als Sudanneger erkannt hat, die nur die Bantusprache
angenommen
haben.
Die Bagielli. Dieses Pygmäenvolk bewohnte früher vor der Einwanderung der eigentlichen Neger den ganzen
afrikanischen Kontinent. Jetzt lebt es zurückgezogen im Urwald. Wir
finden
sie in K. wohl im ganzen Urwaldgebiet. Im Randgebirge südlich des Sanaga
sind sie nachgewiesen, ebenso sind sie noch zahlreich im ganzen
Ssangagebiet
bis zu den Zuflüssen des Kadei und Mambere. Auch in Spanisch-Guinea und
im südlichen deutschen Gebiet sind sie in kleinen Gruppen zerstreut. Sie
sind bei den Dzimu unter den Namen Babinga,
bei den Fang als Baiagga, bei den Küstenleuten als Bekue
oder Akoa bekannt. Noch andere Namen sind Beköä, Bequelle,
Boyaelli, Bakolo, Ebajagga. Sie sind 1,45 bis 1,50 m hoch, haben
lange
Arme, sind brachyzephal und prognath, haben wolliges Haar, relativ helle
Hautfarbe. Sie wandern als Elefantenjäger weit umher und tauschen das
Fleisch bei den Bantus gegen Maniok und Bananen
ein. Die Elefanten töten sie mittels großer Assagaien, die sie ihnen in
den Leib stoßen. Ihre Hütten sind armselig, aus Laub und Zweigen gebaut
und zwischen Felsen oft versteckt. Sie sollen von sanften Sitten sein,
Blutvergießen verabscheuen und auch ziemlich hohe religiöse Begriffe
haben.
Sie tatauieren sich selten und dann nur linear.
Die Neger. Die zwei Gruppen, die man sprachlich, bei ihnen unterscheiden
kann, lassen sich anthropologisch nicht ganz einhalten. Der Wuchs ist
mittelgroß, die Gliedmaßen muskulös, der Körper kräftig, oft schön
gebaut.
Das Gesicht ist rund, mit breiten Backenknochen, dicken, aufgeworfenen
Lippen, breiter, flacher Nase und niedriger Stirn. Die Schädelform ist
äußerst wechselnd, die Kiefer aber meist prognath. Die Hautfarbe ist
meist
ein rötliches Braun, wechselt aber ziemlich. Das Haar ist wollig und
kräftig,
der Bartwuchs ist gering. Im allgemeinen sind 2 Typen zu unterscheiden
unter den Negern, die aber gemischt in Sudan- und Bantugruppe vorkommen.
Der erste Typ ist klein, kräftig, häßlich, mit dicken Nasen und
typischen
Negergesichtern. Der zweite Typ ist dagegen hochgewachsen, schlank, mit
schmalen Nasen und weniger aufgeworfenen Lippen, auch oft heller
Hautfarbe.
Der erstere wird durch die ältere Bantugruppe, dann die Domme,
Mambila, Bansso,
Dumbo
und Bafum, ferner durch die Musgu und Kotoko vertreten. Zur 2. Gruppe gehören die Fang,
die Baia, die Batta, die Margi u.a.
Man nimmt an, daß der 2. Typ durch Mischung mit hamitischen und
semitischen
Völkern entstanden ist. Körperverunstaltungen, Tatauierung,
Stammesmarkierung, Beschneidung kommen überall vor.
- Bantuneger. Die Bantuvölker kann man in zwei Gruppen einteilen, die
durch die Fang voneinander getrennt sind: einmal die K.- oder
Dualagruppe
und andererseits die Makagruppe oder Bangalagruppe, wie sie nach den am
Kongo sitzenden Bangala genannt wird, die aber nicht mehr auf deutschem
Gebiet wohnen. Die Dualagruppe zerfällt wieder in zwei Unterabteilungen,
in die Bakokogruppe mit nördlicher Wanderrichtung und in die
Bakundugruppe
mit südlichem Wandern.
Die Bakundugruppe sitzt im Küstenvorland um den Kamerunberg und nördlich von ihm. Sie grenzen
im Norden und Osten an Sudanneger, von denen aber nur die Boki im Tiefland sitzen. Sprachlich lassen sich die
Stämme der Bakundugruppe wieder in zwei Abteilungen teilen. Zu der ersten gehören die
Ekombe, die Bafo,
die Balong, die Barombi
und die Abo. Die Ekombe-Baji sitzen mit ihrem Hauptorte am Meine, die
Bafo in einem langen Streifen von Joh.-Albrechtshöhe nach Norden bis zum
Bamendagebirge. Die Balong wohnen am linken
Ufer des Mungo, treiben Handel, und die Barombi schließlich, zu denen
die Abo gehören, sitzen an den Seen und zwischen Mungo und Wuri. Zu der
zweiten Gruppe der Bakundugruppe gehören die Babondo, die am Unterlauf des Meme und nördlich
davon
sitzen; die Barue, die ihre Wohnsitze in
einem Streifen von Rio del Rey bis zu den Rumpibergen haben, die Mbonge,
die südlich der Rumpiberge sitzen, die Bakundu, die einmal im Nordwesten der Rumpierge
sitzen,
andererseits die Bakunduplatte im Norden des K.berges bewohnen. Außer
diesen beiden Gruppen gibt es noch eine Masse anderer Stämme, deren
Zugehörigkeit
noch unbestimmt ist. Im Nordwesten der Rumpiberge zieht sich der Stamm
der Ngolo weit ins Rio-del-Rey- Tiefland. Nordwestlich
von ihnen sitzen die Odondop bis zur englischen Grenze. Nach Norden
folgen,
schon im Flußgebiet des Kreuzflusses, die Batanga und die Bakogo und nur
mit einem Teil auf deutschem Gebiet der große Stamm der Ekoi, der bis
zum Kreuzfluß selbst reicht. Östlich von diesen, südlich von Ossidinge,
sitzen die Keaka und die Obang. Die ganze Banjangbucht wird von dem großen
Stamm
der Banjang eingenommen, während die Anjang nur im Nordosten von Ossidinge wohnen. Dort
zieht sich auch ein kleiner Zipfel der zur Hauptsache auf englischem
Gebiet
sitzenden Boki, die den übrigen Bantustämmen völlig fremd gegenüber
stehen,
in deutsches Gebiet hinein. Östlich der Banjang, am Fuße des
Manengubahochlandes,
sitzen die Basgssi. An den Hängen des K.berges sitzen im Westen die Bambuko,
im Osten die Bakwiri, die beide vom
Norden
gekommen sind und der Bakundugruppe angehören. Weiter im Süden in der
Mungo-Wuribucht sitzen eine Reihe von Stämmen, deren Zugehörigkeit nicht
festgestellt ist, wie die Wuri, Pongo, Bodiman und Balong. - Die zweite Unterabteilung der
Dualagruppe ist die Bakokogruppe, die in der Sanagabucht und im Verlande
bis Kampo hinab ihre Wohnsitze hat. Am K.Ästuar
sitzen die Duala, ein Volk von 15000 Seelen. Dann kommen wir weiter im
Süden und Osten zu dem großen Volk der Bakoko,
die über den Njong hinüber reichen und im Osten weit auf das Hochland
hinaufgreifen. Man kann sie in mehrere Gruppen teilen. Am Sanaga sitzen
die Bassa, östlich von ihnen im Ebomassiv die Loko.
Südlich der Bakoko sitzen Mischstämme mit den Fang, die meist zu den
Jaunde
gerechnet werden. Im Flußgebiet des Lokundje
sitzen die Ngumba, die von Südosten erst in relativ junger Zeit
gekommen sein sollen. An der Küste wohnen die Batangaleute und etwas
weiter
im Innern auf der Strecke zwischen Lokundje und Kampo die Mabea.
-Die Bangalagruppe soll sprachlich von der Makagruppe abzutrennen sein.
Erstere ist danach der durch die Fang abgetrennte östliche Teil der
Pualagruppe
und muß sprachlich mit dieser vereinigt werden. Dagegen soll die
Makagruppe
mit Stämmen der Küste zu einer Gruppe sich vereinigen, die eine andere
Wanderperiode der Bantu repräsentiert. Wie weit das richtig ist, müssen
Sprachuntersuchungen lehren. Wir wollen nun zuerst die Bangalagruppe,
die sicher den vorher betrachteten Stämmen am nächsten steht, behandeln.
Es kommen dabei für unser Gebiet nur die Bafuru
des Ssangazipfels in Betracht, die sich am rechten Kongoufer, vom Likuala-Essubi bis hinunter zum Alima
erstrecken,
über die aber wenig bekannt ist. Nördlich der Bafuru sitzen die Baloi, die ebenfalls wohl zu dieser Gruppe gehören
und einen Zipfel nach Süden in unser Gebiet hineinsenden. Am Kongo
selbst
sitzen vielleicht auf unserem Gebiete noch die Bubangi,
die in ihrer Hauptmasse auf dem rechten Ufer des Kongo wohnen. Nördlich
dieser Völker treffen wir dann auf eine Reihe von Völkern, die, wie
erwähnt,
von den bisher behandelten Bantu abweichen, aber mit Völkern der Küsten,
mit denen sie nicht im Zusammenhang stehen, zu vereinigen sind, nämlich
mit den Baseke und den ihnen verwandten Völkern an der Coriscobucht und
weiter südlich. Nördlich der Bafuru soll ein Volk der Bufinde sitzen an
beiden Ufern des Ssanga. Weiter Ssanga
aufwärts kommt man dann in das Gebiet der Basangavölker des oberen
Ssanga,
der Kaka (?), Gundi und Bukongo.
Am ganzen Unterlauf des Dscha sitzen die Sanga-Sanga, ein wohl mit den
Basanga identischer Volksstamm. Sie werden auch als Misanga bezeichnet. Auf der Kunabembeschwelle
sitzen
die Bombassa und die Kunabembe. Nordwestlich von ihnen trifft man auf
die weit verbreiteten Stämme der Ndsem
oder
Dsimu (s.d.) und Njem (s.d.), was wohl alles dasselbe bedeutet. Sie
haben
die Kultur und Gewohnheiten der Fang angenommen, wurden deshalb viel mit
ihnen verwechselt, sind aber zu der Makagruppe gehörig. Sie senden einen
Keil nach Süden Iwindo abwärts und sitzen auch im Ngoko-Ssangawinkel.
Nördlich von ihnen sitzen die Kaka, die aber im Süden, südlich des
deutschen
Gebietes am Likuala noch einmal vorkommen sollen, und westlich der Bomome, die im Dumegebiet sitzen, treffen wir auf
die eigentlichen Maka. In den Süden unseres deutschen Gebietes ragen
noch
Teile von Völkern hinein, die zu einer großen Gruppe zusammengefaßt
werden,
welche ihr Zentrum einmal am mittleren Kongo und andererseits am unteren
Ogowe besitzt. Für uns kommen in Betracht: zwischen dem oberen Iwindo
und den nördlichen Zuflüssen des Likuala Mossaka die Bakota und um die Bucht von Gabun, sowie südlich und
nördlich davon die Mpongwe. Die Fang.
Dieses Volk, das erst in jüngster Zeit sich in die Gebiete der
Bantuneger
eingedrängt hat, spricht eine Bantusprache. Es sind aber ursprünglich
Sudanneger und zwar aus dem Nilgebiet, wo sie den Niain Niam nahe
stehen.
Sie sind, bis sie in ihr jetziges Gebiet kamen, weit herum gekommen. Es
wird angenommen, daß sie auf ihrer Westwanderung erst zum Ubangi kamen,
dann nach Norden drängten und darauf von den Fulbe nach Süden getrieben
wurden. Dabei haben sie alle unterwegs angetroffenen Völker vernichtet
oder aufgenommen. Ihre Südwestwanderrichtung, die noch andauert, wurde
durch das Erscheinen der Europäer an der Küste veranlaßt, ist also mehr
ein Drängen zur Küste. Jetzt ist ein Rückstoß eingetreten, seit einem
Jahrzehnt etwa geht die Wanderung nach Osten über den Iwindo gegen die
Bakota. Die Fang teilen sich in zwei große Gruppen, in die Betschi und die Makei, auch nach dem Satz, mit dem sie ihre Rede
beginnen:
Ich sage daß . . ., Masuna und Makina
genannt. Die Betschi sitzen im Nordwesten, die Makei im Südosten. Sie
teilen sich in eine ganze Anzahl von Stämmen, deren Name entweder mit
Eb ... (Makei) oder mit Es ... (Betschi) beginnt. Größere Völker unter
ihnen sind: im Norden, südlich des Sanaga sitzend, die Etun
und die Mwelle; dann südlich auf dem K.er Randgebirge und
seinen Hängen die Jaunde, die nach Aussage eines Sprachgehilfen des
Kolonialinstituts
noch in der vorletzten Generation Bati,
also
eine Sudansprache gesprochen haben sollen; östlich von ihnen die Bane, am mittleren Njong; darauf im Süden bis zum
Kampo
das große Volk der Bule am Kampo selbst,
an der Grenze von Spanisch-Guinea die Ntum,
denen die Okak in Spanisch-Guinea nahe stehen. Im Osten, am Ntem und am
Aina, die Mwai und weiter im Süden die
eigentlichen
Fang oder Pangwe.
- Die Sudanneger. Man hat Versuche gemacht, die Sudanneger in Gruppen
zu teilen, doch ist die Kenntnis von den einzelnen Stämmen noch
teilweise
so gering, daß man nicht viele Resultate erzielt hat. Der westlichste
Sudanstamm sind die schon erwähnten Boki, die im Nordwesten von
Ossidinge
sitzen. Auf dem Balihochland sitzen
eine Reihe von kleinen Stämmen, deren bekanntester der der Bali
ist. Westlich von ihnen sitzen auf dem Bamettaplateau die Bametta
und an den Abhängen und am Fuße des Abfalls die Muntschi.
Im Norden der Bali wohnen die Bafat und im Quellgebiet des Katsena-Allah
die Bafum. Im Osten auf dem Bamendagebirge
und seinen Abhängen kleine Stämme wie Bamenda, Bamessong und andere, und weiter im Osten dann
die Balikumbat und die Balibagam.
Auf dem zum Kamkessel abfallenden Rand des Hochlandes sitzen unter
anderen
die Bangangte, im Manengubahochland
die Elorng, Mbo und Bangwa und unzählige kleine Stämme. Auf dem Rand des
Hochlandes bis zum Eboplateau wohnen dann wohl Mischstämme zwischen
Bantu-
und Sudannegern, z. B. die Bafia. Im Nuntal und auf dem Bamumgebirge sitzen die
Bamum und östlich von ihnen im ganzen Tal des Mbam die Tikar. Auf dem Dommegebirge wohnt das Volk der Domme,
südöstlich von ihnen das große Volk der Wute, die die Sanagamulde einnehmen. Westlich von
ihnen
sitzen die Bati, an den Ufern des unteren Mbam; sie sind, wie die Wute,
in die von den Fang verlassenen Gebiete eingerückt. Mischstämme von
Sudan-
und Bantunegern sind wohl die Jebaka und Keperre
am Sanaga. Auf dem Kumbohochland sitzt eine Reihe von Stämmen, von denen
die Bansso die wichtigsten sind. Andere sind die Tukum
und die Mainbila, die weiter im Norden sitzen, ebenso wie die Bekom und
die Ndoro. Wir kommen nun zu den im Osten des Plateaus von K. wohnenden
großen Stämmen der Mbum und der Baia. Die
Mbum, im Osten auch Mberre genannt, wohnen auf dem Ngaunderehochland,
im Osten fast bis zum Penndé sich ausbreitend. Sie sind jetzt in ihrer
ganzen Masse deutsch. Die Baia (s. Tafel 78) werden mit mehreren
anderen
Völkern zu einer großen Gruppe zusammengeschlossen, besonders mit den
Yangere, deren Sprache der ihren völlig
identisch ist, und dann mit den Mandjia, die im Ubangizipfel auch auf
deutschem Gebiet sitzen. Die Baia teilen sich in eine Reihe von
Unterstämmen
und sitzen am Ostabfall des Hochlandes sowie teilweise schon im
östlichen
Tieflande. Ihre Verbreitung geht von Bania bis zum mittleren Uam und vom Sanaga bis zum oberen Lobai. Die
Unterstämme,
in die sie sich teilen, sind die Baia-Buri von Bania bis zum oberen
Mambere,
die Baia-Baia auf dem Baiahochland,
die Baia-Buar im Gebiet des oberen Uam und Lobai, die Baia-Kaia im
Gebiet
des oberen Logone, die Baia-Tala zwischen oberem Uam und Baria und
endlich
die Baia- Mbaka nördlich des unteren Uam. Man kann drei Dialekte bei
ihnen
unterscheiden, den ersten sprechen die Buri,
den zweiten die Buar, Kaia und Baia und den
dritten die Tala und Mbaka. Die Jangere
sind in mehrere Enklaven zerrissen. Die Hauptmasse sitzt wohl östlich
des Mambere, eine zweite westlich davon am Kadei, ferner eine Enklave
am mittleren Uam und eine andere, die nördlichste, zwischen oberem
Penndé
und oberem Baria. Das dritte Volk dieser Baiagruppe sind die Mandjia,
die von den Ndri in zwei Teile zerrissen worden sind. Die südliche
Partei sitzt am Ubangi zwischen Mpoko und Lobai. Wir müssen noch zwei
Enklaven dieser Gruppe erwähnen, die weit südlich in das Gebiet der
Bantuneger
verschlagen sind. Das sind erst die am unteren Bumba sitzenden Bangandu,
die zu den Baia zu rechnen sind, und zweitens ein kleiner Stamm Baia am
Zusammenfluß von Kadei und Dume. -
Sprachlich
von dieser Baiagruppe verschieden sind mehrere andere Völker, die in
Teilen
in deutsches Gebiet hinein reichen. Es sind einmal die Ndri, die den
Banda
nahe stehen und auf deutschem Gebiet am mittleren Lobai und in einer
kleinen
Enklave zwischen Mbaere und Lobai vorkommen. Ein anderer Stamm, der nur
zum ganz kleinen Teil in den Ubangizipfel hineinragt, ist das Volk der
Mbaga, die am Ubangi unterhalb des Lobai sitzen. - Mehr den Mbum als den
Baia nahestehend sind die Stämme, die am mittleren Logone wohnen, die
Laka, Sara und Mbei.
Das Gebiet der Lakka beginnt an der unteren Wina
und reicht nach Osten bis zum mittleren Schari. Die Sara, die ihnen wohl
verwandt sind, reichen bei Lai mit einem Zipfel auf deutsches Gebiet
hinüber.
Eigenartig ist, daß die Lakka, die Sara und Mbei mit den Baia, den
Jangere
und auch den Mbaka eine gemeinsame Beschneidungssprache besitzen, die
aber schon zur Verkehrssprache zwischen den einzelnen Stämmen geworden
ist. Es ist das Labi, über dessen Herkunft aber noch nichts bekannt ist.
- Westlich der Lakka sitzen in der Inselberglandschaft von Bubandjidda
die Dama und weiterhin am oberen Benue die Durru. Auf dem Ssarimassiv wohnen die kleinen
Heidenstämme
der Woko und Namdschi, nördlich davon
der von den Fulbe vernichtete, früher große Stamm der Batta. Auf den
Massiven
von Nordadamaua sitzt eine ganze Anzahl von Heidenstämmen, die sich hier
noch gegen die Fulbe haben halten können. So auf dem Alantikagebirge die Dere und weiter südlich
die Tschamba. Auf dem Inselbergplateau
von Gaschaka sitzen die Darra neben einer
ganzen Anzahl von kleineren Stämmen. - Nördlich des Benue, zwischen Rei
Buba und dem Mandaragebirge, wohnt der Stamm der Falli, der sprachlich von den übrigen Sudanstämmen
sich sehr unterscheidet. In dem Tiefland des Mao Kebi und südlich bis
Lame sitzt das Volk der Mundang
und in den Tuburisümpfen im Osten die Tuburi.
Am Logone nördlich von Lai bis zur Mündung der Tuburisümpfe treffen wir
auf beiden Ufern die Massa und Mabba. Logone abwärts kommen wir dann zu
dem wichtigen Volk der Musgu und noch
weiter
nördlich zu den ihnen sehr nahestehenden Kotoko, die aber schon
Mohammedaner
geworden sind. Nördlich von Binder sitzt ein Stamm namens Suggi
oder Mendie, im Tsadseetiefland eine
Anzahl
von Stämmen, die aber kaum mehr als dem Namen nach bekannt sind. Im
Mandaragebirge
sitzen die vielen Stämme der Mandara. Im Nordwesten des Gebirges und im Oberlauf
des Jadseram treffen wir auf die Margi. Im Mittellauf des Jadseram
breiten
sich dann die Gamergu aus. Semiten und Hamiten. Semiten sind ursprünglich die Araber, die
im Süden des Tsadsees in großer Menge, etwa 100000, sitzen. Es ist der
Stamm der Schua, deren Wanderungen in islamischer Zeit von Arabien her
Becker neuerdings an der Hand der arabischen Literatur verfolgt hat. Die
Kanuri sind ein Mischvolk von Semiten und Negern, wobei aber ihr
Negertyp
am meisten hervortritt. Das Volk sitzt zur Hauptsache auf englischem
Gebiet
und reicht nur mit einem Teil in das südliche Tsadseetiefland hinein.
Sie waren die Bewohner des alten Königreiches Bornu,
das durch Rabeh zerstört wurde. Die Fulbe (s. Tafel 58) sind zweifellos
Hamiten, wenn auch oft ein Negertypus unter ihnen hervortritt. Sie sind
groß, schlank, mit langen Nasen und dünnen Lippen. Sie gleichen fast
völlig
den Berbern Nordafrikas, sollen manchmal sogar blaue Augen und blonde
Haare haben. Sie sind vor einigen Jahrhunderten als Hirten aus dem
Senegalgebiet
gekommen und nehmen ihre Machtstellung erst seit dem Anfang des 19.
Jahrh.
ein. Sokoto war die Hauptstadt, und unter ihr standen mehrere
Vasallenreiche.
Eins war Adainaua mit der Hauptstadt Jola. Die Vasallenstaaten des Emirs
von Adamaua sind noch jetzt die Ausbreitungszentren der Fulbe. Auf dem
Hochlande von Südadamaua liegen die Staaten Ngaundere, Tibati und Banjo, während die Hauptmasse der Fulbe in der
Massivregion
von Adamaua sich befindet. Um Marua haben wir außer einigen anderen
kleinen
noch eine, große Enklave. Die Bororo-Fulbe, die noch als Hirten
herumziehen,
haben sich am reinsten den hamitischen Typ bewahrt. Ebenfalls Hamiten
sind die Haussa, die als Händler oder Handwerker über unsere ganze Kolonie
verbreitet sind. Auch sie sind viel mit Negern vermischt. Sie haben die
Fulbe, denen sie an Zahl über waren, in sich aufgenommen, so daß sie ein
Mischvolk sind, das eigentlich keinen Volkstypus besitzt. Ihre
Verbreitungszentren
liegen einmal am mittleren Benue und seinen Nebenflüssen Taraba, Donga
und Katsena-Allah, andererseits in der Massivregion von Nordadamaua mit
Garua als Mittelpunkt. Von da aus verbreiten sie sich über das ganze
Hochland
von Südadamaua und nach Osten hinunter bis zum mittleren Ssanga und Ngoko.
Unter dem Einfluß der Europäer haben sie sogar die Küste erreicht.
Passarge-Rathjens.
Bevölkerungsstatistik. Die Zahl der Eingeborenen K.s betrug nach der
amtlichen Statistik 1913: 2 648 610 (teils gezählt, teils geschätzt).
Die Bewohner der neu erworbenen Gebiete waren hierbei noch nicht
berücksichtigt.
Die Zahl der nicht eingeborenen farbigen Bevölkerung (aus Liberia, Togo,
Gabun, Goldküste, Nigerien usw. stammend) betrug 2 405, die der Mischlinge 110.
Die Kulturverhältnisse der Eingeborenen (s. farbige Tafeln und Tafel
86). Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eingeborenen s. unter
8. Eingeborenenproduktion. Wie zumeist in Afrika tritt die Technik in
der Form der Haus- oder höchstens der Dorfindustrie auf. Tongefäße von
sehr bedeutenden Abmessungen aus älterer Zeit findet man im
Logonegebiet.
Tonpfeifenköpfe der verschiedensten Form und Größe, oft in der Form
stilisierter
Tier- oder Menschenfiguren, zuweilen auch mit aufgesetzten Tierkörpern
werden gewerbsmäßig im Süden des Graslandes, vom Bamumgebiet bis Bali,
Bansso und Banjo, hergestellt und vertrieben (s. farb.Taf. Kamerun, S.
200, Abb. 5 [Tabakpfeife] u. Tafel 86 Abb. 1). Auch die Formen
der tönernen
Gebrauchsgefäße treten in diesem Gebiet ganz allgemein über die sonst
allgemein feststellbare Nüchternheit heraus (s. Tafel 86 Abb. 4). Weit
verbreitet und vielfach geübt ist auch die Schnitzerei. Künstlerisch am
niedrigsten steht sie unzweifelhaft im Waldland, wo sie über schematisch
wiedergegebene Tier- und Menschenfiguren nur vereinzelt hinwegkommt (s.
farb. Tafel Kamerun,
S. 196, Abb. 2 [Geheimbundmaske], 6 [Ruder] u. Tafel
86 Abb. 19). In der Mitte des Landes deckt sich der Bereich der
Schnitzkunst
fast völlig mit dem der Töpferei, mit der Maßgabe freilich, daß Bamum
auf dem Gebiet der ersteren sehr bedeutend stärker ist. Hier ist denn
auch fast jeder Gebrauchsgegenstand entweder zum freien Kunstwerk
geworden
oder zum mindesten doch künstlerisch verziert. Die Abb. 3
(Speiseschüssel),
6 (Schemel), 7 (Jujukopf) der farbigen Tafel Kamerun, S. 200, und die
Abb. 3, 7, 22 der Tafel
86 vermögen nur einen sehr schwachen Begriff von
dem Formenreichtum und der Phantastik dieser zwar barbarischen, aber
gerade
deshalb doppelt interessanten Kunstwerke zu geben. Die Vorliebe für die
Tierwelt, die in den Gestalten des Leoparden, des Hasen,
des Chamäleons, der Krabbe, der Spinne, des Krokodils und mancher
anderer,
einstweilen nur schwer zu bestimmender Tiere, überall wiederkehrt, läßt
auf einen früher vorhandenen Totemismus schließen, doch liegt eine
einwandfreie
Bestätigung, seines Vorhandenseins noch nicht vor. Auch das
Schnitzgewerbe
ist in besonderen Dörfern und dort oft auch noch wieder in bestimmten
Familien lokalisiert, in denen es sich vom Vater auf den Sohn vererbt.
Sehr hübsche Geräte versteht man im Grasland aus den als Bierbehälter
verwendeten Kürbisflaschen herzustellen; man weiß ihnen durch Umwicklung
während des Wachstums die gewünschte Form zu geben, überspinnt sie mit
buntfarbigen Perlenmänteln und gibt ihnen Pfropfen in Tierform (s.
farbige
Tafel Kamerun, S. 200,
Abb. 2 [Kürbisgefäß]). Perlen
europäischer Herkunft sind, wie seit den Zeiten der Venetianer oder gar
der Phöniker, überhaupt ein gern verwandtes Verzierungsmittel für
Hausrat
jeder Art. Die Abb. 8 (Thronsessel), 9 (Kopfaufsatz) u. 11 (Tanzmaske)
der farb. Tal. Kamerun, S. 200, geben einen hübschen Begriff davon. Ein
ebenfalls landfremdes, aber immerhin afrikanischer anmutendes
Verzierungsmittel
sind Kaurischnecken, wie sie zur Ausschmückung der Tanzmaske (s. farbige
Tafel Kamerun, S. 200,
Abb. 12) verwendet worden sind. Sie werden als
Ziermittel auch sonst viel benutzt. -Zwei nach Alter und Herkunft viel
umstrittene Techniken Westafrikas sind die Gewinnung des Eisens samt der
Schmiederei und der Metallguß. Jene hält v. Luschan
gar für eine Erfindung des Negers selbst, was jedoch mit der sonstigen
technischen Unfruchtbarkeit dieser Rasse nur schwer in Einklang zu
bringen
ist; den Metallguß hingegen sieht Leo Frobenius
auf Grund seiner letzten Reisen für eine Entlehnung aus dem antiken
mittelmeerischen
Kulturkreis an. Benin, Joruba und das
Kameruner
Grasland würden dann kulturell wenigstens in dieser Beziehung
zusammengehören.
Wie man auch über das Alter beider Techniken denken mag - in ihren
Leistungen
stehen sie beide recht hoch. Belege für die Schmiedekunst sind die Abb.
5, 8, 9, 23 der Tafel
86, Abb. 5 (Pulvergefäß) u. Abb. 10 (Helm)
auf den farbigen Tafeln
Kamerun, S. 196 u. 200, für die Gießkunst Abb.
10, 15, 20 der Tafel
86. Das verwendete Metall ist ursprünglich eine ziemlich
reine Bronze; neuerdings nimmt man Messing und Patronenhülsen. Das
Verfahren
ist das bekannte der verlorenen Form. Während die Gußwerke älterer Art
den Vergleich mit Benin nicht im mindesten zu scheuen brauchen, gehen
aus den Werkstätten des Fürsten Njoja von Bamum (s. d.) nur noch sehr
minderwertige Stücke hervor. - Unverhältnismäßig reich ist für
afrikanische
Verhältnisse der Hausrat vieler Kameruner Volksstämme. Der hohe Stand
der Töpferei sorgt für Krüge, Töpfe, Schalen und Lampen aller Art, die
Flechterei für Körbe, Teller, Schalen, Taschen,
Netze und Matten von oft sehr feiner
Arbeit,
die Schnitzerei endlich für Speiseschüsseln, Schemel, Sessel u. a. m.,
die fast ausnahmslos mit nicht geringem Geschmack durchgeführt sind (s.
farb. Taf. Kamerun, S. 200, Abb. 3 [Speiseschüssel], 6 [Schemel] u. 8
[Thronsessel). Unter den Musikinstrumenten weisen die Trommeln
zwei stark verschiedene Formen auf: die ausgehöhlte Schlitztrommel von
der Art der Duala-Sprechtrommel (s. Tafel 86 Abb. 24), die im ganzen
Waldlande
zuhause ist, und die mit Fell bespannten Zylindertrommeln, die sich
vorwiegend
im Sudan finden. Weitere Schlaginstrumente sind ein primitives Xylophon,
das aus einfachen Brettern von verschiedener Länge besteht; ferner das
bekannte Negerklavier, die Marimba, bei der unter den Klangbrettern
Kürbisschalen
als Resonanzböden hängen; schließlich eiserne Doppelglocken von der Form
der Abb. 13 Tafel 86,
die zu Signalzwecken dienen. Blasinstrumente sind: die Flöte aus Rohr
(s. farbige Tafel
Kamerun, S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]) oder Tierhorn,
Tuthörner aus Elfenbein (s. Tafel 86
Abb. 14) und (im Sudan) Trompeten aus Blech. Unter den
Saiteninstrumenten
ist die Harfe von der Form der Abb. 11 Tafel
86 für die Fangvölker charakteristisch. Anderswo kommen vor: eine Gitarre,
bei der jede Saite an einem besonderen Stege befestigt ist; eine Harfe
mit nur einem Saitenträger; endlich der primitive Musikbogen
mit nur einer Saite. Die Klimper- Sansa (im Süden von Deutsch-Ostafrika
Ulimba; s. Tafel 144
ist auch in Kamerun zuhause. Die Kleidung der Kameruner
schwankt zwischen völliger Nacktheit und einem Überfluß von Stoffen.
Ganz
unbekleidet gingen noch vor einem halben Jahrhundert die Musgu, und
Marghi;
noch heute wird derselbe Kleidungsmangel von manchen Stämmen des
Mbamgebietes
und des Kumbe-Hochlandes erwähnt. Auch die Bali gehen zuzeiten nackt.
Penisfutterale verschiedenster Gestaltung
sind oder waren sowohl im Osten Nordkameruns, bei den Mattafall, Durru,
Mbum usw. (s. Tafel 86
Abb. 18) gebräuchlich, wie auch im Waldland, bei
den Bafia und anderen Stämmen des Mbamgebietes. (Ein Penisfutteral aus
dem nördlichen Togo zeigt zum Vergleich mit Abb. 18 die Tafel 86 Abb.
16.) - Von wirklich flächenhafter Kleidung kamen früher vielfach Rindenstoffe
und Palmfasergewebe in Betracht, jene bei den Waldlandstämmen des
Südens,
diese besonders im Kreuzflußgebiet. Heute ist auch über diese Gebiete
entweder die Wolle des mohammedanischen
Kleiderüberflusses oder der europäische Kattun geschritten. - Einen
hübschen
Einblick in das Kapitel Schmuck und Haartracht gewährt die Abb. 3
(Jaundemädchen)
der farbigen Tafel
Kamerun, S. 196. Soweit die Waldlandstämme des Südens
zu der großen Familie der Fang gehören oder
von ihnen beeinflußt sind, reicht auch die hübsche Frisur, wie das
Jaundemädchen
sie trägt. Ein solches Kunstwerk ist natürlich nur schwer herzustellen
und wird deshalb auch nur von Zeit zu Zeit erneuert. Auch weiter im
Norden,
bei den Bane und ihren Nachbarn, sind derart kunstvolle Frisuren im
Schwange.
Anderswo, wie bei den Schua-Arabern und den Kotoko, zerlegt man das Haar
in unzählige feine, vom Kopfe herabhängende,Flechten. Im Schmuck sind
die Ober- und Unterlippenscheiben, die Nasen- und Ohrpflöcke der Musgu
und ihrer Nachbarn das Abenteuerlichste. Nasenpflöcke sind auch bei den
Jaunde üblich (s. farb. Tafel Kamerun,
S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]). Sonst umfaßt dieses Kapitel alle die
Ketten, Schnüre, Ringe und Spangen, die wir bei anderen Afrikanern auch
finden. Aus der Kosmetik der Haussa erwähnenswert sind jene, auch in den
ethnographischen Sammlungen häufigen, hübsch gestalteten Fellbüchschen
für Antimonpulver, das von den Schönen dieser weit verbreiteten
Völkerschaft
zum Unterschminken der Augen gebraucht wird (s. Tafel 86 Abb. 12). - Ungemein
mannigfaltig ist naturgemäß die Bewaffnung
der vielgestaltigen Kameruner Bevölkerung. Unter den Angriffswaffen
walten
Keule und Messer
vor bei den Fulbe und den von ihnen beeinflußten Völkern. Stumpfe, nur
zum Hieb geeignete Schwertmesser (s. Tafel 86 Abb. 5) sind auch im
südlichen
Grasland im Gebrauch. Schon nach der Kongoprovinz hinüber neigen sodann
die Hiebmesser von der Form der Abb. 8 Tafel 86 und der Wurfmesser
Abb. 9 ebenda. Die Sudanstämme tragen kürzere Messer gern am Unterarm
oder am Halse. Dolchmesser mit hohlem Handgriff, ganz ähnlich dem in
Abb.
4 Tafel 195
wiedergegebenen verwenden die Djikum, die Wute und manche
andere Stämme Südwest-Adamauas. Eine sicher von Europa her beeinflußte
Schwertform ist das sog. Haussaschwert, eine fast meterlange gerade
Waffe,
die stark an unser altes Ritterschwert erinnert. Stoßspeer und Wurflanze
sind nahezu allgemein verbreitet. Bei den Reitervölkern des Sudans sind
die Lanzen von beträchtlicher Länge. Bei
einzelnen Stämmen des Waldlandes verfeuert man kurze vergiftete Spieße
aus Gewehren auf Großwild. Der Bogen ist durchweg einfacher Natur.
Asiatischen
Einfluß zeigt er nur im Sudan, indem er hier zuweilen in der Mitte
eingedrückt
ist. Der Pfeil zeigt nirgends Befiederung. In der Spannweise des Bogens
interessant sind die Wute. Diese besitzen einen recht kräftigen, langen
Bogen, den sie nur sehr wenig straff bespannen. Aus diesem Grunde
schlägt
die Sehne beim Schuß schwer auf die linke Hand. Zu deren Schutz legen
die Wute nun große, schön gepunzte Lederkissen um das Handgelenk (s. Tafel
86 Abb. 17), auf die die Sehne aufschlägt. Das Spannen des Bogens selbst
geschieht mit Hilfe einer Spannvorrichtung. Diese besteht entweder in
dem Hohlgriff des oben erwähnten Dolchmessers, mit dessen hinterer Kante
die Sehne zurückgezogen wird, oder in einem Holzbügel von der in der Tafel
86 Abb. 17 erkennbaren Form, der sich um die Mittelhand legt. Während
die Sehne hinter dem Bügel ruht, sucht der Schütze den Pfeil mit den
oberen
Teilen von Daumen und Zeigefinger festzuhalten. - Der Vergangenheit
gehört
heute das Wurfmesser an, eine auf Nord- und Zentralafrika beschränkte
Waffe, die, horizontal geschleudert, bei ihrer Rotation mit den ihr
eigentümlichen
Zacken den Gegner an unbedeckten Körperstellen verwunden sollte. Eine
der einfacheren Formen ist in Abb. 9 Tafel 86 wiedergegeben. -
Zweifellos
fremd im Lande und von den Europäern entlehnt ist hingegen die Armbrust.
Sie ist den Fangstämmen eigentümlich, findet sich aber auch am
Kamerunberg
und am Mbam. Im äußeren Aufbau gleicht sie vollkommen der
europäischen
Armbrust. Prüft man hingegen den Abzugsmechanismus, so erkennt man
sofort,
die technische Hilflosigkeit des Negers. Der Schaft ist nämlich der
Quere
nach aufgespalten. In der unteren Hälfte ist ein Pflock befestigt, der
in ein durch den Oberteil gebohrtes Loch eingreift und es vollkommen
ausfüllt,
sobald die beiden Schafthälften aufeinander liegen. Quer über das Loch
des Oberschaftes hin liegt die Nute, in die die Armbrustsehne sich
einlagert.
Kommt der Pflock von unten, so treibt er die Sehne nach oben aus der
Nute
heraus; sie schlägt nach vorn und treibt das Geschoß davon. Auf diesem
Aufbau beruht die Spannweise: man muß die Finger zwischen die
Schafthälften
klemmen, um die Sehne in die Nute legen zu können. Erst wenn man sie
mühselig
aus dem Spalt löst, tritt der Abzugsmechanismus in Kraft. Trotz dieser
vollkommenen Unzulänglichkeit des Baues ist die Waffe früher gefürchtet
gewesen, besonders allerdings wohl wegen der stark vergifteten, kaum
häkelnadelgroßen
Pfeile. Heute ist die Armbrust
Kinderspielzeug.
- Unter den Schutzwaffen stehen Schilde
und Panzer obenan. Jene sind sowohl tierischer wie
pflanzlicher
Abkunft, wobei Rindenschilde auf das Kumbohochland beschränkt sind,
während
die übrigen Formen anscheinend regellos durcheinanderlaufen. Nur der
Lederschild
ist dabei mehr auf den Sudan und Adamaua, beschränkt, während der
Holzschild
das Gebiet seiner größten Ausbreitung im Südosten hat. - Panzer sind
oder
waren nur im Norden verbreitet: Tierhautpanzer bei den Tuburi und Musgu,
Wattepanzer für Roß und Reiter bei den
regulären
Truppen der Haussa, Kanuri und Fulbe,
Eisenpanzer bei den Mohammedanern (s. Tafel 86 Abb. 23). Mit diesem
Eisenpanzer
vereint trägt man Metallhelme von der Form des in Abb. 10 der farbigen
Tafel Kamerun, S. 200,
wiedergegebenen. Der geistige Kulturbesitz sei
hier nur kurz gestreift, da eine eingehendere Behandlung bei dem
verfügbaren
Raum ja doch nicht möglich ist. Über die Trommelsprache als eine der
bemerkenswertesten
Errungenschaften s. Duala. Die bildende Kunst äußert sich weniger in der
Malerei als der Plastik; jene hat, allerdings unter dem Einfluß
europäischer
Farben, einen größeren Aufschwung nur bei den Duala genommen (s. farbige
Tafel Kamerun, S. 196,
Abb. 1,2 [Geheimbundmasken], 4 [Idol Ekongolo],
6 [Ruder], 7 [Bootmodell]); im übrigen beschränkt sie sich auch hier auf
die farbige Verzierung von Gegenständen aller Art. Um so allgemeiner ist
dagegen in dem vom Islam unberührten Teile die Plastik; sie begreift
alle
die zahllosen aus Holz, Horn und Knochen geschnitzten Gegenstände, wie
auch die Keramik und den Guß aus Messing und Bronze und läßt kaum
irgendeinen
Teil des Kulturgutes dieser südlichen Völker außer acht (Abb. 1
[Hausleiste],
3 [Speiseschüssel], 4 [Tanzmaske], 6 [Schemel], 7 [Jujukopf], 10 [Helm]
und Abb. 1, 2 [Geheimbundmasken], 5 [Pulvergefäß] der farbigen Tafeln
Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 2, 3, 7, 19, 21, 22 der Tafel 86]).
Die Neigung zu naturalistischer Darstellung ist im allgemeinen
unverkennbar,
wenn anders Anläufe zur Stilisierung bereits deutlich erkennbar sind.
- Auf dem Gebiet der Religion kommt der den ganzen Norden beherrschende
Islam ethnographisch kaum in Betracht. Wo er noch nicht hingedrungen
ist,
herrschen Zauberglaube, Animismus und Ahnenkult in sicher stets
vorhandener,
wenn auch noch nicht klar erkennbarer Wechselbeziehung. Vermutlich ist
auch noch mit dem Totemismus zu
rechnen.
Ihren sichtbaren Ausdruck finden alle diese Gefühle der Abhängigkeit von
höheren, überirdischen Mächten in zahlreichen Amuletten, Masken,
Kopfaufsätzen,
Fetischfiguren u. dgl. m. Bei den Duala und den Völkern um den
Kamerunberg
ist das Gefühl der Abhängigkeit von den Seelen der Verstorbenen
zusammengeflossen
mit der alten Einrichtung der Altersklassen und Männerbünde
und äußert sich nunmehr in Gestalt der Einrichtung der Geheimbünde (s.d. bei Duala). Weiter im
Norden,
im Kreuzflußgebiet und auch Nigerien hinüber, finden wir hingegen die
alles beherrschende Einrichtung des Juju. Der Begriff ist seinem Inhalte
nach noch nicht klar zu erfassen. Mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutet
es ursprünglich nichts anderes als das irokesische Orenda oder das
melanesische
Mana, also die dem Menschen, den Tieren oder selbst den Dingen
innewohnende
Zauberkraft, die man zum eignen Nutzen oder zu des Nächsten Schaden
anwenden
kann, sofern die eigne Zauberkraft dazu ausreicht. Später scheinen sich
Geister- und Ahnenfurcht hinzugesellt zu haben, so daß gegenwärtig ein
wahrer Wust von Vorstellungen mit dem Begriff des Juju zusammenfällt.
Seine Träger sind auch hier Männervereinigungen in
besonderen
Jujuhäusern; äußerer Ausdruck des Kultus vielgestaltige Fetischfiguren, Masken und
Kopfaufsätze,
die man als zeitweiligen Sitz der wirksamen Kräfte ansieht, die man im
Jujuhaus aufstellt, mit denen man tanzt und Umzüge veranstaltet, und vor
denen man gegebenenfalls auch opfert. Die Abb. 1, 2 [Geheimhundmasken],
4 [Idol Ekongolo] und Abb. 7 [Jujukopf], 9 [Kopfaufsatz], 11 [Tanzmasken]
der farb. Tafel
Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 3, 7, 19, 22 der Tafel
86 geben eine Auswahl von Figuren aus diesem Pantheon wieder.
8. Eingeborenenproduktion. Die Wirtschaftsprodukte der
Eingeborenen
sind in den verschiedenen Teilen K. auch wesentlich verschiedene. Das
Waldgebiet eignet sich mit seiner tiefgründigen Humusschicht vorzüglich
für den Ackerbau, ist aber für
Viehzucht
vollständig unbrauchbar wegen der Tsetsefliege und einiger stets bald
auftretender Seuchen. Dagegen sind Jagd
und Fischfang im weitesten Maße nutzbringend. Das Grasland ist wegen der
Trockenzeit nur zu bestimmten Jahreszeiten für den Ackerbau brauchbar,
es fallen eine ganze Anzahl von anspruchsvollen Kulturpflanzen fort. Dafür tritt die
Viehzucht
hervor, ebenso wie die Jagd, die in den großen Antilopen- und
Gazellenscharen
der Savannen zu ihrem Nutzen kommt. Dasselbe ist der
Fall in den Tiefländern des oberen Logone, wo wir Viehzucht und Ackerbau
vereinigt antreffen. Die Sumpfgebiete am unteren Logone und südlich des
Tsadsee eignen sich dagegen mehr für den Ackerbau,
da die Viehzucht unter den regelmäßig auftretenden Seuchen sehr leidet.
Hier tritt der Fischfang dagegen außerordentlich in den Vordergrund. Was
nun zunächst die Jagd anbelangt, so kommt vor allem für den Handel
das Elfenbein in Betracht. Die Verbreitung des Elefanten
erstreckt sich besonders über das Waldgebiet, dann über das Grasland von
Südadamaua und über das Tsadseegebiet. Im Massivgebiet von Nordadamaua
ist er selten. Die hauptsächlichen Elefantenjäger sind die Bagielli des
Urwaldgebietes, die von der Erlegung dieses Wildes leben. Sie tauschen
das Fleisch und die Zähne an die Neger, in deren Gebiet sie wohnen,
gegen
Zerealien und ihre sonstigen Bedürfnisse ein. Im Grasland sind die
Haussa,
vielfach Elefantenjäger. Sie benutzen aber Gewehre,
während die Pygmäen ihnen nur mit
Lanzen
zuleibe gehen. Die Ausfuhr an Elfenbein belief sich im Jahre 1907/08 auf
über 1 Mill. M. Seitdem ist sie bis auf 625 500 im Jahre 1910 und weiter
auf 536 000 im Jahre 1913 gesunken und wird wohl noch weiter sinken, in
dem Maße wie der Elefant der Kultur oder der Verfolgung erliegt. Außer
Elfenbein kommen an tierischen Produkten nur noch wenige in geringen
Mengen
in Betracht. Erwähnt mögen nur Straußenfedern werden. Am Tsadsee werden
die Strauße von den Arabern gejagt. Aber die Produktion ist doch nur
gering.
Eine weitere wirtschaftliche Betätigung der Eingeborenen, der Fischfang,
bringt keine Produkte auf den Weltmarkt. Fischer
sind besonders die Urwaldstämme und die am Logone und am unteren Schari, sowie am Tsadsee wohnenden Völker. Wenden
wir uns zur Viehzucht, so haben wir schon gesehen, daß dieselbe nur
außerhalb
des Urwaldes möglich ist. Zwar gibt es Viehbestände, besonders im
Kreuzflußgebiet,
aber die Tiere sind mager und ziemlich wertlos. Da eine breite
Urwaldzone
das Grasland von der Küste trennt, so ist dadurch eine Ausfuhr des
produzierten
Viehes sehr erschwert. Es wird daher Vieh zumeist den Benue abwärts oder
über die Westgrenze in englisches Gebiet ausgefühft. Nur das Kleinvieh, Ziegen und Schweine,
kommen auch im Waldlande vor, letztere wohl nur dort. Viehzüchter sind
besonders die Bororo-Fulbe, die sich ausschließlich mit Viehzucht
beschäftigen,
und dann die Lakka, die aber auch eifrige Ackerbauer sind. Im Waldlande
sind die Boki nordwestlich von Ossidinge Viehzüchter, aber ihr Vieh
stammt
aus dem Sudan. Die Qualität des Viehs ist teilweise gering, nur die
Rinder
der Fulbe sind relativ gut, wohl auch das Vieh der Lakka. Man ist von
der Regierung aus bestrebt, die Güte des Viehbestandes durch Einführung
guten Viehes zu heben. Der Wert der exportierten Tiere betrug im Jahre
1910 nur 10452 M, während er im Jahre 1906 51170 M und im Jahre 1908
sogar
100000 M betrug. Im Jahre 1913 ist der Betrag wieder auf 20000 M
gestiegen.
Pferdezucht wird besonders am Logone durch die Lakka und Musgu
betrieben.
Doch ist das Pferd in ganz Adamaua
bekannt,
außer im Baiaplateau, wo auch das Rind nicht vorkommt. Doch haben die
Baia für Pferd und Rind Namen. In Bornu wird in geringem Maße Straußenzucht
getrieben, doch ist die Produktion minimal. Ehe wir zum Ackerbau
übergehen,
wollen wir die wildwachsenden Pflanzen betrachten, die der Eingeborene
ausnutzt, sei es zum eigenen Gebrauch, sei es als ein von den Europäern
begehrter Handelsartikel. Von den letzteren steht Kautschuk an erster
Stelle. Die wichtigste Kautschukpflanze ist Kickxia
elastica, die im ganzen Urwaldgebiet im Überfluß vorkommt, daneben
kommt die Liane, die Landolphia in verschiedenen Arten in Betracht.
Leider
wird natürlich von den Eingeborenen bei der Kautschukgewinnung Raubbau
getrieben, so daß eine Verminderung der Kautschukbestände von Jahr zu
Jahr eintritt. Die Ausfuhr von Kautschuk belief sich im Jahre 1910 auf
11070680 M, und davon sind 10960680 M Sammelprodukte der Eingeborenen
und nur 110000 M erst Produkte europäischen Plantagenbetriebes. Das Bild
für 1912 ist folgendes: Pflanzungskautschuk 170800 M, Sammelkautschuk
11801671 M. Im Mandaragebirge
wird
von den Eingeborenen Guttapercha
gesammelt,
aber bisher nur im Werte von etwa 1000 M. An zweiter Stelle, früher den
Wert des gesammelten Kautschuk übertreffend, steht das Sammeln der Ölfrüchte.
Die an erster Stelle in Betracht kommende Pflanze ist die Ölpalme, die
im ganzen Waldgebiet und stellenweise auch auf dem Plateau, in der
Sanagamulde
und im Mbamtal vorkommt. Man kann bei ihr teilweise von einer Kultur
sprechen,
indem der Eingeborene den Wald, in dem sie vorkommt, von Gebüsch
lichtet.
Ein anderer für die Ölgewinnung in Betracht kommender Baum ist der Schibaum,
der im ganzen Sudan häufig ist. Aus seinen Früchten wird die sog.
Schibutter gewonnen. Die Ausfuhr von
Schibutter betrug 1910 aber nur für 14 906 M, und bis 1912 ist eine
erhebliche
Abnahme zu verzeichnen. Dagegen ist die
Ausfuhr von Palmkernen von Jahr, zu Jahr gestiegen und wird wegen der
großen Häufigkeit der Ölpalme immer wichtiger für die Entwicklung der
Kolonie werden. Die Ausfuhr von Kernen betrug im Jahre 1910 3553479 M,
im Jahre 1912 4406000 M, die Ausfuhr von Palmöl 1260000 M resp. 1622400
M. Von sonstigen pflanzlichen Produkten ist noch die Kolanuß, deren Produktion sich 1910 auf 50580 M
(im Jahre 1912 stieg die Ausfuhr auf 167000 M) belief, und das Gummi arabicum (1912 = 44 300 M) zu erwähnen. Die
Hauptproduktion
von Nutzhölzern liegt ebenfalls in den Händen der Eingeborenen, die
leider
auch hierbei vielfach Raubbau treiben. Es handelt sich hier natürlich
hauptsächlich um das Waldlande aus dem etwa 10-15 Arten von Bäumen
verwertet
werden. An erster Stelle stehen vor allem Mahagoni,
Ebenholz, Baumwollholz, Boagossi und Oku-Mie u.
a. Die Gesamtausfuhr belief sich im Jahre 1910 auf 144905 M, von denen
124272 M von Eingeborenen produziert wurden, stieg aber im Jahre 1912
bereits auf 700000 M. Erwähnt müssen noch die mineralischen und fossilen
Sammelprodukte werden, besonders Kopal und Glimmer, die zur Hälfte, also
etwa im Werte von 30000 M, im Jahre 1910 zur Eingeborenenproduktion
gehören.
Im Jahre 1912 war der ganze Betrag der Ausfuhr. mineralischer und
fossiler
Rohstoffe 1466 M. - Wir kommen jetzt zu den Erzeugnissen des
eingeborenen
Ackerbaus, von denen aber für den Welthandel bisher nur der Kakao
in Frage kommt, wenigstens in größerem Maße. Die Kulturpflanzen der
Waldlandneger,
also damit der Bantuneger, sind ganz andere als die der
Graslandbewohner.
Im Waldland sind die Knollenfrüchte die Hauptnahrungsmittel, vor allen
Maniok, Yams und Bataten.
Daneben kommt die Banane in Betracht, ferner Mais,
Bohnen, Kürbisse,
dann Zuckerrohr, Pfeffer
und Tabak als Genußmittel.
Im Gegensatz dazu ist die Hauptpflanze der Graslandneger die Hirse,
während alle anderen dagegen zurücktreten. Hinzu kommen Mais, Yams, Reis und Erdnüsse. Im Tsadseetiefland wächst der Reis
wild und wird auch schon angebaute ebenso wie der Weizen.
Die Hauptnahrungspflanze ist aber auch hier die Hirse. Wie gesagt, ist
keine dieser Lebensmittelpflanzen als Handelsprodukt wichtig. Dagegen
haben die Genußmittel Aussicht, für die Ausfuhr wichtig zu werden, und
der Kakaobaum ist es schon jetzt. Von den 3033399 M, die im Jahre 1910
für Kakao erzielt wurden (1912 = 3 721000 M), entfallen 325 543 M (resp.
521260 M) auf die Eingeborenenproduktion, und der Kakaobaum scheint
unter
den Negern von Jahr zu Jahr beliebter zu werden. Die Hauptgegenden des
Kakaobaus sind der K.berg und die Gegend von Jaunde . Ebenfalls dürften
die Kulturen von Faserpflanzen in K. eine große Zukunft haben. Vor allem
die Baumwolle findet im Norden gute Existenzbedingungen, und die
Regierung
sucht den Baumwollbau überall zu
heben.
Doch ist bisher die Produktion noch nicht für eine wesentliche Ausfuhr
groß genug. -Zuletzt müssen wir noch kurz die Erzeugnisse der
Eingeborenenindustrie
erwähnen. Die Ausfuhr dieser Produkte belief sich im Jahre 1910 auf 42
248 M (1911 = 62 690 M, 1912 = 28 258 M), und die Erzeugnisse bestanden
hauptsächlich in Lederarbeiten, Strohflechtereien und Holzwaren.
Passarge- Rathgens.
9. Europäerbevölkerung. Die weiße Bevölkerung K.s ist von 528
im Jahre 1900 auf 826 im Jahre 1905 und 1781 im Jahre 1912 (Nachweis vom
1. Januar 1913) gestiegen; sie hat sich im letzten Jahrzehnt nahezu
verdreifacht.
Der Nationalität nach teilte sich die weiße Bevölkerung im Jahre
1900
in 475
Reichsangehörige,
75
Ausländer
1905
in 727
Reichsangehörige,
88
Ausländer
1910
in 1084
Reichsangehörige,
152
Ausländer
1912
in 1560
Reichsangehörige,
228
Ausländer
Die Bevölkerung fremder Nationalität ist also dem Verhältnis nach
gegenüber
dem Stande von 1900 zurückgeblieben. Unter den Ausländern stehen die
Engländer
an erster Stelle, dann kommen Amerikaner, Schweizer,
Österreicher. Dem Geschlecht nach teilte sich die Bevölkerung im Jahre
1900
in 475
Männer
42
Frauen
11
Kinder
1905
in 727
Männer
77
Frauen
22
Kinder
1910
in 1084
Männer
139
Frauen
61
Kinder
1912
in 1560
Männer
230
Frauen
81
Kinder
Daraus geht hervor, daß die Zusammensetzung der Bevölkerung sich seit
1900 etwas zugunsten der Frauen und Kinder verschoben hat. Diese vom
Rassenstandpunkte
aus erfreuliche Tatsache ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß
die gesamten äußeren Lebensbedingungen, die gesundheitlichen
Verhältnisse,
Wohnung, Verpflegung, Geselligkeit,
Verkehrswesen sich im Laufe des letzten
Jahrzehnts
sehr gebessert haben, so daß die im Schutzgebiet tätigen Europäer trotz
des tropischen Klimas es wagen können, weibliche Familienangehörige und
Kinder mit hinauszunehmen. Im Jahre 1900 waren von den 42 weißen Frauen
27 verheiratet, und zwar 1 an einen Regierungsbeamten, 20 an Missionare,
4 an Kaufleute und 2 an Pflanzer. Im Jahre 1912 waren von den 230 Frauen
173 verheiratet, und zwar 50 an Kaufleute und andere Gewerbetreibende,
56 an Missionare und 67 an Regierungsbeamte und Schutztruppenangehörige.
Es zeigt sich, daß die Bestrebungen der Kolonialverwaltung, soweit es
möglich ist, verheirateten Beamten die Mitnahme ihrer Familie zu
ermöglichen,
von Erfolg gewesen sind. Bei der Unterscheidung der Bevölkerung nach
Beruf
en ist am wichtigsten die zwischen unmittelbar wirtschaftlich
produktiven
Berufen und anderen. Zur ersten Gruppe sind Kaufleute, Pflanzer,
Seeleute,
Bauunternehmer, Ingenieure, Handwerker und ähnliche Berufe zu
rechnen, zur zweiten Regierungsbeamte, Schutztruppenangehörige,
Missionare,
ärztliches Personal usw.
1900
gehörten zur
1.
Gruppe
302
Personen,
2.
Gruppe
169
Personen,
1905
gehörten zur
1.
Gruppe
447
Personen,
2.
Gruppe
274
Personen,
1910
gehörten zur
1.
Gruppe
651
Personen,
2.
Gruppe
433
Personen,
1912
gehörten zur
1.
Gruppe
885
Personen,
2.
Gruppe
675
Personen,
Am dichtesten mit weißer Bevölkerung ist der Verwaltungsbezirk Duala
besiedelt. Es folgen Buea, Victoria, Edea, Kribi, Jaunde. In der persönlichen
Zusammensetzung unterliegt die weiße Bevölkerung, wie bei dem tropischen
Klima nicht anders zu erwarten ist, einem
starken Wechsel. - In Neu-K. setzte sich die weiße Bevölkerung aus
ungefähr
40-50 französischen Verwaltungsbeamten, 50-60 Schutztruppenangehörigen
und 60-70 kaufmännischen und Pflanzungsangestellten zusammen.
Verhältnismäßig
am dichtesten mit Weißen besetzt war bisher das Ssanga-Gebiet und die
Gegend der Muni-Mündung.
10. Europäische Unternehmungen. Neben der
Eingeborenenproduktion,
auf der zurzeit von den wichtigsten Ausfuhrartikeln der Kautschuk und
die Ölpalmfrüchte zum weitaus größten Teil beruhen, spielen auch die
europäischen
landwirtschaftlichen Unternehmungen eine bedeutende Rolle. Sie sind für
die wirtschaftliche Entwicklung Kameruns insofern von der größten
Bedeutung,
als bei ihnen eine planmäßige Bewirtschaftung vorherrscht und auf ihnen
viele Tausende von Eingeborenen, die eine geregelte Arbeit noch nicht
kennen, an eine solche gewöhnt worden sind und gewöhnt werden. Den
klimatischen
Verhältnissen des Landes entsprechend, sind diese europäischen
Unternehmungen
ihrer Form nach Plantagenunternehmungen. Sie entstanden zunächst an den
fruchtbaren Abhängen des Kamerunberges, wo schon 1894 fast das ganze
brauchbare
Land an größere Unternehmungen vergeben war. Im Laufe der Jahre dehnte
sich der Plantagenbau auch auf die anderen Bezirke des Schutzgebiets aus und entwickelte sich
besonders an der Nordbahn in stärkerem Maße. Im Jahre 1910 bestanden 44
Unternehmungen im Plantagenbau, darunter waren 13 Aktiengesellschaften
mit einem Kapital von 13,1 Mill. M und 4 KolonialGesellschaften mit 2,52
Mill. M. Die Zahl der Unternehmungen stieg 1911 auf 52 und 1912 auf 58.
An erster Stelle hinsichtlich der Dauer ihres Bestehens sowie
hinsichtlich
der bebauten Fläche und ihrer Ertragfähigkeit stehen die Kakaokulturen.
Zunächst begannen Anfang der 90er Jahre die Pflanzungen
am Kameruner Berge mit dem Anbau von Kakao. Als er sich als lohnend
erwies,
ging man auch an anderen Stellen des Schutzgebiets zu dieser Kultur
über.
Der Ernteertrag hat sich langsam aber stetig gehoben, obgleich in
manchen
Jahren Krankheiten (Braunfäule) und Schädlinge (Rindenwanze) großen Schaden an- richteten. Nach
den bisherigen Erfahrungen kann man sagen, daß die Zukunft der
Kakaokultur
in Kamerun gesichert ist. - Es folgen der Ausdehnung nach die
Kautschukplantagen.
Unter den Kautschukpflanzen, die bisher angebaut sind, herrschte bis
1907
die Kickxia elastica vor. Von da an begann man sich immer mehr der Hevea
briasiliensis zuzuwenden. Die anderen Kautschukpflanzen, wie Castilloa, Ficus
elastica, Manihot u. a., sind nur wenig verbreitet. Gegenüber dem
Handelskautschuk,
d.h. dem durch Eingeborene aus Wildbeständen gewonnenen und von Händlern
aufgekauften Kautschuk, kommt der Plantagenkautschuk hinsichtlich der
Menge bis jetzt kaum in Betracht. Sein Anteil an der Ausfuhr wird,
steigen,
je mehr die an- gepflanzten Bestände an Kautschukbäumen in das
zapffähige
Alter kommen. - Auch bei den Ölpalmfrüchten sind die Erträgnisse der
europäischen
Plantagen im Verhältnis zur
Eingeborenenproduktion
und zur Gesamtausfuhr noch gering. Immerhin weisen auch diese Kulturen
eine dauernde Steigerung in der Zahl der Palmen
auf. Seitdem durch Maschinen eine von der menschlichen Arbeitskraft
unabhängigere
Ausnutzung der Früchte ermöglicht worden ist, wenden sich immer mehr
Unternehmungen,
zum größten Teil im Neben- betriebe, dieser Kultur zu. Es sind z. B.
große
Flächen alter Kakaobestände mit Ölpalmen durchgepflanzt worden. Ein
Unternehmen
verwertet die Früchte der Ölpalme im Hauptbetriebe. Es hat zu diesem
Zweck
eine leistungsfähige Fabrik errichtet, die die Palmfrüchte teilweise von
den Eingeborenen aufkauft, teilweise selbst aus gekauften oder
gepachteten
Ländereien erntet. Der Kultur der Ölpalme durch die Eingeborenen in
Verbindung
mit maschinellen Aufbereitungsanstalten unter europäischer Leitung steht
in K. wahrscheinlich eine große Zukunft bevor, da der europäische Markt
für Pflanzenfette und -öle jetzt und in
absehbarer
Zeit fast unbeschränkt aufnahmefähig ist. - Mehlbananen (Planten) werden seit 10 Jahren, meist in Mischkultur, immer mehr gebaut. Sie dienen in
erster Linie zur Verpflegung farbiger Arbeiter. Die Versuche, das aus ihnen gewonnene
Bananenmehl in größeren Mengen in Deutschland einzuführen, haben noch
zu keinem dauernden Erfolg geführt. - Die Kultur der Eßbananen ist
neueren
Datums. Es sind bereits größere Flächen mit ihnen bepflanzt. Eine
Ausfuhr
in nennenswerter Menge wird aber erst, im Jahre 1914 einsetzen, da vom
1. Okt. dieses Jahres ab mehrere Kühldampfer, ohne die eine Beförderung
dieser Früchte nach Europa nicht möglich ist in die Fahrt nach K.
eingestellt
werden sollen. - Tabak wurde schon vor mehr als 20 Jahren versuchsweise
gebaut. Die Versuche wurden dann in den ersten Jahren dieses
Jahrhunderts
wieder aufgenommen. Sie schlugen fehl, weil man auf Boden und örtliches
Klima nicht die nötige Rücksicht genommen hatte. In den letzten Jahren
hat man jedoch im Gebiete der Nordbahn ein für Tabakbau anscheinend
hervorragend
geeignetes Gelände gefunden. Es sind mehrere größere Unternehmen
entstanden,
die bisher ein vorzügliches dem Sumatratabak mindestens gleichwertiges
Erzeugnis geliefert haben. Die bebaute Fläche ist zurzeit noch ziemlich
gering, wird aber in den nächsten Jahren bei günstiger Entwicklung der
Arbeiterverhältnisse in starkem Maße steigen. Mit dem Anbau von Kola,
Baumwolle, Gewürzen und Faserpflanzen ist man
über
das Versuchsstadium noch nicht hinausgekommen. Wie sich in den
Plantagenunternehmen
der Anbau der wichtigsten Kulturen in den letzten Jahren entwickelt hat,
ergibt sich aus der nachstehenden Übersicht, die allerdings mangels
ausreichender
Unterlagen Lücken hat und nicht unbedingt zuverlässig ist. Der Bedarf
an farbigen Arbeitern ist, wie aus der Zusammenstellung zu ersehen ist,
in den letzten Jahren in starkem Maße gestiegen, so daß ihre
Beschaffung,
da auch die Bahnbauten einen Bedarf von mehreren Tausend haben, zurzeit
auf Schwierigkeiten stößt. Mehrere Pflanzungen beschäftigen sich auch
mit kaufmännischen Geschäften, jedoch liegt, der Hauptanteil vom Handel
in der Hand reiner kaufmännischer Firmen,
von denen sowohl in der Form von Handelsgesellschaften
mit höherem Kapital wie auch als Einzelkaufleute eine große Anzahl in
K. tätig sind. Im übrigen siehe unter 9. Handel.
Die Viehzucht liegt, abgesehen von den Bestrebungen der Regierung auf
diesem Gebiete, fast ganz in den Händen der Eingeborenen. Da wo sie von
europäischen Unternehmungen betrieben wird, dient sie in der Hauptsache
zur Versorgung der weißen Angestellten mit frischem Fleisch. Einige
private
Versuche in größerem Maßstabe versprechen Erfolg. - Bergbau
wird in K. noch nicht betrieben. Zwar wurde das Vorkommen von Salz,
Petroleum, Kupfer, Zinn, Glimmer, Kohle, Marmor und einigen anderen Mineralien festgestellt,
doch ist ein abbauwürdiges Lager bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Die
geologische Erforschung des Landes wird fortgesetzt. An gewerblichen
Unternehmungen,
die im Schutzgebiet noch wenig vertreten sind, sind zu nennen eine
Seifensiederei
in Duala, die aber noch nicht für die Ausfuhr arbeitet, einige
Dampfsägewerke,
die das Land mit Möbel- und Bauholz
versorgen
und einige im Entstehen begriffene größere Holzschlagunternehmen. Andere
kleinere gewerbliche Betriebe (Bäckereien, Sattlereien, Fleischereien, Gastwirtschaften,
Baugeschäfte usw.) dienen einem
rein örtlichen Bedarf. In Duala und Kribi sind Rechtsanwälte, in Duala auch ein
Landmesserbureau.
Die Nordbahn gehört der Kamerun-Eisenbahn- Gesellschaft, die ein Kapital
von 16 640000 M hat. In Alt-K. sind zwei Konzessionsgesellschaften tätig:
Gesellschaft Süd-Kamerun (Kapital 3 000 000 M) und Gesellschaft
Nordwest-Kamerun
(Kapital 4360000 M). Mit dem Erwerb von Neu-Kamerun sind folgende
französischen
Gesellschaften übernommen worden: 1. Soeiété de la Sangha Equatoriale,
2. Société de la Mambéré-Sangha (i. L.), 3. Compagn
ie commerciale de colonisation du Congo français, 4. Société du
Haut-Ogooué,
5. Compagnie de la Ngoko-Sangha, 6. Compagnie
française du Haut-Congo, 7. Compagnie forestière Sangha-Oubangui.
8. Compagnie française de 1'Ouhamé-Nana. Die Gesellschaften unter Ziff.
1, 2 und 3 fallen ganz, die übrigen nur zum Teil in deutsches Gebiet.
S. a. die einzelnen Gesellschaften unter ihrem Namen.
11. Handel.
Die Übersicht zeigt, daß der Gesamthandel, im letzten Jahrzehnt eine
nur im Jahre 1908 durch die allgemeine Welthandelskrise vorübergehend
unterbrochene, stark aufsteigende Richtung gehabt hat. Die besonders
bemerkenswerte
Zunahme seit dem Jahre 1909 ist zum großen Teil auf die gesteigerte
Bautätigkeit
und auf die fortschreitende Vollendung der Nord- und Mittellandbahn zurückzuführen. Die
Vergleichung
der Ein- und Ausfuhrziffern ergibt, daß K. mehr Werte einführt als
ausführt,
was darauf schließen läßt, daß erhebliche Kapitalsinvestierungen im
Lande
stattgefunden haben und noch stattfinden. Von dem Gesamthandel des
Jahres
1912 entfielen 47 Mill. M auf den Handel mit Deutschland, und zwar 27,2
Mill. M auf die Einfuhr aus Deutschland
und 19,8 Mill. M auf die Ausfuhr nach Deutschland. -An zweiter Stelle
stand England mit 5,5 Mill. M Einfuhr und 3 Mill. M Ausfuhr, also 8,5
Mill. Gesamthandel. Der Handel mit den übrigen Wirtschaftsgebieten ist
sehr gering. Mit den afrikanischen Nachbargebieten betrug er 1912 971000
M in der Einfuhr und 181000 M in der Ausfuhr; mit Amerika 230 800 M in
der Einfuhr; mit Frankreich 30000 M in der Einfuhr und mit den übrigen
Ländern zusammen 231000 M in der Einfuhr und 221 000 M in der Ausfuhr.
Der Anteil der Regierung an der Einfuhr betrug 5,4 Mill. M. Dabei ist
jedoch zu berücksichtigen, daß die Materialien für die Eisenbahnbauten,
die im Jahre 1912 im Werte von ungefähr 0,9 Mill. M (1910 5 Mill., 1911
2,4 Mill.) eingeführt worden sind, nicht für Rechnung der Regierung
eingeführt
wurden. - Von der Einfuhr des Jahres 1912 kamen für 32,9 Mill. M (191128
Mill. M) über die Küste und für 1,3 Mill. M (1911 1,3 Mill. M) über die
Binnengrenzen. Sieht man von der Einfuhr an Eisenbahnmaterial, die ganz
über Duala ging, ab, so entfielen von den Gesamthandelsziffern des
Jahres
1912 auf Duala 26,4, Kribi 20,3, Victoria 5,7, Molundu 1,4, Garua 1,0,
Rio del Rey 0,9 Mill. M. Die Entwicklung der Ausfuhr der
Hauptausfuhrartikel
in den letzten Jahren geht aus der nachstehenden Übersicht hervor. Es
wurden ausgeführt (in Millionen Mark):
An erster Stelle steht danach dem Werte nach der Kautschuk. Er ist fast
ganz von Eingeborenen produziert worden; die Europäerpflanzungen haben
noch nicht 1% zu der Ausfuhrmenge beigetragen. Durch den Gebietszuwachs
ist die überragende Bedeutung des Kautschuks für die Ausfuhr noch
verstärkt
worden, da in Neu-K. die Ausfuhr bisher zu einem noch größeren
Prozentsatz
aus Kautschuk (80 bis 90 %) bestanden hat als in Alt-K. und auch in Neu-
K.
der Kautschuk ganz aus der Eingeborenenproduktion stammt.
Hauptproduktionsbezirke
sind in Alt-K. die Bezirke Joko, Dengdeng, Dume, Lomie und Molundu, in Neu-K. das
ganze Ssanga- und Joindogebiet. Kautschuklianen kommen auch noch nördlich
vom Urwaldgebiete in den Uferwäldern des Graslandes vor. Wie lange der
aus wilden Beständen stammende Kautschuk seine führende Stellung als
Ausfuhrprodukt,
die er seit 1904 inne hat, noch wird behalten können, ist sehr
zweifelhaft,
da er durch die Eingeborenen großenteils im Wege des Raubbaus gewonnen
wird und eine wirksame Bekämpfung des Raubbaus sich bisher trotz aller
Bemühungen der Regierung als nahezu unmöglich erwiesen hat. Der
Preisrückgang
auf dem Kautschukmarkt im Jahre 1907/08 hatte für das Jahr 1908 einen
erheblichen Rückgang der Ausfuhr zur Folge gehabt. Dieser Rückgang ist
im Jahre 1909 jedoch schon wieder eingeholt und in den folgenden Jahren
bedeutend überholt worden. Von der Ausfuhr des Jahres 1911 waren nur
rund
68000 M Pflanzungskautschuk, das übrige sog. Handelskautschuk, d.h. als
natürliches Erzeugnis des Urwaldes gesammelter Kautschuk. Hiervon gingen
für 10,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7 Mill. M nach England. An
zweiter
Stelle steht die Ausfuhr von Palmkernen, die im Jahre 1910 die
Kakaoausfuhr
überholt hat. Die starke Steigerung der Ausfuhr an Palmkernen in den
letzten
Jahren ist hauptsächlich auf das Fortschreiten des Eisenbahnbaues, der
reiche Ölpalmgebiete erschloß, zurückzuführen. Von der Palmkernausfuhr
des Jahres 1912 gingen für etwa 3,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7
Mill. nach England. Auch die Palmkerne,
stammen zum weitaus größten Teil aus Eingeborenenproduktion. Es ist bei
der steigenden Bewegung der Preise für Palmöl und Palmkerne zu erwarten,
daß diese Produkte in Zukunft eine noch größere Bedeutung für die
Eingeborenenproduktion
gewinnen, als sie bisher schon hatten, da die Ertragsfähigkeit der
Ölpalmen
durch die Ernten nicht verringert wird, wie dies bei den
Kautschukpflanzen
die Regel ist. Die Ölpalmpflanzungen der Eingeborenen sind bisher von
geringem Umfang und auf die Umgebung der Stationen
beschränkt, wo Saatgut und junge Pflanzen an die Eingeborener verteilt
werden. Die Ausfuhr in Kakao in der letzten Jahren zeigt eine nicht sehr
starke, aber stetige Zunahme. Von der Ausfuhr des Jahre 1911 waren für
2,8 Mill. M Pflanzungskakao und für 0,5 Mill. M sog. Handelskakao, d.h.
auf Eingeborenenpflanzungen geernteter Kakao. Für 3,9 Mill. M gingen
nach
Deutschland, für 0,2 Mill. M nach England. Die hauptsächlichsten
Ausfuhrgebiete
für Eingeborenenkakao sind die Umgebung von Victoria und die Ufer des
Mungo-, Wuri-, Dibombe-, Sanaga- und Dibambaflusses, ferner die des
Ndonga-
und Quaquakriks. Die Eingeborenen ziehen den Kakao hauptsächlich in
Gartenkultur,
so daß der Anbau der einzelnen Besitzer durchschnittlich gering ist.
Dadurch
hat bisher die Aufbereitung der Ernten gelitten. Eine planmäßige
Organisierung
der Aufbereitung und Ausfuhr des Eingeborenenkakao läßt er warten, daß
in Zukunft für ihn eine bessere Marktbeschaffenheit erzielt wird. Die
Palmölausfuhr zeigte in den letzten Jahren gegenüber dem Jahre 1907
einen
merklichem Rückgang und hat erst im Jahre 1911 den Stand von 1907 wieder
erreicht und etwas überholt. Diese langsame Entwicklung der
Palmölausfuhr
gegenüber der bedeutenden Steigerung der Ausfuhr von Palmkernen wird
darauf
zurück- geführt, daß die zur Herstellung des Öles notwendige Arbeit von
Männern geleistet wird und daß diese in den letzten Jahren in großer
Zahl
bei den Eisenbahnbauten beschäftigt waren, so daß für die Herstellung
des Öles nicht genügend Arbeitskräfte vorhanden waren. Neuerdings wirkt
die maschinelle Bearbeitung der Ölpalmfrüchte (s. oben unter 8) günstig
auf die Ausfuhrzahlen für Palmöl ein. Von der Palmölausfuhr des Jahres 1912
gingen für 0,7 Mill. M nach Deutschland und für 0,8 Mill. M nach
England.
- Die Elfenbeinausfuhr zeigte wie überall an der westafrikanischen Küste
seit Jahren einen Rückgang. Das ist einmal auf die strengeren Maßnahmen
zum Schutze der Elefanten und auf das allmähliche Aufhören der Zufuhr
sog. fossilen Elfenbeins zurückzuführen (s. Elfenbein). Ein großer Teil
der Ausfuhr stammt aus Französisch-Äquatorialafrika, von wo das
Elfenbein
über Garua ausgeführt wird. Gegen die genannten Ausfuhrartikel bleiben
die übrigen wie Ebenholz, Njabinüsse, Kolanüsse, Schinüsse, Guttapercha
usw. an Bedeutung weit zurück. Auch diese stammen ganz oder zum größten
Teil aus der Eingeborenenproduktion. Ebenso spielt die Ausfuhr aus der
im Graslande und weiter im Norden bestehenden Vieh- und Pferdezucht der
Eingeborenen eine geringe Rolle. Im Jahre 1911 wurden im
Residenturbezirk
Adamaua 255500, im Residenturbezirk der Tsadseeländer 80000 Stück und
im Verwaltungsbezirk Banjo 60000 Stück Zeburinder und in den übrigen
Bezirken
im ganzen etwa 10000 Stück buckellose Rinder gezählt. Die frühere Ausfuhr nach den
englischen
und französischen Nachbargebieten hat in den letzten Jahren aufgehört
und ist nach dem fleischarmen Urwaldgebiete K.s gegangen. Die
Pferdezucht
ist auf Adamaua und die Tsadseeländer beschränkt. Es wurden im ganzen
etwa 14000 Pferde und 2000 Ponys gezählt.
Rationelle Vieh- und Pferdezucht
wird
von den Eingeborenen bisher nur in geringem Maße betrieben. Die
Bestrebungen
der Regierung gehen dahin, durch Errichtung eines Gestütes in Adamaua
und durch Einrichtung von Rindviehzuchtstationen sowie durch Belehrung
der Eingeborenen eine Höherzüchtung herbeizuführen und durch eine
Vermehrung
des tierärztlichen Personals den manchmal verheerend auftretenden Tierseuchen,
vor allem der Lungenseuche beim Rindvieh, entgegenzuwirken (s.a. Rindviehzucht und Pferdezucht). Die Tatsache,
daß die Ausfuhr im wesentlichen auf Kautschuk, Öl, Palmfrüchten und
Kakao
beruht, verbürgt eine weiter aufsteigende und stetige Entwicklung der
Ausfuhr und, da von der Ausfuhr die Kaufkraft der Eingeborenen und von
dieser hauptsächlich die Einfuhr abhängt, auch die entsprechende
Entwicklung
des Gesamthandels. Bei allen diesen Produkten mit Ausnahme des
Kautschuks
sind die Aussichten für die nächste Zeit günstig. Durch die
Mittellandbahn
werden in den nächsten Jahren bisher nicht zu verwertende, reiche
Ölpalmbestände
erschlossen werden, und die Marktverhältnisse für Ölfrüchte versprechen
für die nächste Zeit die gleich günstige Entwicklung wie in den letzten
Jahren. Die Kakaoausfuhr läßt eine weitere Steigerung erwarten, da
bisher
noch nicht alle Pflanzungen erntereif sind und weitere Pflanzungen,
besonders
auch durch Eingeborene, angelegt
werden.
Schlecht dagegen sind die Aussichten für den Kautschuk, der in der
letzten
Zeit infolge des gesteigerten Ertrages der ostasiatischen
Kautschukpflanzungen
einen derartigen Tiefstand im Preise erreicht hat, daß der wilde
Kautschuk
aus Kamerun zurzeit nur mit Verlust ausgeführt werden kann. Immerhin
liegt
in der Zusammensetzung der Ausfuhr aus mehreren Produkten, die für ihr
Gedeihen und ihren Absatz ganz verschiedene Vorbedingungen haben, eine
starke Gewähr dafür, daß auch bei zeitweiligem Versagen eines Produktes
die Entwicklung des Gesamthandels nicht dauernd aus ihrer steigenden
Richtung
gebracht wird.
Die Übersicht läßt den schon erwähnten Zusammenhang zwischen Ausfuhr
und Einfuhr erkennen. Der Rückgang der Ausfuhr im Jahre 1908 hat auch
einen Rückgang der Einfuhr in diesem und im folgenden Jahre und die
Ausfuhrsteigerung
im Jahre 1909 eine bedeutende Zunahme der Einfuhr in den folgenden
Jahren
zur Folge gehabt. Das kommt besonders in der Einfuhr von Geweben zum
Ausdruck,
die der am meisten begehrte Verbrauchs- und Tauschartikel der
Eingeborenen
sind. Von der Einfuhr an Textil- und Filzwaren im Jahre 1912 stammen
etwa
6,2 Mill. aus Deutschland und 2,9 Mill. aus England; es ist aber
anzunehmen,
daß der Anteil der englischen Einfuhr noch größer ist, da ein Teil der
deutschen Verschiffungen englische Produkte umfaßt. Die starke
Konkurrenzfähigkeit
der englischen Gewebeindustrie kommt also auch hier, wie überall an der
westafrikanischen Küste, zum Ausdruck. Von dem an zweiter Stelle
stehenden
Einfuhrartikel - Fleisch, Fische und
tierische
Nahrungsmittel - kamen für etwa 3,1 Mill. M aus Deutschland für 0,4
Mill.
aus England. Etwa die Hälfte dieser Einfuhr besteht aus Stockfischen,
einem Hauptnahrungsmittel der eingeborenen Arbeiter. Die an dritter
Stelle
genannte Einfuhrgruppe - nicht besonders benannte Eisenwaren - wird zum
größten Teil für die Bedürfnisse der Eingeborenen eingeführt. Die für
die Bahnbauten und sonstigen Zwecke eingeführten Eisenwaren sind in
dieser
Einfuhr nicht enthalten, nämlich Roheisen, eiserne Schienen und Stangen
mit rund 0,7 Mill. M, Wellblech, Nägel usw. mit 0,2 Mill. M, Waren aus
anderen unedlen Metallen mit 0,5 Mill. M, Maschinen, Fahrzeuge aller Art
und Geräte mit 0,7 Mill. M. Bei der letzten Gruppe ist zu erwähnen, daß
die Einfuhr der Maschinen für landwirtschaftliche Betriebe gegen 1910
erheblich zugenommen hat. Die Zunahme der Reiseinfuhr ist auf die
weitere
Ausdehnung des Bahnbaues und auf regeren Verkehr zurückzuführen. Die
Geldeinfuhr
hat auch im Jahre 1912 wieder zum größten Teil aus Silbergeld bestanden.
Es ist in diesem Jahre aber auch ein größerer Posten Papiergeld
(2,6 Mill. M) eingeführt worden. Die Zollverhältnisse sind in K. durch
die Zollverordnung vom 1. Aug. 1911 (Amtsblatt für K. 1911 Nr. 16 S.
331)
und die Zolltarifverordnung vom gleichen Tage geregelt. Letztere hat
aber
inzwischen mehrere wichtige Veränderungen erfahren, zuletzt durch
Verordnung
vom 10. Sept. 1913 (Amtsblatt für K. Nr. 29 S. 401). Danach ist der
Einfuhrzol1
im allgemeinen ein Wertzoll, der bei Geweben 15. v. H., bei Eisenwaren
20 v. H., im Übrigen 10 v. H. beträgt. -Nur wenige Waren sind mit einem
besonderen, nach Maß oder Gewicht berechneten Einfuhrzoll belegt,
nämlich
alkoholische Getränke, Waffen, Pulver,
Salz, Tabak, Reis und getrocknete Fische; einzelne Waren gehen zollfrei
ein, hauptsächlich Maschinen und Materialien, die für die Investierung
im Lande bestimmt sind oder wissenschaftlichen und medizinischen Zwecken
dienen.. Ausfuhzöl1e werden erhoben von Kautschuk, Elfenbein, frischen
Kolanüssen und lebenden Nutztieren. Nutztiere sind mit einem Ausfuhrzoll
belegt worden, um die Ausfuhr von Vieh und Pferden aus den nördlichen
Bezirken K.s nach den benachbarten fremden Kolonien zu unterbinden, mit
dem Erfolge, daß diese Ausfuhr auch merklich abgenommen und sich mehr
nach dem fleischarmen Süden K.s gelenkt hat. Im Jahre 1911 wurden etwa,
14000 Rinder vom Norden nach dem Süden getrieben. Für die
Zollverhältnisse
des in dem sog. vertraglichen Kongobecken liegenden Teiles K.s, nämlich
die Südostecke AltK.s und den größten Teil Neu-K.s, sind die
Bestimmungen
der Berliner und Brüsseler Generalakte maßgebend. Die Träger des
Binnenhandels
waren früher hauptsächlich die an der Küste wohnenden
Eingeborenenstämme.
Ihr Handel ist aber mehr und mehr von den in K. tätigen europäischen
Unternehmungen
(s. Abschnitt 10) zurückgedrängt worden. Die am Gummihandel
interessierten deutschen Unternehmungen hatten sich bis vor kurzem zu
einem Gummisyndikat zusammengeschlossen. Außerdem haben die im südlichen
Teil tätigen Firmen zur Vertretung ihrer Interessen die Handelskammer
von Süd-K. gegründet, die auf dem Gebiete des geschäftlichen und
öffentlichen
Lebens eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Nach ihrem Muster hat sich vor
kurzem auch in Duala eine Vereinigung zur Vertretung der
Handelsinteressen
Dualas und Mittel-K.s gebildet. In den letzten Jahren haben sich die aus
dem Norden kommenden Haussahändler mehr und mehr im Binnenhandel
ausgebreitet;
der Zwischenhandel in Kautschuk, Elfenbein und
Vieh liegt größtenteils in ihren Händen. - Für Neu-K. liegen genaue
Ziffern
über den Handel nicht vor. Der auf Neu-K. entfallende Teil des
Gesamthandels
von Französisch-Aquatorialafrika wird von französischer Seite auf 10-12
Mill. Franken geschätzt. Im Verhältnis der Ein- und Ausfuhr von
Französisch-
Äquatorialafrika entfielen davon etwa 6,5 Mill. Fr. auf die Ausfuhr und
3,5 Mill. Fr. auf die Einfuhr. Die Ausfuhr bestand fast ganz aus
Kautschuk
und, etwas Elfenbein. Bemerkenswert für das Verhältnis zwischen Ein- und
Ausfuhr in NeuK. ist, daß in Französisch-Äquatorialafrika im Gegensatz
zu Alt-K. seit Jahrzehnten mehr ausgeführt als eingeführt wird.
12. Verkehr. K. kommt infolge seines Klimas als Besiedelungsland für Weiße
bis auf kleinere
Hochländer, die sich vielleicht später als besiedelungsfähig erweisen,
voraussichtlich nicht in Betracht. Sein
wirtschaftlicher Wert für Europäer liegt in der großen Hauptsache in seiner
Eigenschaft als Absatz- und
Produktionsgebiet. Für die Ein- und Ausfuhr ist neben den natürlichen
Produktionsmöglichkeiten die
Verbindung der Produktionsstätten mit den Verbrauchsplätzen von
ausschlaggebender Bedeutung. Die
Verkehrsfrage stellt sich daher in
den Vordergrund des wirtschaftspolitischen Interesses. Am einfachsten ist sie
naturgemäß im Küstengebiete,
da hier als billigstes und brauchbarstes Verkehrsmittel die Seeschifffahrt zur
Verfügung steht. Der Hafen
von Duala kann zu den besten Häfen der westafrikanischen Küste gerechnet werden.
Weniger gut sind die
Häfen und Landungsstellen bei Victoria, Kribi, Rio del Rey und Kampo. Zu diesen Häfen kommt durch die
Neuerwerbungen vom Jahre 1911 noch die Muni-Bucht, die von deutschen Dampfern
jetzt schon
regelmäßig angelaufen wird und anscheinend günstige Landungsverhältnisse bietet.
Im Jahre 1911 liefen die K.er Küste 536 (1909 488) Dampfer an mit 1551058 (1909
1034654) Reg.Tonnen.
Davon entfallen auf den Hafen von Duala 170 Dampfer mit 492990 Reg.-Tonnen und
auf den von Victoria
191 Dampfer mit 533898 Reg.-Tonnen. Von den übrigen 175 Dampfern mit 524170
Reg.Tonnen, die sich
auf die übrigen Häfen verteilen, entfällt der größte Teil auf Kribi, dessen
Schiffsverkehr sich trotz der
ungünstigen Landungsverhältnisse in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Von
den 396 Handelsdampfern
(1495058 Reg.-Tonnen), die im Jahre 1911 in K.er Häfen anliefen, fuhren 224
Dampfer mit 1126206
Reg.-Tonnen unter deutscher, 154 mit 368852 Reg.Tonnen unter fremder Flagge.
Gegenüber dem Vorjahr
ist der Verkehr der deutschen Handelsschiffe der Zahl nach gestiegen, der der
fremden etwas
zurückgegangen. Unter den deutschen Handelsschiffen kommen an erster Stelle die
Dampfer der
Woermann-Linie, die zusammen mit der Hamburg-Amerika-Linie und der Hamburg-Bremer-Afrika-Linie
einen regelmäßigen 14tägigen Schiffahrtsdienst zwischen Deutschland und K.
unterhält, unter den fremden
Handelsschiffen die der englischen Reederei Elder Dempster und Co. in Betracht.
Als natürliche Verkehrswege im Küstengebiete sind die Flußläufe des Sanaga, Wuri, Mungo, Muni und
Ndian zu nennen, die von der Küste aus auf kurze
Strecken schiffbar sind und in ihrem Delta zahlreiche
schiffbare Querverbindungen (Creeks) haben. Der K.er Überseeverkehr geht aber
nicht in seinem ganzen
Umfange über die deutsche Küste. Die Nordecke und die Südostecke K.s stehen
durch die Wasserstraßen
des Niger-Benue und des KongoSsanga mit fremden Küsten und dadurch mit dem
Weltverkehr in
unmittelbarer Verbindung. Von geringerer Bedeutung ist der Verkehrsweg, den der
Kreuzfluß nach
Britisch-Südnigeria (Kalabar) hin bildet.
Der Umfang des Überseeverkehrs, der über diese Flußläufe geht, läßt sich
zahlenmäßig nicht feststellen.
Einen Anhalt geben die Ziffern des Gesamthandels, der über die Zollstellen
Molundu, Garua und
Nssanakang geht, nämlich über Molundu im
Jahre 1912 für 1429 800 (1910 974583) M, über Garua für
1092000 (1910 830747) M und über Nssanakang für 271000 (1910 320774) M.
Auf dem Niger-Schiffahrtsnetze ist die Flußschiffahrt nach der Kongoakte von 1885 für Flaggen jeder
Nationalität frei. Die tatsächlichen Verhältnisse aber, die die Schiffahrt ohne Hafenanlagen, Anlegeplätze,
Holzstationen, Lagerschuppen und vor allem ohne ein geschultes Lotsenpersonal
unmöglich machten, haben
dazu geführt, daß auf dem Niger-Benue die englische Niger Company tatsächlich ein Verkehrsmonopol hat.
In den letzten Jahren hat sich das Interesse in steigendem Maße diesem
Verkehrswege zugewendet, da
erkannt worden ist, daß er - mit dem weitverzweigten Schari-Logone-System
verbunden - ein geeignetes
Einfallstor für den Handel nach dem mittleren und östlichen Sudan bildet. Zu den
mehrfachen französischen
Projekten, die auf die bessere Nutzbarmachung dieses Verkehrsweges hinzielten
(Mao Kebi-Tuburi-Logone)
ist, seitdem der deutsche Landbesitz im Nordosten K.s durch das deutsch-
französische Abkommen vom 4.
Nov. 1911 bedeutend erweitert worden ist, ein neues deutsches Projekt gekommen,
nämlich Garua durch
eine nordöstlich verlaufende Eisenbahn mit dem Logone zu verbinden. Ähnlich wie
auf dem Niger Benue
liegen die Verhältnisse auf dem Kongo. Auch hier hat trotz der Internationalität
der Schiffahrt die
französische und belgische Schifffahrt den Verkehr bisher fast ganz beherrscht.
Der deutsche Anteil daran
ist verschwindend gering. Durch das deutsch-französische Abkommen vom 4. Nov.
1911 ist Deutschland in
den Besitz langer, wichtiger Wasserverkehrsstraßen (Ssanga, Ngoko, Grüner Likuala, Likuala-mossaka)
gekommen, und der Kongo und Ubangi werden durch deutsches Gebiet berührt. Hier
soll unter Anlehnung
an eine bestehende französische Gesellschaft eine neue deutsche
Schiffahrtsgesellschaft gegründet werden. -
Für das ganze übrige Gebiet K.s, das nicht im unmittelbaren Verkehrsbereich der
Küste, des Niger oder des
Kongo liegt, das sog. Hinterland, ist die Verkehrsfrage ungleich schwieriger.
Für die Beförderung
hochwertiger Güter wie Elfenbein und Kautschuk stand bisher das landesübliche,
primitivste
Verkehrsmittel, der Lastenträger, zur Verfügung. Hauptsächlich im südlichen
Teile K.s hat sich ein großer
Trägerverkehr entwickelt, der in Kribi mündet. Um ihn zu fördern, wurde im Süden
ein ziemlich
ausgedehntes Straßennetz angelegt (s. Wegebau),
das zum Teil auch dem Automobilverkehr dienen kann.
Aber auch bei diesen hochwertigen Gütern nehmen die Handelsgewinne mit der
fortschreitenden Entfernung
der Produktionsgebiete von der Küste bei der teueren Trägerbeförderung immer
mehr ab. Ferner drängt der
Weltbedarf an Ölen, Fettstoffen und Baumwolle dazu, diese im Hinterlande
vorkommenden Massengüter
zur Ausfuhr zu bringen. Das ist nur durch die Eisenbahn und Wasserstraßen
möglich. Da es natürliche
Wasserstraßen, die als Verbindungswege vom Hinterland zur Küste dienen könnten,
nicht gibt, bleibt als
Verkehrsmittel nur die Eisenbahn. Die Eisenbahnpläne konzentrieren sich in K.
zurzeit auf 3 Projekte: 1.
Das Südbahnprojekt will von Kribi aus das Südgebiet erschließen und möglichst
die Schiffahrtsstraßen des
Ngoko und Ssanga erreichen. Dieses Projekt wird hauptsächlich von den
Handelsinteressenten in Kribi
betrieben, findet aber nicht die Unterstützung der Regierung. 2. Das
Mittellandbahnprojekt will von Duala
aus das mittlere Hinterland erschließen und bei Mbalmayo den schiffbaren
Oberlauf des Njong erreichen.
Mit seiner Ausführung ist bereits begonnen worden. Die etwa 300 km lange
Bahnstrecke bis zum Njong ist
genehmigt und im Bau. Auf einer 131 km langen Strecke ist von Duala aus der
Bahnbetrieb schon
aufgenommen. Von Mbalmayo aus wird der Verkehrsweg vorläufig durch den von hier
ab aufwärts
schiffbaren Njong eine Verlängerung von über 250 km erfahren und sich dadurch
der östlich davon
liegenden, etwa 200 km langen Wasserstraße des Dume auf 30-40 km nähern. Da der
Njong und der Dume
jetzt schon befahren werden und bei fortschreitender Reinigung des Flußbettes
ein Verkehr mit kleineren
Dampfern möglich ist, wird durch diese Anschlußbahn ein ziemlich brauchbarer
östlicher Verkehrsweg quer
durch Alt-K. geschaffen. Damit wird die Frage der Mittellandbahn aber nicht
endgültig gelöst sein. Ob sie
von Mbalmayo aus südöstlich zur Erschließung des Südostgebietes in der Richtung
zum Ngoko vorgetrieben
werden soll oder östlich nach Nola in der Richtung nach Bangi oder nach
Nordosten den Sanaga entlang, um
die wichtige Wasserscheide zu gewinnen, von der der Sanaga, der Ssanga, der
Lobaje, der Schari, der
Penndé und der Logone kommen, oder aber um
unter Benutzung des Farotales Garua zu erreichen, darüber
gehen die Meinungen vorläufig noch auseinander. - 3. Das dritte Bahnprojekt
betrifft die Nordbahn, die sog.
Manengubabahn, die das nördliche Hinterland von Duala erschließen soll.
Vorläufig sind 160 km dem
allgemeinen Verkehr übergeben.
Im ersten Betriebsjahre (l. April bis 31. Dez. 1911) wurden 3941644 Pers.-km und
958076 t-km gefahren
und 380432 M Betriebseinnahmen bei 292589 M Betriebsausgaben erzielt. Im
Kalenderjahr 1912 betrugen
die Roheinnahmen 633568 M und die Betriebsausgaben 414092 M (= 65 % der
Roheinnahmen); der
Betriebsüberschuß sonach 219466 M.
Die weitere Ausgestaltung des Nordbahnprojektes wird ebenfalls von dem Ergebnis
der in der letzten Zeit
vorgenommenen Erkundungen abhängen. -Neben diesen 3 großen Bahnprojekten hat die
23 km lange
Schmalspurbahn der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria von
Victoria nach Soppo, die
allerdings die erste Bahn im Schutzgebiet war, nur untergeordnete örtliche
Bedeutung. S. a. Eisenbahnen. -
Der Post - und Telegraphenverkehr wird in K. von 37
Post- und 11 Telegraphenanstalten (1911) besorgt. Im
Jahre 1911 wurden rund 1097000 Briefsendungen, 66 000 Stück Postanweisungen mit einem Betrage von
rund 12,3 Mill. M, 36000 Pakete und 68000 Telegramme befördert. K. war bis vor
kurzem nur durch ein
englisches Kabel an das Welttelegraphennetz
angeschlossen. Im Jahre 1912 ist das deutsche Kabel
Emden-Teneriffa-Monrovia nach Togo und K. fortgesetzt worden, so daß jetzt der
deutsche Kabelverkehr
von dem englischen Kabel unabhängig ist. Zu Land bestehen folgende
Telegraphenlinien: Duala - Buea -
Victoria, Duala-Jabassi-Njanga, Duala-Edea, Duala-Kribi, Kribi-Lolodorf-Jaunde-
Abong,
Mbang-Dume-Njassi, Lolodorf-Ebolowa. Am 5. März 1911 ist in Duala eine
Küstenstation für drahtlose
Telegraphie eröffnet worden, die in erster Linie dem Verkehr mit Schiffen in See
dienen soll. Neuerdings
vermittelt sie auch den Verkehr mit der Funkenstation Santa Isabel auf Fernando Po und hat auch die
Verbindung mit der Großstation in Tongo hergestellt. S. a. - Postwesen, Telegraphen und
Funkentelegraphie.
13. Geld- und Bankwesen.Vor der Begründung der deutschen Schutzherrschaft
waren in K. deutsches,
englisches und französisches
Geld und Maria-Theresia-Taler im Umlauf. Die Maria-
Theresia-Taler von 1780 waren im ganzen Sudan und
im Hinterlande von K. verbreitet und das beliebteste Zahlungsmittel. Daneben gab
es noch verschiedene
Arten von Eingeborenengeld, in erster
Linie die Kaurimuscheln. Der Handelsverkehr mit den Eingeborenen
vollzog sich in der ersten Zeit vorwiegend im Wege des Tauschhandels. Das
Bestreben der deutschen
Verwaltung ging
dahin, die Eingeborenen an den Verkehr mit Bargeld zu gewöhnen und das fremde
Geld möglichst aus dem
Verkehr zu bringen. Durch die V. vom 1. Febr. 1905 (KolGG. Bd. 9, S. 43) wurde
in K. die Rechnung nach
Reichsmark eingeführt. Gesetzliches Zahlungsmittel sind alle Münzen, die im
Reichsgebiet gesetzliches
Zahlungsmittel sind, mit der Maßgabe, daß neben den Reichsgoldmünzen auch die
Reichssilbermünzen für
jeden Betrag in Zahlung genommen werden müssen und daß Nickel- und Kupfermünzen
bis zu 5 M
gesetzliches Zahlungsmittel sind. Reichskassenscheine sind bei allen amtlichen
Kassen für ihren Nennwert
in Zahlung zu nehmen. Im Privatverkehr findet ein Zwang zu ihrer Annahme nicht
statt. Die amtlichen
Kassen sind berechtigt (aber nicht verpflichtet), Reichsbanknoten in Zahlung zu
nehmen; es ist jedoch
beabsichtigt, die 1000 M-Reichsbanknoten von dem amtlichen Kassenverkehr in K.
auszuschließen. Bei den
Eingeborenen haben sich besonders die 1 M- und 1/2 M-Stücke und die 5 ? -
Stücke eingeführt, 2 und 3
M-Stücke und 10 ?Stücke sind bei ihnen nicht beliebt.
Für englisches und französisches Gold- und Silbergeld ist ein fester Kurs
festgesetzt, zu dem sie von den
öffentlichen Kassen des Schutzgebiets in Zahlung genommen werden; für 1 Pfd.
Sterling 20 M und für 20
Franken 16 M. Die Einfuhr von Maria-TheresiaTalern und von Kaurimuscheln ist bei
Strafe verboten. Da
der Maria-Theresia-Taler aber noch weit verbreitet ist, sind die öffentlichen
Kassen K.s ermächtigt worden,
ihn bis auf weiteres ungefähr zu seinem Silberwerte, nämlich zum Preise von 1,50
M, anzunehmen.
Die Bargeldeinfuhr erfolgt fast ganz für Rechnung des Gouvernements und besteht
zum größten Teile aus
Silbermünzen. Das in K. umlaufende Geld ist demnach hauptsächlich Silbergeld. In
den Jahren 1911 und
1912 ist allerdings auch ein größerer Posten Papiergeld eingeführt worden. Ein
Bankinstitut, das amtlich den
Geldumlauf zu überwachen und zu regeln hätte, besteht in K. nicht. Die Deutsch-Westafrikanische Bank
(s.
d.) in Berlin, die eine Kolonialgesellschaft nach § 11 SchGG.
ist und in Duala und Lome (Togo)
Niederlassungen hat, besorgt den Geldverkehr im Innern und mit dem Auslande und
die
Zahlungsausgleichungen. Sie führt auch durch Vermittlung des Gouvernements
Münzgeld ein, wenn das
Bedürfnis dafür sich zeigt. Ihr Gesamtumsatz betrug im Jahre 1912 bei der
Niederlassung in Duala rund 65
Mill. (1910 38 Mill.) M, die Zahl der Kontokurrent- und Depositenkonten war 450
(270). Neben diesen
Bankinstituten besorgen auch die größeren Handelshäuser Bank- und Geldgeschäfte
für den örtlichen
Bedarf. S. a. Geld u. Geldwirtschaft und Banken.
14. Verwaltung. Die Verwaltung in K. wird durch das Gouvernement in Buea geführt (s. Tafel 77). An
der Spitze dieser Behörde steht der Gouverneur, der dem Staatssekretär des RKA.
unterstellt ist. Seine
Befugnisse sind nicht einheitlich und zusammenfassend geregelt; sie beruhen
vielmehr zum Teil auf
Gewohnheitsrecht, zum Teil auf
zahlreichen Einzelbestimmungen. Er ist nicht nur zum Erlaß von
Verwaltungsverordnungen im engeren Sinne, sondern in bestimmten Grenzen auch zum
Erlaß von
Rechtsverordnungen befugt, die die Allgemeinheit binden. Er ist der oberste
Inhaber der Polizeigewalt im
Schutzgebiet und hat die oberste Leitung der ganzen Zivil- und
Militärverwaltung. Die Schutztruppe ist ihm
unterstellt. Er hat die Disziplinargewalt über die Beamten und
Schutztruppenangehörigen. (Über Rang usw.
s. Gouverneur.) - Zur Erledigung der Geschäfte der Zentralverwaltung steht dem
Gouverneur eine Anzahl
von Beamten zur Verfügung, die als "Referenten" die Geschäfte der einzelnen
Verwaltungszweige führen.
Eine besondere Stellung hat der "Erste Referent", der Direktorialgeschäfte
versieht und der in Abwesenheit
oder bei sonstiger Verhinderung des Gouverneurs in der Regel auch sein Vertreter
ist. Am Gouvernement
bestehen zurzeit 10 Referate. Während die Referenten und das übrige
Beamtenpersonal dem Gouverneur
nach dem Bureausystem nachgeordnet sind, steht ihm der Gouvernementsrat (s. d.)
als beratendes Organ zur
Seite. Er setzt sich aus dem Gouverneur, aus einer Anzahl von
Schutzgebietsbeamten (amtlichen
Mitgliedern) und einer Anzahl von Weißen des Schutzgebietes (außeramtlichen
Mitgliedern) oder deren
Stellvertretern zusammen. Die außeramtlichen Mitglieder, die vom Gouverneur nach
vorheriger Anhörung
der Berufskreise berufen werden, müssen in der Zahl von wenigstens 3 berufen
werden. Sie müssen
zahlreicher sein als die amtlichen Mitglieder, die gleichfalls der Gouverneur
bestimmt. Den Vorsitz bei den
Verhandlungen des Gouvernementsrats führt der Gouverneur. Die Vorschläge für den
jährlichen
Haushaltsetat und die Entwürfe der von dem
Gouverneur zu erlassenden oder in Vorschlag zu bringenden
wichtigeren Verordnungen sind dem
Gouvernementsrat vor Einreichung an das Reichskolonialamt vor-
zulegen. Er ist nur beratendes Organ; das Gouvernement ist an seine Vorschläge
nicht gebunden. - Der
Zentralverwaltung ist die örtliche Verwaltung unterstellt. Ihre Einrichtung ist
in K. noch nicht
abgeschlossen. Sie ist von der fortschreitenden Erschließung des Landes abhängig
und daher bei dem ver-
schiedenen Stande der Erschließung in den einzelnen Gebieten nicht einheitlich.
Es ist zu unterscheiden
zwischen Zivil- und Militärverwaltung. Die Zivilverwaltung wird fortschreitend in den
Gebieten
eingerichtet, die als befriedet angesehen werden und eine gewisse Gewähr für
eine ungestörte wirtschaft-
liche und politische Weiterentwicklung bieten; das sind naturgemäß die der Küste
zunächst liegenden oder
durch Eisenbahnen oder Schifffahrtswege erschlossenen Gebiete. Die in diesen
Gebieten errichteten
Zivilverwaltungsbezirke werden je nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und
Größe und nach dem in
Stande ihrer Erschließung von einem Bezirksamtmanne (zurzeit in Duala, Kribi,
Victoria, Edea, Jaunde,
Lomie, Ebolowa, Jabassi und Ossidinge) oder einem Bezirksleiter (zurzeit in Johann-Albrechts-Höhe,
Banjo, Ukoko, Dschang, Ikelemba, Bare, Jukaduma)
geleitet. Von diesen durch selbständige Bezirksleiter
verwalteten Bezirken sind die Unterbezirke zu unterscheiden, die in einzelnen
Bezirken zur weiteren
Dezentralisierung der Verwaltung errichtet worden sind. Ihre Leiter unterstehen
zunächst dem Bezirks-
amtmanne. Die örtlichen Verwaltungsbehörden verfügen über das für den
Geschäftsgang nötige
Unterpersonal und zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit in ihren
Bezirken über eine Abteilung
Polizeitruppe. Das Personal der Polizeitruppe bestand im Jahre 1912 aus 27
Weißen (Reichsangehörigen),
und 1155 Farbigen. -Die Militärverwaltungsbezirke unterscheiden sich
hinsichtlich ihrer Stellung gegenüber
dem Gouvernement und der Verwaltungsbefugnisse ihrer Leiter in nichts von den
Zivilverwaltungsbezirken.
Der einzige Unterschied besteht darin, daß der Leiter der Schutztruppe angehört
und gleichzeitig
militärische Funktionen hat. Der größte Teil des der Küste ferner liegenden
Hinterlandes ist politisch und
wirtschaftlich noch nicht soweit erschlossen, daß die Besetzung durch die der
Zivilverwaltung zur
Verfügung stehende Polizeitruppe die dauernde Ruhe und Sicherheit genügend
gewährleisten könnte. Dieses
Hinterland wird daher noch durch die militärisch besser geschulte Schutztruppe
besetzt gehalten. Zurzeit
besteht Militärverwaltung in den Bezirken Bamenda, Dume, Mittel-Sanga-Lobaje,
Ober-Sanga-Uam,
Ober-Logone, Iwindo und Wolö-Ntem. In
militärischen Angelegenheiten unterstehen die einen
Verwaltungsbezirk leitenden Offiziere dem
Kommandeur der Schutztruppe, der seinerseits dem Gouverneur
unterstellt ist, in Verwaltungsangelegenheiten dagegen unmittelbar dem
Gouvernement. -Verschieden
hiervon ist die Verwaltung in den sog. Residenturbezirken. Diese werden zwar zur
Aufrechterhaltung der
deutschen Schutzherrschaft und von Ruhe und Frieden auch von der Schutztruppe
besetzt gehalten; die
Verwaltung ist aber den einheimischen Machthabern überlassen geblieben, und die
Verwaltungstätigkeit der
Residenten, die in der Regel Offiziere sind,
beschränkt sich auf die politische Vertretung der deutschen
Macht, die Überwachung der Verwaltungstätigkeit der einheimischen Machthaber und
auf die An-
gelegenheiten, die Weiße betreffen. Zurzeit bestehen 3 Residenturen, Garua, Mora
und Ngaundere. - Das
Personal der K.er Schutztruppe bestand im Jahre 1912 aus 175 Weißen
(Reichsangehörigen) und 1550
Farbigen, eingeteilt in 12 Kompagnien, davon eine, die 12., nur vorübergehend
bewilligt. Der Kommandeur
und Stab der Schutztruppe hat seinen Sitz in Soppo. Dem Kommando der
Schutztruppe war bis vor kurzem
auch die in Duala stehende Polizeistammkompagnie unterstellt. - Für die übrigen,
neben der allgemeinen
inneren Verwaltung bestehenden besonderen Verwaltungszweige - wie Finanz-, Zoll-
und Medizinalwesen
-, für Land- und Forstwirtschaft, für Bergbau und Verkehrswesen usw. stehen dem
Gouvernement die
erforderlichen technischen Beamten zur Verfügung. Diese technischen
Verwaltungszweige sind zum Teil
auch örtlich gegliedert, wie z.B. die Zollverwaltung. Zum größten Teil ist aber
bei den örtlichen
Verwaltungsbehörden eine scharfe Trennung zwischen diesen technischen
Verwaltungszweigen und der
allgemeinen Verwaltung nicht durchgeführt, so daß die Geschäfte der Finanz-,
Zoll- und sogar der
Postverwaltung auch oft durch die Beamten der allgemeinen Verwaltung mit
wahrgenommen werden. Die
Zollverwaltung wird in der Hauptsache durch technische Zollbeamte geführt. An den Hauptorten sind
Hauptzollämter und Zollämter
eingerichtet; daneben bestehen eine ganze Anzahl von Zollnebenstellen an
der Küste und entlang der Nordwest- und der Ostgrenze. Das landwirtschaftliche
Referat hat bisher eine
ausgedehnte Tätigkeit entfaltet. Die Versuchsanstalt für Landeskultur in
Victoria befaßt sich mit der Auf-
zucht tropischer Nutzpflanzen, der
Lieferung von Saat- und Pflanzengut, mit Versuchen zur Hebung der
Plantagenwirtschaft, insbesondere
des Kakao-, Kautschuk- und Ölpalmenbaues, mit Düngungsversuchen
und wissenschaftlichen und technischen Untersuchungen in Laboratorien. (Über die landwirtschaftliche
Schule und die Ackerbauschule in Dschang s. Dschang.) Die Sennerei in Buea, das
Vorwerk Buea, die
Viehzuchtstationen Dschang, Jaunde
und Djuttitsa mit ihren Vorwerken sollen durch
Reinzucht eingeführten
Viehes, durch Abgabe reinrassiger Zuchtbullen und durch Kreuzung eingeführter Rassen mit dem
einheimischen Rind der Hebung der einheimischen Viehbestände dienen. In Golombe ist ein Gestüt errichtet
worden. Zur Hebung und Organisierung der Kautschukausfuhr ist die
Kautschukinspektion mit den
Kautschukkulturstationen Sangmelima, Akonolinga, Dume und Dscha-Posten errichtet
worden, wo
Kautschukpflanzen aufgezogen und an Eingeborene verteilt und die Eingeborenen
von Sachverständigen in
der Anzapfung und Aufbereitung des Kautschuks unterrichtet werden. In den
Landschaften Bamum und
Adamaua sind seit 1911 landwirtschaftliche Sachverständige beschäftigt, um für
die Einführung des
rationellen Baumwollbaus in diesen Gebieten die nötigen Vorarbeiten zu
erledigen. Es sind von ihnen
Versuchsstationen in Kuti und Tittog eingerichtet worden. Außer diesen
besonderen landwirtschaftlichen
Einrichtungen sind den örtlichen Verwaltungsbehörden auch in Duala, Edea, Bare,
Yoko, Bamenda, Garua
besondere landwirtschaftliche Sachverständige zugeteilt worden, um die auf
diesen Stationen eingerichteten
Versuchsfelder und -gärten zu besorgen. Im Jahre 1912 wurde in Nomajos (Bezirk Jaunde) eine
Versuchsstation für Eingeborenenkultur errichtet; ferner wurde eine Inspektion
für Ölpalm- und
Kakaokultur geschaffen. Für die Hebung des Forstwesens stehen 2 höhere
Forstbeamte und das nötige
Unterpersonal zur Verfügung. Die Medizinalverwaltung hat in den meisten
Verwaltungsstationen
Regierungs- oder Militärärzte
stationiert, denen neben der ärztlichen Praxis in den Stationen die
Medizinalverwaltung der einzelnen Bezirke obliegt. Zur Bekämpfung der Pocken sind mehrere
Lymphegewinnungsstationen, so in Bamenda, Banjo, Dschang, Garua, Kusseri, Jaunde und Duala, errichtet
worden. Als Erfolg der systematischen Pockenbekämpfung konnte festgestellt
werden, daß in den letzten
Jahren nur wenige vereinzelte Fälle von Pocken vorgekommen sind. Zur Bekämpfung
der Schlafkrankheit
ist mit der Errichtung von Sammellagern begonnen worden Für die nächste Zeit ist
eine sehr erhebliche
Vermehrung des ärztlichen Personals und die Anlage mehrerer neuer Sammellager
geplant. Für die in Duala
eingerichtete Fleischbeschau und die
Erforschung und Bekämpfung der Tierkrankheiten stehen auch einige
Tierärzte zur Verfügung.
Die Postverwaltung untersteht nicht dem Gouvernement, sondern unmittelbar dem
Reichspostamt. Die
Postverwaltung wird durch das Postamt in Duala geführt, dem die übrigen Post-
und Telegraphenstationen
unterstellt sind. Auch die Geschäfte der Postverwaltung werden aber nicht auf
allen Stationen von
besonderen Postbeamten, sondern zum Teil auch von Beamten der allgemeinen Verwaltung
wahrgenommen.
15. Rechtsprechung.In der Rechtsprechung ist sowohl beim formellen wie beim
materiellen Rechte
und bei der Gerichtsverfassung
zwischen Weißen- und Farbigenrechtsprechung zu unterscheiden. - In der
Weißenrechtsprechung ist die Trennung zwischen Rechtsprechung und Verwaltung
grundsätzlich
durchgeführt. Soweit Verwaltungsbeamte als beauftragte Richter einzelne richterliche Geschäfte, wie
Beweiserhebungen, wahrnehmen, wird dies durch die besonderen Verhältnisse und
die großen Entfernungen
im Schutzgebiete notwendig gemacht. K. ist in 3 Gerichtsbezirke eingeteilt:
Duala, Kribi und Lomie. Die
erste Instanz wird durch den Bezirksrichter und durch das Bezirksgericht
gebildet. Der Bezirksrichter als
Einzelrichter hat in Zivilsachen die Zuständigkeit der heimischen Amtsgerichte,
in Strafsachen die der
Schöffengerichte. Das Bezirksgericht hat in der Besetzung mit dem Bezirksrichter
und 2 Laienbeisitzern in
Zivilsachen die Zuständigkeit der Landgerichte, in Besetzung mit dem
Bezirksrichter und 4 Laienbeisitzern
in Strafsachen die Zuständigkeit der Strafkammern und der Schwurgerichte. Zweite
Instanz ist das
Obergericht in Buea, das zugleich für Togo Obergericht ist. In der Besetzung mit
dem Oberrichter und 4
Beisitzern ist es Beschwerde- und Berufungsinstanz in Strafsachen und
Zivilsachen gegen die
Entscheidungen der Bezirksrichter und Bezirksgerichte. Eine dritte Instanz
besteht augenblicklich noch
nicht. Für das Prozeßverfahren und das materielle Recht der Weißenrechtsprechung
gelten die dem
bürgerlichen Recht angehörenden Vorschriften der Reichsgesetze und der daneben
innerhalb Preußens im
bisherigen Geltungsbereich des preußischen allgemeinen Landrechts in Kraft
stehenden allgemeinen
Gesetze und die dem Strafrecht und dem
Strafprozeßrecht angehörenden Vorschriften der Reichsgesetze.
-Während die Weißenrechtsprechung durch Reichsgesetz geregelt ist, ist die
Farbigenrechtsprechung dem
Verordnungsrecht vorbehalten. Die Gerichtsbarkeit über die Farbigen steht
grundsätzlich den weißen
Verwaltungsbehörden zu. Eine Trennung zwischen der Rechtsprechung und der
Verwaltung besteht hier
nicht. Soweit eine tatsächliche Verwaltung in K . noch nicht besteht, ist die
Eingeborenenrechtsprechung
den einheimischen Autoritäten überlassen. Aber auch da, wo schon eine geregelte
Verwaltungstätigkeit
eingerichtet ist, kann aus Zweckmäßigkeitsgründen die Befugnis zur
Rechtsprechung den eingeborenen
Autoritäten belassen oder besonders verliehen werden. Die Häuptlinge können zur Rechtsprechung als erste
Instanz für ihren Dorfbezirk vom Bezirksamtmann ermächtigt werden, und zwar
reicht ihre Zuständigkeit in
Zivilsachen dann bis zu einem Streitwert von 100 M, in Strafsachen bis zu Strafen von 300 M oder 6
Monaten Gefängnis. Für die diese Zuständigkeit übersteigenden Zivil- und
Strafsachen können als erste
Instanz sog. "Eingeborenen-Schiedsgerichte" errichtet werden, die zugleich
zweite Instanz für die
Häuptlingssachen sind. Die Schiedsgerichte werden für größere, ethnographisch
oder wirtschaftlich
abgegrenzte Bezirke gebildet; ihre Mitglieder werden vom Bezirksamtmann ernannt.
Höchste Instanz in der
Eingeborenen-Rechtsprechung ist der Gouverneur. Er kann die Ausübung seiner
letztinstanzlichen
Befugnisse dem Oberrichter übertragen und hat dies für K. auch getan. Dadurch
ist aber nichts an dem
Grundsatze geändert, daß die Farbigenrechtsprechung den weißen
Verwaltungsbehörden zusteht. Der
Oberrichter handelt in diesem Falle nicht auf Grund seiner Richtereigenschaft,
sondern im Auftrage des
Gouverneurs. Soweit eine Verleihung der Eingeborenenrechtsprechung an Häuptlinge
oder Schiedsgerichte
nicht erfolgt, wird für die Farbigen durch die örtlichen Verwaltungsbehörden
Recht gesprochen. Der Leiter
des Bezirks (Bezirksamtmann, Bezirksleiter, Stationsleiter der Zivilverwaltung oder
Bezirksleiter der
Militärverwaltung) ist also erste
Instanz, der Gouverneur oder in seinem Auftrage der Oberrichter zweite
und letzte Instanz. Für das Prozeßverfahren und das materielle Recht in
Eingeborenensachen gibt es kein
kodifiziertes Recht. Die Eingeborenengerichte urteilen nach ihren Rechtsgewohnheiten. Die Weißengerichte
wenden unter Berücksichtigung der Rechtsgewohnheiten der Eingeborenen und der
besonderen Verhältnisse
im Schutzgebiet die der Weißengesetzgebung zugrunde liegenden Grundsätze an. -
Für die Mischprozesse
richtet sich die Zuständigkeit nach der Rassenzugehörigkeit des Beklagten. Ist
der Beklagte ein Weißer, so
ist das Gericht des Weißen, ist er ein Farbiger, so ist der Richter des Farbigen
zuständig, und zwar im
letzteren Falle immer der weiße Eingeborenenrichter, auch wenn Häuptlings- oder
Schiedsgerichte bestehen.
An Orten, wo ein Bezirksrichter tätig
ist, wird jedoch tatsächlich auch dieser Teil der gemischten
Gerichtsbarkeit durch den Bezirksrichter wahrgenommen. Es ist aber auch hier
daran festzuhalten, daß der
Bezirksrichter in diesem Falle nicht in seiner Richtereigenschaft tätig wird,
sondern als Beauftragter des
Bezirksleiters. Materiell ist in diesen Mischprozessen der richtige Ausgleich
zwischen den
Rechtsanschauungen der
Eingeborenen und den Grundsätzen des Weißenrechtes zu finden. In Neu-K. hat
bisher für die Weißenrechtsprechung kein Gericht seinen Sitz gehabt. Die
abgetretenen Gebiete haben zu
den Gerichtsbezirken von Libreville, Bangui und Brazzaville gehört. Die deutsche
Verwaltung hat einen
Bezirksrichter in das Sanga-Gebiet entsandt. Sein Bezirk gehört vorläufig zu dem
Gerichtssprengel Lomie.
Er wird voraussichtlich in Nola seinen Sitz nehmen. Die Eingeborenen-
Gerichtsbarkeit hat in Neu-K. ebenso
wie in Alt-K. den Verwaltungsbehörden zugestanden.
16. Schulen. Für den Unterricht weißer Kinder bestehen zurzeit in K. noch
keine öffentlichen Schulen.
Bei der geringen Zahl der weißen Kinder hat sich ein Bedürfnis dafür bis jetzt
noch nicht gezeigt. - Die
Schulen für den Unterricht der eingeborenen Kinder zerfallen in Regierungsschulen und Missionsschulen.
Zurzeit bestehen 4 Regierungsschulen, nämlich in Duala, Victoria, Jaunde und
Garua. Im Jahre 1912 wurden
in Duala in 6 Klassen 362, in Victoria in 6 Klassen 257, in Jaunde in 3 Klassen
160 und in Garua in 3
Klassen 54 Schüler unterrichtet. In den ersten 3 Schulen wird der Unterricht von
weißen Lehrern gegeben,
während in Garua 2 farbige Hilfslehrer tätig sind. Da die Schüler zum Teil von
auswärts kommen, sind mit
den Schulen Internate verbunden, in denen die
auswärtigen Schüler untergebracht werden. Neben diesen
Volksschulen hat die Regierung Handwerker- und landwirtschaftliche Schulen
errichtet, nämlich in Buea
eine Tischlerei, eine Polsterei und eine Druckerei, in Victoria im Anschluß an
die Versuchsanstalt für
Landeskultur eine landwirtschaftliche Schule, in der in einem dreijährigen
Kursus Eingeborene zu
landwirtschaftlichen Aufsichtsbeamten herangebildet werden. Bei der Aufnahme in
diese Schule werden
Absolventen der Volksschule bevorzugt. Auf der landwirtschaftlichen Schule in
Dschang werden die
Schüler, meist Häuptlingssöhne, in Landwirtschaft, Gärtnerei und Viehzucht, daneben auch in deutscher
Sprache unterrichtet. Auf den Regierungsschulen werden nur Knaben unterrichtet.
Die Regierung hatte
früher auch eine Mädchenschule unterhalten. Diese Schule wurde jedoch vor
einigen Jahren wieder
aufgelöst, und der Unterricht der Mädchen wird jetzt ganz den
Missionsgesellschaften überlassen. - Neben
den Regierungsschulen entfalten die Missionsgesellschaften (s. u. Nr. 15) eine
ausgedehnte Tätigkeit auf
dem Gebiete des Unterrichtswesens. Während in den Regierungsschulen 1912 nur 833
Schüler unterrichtet
wurden, waren es in den Missionsschulen 42000.
Die Baseler Missionsgesellschaft unterrichtete im Jahre 1911 in 243 Dorfschulen
10522 Schüler und
Schülerinnen, dazu kommen noch 233 Knaben in 5 gesonderten Knabenschulen und 273
Knaben in 3
Mittelschulen, 109 Mädchen in 2 gesonderten Mädchenschulen. Auf einem Gehilfenseminar
wurden 55
Knaben zu Lehrgehilfen herangebildet. Die Baptistenmission unterrichtete in 5
Hauptschulen und 45
Volksschulen auf den Außenstationen im Jahre 1910 1755 Knaben und 78 Mädchen. In
Duala hat sie ein
Lehrerseminar errichtet. Die Presbyterianermission unterhält in Batanga, Efulen, Elat und Lolodorf 4
Knabenschulen und 4 Mädchenschulen und auf den Außenstationen 65 Dorfschulen.
Sie hat im Jahre 1910
4680 Knaben und 370 Mädchen unterrichtet. Im Jahre 1911 ist die Zahl der Schüler
auf 6975 gestiegen. Der
Knabenschule bei Elat ist eine Schule für die Ausbildung von Predigern
angegliedert. Die
Pallottinerkongregation hat im Jahre 1910 in 16 Stationsschulen und 72
Außenschulen 5807 Knaben und
665 Mädchen unterrichtet. Im Jahre 1911 ist die Gesamtzahl auf 7000 gestiegen.
Auch mit den
Missionsschulen sind, soweit es notwendig ist, Knaben- und Mädcheninternate
verbunden. Für das
Unterrichtswesen in K. ist die
Schulordnung vom 25. April 1910 (Amtsbl. für K. 1910 S. 125 ff)
maßgebend, der ein Lehrplan beigegeben ist. Danach steht die allgemeine
Schulaufsicht über alle
Schulanstalten dem Gouverneur zu. Neben der im Schulort herrschenden
Eingeborenensprache darf keine
andere lebende Sprache gelehrt werden als die deutsche; jedoch darf die Duala-
Sprache in den Schulen, in
denen sie bei Erlaß der Schulordnung neben der im Schulorte herrschen den
Eingeborenensprache als
Unterrichtssprache eingeführt war, noch 3 Jahre lang beibehalten werden. Ein
Schulzwang besteht nur für
die Schüler, die ordnungsmäßig angemeldet worden sind. Die Missionsschulen, die
bei der Verteilung der
Schulbeihilfen berücksichtigt werden wollen, müssen ihren Unterricht nach dem
Lehrplan des Gouverne-
ments einrichten.
Der Lehrplan regelt den Unterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen, in
der deutschen Sprache, in
den Anfangsgründen der Geschichte und in der Erd- und Naturkunde und sieht für
diese Lehrgegenstände
einen fünfjährigen Lehrgang vor. Die übrigen Lehrgegenstände, wie Religion,
Musik, Turnen usw., sind der
Bestimmung der Missionsgesellschaften überlassen. Die Missionsgesellschaften
haben ihren Schulen
zahlreiche Handwerker- und Landwirtschaftliche Schulen
angegliedert, in denen vor allem Schreinerei,
Schneiderei, Schusterei, Sattlerei, Ziegelbrennerei, Farmbetrieb und weibliche
Handarbeiten gelehrt werden.
In Neu-K. haben bisher französische Regierungs- oder Missionsschulen nicht
bestanden. Die
Konzessionsgesellschaften, haben das Recht gehabt, Eingeborenenschulen zu errichten. Eine
solche Schule
ist von der Compagnie forestière Sanga-Ubangi in Bania errichtet worden, in der
etwa 50 Schüler vor allem
in praktischer Arbeit unterrichtet wurden.
17. Missionen.Die christliche Mission,
war in K. schon vor der deutschen Verwaltung tätig. 1845 errichtete die
Baptisten-Missionsgesellschaft in London von Fernando Po aus ihre erste
Niederlassung in Duala. Sie wurde von dort im Jahre 1858 von der
katholischen
Mission, die die Unterstützung, des spanischen Gouverneurs von Fernando
Po hatte, verdrängt und verlegte ihren Sitz in die Ambas-Bucht, wo sie
Victoria gründete. 1886 ging diese Niederlassung an die evangelische
Baseler
Missionsgesellschaft über. 1889 kam es aber zwischen den dortigen
eingeborenen
baptistischen Christen und der Baseler Missionsgesellschaft zum Bruch,
da die baptistischen Christen sich den strengeren Forderungen der
Baseler
Missionsgesellschaft in der Frage der Sklaverei und der Vielweiberei und in anderen Fragen nicht
anpassen
wollten, und die eingeborenen baptistischen Christen sonderten sich als
selbständige christliche Gemeinden von der Baseler Missionsgesellschaft
ab. 1890 sandte die Missionsgesellschaft der deutschen Baptisten
einige Missionare nach K., um diese
selbständigen Gemeinden zu unterstützen. Es war aber auch diesen
baptistischen
Missionaren nicht möglich, mit den eingeborenen Baptisten zusammen zu
arbeiten, wenn auch die Verbindung nicht vollständig abgebrochen wurde.
Im Süden K.s wirkt seit 1885 die amerikanische Presbyterianermission,
die sich schon im Jahre 1847 weiter südlich in Französisch-Gabun
niedergelassen
hatte und mit der Begründung der deutschen Herrschaft in K. ihre
Tätigkeit
auf dieses Gebiet ausdehnte (s. Mission, 2. evangelische und die
einzelnen
Missionsgesellschaften). - Die Katholische Mission wird durch das
apostolische
Vikariat K. mit dem Sitz in Duala geleitet. Bis vor kurzen war die
katholische
Mission nur durch die Pallottiner-Kongregation vertreten. Die Propaganda in Rom hat jedoch neuerdings der Genossenschaft
der Priester vom Herzen Jesu, Missionshaus Sittard,
einen Missionsbezirk im Norden K.s übertragen, der das ganze Adamaua-
Gebiet
von Kunde nordwärts bis zum 10° n. Br. und die angrenzenden Teile Neu-
K.s
umfassen. Solange der Norden des Schutzgebietes aus politischen Gründen
für die Tätigkeit der Missionen noch nicht freigegeben werden kann,
wirkt
die neue Mission im Bezirke Bamenda, der zum Gebiet der Pallottiner
Mission gehört (s. Mission, 3. katholische und die einzelnen
apostolischen
Vikariate und Missionsgenossenschaften).
Die Tätigkeit der Missionen hat sich bisher hauptsächlich auf das
Küstengebiet
und das ihm zunächst liegende Hinterland beschränkt. Im Norden ist sie
schon etwas weiter bis Bamenda und Bamum und im Süden bis Jaunde
vorgedrungen.
Der Norden des Schutzgebietes ist, wie vorstehend bereits angedeutet,
für die Missionierung bisher noch nicht freigegeben worden, da die hier
zu lösenden Fragen über die Beziehungen der christlichen Missionen zum
Islam noch nicht genügend geklärt erscheinen. Neben
der eigentlichen christlichen Missionierung entfalten sämtliche Missionsgesellschaften
auch auf dem Gebiete des Unterrichtswesens (s.o. Nr. 16. Schulen), des
Sanitätswesens, der Erforschung des Landes, der Bevölkerung und der Sprachen
eine umfangreiche Tätigkeit. In Neu-K. ist, soweit bekannt, bisher noch
wenig Missionstätigkeit ausgeübt worden. Es befindet sich lediglich im
Munibezirk eine kleine Niederlassung der Söhne vom Heiligsten Herzen
(Vikariat
Gabun).
18. Geschichte. Geschichtliche Überlieferungen aus der älteren
Zeit haben wir in K. selbst nur sehr wenige und auch diese nur von den
hamitischsemitischen islamischen Staaten des Nordens. Im Beginn des
Mittelalters
wurden die Gobir durch den Druck der nördlich wohnenden Völker aus der
Sahara, Air und Asben nach Süden in die Gegenden des Sudans gedrängt und
gründeten die sieben echten Haussastaaten.
Schon vor diesen Staaten, die im zentralen Sudan gegründet wurden,
bestand
wahrscheinlich das alte Kanem im Nordosten
des Tsadsees, von hamitisch-semitischen Bardoa aus Vorderasien
begründet.
Dieses wurde frühzeitig mohammedanisch und eroberte das ganze Gebiet des
Tsadsees nach langem Kampfe mit den Sso, die vorher im Süden des
Tsadsees
herrschten. Doch im 14.-15. Jahrh. wurden die Sefua, das seit langem
regierende
Herrschergeschlecht, durch die Bulala aus Kanem verjagt und auf die
Gegend
westlich des Tsadsees beschränkt, wo sie das Reich Bornu gründeten und,
sich mit den Sso und den Negern mischend, zu den Kanuri
(s.d.) wurden. In dieser Zeit wurden auch die Reiche Dar Fur und Wadai
gegründet. Darauf kam von Westen, vom Senegal her, das Hirtenvolk der
Fulbe (s. d.), die zuerst friedlich unter den anderen Völkern saßen.
Erst
am Anfang des 19. Jahrh. gründete der Scheich Othman dan Fodio ein großes Reich, das vom Niger bis
zum Logone und bis nach Südadamaua reichte, mit Sokoto als Hauptstadt.
Das Reich Bornu war zwar bestehen geblieben, aber seine Herrscher waren
schwach und wenig energisch, aber die Mächte Sokoto und Wadai wurden
immer
kräftiger. Sokoto dehnte seine Eroberungszüge bis in die Schariländer
aus, der Vasallenstaat Adamaua (s.d.) beherrschte den ganzen Norden des
Hochlandes von Südadamaua. Nach Süden dehnten die Fulbe ihre
Eroberungszüge
bis zum Sanaga und weiter aus und verursachten bedeutende
Völkerverschiebungen
im Süden K.s. Im Norden zogen sich die bedrängten Heidenstämme,
die teilweise größere Reiche gebildet hatten, so das Battareich mit der
Hauptstadt Kokomi, in die Gebirgsmassive zurück, wohin die Fulbe ihnen
mit ihren Pferden nicht folgen konnten. Im Jahre 1890 drang dann ein
ägyptischer
Bandenführer, Rabeh, von Osten aus in die
Tsadseeländer ein und warf die alten Reiche Bagirmi
und Bornu über den Haufen. Damit kommen wir aber in die Zeit der
europäischen
Entdeckungsreisen hinein, und die Kämpfe der europäischen Expeditionen gegen Rabeh haben gerade zur
Erschließung
dieser Gebiete beigetragen. - Die Entdeckungsgeschichte K.s gehört fast
ganz der neuesten Zeit an. Aus ältester Zeit liegen nur 2 Berichte vor
- der eine in den Geschichtsbüchern Herodots, der andere auf Erztafeln
eines karthagischen Tempels -, die es wahrscheinlich machen, daß schon
im Jahre 550 v. Chr. die Phönizier bei einer Umschiffung Afrikas und
später
450 v. Chr. der Karthager Hanno an die Küste K.s gekommen sind. Aus den
folgenden 2 Jahrtausenden liegt keine Kunde über dieses Land vor. Im
Jahre
1484 segelte der Portugiese Cao auf der Suche nach dem Wege nach Indien
zwischen dem K.berge und Fernando Po durch und ankerte in der Gegend des
heutigen Victoria. Seit der Zeit zeigen zwar die Weltkarten, zuerst die
Karte Martin Behaims, die charakteristische Linie der Biafra-Bucht in
allgemeinen Umrissen, zu einer Besetzung oder Erforschung der K.er Küste
hat diese Kenntnis in den nächsten Jahrhunderten aber nicht geführt. Die
Niederlassungen der an der übrigen westafrikanischen Küste tätigen
Kolonialmächte,
zuerst der Portugiesen, dann der Holländer, Engländer, Spanier und
Franzosen
haben für sie nur als Stützpunkte des Sklavenhandels oder der Schiffahrt
nach Indien Bedeutung gehabt. Für diese Zwecke war die K.-Küste durch
ihre Lage in der innersten Ecke der Ausbuchtung, die die afrikanische
Westküste bildet, wenig geeignet. Im 19. Jahrhundert nahm die
Unterbindung
des Sklavenhandels und die Ablenkung des asiatischen Verkehrs durch den
Suezkanal den westafrikanischen Niederlassungen auch noch den Rest ihrer
Bedeutung und veranlaßte die dort ansässigen Mächte teilweise zur
Aufgabe
ihrer Niederlassungen. Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts
gab die gewaltige Steigerung des Güterverbrauches und der Güterbewegung
von allen Teilen der Erde nach den Handelszentren in Mitteleuropa den
bisher als wenig wertvoll betrachteten westafrikanischen Gebieten eine
neue Bedeutung. Die früher dort tätigen Kolonisationsmächte besetzten
ihre alten Niederlassungen wieder, und Deutschland trat als neuer
Bewerber
hervor. Die Tätigkeit deutscher Kaufleute an der westafrikanischen
Küste,
ging der deutschen Besitzergreifung Kameruns voraus. Im Jahre 1862 schon
hatte die Hamburger Firma Woermann in
Französisch-Gabun eine Handelsniederlassung und in den nächsten Jahren
weitere Niederlassungen in Lagos und Akkra und 1868 in Duala angelegt,
und dieser ersten Niederlassung an der K.er Küste waren bald weitere
deutsche
und ausländische Firmen gefolgt. Der politische und kaufmännische
Wettbewerb
des Auslandes veranlaßte die deutschen Handelsinteressenten zu
wiederholten
Eingaben an die Reichsregierung, die noch freien Gebiete an der
afrikanischen
Westküste zu besetzen. Diese Eingaben hatten erst im Jahre 1884 Erfolg.
Am 14. Juli 1884 hißte Nachtigal im
Auftrage der Regierung in Duala die deutsche Flagge, nachdem dies einige
Tage vorher schon in Lome (Togo) geschehen war. Das Küstengebiet
nördlich
und südlich von Duala wurde unter dem Widersprüche Englands unter
deutsche
Schutzherrschaft genommen. Es fand aber bald eine Einigung mit England
und auch mit Frankreich statt, auf Grund deren die Küste von Kampo bis
Rio del Rey unbestrittener deutscher Besitz wurde. - Das folgende
Jahrzehnt
diente der Ausdehnung der deutschen Hoheit in das Innere des Landes. Von
diesem war zu jener Zeit wenig bekannt. Denn die ersten Forschungsreisen
in unsere Kolonie gingen nicht von der Küste aus, wie man
wohl
annehmen möchte, sondern führten durch die Sahara ins Tsadseegebiet. Die
Reisenden benutzten die großen Verkehrsstraßen, die von den Sudanreichen
nach Tripolis führten. Im Jahre 1806 kam Hornemann von Tripolis bis zum
Niger, wo er ermordet wurde. 1822 erreichten die Engländer Denham
(s.d.),
Clapperton und Oudney den Tsadsee.
Dann kamen im Jahre 1851/52 die Reisen von Barth (s.d.) und Overweg;
Barth drang bis Jola und bis zu den Tuburisümpfen vor. An die letzteren
gelangte auch Vogel (s.d.). Durch die
Reisen
von Rohlfs (1865/67) und Nachtigal (s.d.)
(1869/74) wurden die ganzen Tsadseeländer noch weiter bekannt. Flegel
(s.d.) reiste 1879 den Benue hinauf und drang auf dem Hochland bis
Ngaundere
vor. Bis zum Nordrand des Plateaus war K. nach Süden bekannt, als im
Jahre
1884 die Besitzergreifung erfolgte. - Damit begann ein neuer Abschnitt
der Geschichte. Hatten die Reisen bisher in der Hauptsache
wissenschaftlichen,
nicht politischen Charakter, so kam es jetzt sehr darauf an, die
Landesgrenzen
des neu erworbenen Küstenstreifens gegenüber dem Wettbewerb der Nachbarn
möglichst weit in das Innere vorzuschieben. An der Küste war man bis
dahin
überhaupt noch nicht weit vorgedrungen. Die einzigen Erfolge waren die
Besteigung des K.berges durch Burton (s.d.) und Mann (1861/62), und nur
der Pole Rogoczinsky (s.d). war 1883 bis zum Barombisee gelangt. Auch nach der deutschen
Besitzergreifung
gelang es einige Jahre lang nicht, über den Küstensaum - hinaus
vorzudringen.
1885 erforschten Stubenrauch und Schuckmann
das Kalabargebiet, Zöller (s.d.) den
K.berg und den unteren Sanaga. Dann gelang es Zintgraff im Dienste der
Kolonialverwaltung die Bakossiberge zu
erreichen, ferner gründete er die Barombistation
am Elefantensee 1888. Im selben Jahr noch
erreichte
er das Banjangland, aber erst 1889 gelang ihm der Durchbruch zum
Grasland.
Er erreichte Bali und zog nach Jola, von dort über das Bekomhochland
zurückkehrend. 1890 wurde Baliburg gegründet. Im Süden gelang der Aufstieg
aufs Plateau schon 1887, wo Kund (s.d.),
Tappenbeck (s.d.) und Weißenborn den Njong und
Sanaga entdeckten. 1889 wurde hier die Station Jaunde gegründet. Morgen
(s.d.) entdeckte 1890 den Mbam und zog den Sanaga entlang zur Küste; im
selben Jahre noch führte eine zweite Expedition ihn nach Joko,
Tibati, Banjo und Ibi. Dieselbe Route fast führte 1891/92 Stetten
(s.d.) und Hering nach Ngambe und von
dort
über Banjo nach Jola. Inzwischen waren die Franzosen von Osten und
Westen
in Mittel-K. eingedrungen und hatten überall Verträge abgeschlossen. De
Brazza war vom Kongo aus den Ssanga hinaufgefahren, Mizon
war vom Benue aus über Kunde und Gasa nach
Bania marschiert, Maistre gelangte vom Ubangi zum Schari und von dort
nach Lai, Lame und Garua. So war es höchste Zeit, daß 1893 die
Expedition
von Uechtritz (s.d.) und Passarge
(s.d.)
von Garua aus nach Bubandjidda, Marua und Ngaundere
vorstieß und überall Verträge abschloß. Diese Vorgänge führten 1893 und
1894 zu Verträgen mit England und Frankreich, in denen die deutsch-
englische
Grenze bzw. die deutschfranzösische Grenze festgelegt wurde und damit
zur Anerkennung des Kameruner Hinterlandes als deutsches Schutzgebiet
von annähernd der Größe Deutschlands. Es folgte nun zunächst bis 1898
eine Zeit der Ruhe, in der man sich darauf beschränkte, die in Besitz
genommenen Gebiete in Verwaltung zu nehmen. Neue Vorstöße, die häufig
mit Kämpfen verbunden waren, setzten seit 1898 wieder ein. Der östliche
Süden des Schutzgebietes wurde vom Kongo-Ssanga her durch Plehn im Jahre
1899 erschlossen. Seine Arbeit setzten in den folgenden Jahren Frhr. v.
Stein und Scheunemann fort; ersterem gelang die Überwindung des breiten
menschenleeren Urwaldgebietes, das den Südosten des Schutzgebietes von
der Küste trennt. Die Buli, im Hinterland
der Südküste wurden, nachdem sie 1900 Kribi überfallen hatten, durch v.
Bülow unterworfen. Die Wute, die 1899 durch v. Kamptz
bereits unterworfen worden waren, wurden 1905 durch Dominik befriedet. Besonders schwere Kämpfe
verursachten
in den Jahren 1905 bis 1907 die Bewohner des oberen Njong und Dja; aber erst 1910 wurden hier die Maka,
ebenfalls durch Dominik, endgültig unterworfen. Die Keaka
und Ekoi am Kreuzfluß bekämpfte 1900 bis 1903 v. Besser
und später, 1904, als sie sich wieder erhoben, mit dauerndem Erfolge Mueller,
der 1905 auch die Stämme des Manengubagebirges unterwarf. Die Bangwa
wurden 1903 zur Botmäßigkeit gebracht, in den folgenden Jahren,
hauptsächlich
durch Glauning, die zum Bezirke Bamenda gehörigen
Stämme.
Von hervorragender Bedeutung war die Besetzung des Adamaua- und
Tsadseegebietes.
Hier hatten 1900 die Franzosen auf deutschem Gebiete den Eroberer Rabeh,
der im Herzen des Sudan ein mächtiges Reich gegründet hatte,
entscheidend
geschlagen. Sollte das Ansehen des Deutschen Reiches dort nicht verloren
gehen, so mußte eine Besetzung der Gebiete deutscherseits erfolgen.
Diesem
Zwecke dienten die Züge von Cramer v. Clausbruch, Dominik, v. Bülow,
Rathke
und Pavel, die teilweise gefährliche Kämpfe mit dem Sultan
von Jola, der von den Engländern aus seiner Residenzstadt vertrieben
worden
war, zu bestehen hatten. Nachdem dieser 1902 bei Marua geschlagen worden
war, wurde das Tsadseegebiet dauernd besetzt. Die Unterwerfung und
Befriedung
des Landes hat sich im allgemeinen ohne größere Störungen und ohne
erhebliche
Rückschläge, wie sie in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika eingetreten
sind, vollzogen. Die Stellung des Gouverneurs wurde nach der
vorübergehenden
Verwaltung durch Dr. Buchner (s.d.), den Nachtigal mit seiner Vertretung
beauftragt hatte, eingenommen durch Frhr. v. Soden
(s.d.), v. Zimmerer (s.d.), v. Puttkamer (s.d.), in dessen Verwaltungszeit
(1895-1906)
hauptsächlich die Erschließung des Schutzgebietes fällt, dann Dr. Seitz (s.d.), Dr. Gleim (s.d.) und (seit März 1912) Ebermaier
(s. d.).- Die Grenze des Schutzgebietes gegen die englische Kolonie
Nigerien
ist durch ein Abkommen vom 11. März 1913 festgelegt worden, das auch
über
die Schiffahrt auf dem Kreuzfluß er- leichternde Bestimmungen enthält.
Die Süd- und Ostgrenze des Schutzgebietes gegen Fran- zösisch-
Äquatorialafrika
wurde durch ein Abkommen vom Jahre 1908 genau festgelegt. Inzwischen hat
diese Grenze durch das deutsch französische Abkommen vom 4. Nov. 1911
ihre Bedeutung verloren. K. hat durch das Abkommen im Süden und Osten
gegen Abtretung des Dreiecks zwischen Logone und Schari und gegen die
im Marokko-Abkommen enthaltenen Zugeständnisse eine Vergrößerung
ungefähr
um die Hälfte seiner Fläche erfahren. Die neuen Gebiete sind
deutscherseits
zum größten Teil am 1. Oktober 1912, zum kleineren Teil am 1. Januar,
1. April und 1. Juni 1913 in Besitz und Verwaltung genommen worden. Die
neuen Grenzen werden durch eine gemischte Kommission festgelegt. Die
Grenze
zwischen K. und Spanisch-Guinea ist noch nicht in natura festgelegt. S.
Erwerbung der
deutschen
Kolonien 3 und Gre
nzfestsetzungen.
Meyer.
Literatur: Denham and Clapperton, Narrative of Travels and
discoveries in North and Central Africa. Lond. 1828. - H. Barth, Reisen
und Entdeckungen in Nord- und Zentralafrika in den Jahren 1849-53. Gotha
1857-59. Rohlfs, Reise durch Nordafrika vom Mittelländischen Meer bis
zum Busen von Guinea 1865-67. Petermanns
Mitteilungen, Ergänzungsheft. Gotha 1873. - Nachtigal, Sahara u. Sudan.
Berl. 1879-89. - Buchholz, Reisen in Westafrika. Lpz. 1880. - Morgen,
Durch Kamerun von Süd nach Nord. Berl. 1893. Zintgraff, Nordkamerun.
Berl.
1895. - Passarge, Adamaua. Berl. 1895. - Dominik, Kamerun. Berl. 1901.
-Dominik, Vom Atlantik zum Tsad. Berl. 1908. -Hutter, Wanderungen u.
Forschungen
im Nordhinterland von Kamerun. Braunschweig 1902. - M. v. Oppenheim,
Rabeh
u. das Tsadseegebiet. Berl. 1902. Bauer, Die Benue-Niger-Expedition.
Berl.
1904. - Esch, Solger, Oppenheim u. Jaeckel, Beiträge zur Geologie
von Kamerun. Stuttg. 1904. Lenfant, La grande route du Tchad. Paris
1904.
-Edlinger, Beiträge, zur Geologie und Petrographie von Adamaua.
Braunschweig
1908. Mansfeld, Urwalddokumente. Berl. 1908. Marquardsen,
Der Niger-Benue. Berl. 1908. -Ritter, Neukamerun.
Berl. 1912. - Das deutsche Kolonialreich, Bd. I. Lpz. 1909.
1. Lage und Grenzen. Die Kolonie K. liegt im innersten Winkel
der Bucht
von Guinea, bildet also einen Teil der Guineaküste
und trennt das sog. Ober-Guinea von Nieder-Guinea. Im Verhältnis zu
ihrer
Größe hat sie nur einen relativ geringen Anteil am Meer. Nach dem
Innern,
dem Osten zu verbreitert sie sich, so daß sie an der östlichen Grenze
vom Kongo bis zum Tsadsee reicht; das ist eine Strecke von über 14
Breitengraden
in der Luftlinie. K. erstreckt sich vom 13. Grad n. Br. bis zum 1. Grad
s. Br. und vom 7 1/2 bis zum 18 1/2 Grad ö. L. Das sind beträchtliche
Dimensionen und Entfernungen, und es ist ohne weiteres daraus
erklärlich,
daß sich K. aus landschaftlich und klimatisch verschiedenartigen
Regionen
zusammensetzt. Wir finden fast alle Übergänge vom trockenen
Steppengebiet
im Norden, am Tsadsee, bis zum dichtesten Urwald
im Süden am Ssanga. Die Grenzen von K., wie sie heute bestehen, sind
noch
sehr unentwickelt, teilweise sogar noch gar nicht näher festgelegt. Die
relative Unkenntnis besonders eines Teils der Grenzgebiete bedingt, daß
die Grenzlinie entweder durch Flüsse geführt wird, oder in gerader Linie
fest bestimmte Punkte verbindet. Zu großen Unzulänglichkeiten würde der
Bestand der spanischen Kolonie Spanisch-Guinea führen, die als Enklave
im deutschen Gebiet liegt, und zwar so, daß sie einen Teil des deutschen
Besitzes, nämlich den südlich von ihr liegenden Zipfel vollkommen vom
übrigen deutschen Gebiet trennt. Wir grenzen mit unserem Besitz an den
dreier anderer Kolonialmächte, nämlich Frankreich, England und Spanien.
An der ganzen Nordwestgrenze grenzen wir an englisches Gebiet, an
Britisch-Nigeria.
Im Osten und Süden liegt Französisch-Zentralafrika. Von Spanisch-Guinea
ist schon gesprochen. Nur mit dem Kongozipfel würden wir den belgischen
Kongostaat berühren, wenn nicht die Inseln im
Kongo französisch geblieben wären. Unser Gebiet umfaßt nach neuen
Feststellungen
des geodätischen Bureaus im KA. rund 795 000 qkm; davon haben wir durch
das Abkommen vom 4. Nov. 1911 mit Frankreich (s.-Erwerb der deutschen
Kolonien 3) 295000 qkm gewonnen, aber mit dem sog.
Entenschnabel 12000 verloren. Was
nun die Grenzen von K. anbetrifft, so sind dieselben teilweise noch
nicht
festgelegt. Die ganze Süd- und Ostgrenze ist durch den Vertrag vom 4.
Nov. 1911 in den Grundzügen bestimmt; die genauere Aufnahme des
Grenzgebietes
wird aber wohl die Notwendigkeit vieler Abänderungen ergeben. Die
Westgrenze
ist durch zwei Expeditionen vermessen, aber nur das Stück von Jola bis
zum Tsadsee ist bisher gesetzlich festgelegt. Für die Grenze von der
Küste
bis Jola kommt der Grenzvertrag vom 15. Nov. 1893 mit England in
Betracht.
Es hat eine Vermessung bis Jola stattgefunden, aber die z.B. schon in
der Karte des großen Kolonialatlas niedergelegten Vertragsentwürfe sind
noch nicht ratifiziert. Die Grenze verläuft geradlinig und macht geringe
Abweichungen zwischen dem oberen Ende des Rio del Rey bis zu den
Schnellen
des Kreuzflusses und verläuft von dort fast ebenso geradlinig in der
Richtung
auf Jola. Für die Strecke Jola-Tsadsee kommt der deutsch.-engl. Vertrag
vom 16. Juli 1906 in Betracht. Die Grenze beschreibt um Jola einen
Halbkreis
mit etwa 45 km Radius, folgt dem Unterlauf des Faro,
geht dann ein Stück den Mao Tiel hinauf und verläuft in nördl. Richtung zum Mao
Kilanje und dann zum Jadseram, dem sie
bis eben vor Dikoa folgt. Dikoa, das deutsch bleibt, wird in kleinem
Bogen
umgangen und dann verläuft die Grenze in der Richtung N 25° O bis zum
Tsadsee geradlinig (Riebow, Deutsche Kol.Gesetzgebung
Bd. I 79, 92, 215, 696; Bd. II 54, 80; Bd. X 277). - Was die Ost- und
Südgrenze unseres Schutzgebietes anbelangt, so richtet sie sich
vorläufig
nach dem Abkommen vom 4. Nov. 1911 zwischen Deutschland und Frankreich.
Sie verläuft vom Massoliee in der Bucht von Monda zur Südostecke von
Spanisch-Guinea
in gerader Linie. Von dort in einer Linie zur Mündung des Dschua in den Iwindo, darauf ersterem folgend bis
Madschingo (franz. bleibend) und darauf von dort geradlinig zum Ngoko-
Ssanga-Punkt.
Wesso bleibt französisch. Die Grenze geht nun nach SW 6-12 km unterhalb
Wesso zum Kandeko und folgt diesem, dem Bokiba und dem Likuala Mossaka
bis zum Kongo. Hier ist eine Strecke von 6-12 km deutsch. Dann geht die
Grenze den Likuala Essubi aufwärts bis Botungo. Von hier verläuft sie
geradlinig nach S bis Bera Ngoko, dann nach Nordw. zur Vereinigung von
Lobai und Bodinge und darauf den Lobai abwärts zum Ubangi.
Auch hier folgt sie dem Fluß 12 km, dann steigt sie in gerader Linie zum
Pama etwas westlich vom Zusammenfluß mit dem Mbi. Dann den Pama aufwärts
und in gerader Linie zum Penndé oder östlichen Logone bei Goree. Nun
folgt
sie dem Penndé, Logone und Schari bis zum, Tsadsee (DKolZtg. 1911 S.
765).
Das spanische Gebiet, Span.Guinea oder Munigebiet bildet eine Enklave
in deutschem Besitz. Seine Grenzen werden durch das deutsch-franz.
Abkommen
vom 24. Dez. 1885 im Norden bestimmt, weil damals noch das ganze südlich
der Kampo gelegene Gebiet französisch war, und erst später an Spanien,
durch den Vertrag vom 27. Juni 1900, abgetreten wurde. Im Norden wird
die Grenze bis zu dem Punkte, wo der Kampo den 10° östl. Länge
schneidet,
durch diesen Fluß geführt und von dort auf dem Breitengrad dieses
Punktes
nach Osten weitergeführt. Im Osten und im Süden wird die Grenze durch
den spanisch-französischen Vertrag vom 27. Juni 1900 festgelegt. Im
Süden
geht sie im Talweg des Muni nach Osten
und folgt dem 1° nördl. Breite von dem Punkt an, wo der Utemboni diesen
zuerst schneidet. Die Ostgrenze bildet der 9° östl. Länge von Paris, d.
h. 11° 20' östl. Länge von Greenwich. Es hat zwar eine Grenzregulierung
im Jahre stattgefunden 1901, aber es ist noch kein Vertrag zwischen den
Regierungen abgeschlossen. - Von den dem deutschen Gebiet vorgelagerten
Inseln gehören Fernando Po und Annobon
den Spaniern, Principe und San Tomee
den Portugiesen und von den kleineren Inseln nahe dem Festland Elobi
und Corisco den Spaniern.
2. Bodengestaltung. Man kann in K. in großen Zügen 5 verschiedene Gebiete
nach der
Oberflächengestaltung unterscheiden:
a) Das Küstenvorland, b) das Plateau von K., c) die Massivregion von Adamaua, d)
das Logone-Tsad--
Becken, e) das Ssangatiefland. Der Besprechung dieser Gebiete im einzelnen soll
kurz ein Überblick über
die geologischen Verhältnisse in K. vorangehen. Die geologische Erforschung
beschränkt sich bisher auf
wenige Routen, die durchgelegt sind, und auf die Untersuchung von nutzbaren
Lagerstätten. K. ist wie der
größte Teil von Afrika ein in Schollen abgesunkenes oder aufgerichtetes Plateau.
Wo Sedimentärschichten
auftreten, sind sie meist flach gelagert. Im Anschluß an die Bildung von Spalten
und Brüchen sind
vulkanische Ergüsse erfolgt und haben Decken oder Vulkane entstehen lassen.
Alluvialebenen sind das
dritte Element, das für die Bodengestaltung K.s maßgebend ist. Über die Tektonik
des Gebietes ist noch
wenig Klarheit geschaffen worden, weil im kristallinen Gebirge, aus dem der
größte Teil K.s besteht,
Brüche und Verwerfungen sehr schwer nachzuweisen sind. Die Küste in einer
Entfernung voll 30-100 km
begleitend, haben wir überall einen verhältnismäßig steilen Anstieg, der in 2
Stufen zum Hochland
hinaufführt. Wahrscheinlich ist, daß diese Stufen einen Bruchrand darstellen,
der aber von der Erosion stark
angeschnitten ist. Sicherer ist eine zweite Bruchlinie, auf der überall
vulkanische Ausbrüche stattgefunden
haben. Diese Linie beginnt bei der Insel Annobon und geht über Principe und
Fernando Po zum K.-Berg.
Die Region jung vulkanischer Gesteine setzt sich in derselben Richtung nach
Nordosten noch bis Banjo hin
fort und fällt hier mit dem Nordwestrand des Plateaus von Adamaua zusammen.
Außerdem dürfte ein
tektonisches Gebilde der Mberegraben sein, der sich an der Ostseite des
Hochlandes von Adamaua im
Quellgebiet des Mbere in der Richtung von
Westsüdwesten nach Ostnordosten erstreckt. Auch bei seiner
Bildung sind vulkanische Ergüsse erfolgt. Seine Ränder brechen 2-400 m steil ab,
seine Sohle hat eine
Breite von 5 bis 7 km. Petrographisch kann man in K. vier verschiedene Gebiete
unterscheiden: 1. Das
altkristalline Rumpfgebirge, 2. die Sedimentärgebiete, 3. die jung vulkanischen
Gebiete, 4. die
Alluvialgebiete. Das altkristalline Gebiet hat die weiteste Verbreitung in K.
Ganz Südkamerun und
Adamaua wird von ihm eingenommen. Die wichtigsten Gesteine sind Granit, Gneis
und Glimmerschiefer
mit vereinzelten Vorkommen von Quarziten, Amphiboliten, Granatfelsen, Syeniten,
Dioriten, Diabasen. Die
Sedimentärgesteine haben ihre größte Ausbreitung einmal im Benuetiefland und
andererseits im
Küstengebiet. Im Tale des Benue sind es die sog. Benuesandsteine, die weite
Verbreitung haben. Die
genaueren Grenzen im Süden sind noch nicht bestimmt. Im Norden reichen sie wohl
bis Demssa, Tengelin
zum Hossere Duli, wo die Auflagerung auf Granit zu erkennen ist. Auf englischem
Gebiete ist die
Verbreitung eine ungleich weitere. Das Alter dieser gelben bankigen Sandsteine
konnte wegen Fehlens jeder
Fossilien bisher noch nicht festgestellt werden. Ein zweites Vorkommen von
sedimentären Schichten haben
wir im Kreuzfluß, wo wir einen 30-40 km breiten Gürtel von Sandsteinen von
Keschan im Norden bis Araru
im Süden reichend finden. Es sind helle Sandsteine, die nach Fischresten in
ihnen jetzt der unteren Kreide
zugerechnet werden. Es liegen in ihnen Tonschichten, die sehr reich an Bitumen sind, ferner sind
Kohlenschmitzen gefunden und Soolquellen nachgewiesen. An der Küste von den
Fällen des Sanaga bis zu
den Ndianfällen im Norden treten überall Sandsteine und Schiefertone auf, die
zur oberen Kreide, und zwar
zur Emscherstufe gerechnet werden müssen. Im Süden tauchen sie unter tertiären
Schichten unter, die aus
mürben Sandsteinen, Tonen und Lehmen bestehen. Die in ihnen gefundene Fauna ist eozänen Alters. Die
jüngeren Eruptivgesteine bedecken im Westen von Adamaua weite Gebiete. Es sind
meist Basalte, Andesite
und Trachyte, Laven und Tuffe, aus denen die Decken und Vulkane dieser Gegenden
bestehen. Dann haben
wir in Mittel-Adamaua einzelne Vorkommen von Basalten, ferner im Mandaragebirge
und am Benue. Das
Absinken des Mberegrabens ist ebenfalls mit vulkanischen Ausbrüchen verbunden
gewesen. - Nutzbare
Mineralien: Zinkerze wurden mit Bleierzen
verbunden in Gutschumi in Adamaua gefunden. Glimmer
kommt abbauwürdig in Essudan, dann bei Babanki Tungo und Kentu, sowie bei Woe Matun vor. Marmor
für Gebrauch im Lande bei Bidjar in Adamaua. Bitumen und Kohle in kleinen Flözen
bei Mamfe. Erdöl tritt
im Dualabezirk in verschiedenen kleinen Quellen zutage. Salz kommt in Form von
Kochsalzquellen im
Ossidingebezirk vor. Natronquellen sind um Adamaua bekannt geworden, aus Demssa
und Ngaundere.
a) Das Küstenvorland. Wir wollen unter diesem Begriff den Streifen
niederen
Landes fassen, der von der Küstenlinie bis zum Beginn des Anstiegs zum
Plateau reicht. Dieser Streifen wird durch den K.Berg (s. Tafel 77) unterbrochen,
den wir also noch zu diesem Gebiet zählen wollen, da er als einzelner
Vulkan dem Vorland als fremdes Gebilde
aufgesetzt ist. Die Küstenlinie von K. bildet einen Bogen, der nach
Südwesten
geöffnet ist und in dessen innerem, Winkel der K.-Berg gelegen ist. Im
Westen haben wir das mächtige Nigerdelta, das eine Flußfahrt von Togo
nach K. auf den vielen Creeks möglich macht, im Süden vom K.-Berg das
K.-Astuar, das wahrscheinlich ein ehemaliges Delta des Sanaga darstellt.
Wenigstens spricht dafür, daß noch eine Wasserverbindung mit dem Sanaga
existiert. Weiter im Süden, südlich des Sanaga tritt dann das
kristalline
Gestein bis an die Küste heran. Dementsprechend haben wir eine
verschiedene
Gestalt der Küste. Westlich des Kamerunberges bilden sumpfige, flache
Mangrovendickichte die Ufer. Dann folgt auf der ganzen Strecke, an der
die Hänge des Kamerunberges ans Meer treten, eine steile, zerrissene
Kliffküste,
an der noch zu sehen ist, wie junge Lavaströme ins Meer geflossen sind.
Wieder einen anderen Charakter zeigt die Küste des Kamerunästuars. Dort
haben Küstenströmung und Kalema, die beide ungehindert wirken konnten,
eine geradlinige Flachküste geschaffen mit Strandwällen und Nehrungen.
Dieser Charakter der Küste reicht bis nach Kribi hin. Zwischen Kribi und
Kampo tritt das kristalline Grundgebirge direkt bis an die Küste, und
dadurch wird stellenweise eine Kliffküste bis 20 m Höhe geschaffen.
Denselben
Charakter trägt die Küste von Spanisch-Guinea bis zum Kap St. Jean. Hier
springt die Küste in rechtem Winkel zurück, um die Bucht von Corisco zu
bilden.Im ganzen Umkreis dieses Gebietes scheinen Sedimentärschichten
zu liegen, während der Rand des kristallinen Plateaus bis hinter den Rio
Muni zurückzutreten scheint. Die Ufer der Bucht von Corisco mit der
Bucht
von Monda und dem Rio Muni sind flach und mit Mangroven
bewachsen. Der Streifen des Küstenvorlandes ist entsprechend dem Vor-
und Rücktreten des inneren Plateaus verschieden breit. Er teilt sich
wieder
in einen alluvialen Streifen und einen kristallinen Streifen. Folgende
Tabelle gibt die verschiedenen Breiten an:
Ganzes Vorland (km)
Alluv.
(km)
Krist.
(km)
Kap Peleikan . . . . . .
195
45
150
Kap Suellaba . . . . . .
110
85
25
Sanagamündung . . .
130
70
60
Lonji. . . . . . . . . . . . . .
55
5
50
Kampo . . . . . . . . . . .
25-30
-
25-30
Man kann wohl als Regel angeben, daß die ersten Schnellen an allen
Flüssen
den Anfang des kristallinen Gebiets bezeichnen. Das alluviale Vorland
bildet überall ein mit dichtem Urwald bewachsenes, durch ein Gewirr von
kommunizierenden Flüssen zerschnittenes, sumpfiges Tiefland. Nach der
Küste zu findet man Strandwälle, Lagunen
und Mangrovendickichte, in der Tiefe liegen Kreideschichten, die lokal
aufgeschlossen sind. Im Norden haben wir das Rio del Rey-Tiefland mit
4 tiefen Buchten, die weit in das Land führen und teilweise mit Dampfern
befahren werden können. Mit Flußdampfern kann man die kleinen
Küstenflüsse
bis zu den Schnellen hinauffahren. Im Süden des K.berges liegt das
K.ästuar,
das durch den Kwakwa mit dem Sanaga
verbunden
ist. Wie schon erwähnt, ist das Ästuar wohl das alte Delta des Sanaga,
der später weiter südlich durchgebrochen ist. Die Creeks sind teilweise
bis 20 m tief, eine schwer zu erklärende Tatsache. Im Hintergrunde der
Bucht liegt der schöne Hafen Duala, der Hauptort der ganzen Kolonie.
Duala
gegenüber liegt Bonaberi als Hafenplatz
der Nordbahn. In die K.mündung fließen
die Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba, die
alle von dem Plateaurand herabkommen und bis zu den Schnellen schiffbar
sind. Mit dem K.ästuar unmittelbar in Verbindung steht das Tiefland des
Sanaga und des Njong. Das Land steigt hier meist bis zu 10-15 m an und
wird stellenweise von bis 60 m hohen Sandsteinwällen durchzogen. An der
Grenze des kristallinen Gebietes liegt Edea und der Ossasee. Von da
steigt
das Tiefland bis zum Dibamba auf 45 m an. Im Süden der Njongbucht wird
dann das Alluvialgebiet immer schmäler, bis bei Kribi das kristalline
Vorland direkt ans Meer tritt. - Im Zusammenhang mit dem Alluvialland
der Küste wollen wir das Massiv des K.berges betrachten, das ihm
aufgesetzt
ist. Im Norden des K.berges, zwischen ihm und dem Manengubagebirge
steigt
das Alluvium an seiner höchsten Stelle
bis auf 267 m bei Kumbo, südlich des
Elefantensees,
an. Dieser selbst ist ein Alter
Krater,
ebenso wie der Diadiasee, zwischen Dibamba und Mungo. Dort liegt auch
an der schmalsten Stelle des Schwemmlandes der Rickardsee, ebenfalls ein
alter Krater. Der K.berg ist ein aus
mehreren
Vulkanen zusammengesetztes Massiv von etwa 50 km Durchmesser. Er gehört
zu der schon erwähnten, sich von Annobon und Fernando Po hinziehenden Vulkanreihe, und
demgemäß
ist seine Längsachse nach Nordosten gerichtet, daher sind auch die
jüngsten
Ergüsse von Südwesten nach Nordosten hin fortgeschritten, von der
Mannsquelle
bis zum Fako. Der letzte Ausbruch war im
April bis Mai 1909. Dabei entstanden 3 neue, kleine Krater. Das Massiv
steigt in mehreren Terrassen an. Die erste Stufe liegt etwa in 900 m;
auf ihr befindet sich Buea, die zweite Stufe steigt steil bis etwa 2800
m an, und von dieser Terrasse aus erhebt sich bis 4170 m der Faro. Im
Westen erhebt sich mit sehr steilen Hängen der etwa 2000 m hohe Etinde,
der nach Esch die alte Vulkanruine eines früheren Berges darstellt, der
durch die späteren Ausbrüche zerstört und teilweise verschüttet wurde.
Auch hier im Westen haben wir erst einen allmählichen Anstieg bis auf
etwa 1000 m Höhe. Zwischen dem Etinde und dem Fako liegt inmitten eines
in der Ausbruchsrichtung streichenden Zuges von Kratern und parasitären
Vulkanen die Mannsquelle, die einzige Quelle, die über dem Waldgürtel
sich findet, und daher ein wichtiger Punkt für Besteigungen des Gipfels
ist. Alles Wasser verschwindet sonst sofort im porösen Gestein. Der
Krater
des Fako ist zum größten Teil durch die Erosion zerstört, nur auf der
Nordseite ist er teilweise erhalten und bildet hier den Gipfel des
ganzen
Berges. Eine geschlossene Urwaldzone reicht etwa bis 2200 m hoch empor,
doch streckt der Wald an feuchten Stellen, besonders in den Flußtälern,
Zungen bis 2700 m hinauf. Dann beginnt
ganz unvermittelt das Grasland, das bei 2800-3000 m in eine wilde,
vegetationslose
Hochgebirgswüste übergeht. Eine ständige Schneebedeckung führt der
K.berg
nicht, doch halten sich Schneeflecken wohl öfter längere Zeit. Fast
immer
ist der Gipfel in einer Nebel- und Wolkenschicht verborgen, und nur
selten
sieht man vom Fuße des Berges aus den Gipfel frei vor sich liegen. An
der Küste, am Fuße des K.berges, liegen die beiden Hafenstädte Bimbia und vor allem Victoria, letzteres an der
schönen
Ambasbucht. Hier, an der zerrissenen
Küste des Berges, sind viele gute Häfen, die aber wegen der
Schwierigkeit
des Zugangs zum Lande wertlos sind. Die Brandung hat die weichen
Tuffschichten
zerstört und Buchten in den Hang eingegraben, während die härteren Laven
als Vorgebirge stehen geblieben sind. Victoria ist der Hafen für Buea,
das in 900 m Höhe am Westhang des K.berges gelegen ist. Es ist wegen
seiner
gesunden Lage Sitz der Regierung geworden. Das südliche Ufer des Rio
Muni,
das seit dem Novemberabkommen deutsch ist, scheint ein sedimentäres
Plateau
von geringer Höhe darzustellen. In der Nähe des Rio Muni, und besonders
in seinem hinteren Teil, ist das Gebiet sumpfig, so ist z. B. der Bane
mit dem Tembone durch Kanäle verbunden. Die Stufe zum kristallinen
Plateau
liegt etwa 50 km von der Küste entfernt. Ob noch ein kristallines
Vorland
vorhanden ist, ist ungewiß. Das ganze Vorland liegt etwa 50 m hoch, und
diese Erhebung tritt bis nahe an die Küste heran. Der Rio Muni selbst
ist ein tiefes Becken, das wahrscheinlich einen guten Schiffshafen
abgibt.
In Butika legen schon jetzt die Woermanndampfer an. In den Rio Muni
fließt
der Tembone, der aber im unteren Teil deutsch ist und wie der Noya vom
Plateau herabkommt. Das ganze Gebiet ist mit dichtem Urwald bestanden.
- Das kristalline Vorland entwickelt sich überall, mit einer deutlichen,
wenn auch oft geringen Stufe aus dem alluvialen Gebiet. Im Norden des
Rio del ReyTieflandes wird das kristalline Vorland bis zum Abfall des
Baliplateaus unter dem Namen der Westkameruner Massivregion
zusammengefaßt.
Die Stufe zum Tiefland ist im Osten am Mungo, wo dieses selbst sehr hoch
ansteigt, gering, wird aber nach Westen immer mächtiger, so daß die
Flüsse
zum Teil Wasserfälle von außerordentlicher Schönheit bilden. Das ganze
Gebiet stellt eine Stufe von etwa 200 m Meereshöhe dar, aus der einzelne
Massive hervorragen. Ob das Ganze eine Inselberglandschaft, die einfach
abgesunken ist, darstellt, oder von Brüchen und Senkungen zertrümmert
ist, ist nicht bekannt, doch spricht das Auftreten von jungvulkanischen
Gesteinen für letztere Auffassung. Drei Massive treten besonders hervor:
Die Rumpiberge, das Obangmassiv und,
schon zur Hauptsache auf englischem Gebiet, die Auaberge.
Ein unruhiges Hügelland bildet die Fläche, auf der sie sich erheben. Die
Rumpiberge sind ein zerrissenes, urwaldbedecktes Bergland von bis zu
1500
m Höhe, während Obang- und Auamassiv 1000 m nicht übersteigen. Unter den
trennenden H ügelländern möge nur die Ossidingesenke mit der
anschließenden
Banjangbucht erwähnt werden. Erstere ist von den schon erwähnten
Sandsteinen
der unteren Kreide erfüllt, die bituminöse Schiefer und Kohlenflöze
führen
sowie Salzquellen enthalten. Die Entwässerung
des Gebietes wird einesteils durch kleine Küstenflüsse, wie den Meine,
Ndian und Koran, andererseits durch den Kreuzfluß und seine
Nebenwässer,
besorgt, der erst nach Nordwest fließt und dann in großem Bogen nach
Süden
umbiegt. Das ganze Gebiet ist mit dichtem Urwald bedeckt, und nur auf
den höheren Massiven finden wir einige Grastäler, die Viehzucht
zulassen.
An Siedelungen haben wir in der Westkameruner Massivregion zuerst
Johann-Albrechtshöhe
in günstiger Lage, die Straße von Duala nach Ossidinge beherrschend.
Ossidinge
am Kreuzfluß liegt in dem Zentrum des Ossidingetieflandes und Mamfe am
Ende der Schiffahrt des Kreuzflusses. - Zwischen dem Wuri und Dibombe haben wir ein stark zerschnittenes
Hügelland
von 200-300 m Höhe; dann verbreitert sich das kristalline Vorland und
erweitert sich zur sog. Wuri-Njong-Bucht, die am Sanaga eine Breite von
70 km besitzt. Es ist das eine ebene bis hügelige Platte, überall mit
dichtem Urwald bedeckt und noch wenig erforscht. Jenseits des Lokundje
verschmälert sich dann das Vorland wieder, es bildet eine ebene Fläche,
die aber teilweise von markanten Bergen überragt wird. Ein solcher Berg
ist der Elefantenberg, der etwa 350 m hoch ist. Ob
die Platte eine abgesunkene Inselberglandschaft darstellt, oder ob die
Erosion die Hügel stehen gelassen hat, ist zweifelhaft. Bei Kribi tritt
die kristalline Zone ans Meer. Kribi ist der wichtigste Hafen an der
Südküste,
von dem aus wichtige Handelsstraßen
ins Innere führen, während Kampo schlechte Landungsverhältnisse besitzt.
Außer ihm kommen noch Groß- und Kleinbatanga, letzteres am Njong
gelegen,
in Betracht. Lolodorf, an der Straße nach Jaunde gelegen, liegt am Fuße
der Hauptstufe des Plateaus. Die Flüsse des ganzen Gebietes kommen vom
Plateau oder wenigstens vom Rande der Stufe herab.
b) Das Plateau von K. Von dem Küstenvorland steigt man nach Osten meist
mit mehreren Stufen auf ein weites Plateau hinauf, das sieh über den
größten
Teil von K. erstreckt. Es ist der nördliche Teil der sog. Schwelle von
Nieder-Guinea, setzt sich ununterbrochen über Spanisch-Guinea und
Französisch-Kongo
in den Kongostaat hinein fort. Nach Norden endet es ebenfalls mit einer
Stufe, und es ist strittig, ob diese Stufe einen Bruch darstellt oder
eine Erosionsstufe ist. Auf jeden Fall setzen die Massive von
Nordadamaua
die Oberfläche des Plateaus von K. fort. Nach Osten zu senkt die
Hochfläche
sich allmählich und geht ununterbrochen in französisches Gebiet über.
Die Oberfläche dieses Plateaus ist nicht gleichmäßig flach; sie ist
aufgebogen,
zerbrochen, und einzelne Sockel ragen von ihr hervor. Sie besteht zum
größten Teil aus archaischen, gefalteten Gesteinen, die Überreste eines
einstigen Gebirges sind, von dem die Abtragung einzelne Erhebungen
übriggelassen
hat. Im Norden haben wir den höchsten Teil, von dem aus sich das Plateau
in mehreren Stufen senkt. Im Westen, wo vielleicht der aufgebogene Rand
eines Staffelbruchs vorliegt, liegen ebenfalls im Norden die größten
Höhen
über 2500 m, während sich der Rand im Süden auf 1000 m etwa erniedrigt.
Man kann das Plateau von K. in zwei große Gebiete trennen, deren Grenze
nördlich der Sanagamulde nach Kunde und von da zum Uam
hinüberzieht,
im Norden das Hochland von Südadamaua und im Süden die Hochfläche von
Süd-K. - Die Hochfläche von SüdK. läßt sich wieder in drei Gebiete
teilen,
in das Südkameruner Randgebirge, in die Sanagaschwelle und in die Njemplatte.
Das Südkameruner Randgebirge ist lediglich der aufgebogene Westrand des
Plateaus, der zur Küste steil, wahrscheinlich überall in zwei Stufen
abfällt
und sich nach Osten zu langsam senkt. Im Norden beginnt es mit der
Sanagasenke,
und im Süden setzt es sich durch das spanische Gebiet in das
französische
Gebiet hinein fort. Die erste Stufe von der Küste aus liegt in etwa 300-
600
m Höhe und scheint sich nach Norden zu zu verbreitern, um am Sanaga
direkt
in die dort 500 m hoch gelegene Plateaufläche überzugehen. Östlich von
Kampo sind die Mbembeberge, die vielleicht noch zur ersten Stufe
gehören,
700-800 m hoch. Im Süden im deutschen Munigebiet hat es den Anschein,
als ob der Plateaurand, der ununterbrochen durch Spanisch- Guinea
reicht,
auf einer Linie auf der Höhe des Rio Muni abbricht und erst weiter im
Osten wieder einsetzt, während zugleich eine Erniedrigung stattfindet.
Wir haben auch dort zwei Stufen, die erste in 200 m Höhe etwa, während
der Rand der zweiten bis zu 700 m sich erhebt. Der Übergang des
Gebirgslandes
nach Osten in die wellige und nur durch einzelne Inselberge überragte Hochfläche ist ein
allmählicher
und daher auch schwer festzulegen. Im Norden sind die Ndogoberge östlich von Jaunde die letzten
Ausläufer,
weiter im Süden soll der Pfalla die
Grenze
bilden. Es wird davon abhängen, wie weit sich die vom Rande aus
einschneidenden
Flüsse bereits eingegraben und die früher vorhandenen Flächen zerrissen
haben. Man wird wohl fast g anz Spanisch-Guinea und also auch das ganze
südlich davon gelegene deutsche Gebiet zum Randgebirge zählen können.
Das ganze betrachtete Gebiet ist mit tropischem Urwald bedeckt, nur am
Sanaga im Norden greift das Grasland über die Ndogoberge und auf die
erste
Stufe bis an Jaunde heran. Die Flußläufe bevorzugen, wie es, bei
Bruchstufen
oft der Fall ist, zwei Richtungen, einmal parallel zur Stufe und
zweitens
senkrecht zu ihr. Es scheint sogar, als ob die erste Stufe zuweilen
angedeutet
wäre durch auffällige Ablenkungen in der Flußrichtung parallel zum
Hochlandrande.
Die meisten Flüsse haben den Rand durchbrochen und entwässern teilweise
große Teile der Hochfläche. Wahrscheinlich haben sie sich große Gebiete
der nach Osten hin entwässernden Flüsse leicht erobern können. Der
Njong,
der den Rand bei den Tappenbeckschnellen
durchbricht, entspringt weit innerhalb der Njemplatte, sein Nebenfluß,
der Nkele, hat den Rand noch nicht durchbrochen. Der Lokundje und sein
Nebenfluß Tjange haben den Rand
durchbrochen,
haben die Hochfläche noch nicht erreicht. Der Kampo oder Ntem dagegen hat ein großes Einflußgebiet. Der Uelle
oder Rio Benito liegt nur mit seinem
Oberlauf
auf deutschem Gebiet und hat schon einen Teil der Hochfläche erobert.
Die Hauptzuflüsse des Rio Muni, der Tembone und der Noja, liegen noch
vollständig im Randgebirge. Im Anschluß an das Südkameruner Randgebirge
ist noch das zu ihm gehörige Ebomassiv
zu betrachten, das nur orographisch von ihm zu trennen ist. Wir hatten
im Süden des Sanaga einen fast nördlichen etwas nach Osten gerichteten
Verlauf des Hochlandrandes. Am Sanaga macht der Rand eine Biegung, er
wendet sich nach Nordwest. Zugleich steigt die Höhe des Randes bis auf
über 2000 m. Die Stufe nach Westen fällt steil und wahrscheinlich ohne
Vorstufe ab, aber auch nach Osten zum Tal des Mbam soll der Abfall sehr
steil sein. Die Hänge des Massivs sind mit dichtem Urwald bedeckt, doch
sind auf den obersten Teilen schon Hochweiden und Hochsteppen zu finden.
Das ganze Gebiet ist wild und unzugänglich und daher unbewohnt und eine
Völkerscheide zwischen Bantu- und Sudannegern geworden. - Die Njemplatte
ist eine 600700 m hohe wellige Ebene, die sich durch die großen
Flußgebiete
in einzelnen Mulden und Schwellen teilen läßt. Andererseits sind die
Niveauunterschiede
so gering daß meilenweit nicht zu unterscheiden ist, in welchem
Flußgebiet
man sich befindet. Die Entstehung dieser aus gefaltetem kristallinem
Gestein
bestehenden Rumpfflächen ist eins der interessantesten Probleme in
Afrika.
Im Süden, im neuerworbenen deutschen Gebiet, haben die Nebenflüsse des
tief eingeschnittenen Ogowe, die also eine
relativ große Erosionskraft besitzen, die ursprüngliche Hochebene stark
zerrissen. Im Osten des Iwindo tritt ein Sandsteinrand auf. Wir haben
dort eine ziemlich bewegte Oberfläche. Im einzelnen ist dies Gebiet
außer
an den Flußläufen wenig erforscht. Im Osten steigt die Hochfläche zu der
Kunabembe-Schwelle an, die etwa 800-900 m hoch ist und die durch den
Dscha
und Bumba in tiefen Tälern durchbrochen
wird. Im Südosten fällt die Kunabembe-Schwelle ziemlich steil zum
Sanagatiefland
ab. Es ist noch nicht recht ersichtlich, ob sie ein Hügelland ist, oder
ob noch einzelne Hochflächen zwischen den Flüssen liegen. Wie in allen
diesen von dichtem Urwald bedeckten Gebieten ist die Übersicht dem
Reisenden
sehr erschwert. Auf der alten Kameruner Südgrenze zieht sich im Laufe
des Ntem und des Aina ein langer Sumpfgürtel von Westen nach Osten. Die
Wasserscheide zwischen dem Kom und dem Aina bildet eine ebene Fläche.
Im Norden dieser Sumpfgebiete liegt ein Hügelland von etwa 100 m
Niveauunterschieden,
das nach Südosten zwischen Aina, dem Quellfluß des Iwindo, und dem Dscha
unmittelbar in die Kunabembe-Schwelle übergeht. Nach Norden von den eben
besprochenen Gebieten kommen wir auf die eigentliche Njemplatte, das ist
das Stromgebiet der vier Flüsse Dscha, Njong, Dume und Bumba. Man kann bei diesen vier
Stromgebieten
kaum von Schwellen, die sie trennen, sprechen, so gering sind die
Höhenunterschiede,
wenn man von einem Flußgebiet ins andere kommt. Ein mächtiges
Sumpfgebiet
im mittleren Teil der Platte gibt ihnen allen ihre Entstehung und macht
es auf weite Strecken unmöglich, die Quellgebiete zu trennen. Mit
Ausnahme
des oberen Njong ist das ganze Gebiet mit dichtem Urwald bedeckt, der
auch dort, wo das Terrain nicht völlig eben ist, den sog. Urwaldsumpf
bildet, der die Feuchtigkeit im Ge-
wirr der vermodemden Pflanzenreste zurückhält. Das ganze obere
Ssangagebiet
ist in ein Plateau von durchschnittlich 600 m Höhe eingeschnitten. Der
Fluß kommt vom Hochland von Jadé, das die östlichen Ausläufer des
Baiaplateaus
darstellt, und also schon zum Hochland von Südadamaua zu zählen ist. Wir
haben hier die Grenze südlich von Kunde, etwa in der Fortsetzung der
Sanagaschwelle
nach Osten zum Uam hinüber zu ziehen: Die Grenze des Hochlandes gegen
das Tiefland des unteren Ssanga und Ubangi ist schwer zu ziehen;
ungefähr
richtig wird man wohl gehen, wenn man sie von Bayanga zum Zusammenfluß Mbaere-Lobai und von dort
nach Bangi etwa legt. Die Gegend zwischen Mambere (Ssanga) und Kadei
wird von einer Schwelle eingenommen, vielleicht ein Ausläufer des Baia-
Hochlandes
wie die Sanagaschwelle, und sie zwingt den Kadei zu seinem
ausgesprochenen
Bogen. Die Wasserscheide zwischen Mbaere
und Mambere soll nur von geringer Höhe sein, nur einzelne Inselberge von
beträchtlicherer Höhe sind ihr aufgesetzt. Weiterhin nach Osten
erniedrigt
sich das Plateau immer mehr und löst sich zuletzt in Einzelberge auf,
um dann allmählich in die Ebenen am Ubangi, in der aber doch immer
wieder
einzelne Inselberge auftreten, überzugehen. Mehr ist kaum über dieses
noch so unbekannte Gebiet zu sagen, zumal man auf französische Literatur
angewiesen ist, aus der schwer exakte Tatsachen zu entnehmen sind. Wie
im ganzen Südkamerun haben wir auch hier fast nur Granite, Gneise,
Glimmerschiefer,
aber darin zuweilen Diabase und Quarzgänge, die oft den Anlaß zu
Stromschnellen
bilden. In den Flußtälern haben wir teilweise schon weite
Alluvialflächen,
dagegen auf den Plateaus Eluvium, das hier zum Teil den sterilen
konkretionären
Lateritboden bildet, der für Kultur sehr ungünstig ist. Der umgelagerte
Laterit dagegen bildet einen sehr fruchtbaren
Boden.
- Im Norden der Njemplatte bildet die Sanagaschwelle die Wasserscheide
zur Sanagamulde hin. Die Hochfläche steigt auf 600-700 m an, und
einzelne
bis 200 m hohe Inselberge sind ihr aufgesetzt. Nach Osten geht die Sanagaschwelle ins Baiahochland über, im
Westen
über die Ndogoberge ins Randgebirge. Wir kommen hier schon aus dem
Urwaldgebiet
heraus. Das Grasland umfaßt bereits die ganze Njongmulde und zieht sich
dann etwas nördlich des Kadei zum Ssanga, um von dort in fast gerader
östlicher Richtung zum Ubangi hinüberzulaufen. An den Flußläufen greift
der Urwald dagegen noch weit in das Steppen- und Grasland hinein. Die
Sanagamulde, die nördlich der Sanagaschwelle sich allmählich herabsenkt,
ist zum größten Teil mit weiten Grasflächen bedeckt. Nördlich des Sanaga
trifft man auf zahlreiche flache, sumpfige Mulden, die mit
Raphiadickicht
bewachsen sind. Wenn wir die Südkameruner Hochfläche noch einmal im
ganzen
betrachten, so sind für sie charakteristisch weite, nur sehr wenig
bewegte
Flächen, die an den Rändern überall durch die Erosion in ein mehr oder
minder zerrissenes Bergland verwandelt sind. Um so seltsamer mutet das
plötzliche Auftreten von steilen Massiven oder Bergen an, die sich steil
aus der Ebene erheben und die manchmal mitten im Waldlande schwarze,
kahle
Felskuppen bilden. Die Ebenen sind meist mit Laterit bedeckt, während
im Gebirge die Gipfel mit ungeheuren Blockmeeren bedeckt sind. - Zwei
Hauptstraßen führen von Kribi aus nach Osten auf das Hochland. Die eine
führt über Lolodorf nach Jaunde und von dort zur Dumestation
weiter, die andere direkt nach Ebolowa und von dort nach Lomie und Molundu.
Damit sind schon die Hauptsiedelungen charakterisiert. Jaunde liegt an
der Grenze von Wald und Grasland noch im Randgebirge. Ebolowa, ebenfalls
noch im Randgebirge, zwischen den Zuflüssen des Kampo und des Njong. Im
Süden ist Molundu der wichtigste Ort, am Zusammenfluß des Bumba und
Dscha
gelegen und Endpunkt der Handelsstraße über Ebolowa. Die Schiffahrt den
Ssanga abwärts ist offen. Nordwestlich liegt Bayanga am Ssanga,
ebenfalls
am Fuße der Kunabembeschwelle gelegen. Auch von hier ist Schiffahrt
Ssanga
abwärts möglich. Diese geht aufwärts bis Nola, das am Zusammenfluß, von Ssanga und Kadei
gelegen
ist und erst 1911 an Deutschland fiel. Weitere Orte im Flußgebiet des
Ssanga sind Carnot und Bania am Mambere und Gasa am Libumbi, einem Nebenfluß
des Kadei. Es wird sich erst herausstellen müssen, ob sie für
Deutschland
die Bedeutung gewinnen, die sie bei den Franzosen hatten. In der Mitte
der Njemplatte liegen, Lomie, Kam und Dumestation. Im Norden von
letzterer,
aber schon im Grasland, liegt Gamane, das
alte Bertua, wie auch die vorigen Orte an einer wichtigen
Handelsstraße gelegen. - Das Hochland von Südadamaua ist ungleich
reicher
gegliedert als das Hochland von, Süd-K. Von Süden kommend, treffen wir
nörd lich der Sanagamulde auf eine 400-700 m hohe Stufe, auf eine Linie,
die durch die Orte Sasu, Linte, Joko, Ndumbi
und Mande bezeichnet wird. Wir kommen auf ein etwa 1000-1500 m hoch
gelegenes
Plateau, das man nun wieder in westöstlicher Richtung in drei gesonderte
Hochländer teilen kann. in das Balihochland, das Mbamhochland und das
Baiahochland. Nördlich dieser Hochländer treffen wir aber noch auf eine
weitere Stufe, die uns zu Höhen von 1700-3000 m hinaufführt, und auch
hier ist eine Dreiteilung durchzuführen. Wir haben auf dieser höchsten
Terrasse des Plateaus von K. das Balihochland, das Kumbohochland und das
Ngaunderehochland. Weiterhin nach Norden
Fallen diese letzterwähnten Hochländer
steil zu der nur ca. 500 m hoch liegenden Fläche der Massivregion des
mittleren Adamaua ab. Im Osten haben wir anscheinend ein stufenförmiges
Abfallen zu den Ebenen des Scharibeckens. Doch liegen die Verhältnisse
hier wohl recht kompliziert, was schon aus dem Vorhandensein des
Mberegrabens,
der hier in den Rand des Hochlandes eingesenkt ist, hervorgeht. Noch
komplizierter
sind die Verhältnisse an der Westseite des Hochlandes. Der eigentliche
Rand des Plateaus scheint hier in nordwestlicher Richtung, in der
Fortsetzung
des Ebohochlandes, zu verlaufen. Doch ist ihm in der Mitte, auf der Höhe
des K.berges, ein dreieckiger, etwa durchschnittlich 7-800 m hoher
Sockel
angegliedert, dem wieder einzelne, teils bis 2500 m hohe Massive
aufgesetzt
sind. Das ganze wird unter dem Namen Manengubahochland zusammengefaßt.
Zugleich hat eine starke vulkanische Tätigkeit hier an dem Nordostrande
des Plateaus eingesetzt und hat den einheitlichen Charakter des Randes
zerstört. Wo aber der Rand deutlich ausgebildet ist, da haben wir nicht
wie im Süden ein Abfallen in 2 Stufen, sondern einen einzigen sehr
steilen
Abbruch. Wir wollen mit der Betrachtung der einzelnen Hochländer im
Westen
beginnen. Das Balihochland ist das westlichste der drei oberen
Hochländer.
Es ist ein etwa viereckiger Klotz, der nach Osten und Westen sehr steil,
nach Süden ebenfalls steil abfällt und nur nach Norden zu sich
allmählich
zum Benuetiefland senkt. Der höchste Teil ist das Bamettagebirge, das sich bis auf 3000 m
erhebt
und ein wildes, rauhes Gebirgsland mit vielen Höhlen darstellt. Nach
Nordwesten
vom Bamettagebirge folgen die Wadjemberge,
die nur noch 1200 m hoch sind und mauerartig nach Bascho
zu abfallen. Bei Bali haben wir ein Plateau von 1200-1500 m Höhe, mäßig
bewegt, mit 500 bis 800 m hohen Rändern, nämlich im Osten das
Bamendagebirge,
im Westen das Bamettagebirge. Dieses Hügelland, die sog, Mijasenke,
bildet
die Wasserscheide zwischen Benue und
Kreuzfluß.
Sie setzt sich im Norden in das Bafuthügelland fort. Die geologischen
Verhältnisse dieses Gebietes sind wenig bekannt, aber wohl recht
verwickelt.
Basaltdecken, Laven und alte Krater lassen vermuten, daß Brüche und
Verwertungen
das Gebiet durchziehen. Das Grundgebirge ist altkristallin. Im Norden
fließt der Mija oder Metschum zum Katsena Allah und Benue. Die Wasserscheide zum Kreuzfluß
läuft
auf dem Kamme des Bamettagebirges entlang. Die Urwaldgrenze läuft hier
am westlichen Rande des Hochlandes entlang.. Der Übergang vom Waldland
zum Grasland ist ein ganz unvermittelter und liegt etwa in 1000 m Höhe.
Die wichtigste Stadt dieses Gebietes ist Bali, in der Mijasenke gelegen.
- Im Süden des Balihochlandes liegt das Manengubahochland. Vom Ebomassiv
ausgehend verläuft in nordwestlicher Richtung ein Steilrand, der
eigentliche
Rand des ganzen Plateaus, und südwestlich von diesem, also vielleicht
als nicht ganz abgesunkene Scholle, beginnt das Manengubahochland. Der
700-800 m hohen Oberfläche dieses Klotzes sind einzelne Hochländer, die
beträchtliche Höhen erreichen, aufgesetzt, teils vulkanischer
Entstehung,
wie überhaupt das ganze Gebiet in der Verlängerung der Vulkanlinie, die
von den Guineainseln zum K.berg verläuft, liegt. Am weitesten im Süden
liegt das Massiv des Kupe, eine von, mehreren Gipfeln gekrönte
Berggruppe,
deren Gestein aus Diorit besteht. Doch
deuten junge Vulkane und Krater an, daß das Massiv jugendlicher
Entstehung
ist. Östlich davon trifft man auf das 700-800 m hohe Bakossibergland und
im Norden von beiden auf das eigentliche Manengubagebirge, das eine Höhe
von 2230 m erreicht. Letzteres besteht aus Basalten und Trachyten und
stellt wohl nur eine Reihe junger Vulkane dar, deren Krater und
Lavaströme
teilweise noch gut erhalten sind. So z. B. im Westen der 3 km breite Epochakrater mit zwei Kraterseen in seinem Grunde. Westlich des
Manengubagebirges
erhebt sich der sog. Mugozug und in gleicher nordnordöstlicher Richtung
ihn fortsetzend die Bafaramiberge,
ein unwirtliches, wildes Gebirge. Jenseits des tiefen Quertals des Mbo
setzen die Mboberge die Bafaramiberge fort und erreichen wieder Höhen
von 2000 m. Nach Westen senken sich die Mboberge langsam zum Batombergland, dagegen fallen sie steil nach
Osten zum Nkamkessel ab. Nach Westen
haben wir weiter im Norden den Einbruch des Fontem kessels, mit Rändern von 1500-2000 m Höhe.
Damit endet das Manengubahochland im Norden. Die Ränder im Süden werden
gebildet durch ein 700-600 m hohes Bergland, das sich an den Rand des
Plateaus von K. anlehnt und in westlicher Richtung davon durch das
Nlonakomassiv,
das bis zu 2400 m erreicht. Zwischen ihm und dem Kupemassiv findet sich
eine tiefe Senke. Inmitten dieser eben besprochenen Umkränzung von
Gebirgszügen
liegt in 600-800 m, Meereshöhe der Nkamkessel, der also allseitig von
2000 m hohen Bergen umgeben ist. Der Boden ist sumpfig, weil der einzige
enge Abfluß zum Mungo den ganzen fallenden Regen oft nicht schnell genug abführen kann. Dieser
Fluß ist also die Hauptwasserader, die das Manengubahochland entwässert.
Die Randgebirge werden nach außen durch Nebenflüsse des Mungo, Dibombe
und Kreuzflusses entwässert. Die Hänge des Manengubahochlandes sind bis
etwa 800-1000 m mit Urwald bedeckt. Dann folgt die Ölpalmenwaldzone und
dann bereits das Grasland. Nur die Nkamebene ist ebenfalls mit Gras
bedeckt
und nur an den zahlreichen Wasserarmen mit Galeriewald bewachsen.
Bedeutende
Siedelungen gibt es im Manengubahochlande nicht, das ganze Gebiet ist
sehr unzugänglich, wenn auch wegen des vulkanischen tiefgründig
verwitterten
Gesteins äußerst fruchtbar. Die Manengubabahn wird wohl zur wirtschaftlichen
Belebung des schönen Landes beitragen. - Jenseits des Fontemkessels, in
der Verlängerung der Mboberge, kommen wir zum Bamendagebirge und
besteigen
damit wieder das Plateau. Der Bamendazug wird durch eine tiefe Senke in
die Bainbutoberge und die Mutiberge zerlegt, letztere erreichen bis 2500
m Höhe. Beide bestehen aus altkristallinem Gestein und sind mit jungen
vulkanischen Decken teilweise überlagert. Der Paß zwischen beiden
Gebirgen,
der Babanki Tungo, liegt 1800 m hoch. Der Muti, der höchste Gipfel der Mutiberge, ist ein Vulkan
und in seiner Nähe liegt der anmutige Kratersee Bambulue. Das Bamendagebirge gehört schon zur
niederen
Terrasse des Hochlandes. Nördlich steigen wir noch fast 1000 m auf das
Kumbohochland hinauf und betreten damit den gewaltigsten Gebirgsstock
von ganz K. - Das Kumbohochland ist ein Plateau von 2000 bis 3000 m Höhe
und durch tiefe Einschnitte in mehrere einzelne Massive zerlegt. Auch
hier haben wir noch überall Zeugen der vulkanischen Tätigkeit, die
diesen
Teil K.s heimgesucht hat, in Form von vulkanischen Decken und Kratern.
Nach Norden fällt das Plateau einmal steil zu etwa 1000 m hoch gelegenen
Gebirgsländern ab und dann nochmals in einer ebenso steilen Stufe zu den
300-400 m hoch gelegenen Ebenen der Benuelandschaften. Im Osten der
Mijasenke
kommt man auf das Hochland von Bekom, ein
2000 m hoch liegendes Plateau, das steil zu seiner etwas tiefer
liegenden
Vorstufe, dem Hochlande von Bafum, abfällt. Letzteres ist ein wildes,
teils Wald tragendes, zerrissenes Bergland. In ihm liegen
die beiden Ndüseen, die wohl als Maarbildungen anzusprechen sind. Weiter
östlich von diesen beiden Landschaften kommen wir zu dem Hochland von
Oku, m it seiner Vorstufe, die in eine Anzahl von tief
gelegenen Kesseln aufgelöst ist. Im Okuhochland findet sich in 2340 m Höhe der
Mauwesee,
ein alter Krater. Die Wasserscheide nach Süden liegt hier, im höchsten
Teil des Kumbohochlandes, in 2800 m Höhe. Das nächste Gebirgsmassiv nach
Osten ist zwischen Katsena-Allah
und dem tief eingeschnittenen Donga das Banssohochland, eine ziemlich einförmige
Hochfläche
mit einzelnen Bergen von geringer Höhe. Die durchschnittliche Höhe
beträgt
2000 m. Jenseits des Donga liegt ein 2000 m hohes Gebiet, das wenig
bekannte
Mambilahochland, das weit nach Nordwesten
vorstößt. Damit endet der Zug des Kumbohochlandes. Eine tiefe
Einsenkung,
der Djauro-Gotil-Paß, der kaum 2000 m hoch ist, trennt es vom
Ngaunderehochland.
Die Entwässerung dieses Kumbohochlandes ist senkrecht zur Längsrichtung.
Die Nebenflüsse des Benue, Katsena-Afiah, Donga, Mija und Taraba,
fließen
vom Nordhang, während die Nebenflüsse des Mbam für die Entwässerung der
südlichen Gehänge sorgen. An Siedelungen haben wir in unserem Gebiet
eine
Reihe auf dem Kamm des Hochlandes längs der Straße, die hier nach Osten
zieht. Das sind Bamenda, am Zugang zur
Mijasenke und dem Paß von Babanki Tungo gelegen, ferner Bafut,
Kumbo und Banjo am Westfuß des Mambilahochlandes, am Zugang zum
Genderopaß.
- Das Ngaunderehochland schließt sich nach Osten jenseits des Djauro-
Gotil-Passes
an das Kumbohochland in einer
durchschnittlichen
Höhe von 1300-1400 m an. Es sind ihm einzelne Massive bis zu 2000 m Höhe
aufgesetzt. Nach Norden fällt es steil mit einer 600-900 m hohen Stufe
ab, nach Süden ist eine Stufe von 200 m vorhanden, die aber ebenfalls
steil zum Siebenstromlande abfällt. Im Osten senkt es sich langsam zum
Logonetiefland und ist in eine Reihe von westöstlich streichenden Rücken
durch tiefe, grabenförmige Erosionsrinnen zerlegt. Während wir im Westen
fast nur altkristalline Gesteine finden, haben wir im Osten, besonders
nördlich von Ngaundere, Basaltdecken in großer Ausdehnung und im Gendero
und im Labai alte Vulkane. Ganz im Westen ist der Stock des Djauro Gotil
gelegen, der wenig bekannt ist, aber eine Höhe von 2000-3000 m erreichen
soll. Südlich von diesem Massiv liegt die etwa 1100 m hohe Hochfläche
von Galim, die das nördliche Ende der
Tibatischwelle
darstellt. Verschiedene andere Massive, teils noch völlig unerforscht,
sind dem Ngaunderehochland aufgesetzt, von denen nur das Karnagebirge,
das durch den Quellfluß des Benue vom eigentlichen Hochland getrennt
ist,
das Ubakagebirge, das Lakoigebirge im Osten usw. genannt seien. Etwas
nördlich von Ngaundere entspringt auf dem Basaltplateau, das mit einer
Stufe von 600 m nach Norden abbricht, der Wina, der die östlichen Teile
des Plateaus, das hier etwa 1800 m hoch ist, durchbricht. Südöstlich von
Ngaundere liegt der Labai und der Bab el Gendero, beides Vulkankegel. Die
Entwässerung
dieses Teiles des Hochlandes setzt von Norden, Osten und Süden ein.
Überall
reichen die Wasseradem weit auf das Plateau hinauf. Die Vegetation ist Grassteppe mit Gebüsch, auf den höheren Teilen
schöne Hochweiden, aber auch wilde, blockbesäte Abhänge. Die Siedelungen
dieses Gebietes sind spärlich. An bedeutenderen haben wir vor allem
Ngaundere,
in 1118 m Höhe am oberen Wina gelegen, der Mittelpunkt dieses ganzen
mittleren
Teils von K. und Ausgangspunkt wichtiger Straßen. -Mit einer meist gut
ausgebildeten Stufe fallen diese eben besprochenen Hochländer zu der
zweiten
Etage des Plateaus von K. ab. Das Niveau dieser Hochländer liegt
zwischen
1000 und 1500 m, und ihre Entwässerung wird nur durch die Nebenflüsse
des Sanaga besorgt. Im Westen haben wir im Flußgebiete des Mbam das sog.
Mbamplateau, das sich wieder in verschiedene Hochflächen und Mulden
einteilen
läßt. Wenn man vom Bamendagebirge, das als schroffer Wall von 2000 m und
mehr sich erhebt, blickt, so schaut man nach Südosten auf eine bewegte
Hochfläche von 1300-1600 m Höhe, die nach dem Fluß, der sie entwässert,
Nunplateau genannt werden kann. Aus
dem sonst ziemlich gleichmäßigen Niveau ihrer Oberfläche schauen
einzelne
schroffe Erhebungen heraus, Inselberge, so z. B. der Bali Rumbat. Nach
Westen erhöht sich das Hochland etwas und bildet hier den Rand des
Plateaus,
der steil zum Nkamkessel abstürzt. Der Hauptsache nach besteht dies
Gebiet
aus Graniten und kristallinen Schiefern, doch treten im Norden
vulkanische
Bildungen auf. Dort bilden auch einige größere vulkanische Massive die
Grenze des Nunplateaus nach Osten. Das sind die Mbamberge, der Nka Gam
und der Batpit. Von den beiden letzteren
kann man vermuten, daß sie früher riesige Vulkane waren, der Batpit
trägt
sogar auf seinem Gipfel einen kleinen See, den Mfusee, der den Boden
eines
vollständig erhaltenen Kraters ausfüllt. -Nach Osten setzt sich das
Nunplateau
in gleichmäßiger Senkung zwischen den aufgesetzten vulkanischen Massiven
ins Bamumhochland fort, das eine
durchschnittliche Höhe von 900-1000 m besitzt und sich gegen Süden zum
Mbam und Nun bis auf 700 m senkt. Beide Hochländer sind mit hohem Gras
bewachsen, doch geht das Grasland oft in eine offene Parklandschaft über. Der einzig wichtige Ort
des ganzen Gebietes ist Bamum in 1180 m
Höhe, Knotenpunkt einer Anzahl von wichtigen Straßen. Der Rand beider
eben besprochenen Hochländer geht nach Westen unmittelbar in das Ebohochland über, das ja, wie erwähnt, auch
nichts
weiter ist, als der aufgebogene Rand des K.er Plateaus. Im nördlichen
Teil des Mbomassivs geht nach Osten hin das Bafiabergland, das man wohl
ebensogut als die Fortsetzung des Bamumhochlandes nach Süden ansehen
kann,
ebenso wie das Nguttebergland, das seine Fortsetzung nach Osten bildet.
Dann hätten wir also ein einheitliches Plateau, das sich von Norden und
von Westen senkt und in das sich Nun und Mbam in teils sehr engen
Schluchten
eingeschnitten haben. Es liegt ungefähr in 900 m, das Bafia- und das
Nguttebergland
und einzelne Inselberge von 300-500 m Höhe sind ihm aufgesetzt. Nach
Süden
fällt es mit der erwähnten Stufe zur Sanagamulde ab. - Im Quellgebiete
des Mbam liegt das Tikarplateau, das sich nach Osten aus der Mbammulde
allmählich bis zu Höhen von 1000 m erhebt. Im Innern sind ihm einzelne
Bergmassive aufgesetzt, die 1200 m und mehr erreichen, so die Ngua- und
Bumbaberge. Nach allen Seiten ist es von höheren, m eist bis 1200 m
hohen
Gebirgsrändern eingefaßt. Im Norden haben wir den Rand, der zu den
höheren
Hochländern, hier dem Kumbohochlande, emporführt. Im Osten erhebt sich
die Tibatischwelle, die Wasserscheide zwischen den beiden
Hauptnebenflüssen
des Sanaga, dem Mbam und Djerem bildend.
Sie besteht aus einer Reihe von Massiven, die ohne Stufe nach Westen zu
dem Tikarplateau, nach Osten zur Djerembucht abfallen. Im Süden liegt
das Dommegebirge, das mit steiler Stufe zur Sanagamulde abfällt und im
Westen in die Ngutteberge übergeht, wenn auch eine tiefe, 660
m hohe Senke dazwischen liegt. Das Dommegebirge ist wild und
unzugängiglich.
Die oberen Regionen sind steinig, mit weiten Blockhalden besetzt, die
oft fast alle Vegetation verhindern, ebenso wie es der Fall ist bei den
höchsten Teilen der Tbatischwelle. Die niedrig gelegenen Gebiete sind
mit Grassteppen oder Parklandschaften bedeckt, und nur an den Flußtälern
finden wir Galeriewald, der allerdings bis fast zu den Quellen
emporsteigt.
Der Verkehr meidet dieses ganze Gebiet,
und die Siedelungen, die von Bedeutung sind, liegen daher meist am
Rande.
Der größte Ort im Innern ist Ngambe, am Kim, einem
Nebenflusse des Mbam, gelegen. Joko, am Fuße des Dommegebirges gelegen,
ist ein wichtiger Straßenort, ebenso wie Tibati,
das am Fuße der Tibatischwelle liegt, schon fast in der Djerembucht. -
Von der Tibatischwelle nach Osten gehend, kommen wir in die Djerembucht
oder, wie die Fulbe sie nennen, das Siebenstromland. Das Quellgebiet des
Djerem, der es mit seinen Nebenflüssen bildet, streckt sich von Osten
nach Westen und bildet eine weite Mulde, deren Flüsse teilweise mit
Booten
befahrbar sind. Im Süden wird sie von der Sanagamulde durch die Ndumbischwelle
begrenzt, die den Djerem zu seinem ostwestlichen Laufe zwingt, bis er
umbiegt und sie in engem, mit Schnellen versehenem Tal durchbricht. Die
Ndumbischwelle bricht nach Süden mit einer steilen Stufe ab, ebenso wie
das Dommegebirge, das sie nach Osten fortsetzt. Das ganze Gebiet ist
wenig
bekannt. Nach Osten zu hebt sich die Djerembucht und die Ndumbischwelle allmählich,
um in das weite Baiaplateau überzugehen. Das Baiaplateau ist der
Quellknoten
aller wichtigen Flüsse, die nach Norden zum Tsadsee, nach Westen zum
Meer,
nach Süden zum Kongo und nach Osten zum Ubangi fließen. Hier entspringen
der Logone, der Schari, der Lobai, der Ssanga und der Sanaga. Im Norden
geht das Ngaunderehochland direkt in das Baiaplateau über, im Osten
sollen
nach Lenfant 2-3 ausgesprochene Stufen zum Logonetiefland hin vorhanden
sein, und im Süden senkt es sich allmählich zur Hochfläche von Süd-K.
herab. Die durchschnittliche Höhe ist 900-1200 m, und einzelne Berge von
1400 m Höhe sind ihr aufgesetzt. Das Hochplateau wird durch den
Mberegraben,
einen tiefen Grabenbruch mit 400 m
hohen steilen Rändern, in zwei Teile geteilt. Im Norden haben wir bis
zum Wina eine ziemlich gleichmäßige Hochfläche, die sich wohl nach Osten
zuerst ganz allmählich bis zu den Lukubergen senkt, um dann bis zum
Zusammenfluß
des Wina und des Mbere schnell zu sinken. Im Süden des Mbere liegt das
Hochland von Jadé, ebenfalls eine weite, aber bereits von der Erosion
aufgelöste Hochfläche, die mit dreien, das Plateau in einem vollen
Halbkreis
umziehenden Stufen nach Osten abfallen soll. Eine Reihe von Bergen, von
den Bumbabalbergen im Norden bis zu den Karebergen im Osten sollen die
aufgebogenen Ränder der ersten Stufe darstellen. Zur Pluvialzeit soll
nach Lenfant der Tsadsee den Fuß des Hochlandes von Jadé bespült haben,
so erklärt er die Sand- und Geröllmassen, die die Täler erfüllen. Nach
Osten setzt sich dann das Plateau zur Wasserscheide zwischen den
Zuflüssen
des Schari und Ubangi fort. Es herrscht hier derselbe
Landschaftscharakter
wie im Süden, nämlich weite Ebenen mit einzelnen Massiven oder
Inselbergen.
Das Hochland von Jadé besteht zur Hauptsache aus Granit; Kristalline Schiefer sollen
hauptsächlich
an den Flußschnellen auftreten. Am mittleren Mambere und Nana sollen rote Sandsteine auftreten, die
beträchtliche
Steilhange bilden. Ob wir im Süden einen allmählichen Übergang zu den
Plateaus am Ssanga haben, oder ob ein Steilrand vorhanden ist, läßt sich
aus der Literatur nicht feststellen. Doch haben wir noch südlich des Uam
im Hochland von Buar eine Hochfläche von über 1000 m Höhe. Die Flüsse,
die von dem Plateau nach allen Seiten abströmen, sind tief
eingeschnitten
und sollen an jeder der drei von Lenfant angenommenen Stufen Schnellen
besitzen, während dazwischen teilweise fahrbare Flußstrecken liegen. Die
Vegetation ist Gras, auf den Höhen lichter Wald, während die Gipfel
wahre
Blockmeere darstellen, in denen die Dörfer der Eingeborenen vorzügliche
Deckung besitzen. Die Hochflächen sind vielfach mit Laterit besetzt.
Kunde,
im Süden vom Hochland von Jadé gelegen, ist der wichtigste Ort im neu
erworbenen Gebiet, ein Kreuzungspunkt wichtiger Straßen. Das ganze
Hochland
ist nach dem Dorfe Jadé genannt, das im Mittelpunkt der Hochfläche
liegt.
Nach Lenfant ist Bugaruia der wichtigste Ort des Gebietes.
c) Die Massivregion von Adamaua. Wie wir gesehen haben, steht man im
Norden
des Plateaus von K. vor einem gewaltigen Absturz. Wir schauen vom Rande
dieser Stufe in weite, tief gelegene Alluvialböden und Gesteinsflächen,
aus denen aber gewaltige, steil nach allen Seiten abfallende Massive
sich
erheben, deren plateauförmige Oberfläche die gleiche Höhe besitzt, wie
der nördliche Teil des Plateaus von K., etwa 2000 m und mehr Höhe. Der
Schluß liegt nahe, eine Fortsetzung des Plateaus nach Norden zu
konstruieren.
Es ist aber ein noch offenes Problem, ob diese Massive stehengebliebene
Horste einer in weiten Gebieten abgesunkenen Hochfläche sind, ob also
der Nordrand von K. einem Bruche seine Entstehung verdankt, oder ob die
Erosion des Wassers und des Windes die Massive aus der Hochfläche
herausgearbeitet
hat. Daß diese Erosion beträchtlich ist und in früheren Zeiten noch viel
beträchtlicher war, ist wohl anzunehmen. Wir haben hier im ganzen
Gebiete
in vorzüglicher Ausbildung den Charakter der Inselberglandschaft: f ast
völlig ebene Gesteinsflächen, die über weite Räume sich hinziehen, und
daraus erheben sich in großer Zahl Berge mit steilen Hängen, deren Fuß
teilweise mit Schutt verhüllt ist. Durch das Benuetal wird eine
Zweiteilung
der Massivregion von Adainaua vorgenommen. Wir haben also 3 Gebiete: die
Massive von Mitteladamaua, das Benuetal und die Massive von Nordadamaua.
Mitteladamaua können wir im Westen begrenzen durch eine Linie, die wir
von den Ausläufern des Baliplateaus im Norden bis zum nördlichsten
Punkte
des Benue ziehen. Im Süden haben wir den Steilrand des Plateaus von K.,
im Norden das Benuetal und im Osten die letzten Ausläufer des
Ngaunderehochlandes.
Im Norden des Steilrandes von Südadamaua gelangen wir -zuerst auf eine
Reihe von Inselbergplatten, die nur durch niedrige Wasserscheiden
voneinander
getrennt sind. Es sind das von Westen nach Osten: die Inselbergglatte
von Gaschaka, die Farobucht, die Benuebucht und die
Inselbergplatte von Bubandjidda. Die Inselbergplatte von Gaschaka wird
von dem Taraba und seinen Nebenflüssen entwässert. Die Ebenen liegen in
einer Höhe von 250-400 m, während die Inselberge aus einem Plateau von
1000-1500 m Höhe herausgeschnitten zu sein scheinen, so z. B. der
Alkasin.
Im Süden wird die Platte durch das Kumbohochland begrenzt, im Norden
durch
das steile Massiv des Tschebtschigebirges. Im Osten erhebt sich das Land
nur wenig; ebene Flächen in der Höhe von 600 m bilden die Wasserscheide
gegen die Bucht von Faro. Nach Westen öffnet sich die Bucht gegen das
breite Benuetiefland. Die Inselbergplatte von Gaschaka setzt wegen der
breiten Talflächen dem Verkehr kein Hindernis entgegen. Die Vegetation
besteht aus einer lichten Buschsteppe, die teilweise in eine
Parklandschaft
übergeht. Der einzige, wenig bedeutende Ort ist Gaschaka, am Fuße des
Kumbohochlandes gelegen. Nach Osten zu gelangt man über eine nur 550 m
hohe Wasserscheide in die Farobucht, die vom Faro und seinem
Nebenflusse,
dem Mao Deo, entwässert wird. Im Norden
ragen
die Massive des Alantikagebirges und des Ssarigebirges, zwischen denen
der Faro nach Norden zum Benue fließt, empor. Im Süden liegt der
geschlossene
Wall des Ngaunderehochlandes, das im Osten der Farobucht einen Vorsprung
nach Norden sendet, das Karnagebirge, während gleichzeitig von Norden
aus vom Ssarigebirge ein Basaltplateau ausgeht, die
zusammen mit dazwischenliegenden Massiven die Wassergegen die Benuebucht
bilden. Die Farobucht ist eine von einzelnen Inselbergen überragte
Ebene,
die im Innern noch wenig bekannt ist, und deren Vegetationsdecke wohl
zur Hauptsache in Steppenbuschwald besteht. Im Westen liegt der Ort Kontscha,
an der Hauptroute nach Norden. Mehrere bequeme Übergänge führen zwischen
den Massiven im Osten der Farobucht zur Benuebucht hinüber. Diese, im
Quellgebiet des Benue gelegen, geht nach Nordosten unmittelbar in die
Inselbergplatte von Bubandjidda über. Der Benue reicht tief in die
Hochfläche
von Ngaundere, südlich der Karnaberge, hinein. Die Ebenen im Norden
bestehen
überwiegend aus Gneis, besitzen eine Höhe
von 300-400 m und werden von zahlreichen Inselbergen und kleinen
Massiven
überragt. Weiter im Osten scheint die Inselberglandschaft, nach den
Karten
zu urteilen, allmählich in die Ausläufer des Ngaunderehochlandes
überzugehen,
um sich dann gemeinsam zum Kebbigneisland hinabzusenken. Auch hier
scheint
überall Buschsteppe vorzuherrschen, die sowohl Ebenen wie Inselberge und
Massive bedeckt. - Wir kommen dann weiter im Norden zwischen den eben
besprochenen Inselberglandschaften und dem Benue zu einer Gruppe von
vier
größeren Massiven, die wieder kleinere Inselbergplatten zwischen sich
einschließen. Im Westen beginnend haben wir, zum größten Teil allerdings
auf englischem Gebiet liegend, das Tschebtschigebirge, ein in nordöstlicher
Richtung gestreckter Wall von 1800-2000 m Höhe, das durch die Erosion
teilweise tief zerschnitten ist. Es besteht zur Hauptsache aus Granit,
dem Basaltdecken aufgesetzt sind, während im Norden die Hänge schon von
Benuesandstein gebildet werden. Wie alle diese Massive ist es mit Buschwald bedeckt. Im Osten folgen das Werregebirge
und das Alantikagebirge. Das Werregebirge steigt direkt mit steilen
Hängen
aus dem Benuetal bis zu über 1200 m Höhe an. Das Alantikagebirge bildet
einen langen nach Nordosten gestreckten Zug von ca. 2000 m Gipfelhöhe
mit außerordentlich steilem Abfall nach Osten. Zwischen beiden zieht
sich
eine breite Ebene nach Norden. Inmitten der drei bereits behandelten
Massive
liegt die Dalamiplatte, die nach
Süden zu in die Laroplatte übergeht. Das nächste Massiv nach Osten zu
ist das Ssarigebirge, das eine Höhe von ca. 2000 m haben soll. Es ist
durch die nur schmale Ebene des unteren Faro vom Alantikagebirge
getrennt.
- Das Benuetal liegt bei Garua nur 210 m
hoch und ganz im Osten bei Rei Buba
erst
277 m. Aus dem englischen Gebiet im Westen zieht sich die Region des
Benuesandsteins
bis östlich von Garua in deutsches Gebiet hinein. Die
Oberflächengestaltung
dieses Sandsteingebietes ist schwach hügelig, nur zuweilen heben sich
einige Sandsteinketten oder aus dem Sandstein hervorragende kristalline Inseln über
das allgemeine Niveau. Dann bricht der Sandstein mit steilem Rand nach
Osten ab, doch haben sich einzelne Zeugenberge aus Sandstein, die dem
Grundgestein aufgesetzt sind, erhalten, so z. B. das 300 und mehr Meter
hohe Tengelingebirge. Weiter im Osten folgt dann ein hügeliges Terrain,
das allmählich in das Kebbigneisland, dem zahlreiche Inselberge
aufgesetzt
sind, übergeht, so z. B. die Hossere, Gore,
Duli und Basima. In den Flußtälern sind hier überall mächtige Alluvionen abgesetzt. Baum- oder Buschsteppe
bedeckt
das ganze Land. Der wichtigste Ort des ganzen Nordens unserer Kolonie
ist Garua am Benue, mit Schiffahrt zum Niger. Ferner kommt Rei Buba am
Mao Rei in Betracht, dann Adumre, Bipare und Lame, meist große
Siedelungen
der Eingeborenen und an wichtigen Straßen gelegen. - In Nordadamaua
bildet
nur ein einziges Massiv den Knotenpunkt aller Gewässer, die von ihm
allseitig
abfließen. Es ist das das Mandaragebirge, ein Plateau von 800-900 m Höhe
mit Gipfelhöhen bis zu 1200 m, in südwestlich- nordöstlicher Richtung
gestreckt und durch die Erosion und breiten Ebenen von allen Seiten
zugänglich
gemacht. Im Innern haben wir ein relativ geschlossenes Plateau, dann
folgen
die aufgelösten Ränder, die allmählich wieder in eine zuerst recht
geschlossene,
dann aber immer lichter werdende Inselberglandschaft übergehen. im
Westen
scheint der Abbruch des Plateaus ein ziemlich steiler zu sein, während
nach Osten und besonders nach Süden der Übergang zu den Ebenen des Tsad
und Logone und Benue ein viel allmählicherer ist. Bekannte Inselberge
oder kleine Massive sind im Süden der Hossere Holma,
im Osten die Hossere Ndili, Hossere Marua, der Mendif und andere. Die Vegetation des
Mandaragebirges
besteht meist aus Buschsteppe oder Dorngestrüpp, das aber ziemlich licht
steht. Die Siedelungen dieses Gebietes liegen am Fuße und in den Tälern
des Mandaragebirges, so vor allem Marua im Osten, das Zentrum von Nordadamaua, ferner
Mora im Norden. In dem Gebirge liegen die
weniger wichtigen Orte Gauar und am Westrand Madagali,
Mubi und Uba. Die Entwässerung des Gebirges wird vor allem von
Nebenflüssen des Benue und Schari aus besorgt, während der direkt in den
Tsadsee mündende Jadseram nicht weit ins Gebirge hineingreift.
d) Das Logone - Tsadseebecken. Im äußersten Nordosten unserer Kolonie
betreten wir weite Alluvialebenen. Die Grenzen dieses Gebietes, wo das
Gestein von Alluvien bedeckt ist, sind natürlich schwer festzustellen.
Außerdem tauchen vereinzelte Gesteinskuppen als Inselberge mitten aus
dem Schwemmland hervor. Im Mandaragebirge beginnen die Alluvien direkt
am Fuß der Berge, wo auch noch überall Inselberge auftreten, die erst
in weiter Entfernung vom Gebirge verschwinden. Dann greift das Tiefland
im Tal des Mao Kebbi weit nach Westen, aber im Süden dieses Flusses
tritt
sofort der Felsboden zutage. Weiter im Süden verläuft die Grenze des
Gneislandes
und Alluviallandes wohl nicht weit vom Logone entfernt, zieht sich dann
aber von Jerokol aus tief den Mbere entlang nach Westen hin. Die ersten
Schnellen des Logone liegen erst eben vor Kaitia. Von dort aus, von
Jerokol
geht die Grenze etwa nach Kagopal und Gore, um von hier aus direkt nach
Osten weiterzuziehen zum Bahr Sara. Der Tsadsee liegt etwa 290 m hoch, und
von dort aus steigt das alluviale Gebiet ganz allmählich nach Süden, mit
fast unmerklichen Neigungen bis auf 400 m an. Diese Alluvien bestehen
aus Lehmen und Sanden mit einzelnen Vorkommnissen von Kalktuffen. Die
Flüsse haben sich zum Teil mit steilen Ufern in diese Ablagerungen
eingeschnitten,
so daß in Gegenden, wo das Netz der Wasserarme sehr dicht ist, einzelne
Plateaus direkt herausgeschnitten sind. Man kann wohl annehmen, daß
früher
die Seebedeckung eine viel größere war, daß der Tsadsee vielleicht das
ganze Tsad-Logonebecken ausgefüllt hat. Die Franzosen nehmen an, daß
damals
ebenfalls ein jahreszeitliches Sinken des Seespiegels stattgefunden
habe,
und daß dann die Flüsse die vielen regellosen und jetzt für die
Entwässerung
unnützen Trockentäler und Sümpfe geschaffen haben. Im ganzen
Logonebecken
soll der Grundwasserspiegel ständig eine gleiche Höhe haben, und zur
Regenzeit
ein Teil der Flüsse, so z. B. der Penndé, die größte Menge ihres Wassers
an das Grundwasser abgeben. Der Penndé erhält durch
seine Nebenflüsse ungeheure Wassermengen zugeführt und ist zur Regenzeit
doch nur 80 m breit im Unterlaufe. Dagegen führen Uam und Logone zur
Regenzeit
ganz bedeutende Wassermassen in den Tsadsee und überschwemmen ihre Ufer
auf weite Strecken hin. Der Tsadsee hat ein Areal, das im Laufe der Zeit
die größten Schwankungen gezeigt hat. Nachtigal gibt es auf 27 000 qkm
an. Augenblicklich sind überhaupt nur noch zwei Becken ständig mit
Wasser
bedeckt, eins vor der Mündung des Schari und eins vor der Mündung des
Komadugu. Der Nordteil ist versandet. Die Uferlinie ist im Süden schwer
festzustellen wegen der dichten Röhrichtdickichte, die kaum zu
durchdringen
sind. Im Osten ist der sog. Archipel, eine Unmenge von länglich
parallelen
Inseln, die wegen ihrer Form als Dünen
gedeutet wurden. Nach Osten geht der Bahr el Ghasal als tiefgelegene,
teils sumpfige Niederung nach Borku hinein, der als früherer Abfluß des
See angesehen wird. Jetzt ist der See abflußlos. Das Gebiet zwischen
Jadseram
und Schari ist ausgezeichnet durch die Unmasse von Kanälen und toten
Wassern,
die besonders vom Schari ausgehen und überall in den Tsad münden.
Einzelne
Inselberge ragen aus dem Tiefland auf, so der Mendif, dann die Kuppe von
Balda, ferner nördlich des Taburi die Berge von Daua. Der Boden ist auf
weite Strecken hier von dem sog. Firki bedeckt, einem schwarzen, zur
Trockenzeit
mit tiefen Rissen zerspringenden Humusboden. Zur Regenzeit bildet er
einen
unter Wasser stehenden Sumpf. Im Westen bildet der Jadseram die Grenze
des deutschen Gebietes. Er kommt vom Mandaragebirge, an dessen
Westhängen
er entlang fließt. Er steht mit seinen Nebenarmen mit denen der übrigen
Flüsse, die vom Mandaragebirge kommen, sowie mit denen des Schari und
des Logone in Verbindung. Doch sind alle diese Kanäle zur Trockenzeit
meist wasserleer. Die großen Kanäle, die vom Schari und Logone ausgehen,
sind er Sserbeal, der Sawal, der Mere
Rura, der Kulal Mardia und der Matia. In
letzteren münden die zwei vom Mandaragebirge herabkommenden Flüsse Jegoa
und Tsanaga. Eine interessante Tatsache ist, daß der
Schari in offener Wasserverbindung mit dem Benue steht und zwar
vermittelst
des Mao Kebbi und der Tuburisümpfe. Inwieweit und wie oft der Logone
hier
zum Benue seine Wassermassen sendet, ist noch nicht ganz bestimmt.
Wahrscheinlich
ist, daß der Benue und der Mao Kebbi im Laufe der Zeit, wenn der Mensch
es nicht verhindern wird, den Logone und damit wohl auch den Schari
anzapfen
wird und damit das Tsadseebecken zur Wüste werden ließe. Die Grenze des
deutschen Gebietes läuft den Logone und dann den Penndé, wie der
östliche
Logone besser genannt wird, hinauf bis Gore, um von dort nach Süden
weiter
zu verlaufen. Bei Gore liegt auch der Eintritt des Penndé in das
Alluvialland.
Westlich dieser Logonelinie liegt das sog. Zwischenstromland zwischen
Schari und Logone, das seit dem Novemberabkommen an Frankreich
abgetreten
ist. Am linken Ufer des Logone ist wahrscheinlich nur noch ein schmaler
Gürtel des Alluviallandes vorhanden, der sich aber wohl weit am
westlichen
Logone hinaufzieht. Zwischen Logone und Penndé liegt das Lakkaland,
fruchtbare
Ebenen, die oft mit 20 m steilen Rand zu den in die Alluvien
eingeschnittenen
Flüsse abfallen. Die Vegetation dieses Gebietes ist Buschsteppe und
Grasland.
Dieser Charakter ändert sich nördlich der Tuburisümpfe. Dort tritt die
Dornbaumsteppe auf, die den ganzen nördlichen Teil des Tsadbeckens
einnimmt
und die sich im Unterlauf des Schari zu einem dichten Dornbuschwald
verdichtet.
An den Flußläufen haben wir Sumpfvegetation und am Tsadsee einen wohl
20 km breiten Schilfgürtel. Die Siedelungen liegen zur Hauptsache an den
schiffbaren Strömen, so am Jadseram Bama
und Dikoa, am Schari Gulfei, am Logone Kusseri, Musgam, Lai, am Kebbi Lere. Lame
und Binder sind Knotenpunkte wichtiger
Straßen.
e) Das Ssangatiefland. Wir haben die Grenze zwischen dem Hochland von
K. und dem Ssangatiefland von Wesso nach
Bera Ngoko und von dort in einem nach Süden offenen Bogen, etwa zur
Mündung
des Lobai, gezogen. Der Beginn des Plateaus wird beim Ubangizipfel durch
die die Schiffahrt hindernde erste Schnelle des Ubangi,
die sog. Schnelle von Singa, angezeigt. Es ist nun aber nach der
französischen
Literatur nicht nachzuweisen, wo die Schnellen liegen, ob oberhalb oder
unterhalb der Einmündung des Lobai. Das Ssangatiefland bildet einfach
den nördlichen Teil des gewaltigen Kongobeckens und liegt in etwa 350-
400
m durchschnittlicher Höhe. Da das Gebiet nur von den Flüssen aus bereist
ist und noch niemand ins Innere gekommen ist, so ist schwer, etwas über
die Natur des Landes zu sagen. Wahrscheinlich ist, daß das mit dichtem
Urwald bedeckte Sumpfland zur Regenzeit, und das ist die längere Hälfte
des Jahres, zum größten Teil unter Wasser steht. Eines weiteren Urteils
muß man sieh wohl vorläufig enthalten. Der deutsche Ssangazipfel liegt
einerseits zwischen dem Kandeko- und Likuala- Mossaka und andererseits
dem Likuala-Essubi, oder wie die Franzosen ihn nennen, den Likuala aux
Herbes, beides Flüsse, die gemeinsam mit dem zwischen ihnen fließenden
Ssanga mit einem Gewirr von Flußarmen, sich in das Gewirr der Flußarme
des, Kongo ergießen. Auch noch weiter oberhalb ist der Ssanga mehrmals
mit den beiden Likuala durch Kanäle verbunden. Der Ssanga selbst fließt
in großen Windungen zwischen sumpfigen, undurchdringlichen Uferwaldungen
dahin, der Schiffahrt aber keine Schwierigkeiten bereitend, wenn es auch
oft schwer ist, in dem Gewirr von Flußarmen den richtigen
herauszufinden.
Die Vegetation des ganzen Gebietes ist dichtester Urwald, der schwer zu
durchdringen sein wird. Am südlichen Ende des Ssangazipfels liegt Bonga
am Kongo, ein aus einigen Hütten
bestehender
elender, sehr ungesunder Ort, der aber wegen seiner Lage für unsere
Kolonien
Wichtigkeit erlangen wird. Sonstige Siedelungen sind kaum erwähnenswert.
3. Gewässer. Man kann in K. fünf große Stromsysteme unterscheiden. Das sind:
a) die Flüsse, die
zum Meere fließen, b) die Flüsse, die dem Benue zufließen, also damit dem
Nigersystem angehören, c) die
in das abflußlose Tsadseebecken fließenden Flüsse, d) die zum Kongo und Ubangi
gehörenden Zuflüsse,
und e) ganz im Süden die Quellflüsse einiger Nebenflüsse des Ogowe. Die
Hauptwasserscheide geht bei
dieser Verteilung des Flußnetzes auf dem Nordrand des Plateaus von K. entlang,
und zwar vom Ebomassiv
ausgehend zum Bamendagebirge, dann auf dem Kamm des Kumbohochlandes zum Kamm des
Ngaunderehochlandes und von dort zum Baiaplateau, in dessen südöstlichem Teile,
dem Hochland von Jadé,
wir den Quellknoten des ganzen Gebietes besitzen. Hier entspringen der Sanaga,
die Quellflüsse des Ssanga,
der Uam, als Quellfluß des Schari, sowie die beiden Quellflüsse des unteren
Logone, der westliche Logone
und der Penndé. Die Wasserscheiden gehen von diesem Zentrum nach allen Seiten.
Die Wasserscheide
zwischen den Flüssen, die zum Meer abfließen, und denen, die dem Kongo
zufließen, geht auf der
Sanagaschwelle entlang, um von dort nach Süden in die Sumpfwasserscheiden der
Njemplatte überzugehen,
wo es schwer hält, die Quellflüsse verschiedenen Stromsystemen zuzuteilen.
Südlich des Dscha teilt sie sich
in zwei Äste, die die Quellen des Iwindo zwischen sich einschließen, die aber
beide wenig markant sind. Die
Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Tsadbeckens und denen des Kongobeckens
ist ebenfalls wenig
markant; sie senkt sich mit dem allgemeinen Niveau der Landschaften nach Osten
zu. Ein seltenes
Vorkommen ist, daß in K. zwei Stromsysteme, das des Tsadbeckens und das des
Niger untereinander durch
den Tuburisumpf in Verbindung stehen, und
daß zu den feuchten Jahreszeiten ein Teil des Logonewassers
dem Meere zugeschickt wird. Man nimmt an, daß hier eine Wasserscheideneroberung
vom Benue aus
stattgefunden hat, und daß der Mao Kebbi, der Ausfluß der Tuburisümpfe, bestrebt
ist, den ganzen oberen
Logonelauf sich tributär zu machen.
a) Die Küstenflüsse. Man kann unter den Flüssen, die ihr Wasser ins Meer
führen, zwei Arten
unterscheiden, je nachdem sie den der Küste parallel verlaufenden aufgebogenen
Rand des inneren Plateaus
durchbrochen haben, oder ob sie auf diesem entspringen. Danach spricht man von
Vorlandflüssen und
Hochlandflüssen. Zu ersterer Kategorie gehören alle kleineren Küstenflüsse sowie
auch der Kreuzfluß, der
allerdings nur mit seinem Oberlaufe auf deutschem Gebiet liegt. Solche sind z.
B. der Akpa Korum, der
Ndian, der Meme, ferner Mungo, Wuri und Dibamba,
sowie der Lokundje und Lobe und endlich im Süden
von Spanisch-Guinea der Ndua. Von den Flüssen, die
weit auf das Hochland hinaufreichen, ist der größte
der Sanaga, der von dem äußersten Ostrand des Hochlandes entspringt. Ferner
gehören zu dieser Kategorie
der Njong und der Kampo oder Ntem. Wir wollen mit den kleinen Vorlandflüssen
beginnen. Der Kreuzfluß
oder Cross River gehört nur in seinem Oberlaufe zu unserem Gebiet. Seine
zahlreichen Quellflüsse
entspringen auf dem Rand des Plateaus vom Manengubagebirge bis zum Baliplateau.
Er durchfließt dann in
westnordwestlicher Richtung das OssidingeTiefland und beschreibt auf englischem
Gebiet einen großen
Bogen, um die Westkameruner Massivregion zu umgehen. Er mündet mit einem
ausgedehnten Ästuar, das
mit dem Ästuar von Rio del Rey zusammenhängt. Der Kreuzfluß ist bis Mamfe schiffbar und führt daher
einen großen Teil des Handels des westlichsten Teils unserer Kolonien zum Meer.
Er fließt völlig von den
Quellen bis zur Mündung im Urwald, der aber nicht weit von seinem Talweg nach
Norden aufhört.
Ossidinge und Mamfe sind die wichtigsten an ihm gelegenen Siedelungen. Die
beiden nächsten in das
Rio-del-Rey-Ästuar mündenden Küstenflüsse sind der Akpa Korum und der Ndian,
ersterer die Grenze
gegen Nigeria bildend. Beide entspringen auf dem Anom-Bergland und fließen
völlig im Waldland. Sie sind
wohl nur in ihren untersten Mündungsgebieten schiffbar, wo sie durch ein
Netzwerk von Creeks mit dem
Hafen Rio del Rey verbunden sind. Der nächste ebenfalls in das Rio-del-Rey-
Ästuar mündende Küstenfluß
ist der Meme, der von den Rumpibergen herabkommend erst nach Süden fließt, dann
durch den
Kamerunberg nach Westen abgelenkt, diesen umfließt. Für die Schiffahrt kommt er
nicht in Betracht.
Jenseits des Kamerunberges münden im
Kamerunästuar die drei im Unterlauf
schiffbaren Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba. Der Mungo entspringt
an den Westhängen des Bamendagebirges, biegt dann nach Süden um und fließt
zwischen
Manengubagebirge und Kamerunberg hindurch, um mit einem Netzwerk von Creeks in
die Kamerunbucht
zu münden. Er ist bis Mundame, also bis zum
Beginn des kristallinen Vorlandes, schiffbar. Der Wuri, der
längste dieser drei Flüsse, ist bis Jabassi
schiffbar und entspringt mit seinen Nebenflüssen auf dem
Plateaurand vom Ebomassiv bis zum Manengubahochland. Seine Hauptquellflüsse, von
denen wohl der
Nkam der Hauptfluß ist, der das ganze Innere des
Manengubahochlandes entwässert, sind außerdem noch
der Dibombe, der vom Manengubagebirge kommt und bis Nganga schiffbar ist, und
der Makombe. An der
Mündung des Wuri liegt der Haupthafen der Kolonie Duala. Der dritte der in die
Kameruner Bucht
mündenden Flüsse ist der Dibamba, der bis Bengange Schiffahrt erlaubt und auf
den Vorbergen des
Ebomassives entspringt. Wir überschlagen die großen vom Plateau herabkommenden
Flüsse Sanaga und
Njong und treffen im Süden zuerst auf den Lokundje, der am Plateaurand
entspringt, für die Schifffahrt
überhaupt nicht in Betracht kommt. Schon 10 km von der Küste beginnen die
Schnellen. Wo der Fluß aus
der letzten Plateaustufe heraustritt, liegt Lolodorf. Ebenso wie der Lokundje
sind der Kribi und der Lobe
im Oberlauf tief eingeschnittene Erosionstäler, im Unterlauf von Schnellen
unterbrochene Flüsse, die für die
Schifffahrt unbrauchbar sind. An der Mündung des Kribi liegt in einer kleinen
Bucht der bedeutendste
Handelsplatz von Südkamerun, Kribi. Nahe der Mündung des Lobe liegt Groß-Batanga. Der Hauptfluß von
Spanisch-Guinea ist der Uelle, der mit seinen
Quellen auf deutschem Gebiet liegt und daher hier betrachtet
werden muß. Der Uelle entspringt bei Andum, verläuft erst in westlicher Richtung
und durchbricht 2 Stufen
des Plateauabfalles, jedesmal erst nördlich oder südlich an ihr entlang
fließend. Vom Meer aus ist der Uelle
20 km mit Dampfbooten schiffbar. Die Schiffbarkeit des Oberlaufes beginnt in Fen
und endet in Akulaban.
In dem südlich von Spanisch-Guinea gelegenen Munizipfel besitzen wir in dem
Temboni noch einen kleinen
schiffbaren Küstenfluß, der bis Ekododo mindestens für Küstendampfer befahrbar
ist. Der Temboni liegt nur
im Unterlauf auf d eutschem Gebiet, während der südlichere, ebenfalls in den Rio
Muni mündende Ndua
oder Noja fast ganz deutsch ist. Wieweit dieser
breite Fluß im Unterlauf schiffbar ist, muß sich durch die
Erforschung zeigen. -Von größerer Bedeutung sind die großen Küstenflüsse, die
Hochlandflüsse Kampo,
Njong und Sanaga. Der Kampo bildet an seinem Unterlaufe die Grenze gegen
Spanisch-Guinea. An seiner
Mündung liegt der Hafenplatz Kampo, die Schiffahrt auf dem Kampo ist aber von
hier aus nur einige
Kilometer weit möglich. Der Ntem, wie der Kampo auch heißt, entspringt etwa auf
12° 36' östl. L. südlich
der alten deutschfranzösischen Grenze und läuft zuerst bis Minvul in sumpfigen
Niederungen. Dann beginnt
die Schiffbarkeit bis zum Einfluß des Kom, der wohl
eigentlich der Hauptzufluß des Kampo ist. Beim
Einfluß des Ke, der von Süden kommt, ist er schon 200 m breit. Außer dem Kom
strömen ihm von Norden
noch mehrere wichtige Zuflüsse zu, so der Mboro
und der Mwila, die beide aus der Gegend von Ebolowa
kommen. Eine eigentümliche Erscheinung ist es beim Kampo, daß er sich zweimal
mitten im Gebirge in 2
Arme teilt, die erst nach kilometerlangem Lauf sich wieder vereinigen. Die erste
Gabelung findet auf der
zweiten Plateaustufe statt, und gleich darauf wiederholt sich das Phänomen noch
einmal. Die dritte
Gabelung liegt eben vor der Mündung und hat eine Länge von über 45 km. Der
ganze Lauf des Kampo
liegt in Urwaldgebiet. Weit wichtiger als der Kampo ist der Njong, der auf der
Njemplatte entspringt, im
westlichen Lauf den Plateaurand in tiefem, an Wasserfällen reichem Tal
durchbricht, um dann in ruhigem,
zuletzt südlichem Laufe dem Meer zuzuströmen. An seiner Mündung ist er über 600
m breit und bis
Dehane, also etwa 60 km, weit schiffbar. Dann treten die ersten Schnellen auf,
die sich, je mehr wir uns dem
Plateau nähern, mehren. Die Tappenbeckschnellen sind die letzten, und damit
beginnt auch wieder die
Schiffbarkeit des Njong, die bis Abong Mbang möglich ist. Die wichtigsten
Nebenflüsse des Njong sind der
Nkele, der vom Plateaurand herunterkommt und dem Ngong im Vorland zufließt,
sowie der Pfalla mit dem
Sso, die beide von Süden kommen und noch auf dem
Plateau münden. Im Unterlauf fließt der Njong im
Urwaldgebiet, im Oberlauf wird er von dichten Galeriewäldern bis hinauf zu
seiner Quelle umsäumt. An
seinem Oberlaufe liegt das wichtige Abong Mbang, der Endpunkt seiner
Schiffbarkeit, weiter unterhalb
Akonolinga. Der mächtigste der direkt zur Küste fließenden Flüsse ist der
Sanaga, der auf dem östlichen
Rande des Kameruner Plateaus entspringend, dieses also in seiner ganzen Breite
durchfließt. Auf seinem
ganzen Laufe fließt er hauptsächlich in westsüdwestlicher Richtung. An seiner
Mündung ist er durch
schiffbare Creeks mit dem Kamerunästuar verbunden. Seine Schiffbarkeit reicht im
Unterlauf nur bis Edea,
wo die ersten Schnellen auftreten. Er durchbricht den Plateaurand, wo dieser
seine Richtungsänderung
vornimmt, wodurch eine Weite Bucht gebildet
wird. Aber auch nach Überwindung der Stufe folgen sich eine
Schnelle nach der anderen, so z. B. die Nachtigalschnellen, so daß der Strom nur
auf einer ganz kurzen
Strecke von etwa 50 km unterhalb Ndo schiffbar ist.
Sein Quellfluß ist der Lom, der auf dem Hochland von
Jadé entspringt. Von rechts fließt ihm sein größter Nebenfluß zu, der Djerem,
der östlich von Ngaundere
entspringt und das Siebenstromland entwässert. Unterhalb hat der Sanaga bereits
eine Breite von 500-1000
m. Die nächsten Nebenflüsse von Norden sind der Djam und der Dschi, die beide
vom Dommegebirge
herabkommen. Unterhalb der Nachtigalschnellen mündet ebenfalls von Norden der
Nbam mit seinen
Nebenflüssen Kim und Nun. Alle von Süden kommenden Flüsse sind unbedeutend. Wir
sehen also, daß der
Sanaga den ganzen nördlich der Sanagaschnelle gelegenen Teil des Kameruner
Plateaus entwässert, und
außer einer kleinen Strecke im Mittellauf und eines Teils des Siebenstromlandes
nirgends Schifffahrt
erlaubt. Auch der Sanaga ist auf seinem ganzen Verlaufe auf dem Plateau von
dichten Galeriewäldern
umgeben. Wichtige Orte liegen weder an ihm noch an seinen Nebenflüssen,
ausgenommen Edea, den
Endpunkt der Schiffbarkeit des Unterlaufs.
b) Das Nigersystem. Die dem Nigersystem angehörenden Gewässer K.s fließen
nur dem diesem
tributären Benue zu. Der Benue, ein linker Nebenfluß des Niger, entspringt auf
dem Ngaunderehochland,
fließt zuerst nach Norden und biegt dann in großem Bogen, die Massivregion
Nordadamauas durchfließend,
in westliche Richtung um, und nimmt dann seine Hauptrichtung WSW ein. Er verläßt
das deutsche Gebiet
bei der Einmündung des Faro. Das ganze Benuesystem ist weit hinauf schiffbar.
Der Hauptfluß selbst ist bis
zur Einmündung des Rei schiffbar, und dieser Nebenfluß ist wieder bis Rei Buba
befahrbar. Der Mao Kebbi
ist bis Lere der Schiffahrt zugänglich, und der Faro und sein Nebenfluß Mao Deo bis Laro. Der
Benue bildet
also die natürliche Ausfuhrstraße für den ganzen Norden von K.
Von links empfängt der Benue eine ganze Reihe von Nebenflüssen, die auf
deutschem Gebiet entspringen.
Nur der Faro, der ebenso wie sein Nebenfluß, der Mao Deo, auf dem
Ngaunderehochland entspringt, ist
ganz deutsch und bildet nur in seinem unteren Laufe die Grenze gegen englisches
Gebiet. Die drei
nächstfolgenden, der Taraba, der Donga und der
Katsena-Allah, haben ihre Quellen auf dem
Kumbohochland. Der Taraba und der Katsena-Allah sind im Unterlaufe schiffbar,
doch reicht ihre
Schiffbarkeit nicht mehr bis auf deutsches Gebiet. Von den rechtsseitigen
Zuflüssen des Benue ist vor allem
der Mao Schufi oder Mao Rei, der von den östlichen Ausläufern des Plateaus von
Kamerun entspringt,
ferner der Mao Sidi und endlich der Mao Kebbi,
die beide östlich von Lame entspringen, zu erwähnen. Der
Mao Kebbi ist durch die Tuburisümpfe zur Regenzeit mit dem Logonesystem
verbunden, so dass dieses also
zeitweise einen kleinen Abfluß zum Atlantischen Ozean besitzt. Ein Nebenfluß des
Mao Kebbi, der Mao
Lue, kommt vom südlichen Teile des Mandaragebirges herunter. Zwei weitere
rechtsseitige Nebenflüsse des
Benue, der Tiel und der Kilangi, bilden stellenweise die Grenze gegen Nigeria.
Entsprechend der
Schiffbarkeit des Benue liegen eine Reihe bedeutender Siedelungen an ihm und
seinen Zuflüssen. In der
Nähe des Benue selbst liegt, allerdings noch auf englischem Gebiet, Jola, weiter oberhalb Garua. Am Mao
Schufi liegt Rei Buba, am Mao Kebbi Bipare und Lere. Am Faro bzw. Mao Deo liegen
Kontscha, Tschamba
und Laro.
c) Das abflußlose Tsadseebecken. Wie wir gesehen haben, entwässert zu
bestimmten Jahreszeiten ein
Teil des Logone zum Benue, aber der Betrag ist zu
geringfügig, als daß
man nicht das Tsadseebecken als ein abflußloses bezeichnen kann. Die für unser
Gebiet in Betracht
kommenden Zuflüsse des Tsadsees sind der Schari und sein Nebenfluß, der Logone.
Der Quellfluß des Schari ist der Uam, der auf dem Plateau von Jadé in der Nähe
von Buala entspringt. Er
fließt erst östlich und umgeht die Karéberge in einem nach Norden offenen Bogen.
Nach Lenfant sollen 3
Stufen überwunden werden, die jedesmal durch eine Reihe von Schnellen angedeutet
sind. Dazwischen
liegen Flußstrecken, die mit Booten befahrbar sind. Vom französischen Posten des
Uam ab ist die Schiffahrt
mit Booten abwärts möglich, also erst auf französischem Gebiet. Wie weit der
Unterlauf des Uam für die
Flußschiffahrt in Betracht kommt, ist noch unbekannt. Sein größter Nebenfluß von
links ist der Nana Baria,
der im Lande der TallaBaia entspringt, aber auch bald das deutsche Gebiet
verläßt. Der Uam mündet etwas
unterhalb Fort Archambault in den eigentlichen Schari, der fälschlich so benannt
wird. Dieser, der sich in
den Grib fortsetzt, ist bis Fort Crampel für die Gribingi fortsetzt, ist bis
Fort Crampe für die Flußdampfer
befahrbar und bildet eine vorzügliche Verkehrsstraße bis zum Tsadsee hin. Nur
der unterste Teil des Schari
bis zum Einfluß des Logone bei Kusseri bildet die deutsche Grenze. Der Logone
bildet bis zu dem Punkte,
wo er sich in seine zwei Quellflüsse teilt, die Grenze des deutschen und des
französischen Gebietes. Dort
übernimmt dann der Penndé, der östlichste der beiden, auch östlich Logone
genannt, die Grenzführung bis
zum Orte Goré. Der Penndé entspringt auf dem Hochland von Jadé. Man kann drei
Regionen unterscheiden.
Die erste von der Quelle bis Bi Namcor mit starker Erosion und daher vielen
Schnellen; die zweite bis
Dokula in welligem Terrain mit breitem Tal, wo Bootschiffahrt möglich ist, und
drittens von Dokula an, wo
wahrscheinlich Flußschiffahrt möglich ist. Die letzte Schnelle liegt bei
Dimbaia. Der westliche Logone ist
wahrscheinlich bis etwas unterhalb Kaitia für die Schiffahrt brauchbar. Oberhalb
Kaitia teilt er sich in drei
Quellflüsse, in den Lim, der vom Hochland von Jadé kommt, den Mbere, der den
Mberegraben durchfließt
und auf dem Westende des Baiahochlandes entspringt und den Wina, der seine
Quelle noch westlich von
Ngaundere besitzt. Ein weniger bedeutender Nebenfluß des Logone ist der Nia, der von den östlichen
Ausläufern des Ngaunderehochlandes herunterkommt. In ihrem Unterlaufe teilen
sich Logone wie Schari in
zahlreiche Nebenarme, die teilweise mit Nebenarmen des Jadseram sich treffen und
ein Netzwerk von
Kanälen bilden, die das ganze Logonetiefland durchziehen. Ein solcher Arm ist z.
B. der Ebeji, der vom
Logone ausgeht und nahe dem Jadseram in den Tsadsee mündet. Südlich von Musgam
geht der Matia ab, in
den die vom Mandaragebirge kommenden Flüsse Tsanaga und Jegoa münden. Der
Jadseram bildet die
westliche Grenze von Kamerun. Er entspringt auf dem südlichen Ende des
Mandaragebirges und fließt in
nördlicher Richtung zum Tsadsee, wo er, wie erwähnt, ein unentwirrbares Netz von
Mündungskanälen, die
mit denen des Schari-Logone zusammenlaufen, bildet. Wie das Benuesystem weist
auch das Tsadseesystem
eine größere Periodizität der Wasserzuführung auf, als die vorher behandelten
Küstenflüsse. Diese
Wasserzuführung richtet sich nach den Niederschlägen und kann beträchtliche
Schwankungen in der
Schiffbarkeit der Flüsse verursachen. Auch liegt hier eine Reihe bedeutender
Siedelungen an den
Wasserwegen. So liegt Bakassi am Zusammenfluß
von Logone und Penndé. Am Logone liegen ferner Lai
(französisch), Musgum, Kusseri, Gulfei; am Jadseram liegen Bama und Dikoa.
d) Das Kongosystem. Zu diesem System gehören die Flüsse, die dem Kongo und
seinem großen
Nebenfluß, dem Ubangi zuströmen. Das deutsche Gebiet reicht mit zwei schmalen
Zipfeln an diese beiden
Ströme selbst, und daher müssen diese erst kurz besprochen werden. Der Kongo
fließt vom Eintritt des
Ubangi an in südwestlicher Richtung. Von seiner Mündung aus ist er bis Matadi
schiffbar. Dann folgt
aufwärts der Abschnitt der Schnellen und Fälle, der bis zum Stanley Pool reicht. Von dort ist der Kongo
wieder dem Dampferverkehr offen. Das deutsche Gebiet erreicht den Kongo bei der
Mündung des Ssanga.
Der Ssanga entspringt mit seinem Quellfluß, dem Nana, auf dem Hochland von Jadé
und fließt in ungefähr
südlicher Richtung. Seine Hauptzuflüsse erhält er von rechts. Zuerst fließt ihm
der Mambere zu, der vom
Baiabochland kommt. Beide Flüsse besitzen ein ziemlich starkes Gefälle. Weiter
unterhalb mündet bei Nola
der Kadei, der bei Kunde entspringt, mit seinen Nebenflüssen, dem Dume, dem Bumbe und dem Libumbe.
Der Kadei fließt mit seinen Nebenflüssen im Oberlaufe auf den ebenen Flächen der
Njemplatte und wir
haben darum im Gebiet des Dume und Kadei eine große schiffbare Flußstrecke. Die
Endpunkte dieser
Strecken sind am Dume die Dumestation, am oberen Kadei der Ort Bakumbo und am
unteren Kadei der Ort
Delele. Unterhalb tritt der Kadei in eine Zone von Schnellen ein, die bis Nola
hin reichen. Bei Nola beginnt
die ungehinderte Schiffahrt des Ssanga, die bis zum Kongo hinunterreicht. Der
nächste Zufluß von rechts ist
der Dscha, der im Unterlauf auch den Namen Ngoko führt, ebenfalls auf der
Njemplatte entspringt, erst
westlich verläuft, dann aber in einem kurzen Bogen in ostsüdöstlicher Richtung
umbiegt. Der ganze
Oberlauf des Dscha wird durch Schnellen unterbrochen, so daß eine Schiffbarkeit
erst von Dongo oder
Ngoila möglich wird, da die letzten Schnellen
oberhalb Dongo liegen. Sein Nebenfluß, der Bumba, den er
von links empfängt, entspringt
ebenfalls auf der Njemplatte. Bei der Mündung des Ngoko verläßt der Ssanga das
gebirgige Terrain und tritt
in das Tiefland ein. Eine Reihe von Verbindungskanälen verbindet ihn mit zwei,
ihm parallel verlaufenden,
die deutsche Grenze bildenden Flüssen, dem Likuala-Mossaka und dem Likuala-Essubi oder Likuala aux
herbes. Ersterer entspringt auf französischem Gebiet am Ostabfall der Schwelle
von Guinea und ist bis zum
Orte Makua auf französischem Gebiet schiffbar.
Letzterer
entspringt im Tiefland zwischen dem Ssanga und dem Ubangi und ist bis Botunga
schiffbar. Das ganze
Flußgebiet des Ssanga liegt bis auf seine beiden Quellflüsse im Gebiete des
Urwaldes. Im Tieflande sind die
Ufer sumpfig, der Fluß teilt sich in viele Arme, besonders nach der Mündung in
den Kongo zu, wo dieser,
der Ssanga und die beiden Likuala, ein unentwirrbares Netz von Kanälen bilden.
Auch hier ist der
Wasserstand ein jahreszeitlich sich ändernder. Zur Regenzeit steht wohl das
ganze Gebiet des unteren
Ssanga unter Wasser. An der Mündung des Ssanga liegt Bonga, am Einfluß des Dscha
Wesso (französisch),
am Dscha Molundu, Ngoila, Dongo. Am Zufluß des Dume, dem Kadei, liegt Nola, an
jenem die
Dumestation. Am Bumbe liegt Gasa, am Mambere Bania und Carnot. Der Ubangi ist zur
Regenzeit bis
Bangi mit Dampfern befahrbar. Zur Trockenzeit sind die Schnellen von Singa ein
Hindernis. Es ist typisch
für die Gründlichkeit der Franzosen, daß sich nicht feststellen läßt, ob diese
Schnellen unterhalb der
Mündung des Lobai oder oberhalb liegen. Das ist wichtig für den Wert des
Ubangizipfels. Vermutlich liegen
sie oberhalb, da der Lobai noch 80 km weit schiffbar ist und in sumpfigen Ufern
fließt, und die Schnellen
meist das Aufhören des Tieflandes bedeuten. Der Lobai, als der bedeutendste
Nebenfluß des Ubangi auf
dieser Strecke, entspringt auf dem Plateau von Buar, einem Ausläufer des
Hochlandes von Jadé. Sein
Nebenfluß wieder ist der Mbaere, der zwischen Ssanga und Lobai fließt. Die
Nordgrenze des Ubangizipfels
bildet der Pama, dessen Lauf aber noch vollständig unbekannt ist. Ebensowenig
wissen wir von den
unterhalb des Lobai auf deutschem Gebiete entspringenden, dem Ubangi
zufließenden Flüssen, dem Ibenga
und dem Motaba.
e) Das Ogowesystem. Dieses Flußsystem reicht nur mit seinem nördlichsten
Teil in das deutsche Gebiet
hinein.
Die unteren Nebenflüsse des Ogowe, der Abanga und
der Okano, liegen nur mit ihren Quellen in Kamerun.
Nur der Iwindo mit seinen Nebenflüssen gehört in größerer Erstreckung zum
Kameruner Besitz. Der Iwindo,
in seinem Oberlauf auch Aina genannt, entspringt nicht weit von der alten
deutschfranzösischen Grenze. Er
verläuft erst in Sümpfen in östlicher Richtung und biegt dann nach Süden um. Bis
zur Mündung des
Karagua oder Je, der von Nordosten aus Altkamerun kommt und der bis Ntam mit Booten
befahrbar ist,
verläuft der Fluß noch auf dem Plateau. Dann treten Hügel auf, der Lauf wird
schneller, und einige
Schnellen, die aber von der Schiffahrt überwunden werden können, sind vorhanden.
Endgültig Schluß der
Schiffahrt ist in Kandjama. Der Dschua, der streckenweise die Grenze bildet,
fließt dem Iwindo ebenfalls
von rechts zu. Er ist bis fast nach Madjingo hinauf schiffbar. Der Nuna etwas unterhalb mündet von rechts,
dann ebenfalls von rechts der Ua und der Mvung.
Alle diese Flüsse sind wohl im Oberlauf teilweise fahrbar,
aber an ihrem Unterlaufe, ehe sie ins Tal des Ogowe kommen, haben sie, wie auch
dieser selbst, eine Reihe
von Schnellen zu überwinden. Zuletzt müssen wir noch den in die Gabunmündung
fließenden Komo
erwähnen, der im spanischen Gebiet entspringt und auf kurzer Strecke durch
deutsches Gebiet fließt.
4. Klima. K. bildet klimatologisch kein einheitliches Gebiet.
Es liegt auf der Grenze zweier großer klimatischer Provinzen, einmal der
Sahararegion und andererseits des Kongobeckens. Dazu tritt der tief
einschneidende
Winkel der Bucht von Guinea, die das Klima des Gebietes beeinflußt.
- Luftdruck und Winde. Wenn die Sonne südlich des Äquators steht, bildet
sich über Südafrika ein Minimum, das dann mit der Sonne allmählich nach
Norden wandert und im Juli über der Sahara mit einem Luftdruck von ca.
756 mm steht. Wir haben dann eine vorwiegend südliche Luftbewegung.
Einerseits
reicht der Südostpassat dann bis
in den Süden von K. hinein, andererseits wird er durch das Minimum
abgelenkt
und in einen Südwestwind verwandelt. In der heißen Zeit haben wir also
abwechselnd Winde aus Osten, Südosten und Südwesten. Dagegen haben wir
im Januar, wenn das Minimum in Südafrika liegt, und über der Sahara ein
relativ hoher Luftdruck von 760-764 mm herrscht, eine vorwiegend
nordsüdliche
Luftbewegung. Dieser zuweilen kalte und staubtragende Nordwind, der zur
kalten Jahreszeit vorherrscht, führt in Togo
den Namen Harmattan (s.d.). Außer
diesen
allgemeinen Luftströmungen herrscht an der Küste überall der tägliche
Wechsel von Land- und Seewind. Am Tage erhitzt sich das Land, und es
findet
eine Luftbewegung vom kühlen Meere zum Lande statt. Der Vorgang ist dann
in der Nacht der umgekehrte. Der tägliche und der jährliche Gang des
Barometers
ist wie im ganzen Tropengebiet ein sehr regelmäßiger. In Duala
beispielsweise ist die tägliche Schwankung 3 mm, und die beiden Maxima
liegen bei 9 Uhr 30 Min. vormittags und 10 Uhr 30 Min. nachmittags.
- Temperatur. Die Temperatur ist von 3 Faktoren
abhängig, vom Sonnenstand, d.h. vom Wandern der Sonne, von der Lage zur
Küste und von der Meereshöhe. Obwohl K. nördlich des Äquators liegt, hat
der Süden seine heißeste Zeit im Nordwinter. Es liegt dann die Isotherme
von 30° über der Kalahari in Südafrika,
und die Isotherme von 28° umschließt noch die Mitte von K. Im Nordsommer
ist das Hitzezentrum ins Innere der Sahara gerückt, die 32° Isotherme
geht durch den Tsadsee, die 28° Isotherme geht wieder durch die Mitte
K.s. Nach Lage und Höhe kann man nun verschiedene Regionen mit
verhältnismäßig
einheitlichem Klima unter scheiden. Das Küstenvorland besitzt eine im
Verhältnis zu seiner äquatorialen Lage mäßig hohe Temperatur. Mehrere
Gründe sind dafür maßgebend. Einmal reicht die kalte Benguellaströmung
(s. d.) bis in diese Breiten, wenn auch Duala selbst die warme
Äquatorialgegenströmung
besitzt. Dann herrschen in dem ganzen Gebiet westliche, also vom Meere
kommende und daher relativ kühle Winde vor. Ferner ist das ganze Vorland
mit Wald bedeckt, der überall zu einer Minderung der Temperaturextreme
beiträgt. Es sind darum sowohl die täglichen wie die jährlichen
Schwankungen
der Temperatur sehr gering. Die jährliche Amplitude ist nur etwa 2- 4°,
und ebenfalls die tägliche Amplitude bewegt sich in gemäßigten Beträgen
(etwa 2-8°). Der K.berg ragt als Kälteinsel aus dem Tiefland auf, da mit
der Höhe ja die Temperatur abnimmt. In seinen höheren Teilen ist er aber
kälter, als die Höhe allein es veranlaßt. Buea (980 m) hat eine mittlere
Temperatur von 19,6°. Plateaus zeichnen sich meist durch große
Temperaturschwankungen
aus, besonders sind die täglichen Amplituden und die extremen
Temperaturen
beträchtlich. Das ist auch bei dem Plateau von K. der Fall. Die
jährliche
Amplitude ist nur gering, nämlich ca. 2°. Die mittleren
Jahrestemperaturen
schwanken natürlich mit der Meereshöhe. Jaunde (731 m) hat 22,5°, Bali
(1340 m) hat nur 18,1° mittlere Jahrestemperatur. Dagegen beträgt die
mittlere tägliche Amplitude in Jaunde 10,5°, in Bali 11,1°. Die
Massivregion
von Nordadamaua wird sich im Gegensatze zu dem südlichen Plateau durch
weniger extreme Temperatur auszeichnen, doch fehlen hier bisher
Beobachtungen.
Wenn wir noch weiter nach Norden gehen, nähern wir uns allmählich dem
Saharagebiete, und damit wird das Klima kontinentaler und die Extreme
größer. In Kuka z.B. haben wir ein Jahresmittel von 28,2°, die jährliche
mittlere Amplitude beträgt 11°. Nach Osten zu, in der Gegend des Ubangi
lassen diese Extreme wieder etwas nach. Im Ssangatiefland, sowie im
südlichsten
Teil des K.-Plateaus haben wir außerordentliche Gleichmäßigkeit der
Temperaturen.
Leranga (0° 40' s. Br., 17° 38' ö. L.) hat eine mittlere jährliche
Schwankung
von nur 2,1°.
- Niederschläge. Die Jahresmenge nimmt im allgemeinen im Kongogebiet von
der Küste nach dem Innern zu, im mittleren K. dagegen umgekehrt von der
Küste nach dem Innern ab. Die Beträge sind etwa an der Küste von
Französisch-Kongo
1-1/2 m, am Kongo bis zu 2 1/2 m; an der
K.-Küste 3-5 m, auf dem Plateau 1 1/2-2 m und in Garua 749 mm, in
Kusseri
nur noch 464 mm. Die größte Regenmenge fällt bei Bibundi und Debundja auf der Westseite des K.berges (10-11 m).
Die Häufigkeit des Regenfalls nimmt ebenfalls von Süden nach Norden zu,
ebenso nach dem Innern. Die regenbringenden Winde sind hauptsächlich die
Westwinde, die vom Meere kommen, doch scheint auch das Kongobecken als
Feuchtigkeitsreservoir zu dienen, so daß im südlichen K. auch die
Südostwinde
Regen bringen. Im allgemeinen gilt die Regel, daß Gebirge die Winde zur
Abgabe ihrer Feuchtigkeit zwingen. Daher haben wir überall an den
Erhebungen
und Gebirgsrändern große Regenmengen. Die jahreszeitliche Verteilung der
Niederschläge ist in den verschiedenen
Gebieten
eine verschiedene. Im Küstenvorland östlich des K.berges haben wir eine
einzige Regenzeit mit ihrem Maximum im Juni bis September. Trockenzeit
ist nur im Dezember und Januar. Nach Süden zu erfolgt allmählich ein
Übergang
in die Gebiete mit zwei Regenzeiten. Batanga, Jaunde, Kunde ist etwa
die Grenze dieser Zonen. Nördlich dieser Grenze haben wir nur eine
Regenzeit,
wenn auch oft zwei deutliche Maxima angedeutet sind, im Süden haben wir
zwischen den Regenzeiten eine Trockenzeit. Westlich des K.berges ist
eine
Zone, die nahezu gar keine Trockenzeit besitzt. Was die tägliche
Verteilung
der Niederschläge anlangt, so fällt an der Küste von K. ausnahmsweise
der meiste Regen nachts, während er an der Kongoküste am Tage fällt, was
den tagsüber wehenden Seewinden entspricht. Im Innern dagegen haben wir
überall den Regen zur Hauptsache während des Tages fallend. Duala hat
fast 70 % Nachtregen, Jaunde dagegen 60 % Tagregen. Die Menge eines
einzigen
Regentages ist in unserem Gebiet oft sehr groß, an der Küste erreicht
sie die größten Beträge. In Debundja erreichte das Maximum des täglichen
Niederschlags im Juni 1902 456,2 mm, in Victoria 336 mm, in Bamenda nur
noch 113 mm. Die Gewitterhäufigkeit nimmt wie die Regenhäufigkeit von
Süden nach Norden zu. Ihren höchsten Wert erreicht sie in Baliburg mit
über 200. Der jährliche Gang der Häufigkeit ist in der ganzen Kolonie
ein gleicher, nämlich zwei Maxima im Zenitstand der Sonne, und zwar ist
diese Periode auch dort vorhanden, wo die Regenzeit nur einmalig ist.
Nur am Tsadsee hat die Gewitterhäufigkeit mit der Regenzeit nur eine
einfache
Periode. Die Tageszeit, in der die meisten Gewitter
auftreten, ist überwiegend der Nachmittag. Außer ziemlich häufig auf dem
Hochlande auftretenden Hagelfällen haben wir auf dem K.berg eine
zeitweilige
Schneebedeckung. Ein Sinken der Temperatur unter den Nullpunkt und eine
Eisbildung kommt auf den Hochländern wohl ebenfalls des öfteren vor. Für
die Vegetation der Hochländer ist die starke Taubildung, die dort
während
der Trockenzeit überall morgens einsetzt, von großer Bedeutung. Der
Feuchtigkeitsgehalt
der Luft ist an der Küste sehr groß, besonders zur Regenzeit. Nach dem
Innern zu nimmt er allmählich ab. In Duala beträgt die relative
Feuchtigkeit
etwa 80 %, am Tsadsee dagegen nur noch 65 %.
- Die vorstehend abgedruckten von Dr. Heldke aufgestellten
Klimatabellen
geben über die Verhältnisse von Duala (Küste), Baliburg (Hochland von
Südadamaua) und Kusseri (Logone-Tsadseebecken) Auskunft, die
nebenstehende
Tabelle über die Niederschlagsverhältnisse einer Reihe weiterer Orte.
5. Pflanzenwelt.
Wir kommen in K. von der Küste ausgehend in eine Reihe
von verschiedenen
Pflanzenformationen, die je nach Klima, Bodenbeschaffenheit und Höhenlage andere
sind. Zwei große
Formationen sind besonders charakteristisch, einerseits das Waldland und
andererseits das Grasland. Diese
beiden Formationen zeigen nun wieder eine Reihe von besonderen Ausbildungen,
deren jede einem
besonderen Typus entspricht, der über weite Strecken sehr gleichförmigen
Charakter aufweist. An der Küste
treffen wir zuerst auf einen Gürtel Urwald. - Das Waldland. Die Küsten der
Ästuare sind von einem Gürtel
von Mangrovewald umsäumt, dessen einzige Charakterpflanze die stelzfüßige
Mangrove ist, die auf
Brackwasser angewiesen ist. Aus dem
Mangrovewald entwickelt sich allmählich der Sumpfwald mit
dichtem Unterholz, dessen Charakterpflanzen Pandanus, Raphia, Phönixpalme (s. farbige Tafel ) u. a. m.
sind. Dieser wieder geht in den höheren Lagen in den eigentlichen tropischen
Urwald (s. farbige Tafel ), den
immergrünen Regenwald über. Die Verbreitung
dieses Waldes ist eine große in K. Er nimmt das ganze
Vorland, sowie den Süden des Plateaus ein und geht unmittelbar in den großen
zentralafrikanischen Urwald
über. Die Bäume werden etwa 40-60 m hoch, und zwischen den 20 und mehr Meter
hoch emporragenden
Stämmen entwickelt sich ein Lianendickicht, doch tritt der kahle Erdboden oft
zutage. Die häufigsten in ihm
vorkommenden Bäume sind der Wollbaum, der
Mahagonibaum, der Rotholzbaum, dann die Ölpalme und
endlich als wertvollster Bestandteil für die Ausnutzung die Kautschukarten
Kickxia und die Liane
Landolphia (s. Kautschuk). Der Hochwald verlangt 1500-2000 mm Niederschläge. Eine
Unterabteilung des
Hochwaldes ist der Alluvialwald, der auch dort gedeiht, wo weniger Niederschläge
vorhanden sind, aber der
Boden große Mengen von Feuchtigkeit enthält. Diese Waldformation entspricht dem
Sumpfwald und enthält
Raphia, Calamus, Lianen, im Gebirge auch
Baumfarn, Aroideen u. a. m. Wird der primäre
Urwald
vernichtet, so regeneriert er nicht wieder, sondern es bildet sich nur der
Buschwald aus Bäumen von 3-5 m
Höhe mit sehr dichtem Unterholz. Nur in sehr regenreichen Gegenden entsteht
später wieder hieraus der
Hochwald. Am K.berg finden wir zwischen 700-900 m den Ölpalmenwald, der als
überwiegenden Baum die
Ölpalme enthält. Wieder ein anderer Wald ist der nur über 1800 m Höhe
auftretende Höhenwald, der bis
2700 m hinaufreicht, der einen großen Teil des K.berges bedeckt, aber wohl auch
auf den Hochländern im
Innern vorkommt. Ganz andere Waldarten finden wir in den Steppengebieten mit
mehrmonatlichen
Trockenzeiten. Das ist der
Steppenbuschwald, dessen Bäume mäßig hoch, oft verkrüppelt, mit lederartigen
Blättern oder sogar mit Dornen versehen sind. Eine Form dieses Waldes ist die Obstgartensteppe.
Charakteristisch für ihn ist, daß die Bäume licht stehen, so daß die Kronen sich
nicht berühren. Eine andere
Form ist der Laubbuschwald mit laubabwerfenden Bäumen. Einzelne hohe Bäume: Butterbaum,
Leberwurstbaum, Tamarinde und auch Affenbrotbaum sind ihr eingestreut.
Vorwiegend aus Akazien besteht
der Dornbuschwald, der oft undurchdringlich für den Europäer ist. - Das
Grasland. Die zweite auf den
Gebieten mit Trockenzeiten vorkommende Pflanzenformation ist das Grasland, in
dem Gräser die
vorherrschenden Pflanzen sind. Die Gräser sind
in Büscheln, die bis 30 cm auseinander stehen, angeordnet
und erreichen beträchtliche Höhen. So ist das Elefantengras, das auf den Hochflächen in
sehr weiter
Verbreitung vorkommt, 6-7 m hoch. Das Grasland
ist von dem, die Flüsse an beiden Seiten begleitenden
Galeriewald und flachen, meist mit Sumpfwald bedeckten feuchten Niederungen
unterbrochen. Der Urwald
geht nicht direkt in das, Grasland über, sondern als Zwischenformation schaltet
sich meist die
Parklandschaft ein. Es ist das eine Landschaft, wo einzelne Waldparzellen mitten
im Grasland auftreten,
wiederum einzelne Grasparzellen mitten im Walde. Es sieht aus, als ob sich
Grasland und Waldland
gegenseitig bekämpfen. Die Charakterbäume dieser Formation sind Borassus,
Hyphaene, zwei Palmenarten,
und Adansonia, d. i. der Affenbrotbaum. Ebenso wie beim Waldland ist der
Übergang in den
Steppenbuschwald vom Grasland aus ein allmählicher. Hier bildet die sog.
Buschsavanne den Übergang. Es
ist das eine Formation, in der Grasflächen mit Inseln und Streifen von Büschen
und Buschwald abwechseln.
- Was die Verbreitung dieser Formationen anbelangt, so folgen sie sich im
allgemeinen als breite Streifen
von Süden nach Norden, wobei einzelne Inseln
besonderer Verhältnisse halber natürlich im Gebiete fremder Formationen
auftreten. Der Mangrovewald
bildet an der Küste einen schmalen Gürtel. Dann beginnt der breite Gürtel des
Urwaldes, dessen Nordgrenze
sich an den Westhängen des Plateaus nach Süden zieht, etwa beim Sanaga das
Plateau erklimmt und eben
nördlich von Jaunde, Kam, Dumestation, Nola und weiter nach Osten sich hinzieht.
Das Grasland, das die
nächste Formation ist, nimmt das ganze übrige Plateau ein. Die Massivregion von
Nordadamaua ist die
Region des Laubbuschwaldes, und nur im nördlichsten Teil trifft man schon auf
Dornbuschwald, der große
Teile des Tsadseetieflandes einnimmt. Das Logone-Scharitiefland ist teilweise
von schönem Weideland
eingenommen, in dem einzelne Partien von Sumpfland vorkommen. Weiter im Süden
scheint dagegen das
Weideland teilweise wieder in die Laubbuschsteppe überzugehen.
6. Tierwelt. Die Vertreter der K.er Tierwelt gehören vier großen
Tierprovinzen an, die sich in K.
berühren. Es sind vertreten: Gattungen des Sudans, des Kongobeckens,
Niederguineas und Oberguineas.
Außer nach diesen zoogeographischen Verbreitungsgesetzen richtet sich das
Vorkommen der Tierwelt
streng nach den Pflanzenformationen. Das Waldland beherbergt einige Tierformen, die sonst schon fast
ausgerottet sind und die in den Schlupfwinkeln des Waldes sich noch erhalten
konnten. Charakteristisch für
das Waldland sind besonders die Menschenaffen, Schimpanse und Gorilla, dann einige Halbaffen, ein
Schuppentier, der Potanogale velox, ein Insektenfresser; ferner kommen folgende
bekannte Arten vor: der
rote Büffel, der Buschbock, das Pinselohrschwein, das Flußpferd, der Elefant, letztere aber auch
ebenso
häufig in der Savannenregion, der Leopard, mehrere Stummelaffen und eine ganze
Anzahl anderer Affen.
An Vögeln ist das Waldland arm, wenigstens fallen sie dem Auge des Reisenden
wenig auf. Hier ist die
Heimat des Graupapageis. Die Savannenregion ist durch das massenhafte Auftreten
der Wiederkäuer
charakterisiert, besonders einer Menge von Antilopen- und Gazellenarten. Der
rote Büffel des Waldlandes
wird durch den großen, schwarzen Büffel ersetzt. An Raubtieren, die diesen
Tierarten folgen, treten zum
Leoparden noch Löwe, Hyäne, Schakal und wilder
Hund. Zum Elefanten kommt das Nashorn. Bei den
Affen treten die Paviane hervor. Dann Zebra, das
Erdferkel und eine große Anzahl von wühlenden
Tieren,
besonders Nagetiere. An Vögeln treten auf: die
Strauße und eine große Anzahl von
Hühnervögeln, Trappen
und im Norden eine Unmenge von Wassergeflügel. Ebenfalls im Norden treten dann
Giraffe und Zebra als
Charaktertiere hervor. S. a. Tierwelt der Schutzgebiete, Zoologie und Tafel 79/80.
7. Eingeborenenbevölkerung (s. Tafel 58, 78, 81 -86). K. ist
in. der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Schauplatz großer
Wanderungen und Völkerverschiebungen gewesen.
Es stoßen hier 3 verschiedene Wanderrichtungen zusammen, und die
Wanderungen
sind heute noch nicht ganz zum Stillstand gekommen. Es kommt daher oft
vor, daß Nachrichten älterer Reisender über Wohnsitze
von Stämmen heute nicht mehr stimmen. Die drei in Frage kommenden
Wanderrichtungen
sind folgende: die erste, wahrscheinlich älteste Völkerbewegung kam aus
Süden oder Südosten, veranlaßt von den in Ostafrika
nach Süden drängenden Völkerschaften. Es sind dies die Bantustämme. Die
zweite Wanderstrasse benutzte wahrscheinlich die NilKongowasserscheide
und hat eine direkt ostwestliche Richtung. Es sind das die Fangvölker.
Und die dritte Richtung ist ein nordsüdliche, im allgemeinen das
Bestreben
der Saharavölker, in die fruchtbaren Gebiete des Sudans einzudringen.
Sprachen. Wir wollen erst die Sprachen, die in unserem Gebiet gesprochen
werden, betrachten. Die Bagielli, die
über das äquatoriale Waldland verbreitete Urbevölkerung, sprechen ihre
eigene noch wenig bekannte Sprache. Sie sprechen aber überall daneben
die Sprache der Stämme, in deren Gebiet sie sitzen. Das Arabische wird
nur von den Schua, südlich des Tsadsees
gesprochen, ist aber als die Sprache des Islams, die Schriftsprache der
ganzen mohammedanischen Völker und wird darum auch in einem großen Teile
Nord-K.s verstanden (s. Araber). Zwei
Sprachen,
die zusammengehören, sind das Ful, das die
Fulbe sprechen (s. Fulbesprache),
und das Kanuri. Beide Sprachen zeigen Verwandtschaft
mit dem Somali, wenn sie auch vieles aus
den Negersprachen schon übernommen haben, und sind also wohl hamitisch.
Die Sprachen der Neger zerfallen in 2
große
Gruppen, in die Sudansprachen
(s.d.)
und die Bantusprachen (s.d.). Beide haben gemeinsam,
daß die Präfixe gegenüber den Suffixen für die Bildung von Begriffen
außerordentlich
hervortreten. Die Sudansprache umfaßt eine große Anzahl von Sprachen,
die unter einander sehr verschieden sind, und die einzelnen Volksstämme
der Sudanneger können sich also nicht
untereinander verständigen. Gemeinsam aber ist allen die
Eigentümlichkeit,
daß die Worte einsilbig sind und verschiedene Tonhöhe besitzen. Zu der
Sudansprache gehört wohl auch das Haussa,
das als Verkehrssprache für K. sehr wichtig ist. Die Grenze zwischen
Bantu-
und Sudansprache fällt ungefähr mit der Waldgrenze zusammen. Doch kommen
sowohl in dem Bereich der Sudansprachen einzelne Enklaven von Bantu
sprechenden Völkern vor, wie auch umgekehrt Sudanneger im Gebiete der
Bantu sitzen. Die Bantusprache zerfällt eigentlich nur in eine große
Anzahl
von Dialekten, und die Völkerschaften können wenigstens zum Teil sieh
untereinander verständigen. Hier muß der Fang erwähnt werden, einer
großen
Völkergruppe, die in Süd-K. sitzt, mit Bantusprache, die aber viele
Sudanwortstämme
enthält, was neben der anthropologischen Gleichheit dazu geführt hat,
daß man sie als Sudanneger erkannt hat, die nur die Bantusprache
angenommen
haben.
Die Bagielli. Dieses Pygmäenvolk bewohnte früher vor der Einwanderung der eigentlichen Neger den ganzen
afrikanischen Kontinent. Jetzt lebt es zurückgezogen im Urwald. Wir
finden
sie in K. wohl im ganzen Urwaldgebiet. Im Randgebirge südlich des Sanaga
sind sie nachgewiesen, ebenso sind sie noch zahlreich im ganzen
Ssangagebiet
bis zu den Zuflüssen des Kadei und Mambere. Auch in Spanisch-Guinea und
im südlichen deutschen Gebiet sind sie in kleinen Gruppen zerstreut. Sie
sind bei den Dzimu unter den Namen Babinga,
bei den Fang als Baiagga, bei den Küstenleuten als Bekue
oder Akoa bekannt. Noch andere Namen sind Beköä, Bequelle,
Boyaelli, Bakolo, Ebajagga. Sie sind 1,45 bis 1,50 m hoch, haben
lange
Arme, sind brachyzephal und prognath, haben wolliges Haar, relativ helle
Hautfarbe. Sie wandern als Elefantenjäger weit umher und tauschen das
Fleisch bei den Bantus gegen Maniok und Bananen
ein. Die Elefanten töten sie mittels großer Assagaien, die sie ihnen in
den Leib stoßen. Ihre Hütten sind armselig, aus Laub und Zweigen gebaut
und zwischen Felsen oft versteckt. Sie sollen von sanften Sitten sein,
Blutvergießen verabscheuen und auch ziemlich hohe religiöse Begriffe
haben.
Sie tatauieren sich selten und dann nur linear.
Die Neger. Die zwei Gruppen, die man sprachlich, bei ihnen unterscheiden
kann, lassen sich anthropologisch nicht ganz einhalten. Der Wuchs ist
mittelgroß, die Gliedmaßen muskulös, der Körper kräftig, oft schön
gebaut.
Das Gesicht ist rund, mit breiten Backenknochen, dicken, aufgeworfenen
Lippen, breiter, flacher Nase und niedriger Stirn. Die Schädelform ist
äußerst wechselnd, die Kiefer aber meist prognath. Die Hautfarbe ist
meist
ein rötliches Braun, wechselt aber ziemlich. Das Haar ist wollig und
kräftig,
der Bartwuchs ist gering. Im allgemeinen sind 2 Typen zu unterscheiden
unter den Negern, die aber gemischt in Sudan- und Bantugruppe vorkommen.
Der erste Typ ist klein, kräftig, häßlich, mit dicken Nasen und
typischen
Negergesichtern. Der zweite Typ ist dagegen hochgewachsen, schlank, mit
schmalen Nasen und weniger aufgeworfenen Lippen, auch oft heller
Hautfarbe.
Der erstere wird durch die ältere Bantugruppe, dann die Domme,
Mambila, Bansso,
Dumbo
und Bafum, ferner durch die Musgu und Kotoko vertreten. Zur 2. Gruppe gehören die Fang,
die Baia, die Batta, die Margi u.a.
Man nimmt an, daß der 2. Typ durch Mischung mit hamitischen und
semitischen
Völkern entstanden ist. Körperverunstaltungen, Tatauierung,
Stammesmarkierung, Beschneidung kommen überall vor.
- Bantuneger. Die Bantuvölker kann man in zwei Gruppen einteilen, die
durch die Fang voneinander getrennt sind: einmal die K.- oder
Dualagruppe
und andererseits die Makagruppe oder Bangalagruppe, wie sie nach den am
Kongo sitzenden Bangala genannt wird, die aber nicht mehr auf deutschem
Gebiet wohnen. Die Dualagruppe zerfällt wieder in zwei Unterabteilungen,
in die Bakokogruppe mit nördlicher Wanderrichtung und in die
Bakundugruppe
mit südlichem Wandern.
Die Bakundugruppe sitzt im Küstenvorland um den Kamerunberg und nördlich von ihm. Sie grenzen
im Norden und Osten an Sudanneger, von denen aber nur die Boki im Tiefland sitzen. Sprachlich lassen sich die
Stämme der Bakundugruppe wieder in zwei Abteilungen teilen. Zu der ersten gehören die
Ekombe, die Bafo,
die Balong, die Barombi
und die Abo. Die Ekombe-Baji sitzen mit ihrem Hauptorte am Meine, die
Bafo in einem langen Streifen von Joh.-Albrechtshöhe nach Norden bis zum
Bamendagebirge. Die Balong wohnen am linken
Ufer des Mungo, treiben Handel, und die Barombi schließlich, zu denen
die Abo gehören, sitzen an den Seen und zwischen Mungo und Wuri. Zu der
zweiten Gruppe der Bakundugruppe gehören die Babondo, die am Unterlauf des Meme und nördlich
davon
sitzen; die Barue, die ihre Wohnsitze in
einem Streifen von Rio del Rey bis zu den Rumpibergen haben, die Mbonge,
die südlich der Rumpiberge sitzen, die Bakundu, die einmal im Nordwesten der Rumpierge
sitzen,
andererseits die Bakunduplatte im Norden des K.berges bewohnen. Außer
diesen beiden Gruppen gibt es noch eine Masse anderer Stämme, deren
Zugehörigkeit
noch unbestimmt ist. Im Nordwesten der Rumpiberge zieht sich der Stamm
der Ngolo weit ins Rio-del-Rey- Tiefland. Nordwestlich
von ihnen sitzen die Odondop bis zur englischen Grenze. Nach Norden
folgen,
schon im Flußgebiet des Kreuzflusses, die Batanga und die Bakogo und nur
mit einem Teil auf deutschem Gebiet der große Stamm der Ekoi, der bis
zum Kreuzfluß selbst reicht. Östlich von diesen, südlich von Ossidinge,
sitzen die Keaka und die Obang. Die ganze Banjangbucht wird von dem großen
Stamm
der Banjang eingenommen, während die Anjang nur im Nordosten von Ossidinge wohnen. Dort
zieht sich auch ein kleiner Zipfel der zur Hauptsache auf englischem
Gebiet
sitzenden Boki, die den übrigen Bantustämmen völlig fremd gegenüber
stehen,
in deutsches Gebiet hinein. Östlich der Banjang, am Fuße des
Manengubahochlandes,
sitzen die Basgssi. An den Hängen des K.berges sitzen im Westen die Bambuko,
im Osten die Bakwiri, die beide vom
Norden
gekommen sind und der Bakundugruppe angehören. Weiter im Süden in der
Mungo-Wuribucht sitzen eine Reihe von Stämmen, deren Zugehörigkeit nicht
festgestellt ist, wie die Wuri, Pongo, Bodiman und Balong. - Die zweite Unterabteilung der
Dualagruppe ist die Bakokogruppe, die in der Sanagabucht und im Verlande
bis Kampo hinab ihre Wohnsitze hat. Am K.Ästuar
sitzen die Duala, ein Volk von 15000 Seelen. Dann kommen wir weiter im
Süden und Osten zu dem großen Volk der Bakoko,
die über den Njong hinüber reichen und im Osten weit auf das Hochland
hinaufgreifen. Man kann sie in mehrere Gruppen teilen. Am Sanaga sitzen
die Bassa, östlich von ihnen im Ebomassiv die Loko.
Südlich der Bakoko sitzen Mischstämme mit den Fang, die meist zu den
Jaunde
gerechnet werden. Im Flußgebiet des Lokundje
sitzen die Ngumba, die von Südosten erst in relativ junger Zeit
gekommen sein sollen. An der Küste wohnen die Batangaleute und etwas
weiter
im Innern auf der Strecke zwischen Lokundje und Kampo die Mabea.
-Die Bangalagruppe soll sprachlich von der Makagruppe abzutrennen sein.
Erstere ist danach der durch die Fang abgetrennte östliche Teil der
Pualagruppe
und muß sprachlich mit dieser vereinigt werden. Dagegen soll die
Makagruppe
mit Stämmen der Küste zu einer Gruppe sich vereinigen, die eine andere
Wanderperiode der Bantu repräsentiert. Wie weit das richtig ist, müssen
Sprachuntersuchungen lehren. Wir wollen nun zuerst die Bangalagruppe,
die sicher den vorher betrachteten Stämmen am nächsten steht, behandeln.
Es kommen dabei für unser Gebiet nur die Bafuru
des Ssangazipfels in Betracht, die sich am rechten Kongoufer, vom Likuala-Essubi bis hinunter zum Alima
erstrecken,
über die aber wenig bekannt ist. Nördlich der Bafuru sitzen die Baloi, die ebenfalls wohl zu dieser Gruppe gehören
und einen Zipfel nach Süden in unser Gebiet hineinsenden. Am Kongo
selbst
sitzen vielleicht auf unserem Gebiete noch die Bubangi,
die in ihrer Hauptmasse auf dem rechten Ufer des Kongo wohnen. Nördlich
dieser Völker treffen wir dann auf eine Reihe von Völkern, die, wie
erwähnt,
von den bisher behandelten Bantu abweichen, aber mit Völkern der Küsten,
mit denen sie nicht im Zusammenhang stehen, zu vereinigen sind, nämlich
mit den Baseke und den ihnen verwandten Völkern an der Coriscobucht und
weiter südlich. Nördlich der Bafuru soll ein Volk der Bufinde sitzen an
beiden Ufern des Ssanga. Weiter Ssanga
aufwärts kommt man dann in das Gebiet der Basangavölker des oberen
Ssanga,
der Kaka (?), Gundi und Bukongo.
Am ganzen Unterlauf des Dscha sitzen die Sanga-Sanga, ein wohl mit den
Basanga identischer Volksstamm. Sie werden auch als Misanga bezeichnet. Auf der Kunabembeschwelle
sitzen
die Bombassa und die Kunabembe. Nordwestlich von ihnen trifft man auf
die weit verbreiteten Stämme der Ndsem
oder
Dsimu (s.d.) und Njem (s.d.), was wohl alles dasselbe bedeutet. Sie
haben
die Kultur und Gewohnheiten der Fang angenommen, wurden deshalb viel mit
ihnen verwechselt, sind aber zu der Makagruppe gehörig. Sie senden einen
Keil nach Süden Iwindo abwärts und sitzen auch im Ngoko-Ssangawinkel.
Nördlich von ihnen sitzen die Kaka, die aber im Süden, südlich des
deutschen
Gebietes am Likuala noch einmal vorkommen sollen, und westlich der Bomome, die im Dumegebiet sitzen, treffen wir auf
die eigentlichen Maka. In den Süden unseres deutschen Gebietes ragen
noch
Teile von Völkern hinein, die zu einer großen Gruppe zusammengefaßt
werden,
welche ihr Zentrum einmal am mittleren Kongo und andererseits am unteren
Ogowe besitzt. Für uns kommen in Betracht: zwischen dem oberen Iwindo
und den nördlichen Zuflüssen des Likuala Mossaka die Bakota und um die Bucht von Gabun, sowie südlich und
nördlich davon die Mpongwe. Die Fang.
Dieses Volk, das erst in jüngster Zeit sich in die Gebiete der
Bantuneger
eingedrängt hat, spricht eine Bantusprache. Es sind aber ursprünglich
Sudanneger und zwar aus dem Nilgebiet, wo sie den Niain Niam nahe
stehen.
Sie sind, bis sie in ihr jetziges Gebiet kamen, weit herum gekommen. Es
wird angenommen, daß sie auf ihrer Westwanderung erst zum Ubangi kamen,
dann nach Norden drängten und darauf von den Fulbe nach Süden getrieben
wurden. Dabei haben sie alle unterwegs angetroffenen Völker vernichtet
oder aufgenommen. Ihre Südwestwanderrichtung, die noch andauert, wurde
durch das Erscheinen der Europäer an der Küste veranlaßt, ist also mehr
ein Drängen zur Küste. Jetzt ist ein Rückstoß eingetreten, seit einem
Jahrzehnt etwa geht die Wanderung nach Osten über den Iwindo gegen die
Bakota. Die Fang teilen sich in zwei große Gruppen, in die Betschi und die Makei, auch nach dem Satz, mit dem sie ihre Rede
beginnen:
Ich sage daß . . ., Masuna und Makina
genannt. Die Betschi sitzen im Nordwesten, die Makei im Südosten. Sie
teilen sich in eine ganze Anzahl von Stämmen, deren Name entweder mit
Eb ... (Makei) oder mit Es ... (Betschi) beginnt. Größere Völker unter
ihnen sind: im Norden, südlich des Sanaga sitzend, die Etun
und die Mwelle; dann südlich auf dem K.er Randgebirge und
seinen Hängen die Jaunde, die nach Aussage eines Sprachgehilfen des
Kolonialinstituts
noch in der vorletzten Generation Bati,
also
eine Sudansprache gesprochen haben sollen; östlich von ihnen die Bane, am mittleren Njong; darauf im Süden bis zum
Kampo
das große Volk der Bule am Kampo selbst,
an der Grenze von Spanisch-Guinea die Ntum,
denen die Okak in Spanisch-Guinea nahe stehen. Im Osten, am Ntem und am
Aina, die Mwai und weiter im Süden die
eigentlichen
Fang oder Pangwe.
- Die Sudanneger. Man hat Versuche gemacht, die Sudanneger in Gruppen
zu teilen, doch ist die Kenntnis von den einzelnen Stämmen noch
teilweise
so gering, daß man nicht viele Resultate erzielt hat. Der westlichste
Sudanstamm sind die schon erwähnten Boki, die im Nordwesten von
Ossidinge
sitzen. Auf dem Balihochland sitzen
eine Reihe von kleinen Stämmen, deren bekanntester der der Bali
ist. Westlich von ihnen sitzen auf dem Bamettaplateau die Bametta
und an den Abhängen und am Fuße des Abfalls die Muntschi.
Im Norden der Bali wohnen die Bafat und im Quellgebiet des Katsena-Allah
die Bafum. Im Osten auf dem Bamendagebirge
und seinen Abhängen kleine Stämme wie Bamenda, Bamessong und andere, und weiter im Osten dann
die Balikumbat und die Balibagam.
Auf dem zum Kamkessel abfallenden Rand des Hochlandes sitzen unter
anderen
die Bangangte, im Manengubahochland
die Elorng, Mbo und Bangwa und unzählige kleine Stämme. Auf dem Rand des
Hochlandes bis zum Eboplateau wohnen dann wohl Mischstämme zwischen
Bantu-
und Sudannegern, z. B. die Bafia. Im Nuntal und auf dem Bamumgebirge sitzen die
Bamum und östlich von ihnen im ganzen Tal des Mbam die Tikar. Auf dem Dommegebirge wohnt das Volk der Domme,
südöstlich von ihnen das große Volk der Wute, die die Sanagamulde einnehmen. Westlich von
ihnen
sitzen die Bati, an den Ufern des unteren Mbam; sie sind, wie die Wute,
in die von den Fang verlassenen Gebiete eingerückt. Mischstämme von
Sudan-
und Bantunegern sind wohl die Jebaka und Keperre
am Sanaga. Auf dem Kumbohochland sitzt eine Reihe von Stämmen, von denen
die Bansso die wichtigsten sind. Andere sind die Tukum
und die Mainbila, die weiter im Norden sitzen, ebenso wie die Bekom und
die Ndoro. Wir kommen nun zu den im Osten des Plateaus von K. wohnenden
großen Stämmen der Mbum und der Baia. Die
Mbum, im Osten auch Mberre genannt, wohnen auf dem Ngaunderehochland,
im Osten fast bis zum Penndé sich ausbreitend. Sie sind jetzt in ihrer
ganzen Masse deutsch. Die Baia (s. Tafel 78) werden mit mehreren
anderen
Völkern zu einer großen Gruppe zusammengeschlossen, besonders mit den
Yangere, deren Sprache der ihren völlig
identisch ist, und dann mit den Mandjia, die im Ubangizipfel auch auf
deutschem Gebiet sitzen. Die Baia teilen sich in eine Reihe von
Unterstämmen
und sitzen am Ostabfall des Hochlandes sowie teilweise schon im
östlichen
Tieflande. Ihre Verbreitung geht von Bania bis zum mittleren Uam und vom Sanaga bis zum oberen Lobai. Die
Unterstämme,
in die sie sich teilen, sind die Baia-Buri von Bania bis zum oberen
Mambere,
die Baia-Baia auf dem Baiahochland,
die Baia-Buar im Gebiet des oberen Uam und Lobai, die Baia-Kaia im
Gebiet
des oberen Logone, die Baia-Tala zwischen oberem Uam und Baria und
endlich
die Baia- Mbaka nördlich des unteren Uam. Man kann drei Dialekte bei
ihnen
unterscheiden, den ersten sprechen die Buri,
den zweiten die Buar, Kaia und Baia und den
dritten die Tala und Mbaka. Die Jangere
sind in mehrere Enklaven zerrissen. Die Hauptmasse sitzt wohl östlich
des Mambere, eine zweite westlich davon am Kadei, ferner eine Enklave
am mittleren Uam und eine andere, die nördlichste, zwischen oberem
Penndé
und oberem Baria. Das dritte Volk dieser Baiagruppe sind die Mandjia,
die von den Ndri in zwei Teile zerrissen worden sind. Die südliche
Partei sitzt am Ubangi zwischen Mpoko und Lobai. Wir müssen noch zwei
Enklaven dieser Gruppe erwähnen, die weit südlich in das Gebiet der
Bantuneger
verschlagen sind. Das sind erst die am unteren Bumba sitzenden Bangandu,
die zu den Baia zu rechnen sind, und zweitens ein kleiner Stamm Baia am
Zusammenfluß von Kadei und Dume. -
Sprachlich
von dieser Baiagruppe verschieden sind mehrere andere Völker, die in
Teilen
in deutsches Gebiet hinein reichen. Es sind einmal die Ndri, die den
Banda
nahe stehen und auf deutschem Gebiet am mittleren Lobai und in einer
kleinen
Enklave zwischen Mbaere und Lobai vorkommen. Ein anderer Stamm, der nur
zum ganz kleinen Teil in den Ubangizipfel hineinragt, ist das Volk der
Mbaga, die am Ubangi unterhalb des Lobai sitzen. - Mehr den Mbum als den
Baia nahestehend sind die Stämme, die am mittleren Logone wohnen, die
Laka, Sara und Mbei.
Das Gebiet der Lakka beginnt an der unteren Wina
und reicht nach Osten bis zum mittleren Schari. Die Sara, die ihnen wohl
verwandt sind, reichen bei Lai mit einem Zipfel auf deutsches Gebiet
hinüber.
Eigenartig ist, daß die Lakka, die Sara und Mbei mit den Baia, den
Jangere
und auch den Mbaka eine gemeinsame Beschneidungssprache besitzen, die
aber schon zur Verkehrssprache zwischen den einzelnen Stämmen geworden
ist. Es ist das Labi, über dessen Herkunft aber noch nichts bekannt ist.
- Westlich der Lakka sitzen in der Inselberglandschaft von Bubandjidda
die Dama und weiterhin am oberen Benue die Durru. Auf dem Ssarimassiv wohnen die kleinen
Heidenstämme
der Woko und Namdschi, nördlich davon
der von den Fulbe vernichtete, früher große Stamm der Batta. Auf den
Massiven
von Nordadamaua sitzt eine ganze Anzahl von Heidenstämmen, die sich hier
noch gegen die Fulbe haben halten können. So auf dem Alantikagebirge die Dere und weiter südlich
die Tschamba. Auf dem Inselbergplateau
von Gaschaka sitzen die Darra neben einer
ganzen Anzahl von kleineren Stämmen. - Nördlich des Benue, zwischen Rei
Buba und dem Mandaragebirge, wohnt der Stamm der Falli, der sprachlich von den übrigen Sudanstämmen
sich sehr unterscheidet. In dem Tiefland des Mao Kebi und südlich bis
Lame sitzt das Volk der Mundang
und in den Tuburisümpfen im Osten die Tuburi.
Am Logone nördlich von Lai bis zur Mündung der Tuburisümpfe treffen wir
auf beiden Ufern die Massa und Mabba. Logone abwärts kommen wir dann zu
dem wichtigen Volk der Musgu und noch
weiter
nördlich zu den ihnen sehr nahestehenden Kotoko, die aber schon
Mohammedaner
geworden sind. Nördlich von Binder sitzt ein Stamm namens Suggi
oder Mendie, im Tsadseetiefland eine
Anzahl
von Stämmen, die aber kaum mehr als dem Namen nach bekannt sind. Im
Mandaragebirge
sitzen die vielen Stämme der Mandara. Im Nordwesten des Gebirges und im Oberlauf
des Jadseram treffen wir auf die Margi. Im Mittellauf des Jadseram
breiten
sich dann die Gamergu aus. Semiten und Hamiten. Semiten sind ursprünglich die Araber, die
im Süden des Tsadsees in großer Menge, etwa 100000, sitzen. Es ist der
Stamm der Schua, deren Wanderungen in islamischer Zeit von Arabien her
Becker neuerdings an der Hand der arabischen Literatur verfolgt hat. Die
Kanuri sind ein Mischvolk von Semiten und Negern, wobei aber ihr
Negertyp
am meisten hervortritt. Das Volk sitzt zur Hauptsache auf englischem
Gebiet
und reicht nur mit einem Teil in das südliche Tsadseetiefland hinein.
Sie waren die Bewohner des alten Königreiches Bornu,
das durch Rabeh zerstört wurde. Die Fulbe (s. Tafel 58) sind zweifellos
Hamiten, wenn auch oft ein Negertypus unter ihnen hervortritt. Sie sind
groß, schlank, mit langen Nasen und dünnen Lippen. Sie gleichen fast
völlig
den Berbern Nordafrikas, sollen manchmal sogar blaue Augen und blonde
Haare haben. Sie sind vor einigen Jahrhunderten als Hirten aus dem
Senegalgebiet
gekommen und nehmen ihre Machtstellung erst seit dem Anfang des 19.
Jahrh.
ein. Sokoto war die Hauptstadt, und unter ihr standen mehrere
Vasallenreiche.
Eins war Adainaua mit der Hauptstadt Jola. Die Vasallenstaaten des Emirs
von Adamaua sind noch jetzt die Ausbreitungszentren der Fulbe. Auf dem
Hochlande von Südadamaua liegen die Staaten Ngaundere, Tibati und Banjo, während die Hauptmasse der Fulbe in der
Massivregion
von Adamaua sich befindet. Um Marua haben wir außer einigen anderen
kleinen
noch eine, große Enklave. Die Bororo-Fulbe, die noch als Hirten
herumziehen,
haben sich am reinsten den hamitischen Typ bewahrt. Ebenfalls Hamiten
sind die Haussa, die als Händler oder Handwerker über unsere ganze Kolonie
verbreitet sind. Auch sie sind viel mit Negern vermischt. Sie haben die
Fulbe, denen sie an Zahl über waren, in sich aufgenommen, so daß sie ein
Mischvolk sind, das eigentlich keinen Volkstypus besitzt. Ihre
Verbreitungszentren
liegen einmal am mittleren Benue und seinen Nebenflüssen Taraba, Donga
und Katsena-Allah, andererseits in der Massivregion von Nordadamaua mit
Garua als Mittelpunkt. Von da aus verbreiten sie sich über das ganze
Hochland
von Südadamaua und nach Osten hinunter bis zum mittleren Ssanga und Ngoko.
Unter dem Einfluß der Europäer haben sie sogar die Küste erreicht.
Passarge-Rathjens.
Bevölkerungsstatistik. Die Zahl der Eingeborenen K.s betrug nach der
amtlichen Statistik 1913: 2 648 610 (teils gezählt, teils geschätzt).
Die Bewohner der neu erworbenen Gebiete waren hierbei noch nicht
berücksichtigt.
Die Zahl der nicht eingeborenen farbigen Bevölkerung (aus Liberia, Togo,
Gabun, Goldküste, Nigerien usw. stammend) betrug 2 405, die der Mischlinge 110.
Die Kulturverhältnisse der Eingeborenen (s. farbige Tafeln und Tafel
86). Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eingeborenen s. unter
8. Eingeborenenproduktion. Wie zumeist in Afrika tritt die Technik in
der Form der Haus- oder höchstens der Dorfindustrie auf. Tongefäße von
sehr bedeutenden Abmessungen aus älterer Zeit findet man im
Logonegebiet.
Tonpfeifenköpfe der verschiedensten Form und Größe, oft in der Form
stilisierter
Tier- oder Menschenfiguren, zuweilen auch mit aufgesetzten Tierkörpern
werden gewerbsmäßig im Süden des Graslandes, vom Bamumgebiet bis Bali,
Bansso und Banjo, hergestellt und vertrieben (s. farb.Taf. Kamerun, S.
200, Abb. 5 [Tabakpfeife] u. Tafel 86 Abb. 1). Auch die Formen
der tönernen
Gebrauchsgefäße treten in diesem Gebiet ganz allgemein über die sonst
allgemein feststellbare Nüchternheit heraus (s. Tafel 86 Abb. 4). Weit
verbreitet und vielfach geübt ist auch die Schnitzerei. Künstlerisch am
niedrigsten steht sie unzweifelhaft im Waldland, wo sie über schematisch
wiedergegebene Tier- und Menschenfiguren nur vereinzelt hinwegkommt (s.
farb. Tafel Kamerun,
S. 196, Abb. 2 [Geheimbundmaske], 6 [Ruder] u. Tafel
86 Abb. 19). In der Mitte des Landes deckt sich der Bereich der
Schnitzkunst
fast völlig mit dem der Töpferei, mit der Maßgabe freilich, daß Bamum
auf dem Gebiet der ersteren sehr bedeutend stärker ist. Hier ist denn
auch fast jeder Gebrauchsgegenstand entweder zum freien Kunstwerk
geworden
oder zum mindesten doch künstlerisch verziert. Die Abb. 3
(Speiseschüssel),
6 (Schemel), 7 (Jujukopf) der farbigen Tafel Kamerun, S. 200, und die
Abb. 3, 7, 22 der Tafel
86 vermögen nur einen sehr schwachen Begriff von
dem Formenreichtum und der Phantastik dieser zwar barbarischen, aber
gerade
deshalb doppelt interessanten Kunstwerke zu geben. Die Vorliebe für die
Tierwelt, die in den Gestalten des Leoparden, des Hasen,
des Chamäleons, der Krabbe, der Spinne, des Krokodils und mancher
anderer,
einstweilen nur schwer zu bestimmender Tiere, überall wiederkehrt, läßt
auf einen früher vorhandenen Totemismus schließen, doch liegt eine
einwandfreie
Bestätigung, seines Vorhandenseins noch nicht vor. Auch das
Schnitzgewerbe
ist in besonderen Dörfern und dort oft auch noch wieder in bestimmten
Familien lokalisiert, in denen es sich vom Vater auf den Sohn vererbt.
Sehr hübsche Geräte versteht man im Grasland aus den als Bierbehälter
verwendeten Kürbisflaschen herzustellen; man weiß ihnen durch Umwicklung
während des Wachstums die gewünschte Form zu geben, überspinnt sie mit
buntfarbigen Perlenmänteln und gibt ihnen Pfropfen in Tierform (s.
farbige
Tafel Kamerun, S. 200,
Abb. 2 [Kürbisgefäß]). Perlen
europäischer Herkunft sind, wie seit den Zeiten der Venetianer oder gar
der Phöniker, überhaupt ein gern verwandtes Verzierungsmittel für
Hausrat
jeder Art. Die Abb. 8 (Thronsessel), 9 (Kopfaufsatz) u. 11 (Tanzmaske)
der farb. Tal. Kamerun, S. 200, geben einen hübschen Begriff davon. Ein
ebenfalls landfremdes, aber immerhin afrikanischer anmutendes
Verzierungsmittel
sind Kaurischnecken, wie sie zur Ausschmückung der Tanzmaske (s. farbige
Tafel Kamerun, S. 200,
Abb. 12) verwendet worden sind. Sie werden als
Ziermittel auch sonst viel benutzt. -Zwei nach Alter und Herkunft viel
umstrittene Techniken Westafrikas sind die Gewinnung des Eisens samt der
Schmiederei und der Metallguß. Jene hält v. Luschan
gar für eine Erfindung des Negers selbst, was jedoch mit der sonstigen
technischen Unfruchtbarkeit dieser Rasse nur schwer in Einklang zu
bringen
ist; den Metallguß hingegen sieht Leo Frobenius
auf Grund seiner letzten Reisen für eine Entlehnung aus dem antiken
mittelmeerischen
Kulturkreis an. Benin, Joruba und das
Kameruner
Grasland würden dann kulturell wenigstens in dieser Beziehung
zusammengehören.
Wie man auch über das Alter beider Techniken denken mag - in ihren
Leistungen
stehen sie beide recht hoch. Belege für die Schmiedekunst sind die Abb.
5, 8, 9, 23 der Tafel
86, Abb. 5 (Pulvergefäß) u. Abb. 10 (Helm)
auf den farbigen Tafeln
Kamerun, S. 196 u. 200, für die Gießkunst Abb.
10, 15, 20 der Tafel
86. Das verwendete Metall ist ursprünglich eine ziemlich
reine Bronze; neuerdings nimmt man Messing und Patronenhülsen. Das
Verfahren
ist das bekannte der verlorenen Form. Während die Gußwerke älterer Art
den Vergleich mit Benin nicht im mindesten zu scheuen brauchen, gehen
aus den Werkstätten des Fürsten Njoja von Bamum (s. d.) nur noch sehr
minderwertige Stücke hervor. - Unverhältnismäßig reich ist für
afrikanische
Verhältnisse der Hausrat vieler Kameruner Volksstämme. Der hohe Stand
der Töpferei sorgt für Krüge, Töpfe, Schalen und Lampen aller Art, die
Flechterei für Körbe, Teller, Schalen, Taschen,
Netze und Matten von oft sehr feiner
Arbeit,
die Schnitzerei endlich für Speiseschüsseln, Schemel, Sessel u. a. m.,
die fast ausnahmslos mit nicht geringem Geschmack durchgeführt sind (s.
farb. Taf. Kamerun, S. 200, Abb. 3 [Speiseschüssel], 6 [Schemel] u. 8
[Thronsessel). Unter den Musikinstrumenten weisen die Trommeln
zwei stark verschiedene Formen auf: die ausgehöhlte Schlitztrommel von
der Art der Duala-Sprechtrommel (s. Tafel 86 Abb. 24), die im ganzen
Waldlande
zuhause ist, und die mit Fell bespannten Zylindertrommeln, die sich
vorwiegend
im Sudan finden. Weitere Schlaginstrumente sind ein primitives Xylophon,
das aus einfachen Brettern von verschiedener Länge besteht; ferner das
bekannte Negerklavier, die Marimba, bei der unter den Klangbrettern
Kürbisschalen
als Resonanzböden hängen; schließlich eiserne Doppelglocken von der Form
der Abb. 13 Tafel 86,
die zu Signalzwecken dienen. Blasinstrumente sind: die Flöte aus Rohr
(s. farbige Tafel
Kamerun, S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]) oder Tierhorn,
Tuthörner aus Elfenbein (s. Tafel 86
Abb. 14) und (im Sudan) Trompeten aus Blech. Unter den
Saiteninstrumenten
ist die Harfe von der Form der Abb. 11 Tafel
86 für die Fangvölker charakteristisch. Anderswo kommen vor: eine Gitarre,
bei der jede Saite an einem besonderen Stege befestigt ist; eine Harfe
mit nur einem Saitenträger; endlich der primitive Musikbogen
mit nur einer Saite. Die Klimper- Sansa (im Süden von Deutsch-Ostafrika
Ulimba; s. Tafel 144
ist auch in Kamerun zuhause. Die Kleidung der Kameruner
schwankt zwischen völliger Nacktheit und einem Überfluß von Stoffen.
Ganz
unbekleidet gingen noch vor einem halben Jahrhundert die Musgu, und
Marghi;
noch heute wird derselbe Kleidungsmangel von manchen Stämmen des
Mbamgebietes
und des Kumbe-Hochlandes erwähnt. Auch die Bali gehen zuzeiten nackt.
Penisfutterale verschiedenster Gestaltung
sind oder waren sowohl im Osten Nordkameruns, bei den Mattafall, Durru,
Mbum usw. (s. Tafel 86
Abb. 18) gebräuchlich, wie auch im Waldland, bei
den Bafia und anderen Stämmen des Mbamgebietes. (Ein Penisfutteral aus
dem nördlichen Togo zeigt zum Vergleich mit Abb. 18 die Tafel 86 Abb.
16.) - Von wirklich flächenhafter Kleidung kamen früher vielfach Rindenstoffe
und Palmfasergewebe in Betracht, jene bei den Waldlandstämmen des
Südens,
diese besonders im Kreuzflußgebiet. Heute ist auch über diese Gebiete
entweder die Wolle des mohammedanischen
Kleiderüberflusses oder der europäische Kattun geschritten. - Einen
hübschen
Einblick in das Kapitel Schmuck und Haartracht gewährt die Abb. 3
(Jaundemädchen)
der farbigen Tafel
Kamerun, S. 196. Soweit die Waldlandstämme des Südens
zu der großen Familie der Fang gehören oder
von ihnen beeinflußt sind, reicht auch die hübsche Frisur, wie das
Jaundemädchen
sie trägt. Ein solches Kunstwerk ist natürlich nur schwer herzustellen
und wird deshalb auch nur von Zeit zu Zeit erneuert. Auch weiter im
Norden,
bei den Bane und ihren Nachbarn, sind derart kunstvolle Frisuren im
Schwange.
Anderswo, wie bei den Schua-Arabern und den Kotoko, zerlegt man das Haar
in unzählige feine, vom Kopfe herabhängende,Flechten. Im Schmuck sind
die Ober- und Unterlippenscheiben, die Nasen- und Ohrpflöcke der Musgu
und ihrer Nachbarn das Abenteuerlichste. Nasenpflöcke sind auch bei den
Jaunde üblich (s. farb. Tafel Kamerun,
S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]). Sonst umfaßt dieses Kapitel alle die
Ketten, Schnüre, Ringe und Spangen, die wir bei anderen Afrikanern auch
finden. Aus der Kosmetik der Haussa erwähnenswert sind jene, auch in den
ethnographischen Sammlungen häufigen, hübsch gestalteten Fellbüchschen
für Antimonpulver, das von den Schönen dieser weit verbreiteten
Völkerschaft
zum Unterschminken der Augen gebraucht wird (s. Tafel 86 Abb. 12). - Ungemein
mannigfaltig ist naturgemäß die Bewaffnung
der vielgestaltigen Kameruner Bevölkerung. Unter den Angriffswaffen
walten
Keule und Messer
vor bei den Fulbe und den von ihnen beeinflußten Völkern. Stumpfe, nur
zum Hieb geeignete Schwertmesser (s. Tafel 86 Abb. 5) sind auch im
südlichen
Grasland im Gebrauch. Schon nach der Kongoprovinz hinüber neigen sodann
die Hiebmesser von der Form der Abb. 8 Tafel 86 und der Wurfmesser
Abb. 9 ebenda. Die Sudanstämme tragen kürzere Messer gern am Unterarm
oder am Halse. Dolchmesser mit hohlem Handgriff, ganz ähnlich dem in
Abb.
4 Tafel 195
wiedergegebenen verwenden die Djikum, die Wute und manche
andere Stämme Südwest-Adamauas. Eine sicher von Europa her beeinflußte
Schwertform ist das sog. Haussaschwert, eine fast meterlange gerade
Waffe,
die stark an unser altes Ritterschwert erinnert. Stoßspeer und Wurflanze
sind nahezu allgemein verbreitet. Bei den Reitervölkern des Sudans sind
die Lanzen von beträchtlicher Länge. Bei
einzelnen Stämmen des Waldlandes verfeuert man kurze vergiftete Spieße
aus Gewehren auf Großwild. Der Bogen ist durchweg einfacher Natur.
Asiatischen
Einfluß zeigt er nur im Sudan, indem er hier zuweilen in der Mitte
eingedrückt
ist. Der Pfeil zeigt nirgends Befiederung. In der Spannweise des Bogens
interessant sind die Wute. Diese besitzen einen recht kräftigen, langen
Bogen, den sie nur sehr wenig straff bespannen. Aus diesem Grunde
schlägt
die Sehne beim Schuß schwer auf die linke Hand. Zu deren Schutz legen
die Wute nun große, schön gepunzte Lederkissen um das Handgelenk (s. Tafel
86 Abb. 17), auf die die Sehne aufschlägt. Das Spannen des Bogens selbst
geschieht mit Hilfe einer Spannvorrichtung. Diese besteht entweder in
dem Hohlgriff des oben erwähnten Dolchmessers, mit dessen hinterer Kante
die Sehne zurückgezogen wird, oder in einem Holzbügel von der in der Tafel
86 Abb. 17 erkennbaren Form, der sich um die Mittelhand legt. Während
die Sehne hinter dem Bügel ruht, sucht der Schütze den Pfeil mit den
oberen
Teilen von Daumen und Zeigefinger festzuhalten. - Der Vergangenheit
gehört
heute das Wurfmesser an, eine auf Nord- und Zentralafrika beschränkte
Waffe, die, horizontal geschleudert, bei ihrer Rotation mit den ihr
eigentümlichen
Zacken den Gegner an unbedeckten Körperstellen verwunden sollte. Eine
der einfacheren Formen ist in Abb. 9 Tafel 86 wiedergegeben. -
Zweifellos
fremd im Lande und von den Europäern entlehnt ist hingegen die Armbrust.
Sie ist den Fangstämmen eigentümlich, findet sich aber auch am
Kamerunberg
und am Mbam. Im äußeren Aufbau gleicht sie vollkommen der
europäischen
Armbrust. Prüft man hingegen den Abzugsmechanismus, so erkennt man
sofort,
die technische Hilflosigkeit des Negers. Der Schaft ist nämlich der
Quere
nach aufgespalten. In der unteren Hälfte ist ein Pflock befestigt, der
in ein durch den Oberteil gebohrtes Loch eingreift und es vollkommen
ausfüllt,
sobald die beiden Schafthälften aufeinander liegen. Quer über das Loch
des Oberschaftes hin liegt die Nute, in die die Armbrustsehne sich
einlagert.
Kommt der Pflock von unten, so treibt er die Sehne nach oben aus der
Nute
heraus; sie schlägt nach vorn und treibt das Geschoß davon. Auf diesem
Aufbau beruht die Spannweise: man muß die Finger zwischen die
Schafthälften
klemmen, um die Sehne in die Nute legen zu können. Erst wenn man sie
mühselig
aus dem Spalt löst, tritt der Abzugsmechanismus in Kraft. Trotz dieser
vollkommenen Unzulänglichkeit des Baues ist die Waffe früher gefürchtet
gewesen, besonders allerdings wohl wegen der stark vergifteten, kaum
häkelnadelgroßen
Pfeile. Heute ist die Armbrust
Kinderspielzeug.
- Unter den Schutzwaffen stehen Schilde
und Panzer obenan. Jene sind sowohl tierischer wie
pflanzlicher
Abkunft, wobei Rindenschilde auf das Kumbohochland beschränkt sind,
während
die übrigen Formen anscheinend regellos durcheinanderlaufen. Nur der
Lederschild
ist dabei mehr auf den Sudan und Adamaua, beschränkt, während der
Holzschild
das Gebiet seiner größten Ausbreitung im Südosten hat. - Panzer sind
oder
waren nur im Norden verbreitet: Tierhautpanzer bei den Tuburi und Musgu,
Wattepanzer für Roß und Reiter bei den
regulären
Truppen der Haussa, Kanuri und Fulbe,
Eisenpanzer bei den Mohammedanern (s. Tafel 86 Abb. 23). Mit diesem
Eisenpanzer
vereint trägt man Metallhelme von der Form des in Abb. 10 der farbigen
Tafel Kamerun, S. 200,
wiedergegebenen. Der geistige Kulturbesitz sei
hier nur kurz gestreift, da eine eingehendere Behandlung bei dem
verfügbaren
Raum ja doch nicht möglich ist. Über die Trommelsprache als eine der
bemerkenswertesten
Errungenschaften s. Duala. Die bildende Kunst äußert sich weniger in der
Malerei als der Plastik; jene hat, allerdings unter dem Einfluß
europäischer
Farben, einen größeren Aufschwung nur bei den Duala genommen (s. farbige
Tafel Kamerun, S. 196,
Abb. 1,2 [Geheimbundmasken], 4 [Idol Ekongolo],
6 [Ruder], 7 [Bootmodell]); im übrigen beschränkt sie sich auch hier auf
die farbige Verzierung von Gegenständen aller Art. Um so allgemeiner ist
dagegen in dem vom Islam unberührten Teile die Plastik; sie begreift
alle
die zahllosen aus Holz, Horn und Knochen geschnitzten Gegenstände, wie
auch die Keramik und den Guß aus Messing und Bronze und läßt kaum
irgendeinen
Teil des Kulturgutes dieser südlichen Völker außer acht (Abb. 1
[Hausleiste],
3 [Speiseschüssel], 4 [Tanzmaske], 6 [Schemel], 7 [Jujukopf], 10 [Helm]
und Abb. 1, 2 [Geheimbundmasken], 5 [Pulvergefäß] der farbigen Tafeln
Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 2, 3, 7, 19, 21, 22 der Tafel 86]).
Die Neigung zu naturalistischer Darstellung ist im allgemeinen
unverkennbar,
wenn anders Anläufe zur Stilisierung bereits deutlich erkennbar sind.
- Auf dem Gebiet der Religion kommt der den ganzen Norden beherrschende
Islam ethnographisch kaum in Betracht. Wo er noch nicht hingedrungen
ist,
herrschen Zauberglaube, Animismus und Ahnenkult in sicher stets
vorhandener,
wenn auch noch nicht klar erkennbarer Wechselbeziehung. Vermutlich ist
auch noch mit dem Totemismus zu
rechnen.
Ihren sichtbaren Ausdruck finden alle diese Gefühle der Abhängigkeit von
höheren, überirdischen Mächten in zahlreichen Amuletten, Masken,
Kopfaufsätzen,
Fetischfiguren u. dgl. m. Bei den Duala und den Völkern um den
Kamerunberg
ist das Gefühl der Abhängigkeit von den Seelen der Verstorbenen
zusammengeflossen
mit der alten Einrichtung der Altersklassen und Männerbünde
und äußert sich nunmehr in Gestalt der Einrichtung der Geheimbünde (s.d. bei Duala). Weiter im
Norden,
im Kreuzflußgebiet und auch Nigerien hinüber, finden wir hingegen die
alles beherrschende Einrichtung des Juju. Der Begriff ist seinem Inhalte
nach noch nicht klar zu erfassen. Mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutet
es ursprünglich nichts anderes als das irokesische Orenda oder das
melanesische
Mana, also die dem Menschen, den Tieren oder selbst den Dingen
innewohnende
Zauberkraft, die man zum eignen Nutzen oder zu des Nächsten Schaden
anwenden
kann, sofern die eigne Zauberkraft dazu ausreicht. Später scheinen sich
Geister- und Ahnenfurcht hinzugesellt zu haben, so daß gegenwärtig ein
wahrer Wust von Vorstellungen mit dem Begriff des Juju zusammenfällt.
Seine Träger sind auch hier Männervereinigungen in
besonderen
Jujuhäusern; äußerer Ausdruck des Kultus vielgestaltige Fetischfiguren, Masken und
Kopfaufsätze,
die man als zeitweiligen Sitz der wirksamen Kräfte ansieht, die man im
Jujuhaus aufstellt, mit denen man tanzt und Umzüge veranstaltet, und vor
denen man gegebenenfalls auch opfert. Die Abb. 1, 2 [Geheimhundmasken],
4 [Idol Ekongolo] und Abb. 7 [Jujukopf], 9 [Kopfaufsatz], 11 [Tanzmasken]
der farb. Tafel
Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 3, 7, 19, 22 der Tafel
86 geben eine Auswahl von Figuren aus diesem Pantheon wieder.
8. Eingeborenenproduktion. Die Wirtschaftsprodukte der
Eingeborenen
sind in den verschiedenen Teilen K. auch wesentlich verschiedene. Das
Waldgebiet eignet sich mit seiner tiefgründigen Humusschicht vorzüglich
für den Ackerbau, ist aber für
Viehzucht
vollständig unbrauchbar wegen der Tsetsefliege und einiger stets bald
auftretender Seuchen. Dagegen sind Jagd
und Fischfang im weitesten Maße nutzbringend. Das Grasland ist wegen der
Trockenzeit nur zu bestimmten Jahreszeiten für den Ackerbau brauchbar,
es fallen eine ganze Anzahl von anspruchsvollen Kulturpflanzen fort. Dafür tritt die
Viehzucht
hervor, ebenso wie die Jagd, die in den großen Antilopen- und
Gazellenscharen
der Savannen zu ihrem Nutzen kommt. Dasselbe ist der
Fall in den Tiefländern des oberen Logone, wo wir Viehzucht und Ackerbau
vereinigt antreffen. Die Sumpfgebiete am unteren Logone und südlich des
Tsadsee eignen sich dagegen mehr für den Ackerbau,
da die Viehzucht unter den regelmäßig auftretenden Seuchen sehr leidet.
Hier tritt der Fischfang dagegen außerordentlich in den Vordergrund. Was
nun zunächst die Jagd anbelangt, so kommt vor allem für den Handel
das Elfenbein in Betracht. Die Verbreitung des Elefanten
erstreckt sich besonders über das Waldgebiet, dann über das Grasland von
Südadamaua und über das Tsadseegebiet. Im Massivgebiet von Nordadamaua
ist er selten. Die hauptsächlichen Elefantenjäger sind die Bagielli des
Urwaldgebietes, die von der Erlegung dieses Wildes leben. Sie tauschen
das Fleisch und die Zähne an die Neger, in deren Gebiet sie wohnen,
gegen
Zerealien und ihre sonstigen Bedürfnisse ein. Im Grasland sind die
Haussa,
vielfach Elefantenjäger. Sie benutzen aber Gewehre,
während die Pygmäen ihnen nur mit
Lanzen
zuleibe gehen. Die Ausfuhr an Elfenbein belief sich im Jahre 1907/08 auf
über 1 Mill. M. Seitdem ist sie bis auf 625 500 im Jahre 1910 und weiter
auf 536 000 im Jahre 1913 gesunken und wird wohl noch weiter sinken, in
dem Maße wie der Elefant der Kultur oder der Verfolgung erliegt. Außer
Elfenbein kommen an tierischen Produkten nur noch wenige in geringen
Mengen
in Betracht. Erwähnt mögen nur Straußenfedern werden. Am Tsadsee werden
die Strauße von den Arabern gejagt. Aber die Produktion ist doch nur
gering.
Eine weitere wirtschaftliche Betätigung der Eingeborenen, der Fischfang,
bringt keine Produkte auf den Weltmarkt. Fischer
sind besonders die Urwaldstämme und die am Logone und am unteren Schari, sowie am Tsadsee wohnenden Völker. Wenden
wir uns zur Viehzucht, so haben wir schon gesehen, daß dieselbe nur
außerhalb
des Urwaldes möglich ist. Zwar gibt es Viehbestände, besonders im
Kreuzflußgebiet,
aber die Tiere sind mager und ziemlich wertlos. Da eine breite
Urwaldzone
das Grasland von der Küste trennt, so ist dadurch eine Ausfuhr des
produzierten
Viehes sehr erschwert. Es wird daher Vieh zumeist den Benue abwärts oder
über die Westgrenze in englisches Gebiet ausgefühft. Nur das Kleinvieh, Ziegen und Schweine,
kommen auch im Waldlande vor, letztere wohl nur dort. Viehzüchter sind
besonders die Bororo-Fulbe, die sich ausschließlich mit Viehzucht
beschäftigen,
und dann die Lakka, die aber auch eifrige Ackerbauer sind. Im Waldlande
sind die Boki nordwestlich von Ossidinge Viehzüchter, aber ihr Vieh
stammt
aus dem Sudan. Die Qualität des Viehs ist teilweise gering, nur die
Rinder
der Fulbe sind relativ gut, wohl auch das Vieh der Lakka. Man ist von
der Regierung aus bestrebt, die Güte des Viehbestandes durch Einführung
guten Viehes zu heben. Der Wert der exportierten Tiere betrug im Jahre
1910 nur 10452 M, während er im Jahre 1906 51170 M und im Jahre 1908
sogar
100000 M betrug. Im Jahre 1913 ist der Betrag wieder auf 20000 M
gestiegen.
Pferdezucht wird besonders am Logone durch die Lakka und Musgu
betrieben.
Doch ist das Pferd in ganz Adamaua
bekannt,
außer im Baiaplateau, wo auch das Rind nicht vorkommt. Doch haben die
Baia für Pferd und Rind Namen. In Bornu wird in geringem Maße Straußenzucht
getrieben, doch ist die Produktion minimal. Ehe wir zum Ackerbau
übergehen,
wollen wir die wildwachsenden Pflanzen betrachten, die der Eingeborene
ausnutzt, sei es zum eigenen Gebrauch, sei es als ein von den Europäern
begehrter Handelsartikel. Von den letzteren steht Kautschuk an erster
Stelle. Die wichtigste Kautschukpflanze ist Kickxia
elastica, die im ganzen Urwaldgebiet im Überfluß vorkommt, daneben
kommt die Liane, die Landolphia in verschiedenen Arten in Betracht.
Leider
wird natürlich von den Eingeborenen bei der Kautschukgewinnung Raubbau
getrieben, so daß eine Verminderung der Kautschukbestände von Jahr zu
Jahr eintritt. Die Ausfuhr von Kautschuk belief sich im Jahre 1910 auf
11070680 M, und davon sind 10960680 M Sammelprodukte der Eingeborenen
und nur 110000 M erst Produkte europäischen Plantagenbetriebes. Das Bild
für 1912 ist folgendes: Pflanzungskautschuk 170800 M, Sammelkautschuk
11801671 M. Im Mandaragebirge
wird
von den Eingeborenen Guttapercha
gesammelt,
aber bisher nur im Werte von etwa 1000 M. An zweiter Stelle, früher den
Wert des gesammelten Kautschuk übertreffend, steht das Sammeln der Ölfrüchte.
Die an erster Stelle in Betracht kommende Pflanze ist die Ölpalme, die
im ganzen Waldgebiet und stellenweise auch auf dem Plateau, in der
Sanagamulde
und im Mbamtal vorkommt. Man kann bei ihr teilweise von einer Kultur
sprechen,
indem der Eingeborene den Wald, in dem sie vorkommt, von Gebüsch
lichtet.
Ein anderer für die Ölgewinnung in Betracht kommender Baum ist der Schibaum,
der im ganzen Sudan häufig ist. Aus seinen Früchten wird die sog.
Schibutter gewonnen. Die Ausfuhr von
Schibutter betrug 1910 aber nur für 14 906 M, und bis 1912 ist eine
erhebliche
Abnahme zu verzeichnen. Dagegen ist die
Ausfuhr von Palmkernen von Jahr, zu Jahr gestiegen und wird wegen der
großen Häufigkeit der Ölpalme immer wichtiger für die Entwicklung der
Kolonie werden. Die Ausfuhr von Kernen betrug im Jahre 1910 3553479 M,
im Jahre 1912 4406000 M, die Ausfuhr von Palmöl 1260000 M resp. 1622400
M. Von sonstigen pflanzlichen Produkten ist noch die Kolanuß, deren Produktion sich 1910 auf 50580 M
(im Jahre 1912 stieg die Ausfuhr auf 167000 M) belief, und das Gummi arabicum (1912 = 44 300 M) zu erwähnen. Die
Hauptproduktion
von Nutzhölzern liegt ebenfalls in den Händen der Eingeborenen, die
leider
auch hierbei vielfach Raubbau treiben. Es handelt sich hier natürlich
hauptsächlich um das Waldlande aus dem etwa 10-15 Arten von Bäumen
verwertet
werden. An erster Stelle stehen vor allem Mahagoni,
Ebenholz, Baumwollholz, Boagossi und Oku-Mie u.
a. Die Gesamtausfuhr belief sich im Jahre 1910 auf 144905 M, von denen
124272 M von Eingeborenen produziert wurden, stieg aber im Jahre 1912
bereits auf 700000 M. Erwähnt müssen noch die mineralischen und fossilen
Sammelprodukte werden, besonders Kopal und Glimmer, die zur Hälfte, also
etwa im Werte von 30000 M, im Jahre 1910 zur Eingeborenenproduktion
gehören.
Im Jahre 1912 war der ganze Betrag der Ausfuhr. mineralischer und
fossiler
Rohstoffe 1466 M. - Wir kommen jetzt zu den Erzeugnissen des
eingeborenen
Ackerbaus, von denen aber für den Welthandel bisher nur der Kakao
in Frage kommt, wenigstens in größerem Maße. Die Kulturpflanzen der
Waldlandneger,
also damit der Bantuneger, sind ganz andere als die der
Graslandbewohner.
Im Waldland sind die Knollenfrüchte die Hauptnahrungsmittel, vor allen
Maniok, Yams und Bataten.
Daneben kommt die Banane in Betracht, ferner Mais,
Bohnen, Kürbisse,
dann Zuckerrohr, Pfeffer
und Tabak als Genußmittel.
Im Gegensatz dazu ist die Hauptpflanze der Graslandneger die Hirse,
während alle anderen dagegen zurücktreten. Hinzu kommen Mais, Yams, Reis und Erdnüsse. Im Tsadseetiefland wächst der Reis
wild und wird auch schon angebaute ebenso wie der Weizen.
Die Hauptnahrungspflanze ist aber auch hier die Hirse. Wie gesagt, ist
keine dieser Lebensmittelpflanzen als Handelsprodukt wichtig. Dagegen
haben die Genußmittel Aussicht, für die Ausfuhr wichtig zu werden, und
der Kakaobaum ist es schon jetzt. Von den 3033399 M, die im Jahre 1910
für Kakao erzielt wurden (1912 = 3 721000 M), entfallen 325 543 M (resp.
521260 M) auf die Eingeborenenproduktion, und der Kakaobaum scheint
unter
den Negern von Jahr zu Jahr beliebter zu werden. Die Hauptgegenden des
Kakaobaus sind der K.berg und die Gegend von Jaunde . Ebenfalls dürften
die Kulturen von Faserpflanzen in K. eine große Zukunft haben. Vor allem
die Baumwolle findet im Norden gute Existenzbedingungen, und die
Regierung
sucht den Baumwollbau überall zu
heben.
Doch ist bisher die Produktion noch nicht für eine wesentliche Ausfuhr
groß genug. -Zuletzt müssen wir noch kurz die Erzeugnisse der
Eingeborenenindustrie
erwähnen. Die Ausfuhr dieser Produkte belief sich im Jahre 1910 auf 42
248 M (1911 = 62 690 M, 1912 = 28 258 M), und die Erzeugnisse bestanden
hauptsächlich in Lederarbeiten, Strohflechtereien und Holzwaren.
Passarge- Rathgens.
9. Europäerbevölkerung. Die weiße Bevölkerung K.s ist von 528
im Jahre 1900 auf 826 im Jahre 1905 und 1781 im Jahre 1912 (Nachweis vom
1. Januar 1913) gestiegen; sie hat sich im letzten Jahrzehnt nahezu
verdreifacht.
Der Nationalität nach teilte sich die weiße Bevölkerung im Jahre
1900
in 475
Reichsangehörige,
75
Ausländer
1905
in 727
Reichsangehörige,
88
Ausländer
1910
in 1084
Reichsangehörige,
152
Ausländer
1912
in 1560
Reichsangehörige,
228
Ausländer
Die Bevölkerung fremder Nationalität ist also dem Verhältnis nach
gegenüber
dem Stande von 1900 zurückgeblieben. Unter den Ausländern stehen die
Engländer
an erster Stelle, dann kommen Amerikaner, Schweizer,
Österreicher. Dem Geschlecht nach teilte sich die Bevölkerung im Jahre
1900
in 475
Männer
42
Frauen
11
Kinder
1905
in 727
Männer
77
Frauen
22
Kinder
1910
in 1084
Männer
139
Frauen
61
Kinder
1912
in 1560
Männer
230
Frauen
81
Kinder
Daraus geht hervor, daß die Zusammensetzung der Bevölkerung sich seit
1900 etwas zugunsten der Frauen und Kinder verschoben hat. Diese vom
Rassenstandpunkte
aus erfreuliche Tatsache ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß
die gesamten äußeren Lebensbedingungen, die gesundheitlichen
Verhältnisse,
Wohnung, Verpflegung, Geselligkeit,
Verkehrswesen sich im Laufe des letzten
Jahrzehnts
sehr gebessert haben, so daß die im Schutzgebiet tätigen Europäer trotz
des tropischen Klimas es wagen können, weibliche Familienangehörige und
Kinder mit hinauszunehmen. Im Jahre 1900 waren von den 42 weißen Frauen
27 verheiratet, und zwar 1 an einen Regierungsbeamten, 20 an Missionare,
4 an Kaufleute und 2 an Pflanzer. Im Jahre 1912 waren von den 230 Frauen
173 verheiratet, und zwar 50 an Kaufleute und andere Gewerbetreibende,
56 an Missionare und 67 an Regierungsbeamte und Schutztruppenangehörige.
Es zeigt sich, daß die Bestrebungen der Kolonialverwaltung, soweit es
möglich ist, verheirateten Beamten die Mitnahme ihrer Familie zu
ermöglichen,
von Erfolg gewesen sind. Bei der Unterscheidung der Bevölkerung nach
Beruf
en ist am wichtigsten die zwischen unmittelbar wirtschaftlich
produktiven
Berufen und anderen. Zur ersten Gruppe sind Kaufleute, Pflanzer,
Seeleute,
Bauunternehmer, Ingenieure, Handwerker und ähnliche Berufe zu
rechnen, zur zweiten Regierungsbeamte, Schutztruppenangehörige,
Missionare,
ärztliches Personal usw.
1900
gehörten zur
1.
Gruppe
302
Personen,
2.
Gruppe
169
Personen,
1905
gehörten zur
1.
Gruppe
447
Personen,
2.
Gruppe
274
Personen,
1910
gehörten zur
1.
Gruppe
651
Personen,
2.
Gruppe
433
Personen,
1912
gehörten zur
1.
Gruppe
885
Personen,
2.
Gruppe
675
Personen,
Am dichtesten mit weißer Bevölkerung ist der Verwaltungsbezirk Duala
besiedelt. Es folgen Buea, Victoria, Edea, Kribi, Jaunde. In der persönlichen
Zusammensetzung unterliegt die weiße Bevölkerung, wie bei dem tropischen
Klima nicht anders zu erwarten ist, einem
starken Wechsel. - In Neu-K. setzte sich die weiße Bevölkerung aus
ungefähr
40-50 französischen Verwaltungsbeamten, 50-60 Schutztruppenangehörigen
und 60-70 kaufmännischen und Pflanzungsangestellten zusammen.
Verhältnismäßig
am dichtesten mit Weißen besetzt war bisher das Ssanga-Gebiet und die
Gegend der Muni-Mündung.
10. Europäische Unternehmungen. Neben der
Eingeborenenproduktion,
auf der zurzeit von den wichtigsten Ausfuhrartikeln der Kautschuk und
die Ölpalmfrüchte zum weitaus größten Teil beruhen, spielen auch die
europäischen
landwirtschaftlichen Unternehmungen eine bedeutende Rolle. Sie sind für
die wirtschaftliche Entwicklung Kameruns insofern von der größten
Bedeutung,
als bei ihnen eine planmäßige Bewirtschaftung vorherrscht und auf ihnen
viele Tausende von Eingeborenen, die eine geregelte Arbeit noch nicht
kennen, an eine solche gewöhnt worden sind und gewöhnt werden. Den
klimatischen
Verhältnissen des Landes entsprechend, sind diese europäischen
Unternehmungen
ihrer Form nach Plantagenunternehmungen. Sie entstanden zunächst an den
fruchtbaren Abhängen des Kamerunberges, wo schon 1894 fast das ganze
brauchbare
Land an größere Unternehmungen vergeben war. Im Laufe der Jahre dehnte
sich der Plantagenbau auch auf die anderen Bezirke des Schutzgebiets aus und entwickelte sich
besonders an der Nordbahn in stärkerem Maße. Im Jahre 1910 bestanden 44
Unternehmungen im Plantagenbau, darunter waren 13 Aktiengesellschaften
mit einem Kapital von 13,1 Mill. M und 4 KolonialGesellschaften mit 2,52
Mill. M. Die Zahl der Unternehmungen stieg 1911 auf 52 und 1912 auf 58.
An erster Stelle hinsichtlich der Dauer ihres Bestehens sowie
hinsichtlich
der bebauten Fläche und ihrer Ertragfähigkeit stehen die Kakaokulturen.
Zunächst begannen Anfang der 90er Jahre die Pflanzungen
am Kameruner Berge mit dem Anbau von Kakao. Als er sich als lohnend
erwies,
ging man auch an anderen Stellen des Schutzgebiets zu dieser Kultur
über.
Der Ernteertrag hat sich langsam aber stetig gehoben, obgleich in
manchen
Jahren Krankheiten (Braunfäule) und Schädlinge (Rindenwanze) großen Schaden an- richteten. Nach
den bisherigen Erfahrungen kann man sagen, daß die Zukunft der
Kakaokultur
in Kamerun gesichert ist. - Es folgen der Ausdehnung nach die
Kautschukplantagen.
Unter den Kautschukpflanzen, die bisher angebaut sind, herrschte bis
1907
die Kickxia elastica vor. Von da an begann man sich immer mehr der Hevea
briasiliensis zuzuwenden. Die anderen Kautschukpflanzen, wie Castilloa, Ficus
elastica, Manihot u. a., sind nur wenig verbreitet. Gegenüber dem
Handelskautschuk,
d.h. dem durch Eingeborene aus Wildbeständen gewonnenen und von Händlern
aufgekauften Kautschuk, kommt der Plantagenkautschuk hinsichtlich der
Menge bis jetzt kaum in Betracht. Sein Anteil an der Ausfuhr wird,
steigen,
je mehr die an- gepflanzten Bestände an Kautschukbäumen in das
zapffähige
Alter kommen. - Auch bei den Ölpalmfrüchten sind die Erträgnisse der
europäischen
Plantagen im Verhältnis zur
Eingeborenenproduktion
und zur Gesamtausfuhr noch gering. Immerhin weisen auch diese Kulturen
eine dauernde Steigerung in der Zahl der Palmen
auf. Seitdem durch Maschinen eine von der menschlichen Arbeitskraft
unabhängigere
Ausnutzung der Früchte ermöglicht worden ist, wenden sich immer mehr
Unternehmungen,
zum größten Teil im Neben- betriebe, dieser Kultur zu. Es sind z. B.
große
Flächen alter Kakaobestände mit Ölpalmen durchgepflanzt worden. Ein
Unternehmen
verwertet die Früchte der Ölpalme im Hauptbetriebe. Es hat zu diesem
Zweck
eine leistungsfähige Fabrik errichtet, die die Palmfrüchte teilweise von
den Eingeborenen aufkauft, teilweise selbst aus gekauften oder
gepachteten
Ländereien erntet. Der Kultur der Ölpalme durch die Eingeborenen in
Verbindung
mit maschinellen Aufbereitungsanstalten unter europäischer Leitung steht
in K. wahrscheinlich eine große Zukunft bevor, da der europäische Markt
für Pflanzenfette und -öle jetzt und in
absehbarer
Zeit fast unbeschränkt aufnahmefähig ist. - Mehlbananen (Planten) werden seit 10 Jahren, meist in Mischkultur, immer mehr gebaut. Sie dienen in
erster Linie zur Verpflegung farbiger Arbeiter. Die Versuche, das aus ihnen gewonnene
Bananenmehl in größeren Mengen in Deutschland einzuführen, haben noch
zu keinem dauernden Erfolg geführt. - Die Kultur der Eßbananen ist
neueren
Datums. Es sind bereits größere Flächen mit ihnen bepflanzt. Eine
Ausfuhr
in nennenswerter Menge wird aber erst, im Jahre 1914 einsetzen, da vom
1. Okt. dieses Jahres ab mehrere Kühldampfer, ohne die eine Beförderung
dieser Früchte nach Europa nicht möglich ist in die Fahrt nach K.
eingestellt
werden sollen. - Tabak wurde schon vor mehr als 20 Jahren versuchsweise
gebaut. Die Versuche wurden dann in den ersten Jahren dieses
Jahrhunderts
wieder aufgenommen. Sie schlugen fehl, weil man auf Boden und örtliches
Klima nicht die nötige Rücksicht genommen hatte. In den letzten Jahren
hat man jedoch im Gebiete der Nordbahn ein für Tabakbau anscheinend
hervorragend
geeignetes Gelände gefunden. Es sind mehrere größere Unternehmen
entstanden,
die bisher ein vorzügliches dem Sumatratabak mindestens gleichwertiges
Erzeugnis geliefert haben. Die bebaute Fläche ist zurzeit noch ziemlich
gering, wird aber in den nächsten Jahren bei günstiger Entwicklung der
Arbeiterverhältnisse in starkem Maße steigen. Mit dem Anbau von Kola,
Baumwolle, Gewürzen und Faserpflanzen ist man
über
das Versuchsstadium noch nicht hinausgekommen. Wie sich in den
Plantagenunternehmen
der Anbau der wichtigsten Kulturen in den letzten Jahren entwickelt hat,
ergibt sich aus der nachstehenden Übersicht, die allerdings mangels
ausreichender
Unterlagen Lücken hat und nicht unbedingt zuverlässig ist. Der Bedarf
an farbigen Arbeitern ist, wie aus der Zusammenstellung zu ersehen ist,
in den letzten Jahren in starkem Maße gestiegen, so daß ihre
Beschaffung,
da auch die Bahnbauten einen Bedarf von mehreren Tausend haben, zurzeit
auf Schwierigkeiten stößt. Mehrere Pflanzungen beschäftigen sich auch
mit kaufmännischen Geschäften, jedoch liegt, der Hauptanteil vom Handel
in der Hand reiner kaufmännischer Firmen,
von denen sowohl in der Form von Handelsgesellschaften
mit höherem Kapital wie auch als Einzelkaufleute eine große Anzahl in
K. tätig sind. Im übrigen siehe unter 9. Handel.
Die Viehzucht liegt, abgesehen von den Bestrebungen der Regierung auf
diesem Gebiete, fast ganz in den Händen der Eingeborenen. Da wo sie von
europäischen Unternehmungen betrieben wird, dient sie in der Hauptsache
zur Versorgung der weißen Angestellten mit frischem Fleisch. Einige
private
Versuche in größerem Maßstabe versprechen Erfolg. - Bergbau
wird in K. noch nicht betrieben. Zwar wurde das Vorkommen von Salz,
Petroleum, Kupfer, Zinn, Glimmer, Kohle, Marmor und einigen anderen Mineralien festgestellt,
doch ist ein abbauwürdiges Lager bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Die
geologische Erforschung des Landes wird fortgesetzt. An gewerblichen
Unternehmungen,
die im Schutzgebiet noch wenig vertreten sind, sind zu nennen eine
Seifensiederei
in Duala, die aber noch nicht für die Ausfuhr arbeitet, einige
Dampfsägewerke,
die das Land mit Möbel- und Bauholz
versorgen
und einige im Entstehen begriffene größere Holzschlagunternehmen. Andere
kleinere gewerbliche Betriebe (Bäckereien, Sattlereien, Fleischereien, Gastwirtschaften,
Baugeschäfte usw.) dienen einem
rein örtlichen Bedarf. In Duala und Kribi sind Rechtsanwälte, in Duala auch ein
Landmesserbureau.
Die Nordbahn gehört der Kamerun-Eisenbahn- Gesellschaft, die ein Kapital
von 16 640000 M hat. In Alt-K. sind zwei Konzessionsgesellschaften tätig:
Gesellschaft Süd-Kamerun (Kapital 3 000 000 M) und Gesellschaft
Nordwest-Kamerun
(Kapital 4360000 M). Mit dem Erwerb von Neu-Kamerun sind folgende
französischen
Gesellschaften übernommen worden: 1. Soeiété de la Sangha Equatoriale,
2. Société de la Mambéré-Sangha (i. L.), 3. Compagn
ie commerciale de colonisation du Congo français, 4. Société du
Haut-Ogooué,
5. Compagnie de la Ngoko-Sangha, 6. Compagnie
française du Haut-Congo, 7. Compagnie forestière Sangha-Oubangui.
8. Compagnie française de 1'Ouhamé-Nana. Die Gesellschaften unter Ziff.
1, 2 und 3 fallen ganz, die übrigen nur zum Teil in deutsches Gebiet.
S. a. die einzelnen Gesellschaften unter ihrem Namen.
11. Handel.
Die Übersicht zeigt, daß der Gesamthandel, im letzten Jahrzehnt eine
nur im Jahre 1908 durch die allgemeine Welthandelskrise vorübergehend
unterbrochene, stark aufsteigende Richtung gehabt hat. Die besonders
bemerkenswerte
Zunahme seit dem Jahre 1909 ist zum großen Teil auf die gesteigerte
Bautätigkeit
und auf die fortschreitende Vollendung der Nord- und Mittellandbahn zurückzuführen. Die
Vergleichung
der Ein- und Ausfuhrziffern ergibt, daß K. mehr Werte einführt als
ausführt,
was darauf schließen läßt, daß erhebliche Kapitalsinvestierungen im
Lande
stattgefunden haben und noch stattfinden. Von dem Gesamthandel des
Jahres
1912 entfielen 47 Mill. M auf den Handel mit Deutschland, und zwar 27,2
Mill. M auf die Einfuhr aus Deutschland
und 19,8 Mill. M auf die Ausfuhr nach Deutschland. -An zweiter Stelle
stand England mit 5,5 Mill. M Einfuhr und 3 Mill. M Ausfuhr, also 8,5
Mill. Gesamthandel. Der Handel mit den übrigen Wirtschaftsgebieten ist
sehr gering. Mit den afrikanischen Nachbargebieten betrug er 1912 971000
M in der Einfuhr und 181000 M in der Ausfuhr; mit Amerika 230 800 M in
der Einfuhr; mit Frankreich 30000 M in der Einfuhr und mit den übrigen
Ländern zusammen 231000 M in der Einfuhr und 221 000 M in der Ausfuhr.
Der Anteil der Regierung an der Einfuhr betrug 5,4 Mill. M. Dabei ist
jedoch zu berücksichtigen, daß die Materialien für die Eisenbahnbauten,
die im Jahre 1912 im Werte von ungefähr 0,9 Mill. M (1910 5 Mill., 1911
2,4 Mill.) eingeführt worden sind, nicht für Rechnung der Regierung
eingeführt
wurden. - Von der Einfuhr des Jahres 1912 kamen für 32,9 Mill. M (191128
Mill. M) über die Küste und für 1,3 Mill. M (1911 1,3 Mill. M) über die
Binnengrenzen. Sieht man von der Einfuhr an Eisenbahnmaterial, die ganz
über Duala ging, ab, so entfielen von den Gesamthandelsziffern des
Jahres
1912 auf Duala 26,4, Kribi 20,3, Victoria 5,7, Molundu 1,4, Garua 1,0,
Rio del Rey 0,9 Mill. M. Die Entwicklung der Ausfuhr der
Hauptausfuhrartikel
in den letzten Jahren geht aus der nachstehenden Übersicht hervor. Es
wurden ausgeführt (in Millionen Mark):
An erster Stelle steht danach dem Werte nach der Kautschuk. Er ist fast
ganz von Eingeborenen produziert worden; die Europäerpflanzungen haben
noch nicht 1% zu der Ausfuhrmenge beigetragen. Durch den Gebietszuwachs
ist die überragende Bedeutung des Kautschuks für die Ausfuhr noch
verstärkt
worden, da in Neu-K. die Ausfuhr bisher zu einem noch größeren
Prozentsatz
aus Kautschuk (80 bis 90 %) bestanden hat als in Alt-K. und auch in Neu-
K.
der Kautschuk ganz aus der Eingeborenenproduktion stammt.
Hauptproduktionsbezirke
sind in Alt-K. die Bezirke Joko, Dengdeng, Dume, Lomie und Molundu, in Neu-K. das
ganze Ssanga- und Joindogebiet. Kautschuklianen kommen auch noch nördlich
vom Urwaldgebiete in den Uferwäldern des Graslandes vor. Wie lange der
aus wilden Beständen stammende Kautschuk seine führende Stellung als
Ausfuhrprodukt,
die er seit 1904 inne hat, noch wird behalten können, ist sehr
zweifelhaft,
da er durch die Eingeborenen großenteils im Wege des Raubbaus gewonnen
wird und eine wirksame Bekämpfung des Raubbaus sich bisher trotz aller
Bemühungen der Regierung als nahezu unmöglich erwiesen hat. Der
Preisrückgang
auf dem Kautschukmarkt im Jahre 1907/08 hatte für das Jahr 1908 einen
erheblichen Rückgang der Ausfuhr zur Folge gehabt. Dieser Rückgang ist
im Jahre 1909 jedoch schon wieder eingeholt und in den folgenden Jahren
bedeutend überholt worden. Von der Ausfuhr des Jahres 1911 waren nur
rund
68000 M Pflanzungskautschuk, das übrige sog. Handelskautschuk, d.h. als
natürliches Erzeugnis des Urwaldes gesammelter Kautschuk. Hiervon gingen
für 10,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7 Mill. M nach England. An
zweiter
Stelle steht die Ausfuhr von Palmkernen, die im Jahre 1910 die
Kakaoausfuhr
überholt hat. Die starke Steigerung der Ausfuhr an Palmkernen in den
letzten
Jahren ist hauptsächlich auf das Fortschreiten des Eisenbahnbaues, der
reiche Ölpalmgebiete erschloß, zurückzuführen. Von der Palmkernausfuhr
des Jahres 1912 gingen für etwa 3,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7
Mill. nach England. Auch die Palmkerne,
stammen zum weitaus größten Teil aus Eingeborenenproduktion. Es ist bei
der steigenden Bewegung der Preise für Palmöl und Palmkerne zu erwarten,
daß diese Produkte in Zukunft eine noch größere Bedeutung für die
Eingeborenenproduktion
gewinnen, als sie bisher schon hatten, da die Ertragsfähigkeit der
Ölpalmen
durch die Ernten nicht verringert wird, wie dies bei den
Kautschukpflanzen
die Regel ist. Die Ölpalmpflanzungen der Eingeborenen sind bisher von
geringem Umfang und auf die Umgebung der Stationen
beschränkt, wo Saatgut und junge Pflanzen an die Eingeborener verteilt
werden. Die Ausfuhr in Kakao in der letzten Jahren zeigt eine nicht sehr
starke, aber stetige Zunahme. Von der Ausfuhr des Jahre 1911 waren für
2,8 Mill. M Pflanzungskakao und für 0,5 Mill. M sog. Handelskakao, d.h.
auf Eingeborenenpflanzungen geernteter Kakao. Für 3,9 Mill. M gingen
nach
Deutschland, für 0,2 Mill. M nach England. Die hauptsächlichsten
Ausfuhrgebiete
für Eingeborenenkakao sind die Umgebung von Victoria und die Ufer des
Mungo-, Wuri-, Dibombe-, Sanaga- und Dibambaflusses, ferner die des
Ndonga-
und Quaquakriks. Die Eingeborenen ziehen den Kakao hauptsächlich in
Gartenkultur,
so daß der Anbau der einzelnen Besitzer durchschnittlich gering ist.
Dadurch
hat bisher die Aufbereitung der Ernten gelitten. Eine planmäßige
Organisierung
der Aufbereitung und Ausfuhr des Eingeborenenkakao läßt er warten, daß
in Zukunft für ihn eine bessere Marktbeschaffenheit erzielt wird. Die
Palmölausfuhr zeigte in den letzten Jahren gegenüber dem Jahre 1907
einen
merklichem Rückgang und hat erst im Jahre 1911 den Stand von 1907 wieder
erreicht und etwas überholt. Diese langsame Entwicklung der
Palmölausfuhr
gegenüber der bedeutenden Steigerung der Ausfuhr von Palmkernen wird
darauf
zurück- geführt, daß die zur Herstellung des Öles notwendige Arbeit von
Männern geleistet wird und daß diese in den letzten Jahren in großer
Zahl
bei den Eisenbahnbauten beschäftigt waren, so daß für die Herstellung
des Öles nicht genügend Arbeitskräfte vorhanden waren. Neuerdings wirkt
die maschinelle Bearbeitung der Ölpalmfrüchte (s. oben unter 8) günstig
auf die Ausfuhrzahlen für Palmöl ein. Von der Palmölausfuhr des Jahres 1912
gingen für 0,7 Mill. M nach Deutschland und für 0,8 Mill. M nach
England.
- Die Elfenbeinausfuhr zeigte wie überall an der westafrikanischen Küste
seit Jahren einen Rückgang. Das ist einmal auf die strengeren Maßnahmen
zum Schutze der Elefanten und auf das allmähliche Aufhören der Zufuhr
sog. fossilen Elfenbeins zurückzuführen (s. Elfenbein). Ein großer Teil
der Ausfuhr stammt aus Französisch-Äquatorialafrika, von wo das
Elfenbein
über Garua ausgeführt wird. Gegen die genannten Ausfuhrartikel bleiben
die übrigen wie Ebenholz, Njabinüsse, Kolanüsse, Schinüsse, Guttapercha
usw. an Bedeutung weit zurück. Auch diese stammen ganz oder zum größten
Teil aus der Eingeborenenproduktion. Ebenso spielt die Ausfuhr aus der
im Graslande und weiter im Norden bestehenden Vieh- und Pferdezucht der
Eingeborenen eine geringe Rolle. Im Jahre 1911 wurden im
Residenturbezirk
Adamaua 255500, im Residenturbezirk der Tsadseeländer 80000 Stück und
im Verwaltungsbezirk Banjo 60000 Stück Zeburinder und in den übrigen
Bezirken
im ganzen etwa 10000 Stück buckellose Rinder gezählt. Die frühere Ausfuhr nach den
englischen
und französischen Nachbargebieten hat in den letzten Jahren aufgehört
und ist nach dem fleischarmen Urwaldgebiete K.s gegangen. Die
Pferdezucht
ist auf Adamaua und die Tsadseeländer beschränkt. Es wurden im ganzen
etwa 14000 Pferde und 2000 Ponys gezählt.
Rationelle Vieh- und Pferdezucht
wird
von den Eingeborenen bisher nur in geringem Maße betrieben. Die
Bestrebungen
der Regierung gehen dahin, durch Errichtung eines Gestütes in Adamaua
und durch Einrichtung von Rindviehzuchtstationen sowie durch Belehrung
der Eingeborenen eine Höherzüchtung herbeizuführen und durch eine
Vermehrung
des tierärztlichen Personals den manchmal verheerend auftretenden Tierseuchen,
vor allem der Lungenseuche beim Rindvieh, entgegenzuwirken (s.a. Rindviehzucht und Pferdezucht). Die Tatsache,
daß die Ausfuhr im wesentlichen auf Kautschuk, Öl, Palmfrüchten und
Kakao
beruht, verbürgt eine weiter aufsteigende und stetige Entwicklung der
Ausfuhr und, da von der Ausfuhr die Kaufkraft der Eingeborenen und von
dieser hauptsächlich die Einfuhr abhängt, auch die entsprechende
Entwicklung
des Gesamthandels. Bei allen diesen Produkten mit Ausnahme des
Kautschuks
sind die Aussichten für die nächste Zeit günstig. Durch die
Mittellandbahn
werden in den nächsten Jahren bisher nicht zu verwertende, reiche
Ölpalmbestände
erschlossen werden, und die Marktverhältnisse für Ölfrüchte versprechen
für die nächste Zeit die gleich günstige Entwicklung wie in den letzten
Jahren. Die Kakaoausfuhr läßt eine weitere Steigerung erwarten, da
bisher
noch nicht alle Pflanzungen erntereif sind und weitere Pflanzungen,
besonders
auch durch Eingeborene, angelegt
werden.
Schlecht dagegen sind die Aussichten für den Kautschuk, der in der
letzten
Zeit infolge des gesteigerten Ertrages der ostasiatischen
Kautschukpflanzungen
einen derartigen Tiefstand im Preise erreicht hat, daß der wilde
Kautschuk
aus Kamerun zurzeit nur mit Verlust ausgeführt werden kann. Immerhin
liegt
in der Zusammensetzung der Ausfuhr aus mehreren Produkten, die für ihr
Gedeihen und ihren Absatz ganz verschiedene Vorbedingungen haben, eine
starke Gewähr dafür, daß auch bei zeitweiligem Versagen eines Produktes
die Entwicklung des Gesamthandels nicht dauernd aus ihrer steigenden
Richtung
gebracht wird.
Die Übersicht läßt den schon erwähnten Zusammenhang zwischen Ausfuhr
und Einfuhr erkennen. Der Rückgang der Ausfuhr im Jahre 1908 hat auch
einen Rückgang der Einfuhr in diesem und im folgenden Jahre und die
Ausfuhrsteigerung
im Jahre 1909 eine bedeutende Zunahme der Einfuhr in den folgenden
Jahren
zur Folge gehabt. Das kommt besonders in der Einfuhr von Geweben zum
Ausdruck,
die der am meisten begehrte Verbrauchs- und Tauschartikel der
Eingeborenen
sind. Von der Einfuhr an Textil- und Filzwaren im Jahre 1912 stammen
etwa
6,2 Mill. aus Deutschland und 2,9 Mill. aus England; es ist aber
anzunehmen,
daß der Anteil der englischen Einfuhr noch größer ist, da ein Teil der
deutschen Verschiffungen englische Produkte umfaßt. Die starke
Konkurrenzfähigkeit
der englischen Gewebeindustrie kommt also auch hier, wie überall an der
westafrikanischen Küste, zum Ausdruck. Von dem an zweiter Stelle
stehenden
Einfuhrartikel - Fleisch, Fische und
tierische
Nahrungsmittel - kamen für etwa 3,1 Mill. M aus Deutschland für 0,4
Mill.
aus England. Etwa die Hälfte dieser Einfuhr besteht aus Stockfischen,
einem Hauptnahrungsmittel der eingeborenen Arbeiter. Die an dritter
Stelle
genannte Einfuhrgruppe - nicht besonders benannte Eisenwaren - wird zum
größten Teil für die Bedürfnisse der Eingeborenen eingeführt. Die für
die Bahnbauten und sonstigen Zwecke eingeführten Eisenwaren sind in
dieser
Einfuhr nicht enthalten, nämlich Roheisen, eiserne Schienen und Stangen
mit rund 0,7 Mill. M, Wellblech, Nägel usw. mit 0,2 Mill. M, Waren aus
anderen unedlen Metallen mit 0,5 Mill. M, Maschinen, Fahrzeuge aller Art
und Geräte mit 0,7 Mill. M. Bei der letzten Gruppe ist zu erwähnen, daß
die Einfuhr der Maschinen für landwirtschaftliche Betriebe gegen 1910
erheblich zugenommen hat. Die Zunahme der Reiseinfuhr ist auf die
weitere
Ausdehnung des Bahnbaues und auf regeren Verkehr zurückzuführen. Die
Geldeinfuhr
hat auch im Jahre 1912 wieder zum größten Teil aus Silbergeld bestanden.
Es ist in diesem Jahre aber auch ein größerer Posten Papiergeld
(2,6 Mill. M) eingeführt worden. Die Zollverhältnisse sind in K. durch
die Zollverordnung vom 1. Aug. 1911 (Amtsblatt für K. 1911 Nr. 16 S.
331)
und die Zolltarifverordnung vom gleichen Tage geregelt. Letztere hat
aber
inzwischen mehrere wichtige Veränderungen erfahren, zuletzt durch
Verordnung
vom 10. Sept. 1913 (Amtsblatt für K. Nr. 29 S. 401). Danach ist der
Einfuhrzol1
im allgemeinen ein Wertzoll, der bei Geweben 15. v. H., bei Eisenwaren
20 v. H., im Übrigen 10 v. H. beträgt. -Nur wenige Waren sind mit einem
besonderen, nach Maß oder Gewicht berechneten Einfuhrzoll belegt,
nämlich
alkoholische Getränke, Waffen, Pulver,
Salz, Tabak, Reis und getrocknete Fische; einzelne Waren gehen zollfrei
ein, hauptsächlich Maschinen und Materialien, die für die Investierung
im Lande bestimmt sind oder wissenschaftlichen und medizinischen Zwecken
dienen.. Ausfuhzöl1e werden erhoben von Kautschuk, Elfenbein, frischen
Kolanüssen und lebenden Nutztieren. Nutztiere sind mit einem Ausfuhrzoll
belegt worden, um die Ausfuhr von Vieh und Pferden aus den nördlichen
Bezirken K.s nach den benachbarten fremden Kolonien zu unterbinden, mit
dem Erfolge, daß diese Ausfuhr auch merklich abgenommen und sich mehr
nach dem fleischarmen Süden K.s gelenkt hat. Im Jahre 1911 wurden etwa,
14000 Rinder vom Norden nach dem Süden getrieben. Für die
Zollverhältnisse
des in dem sog. vertraglichen Kongobecken liegenden Teiles K.s, nämlich
die Südostecke AltK.s und den größten Teil Neu-K.s, sind die
Bestimmungen
der Berliner und Brüsseler Generalakte maßgebend. Die Träger des
Binnenhandels
waren früher hauptsächlich die an der Küste wohnenden
Eingeborenenstämme.
Ihr Handel ist aber mehr und mehr von den in K. tätigen europäischen
Unternehmungen
(s. Abschnitt 10) zurückgedrängt worden. Die am Gummihandel
interessierten deutschen Unternehmungen hatten sich bis vor kurzem zu
einem Gummisyndikat zusammengeschlossen. Außerdem haben die im südlichen
Teil tätigen Firmen zur Vertretung ihrer Interessen die Handelskammer
von Süd-K. gegründet, die auf dem Gebiete des geschäftlichen und
öffentlichen
Lebens eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Nach ihrem Muster hat sich vor
kurzem auch in Duala eine Vereinigung zur Vertretung der
Handelsinteressen
Dualas und Mittel-K.s gebildet. In den letzten Jahren haben sich die aus
dem Norden kommenden Haussahändler mehr und mehr im Binnenhandel
ausgebreitet;
der Zwischenhandel in Kautschuk, Elfenbein und
Vieh liegt größtenteils in ihren Händen. - Für Neu-K. liegen genaue
Ziffern
über den Handel nicht vor. Der auf Neu-K. entfallende Teil des
Gesamthandels
von Französisch-Aquatorialafrika wird von französischer Seite auf 10-12
Mill. Franken geschätzt. Im Verhältnis der Ein- und Ausfuhr von
Französisch-
Äquatorialafrika entfielen davon etwa 6,5 Mill. Fr. auf die Ausfuhr und
3,5 Mill. Fr. auf die Einfuhr. Die Ausfuhr bestand fast ganz aus
Kautschuk
und, etwas Elfenbein. Bemerkenswert für das Verhältnis zwischen Ein- und
Ausfuhr in NeuK. ist, daß in Französisch-Äquatorialafrika im Gegensatz
zu Alt-K. seit Jahrzehnten mehr ausgeführt als eingeführt wird.
12. Verkehr. K. kommt infolge seines Klimas als Besiedelungsland für Weiße
bis auf kleinere
Hochländer, die sich vielleicht später als besiedelungsfähig erweisen,
voraussichtlich nicht in Betracht. Sein
wirtschaftlicher Wert für Europäer liegt in der großen Hauptsache in seiner
Eigenschaft als Absatz- und
Produktionsgebiet. Für die Ein- und Ausfuhr ist neben den natürlichen
Produktionsmöglichkeiten die
Verbindung der Produktionsstätten mit den Verbrauchsplätzen von
ausschlaggebender Bedeutung. Die
Verkehrsfrage stellt sich daher in
den Vordergrund des wirtschaftspolitischen Interesses. Am einfachsten ist sie
naturgemäß im Küstengebiete,
da hier als billigstes und brauchbarstes Verkehrsmittel die Seeschifffahrt zur
Verfügung steht. Der Hafen
von Duala kann zu den besten Häfen der westafrikanischen Küste gerechnet werden.
Weniger gut sind die
Häfen und Landungsstellen bei Victoria, Kribi, Rio del Rey und Kampo. Zu diesen Häfen kommt durch die
Neuerwerbungen vom Jahre 1911 noch die Muni-Bucht, die von deutschen Dampfern
jetzt schon
regelmäßig angelaufen wird und anscheinend günstige Landungsverhältnisse bietet.
Im Jahre 1911 liefen die K.er Küste 536 (1909 488) Dampfer an mit 1551058 (1909
1034654) Reg.Tonnen.
Davon entfallen auf den Hafen von Duala 170 Dampfer mit 492990 Reg.-Tonnen und
auf den von Victoria
191 Dampfer mit 533898 Reg.-Tonnen. Von den übrigen 175 Dampfern mit 524170
Reg.Tonnen, die sich
auf die übrigen Häfen verteilen, entfällt der größte Teil auf Kribi, dessen
Schiffsverkehr sich trotz der
ungünstigen Landungsverhältnisse in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Von
den 396 Handelsdampfern
(1495058 Reg.-Tonnen), die im Jahre 1911 in K.er Häfen anliefen, fuhren 224
Dampfer mit 1126206
Reg.-Tonnen unter deutscher, 154 mit 368852 Reg.Tonnen unter fremder Flagge.
Gegenüber dem Vorjahr
ist der Verkehr der deutschen Handelsschiffe der Zahl nach gestiegen, der der
fremden etwas
zurückgegangen. Unter den deutschen Handelsschiffen kommen an erster Stelle die
Dampfer der
Woermann-Linie, die zusammen mit der Hamburg-Amerika-Linie und der Hamburg-Bremer-Afrika-Linie
einen regelmäßigen 14tägigen Schiffahrtsdienst zwischen Deutschland und K.
unterhält, unter den fremden
Handelsschiffen die der englischen Reederei Elder Dempster und Co. in Betracht.
Als natürliche Verkehrswege im Küstengebiete sind die Flußläufe des Sanaga, Wuri, Mungo, Muni und
Ndian zu nennen, die von der Küste aus auf kurze
Strecken schiffbar sind und in ihrem Delta zahlreiche
schiffbare Querverbindungen (Creeks) haben. Der K.er Überseeverkehr geht aber
nicht in seinem ganzen
Umfange über die deutsche Küste. Die Nordecke und die Südostecke K.s stehen
durch die Wasserstraßen
des Niger-Benue und des KongoSsanga mit fremden Küsten und dadurch mit dem
Weltverkehr in
unmittelbarer Verbindung. Von geringerer Bedeutung ist der Verkehrsweg, den der
Kreuzfluß nach
Britisch-Südnigeria (Kalabar) hin bildet.
Der Umfang des Überseeverkehrs, der über diese Flußläufe geht, läßt sich
zahlenmäßig nicht feststellen.
Einen Anhalt geben die Ziffern des Gesamthandels, der über die Zollstellen
Molundu, Garua und
Nssanakang geht, nämlich über Molundu im
Jahre 1912 für 1429 800 (1910 974583) M, über Garua für
1092000 (1910 830747) M und über Nssanakang für 271000 (1910 320774) M.
Auf dem Niger-Schiffahrtsnetze ist die Flußschiffahrt nach der Kongoakte von 1885 für Flaggen jeder
Nationalität frei. Die tatsächlichen Verhältnisse aber, die die Schiffahrt ohne Hafenanlagen, Anlegeplätze,
Holzstationen, Lagerschuppen und vor allem ohne ein geschultes Lotsenpersonal
unmöglich machten, haben
dazu geführt, daß auf dem Niger-Benue die englische Niger Company tatsächlich ein Verkehrsmonopol hat.
In den letzten Jahren hat sich das Interesse in steigendem Maße diesem
Verkehrswege zugewendet, da
erkannt worden ist, daß er - mit dem weitverzweigten Schari-Logone-System
verbunden - ein geeignetes
Einfallstor für den Handel nach dem mittleren und östlichen Sudan bildet. Zu den
mehrfachen französischen
Projekten, die auf die bessere Nutzbarmachung dieses Verkehrsweges hinzielten
(Mao Kebi-Tuburi-Logone)
ist, seitdem der deutsche Landbesitz im Nordosten K.s durch das deutsch-
französische Abkommen vom 4.
Nov. 1911 bedeutend erweitert worden ist, ein neues deutsches Projekt gekommen,
nämlich Garua durch
eine nordöstlich verlaufende Eisenbahn mit dem Logone zu verbinden. Ähnlich wie
auf dem Niger Benue
liegen die Verhältnisse auf dem Kongo. Auch hier hat trotz der Internationalität
der Schiffahrt die
französische und belgische Schifffahrt den Verkehr bisher fast ganz beherrscht.
Der deutsche Anteil daran
ist verschwindend gering. Durch das deutsch-französische Abkommen vom 4. Nov.
1911 ist Deutschland in
den Besitz langer, wichtiger Wasserverkehrsstraßen (Ssanga, Ngoko, Grüner Likuala, Likuala-mossaka)
gekommen, und der Kongo und Ubangi werden durch deutsches Gebiet berührt. Hier
soll unter Anlehnung
an eine bestehende französische Gesellschaft eine neue deutsche
Schiffahrtsgesellschaft gegründet werden. -
Für das ganze übrige Gebiet K.s, das nicht im unmittelbaren Verkehrsbereich der
Küste, des Niger oder des
Kongo liegt, das sog. Hinterland, ist die Verkehrsfrage ungleich schwieriger.
Für die Beförderung
hochwertiger Güter wie Elfenbein und Kautschuk stand bisher das landesübliche,
primitivste
Verkehrsmittel, der Lastenträger, zur Verfügung. Hauptsächlich im südlichen
Teile K.s hat sich ein großer
Trägerverkehr entwickelt, der in Kribi mündet. Um ihn zu fördern, wurde im Süden
ein ziemlich
ausgedehntes Straßennetz angelegt (s. Wegebau),
das zum Teil auch dem Automobilverkehr dienen kann.
Aber auch bei diesen hochwertigen Gütern nehmen die Handelsgewinne mit der
fortschreitenden Entfernung
der Produktionsgebiete von der Küste bei der teueren Trägerbeförderung immer
mehr ab. Ferner drängt der
Weltbedarf an Ölen, Fettstoffen und Baumwolle dazu, diese im Hinterlande
vorkommenden Massengüter
zur Ausfuhr zu bringen. Das ist nur durch die Eisenbahn und Wasserstraßen
möglich. Da es natürliche
Wasserstraßen, die als Verbindungswege vom Hinterland zur Küste dienen könnten,
nicht gibt, bleibt als
Verkehrsmittel nur die Eisenbahn. Die Eisenbahnpläne konzentrieren sich in K.
zurzeit auf 3 Projekte: 1.
Das Südbahnprojekt will von Kribi aus das Südgebiet erschließen und möglichst
die Schiffahrtsstraßen des
Ngoko und Ssanga erreichen. Dieses Projekt wird hauptsächlich von den
Handelsinteressenten in Kribi
betrieben, findet aber nicht die Unterstützung der Regierung. 2. Das
Mittellandbahnprojekt will von Duala
aus das mittlere Hinterland erschließen und bei Mbalmayo den schiffbaren
Oberlauf des Njong erreichen.
Mit seiner Ausführung ist bereits begonnen worden. Die etwa 300 km lange
Bahnstrecke bis zum Njong ist
genehmigt und im Bau. Auf einer 131 km langen Strecke ist von Duala aus der
Bahnbetrieb schon
aufgenommen. Von Mbalmayo aus wird der Verkehrsweg vorläufig durch den von hier
ab aufwärts
schiffbaren Njong eine Verlängerung von über 250 km erfahren und sich dadurch
der östlich davon
liegenden, etwa 200 km langen Wasserstraße des Dume auf 30-40 km nähern. Da der
Njong und der Dume
jetzt schon befahren werden und bei fortschreitender Reinigung des Flußbettes
ein Verkehr mit kleineren
Dampfern möglich ist, wird durch diese Anschlußbahn ein ziemlich brauchbarer
östlicher Verkehrsweg quer
durch Alt-K. geschaffen. Damit wird die Frage der Mittellandbahn aber nicht
endgültig gelöst sein. Ob sie
von Mbalmayo aus südöstlich zur Erschließung des Südostgebietes in der Richtung
zum Ngoko vorgetrieben
werden soll oder östlich nach Nola in der Richtung nach Bangi oder nach
Nordosten den Sanaga entlang, um
die wichtige Wasserscheide zu gewinnen, von der der Sanaga, der Ssanga, der
Lobaje, der Schari, der
Penndé und der Logone kommen, oder aber um
unter Benutzung des Farotales Garua zu erreichen, darüber
gehen die Meinungen vorläufig noch auseinander. - 3. Das dritte Bahnprojekt
betrifft die Nordbahn, die sog.
Manengubabahn, die das nördliche Hinterland von Duala erschließen soll.
Vorläufig sind 160 km dem
allgemeinen Verkehr übergeben.
Im ersten Betriebsjahre (l. April bis 31. Dez. 1911) wurden 3941644 Pers.-km und
958076 t-km gefahren
und 380432 M Betriebseinnahmen bei 292589 M Betriebsausgaben erzielt. Im
Kalenderjahr 1912 betrugen
die Roheinnahmen 633568 M und die Betriebsausgaben 414092 M (= 65 % der
Roheinnahmen); der
Betriebsüberschuß sonach 219466 M.
Die weitere Ausgestaltung des Nordbahnprojektes wird ebenfalls von dem Ergebnis
der in der letzten Zeit
vorgenommenen Erkundungen abhängen. -Neben diesen 3 großen Bahnprojekten hat die
23 km lange
Schmalspurbahn der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria von
Victoria nach Soppo, die
allerdings die erste Bahn im Schutzgebiet war, nur untergeordnete örtliche
Bedeutung. S. a. Eisenbahnen. -
Der Post - und Telegraphenverkehr wird in K. von 37
Post- und 11 Telegraphenanstalten (1911) besorgt. Im
Jahre 1911 wurden rund 1097000 Briefsendungen, 66 000 Stück Postanweisungen mit einem Betrage von
rund 12,3 Mill. M, 36000 Pakete und 68000 Telegramme befördert. K. war bis vor
kurzem nur durch ein
englisches Kabel an das Welttelegraphennetz
angeschlossen. Im Jahre 1912 ist das deutsche Kabel
Emden-Teneriffa-Monrovia nach Togo und K. fortgesetzt worden, so daß jetzt der
deutsche Kabelverkehr
von dem englischen Kabel unabhängig ist. Zu Land bestehen folgende
Telegraphenlinien: Duala - Buea -
Victoria, Duala-Jabassi-Njanga, Duala-Edea, Duala-Kribi, Kribi-Lolodorf-Jaunde-
Abong,
Mbang-Dume-Njassi, Lolodorf-Ebolowa. Am 5. März 1911 ist in Duala eine
Küstenstation für drahtlose
Telegraphie eröffnet worden, die in erster Linie dem Verkehr mit Schiffen in See
dienen soll. Neuerdings
vermittelt sie auch den Verkehr mit der Funkenstation Santa Isabel auf Fernando Po und hat auch die
Verbindung mit der Großstation in Tongo hergestellt. S. a. - Postwesen, Telegraphen und
Funkentelegraphie.
13. Geld- und Bankwesen.Vor der Begründung der deutschen Schutzherrschaft
waren in K. deutsches,
englisches und französisches
Geld und Maria-Theresia-Taler im Umlauf. Die Maria-
Theresia-Taler von 1780 waren im ganzen Sudan und
im Hinterlande von K. verbreitet und das beliebteste Zahlungsmittel. Daneben gab
es noch verschiedene
Arten von Eingeborenengeld, in erster
Linie die Kaurimuscheln. Der Handelsverkehr mit den Eingeborenen
vollzog sich in der ersten Zeit vorwiegend im Wege des Tauschhandels. Das
Bestreben der deutschen
Verwaltung ging
dahin, die Eingeborenen an den Verkehr mit Bargeld zu gewöhnen und das fremde
Geld möglichst aus dem
Verkehr zu bringen. Durch die V. vom 1. Febr. 1905 (KolGG. Bd. 9, S. 43) wurde
in K. die Rechnung nach
Reichsmark eingeführt. Gesetzliches Zahlungsmittel sind alle Münzen, die im
Reichsgebiet gesetzliches
Zahlungsmittel sind, mit der Maßgabe, daß neben den Reichsgoldmünzen auch die
Reichssilbermünzen für
jeden Betrag in Zahlung genommen werden müssen und daß Nickel- und Kupfermünzen
bis zu 5 M
gesetzliches Zahlungsmittel sind. Reichskassenscheine sind bei allen amtlichen
Kassen für ihren Nennwert
in Zahlung zu nehmen. Im Privatverkehr findet ein Zwang zu ihrer Annahme nicht
statt. Die amtlichen
Kassen sind berechtigt (aber nicht verpflichtet), Reichsbanknoten in Zahlung zu
nehmen; es ist jedoch
beabsichtigt, die 1000 M-Reichsbanknoten von dem amtlichen Kassenverkehr in K.
auszuschließen. Bei den
Eingeborenen haben sich besonders die 1 M- und 1/2 M-Stücke und die 5 ? -
Stücke eingeführt, 2 und 3
M-Stücke und 10 ?Stücke sind bei ihnen nicht beliebt.
Für englisches und französisches Gold- und Silbergeld ist ein fester Kurs
festgesetzt, zu dem sie von den
öffentlichen Kassen des Schutzgebiets in Zahlung genommen werden; für 1 Pfd.
Sterling 20 M und für 20
Franken 16 M. Die Einfuhr von Maria-TheresiaTalern und von Kaurimuscheln ist bei
Strafe verboten. Da
der Maria-Theresia-Taler aber noch weit verbreitet ist, sind die öffentlichen
Kassen K.s ermächtigt worden,
ihn bis auf weiteres ungefähr zu seinem Silberwerte, nämlich zum Preise von 1,50
M, anzunehmen.
Die Bargeldeinfuhr erfolgt fast ganz für Rechnung des Gouvernements und besteht
zum größten Teile aus
Silbermünzen. Das in K. umlaufende Geld ist demnach hauptsächlich Silbergeld. In
den Jahren 1911 und
1912 ist allerdings auch ein größerer Posten Papiergeld eingeführt worden. Ein
Bankinstitut, das amtlich den
Geldumlauf zu überwachen und zu regeln hätte, besteht in K. nicht. Die Deutsch-Westafrikanische Bank
(s.
d.) in Berlin, die eine Kolonialgesellschaft nach § 11 SchGG.
ist und in Duala und Lome (Togo)
Niederlassungen hat, besorgt den Geldverkehr im Innern und mit dem Auslande und
die
Zahlungsausgleichungen. Sie führt auch durch Vermittlung des Gouvernements
Münzgeld ein, wenn das
Bedürfnis dafür sich zeigt. Ihr Gesamtumsatz betrug im Jahre 1912 bei der
Niederlassung in Duala rund 65
Mill. (1910 38 Mill.) M, die Zahl der Kontokurrent- und Depositenkonten war 450
(270). Neben diesen
Bankinstituten besorgen auch die größeren Handelshäuser Bank- und Geldgeschäfte
für den örtlichen
Bedarf. S. a. Geld u. Geldwirtschaft und Banken.
14. Verwaltung. Die Verwaltung in K. wird durch das Gouvernement in Buea geführt (s. Tafel 77). An
der Spitze dieser Behörde steht der Gouverneur, der dem Staatssekretär des RKA.
unterstellt ist. Seine
Befugnisse sind nicht einheitlich und zusammenfassend geregelt; sie beruhen
vielmehr zum Teil auf
Gewohnheitsrecht, zum Teil auf
zahlreichen Einzelbestimmungen. Er ist nicht nur zum Erlaß von
Verwaltungsverordnungen im engeren Sinne, sondern in bestimmten Grenzen auch zum
Erlaß von
Rechtsverordnungen befugt, die die Allgemeinheit binden. Er ist der oberste
Inhaber der Polizeigewalt im
Schutzgebiet und hat die oberste Leitung der ganzen Zivil- und
Militärverwaltung. Die Schutztruppe ist ihm
unterstellt. Er hat die Disziplinargewalt über die Beamten und
Schutztruppenangehörigen. (Über Rang usw.
s. Gouverneur.) - Zur Erledigung der Geschäfte der Zentralverwaltung steht dem
Gouverneur eine Anzahl
von Beamten zur Verfügung, die als "Referenten" die Geschäfte der einzelnen
Verwaltungszweige führen.
Eine besondere Stellung hat der "Erste Referent", der Direktorialgeschäfte
versieht und der in Abwesenheit
oder bei sonstiger Verhinderung des Gouverneurs in der Regel auch sein Vertreter
ist. Am Gouvernement
bestehen zurzeit 10 Referate. Während die Referenten und das übrige
Beamtenpersonal dem Gouverneur
nach dem Bureausystem nachgeordnet sind, steht ihm der Gouvernementsrat (s. d.)
als beratendes Organ zur
Seite. Er setzt sich aus dem Gouverneur, aus einer Anzahl von
Schutzgebietsbeamten (amtlichen
Mitgliedern) und einer Anzahl von Weißen des Schutzgebietes (außeramtlichen
Mitgliedern) oder deren
Stellvertretern zusammen. Die außeramtlichen Mitglieder, die vom Gouverneur nach
vorheriger Anhörung
der Berufskreise berufen werden, müssen in der Zahl von wenigstens 3 berufen
werden. Sie müssen
zahlreicher sein als die amtlichen Mitglieder, die gleichfalls der Gouverneur
bestimmt. Den Vorsitz bei den
Verhandlungen des Gouvernementsrats führt der Gouverneur. Die Vorschläge für den
jährlichen
Haushaltsetat und die Entwürfe der von dem
Gouverneur zu erlassenden oder in Vorschlag zu bringenden
wichtigeren Verordnungen sind dem
Gouvernementsrat vor Einreichung an das Reichskolonialamt vor-
zulegen. Er ist nur beratendes Organ; das Gouvernement ist an seine Vorschläge
nicht gebunden. - Der
Zentralverwaltung ist die örtliche Verwaltung unterstellt. Ihre Einrichtung ist
in K. noch nicht
abgeschlossen. Sie ist von der fortschreitenden Erschließung des Landes abhängig
und daher bei dem ver-
schiedenen Stande der Erschließung in den einzelnen Gebieten nicht einheitlich.
Es ist zu unterscheiden
zwischen Zivil- und Militärverwaltung. Die Zivilverwaltung wird fortschreitend in den
Gebieten
eingerichtet, die als befriedet angesehen werden und eine gewisse Gewähr für
eine ungestörte wirtschaft-
liche und politische Weiterentwicklung bieten; das sind naturgemäß die der Küste
zunächst liegenden oder
durch Eisenbahnen oder Schifffahrtswege erschlossenen Gebiete. Die in diesen
Gebieten errichteten
Zivilverwaltungsbezirke werden je nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und
Größe und nach dem in
Stande ihrer Erschließung von einem Bezirksamtmanne (zurzeit in Duala, Kribi,
Victoria, Edea, Jaunde,
Lomie, Ebolowa, Jabassi und Ossidinge) oder einem Bezirksleiter (zurzeit in Johann-Albrechts-Höhe,
Banjo, Ukoko, Dschang, Ikelemba, Bare, Jukaduma)
geleitet. Von diesen durch selbständige Bezirksleiter
verwalteten Bezirken sind die Unterbezirke zu unterscheiden, die in einzelnen
Bezirken zur weiteren
Dezentralisierung der Verwaltung errichtet worden sind. Ihre Leiter unterstehen
zunächst dem Bezirks-
amtmanne. Die örtlichen Verwaltungsbehörden verfügen über das für den
Geschäftsgang nötige
Unterpersonal und zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit in ihren
Bezirken über eine Abteilung
Polizeitruppe. Das Personal der Polizeitruppe bestand im Jahre 1912 aus 27
Weißen (Reichsangehörigen),
und 1155 Farbigen. -Die Militärverwaltungsbezirke unterscheiden sich
hinsichtlich ihrer Stellung gegenüber
dem Gouvernement und der Verwaltungsbefugnisse ihrer Leiter in nichts von den
Zivilverwaltungsbezirken.
Der einzige Unterschied besteht darin, daß der Leiter der Schutztruppe angehört
und gleichzeitig
militärische Funktionen hat. Der größte Teil des der Küste ferner liegenden
Hinterlandes ist politisch und
wirtschaftlich noch nicht soweit erschlossen, daß die Besetzung durch die der
Zivilverwaltung zur
Verfügung stehende Polizeitruppe die dauernde Ruhe und Sicherheit genügend
gewährleisten könnte. Dieses
Hinterland wird daher noch durch die militärisch besser geschulte Schutztruppe
besetzt gehalten. Zurzeit
besteht Militärverwaltung in den Bezirken Bamenda, Dume, Mittel-Sanga-Lobaje,
Ober-Sanga-Uam,
Ober-Logone, Iwindo und Wolö-Ntem. In
militärischen Angelegenheiten unterstehen die einen
Verwaltungsbezirk leitenden Offiziere dem
Kommandeur der Schutztruppe, der seinerseits dem Gouverneur
unterstellt ist, in Verwaltungsangelegenheiten dagegen unmittelbar dem
Gouvernement. -Verschieden
hiervon ist die Verwaltung in den sog. Residenturbezirken. Diese werden zwar zur
Aufrechterhaltung der
deutschen Schutzherrschaft und von Ruhe und Frieden auch von der Schutztruppe
besetzt gehalten; die
Verwaltung ist aber den einheimischen Machthabern überlassen geblieben, und die
Verwaltungstätigkeit der
Residenten, die in der Regel Offiziere sind,
beschränkt sich auf die politische Vertretung der deutschen
Macht, die Überwachung der Verwaltungstätigkeit der einheimischen Machthaber und
auf die An-
gelegenheiten, die Weiße betreffen. Zurzeit bestehen 3 Residenturen, Garua, Mora
und Ngaundere. - Das
Personal der K.er Schutztruppe bestand im Jahre 1912 aus 175 Weißen
(Reichsangehörigen) und 1550
Farbigen, eingeteilt in 12 Kompagnien, davon eine, die 12., nur vorübergehend
bewilligt. Der Kommandeur
und Stab der Schutztruppe hat seinen Sitz in Soppo. Dem Kommando der
Schutztruppe war bis vor kurzem
auch die in Duala stehende Polizeistammkompagnie unterstellt. - Für die übrigen,
neben der allgemeinen
inneren Verwaltung bestehenden besonderen Verwaltungszweige - wie Finanz-, Zoll-
und Medizinalwesen
-, für Land- und Forstwirtschaft, für Bergbau und Verkehrswesen usw. stehen dem
Gouvernement die
erforderlichen technischen Beamten zur Verfügung. Diese technischen
Verwaltungszweige sind zum Teil
auch örtlich gegliedert, wie z.B. die Zollverwaltung. Zum größten Teil ist aber
bei den örtlichen
Verwaltungsbehörden eine scharfe Trennung zwischen diesen technischen
Verwaltungszweigen und der
allgemeinen Verwaltung nicht durchgeführt, so daß die Geschäfte der Finanz-,
Zoll- und sogar der
Postverwaltung auch oft durch die Beamten der allgemeinen Verwaltung mit
wahrgenommen werden. Die
Zollverwaltung wird in der Hauptsache durch technische Zollbeamte geführt. An den Hauptorten sind
Hauptzollämter und Zollämter
eingerichtet; daneben bestehen eine ganze Anzahl von Zollnebenstellen an
der Küste und entlang der Nordwest- und der Ostgrenze. Das landwirtschaftliche
Referat hat bisher eine
ausgedehnte Tätigkeit entfaltet. Die Versuchsanstalt für Landeskultur in
Victoria befaßt sich mit der Auf-
zucht tropischer Nutzpflanzen, der
Lieferung von Saat- und Pflanzengut, mit Versuchen zur Hebung der
Plantagenwirtschaft, insbesondere
des Kakao-, Kautschuk- und Ölpalmenbaues, mit Düngungsversuchen
und wissenschaftlichen und technischen Untersuchungen in Laboratorien. (Über die landwirtschaftliche
Schule und die Ackerbauschule in Dschang s. Dschang.) Die Sennerei in Buea, das
Vorwerk Buea, die
Viehzuchtstationen Dschang, Jaunde
und Djuttitsa mit ihren Vorwerken sollen durch
Reinzucht eingeführten
Viehes, durch Abgabe reinrassiger Zuchtbullen und durch Kreuzung eingeführter Rassen mit dem
einheimischen Rind der Hebung der einheimischen Viehbestände dienen. In Golombe ist ein Gestüt errichtet
worden. Zur Hebung und Organisierung der Kautschukausfuhr ist die
Kautschukinspektion mit den
Kautschukkulturstationen Sangmelima, Akonolinga, Dume und Dscha-Posten errichtet
worden, wo
Kautschukpflanzen aufgezogen und an Eingeborene verteilt und die Eingeborenen
von Sachverständigen in
der Anzapfung und Aufbereitung des Kautschuks unterrichtet werden. In den
Landschaften Bamum und
Adamaua sind seit 1911 landwirtschaftliche Sachverständige beschäftigt, um für
die Einführung des
rationellen Baumwollbaus in diesen Gebieten die nötigen Vorarbeiten zu
erledigen. Es sind von ihnen
Versuchsstationen in Kuti und Tittog eingerichtet worden. Außer diesen
besonderen landwirtschaftlichen
Einrichtungen sind den örtlichen Verwaltungsbehörden auch in Duala, Edea, Bare,
Yoko, Bamenda, Garua
besondere landwirtschaftliche Sachverständige zugeteilt worden, um die auf
diesen Stationen eingerichteten
Versuchsfelder und -gärten zu besorgen. Im Jahre 1912 wurde in Nomajos (Bezirk Jaunde) eine
Versuchsstation für Eingeborenenkultur errichtet; ferner wurde eine Inspektion
für Ölpalm- und
Kakaokultur geschaffen. Für die Hebung des Forstwesens stehen 2 höhere
Forstbeamte und das nötige
Unterpersonal zur Verfügung. Die Medizinalverwaltung hat in den meisten
Verwaltungsstationen
Regierungs- oder Militärärzte
stationiert, denen neben der ärztlichen Praxis in den Stationen die
Medizinalverwaltung der einzelnen Bezirke obliegt. Zur Bekämpfung der Pocken sind mehrere
Lymphegewinnungsstationen, so in Bamenda, Banjo, Dschang, Garua, Kusseri, Jaunde und Duala, errichtet
worden. Als Erfolg der systematischen Pockenbekämpfung konnte festgestellt
werden, daß in den letzten
Jahren nur wenige vereinzelte Fälle von Pocken vorgekommen sind. Zur Bekämpfung
der Schlafkrankheit
ist mit der Errichtung von Sammellagern begonnen worden Für die nächste Zeit ist
eine sehr erhebliche
Vermehrung des ärztlichen Personals und die Anlage mehrerer neuer Sammellager
geplant. Für die in Duala
eingerichtete Fleischbeschau und die
Erforschung und Bekämpfung der Tierkrankheiten stehen auch einige
Tierärzte zur Verfügung.
Die Postverwaltung untersteht nicht dem Gouvernement, sondern unmittelbar dem
Reichspostamt. Die
Postverwaltung wird durch das Postamt in Duala geführt, dem die übrigen Post-
und Telegraphenstationen
unterstellt sind. Auch die Geschäfte der Postverwaltung werden aber nicht auf
allen Stationen von
besonderen Postbeamten, sondern zum Teil auch von Beamten der allgemeinen Verwaltung
wahrgenommen.
15. Rechtsprechung.In der Rechtsprechung ist sowohl beim formellen wie beim
materiellen Rechte
und bei der Gerichtsverfassung
zwischen Weißen- und Farbigenrechtsprechung zu unterscheiden. - In der
Weißenrechtsprechung ist die Trennung zwischen Rechtsprechung und Verwaltung
grundsätzlich
durchgeführt. Soweit Verwaltungsbeamte als beauftragte Richter einzelne richterliche Geschäfte, wie
Beweiserhebungen, wahrnehmen, wird dies durch die besonderen Verhältnisse und
die großen Entfernungen
im Schutzgebiete notwendig gemacht. K. ist in 3 Gerichtsbezirke eingeteilt:
Duala, Kribi und Lomie. Die
erste Instanz wird durch den Bezirksrichter und durch das Bezirksgericht
gebildet. Der Bezirksrichter als
Einzelrichter hat in Zivilsachen die Zuständigkeit der heimischen Amtsgerichte,
in Strafsachen die der
Schöffengerichte. Das Bezirksgericht hat in der Besetzung mit dem Bezirksrichter
und 2 Laienbeisitzern in
Zivilsachen die Zuständigkeit der Landgerichte, in Besetzung mit dem
Bezirksrichter und 4 Laienbeisitzern
in Strafsachen die Zuständigkeit der Strafkammern und der Schwurgerichte. Zweite
Instanz ist das
Obergericht in Buea, das zugleich für Togo Obergericht ist. In der Besetzung mit
dem Oberrichter und 4
Beisitzern ist es Beschwerde- und Berufungsinstanz in Strafsachen und
Zivilsachen gegen die
Entscheidungen der Bezirksrichter und Bezirksgerichte. Eine dritte Instanz
besteht augenblicklich noch
nicht. Für das Prozeßverfahren und das materielle Recht der Weißenrechtsprechung
gelten die dem
bürgerlichen Recht angehörenden Vorschriften der Reichsgesetze und der daneben
innerhalb Preußens im
bisherigen Geltungsbereich des preußischen allgemeinen Landrechts in Kraft
stehenden allgemeinen
Gesetze und die dem Strafrecht und dem
Strafprozeßrecht angehörenden Vorschriften der Reichsgesetze.
-Während die Weißenrechtsprechung durch Reichsgesetz geregelt ist, ist die
Farbigenrechtsprechung dem
Verordnungsrecht vorbehalten. Die Gerichtsbarkeit über die Farbigen steht
grundsätzlich den weißen
Verwaltungsbehörden zu. Eine Trennung zwischen der Rechtsprechung und der
Verwaltung besteht hier
nicht. Soweit eine tatsächliche Verwaltung in K . noch nicht besteht, ist die
Eingeborenenrechtsprechung
den einheimischen Autoritäten überlassen. Aber auch da, wo schon eine geregelte
Verwaltungstätigkeit
eingerichtet ist, kann aus Zweckmäßigkeitsgründen die Befugnis zur
Rechtsprechung den eingeborenen
Autoritäten belassen oder besonders verliehen werden. Die Häuptlinge können zur Rechtsprechung als erste
Instanz für ihren Dorfbezirk vom Bezirksamtmann ermächtigt werden, und zwar
reicht ihre Zuständigkeit in
Zivilsachen dann bis zu einem Streitwert von 100 M, in Strafsachen bis zu Strafen von 300 M oder 6
Monaten Gefängnis. Für die diese Zuständigkeit übersteigenden Zivil- und
Strafsachen können als erste
Instanz sog. "Eingeborenen-Schiedsgerichte" errichtet werden, die zugleich
zweite Instanz für die
Häuptlingssachen sind. Die Schiedsgerichte werden für größere, ethnographisch
oder wirtschaftlich
abgegrenzte Bezirke gebildet; ihre Mitglieder werden vom Bezirksamtmann ernannt.
Höchste Instanz in der
Eingeborenen-Rechtsprechung ist der Gouverneur. Er kann die Ausübung seiner
letztinstanzlichen
Befugnisse dem Oberrichter übertragen und hat dies für K. auch getan. Dadurch
ist aber nichts an dem
Grundsatze geändert, daß die Farbigenrechtsprechung den weißen
Verwaltungsbehörden zusteht. Der
Oberrichter handelt in diesem Falle nicht auf Grund seiner Richtereigenschaft,
sondern im Auftrage des
Gouverneurs. Soweit eine Verleihung der Eingeborenenrechtsprechung an Häuptlinge
oder Schiedsgerichte
nicht erfolgt, wird für die Farbigen durch die örtlichen Verwaltungsbehörden
Recht gesprochen. Der Leiter
des Bezirks (Bezirksamtmann, Bezirksleiter, Stationsleiter der Zivilverwaltung oder
Bezirksleiter der
Militärverwaltung) ist also erste
Instanz, der Gouverneur oder in seinem Auftrage der Oberrichter zweite
und letzte Instanz. Für das Prozeßverfahren und das materielle Recht in
Eingeborenensachen gibt es kein
kodifiziertes Recht. Die Eingeborenengerichte urteilen nach ihren Rechtsgewohnheiten. Die Weißengerichte
wenden unter Berücksichtigung der Rechtsgewohnheiten der Eingeborenen und der
besonderen Verhältnisse
im Schutzgebiet die der Weißengesetzgebung zugrunde liegenden Grundsätze an. -
Für die Mischprozesse
richtet sich die Zuständigkeit nach der Rassenzugehörigkeit des Beklagten. Ist
der Beklagte ein Weißer, so
ist das Gericht des Weißen, ist er ein Farbiger, so ist der Richter des Farbigen
zuständig, und zwar im
letzteren Falle immer der weiße Eingeborenenrichter, auch wenn Häuptlings- oder
Schiedsgerichte bestehen.
An Orten, wo ein Bezirksrichter tätig
ist, wird jedoch tatsächlich auch dieser Teil der gemischten
Gerichtsbarkeit durch den Bezirksrichter wahrgenommen. Es ist aber auch hier
daran festzuhalten, daß der
Bezirksrichter in diesem Falle nicht in seiner Richtereigenschaft tätig wird,
sondern als Beauftragter des
Bezirksleiters. Materiell ist in diesen Mischprozessen der richtige Ausgleich
zwischen den
Rechtsanschauungen der
Eingeborenen und den Grundsätzen des Weißenrechtes zu finden. In Neu-K. hat
bisher für die Weißenrechtsprechung kein Gericht seinen Sitz gehabt. Die
abgetretenen Gebiete haben zu
den Gerichtsbezirken von Libreville, Bangui und Brazzaville gehört. Die deutsche
Verwaltung hat einen
Bezirksrichter in das Sanga-Gebiet entsandt. Sein Bezirk gehört vorläufig zu dem
Gerichtssprengel Lomie.
Er wird voraussichtlich in Nola seinen Sitz nehmen. Die Eingeborenen-
Gerichtsbarkeit hat in Neu-K. ebenso
wie in Alt-K. den Verwaltungsbehörden zugestanden.
16. Schulen. Für den Unterricht weißer Kinder bestehen zurzeit in K. noch
keine öffentlichen Schulen.
Bei der geringen Zahl der weißen Kinder hat sich ein Bedürfnis dafür bis jetzt
noch nicht gezeigt. - Die
Schulen für den Unterricht der eingeborenen Kinder zerfallen in Regierungsschulen und Missionsschulen.
Zurzeit bestehen 4 Regierungsschulen, nämlich in Duala, Victoria, Jaunde und
Garua. Im Jahre 1912 wurden
in Duala in 6 Klassen 362, in Victoria in 6 Klassen 257, in Jaunde in 3 Klassen
160 und in Garua in 3
Klassen 54 Schüler unterrichtet. In den ersten 3 Schulen wird der Unterricht von
weißen Lehrern gegeben,
während in Garua 2 farbige Hilfslehrer tätig sind. Da die Schüler zum Teil von
auswärts kommen, sind mit
den Schulen Internate verbunden, in denen die
auswärtigen Schüler untergebracht werden. Neben diesen
Volksschulen hat die Regierung Handwerker- und landwirtschaftliche Schulen
errichtet, nämlich in Buea
eine Tischlerei, eine Polsterei und eine Druckerei, in Victoria im Anschluß an
die Versuchsanstalt für
Landeskultur eine landwirtschaftliche Schule, in der in einem dreijährigen
Kursus Eingeborene zu
landwirtschaftlichen Aufsichtsbeamten herangebildet werden. Bei der Aufnahme in
diese Schule werden
Absolventen der Volksschule bevorzugt. Auf der landwirtschaftlichen Schule in
Dschang werden die
Schüler, meist Häuptlingssöhne, in Landwirtschaft, Gärtnerei und Viehzucht, daneben auch in deutscher
Sprache unterrichtet. Auf den Regierungsschulen werden nur Knaben unterrichtet.
Die Regierung hatte
früher auch eine Mädchenschule unterhalten. Diese Schule wurde jedoch vor
einigen Jahren wieder
aufgelöst, und der Unterricht der Mädchen wird jetzt ganz den
Missionsgesellschaften überlassen. - Neben
den Regierungsschulen entfalten die Missionsgesellschaften (s. u. Nr. 15) eine
ausgedehnte Tätigkeit auf
dem Gebiete des Unterrichtswesens. Während in den Regierungsschulen 1912 nur 833
Schüler unterrichtet
wurden, waren es in den Missionsschulen 42000.
Die Baseler Missionsgesellschaft unterrichtete im Jahre 1911 in 243 Dorfschulen
10522 Schüler und
Schülerinnen, dazu kommen noch 233 Knaben in 5 gesonderten Knabenschulen und 273
Knaben in 3
Mittelschulen, 109 Mädchen in 2 gesonderten Mädchenschulen. Auf einem Gehilfenseminar
wurden 55
Knaben zu Lehrgehilfen herangebildet. Die Baptistenmission unterrichtete in 5
Hauptschulen und 45
Volksschulen auf den Außenstationen im Jahre 1910 1755 Knaben und 78 Mädchen. In
Duala hat sie ein
Lehrerseminar errichtet. Die Presbyterianermission unterhält in Batanga, Efulen, Elat und Lolodorf 4
Knabenschulen und 4 Mädchenschulen und auf den Außenstationen 65 Dorfschulen.
Sie hat im Jahre 1910
4680 Knaben und 370 Mädchen unterrichtet. Im Jahre 1911 ist die Zahl der Schüler
auf 6975 gestiegen. Der
Knabenschule bei Elat ist eine Schule für die Ausbildung von Predigern
angegliedert. Die
Pallottinerkongregation hat im Jahre 1910 in 16 Stationsschulen und 72
Außenschulen 5807 Knaben und
665 Mädchen unterrichtet. Im Jahre 1911 ist die Gesamtzahl auf 7000 gestiegen.
Auch mit den
Missionsschulen sind, soweit es notwendig ist, Knaben- und Mädcheninternate
verbunden. Für das
Unterrichtswesen in K. ist die
Schulordnung vom 25. April 1910 (Amtsbl. für K. 1910 S. 125 ff)
maßgebend, der ein Lehrplan beigegeben ist. Danach steht die allgemeine
Schulaufsicht über alle
Schulanstalten dem Gouverneur zu. Neben der im Schulort herrschenden
Eingeborenensprache darf keine
andere lebende Sprache gelehrt werden als die deutsche; jedoch darf die Duala-
Sprache in den Schulen, in
denen sie bei Erlaß der Schulordnung neben der im Schulorte herrschen den
Eingeborenensprache als
Unterrichtssprache eingeführt war, noch 3 Jahre lang beibehalten werden. Ein
Schulzwang besteht nur für
die Schüler, die ordnungsmäßig angemeldet worden sind. Die Missionsschulen, die
bei der Verteilung der
Schulbeihilfen berücksichtigt werden wollen, müssen ihren Unterricht nach dem
Lehrplan des Gouverne-
ments einrichten.
Der Lehrplan regelt den Unterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen, in
der deutschen Sprache, in
den Anfangsgründen der Geschichte und in der Erd- und Naturkunde und sieht für
diese Lehrgegenstände
einen fünfjährigen Lehrgang vor. Die übrigen Lehrgegenstände, wie Religion,
Musik, Turnen usw., sind der
Bestimmung der Missionsgesellschaften überlassen. Die Missionsgesellschaften
haben ihren Schulen
zahlreiche Handwerker- und Landwirtschaftliche Schulen
angegliedert, in denen vor allem Schreinerei,
Schneiderei, Schusterei, Sattlerei, Ziegelbrennerei, Farmbetrieb und weibliche
Handarbeiten gelehrt werden.
In Neu-K. haben bisher französische Regierungs- oder Missionsschulen nicht
bestanden. Die
Konzessionsgesellschaften, haben das Recht gehabt, Eingeborenenschulen zu errichten. Eine
solche Schule
ist von der Compagnie forestière Sanga-Ubangi in Bania errichtet worden, in der
etwa 50 Schüler vor allem
in praktischer Arbeit unterrichtet wurden.
17. Missionen.Die christliche Mission,
war in K. schon vor der deutschen Verwaltung tätig. 1845 errichtete die
Baptisten-Missionsgesellschaft in London von Fernando Po aus ihre erste
Niederlassung in Duala. Sie wurde von dort im Jahre 1858 von der
katholischen
Mission, die die Unterstützung, des spanischen Gouverneurs von Fernando
Po hatte, verdrängt und verlegte ihren Sitz in die Ambas-Bucht, wo sie
Victoria gründete. 1886 ging diese Niederlassung an die evangelische
Baseler
Missionsgesellschaft über. 1889 kam es aber zwischen den dortigen
eingeborenen
baptistischen Christen und der Baseler Missionsgesellschaft zum Bruch,
da die baptistischen Christen sich den strengeren Forderungen der
Baseler
Missionsgesellschaft in der Frage der Sklaverei und der Vielweiberei und in anderen Fragen nicht
anpassen
wollten, und die eingeborenen baptistischen Christen sonderten sich als
selbständige christliche Gemeinden von der Baseler Missionsgesellschaft
ab. 1890 sandte die Missionsgesellschaft der deutschen Baptisten
einige Missionare nach K., um diese
selbständigen Gemeinden zu unterstützen. Es war aber auch diesen
baptistischen
Missionaren nicht möglich, mit den eingeborenen Baptisten zusammen zu
arbeiten, wenn auch die Verbindung nicht vollständig abgebrochen wurde.
Im Süden K.s wirkt seit 1885 die amerikanische Presbyterianermission,
die sich schon im Jahre 1847 weiter südlich in Französisch-Gabun
niedergelassen
hatte und mit der Begründung der deutschen Herrschaft in K. ihre
Tätigkeit
auf dieses Gebiet ausdehnte (s. Mission, 2. evangelische und die
einzelnen
Missionsgesellschaften). - Die Katholische Mission wird durch das
apostolische
Vikariat K. mit dem Sitz in Duala geleitet. Bis vor kurzen war die
katholische
Mission nur durch die Pallottiner-Kongregation vertreten. Die Propaganda in Rom hat jedoch neuerdings der Genossenschaft
der Priester vom Herzen Jesu, Missionshaus Sittard,
einen Missionsbezirk im Norden K.s übertragen, der das ganze Adamaua-
Gebiet
von Kunde nordwärts bis zum 10° n. Br. und die angrenzenden Teile Neu-
K.s
umfassen. Solange der Norden des Schutzgebietes aus politischen Gründen
für die Tätigkeit der Missionen noch nicht freigegeben werden kann,
wirkt
die neue Mission im Bezirke Bamenda, der zum Gebiet der Pallottiner
Mission gehört (s. Mission, 3. katholische und die einzelnen
apostolischen
Vikariate und Missionsgenossenschaften).
Die Tätigkeit der Missionen hat sich bisher hauptsächlich auf das
Küstengebiet
und das ihm zunächst liegende Hinterland beschränkt. Im Norden ist sie
schon etwas weiter bis Bamenda und Bamum und im Süden bis Jaunde
vorgedrungen.
Der Norden des Schutzgebietes ist, wie vorstehend bereits angedeutet,
für die Missionierung bisher noch nicht freigegeben worden, da die hier
zu lösenden Fragen über die Beziehungen der christlichen Missionen zum
Islam noch nicht genügend geklärt erscheinen. Neben
der eigentlichen christlichen Missionierung entfalten sämtliche Missionsgesellschaften
auch auf dem Gebiete des Unterrichtswesens (s.o. Nr. 16. Schulen), des
Sanitätswesens, der Erforschung des Landes, der Bevölkerung und der Sprachen
eine umfangreiche Tätigkeit. In Neu-K. ist, soweit bekannt, bisher noch
wenig Missionstätigkeit ausgeübt worden. Es befindet sich lediglich im
Munibezirk eine kleine Niederlassung der Söhne vom Heiligsten Herzen
(Vikariat
Gabun).
18. Geschichte. Geschichtliche Überlieferungen aus der älteren
Zeit haben wir in K. selbst nur sehr wenige und auch diese nur von den
hamitischsemitischen islamischen Staaten des Nordens. Im Beginn des
Mittelalters
wurden die Gobir durch den Druck der nördlich wohnenden Völker aus der
Sahara, Air und Asben nach Süden in die Gegenden des Sudans gedrängt und
gründeten die sieben echten Haussastaaten.
Schon vor diesen Staaten, die im zentralen Sudan gegründet wurden,
bestand
wahrscheinlich das alte Kanem im Nordosten
des Tsadsees, von hamitisch-semitischen Bardoa aus Vorderasien
begründet.
Dieses wurde frühzeitig mohammedanisch und eroberte das ganze Gebiet des
Tsadsees nach langem Kampfe mit den Sso, die vorher im Süden des
Tsadsees
herrschten. Doch im 14.-15. Jahrh. wurden die Sefua, das seit langem
regierende
Herrschergeschlecht, durch die Bulala aus Kanem verjagt und auf die
Gegend
westlich des Tsadsees beschränkt, wo sie das Reich Bornu gründeten und,
sich mit den Sso und den Negern mischend, zu den Kanuri
(s.d.) wurden. In dieser Zeit wurden auch die Reiche Dar Fur und Wadai
gegründet. Darauf kam von Westen, vom Senegal her, das Hirtenvolk der
Fulbe (s. d.), die zuerst friedlich unter den anderen Völkern saßen.
Erst
am Anfang des 19. Jahrh. gründete der Scheich Othman dan Fodio ein großes Reich, das vom Niger bis
zum Logone und bis nach Südadamaua reichte, mit Sokoto als Hauptstadt.
Das Reich Bornu war zwar bestehen geblieben, aber seine Herrscher waren
schwach und wenig energisch, aber die Mächte Sokoto und Wadai wurden
immer
kräftiger. Sokoto dehnte seine Eroberungszüge bis in die Schariländer
aus, der Vasallenstaat Adamaua (s.d.) beherrschte den ganzen Norden des
Hochlandes von Südadamaua. Nach Süden dehnten die Fulbe ihre
Eroberungszüge
bis zum Sanaga und weiter aus und verursachten bedeutende
Völkerverschiebungen
im Süden K.s. Im Norden zogen sich die bedrängten Heidenstämme,
die teilweise größere Reiche gebildet hatten, so das Battareich mit der
Hauptstadt Kokomi, in die Gebirgsmassive zurück, wohin die Fulbe ihnen
mit ihren Pferden nicht folgen konnten. Im Jahre 1890 drang dann ein
ägyptischer
Bandenführer, Rabeh, von Osten aus in die
Tsadseeländer ein und warf die alten Reiche Bagirmi
und Bornu über den Haufen. Damit kommen wir aber in die Zeit der
europäischen
Entdeckungsreisen hinein, und die Kämpfe der europäischen Expeditionen gegen Rabeh haben gerade zur
Erschließung
dieser Gebiete beigetragen. - Die Entdeckungsgeschichte K.s gehört fast
ganz der neuesten Zeit an. Aus ältester Zeit liegen nur 2 Berichte vor
- der eine in den Geschichtsbüchern Herodots, der andere auf Erztafeln
eines karthagischen Tempels -, die es wahrscheinlich machen, daß schon
im Jahre 550 v. Chr. die Phönizier bei einer Umschiffung Afrikas und
später
450 v. Chr. der Karthager Hanno an die Küste K.s gekommen sind. Aus den
folgenden 2 Jahrtausenden liegt keine Kunde über dieses Land vor. Im
Jahre
1484 segelte der Portugiese Cao auf der Suche nach dem Wege nach Indien
zwischen dem K.berge und Fernando Po durch und ankerte in der Gegend des
heutigen Victoria. Seit der Zeit zeigen zwar die Weltkarten, zuerst die
Karte Martin Behaims, die charakteristische Linie der Biafra-Bucht in
allgemeinen Umrissen, zu einer Besetzung oder Erforschung der K.er Küste
hat diese Kenntnis in den nächsten Jahrhunderten aber nicht geführt. Die
Niederlassungen der an der übrigen westafrikanischen Küste tätigen
Kolonialmächte,
zuerst der Portugiesen, dann der Holländer, Engländer, Spanier und
Franzosen
haben für sie nur als Stützpunkte des Sklavenhandels oder der Schiffahrt
nach Indien Bedeutung gehabt. Für diese Zwecke war die K.-Küste durch
ihre Lage in der innersten Ecke der Ausbuchtung, die die afrikanische
Westküste bildet, wenig geeignet. Im 19. Jahrhundert nahm die
Unterbindung
des Sklavenhandels und die Ablenkung des asiatischen Verkehrs durch den
Suezkanal den westafrikanischen Niederlassungen auch noch den Rest ihrer
Bedeutung und veranlaßte die dort ansässigen Mächte teilweise zur
Aufgabe
ihrer Niederlassungen. Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts
gab die gewaltige Steigerung des Güterverbrauches und der Güterbewegung
von allen Teilen der Erde nach den Handelszentren in Mitteleuropa den
bisher als wenig wertvoll betrachteten westafrikanischen Gebieten eine
neue Bedeutung. Die früher dort tätigen Kolonisationsmächte besetzten
ihre alten Niederlassungen wieder, und Deutschland trat als neuer
Bewerber
hervor. Die Tätigkeit deutscher Kaufleute an der westafrikanischen
Küste,
ging der deutschen Besitzergreifung Kameruns voraus. Im Jahre 1862 schon
hatte die Hamburger Firma Woermann in
Französisch-Gabun eine Handelsniederlassung und in den nächsten Jahren
weitere Niederlassungen in Lagos und Akkra und 1868 in Duala angelegt,
und dieser ersten Niederlassung an der K.er Küste waren bald weitere
deutsche
und ausländische Firmen gefolgt. Der politische und kaufmännische
Wettbewerb
des Auslandes veranlaßte die deutschen Handelsinteressenten zu
wiederholten
Eingaben an die Reichsregierung, die noch freien Gebiete an der
afrikanischen
Westküste zu besetzen. Diese Eingaben hatten erst im Jahre 1884 Erfolg.
Am 14. Juli 1884 hißte Nachtigal im
Auftrage der Regierung in Duala die deutsche Flagge, nachdem dies einige
Tage vorher schon in Lome (Togo) geschehen war. Das Küstengebiet
nördlich
und südlich von Duala wurde unter dem Widersprüche Englands unter
deutsche
Schutzherrschaft genommen. Es fand aber bald eine Einigung mit England
und auch mit Frankreich statt, auf Grund deren die Küste von Kampo bis
Rio del Rey unbestrittener deutscher Besitz wurde. - Das folgende
Jahrzehnt
diente der Ausdehnung der deutschen Hoheit in das Innere des Landes. Von
diesem war zu jener Zeit wenig bekannt. Denn die ersten Forschungsreisen
in unsere Kolonie gingen nicht von der Küste aus, wie man
wohl
annehmen möchte, sondern führten durch die Sahara ins Tsadseegebiet. Die
Reisenden benutzten die großen Verkehrsstraßen, die von den Sudanreichen
nach Tripolis führten. Im Jahre 1806 kam Hornemann von Tripolis bis zum
Niger, wo er ermordet wurde. 1822 erreichten die Engländer Denham
(s.d.),
Clapperton und Oudney den Tsadsee.
Dann kamen im Jahre 1851/52 die Reisen von Barth (s.d.) und Overweg;
Barth drang bis Jola und bis zu den Tuburisümpfen vor. An die letzteren
gelangte auch Vogel (s.d.). Durch die
Reisen
von Rohlfs (1865/67) und Nachtigal (s.d.)
(1869/74) wurden die ganzen Tsadseeländer noch weiter bekannt. Flegel
(s.d.) reiste 1879 den Benue hinauf und drang auf dem Hochland bis
Ngaundere
vor. Bis zum Nordrand des Plateaus war K. nach Süden bekannt, als im
Jahre
1884 die Besitzergreifung erfolgte. - Damit begann ein neuer Abschnitt
der Geschichte. Hatten die Reisen bisher in der Hauptsache
wissenschaftlichen,
nicht politischen Charakter, so kam es jetzt sehr darauf an, die
Landesgrenzen
des neu erworbenen Küstenstreifens gegenüber dem Wettbewerb der Nachbarn
möglichst weit in das Innere vorzuschieben. An der Küste war man bis
dahin
überhaupt noch nicht weit vorgedrungen. Die einzigen Erfolge waren die
Besteigung des K.berges durch Burton (s.d.) und Mann (1861/62), und nur
der Pole Rogoczinsky (s.d). war 1883 bis zum Barombisee gelangt. Auch nach der deutschen
Besitzergreifung
gelang es einige Jahre lang nicht, über den Küstensaum - hinaus
vorzudringen.
1885 erforschten Stubenrauch und Schuckmann
das Kalabargebiet, Zöller (s.d.) den
K.berg und den unteren Sanaga. Dann gelang es Zintgraff im Dienste der
Kolonialverwaltung die Bakossiberge zu
erreichen, ferner gründete er die Barombistation
am Elefantensee 1888. Im selben Jahr noch
erreichte
er das Banjangland, aber erst 1889 gelang ihm der Durchbruch zum
Grasland.
Er erreichte Bali und zog nach Jola, von dort über das Bekomhochland
zurückkehrend. 1890 wurde Baliburg gegründet. Im Süden gelang der Aufstieg
aufs Plateau schon 1887, wo Kund (s.d.),
Tappenbeck (s.d.) und Weißenborn den Njong und
Sanaga entdeckten. 1889 wurde hier die Station Jaunde gegründet. Morgen
(s.d.) entdeckte 1890 den Mbam und zog den Sanaga entlang zur Küste; im
selben Jahre noch führte eine zweite Expedition ihn nach Joko,
Tibati, Banjo und Ibi. Dieselbe Route fast führte 1891/92 Stetten
(s.d.) und Hering nach Ngambe und von
dort
über Banjo nach Jola. Inzwischen waren die Franzosen von Osten und
Westen
in Mittel-K. eingedrungen und hatten überall Verträge abgeschlossen. De
Brazza war vom Kongo aus den Ssanga hinaufgefahren, Mizon
war vom Benue aus über Kunde und Gasa nach
Bania marschiert, Maistre gelangte vom Ubangi zum Schari und von dort
nach Lai, Lame und Garua. So war es höchste Zeit, daß 1893 die
Expedition
von Uechtritz (s.d.) und Passarge
(s.d.)
von Garua aus nach Bubandjidda, Marua und Ngaundere
vorstieß und überall Verträge abschloß. Diese Vorgänge führten 1893 und
1894 zu Verträgen mit England und Frankreich, in denen die deutsch-
englische
Grenze bzw. die deutschfranzösische Grenze festgelegt wurde und damit
zur Anerkennung des Kameruner Hinterlandes als deutsches Schutzgebiet
von annähernd der Größe Deutschlands. Es folgte nun zunächst bis 1898
eine Zeit der Ruhe, in der man sich darauf beschränkte, die in Besitz
genommenen Gebiete in Verwaltung zu nehmen. Neue Vorstöße, die häufig
mit Kämpfen verbunden waren, setzten seit 1898 wieder ein. Der östliche
Süden des Schutzgebietes wurde vom Kongo-Ssanga her durch Plehn im Jahre
1899 erschlossen. Seine Arbeit setzten in den folgenden Jahren Frhr. v.
Stein und Scheunemann fort; ersterem gelang die Überwindung des breiten
menschenleeren Urwaldgebietes, das den Südosten des Schutzgebietes von
der Küste trennt. Die Buli, im Hinterland
der Südküste wurden, nachdem sie 1900 Kribi überfallen hatten, durch v.
Bülow unterworfen. Die Wute, die 1899 durch v. Kamptz
bereits unterworfen worden waren, wurden 1905 durch Dominik befriedet. Besonders schwere Kämpfe
verursachten
in den Jahren 1905 bis 1907 die Bewohner des oberen Njong und Dja; aber erst 1910 wurden hier die Maka,
ebenfalls durch Dominik, endgültig unterworfen. Die Keaka
und Ekoi am Kreuzfluß bekämpfte 1900 bis 1903 v. Besser
und später, 1904, als sie sich wieder erhoben, mit dauerndem Erfolge Mueller,
der 1905 auch die Stämme des Manengubagebirges unterwarf. Die Bangwa
wurden 1903 zur Botmäßigkeit gebracht, in den folgenden Jahren,
hauptsächlich
durch Glauning, die zum Bezirke Bamenda gehörigen
Stämme.
Von hervorragender Bedeutung war die Besetzung des Adamaua- und
Tsadseegebietes.
Hier hatten 1900 die Franzosen auf deutschem Gebiete den Eroberer Rabeh,
der im Herzen des Sudan ein mächtiges Reich gegründet hatte,
entscheidend
geschlagen. Sollte das Ansehen des Deutschen Reiches dort nicht verloren
gehen, so mußte eine Besetzung der Gebiete deutscherseits erfolgen.
Diesem
Zwecke dienten die Züge von Cramer v. Clausbruch, Dominik, v. Bülow,
Rathke
und Pavel, die teilweise gefährliche Kämpfe mit dem Sultan
von Jola, der von den Engländern aus seiner Residenzstadt vertrieben
worden
war, zu bestehen hatten. Nachdem dieser 1902 bei Marua geschlagen worden
war, wurde das Tsadseegebiet dauernd besetzt. Die Unterwerfung und
Befriedung
des Landes hat sich im allgemeinen ohne größere Störungen und ohne
erhebliche
Rückschläge, wie sie in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika eingetreten
sind, vollzogen. Die Stellung des Gouverneurs wurde nach der
vorübergehenden
Verwaltung durch Dr. Buchner (s.d.), den Nachtigal mit seiner Vertretung
beauftragt hatte, eingenommen durch Frhr. v. Soden
(s.d.), v. Zimmerer (s.d.), v. Puttkamer (s.d.), in dessen Verwaltungszeit
(1895-1906)
hauptsächlich die Erschließung des Schutzgebietes fällt, dann Dr. Seitz (s.d.), Dr. Gleim (s.d.) und (seit März 1912) Ebermaier
(s. d.).- Die Grenze des Schutzgebietes gegen die englische Kolonie
Nigerien
ist durch ein Abkommen vom 11. März 1913 festgelegt worden, das auch
über
die Schiffahrt auf dem Kreuzfluß er- leichternde Bestimmungen enthält.
Die Süd- und Ostgrenze des Schutzgebietes gegen Fran- zösisch-
Äquatorialafrika
wurde durch ein Abkommen vom Jahre 1908 genau festgelegt. Inzwischen hat
diese Grenze durch das deutsch französische Abkommen vom 4. Nov. 1911
ihre Bedeutung verloren. K. hat durch das Abkommen im Süden und Osten
gegen Abtretung des Dreiecks zwischen Logone und Schari und gegen die
im Marokko-Abkommen enthaltenen Zugeständnisse eine Vergrößerung
ungefähr
um die Hälfte seiner Fläche erfahren. Die neuen Gebiete sind
deutscherseits
zum größten Teil am 1. Oktober 1912, zum kleineren Teil am 1. Januar,
1. April und 1. Juni 1913 in Besitz und Verwaltung genommen worden. Die
neuen Grenzen werden durch eine gemischte Kommission festgelegt. Die
Grenze
zwischen K. und Spanisch-Guinea ist noch nicht in natura festgelegt. S.
Erwerbung der
deutschen
Kolonien 3 und Gre
nzfestsetzungen.
Meyer.
Literatur: Denham and Clapperton, Narrative of Travels and
discoveries in North and Central Africa. Lond. 1828. - H. Barth, Reisen
und Entdeckungen in Nord- und Zentralafrika in den Jahren 1849-53. Gotha
1857-59. Rohlfs, Reise durch Nordafrika vom Mittelländischen Meer bis
zum Busen von Guinea 1865-67. Petermanns
Mitteilungen, Ergänzungsheft. Gotha 1873. - Nachtigal, Sahara u. Sudan.
Berl. 1879-89. - Buchholz, Reisen in Westafrika. Lpz. 1880. - Morgen,
Durch Kamerun von Süd nach Nord. Berl. 1893. Zintgraff, Nordkamerun.
Berl.
1895. - Passarge, Adamaua. Berl. 1895. - Dominik, Kamerun. Berl. 1901.
-Dominik, Vom Atlantik zum Tsad. Berl. 1908. -Hutter, Wanderungen u.
Forschungen
im Nordhinterland von Kamerun. Braunschweig 1902. - M. v. Oppenheim,
Rabeh
u. das Tsadseegebiet. Berl. 1902. Bauer, Die Benue-Niger-Expedition.
Berl.
1904. - Esch, Solger, Oppenheim u. Jaeckel, Beiträge zur Geologie
von Kamerun. Stuttg. 1904. Lenfant, La grande route du Tchad. Paris
1904.
-Edlinger, Beiträge, zur Geologie und Petrographie von Adamaua.
Braunschweig
1908. Mansfeld, Urwalddokumente. Berl. 1908. Marquardsen,
Der Niger-Benue. Berl. 1908. -Ritter, Neukamerun.
Berl. 1912. - Das deutsche Kolonialreich, Bd. I. Lpz. 1909.