Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 169 ff.

Kamerun. 1. Lage und Grenzen. 2. Bodengestaltung. 3. Gewässer. 4. Klima. 5. Pflanzenwelt. 6. Tierwelt. 7. Eingeborenenbevölkerung. 8. Eingeborenenproduktion. 9. Europäerbevölkerung. 10. Europäische Unternehmungen. 11. Handel. 12. Verkehr. 13. Geld- und Bankwesen. 14. Verwaltung. 15. Rechtsprechung. 16. Schulen. 17. Missionen. 18. Geschichte. (Finanzwesen s. Finanzen.)

Karten

1. Lage und Grenzen. Die Kolonie K. liegt im innersten Winkel der Bucht von Guinea, bildet also einen Teil der Guineaküste und trennt das sog. Ober-Guinea von Nieder-Guinea. Im Verhältnis zu ihrer Größe hat sie nur einen relativ geringen Anteil am Meer. Nach dem Innern, dem Osten zu verbreitert sie sich, so daß sie an der östlichen Grenze vom Kongo bis zum Tsadsee reicht; das ist eine Strecke von über 14 Breitengraden in der Luftlinie. K. erstreckt sich vom 13. Grad n. Br. bis zum 1. Grad s. Br. und vom 7 1/2 bis zum 18 1/2 Grad ö. L. Das sind beträchtliche Dimensionen und Entfernungen, und es ist ohne weiteres daraus erklärlich, daß sich K. aus landschaftlich und klimatisch verschiedenartigen Regionen zusammensetzt. Wir finden fast alle Übergänge vom trockenen Steppengebiet im Norden, am Tsadsee, bis zum dichtesten Urwald im Süden am Ssanga. Die Grenzen von K., wie sie heute bestehen, sind noch sehr unentwickelt, teilweise sogar noch gar nicht näher festgelegt. Die relative Unkenntnis besonders eines Teils der Grenzgebiete bedingt, daß die Grenzlinie entweder durch Flüsse geführt wird, oder in gerader Linie fest bestimmte Punkte verbindet. Zu großen Unzulänglichkeiten würde der Bestand der spanischen Kolonie Spanisch-Guinea führen, die als Enklave im deutschen Gebiet liegt, und zwar so, daß sie einen Teil des deutschen Besitzes, nämlich den südlich von ihr liegenden Zipfel vollkommen vom übrigen deutschen Gebiet trennt. Wir grenzen mit unserem Besitz an den dreier anderer Kolonialmächte, nämlich Frankreich, England und Spanien. An der ganzen Nordwestgrenze grenzen wir an englisches Gebiet, an Britisch-Nigeria. Im Osten und Süden liegt Französisch-Zentralafrika. Von Spanisch-Guinea ist schon gesprochen. Nur mit dem Kongozipfel würden wir den belgischen Kongostaat berühren, wenn nicht die Inseln im Kongo französisch geblieben wären. Unser Gebiet umfaßt nach neuen Feststellungen des geodätischen Bureaus im KA. rund 795 000 qkm; davon haben wir durch das Abkommen vom 4. Nov. 1911 mit Frankreich (s.-Erwerb der deutschen Kolonien 3) 295000 qkm gewonnen, aber mit dem sog. Entenschnabel 12000 verloren. Was nun die Grenzen von K. anbetrifft, so sind dieselben teilweise noch nicht festgelegt. Die ganze Süd- und Ostgrenze ist durch den Vertrag vom 4. Nov. 1911 in den Grundzügen bestimmt; die genauere Aufnahme des Grenzgebietes wird aber wohl die Notwendigkeit vieler Abänderungen ergeben. Die Westgrenze ist durch zwei Expeditionen vermessen, aber nur das Stück von Jola bis zum Tsadsee ist bisher gesetzlich festgelegt. Für die Grenze von der Küste bis Jola kommt der Grenzvertrag vom 15. Nov. 1893 mit England in Betracht. Es hat eine Vermessung bis Jola stattgefunden, aber die z.B. schon in der Karte des großen Kolonialatlas niedergelegten Vertragsentwürfe sind noch nicht ratifiziert. Die Grenze verläuft geradlinig und macht geringe Abweichungen zwischen dem oberen Ende des Rio del Rey bis zu den Schnellen des Kreuzflusses und verläuft von dort fast ebenso geradlinig in der Richtung auf Jola. Für die Strecke Jola-Tsadsee kommt der deutsch.-engl. Vertrag vom 16. Juli 1906 in Betracht. Die Grenze beschreibt um Jola einen Halbkreis mit etwa 45 km Radius, folgt dem Unterlauf des Faro, geht dann ein Stück den Mao Tiel hinauf und verläuft in nördl. Richtung zum Mao Kilanje und dann zum Jadseram, dem sie bis eben vor Dikoa folgt. Dikoa, das deutsch bleibt, wird in kleinem Bogen umgangen und dann verläuft die Grenze in der Richtung N 25° O bis zum Tsadsee geradlinig (Riebow, Deutsche Kol.Gesetzgebung Bd. I 79, 92, 215, 696; Bd. II 54, 80; Bd. X 277). - Was die Ost- und Südgrenze unseres Schutzgebietes anbelangt, so richtet sie sich vorläufig nach dem Abkommen vom 4. Nov. 1911 zwischen Deutschland und Frankreich. Sie verläuft vom Massoliee in der Bucht von Monda zur Südostecke von Spanisch-Guinea in gerader Linie. Von dort in einer Linie zur Mündung des Dschua in den Iwindo, darauf ersterem folgend bis Madschingo (franz. bleibend) und darauf von dort geradlinig zum Ngoko- Ssanga-Punkt. Wesso bleibt französisch. Die Grenze geht nun nach SW 6-12 km unterhalb Wesso zum Kandeko und folgt diesem, dem Bokiba und dem Likuala Mossaka bis zum Kongo. Hier ist eine Strecke von 6-12 km deutsch. Dann geht die Grenze den Likuala Essubi aufwärts bis Botungo. Von hier verläuft sie geradlinig nach S bis Bera Ngoko, dann nach Nordw. zur Vereinigung von Lobai und Bodinge und darauf den Lobai abwärts zum Ubangi. Auch hier folgt sie dem Fluß 12 km, dann steigt sie in gerader Linie zum Pama etwas westlich vom Zusammenfluß mit dem Mbi. Dann den Pama aufwärts und in gerader Linie zum Penndé oder östlichen Logone bei Goree. Nun folgt sie dem Penndé, Logone und Schari bis zum, Tsadsee (DKolZtg. 1911 S. 765). Das spanische Gebiet, Span.Guinea oder Munigebiet bildet eine Enklave in deutschem Besitz. Seine Grenzen werden durch das deutsch-franz. Abkommen vom 24. Dez. 1885 im Norden bestimmt, weil damals noch das ganze südlich der Kampo gelegene Gebiet französisch war, und erst später an Spanien, durch den Vertrag vom 27. Juni 1900, abgetreten wurde. Im Norden wird die Grenze bis zu dem Punkte, wo der Kampo den 10° östl. Länge schneidet, durch diesen Fluß geführt und von dort auf dem Breitengrad dieses Punktes nach Osten weitergeführt. Im Osten und im Süden wird die Grenze durch den spanisch-französischen Vertrag vom 27. Juni 1900 festgelegt. Im Süden geht sie im Talweg des Muni nach Osten und folgt dem 1° nördl. Breite von dem Punkt an, wo der Utemboni diesen zuerst schneidet. Die Ostgrenze bildet der 9° östl. Länge von Paris, d. h. 11° 20' östl. Länge von Greenwich. Es hat zwar eine Grenzregulierung im Jahre stattgefunden 1901, aber es ist noch kein Vertrag zwischen den Regierungen abgeschlossen. - Von den dem deutschen Gebiet vorgelagerten Inseln gehören Fernando Po und Annobon den Spaniern, Principe und San Tomee den Portugiesen und von den kleineren Inseln nahe dem Festland Elobi und Corisco den Spaniern.

2. Bodengestaltung. Man kann in K. in großen Zügen 5 verschiedene Gebiete nach der Oberflächengestaltung unterscheiden:
a) Das Küstenvorland, b) das Plateau von K., c) die Massivregion von Adamaua, d) das Logone-Tsad-- Becken, e) das Ssangatiefland. Der Besprechung dieser Gebiete im einzelnen soll kurz ein Überblick über die geologischen Verhältnisse in K. vorangehen. Die geologische Erforschung beschränkt sich bisher auf wenige Routen, die durchgelegt sind, und auf die Untersuchung von nutzbaren Lagerstätten. K. ist wie der größte Teil von Afrika ein in Schollen abgesunkenes oder aufgerichtetes Plateau. Wo Sedimentärschichten auftreten, sind sie meist flach gelagert. Im Anschluß an die Bildung von Spalten und Brüchen sind vulkanische Ergüsse erfolgt und haben Decken oder Vulkane entstehen lassen. Alluvialebenen sind das dritte Element, das für die Bodengestaltung K.s maßgebend ist. Über die Tektonik des Gebietes ist noch wenig Klarheit geschaffen worden, weil im kristallinen Gebirge, aus dem der größte Teil K.s besteht, Brüche und Verwerfungen sehr schwer nachzuweisen sind. Die Küste in einer Entfernung voll 30-100 km begleitend, haben wir überall einen verhältnismäßig steilen Anstieg, der in 2 Stufen zum Hochland hinaufführt. Wahrscheinlich ist, daß diese Stufen einen Bruchrand darstellen, der aber von der Erosion stark angeschnitten ist. Sicherer ist eine zweite Bruchlinie, auf der überall vulkanische Ausbrüche stattgefunden haben. Diese Linie beginnt bei der Insel Annobon und geht über Principe und Fernando Po zum K.-Berg. Die Region jung vulkanischer Gesteine setzt sich in derselben Richtung nach Nordosten noch bis Banjo hin fort und fällt hier mit dem Nordwestrand des Plateaus von Adamaua zusammen. Außerdem dürfte ein tektonisches Gebilde der Mberegraben sein, der sich an der Ostseite des Hochlandes von Adamaua im Quellgebiet des Mbere in der Richtung von Westsüdwesten nach Ostnordosten erstreckt. Auch bei seiner Bildung sind vulkanische Ergüsse erfolgt. Seine Ränder brechen 2-400 m steil ab, seine Sohle hat eine Breite von 5 bis 7 km. Petrographisch kann man in K. vier verschiedene Gebiete unterscheiden: 1. Das altkristalline Rumpfgebirge, 2. die Sedimentärgebiete, 3. die jung vulkanischen Gebiete, 4. die Alluvialgebiete. Das altkristalline Gebiet hat die weiteste Verbreitung in K. Ganz Südkamerun und Adamaua wird von ihm eingenommen. Die wichtigsten Gesteine sind Granit, Gneis und Glimmerschiefer mit vereinzelten Vorkommen von Quarziten, Amphiboliten, Granatfelsen, Syeniten, Dioriten, Diabasen. Die Sedimentärgesteine haben ihre größte Ausbreitung einmal im Benuetiefland und andererseits im Küstengebiet. Im Tale des Benue sind es die sog. Benuesandsteine, die weite Verbreitung haben. Die genaueren Grenzen im Süden sind noch nicht bestimmt. Im Norden reichen sie wohl bis Demssa, Tengelin zum Hossere Duli, wo die Auflagerung auf Granit zu erkennen ist. Auf englischem Gebiete ist die Verbreitung eine ungleich weitere. Das Alter dieser gelben bankigen Sandsteine konnte wegen Fehlens jeder Fossilien bisher noch nicht festgestellt werden. Ein zweites Vorkommen von sedimentären Schichten haben wir im Kreuzfluß, wo wir einen 30-40 km breiten Gürtel von Sandsteinen von Keschan im Norden bis Araru im Süden reichend finden. Es sind helle Sandsteine, die nach Fischresten in ihnen jetzt der unteren Kreide zugerechnet werden. Es liegen in ihnen Tonschichten, die sehr reich an Bitumen sind, ferner sind Kohlenschmitzen gefunden und Soolquellen nachgewiesen. An der Küste von den Fällen des Sanaga bis zu den Ndianfällen im Norden treten überall Sandsteine und Schiefertone auf, die zur oberen Kreide, und zwar zur Emscherstufe gerechnet werden müssen. Im Süden tauchen sie unter tertiären Schichten unter, die aus mürben Sandsteinen, Tonen und Lehmen bestehen. Die in ihnen gefundene Fauna ist eozänen Alters. Die jüngeren Eruptivgesteine bedecken im Westen von Adamaua weite Gebiete. Es sind meist Basalte, Andesite und Trachyte, Laven und Tuffe, aus denen die Decken und Vulkane dieser Gegenden bestehen. Dann haben wir in Mittel-Adamaua einzelne Vorkommen von Basalten, ferner im Mandaragebirge und am Benue. Das Absinken des Mberegrabens ist ebenfalls mit vulkanischen Ausbrüchen verbunden gewesen. - Nutzbare Mineralien: Zinkerze wurden mit Bleierzen verbunden in Gutschumi in Adamaua gefunden. Glimmer kommt abbauwürdig in Essudan, dann bei Babanki Tungo und Kentu, sowie bei Woe Matun vor. Marmor für Gebrauch im Lande bei Bidjar in Adamaua. Bitumen und Kohle in kleinen Flözen bei Mamfe. Erdöl tritt im Dualabezirk in verschiedenen kleinen Quellen zutage. Salz kommt in Form von Kochsalzquellen im Ossidingebezirk vor. Natronquellen sind um Adamaua bekannt geworden, aus Demssa und Ngaundere.

a) Das Küstenvorland. Wir wollen unter diesem Begriff den Streifen niederen Landes fassen, der von der Küstenlinie bis zum Beginn des Anstiegs zum Plateau reicht. Dieser Streifen wird durch den K.Berg (s. Tafel 77) unterbrochen, den wir also noch zu diesem Gebiet zählen wollen, da er als einzelner Vulkan dem Vorland als fremdes Gebilde aufgesetzt ist. Die Küstenlinie von K. bildet einen Bogen, der nach Südwesten geöffnet ist und in dessen innerem, Winkel der K.-Berg gelegen ist. Im Westen haben wir das mächtige Nigerdelta, das eine Flußfahrt von Togo nach K. auf den vielen Creeks möglich macht, im Süden vom K.-Berg das K.-Astuar, das wahrscheinlich ein ehemaliges Delta des Sanaga darstellt. Wenigstens spricht dafür, daß noch eine Wasserverbindung mit dem Sanaga existiert. Weiter im Süden, südlich des Sanaga tritt dann das kristalline Gestein bis an die Küste heran. Dementsprechend haben wir eine verschiedene Gestalt der Küste. Westlich des Kamerunberges bilden sumpfige, flache Mangrovendickichte die Ufer. Dann folgt auf der ganzen Strecke, an der die Hänge des Kamerunberges ans Meer treten, eine steile, zerrissene Kliffküste, an der noch zu sehen ist, wie junge Lavaströme ins Meer geflossen sind. Wieder einen anderen Charakter zeigt die Küste des Kamerunästuars. Dort haben Küstenströmung und Kalema, die beide ungehindert wirken konnten, eine geradlinige Flachküste geschaffen mit Strandwällen und Nehrungen. Dieser Charakter der Küste reicht bis nach Kribi hin. Zwischen Kribi und Kampo tritt das kristalline Grundgebirge direkt bis an die Küste, und dadurch wird stellenweise eine Kliffküste bis 20 m Höhe geschaffen. Denselben Charakter trägt die Küste von Spanisch-Guinea bis zum Kap St. Jean. Hier springt die Küste in rechtem Winkel zurück, um die Bucht von Corisco zu bilden.Im ganzen Umkreis dieses Gebietes scheinen Sedimentärschichten zu liegen, während der Rand des kristallinen Plateaus bis hinter den Rio Muni zurückzutreten scheint. Die Ufer der Bucht von Corisco mit der Bucht von Monda und dem Rio Muni sind flach und mit Mangroven bewachsen. Der Streifen des Küstenvorlandes ist entsprechend dem Vor- und Rücktreten des inneren Plateaus verschieden breit. Er teilt sich wieder in einen alluvialen Streifen und einen kristallinen Streifen. Folgende Tabelle gibt die verschiedenen Breiten an:

 

Ganzes Vorland (km)

Alluv.

(km)

Krist.

(km)

Kap Peleikan . . . . . . 195 45 150
Kap Suellaba . . . . . . 110 85 25
Sanagamündung . . . 130 70 60
Lonji. . . . . . . . . . . . . . 55 5 50
Kampo . . . . . . . . . . . 25-30 - 25-30

Man kann wohl als Regel angeben, daß die ersten Schnellen an allen Flüssen den Anfang des kristallinen Gebiets bezeichnen. Das alluviale Vorland bildet überall ein mit dichtem Urwald bewachsenes, durch ein Gewirr von kommunizierenden Flüssen zerschnittenes, sumpfiges Tiefland. Nach der Küste zu findet man Strandwälle, Lagunen und Mangrovendickichte, in der Tiefe liegen Kreideschichten, die lokal aufgeschlossen sind. Im Norden haben wir das Rio del Rey-Tiefland mit 4 tiefen Buchten, die weit in das Land führen und teilweise mit Dampfern befahren werden können. Mit Flußdampfern kann man die kleinen Küstenflüsse bis zu den Schnellen hinauffahren. Im Süden des K.berges liegt das K.ästuar, das durch den Kwakwa mit dem Sanaga verbunden ist. Wie schon erwähnt, ist das Ästuar wohl das alte Delta des Sanaga, der später weiter südlich durchgebrochen ist. Die Creeks sind teilweise bis 20 m tief, eine schwer zu erklärende Tatsache. Im Hintergrunde der Bucht liegt der schöne Hafen Duala, der Hauptort der ganzen Kolonie. Duala gegenüber liegt Bonaberi als Hafenplatz der Nordbahn. In die K.mündung fließen die Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba, die alle von dem Plateaurand herabkommen und bis zu den Schnellen schiffbar sind. Mit dem K.ästuar unmittelbar in Verbindung steht das Tiefland des Sanaga und des Njong. Das Land steigt hier meist bis zu 10-15 m an und wird stellenweise von bis 60 m hohen Sandsteinwällen durchzogen. An der Grenze des kristallinen Gebietes liegt Edea und der Ossasee. Von da steigt das Tiefland bis zum Dibamba auf 45 m an. Im Süden der Njongbucht wird dann das Alluvialgebiet immer schmäler, bis bei Kribi das kristalline Vorland direkt ans Meer tritt. - Im Zusammenhang mit dem Alluvialland der Küste wollen wir das Massiv des K.berges betrachten, das ihm aufgesetzt ist. Im Norden des K.berges, zwischen ihm und dem Manengubagebirge steigt das Alluvium an seiner höchsten Stelle bis auf 267 m bei Kumbo, südlich des Elefantensees, an. Dieser selbst ist ein Alter Krater, ebenso wie der Diadiasee, zwischen Dibamba und Mungo. Dort liegt auch an der schmalsten Stelle des Schwemmlandes der Rickardsee, ebenfalls ein alter Krater. Der K.berg ist ein aus mehreren Vulkanen zusammengesetztes Massiv von etwa 50 km Durchmesser. Er gehört zu der schon erwähnten, sich von Annobon und Fernando Po hinziehenden Vulkanreihe, und demgemäß ist seine Längsachse nach Nordosten gerichtet, daher sind auch die jüngsten Ergüsse von Südwesten nach Nordosten hin fortgeschritten, von der Mannsquelle bis zum Fako. Der letzte Ausbruch war im April bis Mai 1909. Dabei entstanden 3 neue, kleine Krater. Das Massiv steigt in mehreren Terrassen an. Die erste Stufe liegt etwa in 900 m; auf ihr befindet sich Buea, die zweite Stufe steigt steil bis etwa 2800 m an, und von dieser Terrasse aus erhebt sich bis 4170 m der Faro. Im Westen erhebt sich mit sehr steilen Hängen der etwa 2000 m hohe Etinde, der nach Esch die alte Vulkanruine eines früheren Berges darstellt, der durch die späteren Ausbrüche zerstört und teilweise verschüttet wurde. Auch hier im Westen haben wir erst einen allmählichen Anstieg bis auf etwa 1000 m Höhe. Zwischen dem Etinde und dem Fako liegt inmitten eines in der Ausbruchsrichtung streichenden Zuges von Kratern und parasitären Vulkanen die Mannsquelle, die einzige Quelle, die über dem Waldgürtel sich findet, und daher ein wichtiger Punkt für Besteigungen des Gipfels ist. Alles Wasser verschwindet sonst sofort im porösen Gestein. Der Krater des Fako ist zum größten Teil durch die Erosion zerstört, nur auf der Nordseite ist er teilweise erhalten und bildet hier den Gipfel des ganzen Berges. Eine geschlossene Urwaldzone reicht etwa bis 2200 m hoch empor, doch streckt der Wald an feuchten Stellen, besonders in den Flußtälern, Zungen bis 2700 m hinauf. Dann beginnt ganz unvermittelt das Grasland, das bei 2800-3000 m in eine wilde, vegetationslose Hochgebirgswüste übergeht. Eine ständige Schneebedeckung führt der K.berg nicht, doch halten sich Schneeflecken wohl öfter längere Zeit. Fast immer ist der Gipfel in einer Nebel- und Wolkenschicht verborgen, und nur selten sieht man vom Fuße des Berges aus den Gipfel frei vor sich liegen. An der Küste, am Fuße des K.berges, liegen die beiden Hafenstädte Bimbia und vor allem Victoria, letzteres an der schönen Ambasbucht. Hier, an der zerrissenen Küste des Berges, sind viele gute Häfen, die aber wegen der Schwierigkeit des Zugangs zum Lande wertlos sind. Die Brandung hat die weichen Tuffschichten zerstört und Buchten in den Hang eingegraben, während die härteren Laven als Vorgebirge stehen geblieben sind. Victoria ist der Hafen für Buea, das in 900 m Höhe am Westhang des K.berges gelegen ist. Es ist wegen seiner gesunden Lage Sitz der Regierung geworden. Das südliche Ufer des Rio Muni, das seit dem Novemberabkommen deutsch ist, scheint ein sedimentäres Plateau von geringer Höhe darzustellen. In der Nähe des Rio Muni, und besonders in seinem hinteren Teil, ist das Gebiet sumpfig, so ist z. B. der Bane mit dem Tembone durch Kanäle verbunden. Die Stufe zum kristallinen Plateau liegt etwa 50 km von der Küste entfernt. Ob noch ein kristallines Vorland vorhanden ist, ist ungewiß. Das ganze Vorland liegt etwa 50 m hoch, und diese Erhebung tritt bis nahe an die Küste heran. Der Rio Muni selbst ist ein tiefes Becken, das wahrscheinlich einen guten Schiffshafen abgibt. In Butika legen schon jetzt die Woermanndampfer an. In den Rio Muni fließt der Tembone, der aber im unteren Teil deutsch ist und wie der Noya vom Plateau herabkommt. Das ganze Gebiet ist mit dichtem Urwald bestanden. - Das kristalline Vorland entwickelt sich überall, mit einer deutlichen, wenn auch oft geringen Stufe aus dem alluvialen Gebiet. Im Norden des Rio del ReyTieflandes wird das kristalline Vorland bis zum Abfall des Baliplateaus unter dem Namen der Westkameruner Massivregion zusammengefaßt. Die Stufe zum Tiefland ist im Osten am Mungo, wo dieses selbst sehr hoch ansteigt, gering, wird aber nach Westen immer mächtiger, so daß die Flüsse zum Teil Wasserfälle von außerordentlicher Schönheit bilden. Das ganze Gebiet stellt eine Stufe von etwa 200 m Meereshöhe dar, aus der einzelne Massive hervorragen. Ob das Ganze eine Inselberglandschaft, die einfach abgesunken ist, darstellt, oder von Brüchen und Senkungen zertrümmert ist, ist nicht bekannt, doch spricht das Auftreten von jungvulkanischen Gesteinen für letztere Auffassung. Drei Massive treten besonders hervor: Die Rumpiberge, das Obangmassiv und, schon zur Hauptsache auf englischem Gebiet, die Auaberge. Ein unruhiges Hügelland bildet die Fläche, auf der sie sich erheben. Die Rumpiberge sind ein zerrissenes, urwaldbedecktes Bergland von bis zu 1500 m Höhe, während Obang- und Auamassiv 1000 m nicht übersteigen. Unter den trennenden H ügelländern möge nur die Ossidingesenke mit der anschließenden Banjangbucht erwähnt werden. Erstere ist von den schon erwähnten Sandsteinen der unteren Kreide erfüllt, die bituminöse Schiefer und Kohlenflöze führen sowie Salzquellen enthalten. Die Entwässerung des Gebietes wird einesteils durch kleine Küstenflüsse, wie den Meine, Ndian und Koran, andererseits durch den Kreuzfluß und seine Nebenwässer, besorgt, der erst nach Nordwest fließt und dann in großem Bogen nach Süden umbiegt. Das ganze Gebiet ist mit dichtem Urwald bedeckt, und nur auf den höheren Massiven finden wir einige Grastäler, die Viehzucht zulassen. An Siedelungen haben wir in der Westkameruner Massivregion zuerst Johann-Albrechtshöhe in günstiger Lage, die Straße von Duala nach Ossidinge beherrschend. Ossidinge am Kreuzfluß liegt in dem Zentrum des Ossidingetieflandes und Mamfe am Ende der Schiffahrt des Kreuzflusses. - Zwischen dem Wuri und Dibombe haben wir ein stark zerschnittenes Hügelland von 200-300 m Höhe; dann verbreitert sich das kristalline Vorland und erweitert sich zur sog. Wuri-Njong-Bucht, die am Sanaga eine Breite von 70 km besitzt. Es ist das eine ebene bis hügelige Platte, überall mit dichtem Urwald bedeckt und noch wenig erforscht. Jenseits des Lokundje verschmälert sich dann das Vorland wieder, es bildet eine ebene Fläche, die aber teilweise von markanten Bergen überragt wird. Ein solcher Berg ist der Elefantenberg, der etwa 350 m hoch ist. Ob die Platte eine abgesunkene Inselberglandschaft darstellt, oder ob die Erosion die Hügel stehen gelassen hat, ist zweifelhaft. Bei Kribi tritt die kristalline Zone ans Meer. Kribi ist der wichtigste Hafen an der Südküste, von dem aus wichtige Handelsstraßen ins Innere führen, während Kampo schlechte Landungsverhältnisse besitzt. Außer ihm kommen noch Groß- und Kleinbatanga, letzteres am Njong gelegen, in Betracht. Lolodorf, an der Straße nach Jaunde gelegen, liegt am Fuße der Hauptstufe des Plateaus. Die Flüsse des ganzen Gebietes kommen vom Plateau oder wenigstens vom Rande der Stufe herab.
b) Das Plateau von K. Von dem Küstenvorland steigt man nach Osten meist mit mehreren Stufen auf ein weites Plateau hinauf, das sieh über den größten Teil von K. erstreckt. Es ist der nördliche Teil der sog. Schwelle von Nieder-Guinea, setzt sich ununterbrochen über Spanisch-Guinea und Französisch-Kongo in den Kongostaat hinein fort. Nach Norden endet es ebenfalls mit einer Stufe, und es ist strittig, ob diese Stufe einen Bruch darstellt oder eine Erosionsstufe ist. Auf jeden Fall setzen die Massive von Nordadamaua die Oberfläche des Plateaus von K. fort. Nach Osten zu senkt die Hochfläche sich allmählich und geht ununterbrochen in französisches Gebiet über. Die Oberfläche dieses Plateaus ist nicht gleichmäßig flach; sie ist aufgebogen, zerbrochen, und einzelne Sockel ragen von ihr hervor. Sie besteht zum größten Teil aus archaischen, gefalteten Gesteinen, die Überreste eines einstigen Gebirges sind, von dem die Abtragung einzelne Erhebungen übriggelassen hat. Im Norden haben wir den höchsten Teil, von dem aus sich das Plateau in mehreren Stufen senkt. Im Westen, wo vielleicht der aufgebogene Rand eines Staffelbruchs vorliegt, liegen ebenfalls im Norden die größten Höhen über 2500 m, während sich der Rand im Süden auf 1000 m etwa erniedrigt. Man kann das Plateau von K. in zwei große Gebiete trennen, deren Grenze nördlich der Sanagamulde nach Kunde und von da zum Uam hinüberzieht, im Norden das Hochland von Südadamaua und im Süden die Hochfläche von Süd-K. - Die Hochfläche von SüdK. läßt sich wieder in drei Gebiete teilen, in das Südkameruner Randgebirge, in die Sanagaschwelle und in die Njemplatte. Das Südkameruner Randgebirge ist lediglich der aufgebogene Westrand des Plateaus, der zur Küste steil, wahrscheinlich überall in zwei Stufen abfällt und sich nach Osten zu langsam senkt. Im Norden beginnt es mit der Sanagasenke, und im Süden setzt es sich durch das spanische Gebiet in das französische Gebiet hinein fort. Die erste Stufe von der Küste aus liegt in etwa 300- 600 m Höhe und scheint sich nach Norden zu zu verbreitern, um am Sanaga direkt in die dort 500 m hoch gelegene Plateaufläche überzugehen. Östlich von Kampo sind die Mbembeberge, die vielleicht noch zur ersten Stufe gehören, 700-800 m hoch. Im Süden im deutschen Munigebiet hat es den Anschein, als ob der Plateaurand, der ununterbrochen durch Spanisch- Guinea reicht, auf einer Linie auf der Höhe des Rio Muni abbricht und erst weiter im Osten wieder einsetzt, während zugleich eine Erniedrigung stattfindet. Wir haben auch dort zwei Stufen, die erste in 200 m Höhe etwa, während der Rand der zweiten bis zu 700 m sich erhebt. Der Übergang des Gebirgslandes nach Osten in die wellige und nur durch einzelne Inselberge überragte Hochfläche ist ein allmählicher und daher auch schwer festzulegen. Im Norden sind die Ndogoberge östlich von Jaunde die letzten Ausläufer, weiter im Süden soll der Pfalla die Grenze bilden. Es wird davon abhängen, wie weit sich die vom Rande aus einschneidenden Flüsse bereits eingegraben und die früher vorhandenen Flächen zerrissen haben. Man wird wohl fast g anz Spanisch-Guinea und also auch das ganze südlich davon gelegene deutsche Gebiet zum Randgebirge zählen können. Das ganze betrachtete Gebiet ist mit tropischem Urwald bedeckt, nur am Sanaga im Norden greift das Grasland über die Ndogoberge und auf die erste Stufe bis an Jaunde heran. Die Flußläufe bevorzugen, wie es, bei Bruchstufen oft der Fall ist, zwei Richtungen, einmal parallel zur Stufe und zweitens senkrecht zu ihr. Es scheint sogar, als ob die erste Stufe zuweilen angedeutet wäre durch auffällige Ablenkungen in der Flußrichtung parallel zum Hochlandrande. Die meisten Flüsse haben den Rand durchbrochen und entwässern teilweise große Teile der Hochfläche. Wahrscheinlich haben sie sich große Gebiete der nach Osten hin entwässernden Flüsse leicht erobern können. Der Njong, der den Rand bei den Tappenbeckschnellen durchbricht, entspringt weit innerhalb der Njemplatte, sein Nebenfluß, der Nkele, hat den Rand noch nicht durchbrochen. Der Lokundje und sein Nebenfluß Tjange haben den Rand durchbrochen, haben die Hochfläche noch nicht erreicht. Der Kampo oder Ntem dagegen hat ein großes Einflußgebiet. Der Uelle oder Rio Benito liegt nur mit seinem Oberlauf auf deutschem Gebiet und hat schon einen Teil der Hochfläche erobert. Die Hauptzuflüsse des Rio Muni, der Tembone und der Noja, liegen noch vollständig im Randgebirge. Im Anschluß an das Südkameruner Randgebirge ist noch das zu ihm gehörige Ebomassiv zu betrachten, das nur orographisch von ihm zu trennen ist. Wir hatten im Süden des Sanaga einen fast nördlichen etwas nach Osten gerichteten Verlauf des Hochlandrandes. Am Sanaga macht der Rand eine Biegung, er wendet sich nach Nordwest. Zugleich steigt die Höhe des Randes bis auf über 2000 m. Die Stufe nach Westen fällt steil und wahrscheinlich ohne Vorstufe ab, aber auch nach Osten zum Tal des Mbam soll der Abfall sehr steil sein. Die Hänge des Massivs sind mit dichtem Urwald bedeckt, doch sind auf den obersten Teilen schon Hochweiden und Hochsteppen zu finden. Das ganze Gebiet ist wild und unzugänglich und daher unbewohnt und eine Völkerscheide zwischen Bantu- und Sudannegern geworden. - Die Njemplatte ist eine 600700 m hohe wellige Ebene, die sich durch die großen Flußgebiete in einzelnen Mulden und Schwellen teilen läßt. Andererseits sind die Niveauunterschiede so gering daß meilenweit nicht zu unterscheiden ist, in welchem Flußgebiet man sich befindet. Die Entstehung dieser aus gefaltetem kristallinem Gestein bestehenden Rumpfflächen ist eins der interessantesten Probleme in Afrika. Im Süden, im neuerworbenen deutschen Gebiet, haben die Nebenflüsse des tief eingeschnittenen Ogowe, die also eine relativ große Erosionskraft besitzen, die ursprüngliche Hochebene stark zerrissen. Im Osten des Iwindo tritt ein Sandsteinrand auf. Wir haben dort eine ziemlich bewegte Oberfläche. Im einzelnen ist dies Gebiet außer an den Flußläufen wenig erforscht. Im Osten steigt die Hochfläche zu der Kunabembe-Schwelle an, die etwa 800-900 m hoch ist und die durch den Dscha und Bumba in tiefen Tälern durchbrochen wird. Im Südosten fällt die Kunabembe-Schwelle ziemlich steil zum Sanagatiefland ab. Es ist noch nicht recht ersichtlich, ob sie ein Hügelland ist, oder ob noch einzelne Hochflächen zwischen den Flüssen liegen. Wie in allen diesen von dichtem Urwald bedeckten Gebieten ist die Übersicht dem Reisenden sehr erschwert. Auf der alten Kameruner Südgrenze zieht sich im Laufe des Ntem und des Aina ein langer Sumpfgürtel von Westen nach Osten. Die Wasserscheide zwischen dem Kom und dem Aina bildet eine ebene Fläche. Im Norden dieser Sumpfgebiete liegt ein Hügelland von etwa 100 m Niveauunterschieden, das nach Südosten zwischen Aina, dem Quellfluß des Iwindo, und dem Dscha unmittelbar in die Kunabembe-Schwelle übergeht. Nach Norden von den eben besprochenen Gebieten kommen wir auf die eigentliche Njemplatte, das ist das Stromgebiet der vier Flüsse Dscha, Njong, Dume und Bumba. Man kann bei diesen vier Stromgebieten kaum von Schwellen, die sie trennen, sprechen, so gering sind die Höhenunterschiede, wenn man von einem Flußgebiet ins andere kommt. Ein mächtiges Sumpfgebiet im mittleren Teil der Platte gibt ihnen allen ihre Entstehung und macht es auf weite Strecken unmöglich, die Quellgebiete zu trennen. Mit Ausnahme des oberen Njong ist das ganze Gebiet mit dichtem Urwald bedeckt, der auch dort, wo das Terrain nicht völlig eben ist, den sog. Urwaldsumpf bildet, der die Feuchtigkeit im Ge- wirr der vermodemden Pflanzenreste zurückhält. Das ganze obere Ssangagebiet ist in ein Plateau von durchschnittlich 600 m Höhe eingeschnitten. Der Fluß kommt vom Hochland von Jadé, das die östlichen Ausläufer des Baiaplateaus darstellt, und also schon zum Hochland von Südadamaua zu zählen ist. Wir haben hier die Grenze südlich von Kunde, etwa in der Fortsetzung der Sanagaschwelle nach Osten zum Uam hinüber zu ziehen: Die Grenze des Hochlandes gegen das Tiefland des unteren Ssanga und Ubangi ist schwer zu ziehen; ungefähr richtig wird man wohl gehen, wenn man sie von Bayanga zum Zusammenfluß Mbaere-Lobai und von dort nach Bangi etwa legt. Die Gegend zwischen Mambere (Ssanga) und Kadei wird von einer Schwelle eingenommen, vielleicht ein Ausläufer des Baia- Hochlandes wie die Sanagaschwelle, und sie zwingt den Kadei zu seinem ausgesprochenen Bogen. Die Wasserscheide zwischen Mbaere und Mambere soll nur von geringer Höhe sein, nur einzelne Inselberge von beträchtlicherer Höhe sind ihr aufgesetzt. Weiterhin nach Osten erniedrigt sich das Plateau immer mehr und löst sich zuletzt in Einzelberge auf, um dann allmählich in die Ebenen am Ubangi, in der aber doch immer wieder einzelne Inselberge auftreten, überzugehen. Mehr ist kaum über dieses noch so unbekannte Gebiet zu sagen, zumal man auf französische Literatur angewiesen ist, aus der schwer exakte Tatsachen zu entnehmen sind. Wie im ganzen Südkamerun haben wir auch hier fast nur Granite, Gneise, Glimmerschiefer, aber darin zuweilen Diabase und Quarzgänge, die oft den Anlaß zu Stromschnellen bilden. In den Flußtälern haben wir teilweise schon weite Alluvialflächen, dagegen auf den Plateaus Eluvium, das hier zum Teil den sterilen konkretionären Lateritboden bildet, der für Kultur sehr ungünstig ist. Der umgelagerte Laterit dagegen bildet einen sehr fruchtbaren Boden. - Im Norden der Njemplatte bildet die Sanagaschwelle die Wasserscheide zur Sanagamulde hin. Die Hochfläche steigt auf 600-700 m an, und einzelne bis 200 m hohe Inselberge sind ihr aufgesetzt. Nach Osten geht die Sanagaschwelle ins Baiahochland über, im Westen über die Ndogoberge ins Randgebirge. Wir kommen hier schon aus dem Urwaldgebiet heraus. Das Grasland umfaßt bereits die ganze Njongmulde und zieht sich dann etwas nördlich des Kadei zum Ssanga, um von dort in fast gerader östlicher Richtung zum Ubangi hinüberzulaufen. An den Flußläufen greift der Urwald dagegen noch weit in das Steppen- und Grasland hinein. Die Sanagamulde, die nördlich der Sanagaschwelle sich allmählich herabsenkt, ist zum größten Teil mit weiten Grasflächen bedeckt. Nördlich des Sanaga trifft man auf zahlreiche flache, sumpfige Mulden, die mit Raphiadickicht bewachsen sind. Wenn wir die Südkameruner Hochfläche noch einmal im ganzen betrachten, so sind für sie charakteristisch weite, nur sehr wenig bewegte Flächen, die an den Rändern überall durch die Erosion in ein mehr oder minder zerrissenes Bergland verwandelt sind. Um so seltsamer mutet das plötzliche Auftreten von steilen Massiven oder Bergen an, die sich steil aus der Ebene erheben und die manchmal mitten im Waldlande schwarze, kahle Felskuppen bilden. Die Ebenen sind meist mit Laterit bedeckt, während im Gebirge die Gipfel mit ungeheuren Blockmeeren bedeckt sind. - Zwei Hauptstraßen führen von Kribi aus nach Osten auf das Hochland. Die eine führt über Lolodorf nach Jaunde und von dort zur Dumestation weiter, die andere direkt nach Ebolowa und von dort nach Lomie und Molundu. Damit sind schon die Hauptsiedelungen charakterisiert. Jaunde liegt an der Grenze von Wald und Grasland noch im Randgebirge. Ebolowa, ebenfalls noch im Randgebirge, zwischen den Zuflüssen des Kampo und des Njong. Im Süden ist Molundu der wichtigste Ort, am Zusammenfluß des Bumba und Dscha gelegen und Endpunkt der Handelsstraße über Ebolowa. Die Schiffahrt den Ssanga abwärts ist offen. Nordwestlich liegt Bayanga am Ssanga, ebenfalls am Fuße der Kunabembeschwelle gelegen. Auch von hier ist Schiffahrt Ssanga abwärts möglich. Diese geht aufwärts bis Nola, das am Zusammenfluß, von Ssanga und Kadei gelegen ist und erst 1911 an Deutschland fiel. Weitere Orte im Flußgebiet des Ssanga sind Carnot und Bania am Mambere und Gasa am Libumbi, einem Nebenfluß des Kadei. Es wird sich erst herausstellen müssen, ob sie für Deutschland die Bedeutung gewinnen, die sie bei den Franzosen hatten. In der Mitte der Njemplatte liegen, Lomie, Kam und Dumestation. Im Norden von letzterer, aber schon im Grasland, liegt Gamane, das alte Bertua, wie auch die vorigen Orte an einer wichtigen Handelsstraße gelegen. - Das Hochland von Südadamaua ist ungleich reicher gegliedert als das Hochland von, Süd-K. Von Süden kommend, treffen wir nörd lich der Sanagamulde auf eine 400-700 m hohe Stufe, auf eine Linie, die durch die Orte Sasu, Linte, Joko, Ndumbi und Mande bezeichnet wird. Wir kommen auf ein etwa 1000-1500 m hoch gelegenes Plateau, das man nun wieder in westöstlicher Richtung in drei gesonderte Hochländer teilen kann. in das Balihochland, das Mbamhochland und das Baiahochland. Nördlich dieser Hochländer treffen wir aber noch auf eine weitere Stufe, die uns zu Höhen von 1700-3000 m hinaufführt, und auch hier ist eine Dreiteilung durchzuführen. Wir haben auf dieser höchsten Terrasse des Plateaus von K. das Balihochland, das Kumbohochland und das Ngaunderehochland. Weiterhin nach Norden Fallen diese letzterwähnten Hochländer steil zu der nur ca. 500 m hoch liegenden Fläche der Massivregion des mittleren Adamaua ab. Im Osten haben wir anscheinend ein stufenförmiges Abfallen zu den Ebenen des Scharibeckens. Doch liegen die Verhältnisse hier wohl recht kompliziert, was schon aus dem Vorhandensein des Mberegrabens, der hier in den Rand des Hochlandes eingesenkt ist, hervorgeht. Noch komplizierter sind die Verhältnisse an der Westseite des Hochlandes. Der eigentliche Rand des Plateaus scheint hier in nordwestlicher Richtung, in der Fortsetzung des Ebohochlandes, zu verlaufen. Doch ist ihm in der Mitte, auf der Höhe des K.berges, ein dreieckiger, etwa durchschnittlich 7-800 m hoher Sockel angegliedert, dem wieder einzelne, teils bis 2500 m hohe Massive aufgesetzt sind. Das ganze wird unter dem Namen Manengubahochland zusammengefaßt. Zugleich hat eine starke vulkanische Tätigkeit hier an dem Nordostrande des Plateaus eingesetzt und hat den einheitlichen Charakter des Randes zerstört. Wo aber der Rand deutlich ausgebildet ist, da haben wir nicht wie im Süden ein Abfallen in 2 Stufen, sondern einen einzigen sehr steilen Abbruch. Wir wollen mit der Betrachtung der einzelnen Hochländer im Westen beginnen. Das Balihochland ist das westlichste der drei oberen Hochländer. Es ist ein etwa viereckiger Klotz, der nach Osten und Westen sehr steil, nach Süden ebenfalls steil abfällt und nur nach Norden zu sich allmählich zum Benuetiefland senkt. Der höchste Teil ist das Bamettagebirge, das sich bis auf 3000 m erhebt und ein wildes, rauhes Gebirgsland mit vielen Höhlen darstellt. Nach Nordwesten vom Bamettagebirge folgen die Wadjemberge, die nur noch 1200 m hoch sind und mauerartig nach Bascho zu abfallen. Bei Bali haben wir ein Plateau von 1200-1500 m Höhe, mäßig bewegt, mit 500 bis 800 m hohen Rändern, nämlich im Osten das Bamendagebirge, im Westen das Bamettagebirge. Dieses Hügelland, die sog, Mijasenke, bildet die Wasserscheide zwischen Benue und Kreuzfluß. Sie setzt sich im Norden in das Bafuthügelland fort. Die geologischen Verhältnisse dieses Gebietes sind wenig bekannt, aber wohl recht verwickelt. Basaltdecken, Laven und alte Krater lassen vermuten, daß Brüche und Verwertungen das Gebiet durchziehen. Das Grundgebirge ist altkristallin. Im Norden fließt der Mija oder Metschum zum Katsena Allah und Benue. Die Wasserscheide zum Kreuzfluß läuft auf dem Kamme des Bamettagebirges entlang. Die Urwaldgrenze läuft hier am westlichen Rande des Hochlandes entlang.. Der Übergang vom Waldland zum Grasland ist ein ganz unvermittelter und liegt etwa in 1000 m Höhe. Die wichtigste Stadt dieses Gebietes ist Bali, in der Mijasenke gelegen. - Im Süden des Balihochlandes liegt das Manengubahochland. Vom Ebomassiv ausgehend verläuft in nordwestlicher Richtung ein Steilrand, der eigentliche Rand des ganzen Plateaus, und südwestlich von diesem, also vielleicht als nicht ganz abgesunkene Scholle, beginnt das Manengubahochland. Der 700-800 m hohen Oberfläche dieses Klotzes sind einzelne Hochländer, die beträchtliche Höhen erreichen, aufgesetzt, teils vulkanischer Entstehung, wie überhaupt das ganze Gebiet in der Verlängerung der Vulkanlinie, die von den Guineainseln zum K.berg verläuft, liegt. Am weitesten im Süden liegt das Massiv des Kupe, eine von, mehreren Gipfeln gekrönte Berggruppe, deren Gestein aus Diorit besteht. Doch deuten junge Vulkane und Krater an, daß das Massiv jugendlicher Entstehung ist. Östlich davon trifft man auf das 700-800 m hohe Bakossibergland und im Norden von beiden auf das eigentliche Manengubagebirge, das eine Höhe von 2230 m erreicht. Letzteres besteht aus Basalten und Trachyten und stellt wohl nur eine Reihe junger Vulkane dar, deren Krater und Lavaströme teilweise noch gut erhalten sind. So z. B. im Westen der 3 km breite Epochakrater mit zwei Kraterseen in seinem Grunde. Westlich des Manengubagebirges erhebt sich der sog. Mugozug und in gleicher nordnordöstlicher Richtung ihn fortsetzend die Bafaramiberge, ein unwirtliches, wildes Gebirge. Jenseits des tiefen Quertals des Mbo setzen die Mboberge die Bafaramiberge fort und erreichen wieder Höhen von 2000 m. Nach Westen senken sich die Mboberge langsam zum Batombergland, dagegen fallen sie steil nach Osten zum Nkamkessel ab. Nach Westen haben wir weiter im Norden den Einbruch des Fontem kessels, mit Rändern von 1500-2000 m Höhe. Damit endet das Manengubahochland im Norden. Die Ränder im Süden werden gebildet durch ein 700-600 m hohes Bergland, das sich an den Rand des Plateaus von K. anlehnt und in westlicher Richtung davon durch das Nlonakomassiv, das bis zu 2400 m erreicht. Zwischen ihm und dem Kupemassiv findet sich eine tiefe Senke. Inmitten dieser eben besprochenen Umkränzung von Gebirgszügen liegt in 600-800 m, Meereshöhe der Nkamkessel, der also allseitig von 2000 m hohen Bergen umgeben ist. Der Boden ist sumpfig, weil der einzige enge Abfluß zum Mungo den ganzen fallenden Regen oft nicht schnell genug abführen kann. Dieser Fluß ist also die Hauptwasserader, die das Manengubahochland entwässert. Die Randgebirge werden nach außen durch Nebenflüsse des Mungo, Dibombe und Kreuzflusses entwässert. Die Hänge des Manengubahochlandes sind bis etwa 800-1000 m mit Urwald bedeckt. Dann folgt die Ölpalmenwaldzone und dann bereits das Grasland. Nur die Nkamebene ist ebenfalls mit Gras bedeckt und nur an den zahlreichen Wasserarmen mit Galeriewald bewachsen. Bedeutende Siedelungen gibt es im Manengubahochlande nicht, das ganze Gebiet ist sehr unzugänglich, wenn auch wegen des vulkanischen tiefgründig verwitterten Gesteins äußerst fruchtbar. Die Manengubabahn wird wohl zur wirtschaftlichen Belebung des schönen Landes beitragen. - Jenseits des Fontemkessels, in der Verlängerung der Mboberge, kommen wir zum Bamendagebirge und besteigen damit wieder das Plateau. Der Bamendazug wird durch eine tiefe Senke in die Bainbutoberge und die Mutiberge zerlegt, letztere erreichen bis 2500 m Höhe. Beide bestehen aus altkristallinem Gestein und sind mit jungen vulkanischen Decken teilweise überlagert. Der Paß zwischen beiden Gebirgen, der Babanki Tungo, liegt 1800 m hoch. Der Muti, der höchste Gipfel der Mutiberge, ist ein Vulkan und in seiner Nähe liegt der anmutige Kratersee Bambulue. Das Bamendagebirge gehört schon zur niederen Terrasse des Hochlandes. Nördlich steigen wir noch fast 1000 m auf das Kumbohochland hinauf und betreten damit den gewaltigsten Gebirgsstock von ganz K. - Das Kumbohochland ist ein Plateau von 2000 bis 3000 m Höhe und durch tiefe Einschnitte in mehrere einzelne Massive zerlegt. Auch hier haben wir noch überall Zeugen der vulkanischen Tätigkeit, die diesen Teil K.s heimgesucht hat, in Form von vulkanischen Decken und Kratern. Nach Norden fällt das Plateau einmal steil zu etwa 1000 m hoch gelegenen Gebirgsländern ab und dann nochmals in einer ebenso steilen Stufe zu den 300-400 m hoch gelegenen Ebenen der Benuelandschaften. Im Osten der Mijasenke kommt man auf das Hochland von Bekom, ein 2000 m hoch liegendes Plateau, das steil zu seiner etwas tiefer liegenden Vorstufe, dem Hochlande von Bafum, abfällt. Letzteres ist ein wildes, teils Wald tragendes, zerrissenes Bergland. In ihm liegen die beiden Ndüseen, die wohl als Maarbildungen anzusprechen sind. Weiter östlich von diesen beiden Landschaften kommen wir zu dem Hochland von Oku, m it seiner Vorstufe, die in eine Anzahl von tief gelegenen Kesseln aufgelöst ist. Im Okuhochland findet sich in 2340 m Höhe der Mauwesee, ein alter Krater. Die Wasserscheide nach Süden liegt hier, im höchsten Teil des Kumbohochlandes, in 2800 m Höhe. Das nächste Gebirgsmassiv nach Osten ist zwischen Katsena-Allah und dem tief eingeschnittenen Donga das Banssohochland, eine ziemlich einförmige Hochfläche mit einzelnen Bergen von geringer Höhe. Die durchschnittliche Höhe beträgt 2000 m. Jenseits des Donga liegt ein 2000 m hohes Gebiet, das wenig bekannte Mambilahochland, das weit nach Nordwesten vorstößt. Damit endet der Zug des Kumbohochlandes. Eine tiefe Einsenkung, der Djauro-Gotil-Paß, der kaum 2000 m hoch ist, trennt es vom Ngaunderehochland. Die Entwässerung dieses Kumbohochlandes ist senkrecht zur Längsrichtung. Die Nebenflüsse des Benue, Katsena-Afiah, Donga, Mija und Taraba, fließen vom Nordhang, während die Nebenflüsse des Mbam für die Entwässerung der südlichen Gehänge sorgen. An Siedelungen haben wir in unserem Gebiet eine Reihe auf dem Kamm des Hochlandes längs der Straße, die hier nach Osten zieht. Das sind Bamenda, am Zugang zur Mijasenke und dem Paß von Babanki Tungo gelegen, ferner Bafut, Kumbo und Banjo am Westfuß des Mambilahochlandes, am Zugang zum Genderopaß. - Das Ngaunderehochland schließt sich nach Osten jenseits des Djauro- Gotil-Passes an das Kumbohochland in einer durchschnittlichen Höhe von 1300-1400 m an. Es sind ihm einzelne Massive bis zu 2000 m Höhe aufgesetzt. Nach Norden fällt es steil mit einer 600-900 m hohen Stufe ab, nach Süden ist eine Stufe von 200 m vorhanden, die aber ebenfalls steil zum Siebenstromlande abfällt. Im Osten senkt es sich langsam zum Logonetiefland und ist in eine Reihe von westöstlich streichenden Rücken durch tiefe, grabenförmige Erosionsrinnen zerlegt. Während wir im Westen fast nur altkristalline Gesteine finden, haben wir im Osten, besonders nördlich von Ngaundere, Basaltdecken in großer Ausdehnung und im Gendero und im Labai alte Vulkane. Ganz im Westen ist der Stock des Djauro Gotil gelegen, der wenig bekannt ist, aber eine Höhe von 2000-3000 m erreichen soll. Südlich von diesem Massiv liegt die etwa 1100 m hohe Hochfläche von Galim, die das nördliche Ende der Tibatischwelle darstellt. Verschiedene andere Massive, teils noch völlig unerforscht, sind dem Ngaunderehochland aufgesetzt, von denen nur das Karnagebirge, das durch den Quellfluß des Benue vom eigentlichen Hochland getrennt ist, das Ubakagebirge, das Lakoigebirge im Osten usw. genannt seien. Etwas nördlich von Ngaundere entspringt auf dem Basaltplateau, das mit einer Stufe von 600 m nach Norden abbricht, der Wina, der die östlichen Teile des Plateaus, das hier etwa 1800 m hoch ist, durchbricht. Südöstlich von Ngaundere liegt der Labai und der Bab el Gendero, beides Vulkankegel. Die Entwässerung dieses Teiles des Hochlandes setzt von Norden, Osten und Süden ein. Überall reichen die Wasseradem weit auf das Plateau hinauf. Die Vegetation ist Grassteppe mit Gebüsch, auf den höheren Teilen schöne Hochweiden, aber auch wilde, blockbesäte Abhänge. Die Siedelungen dieses Gebietes sind spärlich. An bedeutenderen haben wir vor allem Ngaundere, in 1118 m Höhe am oberen Wina gelegen, der Mittelpunkt dieses ganzen mittleren Teils von K. und Ausgangspunkt wichtiger Straßen. -Mit einer meist gut ausgebildeten Stufe fallen diese eben besprochenen Hochländer zu der zweiten Etage des Plateaus von K. ab. Das Niveau dieser Hochländer liegt zwischen 1000 und 1500 m, und ihre Entwässerung wird nur durch die Nebenflüsse des Sanaga besorgt. Im Westen haben wir im Flußgebiete des Mbam das sog. Mbamplateau, das sich wieder in verschiedene Hochflächen und Mulden einteilen läßt. Wenn man vom Bamendagebirge, das als schroffer Wall von 2000 m und mehr sich erhebt, blickt, so schaut man nach Südosten auf eine bewegte Hochfläche von 1300-1600 m Höhe, die nach dem Fluß, der sie entwässert, Nunplateau genannt werden kann. Aus dem sonst ziemlich gleichmäßigen Niveau ihrer Oberfläche schauen einzelne schroffe Erhebungen heraus, Inselberge, so z. B. der Bali Rumbat. Nach Westen erhöht sich das Hochland etwas und bildet hier den Rand des Plateaus, der steil zum Nkamkessel abstürzt. Der Hauptsache nach besteht dies Gebiet aus Graniten und kristallinen Schiefern, doch treten im Norden vulkanische Bildungen auf. Dort bilden auch einige größere vulkanische Massive die Grenze des Nunplateaus nach Osten. Das sind die Mbamberge, der Nka Gam und der Batpit. Von den beiden letzteren kann man vermuten, daß sie früher riesige Vulkane waren, der Batpit trägt sogar auf seinem Gipfel einen kleinen See, den Mfusee, der den Boden eines vollständig erhaltenen Kraters ausfüllt. -Nach Osten setzt sich das Nunplateau in gleichmäßiger Senkung zwischen den aufgesetzten vulkanischen Massiven ins Bamumhochland fort, das eine durchschnittliche Höhe von 900-1000 m besitzt und sich gegen Süden zum Mbam und Nun bis auf 700 m senkt. Beide Hochländer sind mit hohem Gras bewachsen, doch geht das Grasland oft in eine offene Parklandschaft über. Der einzig wichtige Ort des ganzen Gebietes ist Bamum in 1180 m Höhe, Knotenpunkt einer Anzahl von wichtigen Straßen. Der Rand beider eben besprochenen Hochländer geht nach Westen unmittelbar in das Ebohochland über, das ja, wie erwähnt, auch nichts weiter ist, als der aufgebogene Rand des K.er Plateaus. Im nördlichen Teil des Mbomassivs geht nach Osten hin das Bafiabergland, das man wohl ebensogut als die Fortsetzung des Bamumhochlandes nach Süden ansehen kann, ebenso wie das Nguttebergland, das seine Fortsetzung nach Osten bildet. Dann hätten wir also ein einheitliches Plateau, das sich von Norden und von Westen senkt und in das sich Nun und Mbam in teils sehr engen Schluchten eingeschnitten haben. Es liegt ungefähr in 900 m, das Bafia- und das Nguttebergland und einzelne Inselberge von 300-500 m Höhe sind ihm aufgesetzt. Nach Süden fällt es mit der erwähnten Stufe zur Sanagamulde ab. - Im Quellgebiete des Mbam liegt das Tikarplateau, das sich nach Osten aus der Mbammulde allmählich bis zu Höhen von 1000 m erhebt. Im Innern sind ihm einzelne Bergmassive aufgesetzt, die 1200 m und mehr erreichen, so die Ngua- und Bumbaberge. Nach allen Seiten ist es von höheren, m eist bis 1200 m hohen Gebirgsrändern eingefaßt. Im Norden haben wir den Rand, der zu den höheren Hochländern, hier dem Kumbohochlande, emporführt. Im Osten erhebt sich die Tibatischwelle, die Wasserscheide zwischen den beiden Hauptnebenflüssen des Sanaga, dem Mbam und Djerem bildend. Sie besteht aus einer Reihe von Massiven, die ohne Stufe nach Westen zu dem Tikarplateau, nach Osten zur Djerembucht abfallen. Im Süden liegt das Dommegebirge, das mit steiler Stufe zur Sanagamulde abfällt und im Westen in die Ngutteberge übergeht, wenn auch eine tiefe, 660 m hohe Senke dazwischen liegt. Das Dommegebirge ist wild und unzugängiglich. Die oberen Regionen sind steinig, mit weiten Blockhalden besetzt, die oft fast alle Vegetation verhindern, ebenso wie es der Fall ist bei den höchsten Teilen der Tbatischwelle. Die niedrig gelegenen Gebiete sind mit Grassteppen oder Parklandschaften bedeckt, und nur an den Flußtälern finden wir Galeriewald, der allerdings bis fast zu den Quellen emporsteigt. Der Verkehr meidet dieses ganze Gebiet, und die Siedelungen, die von Bedeutung sind, liegen daher meist am Rande. Der größte Ort im Innern ist Ngambe, am Kim, einem Nebenflusse des Mbam, gelegen. Joko, am Fuße des Dommegebirges gelegen, ist ein wichtiger Straßenort, ebenso wie Tibati, das am Fuße der Tibatischwelle liegt, schon fast in der Djerembucht. - Von der Tibatischwelle nach Osten gehend, kommen wir in die Djerembucht oder, wie die Fulbe sie nennen, das Siebenstromland. Das Quellgebiet des Djerem, der es mit seinen Nebenflüssen bildet, streckt sich von Osten nach Westen und bildet eine weite Mulde, deren Flüsse teilweise mit Booten befahrbar sind. Im Süden wird sie von der Sanagamulde durch die Ndumbischwelle begrenzt, die den Djerem zu seinem ostwestlichen Laufe zwingt, bis er umbiegt und sie in engem, mit Schnellen versehenem Tal durchbricht. Die Ndumbischwelle bricht nach Süden mit einer steilen Stufe ab, ebenso wie das Dommegebirge, das sie nach Osten fortsetzt. Das ganze Gebiet ist wenig bekannt. Nach Osten zu hebt sich die Djerembucht und die Ndumbischwelle allmählich, um in das weite Baiaplateau überzugehen. Das Baiaplateau ist der Quellknoten aller wichtigen Flüsse, die nach Norden zum Tsadsee, nach Westen zum Meer, nach Süden zum Kongo und nach Osten zum Ubangi fließen. Hier entspringen der Logone, der Schari, der Lobai, der Ssanga und der Sanaga. Im Norden geht das Ngaunderehochland direkt in das Baiaplateau über, im Osten sollen nach Lenfant 2-3 ausgesprochene Stufen zum Logonetiefland hin vorhanden sein, und im Süden senkt es sich allmählich zur Hochfläche von Süd-K. herab. Die durchschnittliche Höhe ist 900-1200 m, und einzelne Berge von 1400 m Höhe sind ihr aufgesetzt. Das Hochplateau wird durch den Mberegraben, einen tiefen Grabenbruch mit 400 m hohen steilen Rändern, in zwei Teile geteilt. Im Norden haben wir bis zum Wina eine ziemlich gleichmäßige Hochfläche, die sich wohl nach Osten zuerst ganz allmählich bis zu den Lukubergen senkt, um dann bis zum Zusammenfluß des Wina und des Mbere schnell zu sinken. Im Süden des Mbere liegt das Hochland von Jadé, ebenfalls eine weite, aber bereits von der Erosion aufgelöste Hochfläche, die mit dreien, das Plateau in einem vollen Halbkreis umziehenden Stufen nach Osten abfallen soll. Eine Reihe von Bergen, von den Bumbabalbergen im Norden bis zu den Karebergen im Osten sollen die aufgebogenen Ränder der ersten Stufe darstellen. Zur Pluvialzeit soll nach Lenfant der Tsadsee den Fuß des Hochlandes von Jadé bespült haben, so erklärt er die Sand- und Geröllmassen, die die Täler erfüllen. Nach Osten setzt sich dann das Plateau zur Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Schari und Ubangi fort. Es herrscht hier derselbe Landschaftscharakter wie im Süden, nämlich weite Ebenen mit einzelnen Massiven oder Inselbergen. Das Hochland von Jadé besteht zur Hauptsache aus Granit; Kristalline Schiefer sollen hauptsächlich an den Flußschnellen auftreten. Am mittleren Mambere und Nana sollen rote Sandsteine auftreten, die beträchtliche Steilhange bilden. Ob wir im Süden einen allmählichen Übergang zu den Plateaus am Ssanga haben, oder ob ein Steilrand vorhanden ist, läßt sich aus der Literatur nicht feststellen. Doch haben wir noch südlich des Uam im Hochland von Buar eine Hochfläche von über 1000 m Höhe. Die Flüsse, die von dem Plateau nach allen Seiten abströmen, sind tief eingeschnitten und sollen an jeder der drei von Lenfant angenommenen Stufen Schnellen besitzen, während dazwischen teilweise fahrbare Flußstrecken liegen. Die Vegetation ist Gras, auf den Höhen lichter Wald, während die Gipfel wahre Blockmeere darstellen, in denen die Dörfer der Eingeborenen vorzügliche Deckung besitzen. Die Hochflächen sind vielfach mit Laterit besetzt. Kunde, im Süden vom Hochland von Jadé gelegen, ist der wichtigste Ort im neu erworbenen Gebiet, ein Kreuzungspunkt wichtiger Straßen. Das ganze Hochland ist nach dem Dorfe Jadé genannt, das im Mittelpunkt der Hochfläche liegt. Nach Lenfant ist Bugaruia der wichtigste Ort des Gebietes.
c) Die Massivregion von Adamaua. Wie wir gesehen haben, steht man im Norden des Plateaus von K. vor einem gewaltigen Absturz. Wir schauen vom Rande dieser Stufe in weite, tief gelegene Alluvialböden und Gesteinsflächen, aus denen aber gewaltige, steil nach allen Seiten abfallende Massive sich erheben, deren plateauförmige Oberfläche die gleiche Höhe besitzt, wie der nördliche Teil des Plateaus von K., etwa 2000 m und mehr Höhe. Der Schluß liegt nahe, eine Fortsetzung des Plateaus nach Norden zu konstruieren. Es ist aber ein noch offenes Problem, ob diese Massive stehengebliebene Horste einer in weiten Gebieten abgesunkenen Hochfläche sind, ob also der Nordrand von K. einem Bruche seine Entstehung verdankt, oder ob die Erosion des Wassers und des Windes die Massive aus der Hochfläche herausgearbeitet hat. Daß diese Erosion beträchtlich ist und in früheren Zeiten noch viel beträchtlicher war, ist wohl anzunehmen. Wir haben hier im ganzen Gebiete in vorzüglicher Ausbildung den Charakter der Inselberglandschaft: f ast völlig ebene Gesteinsflächen, die über weite Räume sich hinziehen, und daraus erheben sich in großer Zahl Berge mit steilen Hängen, deren Fuß teilweise mit Schutt verhüllt ist. Durch das Benuetal wird eine Zweiteilung der Massivregion von Adainaua vorgenommen. Wir haben also 3 Gebiete: die Massive von Mitteladamaua, das Benuetal und die Massive von Nordadamaua. Mitteladamaua können wir im Westen begrenzen durch eine Linie, die wir von den Ausläufern des Baliplateaus im Norden bis zum nördlichsten Punkte des Benue ziehen. Im Süden haben wir den Steilrand des Plateaus von K., im Norden das Benuetal und im Osten die letzten Ausläufer des Ngaunderehochlandes. Im Norden des Steilrandes von Südadamaua gelangen wir -zuerst auf eine Reihe von Inselbergplatten, die nur durch niedrige Wasserscheiden voneinander getrennt sind. Es sind das von Westen nach Osten: die Inselbergglatte von Gaschaka, die Farobucht, die Benuebucht und die Inselbergplatte von Bubandjidda. Die Inselbergplatte von Gaschaka wird von dem Taraba und seinen Nebenflüssen entwässert. Die Ebenen liegen in einer Höhe von 250-400 m, während die Inselberge aus einem Plateau von 1000-1500 m Höhe herausgeschnitten zu sein scheinen, so z. B. der Alkasin. Im Süden wird die Platte durch das Kumbohochland begrenzt, im Norden durch das steile Massiv des Tschebtschigebirges. Im Osten erhebt sich das Land nur wenig; ebene Flächen in der Höhe von 600 m bilden die Wasserscheide gegen die Bucht von Faro. Nach Westen öffnet sich die Bucht gegen das breite Benuetiefland. Die Inselbergplatte von Gaschaka setzt wegen der breiten Talflächen dem Verkehr kein Hindernis entgegen. Die Vegetation besteht aus einer lichten Buschsteppe, die teilweise in eine Parklandschaft übergeht. Der einzige, wenig bedeutende Ort ist Gaschaka, am Fuße des Kumbohochlandes gelegen. Nach Osten zu gelangt man über eine nur 550 m hohe Wasserscheide in die Farobucht, die vom Faro und seinem Nebenflusse, dem Mao Deo, entwässert wird. Im Norden ragen die Massive des Alantikagebirges und des Ssarigebirges, zwischen denen der Faro nach Norden zum Benue fließt, empor. Im Süden liegt der geschlossene Wall des Ngaunderehochlandes, das im Osten der Farobucht einen Vorsprung nach Norden sendet, das Karnagebirge, während gleichzeitig von Norden aus vom Ssarigebirge ein Basaltplateau ausgeht, die zusammen mit dazwischenliegenden Massiven die Wassergegen die Benuebucht bilden. Die Farobucht ist eine von einzelnen Inselbergen überragte Ebene, die im Innern noch wenig bekannt ist, und deren Vegetationsdecke wohl zur Hauptsache in Steppenbuschwald besteht. Im Westen liegt der Ort Kontscha, an der Hauptroute nach Norden. Mehrere bequeme Übergänge führen zwischen den Massiven im Osten der Farobucht zur Benuebucht hinüber. Diese, im Quellgebiet des Benue gelegen, geht nach Nordosten unmittelbar in die Inselbergplatte von Bubandjidda über. Der Benue reicht tief in die Hochfläche von Ngaundere, südlich der Karnaberge, hinein. Die Ebenen im Norden bestehen überwiegend aus Gneis, besitzen eine Höhe von 300-400 m und werden von zahlreichen Inselbergen und kleinen Massiven überragt. Weiter im Osten scheint die Inselberglandschaft, nach den Karten zu urteilen, allmählich in die Ausläufer des Ngaunderehochlandes überzugehen, um sich dann gemeinsam zum Kebbigneisland hinabzusenken. Auch hier scheint überall Buschsteppe vorzuherrschen, die sowohl Ebenen wie Inselberge und Massive bedeckt. - Wir kommen dann weiter im Norden zwischen den eben besprochenen Inselberglandschaften und dem Benue zu einer Gruppe von vier größeren Massiven, die wieder kleinere Inselbergplatten zwischen sich einschließen. Im Westen beginnend haben wir, zum größten Teil allerdings auf englischem Gebiet liegend, das Tschebtschigebirge, ein in nordöstlicher Richtung gestreckter Wall von 1800-2000 m Höhe, das durch die Erosion teilweise tief zerschnitten ist. Es besteht zur Hauptsache aus Granit, dem Basaltdecken aufgesetzt sind, während im Norden die Hänge schon von Benuesandstein gebildet werden. Wie alle diese Massive ist es mit Buschwald bedeckt. Im Osten folgen das Werregebirge und das Alantikagebirge. Das Werregebirge steigt direkt mit steilen Hängen aus dem Benuetal bis zu über 1200 m Höhe an. Das Alantikagebirge bildet einen langen nach Nordosten gestreckten Zug von ca. 2000 m Gipfelhöhe mit außerordentlich steilem Abfall nach Osten. Zwischen beiden zieht sich eine breite Ebene nach Norden. Inmitten der drei bereits behandelten Massive liegt die Dalamiplatte, die nach Süden zu in die Laroplatte übergeht. Das nächste Massiv nach Osten zu ist das Ssarigebirge, das eine Höhe von ca. 2000 m haben soll. Es ist durch die nur schmale Ebene des unteren Faro vom Alantikagebirge getrennt. - Das Benuetal liegt bei Garua nur 210 m hoch und ganz im Osten bei Rei Buba erst 277 m. Aus dem englischen Gebiet im Westen zieht sich die Region des Benuesandsteins bis östlich von Garua in deutsches Gebiet hinein. Die Oberflächengestaltung dieses Sandsteingebietes ist schwach hügelig, nur zuweilen heben sich einige Sandsteinketten oder aus dem Sandstein hervorragende kristalline Inseln über das allgemeine Niveau. Dann bricht der Sandstein mit steilem Rand nach Osten ab, doch haben sich einzelne Zeugenberge aus Sandstein, die dem Grundgestein aufgesetzt sind, erhalten, so z. B. das 300 und mehr Meter hohe Tengelingebirge. Weiter im Osten folgt dann ein hügeliges Terrain, das allmählich in das Kebbigneisland, dem zahlreiche Inselberge aufgesetzt sind, übergeht, so z. B. die Hossere, Gore, Duli und Basima. In den Flußtälern sind hier überall mächtige Alluvionen abgesetzt. Baum- oder Buschsteppe bedeckt das ganze Land. Der wichtigste Ort des ganzen Nordens unserer Kolonie ist Garua am Benue, mit Schiffahrt zum Niger. Ferner kommt Rei Buba am Mao Rei in Betracht, dann Adumre, Bipare und Lame, meist große Siedelungen der Eingeborenen und an wichtigen Straßen gelegen. - In Nordadamaua bildet nur ein einziges Massiv den Knotenpunkt aller Gewässer, die von ihm allseitig abfließen. Es ist das das Mandaragebirge, ein Plateau von 800-900 m Höhe mit Gipfelhöhen bis zu 1200 m, in südwestlich- nordöstlicher Richtung gestreckt und durch die Erosion und breiten Ebenen von allen Seiten zugänglich gemacht. Im Innern haben wir ein relativ geschlossenes Plateau, dann folgen die aufgelösten Ränder, die allmählich wieder in eine zuerst recht geschlossene, dann aber immer lichter werdende Inselberglandschaft übergehen. im Westen scheint der Abbruch des Plateaus ein ziemlich steiler zu sein, während nach Osten und besonders nach Süden der Übergang zu den Ebenen des Tsad und Logone und Benue ein viel allmählicherer ist. Bekannte Inselberge oder kleine Massive sind im Süden der Hossere Holma, im Osten die Hossere Ndili, Hossere Marua, der Mendif und andere. Die Vegetation des Mandaragebirges besteht meist aus Buschsteppe oder Dorngestrüpp, das aber ziemlich licht steht. Die Siedelungen dieses Gebietes liegen am Fuße und in den Tälern des Mandaragebirges, so vor allem Marua im Osten, das Zentrum von Nordadamaua, ferner Mora im Norden. In dem Gebirge liegen die weniger wichtigen Orte Gauar und am Westrand Madagali, Mubi und Uba. Die Entwässerung des Gebirges wird vor allem von Nebenflüssen des Benue und Schari aus besorgt, während der direkt in den Tsadsee mündende Jadseram nicht weit ins Gebirge hineingreift.
d) Das Logone - Tsadseebecken. Im äußersten Nordosten unserer Kolonie betreten wir weite Alluvialebenen. Die Grenzen dieses Gebietes, wo das Gestein von Alluvien bedeckt ist, sind natürlich schwer festzustellen. Außerdem tauchen vereinzelte Gesteinskuppen als Inselberge mitten aus dem Schwemmland hervor. Im Mandaragebirge beginnen die Alluvien direkt am Fuß der Berge, wo auch noch überall Inselberge auftreten, die erst in weiter Entfernung vom Gebirge verschwinden. Dann greift das Tiefland im Tal des Mao Kebbi weit nach Westen, aber im Süden dieses Flusses tritt sofort der Felsboden zutage. Weiter im Süden verläuft die Grenze des Gneislandes und Alluviallandes wohl nicht weit vom Logone entfernt, zieht sich dann aber von Jerokol aus tief den Mbere entlang nach Westen hin. Die ersten Schnellen des Logone liegen erst eben vor Kaitia. Von dort aus, von Jerokol geht die Grenze etwa nach Kagopal und Gore, um von hier aus direkt nach Osten weiterzuziehen zum Bahr Sara. Der Tsadsee liegt etwa 290 m hoch, und von dort aus steigt das alluviale Gebiet ganz allmählich nach Süden, mit fast unmerklichen Neigungen bis auf 400 m an. Diese Alluvien bestehen aus Lehmen und Sanden mit einzelnen Vorkommnissen von Kalktuffen. Die Flüsse haben sich zum Teil mit steilen Ufern in diese Ablagerungen eingeschnitten, so daß in Gegenden, wo das Netz der Wasserarme sehr dicht ist, einzelne Plateaus direkt herausgeschnitten sind. Man kann wohl annehmen, daß früher die Seebedeckung eine viel größere war, daß der Tsadsee vielleicht das ganze Tsad-Logonebecken ausgefüllt hat. Die Franzosen nehmen an, daß damals ebenfalls ein jahreszeitliches Sinken des Seespiegels stattgefunden habe, und daß dann die Flüsse die vielen regellosen und jetzt für die Entwässerung unnützen Trockentäler und Sümpfe geschaffen haben. Im ganzen Logonebecken soll der Grundwasserspiegel ständig eine gleiche Höhe haben, und zur Regenzeit ein Teil der Flüsse, so z. B. der Penndé, die größte Menge ihres Wassers an das Grundwasser abgeben. Der Penndé erhält durch seine Nebenflüsse ungeheure Wassermengen zugeführt und ist zur Regenzeit doch nur 80 m breit im Unterlaufe. Dagegen führen Uam und Logone zur Regenzeit ganz bedeutende Wassermassen in den Tsadsee und überschwemmen ihre Ufer auf weite Strecken hin. Der Tsadsee hat ein Areal, das im Laufe der Zeit die größten Schwankungen gezeigt hat. Nachtigal gibt es auf 27 000 qkm an. Augenblicklich sind überhaupt nur noch zwei Becken ständig mit Wasser bedeckt, eins vor der Mündung des Schari und eins vor der Mündung des Komadugu. Der Nordteil ist versandet. Die Uferlinie ist im Süden schwer festzustellen wegen der dichten Röhrichtdickichte, die kaum zu durchdringen sind. Im Osten ist der sog. Archipel, eine Unmenge von länglich parallelen Inseln, die wegen ihrer Form als Dünen gedeutet wurden. Nach Osten geht der Bahr el Ghasal als tiefgelegene, teils sumpfige Niederung nach Borku hinein, der als früherer Abfluß des See angesehen wird. Jetzt ist der See abflußlos. Das Gebiet zwischen Jadseram und Schari ist ausgezeichnet durch die Unmasse von Kanälen und toten Wassern, die besonders vom Schari ausgehen und überall in den Tsad münden. Einzelne Inselberge ragen aus dem Tiefland auf, so der Mendif, dann die Kuppe von Balda, ferner nördlich des Taburi die Berge von Daua. Der Boden ist auf weite Strecken hier von dem sog. Firki bedeckt, einem schwarzen, zur Trockenzeit mit tiefen Rissen zerspringenden Humusboden. Zur Regenzeit bildet er einen unter Wasser stehenden Sumpf. Im Westen bildet der Jadseram die Grenze des deutschen Gebietes. Er kommt vom Mandaragebirge, an dessen Westhängen er entlang fließt. Er steht mit seinen Nebenarmen mit denen der übrigen Flüsse, die vom Mandaragebirge kommen, sowie mit denen des Schari und des Logone in Verbindung. Doch sind alle diese Kanäle zur Trockenzeit meist wasserleer. Die großen Kanäle, die vom Schari und Logone ausgehen, sind er Sserbeal, der Sawal, der Mere Rura, der Kulal Mardia und der Matia. In letzteren münden die zwei vom Mandaragebirge herabkommenden Flüsse Jegoa und Tsanaga. Eine interessante Tatsache ist, daß der Schari in offener Wasserverbindung mit dem Benue steht und zwar vermittelst des Mao Kebbi und der Tuburisümpfe. Inwieweit und wie oft der Logone hier zum Benue seine Wassermassen sendet, ist noch nicht ganz bestimmt. Wahrscheinlich ist, daß der Benue und der Mao Kebbi im Laufe der Zeit, wenn der Mensch es nicht verhindern wird, den Logone und damit wohl auch den Schari anzapfen wird und damit das Tsadseebecken zur Wüste werden ließe. Die Grenze des deutschen Gebietes läuft den Logone und dann den Penndé, wie der östliche Logone besser genannt wird, hinauf bis Gore, um von dort nach Süden weiter zu verlaufen. Bei Gore liegt auch der Eintritt des Penndé in das Alluvialland. Westlich dieser Logonelinie liegt das sog. Zwischenstromland zwischen Schari und Logone, das seit dem Novemberabkommen an Frankreich abgetreten ist. Am linken Ufer des Logone ist wahrscheinlich nur noch ein schmaler Gürtel des Alluviallandes vorhanden, der sich aber wohl weit am westlichen Logone hinaufzieht. Zwischen Logone und Penndé liegt das Lakkaland, fruchtbare Ebenen, die oft mit 20 m steilen Rand zu den in die Alluvien eingeschnittenen Flüsse abfallen. Die Vegetation dieses Gebietes ist Buschsteppe und Grasland. Dieser Charakter ändert sich nördlich der Tuburisümpfe. Dort tritt die Dornbaumsteppe auf, die den ganzen nördlichen Teil des Tsadbeckens einnimmt und die sich im Unterlauf des Schari zu einem dichten Dornbuschwald verdichtet. An den Flußläufen haben wir Sumpfvegetation und am Tsadsee einen wohl 20 km breiten Schilfgürtel. Die Siedelungen liegen zur Hauptsache an den schiffbaren Strömen, so am Jadseram Bama und Dikoa, am Schari Gulfei, am Logone Kusseri, Musgam, Lai, am Kebbi Lere. Lame und Binder sind Knotenpunkte wichtiger Straßen.
e) Das Ssangatiefland. Wir haben die Grenze zwischen dem Hochland von K. und dem Ssangatiefland von Wesso nach Bera Ngoko und von dort in einem nach Süden offenen Bogen, etwa zur Mündung des Lobai, gezogen. Der Beginn des Plateaus wird beim Ubangizipfel durch die die Schiffahrt hindernde erste Schnelle des Ubangi, die sog. Schnelle von Singa, angezeigt. Es ist nun aber nach der französischen Literatur nicht nachzuweisen, wo die Schnellen liegen, ob oberhalb oder unterhalb der Einmündung des Lobai. Das Ssangatiefland bildet einfach den nördlichen Teil des gewaltigen Kongobeckens und liegt in etwa 350- 400 m durchschnittlicher Höhe. Da das Gebiet nur von den Flüssen aus bereist ist und noch niemand ins Innere gekommen ist, so ist schwer, etwas über die Natur des Landes zu sagen. Wahrscheinlich ist, daß das mit dichtem Urwald bedeckte Sumpfland zur Regenzeit, und das ist die längere Hälfte des Jahres, zum größten Teil unter Wasser steht. Eines weiteren Urteils muß man sieh wohl vorläufig enthalten. Der deutsche Ssangazipfel liegt einerseits zwischen dem Kandeko- und Likuala- Mossaka und andererseits dem Likuala-Essubi, oder wie die Franzosen ihn nennen, den Likuala aux Herbes, beides Flüsse, die gemeinsam mit dem zwischen ihnen fließenden Ssanga mit einem Gewirr von Flußarmen, sich in das Gewirr der Flußarme des, Kongo ergießen. Auch noch weiter oberhalb ist der Ssanga mehrmals mit den beiden Likuala durch Kanäle verbunden. Der Ssanga selbst fließt in großen Windungen zwischen sumpfigen, undurchdringlichen Uferwaldungen dahin, der Schiffahrt aber keine Schwierigkeiten bereitend, wenn es auch oft schwer ist, in dem Gewirr von Flußarmen den richtigen herauszufinden. Die Vegetation des ganzen Gebietes ist dichtester Urwald, der schwer zu durchdringen sein wird. Am südlichen Ende des Ssangazipfels liegt Bonga am Kongo, ein aus einigen Hütten bestehender elender, sehr ungesunder Ort, der aber wegen seiner Lage für unsere Kolonien Wichtigkeit erlangen wird. Sonstige Siedelungen sind kaum erwähnenswert.

3. Gewässer. Man kann in K. fünf große Stromsysteme unterscheiden. Das sind:
a) die Flüsse, die zum Meere fließen, b) die Flüsse, die dem Benue zufließen, also damit dem Nigersystem angehören, c) die in das abflußlose Tsadseebecken fließenden Flüsse, d) die zum Kongo und Ubangi gehörenden Zuflüsse, und e) ganz im Süden die Quellflüsse einiger Nebenflüsse des Ogowe. Die Hauptwasserscheide geht bei dieser Verteilung des Flußnetzes auf dem Nordrand des Plateaus von K. entlang, und zwar vom Ebomassiv ausgehend zum Bamendagebirge, dann auf dem Kamm des Kumbohochlandes zum Kamm des Ngaunderehochlandes und von dort zum Baiaplateau, in dessen südöstlichem Teile, dem Hochland von Jadé, wir den Quellknoten des ganzen Gebietes besitzen. Hier entspringen der Sanaga, die Quellflüsse des Ssanga, der Uam, als Quellfluß des Schari, sowie die beiden Quellflüsse des unteren Logone, der westliche Logone und der Penndé. Die Wasserscheiden gehen von diesem Zentrum nach allen Seiten. Die Wasserscheide zwischen den Flüssen, die zum Meer abfließen, und denen, die dem Kongo zufließen, geht auf der Sanagaschwelle entlang, um von dort nach Süden in die Sumpfwasserscheiden der Njemplatte überzugehen, wo es schwer hält, die Quellflüsse verschiedenen Stromsystemen zuzuteilen. Südlich des Dscha teilt sie sich in zwei Äste, die die Quellen des Iwindo zwischen sich einschließen, die aber beide wenig markant sind. Die Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Tsadbeckens und denen des Kongobeckens ist ebenfalls wenig markant; sie senkt sich mit dem allgemeinen Niveau der Landschaften nach Osten zu. Ein seltenes Vorkommen ist, daß in K. zwei Stromsysteme, das des Tsadbeckens und das des Niger untereinander durch den Tuburisumpf in Verbindung stehen, und daß zu den feuchten Jahreszeiten ein Teil des Logonewassers dem Meere zugeschickt wird. Man nimmt an, daß hier eine Wasserscheideneroberung vom Benue aus stattgefunden hat, und daß der Mao Kebbi, der Ausfluß der Tuburisümpfe, bestrebt ist, den ganzen oberen Logonelauf sich tributär zu machen.
a) Die Küstenflüsse. Man kann unter den Flüssen, die ihr Wasser ins Meer führen, zwei Arten unterscheiden, je nachdem sie den der Küste parallel verlaufenden aufgebogenen Rand des inneren Plateaus durchbrochen haben, oder ob sie auf diesem entspringen. Danach spricht man von Vorlandflüssen und Hochlandflüssen. Zu ersterer Kategorie gehören alle kleineren Küstenflüsse sowie auch der Kreuzfluß, der allerdings nur mit seinem Oberlaufe auf deutschem Gebiet liegt. Solche sind z. B. der Akpa Korum, der Ndian, der Meme, ferner Mungo, Wuri und Dibamba, sowie der Lokundje und Lobe und endlich im Süden von Spanisch-Guinea der Ndua. Von den Flüssen, die weit auf das Hochland hinaufreichen, ist der größte der Sanaga, der von dem äußersten Ostrand des Hochlandes entspringt. Ferner gehören zu dieser Kategorie der Njong und der Kampo oder Ntem. Wir wollen mit den kleinen Vorlandflüssen beginnen. Der Kreuzfluß oder Cross River gehört nur in seinem Oberlaufe zu unserem Gebiet. Seine zahlreichen Quellflüsse entspringen auf dem Rand des Plateaus vom Manengubagebirge bis zum Baliplateau. Er durchfließt dann in westnordwestlicher Richtung das OssidingeTiefland und beschreibt auf englischem Gebiet einen großen Bogen, um die Westkameruner Massivregion zu umgehen. Er mündet mit einem ausgedehnten Ästuar, das mit dem Ästuar von Rio del Rey zusammenhängt. Der Kreuzfluß ist bis Mamfe schiffbar und führt daher einen großen Teil des Handels des westlichsten Teils unserer Kolonien zum Meer. Er fließt völlig von den Quellen bis zur Mündung im Urwald, der aber nicht weit von seinem Talweg nach Norden aufhört. Ossidinge und Mamfe sind die wichtigsten an ihm gelegenen Siedelungen. Die beiden nächsten in das Rio-del-Rey-Ästuar mündenden Küstenflüsse sind der Akpa Korum und der Ndian, ersterer die Grenze gegen Nigeria bildend. Beide entspringen auf dem Anom-Bergland und fließen völlig im Waldland. Sie sind wohl nur in ihren untersten Mündungsgebieten schiffbar, wo sie durch ein Netzwerk von Creeks mit dem Hafen Rio del Rey verbunden sind. Der nächste ebenfalls in das Rio-del-Rey- Ästuar mündende Küstenfluß ist der Meme, der von den Rumpibergen herabkommend erst nach Süden fließt, dann durch den Kamerunberg nach Westen abgelenkt, diesen umfließt. Für die Schiffahrt kommt er nicht in Betracht. Jenseits des Kamerunberges münden im Kamerunästuar die drei im Unterlauf schiffbaren Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba. Der Mungo entspringt an den Westhängen des Bamendagebirges, biegt dann nach Süden um und fließt zwischen Manengubagebirge und Kamerunberg hindurch, um mit einem Netzwerk von Creeks in die Kamerunbucht zu münden. Er ist bis Mundame, also bis zum Beginn des kristallinen Vorlandes, schiffbar. Der Wuri, der längste dieser drei Flüsse, ist bis Jabassi schiffbar und entspringt mit seinen Nebenflüssen auf dem Plateaurand vom Ebomassiv bis zum Manengubahochland. Seine Hauptquellflüsse, von denen wohl der Nkam der Hauptfluß ist, der das ganze Innere des Manengubahochlandes entwässert, sind außerdem noch der Dibombe, der vom Manengubagebirge kommt und bis Nganga schiffbar ist, und der Makombe. An der Mündung des Wuri liegt der Haupthafen der Kolonie Duala. Der dritte der in die Kameruner Bucht mündenden Flüsse ist der Dibamba, der bis Bengange Schiffahrt erlaubt und auf den Vorbergen des Ebomassives entspringt. Wir überschlagen die großen vom Plateau herabkommenden Flüsse Sanaga und Njong und treffen im Süden zuerst auf den Lokundje, der am Plateaurand entspringt, für die Schifffahrt überhaupt nicht in Betracht kommt. Schon 10 km von der Küste beginnen die Schnellen. Wo der Fluß aus der letzten Plateaustufe heraustritt, liegt Lolodorf. Ebenso wie der Lokundje sind der Kribi und der Lobe im Oberlauf tief eingeschnittene Erosionstäler, im Unterlauf von Schnellen unterbrochene Flüsse, die für die Schifffahrt unbrauchbar sind. An der Mündung des Kribi liegt in einer kleinen Bucht der bedeutendste Handelsplatz von Südkamerun, Kribi. Nahe der Mündung des Lobe liegt Groß-Batanga. Der Hauptfluß von Spanisch-Guinea ist der Uelle, der mit seinen Quellen auf deutschem Gebiet liegt und daher hier betrachtet werden muß. Der Uelle entspringt bei Andum, verläuft erst in westlicher Richtung und durchbricht 2 Stufen des Plateauabfalles, jedesmal erst nördlich oder südlich an ihr entlang fließend. Vom Meer aus ist der Uelle 20 km mit Dampfbooten schiffbar. Die Schiffbarkeit des Oberlaufes beginnt in Fen und endet in Akulaban. In dem südlich von Spanisch-Guinea gelegenen Munizipfel besitzen wir in dem Temboni noch einen kleinen schiffbaren Küstenfluß, der bis Ekododo mindestens für Küstendampfer befahrbar ist. Der Temboni liegt nur im Unterlauf auf d eutschem Gebiet, während der südlichere, ebenfalls in den Rio Muni mündende Ndua oder Noja fast ganz deutsch ist. Wieweit dieser breite Fluß im Unterlauf schiffbar ist, muß sich durch die Erforschung zeigen. -Von größerer Bedeutung sind die großen Küstenflüsse, die Hochlandflüsse Kampo, Njong und Sanaga. Der Kampo bildet an seinem Unterlaufe die Grenze gegen Spanisch-Guinea. An seiner Mündung liegt der Hafenplatz Kampo, die Schiffahrt auf dem Kampo ist aber von hier aus nur einige Kilometer weit möglich. Der Ntem, wie der Kampo auch heißt, entspringt etwa auf 12° 36' östl. L. südlich der alten deutschfranzösischen Grenze und läuft zuerst bis Minvul in sumpfigen Niederungen. Dann beginnt die Schiffbarkeit bis zum Einfluß des Kom, der wohl eigentlich der Hauptzufluß des Kampo ist. Beim Einfluß des Ke, der von Süden kommt, ist er schon 200 m breit. Außer dem Kom strömen ihm von Norden noch mehrere wichtige Zuflüsse zu, so der Mboro und der Mwila, die beide aus der Gegend von Ebolowa kommen. Eine eigentümliche Erscheinung ist es beim Kampo, daß er sich zweimal mitten im Gebirge in 2 Arme teilt, die erst nach kilometerlangem Lauf sich wieder vereinigen. Die erste Gabelung findet auf der zweiten Plateaustufe statt, und gleich darauf wiederholt sich das Phänomen noch einmal. Die dritte Gabelung liegt eben vor der Mündung und hat eine Länge von über 45 km. Der ganze Lauf des Kampo liegt in Urwaldgebiet. Weit wichtiger als der Kampo ist der Njong, der auf der Njemplatte entspringt, im westlichen Lauf den Plateaurand in tiefem, an Wasserfällen reichem Tal durchbricht, um dann in ruhigem, zuletzt südlichem Laufe dem Meer zuzuströmen. An seiner Mündung ist er über 600 m breit und bis Dehane, also etwa 60 km, weit schiffbar. Dann treten die ersten Schnellen auf, die sich, je mehr wir uns dem Plateau nähern, mehren. Die Tappenbeckschnellen sind die letzten, und damit beginnt auch wieder die Schiffbarkeit des Njong, die bis Abong Mbang möglich ist. Die wichtigsten Nebenflüsse des Njong sind der Nkele, der vom Plateaurand herunterkommt und dem Ngong im Vorland zufließt, sowie der Pfalla mit dem Sso, die beide von Süden kommen und noch auf dem Plateau münden. Im Unterlauf fließt der Njong im Urwaldgebiet, im Oberlauf wird er von dichten Galeriewäldern bis hinauf zu seiner Quelle umsäumt. An seinem Oberlaufe liegt das wichtige Abong Mbang, der Endpunkt seiner Schiffbarkeit, weiter unterhalb Akonolinga. Der mächtigste der direkt zur Küste fließenden Flüsse ist der Sanaga, der auf dem östlichen Rande des Kameruner Plateaus entspringend, dieses also in seiner ganzen Breite durchfließt. Auf seinem ganzen Laufe fließt er hauptsächlich in westsüdwestlicher Richtung. An seiner Mündung ist er durch schiffbare Creeks mit dem Kamerunästuar verbunden. Seine Schiffbarkeit reicht im Unterlauf nur bis Edea, wo die ersten Schnellen auftreten. Er durchbricht den Plateaurand, wo dieser seine Richtungsänderung vornimmt, wodurch eine Weite Bucht gebildet wird. Aber auch nach Überwindung der Stufe folgen sich eine Schnelle nach der anderen, so z. B. die Nachtigalschnellen, so daß der Strom nur auf einer ganz kurzen Strecke von etwa 50 km unterhalb Ndo schiffbar ist. Sein Quellfluß ist der Lom, der auf dem Hochland von Jadé entspringt. Von rechts fließt ihm sein größter Nebenfluß zu, der Djerem, der östlich von Ngaundere entspringt und das Siebenstromland entwässert. Unterhalb hat der Sanaga bereits eine Breite von 500-1000 m. Die nächsten Nebenflüsse von Norden sind der Djam und der Dschi, die beide vom Dommegebirge herabkommen. Unterhalb der Nachtigalschnellen mündet ebenfalls von Norden der Nbam mit seinen Nebenflüssen Kim und Nun. Alle von Süden kommenden Flüsse sind unbedeutend. Wir sehen also, daß der Sanaga den ganzen nördlich der Sanagaschnelle gelegenen Teil des Kameruner Plateaus entwässert, und außer einer kleinen Strecke im Mittellauf und eines Teils des Siebenstromlandes nirgends Schifffahrt erlaubt. Auch der Sanaga ist auf seinem ganzen Verlaufe auf dem Plateau von dichten Galeriewäldern umgeben. Wichtige Orte liegen weder an ihm noch an seinen Nebenflüssen, ausgenommen Edea, den Endpunkt der Schiffbarkeit des Unterlaufs.
b) Das Nigersystem. Die dem Nigersystem angehörenden Gewässer K.s fließen nur dem diesem tributären Benue zu. Der Benue, ein linker Nebenfluß des Niger, entspringt auf dem Ngaunderehochland, fließt zuerst nach Norden und biegt dann in großem Bogen, die Massivregion Nordadamauas durchfließend, in westliche Richtung um, und nimmt dann seine Hauptrichtung WSW ein. Er verläßt das deutsche Gebiet bei der Einmündung des Faro. Das ganze Benuesystem ist weit hinauf schiffbar. Der Hauptfluß selbst ist bis zur Einmündung des Rei schiffbar, und dieser Nebenfluß ist wieder bis Rei Buba befahrbar. Der Mao Kebbi ist bis Lere der Schiffahrt zugänglich, und der Faro und sein Nebenfluß Mao Deo bis Laro. Der Benue bildet also die natürliche Ausfuhrstraße für den ganzen Norden von K. Von links empfängt der Benue eine ganze Reihe von Nebenflüssen, die auf deutschem Gebiet entspringen. Nur der Faro, der ebenso wie sein Nebenfluß, der Mao Deo, auf dem Ngaunderehochland entspringt, ist ganz deutsch und bildet nur in seinem unteren Laufe die Grenze gegen englisches Gebiet. Die drei nächstfolgenden, der Taraba, der Donga und der Katsena-Allah, haben ihre Quellen auf dem Kumbohochland. Der Taraba und der Katsena-Allah sind im Unterlaufe schiffbar, doch reicht ihre Schiffbarkeit nicht mehr bis auf deutsches Gebiet. Von den rechtsseitigen Zuflüssen des Benue ist vor allem der Mao Schufi oder Mao Rei, der von den östlichen Ausläufern des Plateaus von Kamerun entspringt, ferner der Mao Sidi und endlich der Mao Kebbi, die beide östlich von Lame entspringen, zu erwähnen. Der Mao Kebbi ist durch die Tuburisümpfe zur Regenzeit mit dem Logonesystem verbunden, so dass dieses also zeitweise einen kleinen Abfluß zum Atlantischen Ozean besitzt. Ein Nebenfluß des Mao Kebbi, der Mao Lue, kommt vom südlichen Teile des Mandaragebirges herunter. Zwei weitere rechtsseitige Nebenflüsse des Benue, der Tiel und der Kilangi, bilden stellenweise die Grenze gegen Nigeria. Entsprechend der Schiffbarkeit des Benue liegen eine Reihe bedeutender Siedelungen an ihm und seinen Zuflüssen. In der Nähe des Benue selbst liegt, allerdings noch auf englischem Gebiet, Jola, weiter oberhalb Garua. Am Mao Schufi liegt Rei Buba, am Mao Kebbi Bipare und Lere. Am Faro bzw. Mao Deo liegen Kontscha, Tschamba und Laro.
c) Das abflußlose Tsadseebecken. Wie wir gesehen haben, entwässert zu bestimmten Jahreszeiten ein Teil des Logone zum Benue, aber der Betrag ist zu geringfügig, als daß man nicht das Tsadseebecken als ein abflußloses bezeichnen kann. Die für unser Gebiet in Betracht kommenden Zuflüsse des Tsadsees sind der Schari und sein Nebenfluß, der Logone. Der Quellfluß des Schari ist der Uam, der auf dem Plateau von Jadé in der Nähe von Buala entspringt. Er fließt erst östlich und umgeht die Karéberge in einem nach Norden offenen Bogen. Nach Lenfant sollen 3 Stufen überwunden werden, die jedesmal durch eine Reihe von Schnellen angedeutet sind. Dazwischen liegen Flußstrecken, die mit Booten befahrbar sind. Vom französischen Posten des Uam ab ist die Schiffahrt mit Booten abwärts möglich, also erst auf französischem Gebiet. Wie weit der Unterlauf des Uam für die Flußschiffahrt in Betracht kommt, ist noch unbekannt. Sein größter Nebenfluß von links ist der Nana Baria, der im Lande der Talla Baia entspringt, aber auch bald das deutsche Gebiet verläßt. Der Uam mündet etwas unterhalb Fort Archambault in den eigentlichen Schari, der fälschlich so benannt wird. Dieser, der sich in den Grib fortsetzt, ist bis Fort Crampel für die Gribingi fortsetzt, ist bis Fort Crampe für die Flußdampfer befahrbar und bildet eine vorzügliche Verkehrsstraße bis zum Tsadsee hin. Nur der unterste Teil des Schari bis zum Einfluß des Logone bei Kusseri bildet die deutsche Grenze. Der Logone bildet bis zu dem Punkte, wo er sich in seine zwei Quellflüsse teilt, die Grenze des deutschen und des französischen Gebietes. Dort übernimmt dann der Penndé, der östlichste der beiden, auch östlich Logone genannt, die Grenzführung bis zum Orte Goré. Der Penndé entspringt auf dem Hochland von Jadé. Man kann drei Regionen unterscheiden. Die erste von der Quelle bis Bi Namcor mit starker Erosion und daher vielen Schnellen; die zweite bis Dokula in welligem Terrain mit breitem Tal, wo Bootschiffahrt möglich ist, und drittens von Dokula an, wo wahrscheinlich Flußschiffahrt möglich ist. Die letzte Schnelle liegt bei Dimbaia. Der westliche Logone ist wahrscheinlich bis etwas unterhalb Kaitia für die Schiffahrt brauchbar. Oberhalb Kaitia teilt er sich in drei Quellflüsse, in den Lim, der vom Hochland von Jadé kommt, den Mbere, der den Mberegraben durchfließt und auf dem Westende des Baiahochlandes entspringt und den Wina, der seine Quelle noch westlich von Ngaundere besitzt. Ein weniger bedeutender Nebenfluß des Logone ist der Nia, der von den östlichen Ausläufern des Ngaunderehochlandes herunterkommt. In ihrem Unterlaufe teilen sich Logone wie Schari in zahlreiche Nebenarme, die teilweise mit Nebenarmen des Jadseram sich treffen und ein Netzwerk von Kanälen bilden, die das ganze Logonetiefland durchziehen. Ein solcher Arm ist z. B. der Ebeji, der vom Logone ausgeht und nahe dem Jadseram in den Tsadsee mündet. Südlich von Musgam geht der Matia ab, in den die vom Mandaragebirge kommenden Flüsse Tsanaga und Jegoa münden. Der Jadseram bildet die westliche Grenze von Kamerun. Er entspringt auf dem südlichen Ende des Mandaragebirges und fließt in nördlicher Richtung zum Tsadsee, wo er, wie erwähnt, ein unentwirrbares Netz von Mündungskanälen, die mit denen des Schari-Logone zusammenlaufen, bildet. Wie das Benuesystem weist auch das Tsadseesystem eine größere Periodizität der Wasserzuführung auf, als die vorher behandelten Küstenflüsse. Diese Wasserzuführung richtet sich nach den Niederschlägen und kann beträchtliche Schwankungen in der Schiffbarkeit der Flüsse verursachen. Auch liegt hier eine Reihe bedeutender Siedelungen an den Wasserwegen. So liegt Bakassi am Zusammenfluß von Logone und Penndé. Am Logone liegen ferner Lai (französisch), Musgum, Kusseri, Gulfei; am Jadseram liegen Bama und Dikoa.
d) Das Kongosystem. Zu diesem System gehören die Flüsse, die dem Kongo und seinem großen Nebenfluß, dem Ubangi zuströmen. Das deutsche Gebiet reicht mit zwei schmalen Zipfeln an diese beiden Ströme selbst, und daher müssen diese erst kurz besprochen werden. Der Kongo fließt vom Eintritt des Ubangi an in südwestlicher Richtung. Von seiner Mündung aus ist er bis Matadi schiffbar. Dann folgt aufwärts der Abschnitt der Schnellen und Fälle, der bis zum Stanley Pool reicht. Von dort ist der Kongo wieder dem Dampferverkehr offen. Das deutsche Gebiet erreicht den Kongo bei der Mündung des Ssanga. Der Ssanga entspringt mit seinem Quellfluß, dem Nana, auf dem Hochland von Jadé und fließt in ungefähr südlicher Richtung. Seine Hauptzuflüsse erhält er von rechts. Zuerst fließt ihm der Mambere zu, der vom Baiabochland kommt. Beide Flüsse besitzen ein ziemlich starkes Gefälle. Weiter unterhalb mündet bei Nola der Kadei, der bei Kunde entspringt, mit seinen Nebenflüssen, dem Dume, dem Bumbe und dem Libumbe. Der Kadei fließt mit seinen Nebenflüssen im Oberlaufe auf den ebenen Flächen der Njemplatte und wir haben darum im Gebiet des Dume und Kadei eine große schiffbare Flußstrecke. Die Endpunkte dieser Strecken sind am Dume die Dumestation, am oberen Kadei der Ort Bakumbo und am unteren Kadei der Ort Delele. Unterhalb tritt der Kadei in eine Zone von Schnellen ein, die bis Nola hin reichen. Bei Nola beginnt die ungehinderte Schiffahrt des Ssanga, die bis zum Kongo hinunterreicht. Der nächste Zufluß von rechts ist der Dscha, der im Unterlauf auch den Namen Ngoko führt, ebenfalls auf der Njemplatte entspringt, erst westlich verläuft, dann aber in einem kurzen Bogen in ostsüdöstlicher Richtung umbiegt. Der ganze Oberlauf des Dscha wird durch Schnellen unterbrochen, so daß eine Schiffbarkeit erst von Dongo oder Ngoila möglich wird, da die letzten Schnellen oberhalb Dongo liegen. Sein Nebenfluß, der Bumba, den er von links empfängt, entspringt ebenfalls auf der Njemplatte. Bei der Mündung des Ngoko verläßt der Ssanga das gebirgige Terrain und tritt in das Tiefland ein. Eine Reihe von Verbindungskanälen verbindet ihn mit zwei, ihm parallel verlaufenden, die deutsche Grenze bildenden Flüssen, dem Likuala-Mossaka und dem Likuala-Essubi oder Likuala aux herbes. Ersterer entspringt auf französischem Gebiet am Ostabfall der Schwelle von Guinea und ist bis zum Orte Makua auf französischem Gebiet schiffbar. Letzterer entspringt im Tiefland zwischen dem Ssanga und dem Ubangi und ist bis Botunga schiffbar. Das ganze Flußgebiet des Ssanga liegt bis auf seine beiden Quellflüsse im Gebiete des Urwaldes. Im Tieflande sind die Ufer sumpfig, der Fluß teilt sich in viele Arme, besonders nach der Mündung in den Kongo zu, wo dieser, der Ssanga und die beiden Likuala, ein unentwirrbares Netz von Kanälen bilden. Auch hier ist der Wasserstand ein jahreszeitlich sich ändernder. Zur Regenzeit steht wohl das ganze Gebiet des unteren Ssanga unter Wasser. An der Mündung des Ssanga liegt Bonga, am Einfluß des Dscha Wesso (französisch), am Dscha Molundu, Ngoila, Dongo. Am Zufluß des Dume, dem Kadei, liegt Nola, an jenem die Dumestation. Am Bumbe liegt Gasa, am Mambere Bania und Carnot. Der Ubangi ist zur Regenzeit bis Bangi mit Dampfern befahrbar. Zur Trockenzeit sind die Schnellen von Singa ein Hindernis. Es ist typisch für die Gründlichkeit der Franzosen, daß sich nicht feststellen läßt, ob diese Schnellen unterhalb der Mündung des Lobai oder oberhalb liegen. Das ist wichtig für den Wert des Ubangizipfels. Vermutlich liegen sie oberhalb, da der Lobai noch 80 km weit schiffbar ist und in sumpfigen Ufern fließt, und die Schnellen meist das Aufhören des Tieflandes bedeuten. Der Lobai, als der bedeutendste Nebenfluß des Ubangi auf dieser Strecke, entspringt auf dem Plateau von Buar, einem Ausläufer des Hochlandes von Jadé. Sein Nebenfluß wieder ist der Mbaere, der zwischen Ssanga und Lobai fließt. Die Nordgrenze des Ubangizipfels bildet der Pama, dessen Lauf aber noch vollständig unbekannt ist. Ebensowenig wissen wir von den unterhalb des Lobai auf deutschem Gebiete entspringenden, dem Ubangi zufließenden Flüssen, dem Ibenga und dem Motaba.
e) Das Ogowesystem. Dieses Flußsystem reicht nur mit seinem nördlichsten Teil in das deutsche Gebiet hinein. Die unteren Nebenflüsse des Ogowe, der Abanga und der Okano, liegen nur mit ihren Quellen in Kamerun. Nur der Iwindo mit seinen Nebenflüssen gehört in größerer Erstreckung zum Kameruner Besitz. Der Iwindo, in seinem Oberlauf auch Aina genannt, entspringt nicht weit von der alten deutschfranzösischen Grenze. Er verläuft erst in Sümpfen in östlicher Richtung und biegt dann nach Süden um. Bis zur Mündung des Karagua oder Je, der von Nordosten aus Altkamerun kommt und der bis Ntam mit Booten befahrbar ist, verläuft der Fluß noch auf dem Plateau. Dann treten Hügel auf, der Lauf wird schneller, und einige Schnellen, die aber von der Schiffahrt überwunden werden können, sind vorhanden. Endgültig Schluß der Schiffahrt ist in Kandjama. Der Dschua, der streckenweise die Grenze bildet, fließt dem Iwindo ebenfalls von rechts zu. Er ist bis fast nach Madjingo hinauf schiffbar. Der Nuna etwas unterhalb mündet von rechts, dann ebenfalls von rechts der Ua und der Mvung. Alle diese Flüsse sind wohl im Oberlauf teilweise fahrbar, aber an ihrem Unterlaufe, ehe sie ins Tal des Ogowe kommen, haben sie, wie auch dieser selbst, eine Reihe von Schnellen zu überwinden. Zuletzt müssen wir noch den in die Gabunmündung fließenden Komo erwähnen, der im spanischen Gebiet entspringt und auf kurzer Strecke durch deutsches Gebiet fließt.

4. Klima. K. bildet klimatologisch kein einheitliches Gebiet. Es liegt auf der Grenze zweier großer klimatischer Provinzen, einmal der Sahararegion und andererseits des Kongobeckens. Dazu tritt der tief einschneidende Winkel der Bucht von Guinea, die das Klima des Gebietes beeinflußt.
- Luftdruck und Winde. Wenn die Sonne südlich des Äquators steht, bildet sich über Südafrika ein Minimum, das dann mit der Sonne allmählich nach Norden wandert und im Juli über der Sahara mit einem Luftdruck von ca. 756 mm steht. Wir haben dann eine vorwiegend südliche Luftbewegung. Einerseits reicht der Südostpassat dann bis in den Süden von K. hinein, andererseits wird er durch das Minimum abgelenkt und in einen Südwestwind verwandelt. In der heißen Zeit haben wir also abwechselnd Winde aus Osten, Südosten und Südwesten. Dagegen haben wir im Januar, wenn das Minimum in Südafrika liegt, und über der Sahara ein relativ hoher Luftdruck von 760-764 mm herrscht, eine vorwiegend nordsüdliche Luftbewegung. Dieser zuweilen kalte und staubtragende Nordwind, der zur kalten Jahreszeit vorherrscht, führt in Togo den Namen Harmattan (s.d.). Außer diesen allgemeinen Luftströmungen herrscht an der Küste überall der tägliche Wechsel von Land- und Seewind. Am Tage erhitzt sich das Land, und es findet eine Luftbewegung vom kühlen Meere zum Lande statt. Der Vorgang ist dann in der Nacht der umgekehrte. Der tägliche und der jährliche Gang des Barometers ist wie im ganzen Tropengebiet ein sehr regelmäßiger. In Duala beispielsweise ist die tägliche Schwankung 3 mm, und die beiden Maxima liegen bei 9 Uhr 30 Min. vormittags und 10 Uhr 30 Min. nachmittags.
- Temperatur. Die Temperatur ist von 3 Faktoren abhängig, vom Sonnenstand, d.h. vom Wandern der Sonne, von der Lage zur Küste und von der Meereshöhe. Obwohl K. nördlich des Äquators liegt, hat der Süden seine heißeste Zeit im Nordwinter. Es liegt dann die Isotherme von 30° über der Kalahari in Südafrika, und die Isotherme von 28° umschließt noch die Mitte von K. Im Nordsommer ist das Hitzezentrum ins Innere der Sahara gerückt, die 32° Isotherme geht durch den Tsadsee, die 28° Isotherme geht wieder durch die Mitte K.s. Nach Lage und Höhe kann man nun verschiedene Regionen mit verhältnismäßig einheitlichem Klima unter scheiden. Das Küstenvorland besitzt eine im Verhältnis zu seiner äquatorialen Lage mäßig hohe Temperatur. Mehrere Gründe sind dafür maßgebend. Einmal reicht die kalte Benguellaströmung (s. d.) bis in diese Breiten, wenn auch Duala selbst die warme Äquatorialgegenströmung besitzt. Dann herrschen in dem ganzen Gebiet westliche, also vom Meere kommende und daher relativ kühle Winde vor. Ferner ist das ganze Vorland mit Wald bedeckt, der überall zu einer Minderung der Temperaturextreme beiträgt. Es sind darum sowohl die täglichen wie die jährlichen Schwankungen der Temperatur sehr gering. Die jährliche Amplitude ist nur etwa 2- 4°, und ebenfalls die tägliche Amplitude bewegt sich in gemäßigten Beträgen (etwa 2-8°). Der K.berg ragt als Kälteinsel aus dem Tiefland auf, da mit der Höhe ja die Temperatur abnimmt. In seinen höheren Teilen ist er aber kälter, als die Höhe allein es veranlaßt. Buea (980 m) hat eine mittlere Temperatur von 19,6°. Plateaus zeichnen sich meist durch große Temperaturschwankungen aus, besonders sind die täglichen Amplituden und die extremen Temperaturen beträchtlich. Das ist auch bei dem Plateau von K. der Fall. Die jährliche Amplitude ist nur gering, nämlich ca. 2°. Die mittleren Jahrestemperaturen schwanken natürlich mit der Meereshöhe. Jaunde (731 m) hat 22,5°, Bali (1340 m) hat nur 18,1° mittlere Jahrestemperatur. Dagegen beträgt die mittlere tägliche Amplitude in Jaunde 10,5°, in Bali 11,1°. Die Massivregion von Nordadamaua wird sich im Gegensatze zu dem südlichen Plateau durch weniger extreme Temperatur auszeichnen, doch fehlen hier bisher Beobachtungen. Wenn wir noch weiter nach Norden gehen, nähern wir uns allmählich dem Saharagebiete, und damit wird das Klima kontinentaler und die Extreme größer. In Kuka z.B. haben wir ein Jahresmittel von 28,2°, die jährliche mittlere Amplitude beträgt 11°. Nach Osten zu, in der Gegend des Ubangi lassen diese Extreme wieder etwas nach. Im Ssangatiefland, sowie im südlichsten Teil des K.-Plateaus haben wir außerordentliche Gleichmäßigkeit der Temperaturen. Leranga (0° 40' s. Br., 17° 38' ö. L.) hat eine mittlere jährliche Schwankung von nur 2,1°.
- Niederschläge. Die Jahresmenge nimmt im allgemeinen im Kongogebiet von der Küste nach dem Innern zu, im mittleren K. dagegen umgekehrt von der Küste nach dem Innern ab. Die Beträge sind etwa an der Küste von Französisch-Kongo 1-1/2 m, am Kongo bis zu 2 1/2 m; an der K.-Küste 3-5 m, auf dem Plateau 1 1/2-2 m und in Garua 749 mm, in Kusseri nur noch 464 mm. Die größte Regenmenge fällt bei Bibundi und Debundja auf der Westseite des K.berges (10-11 m). Die Häufigkeit des Regenfalls nimmt ebenfalls von Süden nach Norden zu, ebenso nach dem Innern. Die regenbringenden Winde sind hauptsächlich die Westwinde, die vom Meere kommen, doch scheint auch das Kongobecken als Feuchtigkeitsreservoir zu dienen, so daß im südlichen K. auch die Südostwinde Regen bringen. Im allgemeinen gilt die Regel, daß Gebirge die Winde zur Abgabe ihrer Feuchtigkeit zwingen. Daher haben wir überall an den Erhebungen und Gebirgsrändern große Regenmengen. Die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge ist in den verschiedenen Gebieten eine verschiedene. Im Küstenvorland östlich des K.berges haben wir eine einzige Regenzeit mit ihrem Maximum im Juni bis September. Trockenzeit ist nur im Dezember und Januar. Nach Süden zu erfolgt allmählich ein Übergang in die Gebiete mit zwei Regenzeiten. Batanga, Jaunde, Kunde ist etwa die Grenze dieser Zonen. Nördlich dieser Grenze haben wir nur eine Regenzeit, wenn auch oft zwei deutliche Maxima angedeutet sind, im Süden haben wir zwischen den Regenzeiten eine Trockenzeit. Westlich des K.berges ist eine Zone, die nahezu gar keine Trockenzeit besitzt. Was die tägliche Verteilung der Niederschläge anlangt, so fällt an der Küste von K. ausnahmsweise der meiste Regen nachts, während er an der Kongoküste am Tage fällt, was den tagsüber wehenden Seewinden entspricht. Im Innern dagegen haben wir überall den Regen zur Hauptsache während des Tages fallend. Duala hat fast 70 % Nachtregen, Jaunde dagegen 60 % Tagregen. Die Menge eines einzigen Regentages ist in unserem Gebiet oft sehr groß, an der Küste erreicht sie die größten Beträge. In Debundja erreichte das Maximum des täglichen Niederschlags im Juni 1902 456,2 mm, in Victoria 336 mm, in Bamenda nur noch 113 mm. Die Gewitterhäufigkeit nimmt wie die Regenhäufigkeit von Süden nach Norden zu. Ihren höchsten Wert erreicht sie in Baliburg mit über 200. Der jährliche Gang der Häufigkeit ist in der ganzen Kolonie ein gleicher, nämlich zwei Maxima im Zenitstand der Sonne, und zwar ist diese Periode auch dort vorhanden, wo die Regenzeit nur einmalig ist. Nur am Tsadsee hat die Gewitterhäufigkeit mit der Regenzeit nur eine einfache Periode. Die Tageszeit, in der die meisten Gewitter auftreten, ist überwiegend der Nachmittag. Außer ziemlich häufig auf dem Hochlande auftretenden Hagelfällen haben wir auf dem K.berg eine zeitweilige Schneebedeckung. Ein Sinken der Temperatur unter den Nullpunkt und eine Eisbildung kommt auf den Hochländern wohl ebenfalls des öfteren vor. Für die Vegetation der Hochländer ist die starke Taubildung, die dort während der Trockenzeit überall morgens einsetzt, von großer Bedeutung. Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ist an der Küste sehr groß, besonders zur Regenzeit. Nach dem Innern zu nimmt er allmählich ab. In Duala beträgt die relative Feuchtigkeit etwa 80 %, am Tsadsee dagegen nur noch 65 %.

- Die vorstehend abgedruckten von Dr. Heldke aufgestellten Klimatabellen geben über die Verhältnisse von Duala (Küste), Baliburg (Hochland von Südadamaua) und Kusseri (Logone-Tsadseebecken) Auskunft, die nebenstehende Tabelle über die Niederschlagsverhältnisse einer Reihe weiterer Orte.

5. Pflanzenwelt.

Wir kommen in K. von der Küste ausgehend in eine Reihe von verschiedenen Pflanzenformationen, die je nach Klima, Bodenbeschaffenheit und Höhenlage andere sind. Zwei große Formationen sind besonders charakteristisch, einerseits das Waldland und andererseits das Grasland. Diese beiden Formationen zeigen nun wieder eine Reihe von besonderen Ausbildungen, deren jede einem besonderen Typus entspricht, der über weite Strecken sehr gleichförmigen Charakter aufweist. An der Küste treffen wir zuerst auf einen Gürtel Urwald. - Das Waldland. Die Küsten der Ästuare sind von einem Gürtel von Mangrovewald umsäumt, dessen einzige Charakterpflanze die stelzfüßige Mangrove ist, die auf Brackwasser angewiesen ist. Aus dem Mangrovewald entwickelt sich allmählich der Sumpfwald mit dichtem Unterholz, dessen Charakterpflanzen Pandanus, Raphia, Phönixpalme (s. farbige Tafel ) u. a. m. sind. Dieser wieder geht in den höheren Lagen in den eigentlichen tropischen Urwald (s. farbige Tafel ), den immergrünen Regenwald über. Die Verbreitung dieses Waldes ist eine große in K. Er nimmt das ganze Vorland, sowie den Süden des Plateaus ein und geht unmittelbar in den großen zentralafrikanischen Urwald über. Die Bäume werden etwa 40-60 m hoch, und zwischen den 20 und mehr Meter hoch emporragenden Stämmen entwickelt sich ein Lianendickicht, doch tritt der kahle Erdboden oft zutage. Die häufigsten in ihm vorkommenden Bäume sind der Wollbaum, der Mahagonibaum, der Rotholzbaum, dann die Ölpalme und endlich als wertvollster Bestandteil für die Ausnutzung die Kautschukarten Kickxia und die Liane Landolphia (s. Kautschuk). Der Hochwald verlangt 1500-2000 mm Niederschläge. Eine Unterabteilung des Hochwaldes ist der Alluvialwald, der auch dort gedeiht, wo weniger Niederschläge vorhanden sind, aber der Boden große Mengen von Feuchtigkeit enthält. Diese Waldformation entspricht dem Sumpfwald und enthält Raphia, Calamus, Lianen, im Gebirge auch Baumfarn, Aroideen u. a. m. Wird der primäre Urwald vernichtet, so regeneriert er nicht wieder, sondern es bildet sich nur der Buschwald aus Bäumen von 3-5 m Höhe mit sehr dichtem Unterholz. Nur in sehr regenreichen Gegenden entsteht später wieder hieraus der Hochwald. Am K.berg finden wir zwischen 700-900 m den Ölpalmenwald, der als überwiegenden Baum die Ölpalme enthält. Wieder ein anderer Wald ist der nur über 1800 m Höhe auftretende Höhenwald, der bis 2700 m hinaufreicht, der einen großen Teil des K.berges bedeckt, aber wohl auch auf den Hochländern im Innern vorkommt. Ganz andere Waldarten finden wir in den Steppengebieten mit mehrmonatlichen Trockenzeiten. Das ist der Steppenbuschwald, dessen Bäume mäßig hoch, oft verkrüppelt, mit lederartigen Blättern oder sogar mit Dornen versehen sind. Eine Form dieses Waldes ist die Obstgartensteppe. Charakteristisch für ihn ist, daß die Bäume licht stehen, so daß die Kronen sich nicht berühren. Eine andere Form ist der Laubbuschwald mit laubabwerfenden Bäumen. Einzelne hohe Bäume: Butterbaum, Leberwurstbaum, Tamarinde und auch Affenbrotbaum sind ihr eingestreut. Vorwiegend aus Akazien besteht der Dornbuschwald, der oft undurchdringlich für den Europäer ist. - Das Grasland. Die zweite auf den Gebieten mit Trockenzeiten vorkommende Pflanzenformation ist das Grasland, in dem Gräser die vorherrschenden Pflanzen sind. Die Gräser sind in Büscheln, die bis 30 cm auseinander stehen, angeordnet und erreichen beträchtliche Höhen. So ist das Elefantengras, das auf den Hochflächen in sehr weiter Verbreitung vorkommt, 6-7 m hoch. Das Grasland ist von dem, die Flüsse an beiden Seiten begleitenden Galeriewald und flachen, meist mit Sumpfwald bedeckten feuchten Niederungen unterbrochen. Der Urwald geht nicht direkt in das, Grasland über, sondern als Zwischenformation schaltet sich meist die Parklandschaft ein. Es ist das eine Landschaft, wo einzelne Waldparzellen mitten im Grasland auftreten, wiederum einzelne Grasparzellen mitten im Walde. Es sieht aus, als ob sich Grasland und Waldland gegenseitig bekämpfen. Die Charakterbäume dieser Formation sind Borassus, Hyphaene, zwei Palmenarten, und Adansonia, d. i. der Affenbrotbaum. Ebenso wie beim Waldland ist der Übergang in den Steppenbuschwald vom Grasland aus ein allmählicher. Hier bildet die sog. Buschsavanne den Übergang. Es ist das eine Formation, in der Grasflächen mit Inseln und Streifen von Büschen und Buschwald abwechseln. - Was die Verbreitung dieser Formationen anbelangt, so folgen sie sich im allgemeinen als breite Streifen von Süden nach Norden, wobei einzelne Inseln besonderer Verhältnisse halber natürlich im Gebiete fremder Formationen auftreten. Der Mangrovewald bildet an der Küste einen schmalen Gürtel. Dann beginnt der breite Gürtel des Urwaldes, dessen Nordgrenze sich an den Westhängen des Plateaus nach Süden zieht, etwa beim Sanaga das Plateau erklimmt und eben nördlich von Jaunde, Kam, Dumestation, Nola und weiter nach Osten sich hinzieht. Das Grasland, das die nächste Formation ist, nimmt das ganze übrige Plateau ein. Die Massivregion von Nordadamaua ist die Region des Laubbuschwaldes, und nur im nördlichsten Teil trifft man schon auf Dornbuschwald, der große Teile des Tsadseetieflandes einnimmt. Das Logone-Scharitiefland ist teilweise von schönem Weideland eingenommen, in dem einzelne Partien von Sumpfland vorkommen. Weiter im Süden scheint dagegen das Weideland teilweise wieder in die Laubbuschsteppe überzugehen.

6. Tierwelt. Die Vertreter der K.er Tierwelt gehören vier großen Tierprovinzen an, die sich in K. berühren. Es sind vertreten: Gattungen des Sudans, des Kongobeckens, Niederguineas und Oberguineas. Außer nach diesen zoogeographischen Verbreitungsgesetzen richtet sich das Vorkommen der Tierwelt streng nach den Pflanzenformationen. Das Waldland beherbergt einige Tierformen, die sonst schon fast ausgerottet sind und die in den Schlupfwinkeln des Waldes sich noch erhalten konnten. Charakteristisch für das Waldland sind besonders die Menschenaffen, Schimpanse und Gorilla, dann einige Halbaffen, ein Schuppentier, der Potanogale velox, ein Insektenfresser; ferner kommen folgende bekannte Arten vor: der rote Büffel, der Buschbock, das Pinselohrschwein, das Flußpferd, der Elefant, letztere aber auch ebenso häufig in der Savannenregion, der Leopard, mehrere Stummelaffen und eine ganze Anzahl anderer Affen. An Vögeln ist das Waldland arm, wenigstens fallen sie dem Auge des Reisenden wenig auf. Hier ist die Heimat des Graupapageis. Die Savannenregion ist durch das massenhafte Auftreten der Wiederkäuer charakterisiert, besonders einer Menge von Antilopen- und Gazellenarten. Der rote Büffel des Waldlandes wird durch den großen, schwarzen Büffel ersetzt. An Raubtieren, die diesen Tierarten folgen, treten zum Leoparden noch Löwe, Hyäne, Schakal und wilder Hund. Zum Elefanten kommt das Nashorn. Bei den Affen treten die Paviane hervor. Dann Zebra, das Erdferkel und eine große Anzahl von wühlenden Tieren, besonders Nagetiere. An Vögeln treten auf: die Strauße und eine große Anzahl von Hühnervögeln, Trappen und im Norden eine Unmenge von Wassergeflügel. Ebenfalls im Norden treten dann Giraffe und Zebra als Charaktertiere hervor. S. a. Tierwelt der Schutzgebiete, Zoologie und Tafel 79/80.

7. Eingeborenenbevölkerung (s. Tafel 58, 78, 81 -86). K. ist in. der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Schauplatz großer Wanderungen und Völkerverschiebungen gewesen. Es stoßen hier 3 verschiedene Wanderrichtungen zusammen, und die Wanderungen sind heute noch nicht ganz zum Stillstand gekommen. Es kommt daher oft vor, daß Nachrichten älterer Reisender über Wohnsitze von Stämmen heute nicht mehr stimmen. Die drei in Frage kommenden Wanderrichtungen sind folgende: die erste, wahrscheinlich älteste Völkerbewegung kam aus Süden oder Südosten, veranlaßt von den in Ostafrika nach Süden drängenden Völkerschaften. Es sind dies die Bantustämme. Die zweite Wanderstrasse benutzte wahrscheinlich die NilKongowasserscheide und hat eine direkt ostwestliche Richtung. Es sind das die Fangvölker. Und die dritte Richtung ist ein nordsüdliche, im allgemeinen das Bestreben der Saharavölker, in die fruchtbaren Gebiete des Sudans einzudringen. Sprachen. Wir wollen erst die Sprachen, die in unserem Gebiet gesprochen werden, betrachten. Die Bagielli, die über das äquatoriale Waldland verbreitete Urbevölkerung, sprechen ihre eigene noch wenig bekannte Sprache. Sie sprechen aber überall daneben die Sprache der Stämme, in deren Gebiet sie sitzen. Das Arabische wird nur von den Schua, südlich des Tsadsees gesprochen, ist aber als die Sprache des Islams, die Schriftsprache der ganzen mohammedanischen Völker und wird darum auch in einem großen Teile Nord-K.s verstanden (s. Araber). Zwei Sprachen, die zusammengehören, sind das Ful, das die Fulbe sprechen (s. Fulbesprache), und das Kanuri. Beide Sprachen zeigen Verwandtschaft mit dem Somali, wenn sie auch vieles aus den Negersprachen schon übernommen haben, und sind also wohl hamitisch. Die Sprachen der Neger zerfallen in 2 große Gruppen, in die Sudansprachen (s.d.) und die Bantusprachen (s.d.). Beide haben gemeinsam, daß die Präfixe gegenüber den Suffixen für die Bildung von Begriffen außerordentlich hervortreten. Die Sudansprache umfaßt eine große Anzahl von Sprachen, die unter einander sehr verschieden sind, und die einzelnen Volksstämme der Sudanneger können sich also nicht untereinander verständigen. Gemeinsam aber ist allen die Eigentümlichkeit, daß die Worte einsilbig sind und verschiedene Tonhöhe besitzen. Zu der Sudansprache gehört wohl auch das Haussa, das als Verkehrssprache für K. sehr wichtig ist. Die Grenze zwischen Bantu- und Sudansprache fällt ungefähr mit der Waldgrenze zusammen. Doch kommen sowohl in dem Bereich der Sudansprachen einzelne Enklaven von Bantu sprechenden Völkern vor, wie auch umgekehrt Sudanneger im Gebiete der Bantu sitzen. Die Bantusprache zerfällt eigentlich nur in eine große Anzahl von Dialekten, und die Völkerschaften können wenigstens zum Teil sieh untereinander verständigen. Hier muß der Fang erwähnt werden, einer großen Völkergruppe, die in Süd-K. sitzt, mit Bantusprache, die aber viele Sudanwortstämme enthält, was neben der anthropologischen Gleichheit dazu geführt hat, daß man sie als Sudanneger erkannt hat, die nur die Bantusprache angenommen haben.
Die Bagielli. Dieses Pygmäenvolk bewohnte früher vor der Einwanderung der eigentlichen Neger den ganzen afrikanischen Kontinent. Jetzt lebt es zurückgezogen im Urwald. Wir finden sie in K. wohl im ganzen Urwaldgebiet. Im Randgebirge südlich des Sanaga sind sie nachgewiesen, ebenso sind sie noch zahlreich im ganzen Ssangagebiet bis zu den Zuflüssen des Kadei und Mambere. Auch in Spanisch-Guinea und im südlichen deutschen Gebiet sind sie in kleinen Gruppen zerstreut. Sie sind bei den Dzimu unter den Namen Babinga, bei den Fang als Baiagga, bei den Küstenleuten als Bekue oder Akoa bekannt. Noch andere Namen sind Beköä, Bequelle, Boyaelli, Bakolo, Ebajagga. Sie sind 1,45 bis 1,50 m hoch, haben lange Arme, sind brachyzephal und prognath, haben wolliges Haar, relativ helle Hautfarbe. Sie wandern als Elefantenjäger weit umher und tauschen das Fleisch bei den Bantus gegen Maniok und Bananen ein. Die Elefanten töten sie mittels großer Assagaien, die sie ihnen in den Leib stoßen. Ihre Hütten sind armselig, aus Laub und Zweigen gebaut und zwischen Felsen oft versteckt. Sie sollen von sanften Sitten sein, Blutvergießen verabscheuen und auch ziemlich hohe religiöse Begriffe haben. Sie tatauieren sich selten und dann nur linear.
Die Neger. Die zwei Gruppen, die man sprachlich, bei ihnen unterscheiden kann, lassen sich anthropologisch nicht ganz einhalten. Der Wuchs ist mittelgroß, die Gliedmaßen muskulös, der Körper kräftig, oft schön gebaut. Das Gesicht ist rund, mit breiten Backenknochen, dicken, aufgeworfenen Lippen, breiter, flacher Nase und niedriger Stirn. Die Schädelform ist äußerst wechselnd, die Kiefer aber meist prognath. Die Hautfarbe ist meist ein rötliches Braun, wechselt aber ziemlich. Das Haar ist wollig und kräftig, der Bartwuchs ist gering. Im allgemeinen sind 2 Typen zu unterscheiden unter den Negern, die aber gemischt in Sudan- und Bantugruppe vorkommen. Der erste Typ ist klein, kräftig, häßlich, mit dicken Nasen und typischen Negergesichtern. Der zweite Typ ist dagegen hochgewachsen, schlank, mit schmalen Nasen und weniger aufgeworfenen Lippen, auch oft heller Hautfarbe. Der erstere wird durch die ältere Bantugruppe, dann die Domme, Mambila, Bansso, Dumbo und Bafum, ferner durch die Musgu und Kotoko vertreten. Zur 2. Gruppe gehören die Fang, die Baia, die Batta, die Margi u.a. Man nimmt an, daß der 2. Typ durch Mischung mit hamitischen und semitischen Völkern entstanden ist. Körperverunstaltungen, Tatauierung, Stammesmarkierung, Beschneidung kommen überall vor.
- Bantuneger. Die Bantuvölker kann man in zwei Gruppen einteilen, die durch die Fang voneinander getrennt sind: einmal die K.- oder Dualagruppe und andererseits die Makagruppe oder Bangalagruppe, wie sie nach den am Kongo sitzenden Bangala genannt wird, die aber nicht mehr auf deutschem Gebiet wohnen. Die Dualagruppe zerfällt wieder in zwei Unterabteilungen, in die Bakokogruppe mit nördlicher Wanderrichtung und in die Bakundugruppe mit südlichem Wandern.
Die Bakundugruppe sitzt im Küstenvorland um den Kamerunberg und nördlich von ihm. Sie grenzen im Norden und Osten an Sudanneger, von denen aber nur die Boki im Tiefland sitzen. Sprachlich lassen sich die Stämme der Bakundugruppe wieder in zwei Abteilungen teilen. Zu der ersten gehören die Ekombe, die Bafo, die Balong, die Barombi und die Abo. Die Ekombe-Baji sitzen mit ihrem Hauptorte am Meine, die Bafo in einem langen Streifen von Joh.-Albrechtshöhe nach Norden bis zum Bamendagebirge. Die Balong wohnen am linken Ufer des Mungo, treiben Handel, und die Barombi schließlich, zu denen die Abo gehören, sitzen an den Seen und zwischen Mungo und Wuri. Zu der zweiten Gruppe der Bakundugruppe gehören die Babondo, die am Unterlauf des Meme und nördlich davon sitzen; die Barue, die ihre Wohnsitze in einem Streifen von Rio del Rey bis zu den Rumpibergen haben, die Mbonge, die südlich der Rumpiberge sitzen, die Bakundu, die einmal im Nordwesten der Rumpierge sitzen, andererseits die Bakunduplatte im Norden des K.berges bewohnen. Außer diesen beiden Gruppen gibt es noch eine Masse anderer Stämme, deren Zugehörigkeit noch unbestimmt ist. Im Nordwesten der Rumpiberge zieht sich der Stamm der Ngolo weit ins Rio-del-Rey- Tiefland. Nordwestlich von ihnen sitzen die Odondop bis zur englischen Grenze. Nach Norden folgen, schon im Flußgebiet des Kreuzflusses, die Batanga und die Bakogo und nur mit einem Teil auf deutschem Gebiet der große Stamm der Ekoi, der bis zum Kreuzfluß selbst reicht. Östlich von diesen, südlich von Ossidinge, sitzen die Keaka und die Obang. Die ganze Banjangbucht wird von dem großen Stamm der Banjang eingenommen, während die Anjang nur im Nordosten von Ossidinge wohnen. Dort zieht sich auch ein kleiner Zipfel der zur Hauptsache auf englischem Gebiet sitzenden Boki, die den übrigen Bantustämmen völlig fremd gegenüber stehen, in deutsches Gebiet hinein. Östlich der Banjang, am Fuße des Manengubahochlandes, sitzen die Basgssi. An den Hängen des K.berges sitzen im Westen die Bambuko, im Osten die Bakwiri, die beide vom Norden gekommen sind und der Bakundugruppe angehören. Weiter im Süden in der Mungo-Wuribucht sitzen eine Reihe von Stämmen, deren Zugehörigkeit nicht festgestellt ist, wie die Wuri, Pongo, Bodiman und Balong. - Die zweite Unterabteilung der Dualagruppe ist die Bakokogruppe, die in der Sanagabucht und im Verlande bis Kampo hinab ihre Wohnsitze hat. Am K.Ästuar sitzen die Duala, ein Volk von 15000 Seelen. Dann kommen wir weiter im Süden und Osten zu dem großen Volk der Bakoko, die über den Njong hinüber reichen und im Osten weit auf das Hochland hinaufgreifen. Man kann sie in mehrere Gruppen teilen. Am Sanaga sitzen die Bassa, östlich von ihnen im Ebomassiv die Loko. Südlich der Bakoko sitzen Mischstämme mit den Fang, die meist zu den Jaunde gerechnet werden. Im Flußgebiet des Lokundje sitzen die Ngumba, die von Südosten erst in relativ junger Zeit gekommen sein sollen. An der Küste wohnen die Batangaleute und etwas weiter im Innern auf der Strecke zwischen Lokundje und Kampo die Mabea.
-Die Bangalagruppe soll sprachlich von der Makagruppe abzutrennen sein. Erstere ist danach der durch die Fang abgetrennte östliche Teil der Pualagruppe und muß sprachlich mit dieser vereinigt werden. Dagegen soll die Makagruppe mit Stämmen der Küste zu einer Gruppe sich vereinigen, die eine andere Wanderperiode der Bantu repräsentiert. Wie weit das richtig ist, müssen Sprachuntersuchungen lehren. Wir wollen nun zuerst die Bangalagruppe, die sicher den vorher betrachteten Stämmen am nächsten steht, behandeln. Es kommen dabei für unser Gebiet nur die Bafuru des Ssangazipfels in Betracht, die sich am rechten Kongoufer, vom Likuala-Essubi bis hinunter zum Alima erstrecken, über die aber wenig bekannt ist. Nördlich der Bafuru sitzen die Baloi, die ebenfalls wohl zu dieser Gruppe gehören und einen Zipfel nach Süden in unser Gebiet hineinsenden. Am Kongo selbst sitzen vielleicht auf unserem Gebiete noch die Bubangi, die in ihrer Hauptmasse auf dem rechten Ufer des Kongo wohnen. Nördlich dieser Völker treffen wir dann auf eine Reihe von Völkern, die, wie erwähnt, von den bisher behandelten Bantu abweichen, aber mit Völkern der Küsten, mit denen sie nicht im Zusammenhang stehen, zu vereinigen sind, nämlich mit den Baseke und den ihnen verwandten Völkern an der Coriscobucht und weiter südlich. Nördlich der Bafuru soll ein Volk der Bufinde sitzen an beiden Ufern des Ssanga. Weiter Ssanga aufwärts kommt man dann in das Gebiet der Basangavölker des oberen Ssanga, der Kaka (?), Gundi und Bukongo. Am ganzen Unterlauf des Dscha sitzen die Sanga-Sanga, ein wohl mit den Basanga identischer Volksstamm. Sie werden auch als Misanga bezeichnet. Auf der Kunabembeschwelle sitzen die Bombassa und die Kunabembe. Nordwestlich von ihnen trifft man auf die weit verbreiteten Stämme der Ndsem oder Dsimu (s.d.) und Njem (s.d.), was wohl alles dasselbe bedeutet. Sie haben die Kultur und Gewohnheiten der Fang angenommen, wurden deshalb viel mit ihnen verwechselt, sind aber zu der Makagruppe gehörig. Sie senden einen Keil nach Süden Iwindo abwärts und sitzen auch im Ngoko-Ssangawinkel. Nördlich von ihnen sitzen die Kaka, die aber im Süden, südlich des deutschen Gebietes am Likuala noch einmal vorkommen sollen, und westlich der Bomome, die im Dumegebiet sitzen, treffen wir auf die eigentlichen Maka. In den Süden unseres deutschen Gebietes ragen noch Teile von Völkern hinein, die zu einer großen Gruppe zusammengefaßt werden, welche ihr Zentrum einmal am mittleren Kongo und andererseits am unteren Ogowe besitzt. Für uns kommen in Betracht: zwischen dem oberen Iwindo und den nördlichen Zuflüssen des Likuala Mossaka die Bakota und um die Bucht von Gabun, sowie südlich und nördlich davon die Mpongwe. Die Fang. Dieses Volk, das erst in jüngster Zeit sich in die Gebiete der Bantuneger eingedrängt hat, spricht eine Bantusprache. Es sind aber ursprünglich Sudanneger und zwar aus dem Nilgebiet, wo sie den Niain Niam nahe stehen. Sie sind, bis sie in ihr jetziges Gebiet kamen, weit herum gekommen. Es wird angenommen, daß sie auf ihrer Westwanderung erst zum Ubangi kamen, dann nach Norden drängten und darauf von den Fulbe nach Süden getrieben wurden. Dabei haben sie alle unterwegs angetroffenen Völker vernichtet oder aufgenommen. Ihre Südwestwanderrichtung, die noch andauert, wurde durch das Erscheinen der Europäer an der Küste veranlaßt, ist also mehr ein Drängen zur Küste. Jetzt ist ein Rückstoß eingetreten, seit einem Jahrzehnt etwa geht die Wanderung nach Osten über den Iwindo gegen die Bakota. Die Fang teilen sich in zwei große Gruppen, in die Betschi und die Makei, auch nach dem Satz, mit dem sie ihre Rede beginnen: Ich sage daß . . ., Masuna und Makina genannt. Die Betschi sitzen im Nordwesten, die Makei im Südosten. Sie teilen sich in eine ganze Anzahl von Stämmen, deren Name entweder mit Eb ... (Makei) oder mit Es ... (Betschi) beginnt. Größere Völker unter ihnen sind: im Norden, südlich des Sanaga sitzend, die Etun und die Mwelle; dann südlich auf dem K.er Randgebirge und seinen Hängen die Jaunde, die nach Aussage eines Sprachgehilfen des Kolonialinstituts noch in der vorletzten Generation Bati, also eine Sudansprache gesprochen haben sollen; östlich von ihnen die Bane, am mittleren Njong; darauf im Süden bis zum Kampo das große Volk der Bule am Kampo selbst, an der Grenze von Spanisch-Guinea die Ntum, denen die Okak in Spanisch-Guinea nahe stehen. Im Osten, am Ntem und am Aina, die Mwai und weiter im Süden die eigentlichen Fang oder Pangwe.
- Die Sudanneger. Man hat Versuche gemacht, die Sudanneger in Gruppen zu teilen, doch ist die Kenntnis von den einzelnen Stämmen noch teilweise so gering, daß man nicht viele Resultate erzielt hat. Der westlichste Sudanstamm sind die schon erwähnten Boki, die im Nordwesten von Ossidinge sitzen. Auf dem Balihochland sitzen eine Reihe von kleinen Stämmen, deren bekanntester der der Bali ist. Westlich von ihnen sitzen auf dem Bamettaplateau die Bametta und an den Abhängen und am Fuße des Abfalls die Muntschi. Im Norden der Bali wohnen die Bafat und im Quellgebiet des Katsena-Allah die Bafum. Im Osten auf dem Bamendagebirge und seinen Abhängen kleine Stämme wie Bamenda, Bamessong und andere, und weiter im Osten dann die Balikumbat und die Balibagam. Auf dem zum Kamkessel abfallenden Rand des Hochlandes sitzen unter anderen die Bangangte, im Manengubahochland die Elorng, Mbo und Bangwa und unzählige kleine Stämme. Auf dem Rand des Hochlandes bis zum Eboplateau wohnen dann wohl Mischstämme zwischen Bantu- und Sudannegern, z. B. die Bafia. Im Nuntal und auf dem Bamumgebirge sitzen die Bamum und östlich von ihnen im ganzen Tal des Mbam die Tikar. Auf dem Dommegebirge wohnt das Volk der Domme, südöstlich von ihnen das große Volk der Wute, die die Sanagamulde einnehmen. Westlich von ihnen sitzen die Bati, an den Ufern des unteren Mbam; sie sind, wie die Wute, in die von den Fang verlassenen Gebiete eingerückt. Mischstämme von Sudan- und Bantunegern sind wohl die Jebaka und Keperre am Sanaga. Auf dem Kumbohochland sitzt eine Reihe von Stämmen, von denen die Bansso die wichtigsten sind. Andere sind die Tukum und die Mainbila, die weiter im Norden sitzen, ebenso wie die Bekom und die Ndoro. Wir kommen nun zu den im Osten des Plateaus von K. wohnenden großen Stämmen der Mbum und der Baia. Die Mbum, im Osten auch Mberre genannt, wohnen auf dem Ngaunderehochland, im Osten fast bis zum Penndé sich ausbreitend. Sie sind jetzt in ihrer ganzen Masse deutsch. Die Baia (s. Tafel 78) werden mit mehreren anderen Völkern zu einer großen Gruppe zusammengeschlossen, besonders mit den Yangere, deren Sprache der ihren völlig identisch ist, und dann mit den Mandjia, die im Ubangizipfel auch auf deutschem Gebiet sitzen. Die Baia teilen sich in eine Reihe von Unterstämmen und sitzen am Ostabfall des Hochlandes sowie teilweise schon im östlichen Tieflande. Ihre Verbreitung geht von Bania bis zum mittleren Uam und vom Sanaga bis zum oberen Lobai. Die Unterstämme, in die sie sich teilen, sind die Baia-Buri von Bania bis zum oberen Mambere, die Baia-Baia auf dem Baiahochland, die Baia-Buar im Gebiet des oberen Uam und Lobai, die Baia-Kaia im Gebiet des oberen Logone, die Baia-Tala zwischen oberem Uam und Baria und endlich die Baia- Mbaka nördlich des unteren Uam. Man kann drei Dialekte bei ihnen unterscheiden, den ersten sprechen die Buri, den zweiten die Buar, Kaia und Baia und den dritten die Tala und Mbaka. Die Jangere sind in mehrere Enklaven zerrissen. Die Hauptmasse sitzt wohl östlich des Mambere, eine zweite westlich davon am Kadei, ferner eine Enklave am mittleren Uam und eine andere, die nördlichste, zwischen oberem Penndé und oberem Baria. Das dritte Volk dieser Baiagruppe sind die Mandjia, die von den Ndri in zwei Teile zerrissen worden sind. Die südliche Partei sitzt am Ubangi zwischen Mpoko und Lobai. Wir müssen noch zwei Enklaven dieser Gruppe erwähnen, die weit südlich in das Gebiet der Bantuneger verschlagen sind. Das sind erst die am unteren Bumba sitzenden Bangandu, die zu den Baia zu rechnen sind, und zweitens ein kleiner Stamm Baia am Zusammenfluß von Kadei und Dume. - Sprachlich von dieser Baiagruppe verschieden sind mehrere andere Völker, die in Teilen in deutsches Gebiet hinein reichen. Es sind einmal die Ndri, die den Banda nahe stehen und auf deutschem Gebiet am mittleren Lobai und in einer kleinen Enklave zwischen Mbaere und Lobai vorkommen. Ein anderer Stamm, der nur zum ganz kleinen Teil in den Ubangizipfel hineinragt, ist das Volk der Mbaga, die am Ubangi unterhalb des Lobai sitzen. - Mehr den Mbum als den Baia nahestehend sind die Stämme, die am mittleren Logone wohnen, die Laka, Sara und Mbei. Das Gebiet der Lakka beginnt an der unteren Wina und reicht nach Osten bis zum mittleren Schari. Die Sara, die ihnen wohl verwandt sind, reichen bei Lai mit einem Zipfel auf deutsches Gebiet hinüber. Eigenartig ist, daß die Lakka, die Sara und Mbei mit den Baia, den Jangere und auch den Mbaka eine gemeinsame Beschneidungssprache besitzen, die aber schon zur Verkehrssprache zwischen den einzelnen Stämmen geworden ist. Es ist das Labi, über dessen Herkunft aber noch nichts bekannt ist. - Westlich der Lakka sitzen in der Inselberglandschaft von Bubandjidda die Dama und weiterhin am oberen Benue die Durru. Auf dem Ssarimassiv wohnen die kleinen Heidenstämme der Woko und Namdschi, nördlich davon der von den Fulbe vernichtete, früher große Stamm der Batta. Auf den Massiven von Nordadamaua sitzt eine ganze Anzahl von Heidenstämmen, die sich hier noch gegen die Fulbe haben halten können. So auf dem Alantikagebirge die Dere und weiter südlich die Tschamba. Auf dem Inselbergplateau von Gaschaka sitzen die Darra neben einer ganzen Anzahl von kleineren Stämmen. - Nördlich des Benue, zwischen Rei Buba und dem Mandaragebirge, wohnt der Stamm der Falli, der sprachlich von den übrigen Sudanstämmen sich sehr unterscheidet. In dem Tiefland des Mao Kebi und südlich bis Lame sitzt das Volk der Mundang und in den Tuburisümpfen im Osten die Tuburi. Am Logone nördlich von Lai bis zur Mündung der Tuburisümpfe treffen wir auf beiden Ufern die Massa und Mabba. Logone abwärts kommen wir dann zu dem wichtigen Volk der Musgu und noch weiter nördlich zu den ihnen sehr nahestehenden Kotoko, die aber schon Mohammedaner geworden sind. Nördlich von Binder sitzt ein Stamm namens Suggi oder Mendie, im Tsadseetiefland eine Anzahl von Stämmen, die aber kaum mehr als dem Namen nach bekannt sind. Im Mandaragebirge sitzen die vielen Stämme der Mandara. Im Nordwesten des Gebirges und im Oberlauf des Jadseram treffen wir auf die Margi. Im Mittellauf des Jadseram breiten sich dann die Gamergu aus.
Semiten und Hamiten. Semiten sind ursprünglich die Araber, die im Süden des Tsadsees in großer Menge, etwa 100000, sitzen. Es ist der Stamm der Schua, deren Wanderungen in islamischer Zeit von Arabien her Becker neuerdings an der Hand der arabischen Literatur verfolgt hat. Die Kanuri sind ein Mischvolk von Semiten und Negern, wobei aber ihr Negertyp am meisten hervortritt. Das Volk sitzt zur Hauptsache auf englischem Gebiet und reicht nur mit einem Teil in das südliche Tsadseetiefland hinein. Sie waren die Bewohner des alten Königreiches Bornu, das durch Rabeh zerstört wurde. Die Fulbe (s. Tafel 58) sind zweifellos Hamiten, wenn auch oft ein Negertypus unter ihnen hervortritt. Sie sind groß, schlank, mit langen Nasen und dünnen Lippen. Sie gleichen fast völlig den Berbern Nordafrikas, sollen manchmal sogar blaue Augen und blonde Haare haben. Sie sind vor einigen Jahrhunderten als Hirten aus dem Senegalgebiet gekommen und nehmen ihre Machtstellung erst seit dem Anfang des 19. Jahrh. ein. Sokoto war die Hauptstadt, und unter ihr standen mehrere Vasallenreiche. Eins war Adainaua mit der Hauptstadt Jola. Die Vasallenstaaten des Emirs von Adamaua sind noch jetzt die Ausbreitungszentren der Fulbe. Auf dem Hochlande von Südadamaua liegen die Staaten Ngaundere, Tibati und Banjo, während die Hauptmasse der Fulbe in der Massivregion von Adamaua sich befindet. Um Marua haben wir außer einigen anderen kleinen noch eine, große Enklave. Die Bororo-Fulbe, die noch als Hirten herumziehen, haben sich am reinsten den hamitischen Typ bewahrt. Ebenfalls Hamiten sind die Haussa, die als Händler oder Handwerker über unsere ganze Kolonie verbreitet sind. Auch sie sind viel mit Negern vermischt. Sie haben die Fulbe, denen sie an Zahl über waren, in sich aufgenommen, so daß sie ein Mischvolk sind, das eigentlich keinen Volkstypus besitzt. Ihre Verbreitungszentren liegen einmal am mittleren Benue und seinen Nebenflüssen Taraba, Donga und Katsena-Allah, andererseits in der Massivregion von Nordadamaua mit Garua als Mittelpunkt. Von da aus verbreiten sie sich über das ganze Hochland von Südadamaua und nach Osten hinunter bis zum mittleren Ssanga und Ngoko. Unter dem Einfluß der Europäer haben sie sogar die Küste erreicht.

Passarge-Rathjens.

Bevölkerungsstatistik. Die Zahl der Eingeborenen K.s betrug nach der amtlichen Statistik 1913: 2 648 610 (teils gezählt, teils geschätzt). Die Bewohner der neu erworbenen Gebiete waren hierbei noch nicht berücksichtigt. Die Zahl der nicht eingeborenen farbigen Bevölkerung (aus Liberia, Togo, Gabun, Goldküste, Nigerien usw. stammend) betrug 2 405, die der Mischlinge 110.

Die Kulturverhältnisse der Eingeborenen (s. farbige Tafeln und Tafel 86). Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eingeborenen s. unter 8. Eingeborenenproduktion. Wie zumeist in Afrika tritt die Technik in der Form der Haus- oder höchstens der Dorfindustrie auf. Tongefäße von sehr bedeutenden Abmessungen aus älterer Zeit findet man im Logonegebiet. Tonpfeifenköpfe der verschiedensten Form und Größe, oft in der Form stilisierter Tier- oder Menschenfiguren, zuweilen auch mit aufgesetzten Tierkörpern werden gewerbsmäßig im Süden des Graslandes, vom Bamumgebiet bis Bali, Bansso und Banjo, hergestellt und vertrieben (s. farb.Taf. Kamerun, S. 200, Abb. 5 [Tabakpfeife] u. Tafel 86 Abb. 1). Auch die Formen der tönernen Gebrauchsgefäße treten in diesem Gebiet ganz allgemein über die sonst allgemein feststellbare Nüchternheit heraus (s. Tafel 86 Abb. 4). Weit verbreitet und vielfach geübt ist auch die Schnitzerei. Künstlerisch am niedrigsten steht sie unzweifelhaft im Waldland, wo sie über schematisch wiedergegebene Tier- und Menschenfiguren nur vereinzelt hinwegkommt (s. farb. Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 2 [Geheimbundmaske], 6 [Ruder] u. Tafel 86 Abb. 19). In der Mitte des Landes deckt sich der Bereich der Schnitzkunst fast völlig mit dem der Töpferei, mit der Maßgabe freilich, daß Bamum auf dem Gebiet der ersteren sehr bedeutend stärker ist. Hier ist denn auch fast jeder Gebrauchsgegenstand entweder zum freien Kunstwerk geworden oder zum mindesten doch künstlerisch verziert. Die Abb. 3 (Speiseschüssel), 6 (Schemel), 7 (Jujukopf) der farbigen Tafel Kamerun, S. 200, und die Abb. 3, 7, 22 der Tafel 86 vermögen nur einen sehr schwachen Begriff von dem Formenreichtum und der Phantastik dieser zwar barbarischen, aber gerade deshalb doppelt interessanten Kunstwerke zu geben. Die Vorliebe für die Tierwelt, die in den Gestalten des Leoparden, des Hasen, des Chamäleons, der Krabbe, der Spinne, des Krokodils und mancher anderer, einstweilen nur schwer zu bestimmender Tiere, überall wiederkehrt, läßt auf einen früher vorhandenen Totemismus schließen, doch liegt eine einwandfreie Bestätigung, seines Vorhandenseins noch nicht vor. Auch das Schnitzgewerbe ist in besonderen Dörfern und dort oft auch noch wieder in bestimmten Familien lokalisiert, in denen es sich vom Vater auf den Sohn vererbt. Sehr hübsche Geräte versteht man im Grasland aus den als Bierbehälter verwendeten Kürbisflaschen herzustellen; man weiß ihnen durch Umwicklung während des Wachstums die gewünschte Form zu geben, überspinnt sie mit buntfarbigen Perlenmänteln und gibt ihnen Pfropfen in Tierform (s. farbige Tafel Kamerun, S. 200, Abb. 2 [Kürbisgefäß]). Perlen europäischer Herkunft sind, wie seit den Zeiten der Venetianer oder gar der Phöniker, überhaupt ein gern verwandtes Verzierungsmittel für Hausrat jeder Art. Die Abb. 8 (Thronsessel), 9 (Kopfaufsatz) u. 11 (Tanzmaske) der farb. Tal. Kamerun, S. 200, geben einen hübschen Begriff davon. Ein ebenfalls landfremdes, aber immerhin afrikanischer anmutendes Verzierungsmittel sind Kaurischnecken, wie sie zur Ausschmückung der Tanzmaske (s. farbige Tafel Kamerun, S. 200, Abb. 12) verwendet worden sind. Sie werden als Ziermittel auch sonst viel benutzt. -Zwei nach Alter und Herkunft viel umstrittene Techniken Westafrikas sind die Gewinnung des Eisens samt der Schmiederei und der Metallguß. Jene hält v. Luschan gar für eine Erfindung des Negers selbst, was jedoch mit der sonstigen technischen Unfruchtbarkeit dieser Rasse nur schwer in Einklang zu bringen ist; den Metallguß hingegen sieht Leo Frobenius auf Grund seiner letzten Reisen für eine Entlehnung aus dem antiken mittelmeerischen Kulturkreis an. Benin, Joruba und das Kameruner Grasland würden dann kulturell wenigstens in dieser Beziehung zusammengehören. Wie man auch über das Alter beider Techniken denken mag - in ihren Leistungen stehen sie beide recht hoch. Belege für die Schmiedekunst sind die Abb. 5, 8, 9, 23 der Tafel 86, Abb. 5 (Pulvergefäß) u. Abb. 10 (Helm) auf den farbigen Tafeln Kamerun, S. 196 u. 200, für die Gießkunst Abb. 10, 15, 20 der Tafel 86. Das verwendete Metall ist ursprünglich eine ziemlich reine Bronze; neuerdings nimmt man Messing und Patronenhülsen. Das Verfahren ist das bekannte der verlorenen Form. Während die Gußwerke älterer Art den Vergleich mit Benin nicht im mindesten zu scheuen brauchen, gehen aus den Werkstätten des Fürsten Njoja von Bamum (s. d.) nur noch sehr minderwertige Stücke hervor. - Unverhältnismäßig reich ist für afrikanische Verhältnisse der Hausrat vieler Kameruner Volksstämme. Der hohe Stand der Töpferei sorgt für Krüge, Töpfe, Schalen und Lampen aller Art, die Flechterei für Körbe, Teller, Schalen, Taschen, Netze und Matten von oft sehr feiner Arbeit, die Schnitzerei endlich für Speiseschüsseln, Schemel, Sessel u. a. m., die fast ausnahmslos mit nicht geringem Geschmack durchgeführt sind (s. farb. Taf. Kamerun, S. 200, Abb. 3 [Speiseschüssel], 6 [Schemel] u. 8 [Thronsessel). Unter den Musikinstrumenten weisen die Trommeln zwei stark verschiedene Formen auf: die ausgehöhlte Schlitztrommel von der Art der Duala-Sprechtrommel (s. Tafel 86 Abb. 24), die im ganzen Waldlande zuhause ist, und die mit Fell bespannten Zylindertrommeln, die sich vorwiegend im Sudan finden. Weitere Schlaginstrumente sind ein primitives Xylophon, das aus einfachen Brettern von verschiedener Länge besteht; ferner das bekannte Negerklavier, die Marimba, bei der unter den Klangbrettern Kürbisschalen als Resonanzböden hängen; schließlich eiserne Doppelglocken von der Form der Abb. 13 Tafel 86, die zu Signalzwecken dienen. Blasinstrumente sind: die Flöte aus Rohr (s. farbige Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]) oder Tierhorn, Tuthörner aus Elfenbein (s. Tafel 86 Abb. 14) und (im Sudan) Trompeten aus Blech. Unter den Saiteninstrumenten ist die Harfe von der Form der Abb. 11 Tafel 86 für die Fangvölker charakteristisch. Anderswo kommen vor: eine Gitarre, bei der jede Saite an einem besonderen Stege befestigt ist; eine Harfe mit nur einem Saitenträger; endlich der primitive Musikbogen mit nur einer Saite. Die Klimper- Sansa (im Süden von Deutsch-Ostafrika Ulimba; s. Tafel 144 ist auch in Kamerun zuhause. Die Kleidung der Kameruner schwankt zwischen völliger Nacktheit und einem Überfluß von Stoffen. Ganz unbekleidet gingen noch vor einem halben Jahrhundert die Musgu, und Marghi; noch heute wird derselbe Kleidungsmangel von manchen Stämmen des Mbamgebietes und des Kumbe-Hochlandes erwähnt. Auch die Bali gehen zuzeiten nackt. Penisfutterale verschiedenster Gestaltung sind oder waren sowohl im Osten Nordkameruns, bei den Mattafall, Durru, Mbum usw. (s. Tafel 86 Abb. 18) gebräuchlich, wie auch im Waldland, bei den Bafia und anderen Stämmen des Mbamgebietes. (Ein Penisfutteral aus dem nördlichen Togo zeigt zum Vergleich mit Abb. 18 die Tafel 86 Abb. 16.) - Von wirklich flächenhafter Kleidung kamen früher vielfach Rindenstoffe und Palmfasergewebe in Betracht, jene bei den Waldlandstämmen des Südens, diese besonders im Kreuzflußgebiet. Heute ist auch über diese Gebiete entweder die Wolle des mohammedanischen Kleiderüberflusses oder der europäische Kattun geschritten. - Einen hübschen Einblick in das Kapitel Schmuck und Haartracht gewährt die Abb. 3 (Jaundemädchen) der farbigen Tafel Kamerun, S. 196. Soweit die Waldlandstämme des Südens zu der großen Familie der Fang gehören oder von ihnen beeinflußt sind, reicht auch die hübsche Frisur, wie das Jaundemädchen sie trägt. Ein solches Kunstwerk ist natürlich nur schwer herzustellen und wird deshalb auch nur von Zeit zu Zeit erneuert. Auch weiter im Norden, bei den Bane und ihren Nachbarn, sind derart kunstvolle Frisuren im Schwange. Anderswo, wie bei den Schua-Arabern und den Kotoko, zerlegt man das Haar in unzählige feine, vom Kopfe herabhängende,Flechten. Im Schmuck sind die Ober- und Unterlippenscheiben, die Nasen- und Ohrpflöcke der Musgu und ihrer Nachbarn das Abenteuerlichste. Nasenpflöcke sind auch bei den Jaunde üblich (s. farb. Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]). Sonst umfaßt dieses Kapitel alle die Ketten, Schnüre, Ringe und Spangen, die wir bei anderen Afrikanern auch finden. Aus der Kosmetik der Haussa erwähnenswert sind jene, auch in den ethnographischen Sammlungen häufigen, hübsch gestalteten Fellbüchschen für Antimonpulver, das von den Schönen dieser weit verbreiteten Völkerschaft zum Unterschminken der Augen gebraucht wird (s. Tafel 86 Abb. 12). - Ungemein mannigfaltig ist naturgemäß die Bewaffnung der vielgestaltigen Kameruner Bevölkerung. Unter den Angriffswaffen walten Keule und Messer vor bei den Fulbe und den von ihnen beeinflußten Völkern. Stumpfe, nur zum Hieb geeignete Schwertmesser (s. Tafel 86 Abb. 5) sind auch im südlichen Grasland im Gebrauch. Schon nach der Kongoprovinz hinüber neigen sodann die Hiebmesser von der Form der Abb. 8 Tafel 86 und der Wurfmesser Abb. 9 ebenda. Die Sudanstämme tragen kürzere Messer gern am Unterarm oder am Halse. Dolchmesser mit hohlem Handgriff, ganz ähnlich dem in Abb. 4 Tafel 195 wiedergegebenen verwenden die Djikum, die Wute und manche andere Stämme Südwest-Adamauas. Eine sicher von Europa her beeinflußte Schwertform ist das sog. Haussaschwert, eine fast meterlange gerade Waffe, die stark an unser altes Ritterschwert erinnert. Stoßspeer und Wurflanze sind nahezu allgemein verbreitet. Bei den Reitervölkern des Sudans sind die Lanzen von beträchtlicher Länge. Bei einzelnen Stämmen des Waldlandes verfeuert man kurze vergiftete Spieße aus Gewehren auf Großwild. Der Bogen ist durchweg einfacher Natur. Asiatischen Einfluß zeigt er nur im Sudan, indem er hier zuweilen in der Mitte eingedrückt ist. Der Pfeil zeigt nirgends Befiederung. In der Spannweise des Bogens interessant sind die Wute. Diese besitzen einen recht kräftigen, langen Bogen, den sie nur sehr wenig straff bespannen. Aus diesem Grunde schlägt die Sehne beim Schuß schwer auf die linke Hand. Zu deren Schutz legen die Wute nun große, schön gepunzte Lederkissen um das Handgelenk (s. Tafel 86 Abb. 17), auf die die Sehne aufschlägt. Das Spannen des Bogens selbst geschieht mit Hilfe einer Spannvorrichtung. Diese besteht entweder in dem Hohlgriff des oben erwähnten Dolchmessers, mit dessen hinterer Kante die Sehne zurückgezogen wird, oder in einem Holzbügel von der in der Tafel 86 Abb. 17 erkennbaren Form, der sich um die Mittelhand legt. Während die Sehne hinter dem Bügel ruht, sucht der Schütze den Pfeil mit den oberen Teilen von Daumen und Zeigefinger festzuhalten. - Der Vergangenheit gehört heute das Wurfmesser an, eine auf Nord- und Zentralafrika beschränkte Waffe, die, horizontal geschleudert, bei ihrer Rotation mit den ihr eigentümlichen Zacken den Gegner an unbedeckten Körperstellen verwunden sollte. Eine der einfacheren Formen ist in Abb. 9 Tafel 86 wiedergegeben. - Zweifellos fremd im Lande und von den Europäern entlehnt ist hingegen die Armbrust. Sie ist den Fangstämmen eigentümlich, findet sich aber auch am Kamerunberg und am Mbam. Im äußeren Aufbau gleicht sie vollkommen der europäischen Armbrust. Prüft man hingegen den Abzugsmechanismus, so erkennt man sofort, die technische Hilflosigkeit des Negers. Der Schaft ist nämlich der Quere nach aufgespalten. In der unteren Hälfte ist ein Pflock befestigt, der in ein durch den Oberteil gebohrtes Loch eingreift und es vollkommen ausfüllt, sobald die beiden Schafthälften aufeinander liegen. Quer über das Loch des Oberschaftes hin liegt die Nute, in die die Armbrustsehne sich einlagert. Kommt der Pflock von unten, so treibt er die Sehne nach oben aus der Nute heraus; sie schlägt nach vorn und treibt das Geschoß davon. Auf diesem Aufbau beruht die Spannweise: man muß die Finger zwischen die Schafthälften klemmen, um die Sehne in die Nute legen zu können. Erst wenn man sie mühselig aus dem Spalt löst, tritt der Abzugsmechanismus in Kraft. Trotz dieser vollkommenen Unzulänglichkeit des Baues ist die Waffe früher gefürchtet gewesen, besonders allerdings wohl wegen der stark vergifteten, kaum häkelnadelgroßen Pfeile. Heute ist die Armbrust Kinderspielzeug. - Unter den Schutzwaffen stehen Schilde und Panzer obenan. Jene sind sowohl tierischer wie pflanzlicher Abkunft, wobei Rindenschilde auf das Kumbohochland beschränkt sind, während die übrigen Formen anscheinend regellos durcheinanderlaufen. Nur der Lederschild ist dabei mehr auf den Sudan und Adamaua, beschränkt, während der Holzschild das Gebiet seiner größten Ausbreitung im Südosten hat. - Panzer sind oder waren nur im Norden verbreitet: Tierhautpanzer bei den Tuburi und Musgu, Wattepanzer für Roß und Reiter bei den regulären Truppen der Haussa, Kanuri und Fulbe, Eisenpanzer bei den Mohammedanern (s. Tafel 86 Abb. 23). Mit diesem Eisenpanzer vereint trägt man Metallhelme von der Form des in Abb. 10 der farbigen Tafel Kamerun, S. 200, wiedergegebenen. Der geistige Kulturbesitz sei hier nur kurz gestreift, da eine eingehendere Behandlung bei dem verfügbaren Raum ja doch nicht möglich ist. Über die Trommelsprache als eine der bemerkenswertesten Errungenschaften s. Duala. Die bildende Kunst äußert sich weniger in der Malerei als der Plastik; jene hat, allerdings unter dem Einfluß europäischer Farben, einen größeren Aufschwung nur bei den Duala genommen (s. farbige Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 1,2 [Geheimbundmasken], 4 [Idol Ekongolo], 6 [Ruder], 7 [Bootmodell]); im übrigen beschränkt sie sich auch hier auf die farbige Verzierung von Gegenständen aller Art. Um so allgemeiner ist dagegen in dem vom Islam unberührten Teile die Plastik; sie begreift alle die zahllosen aus Holz, Horn und Knochen geschnitzten Gegenstände, wie auch die Keramik und den Guß aus Messing und Bronze und läßt kaum irgendeinen Teil des Kulturgutes dieser südlichen Völker außer acht (Abb. 1 [Hausleiste], 3 [Speiseschüssel], 4 [Tanzmaske], 6 [Schemel], 7 [Jujukopf], 10 [Helm] und Abb. 1, 2 [Geheimbundmasken], 5 [Pulvergefäß] der farbigen Tafeln Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 2, 3, 7, 19, 21, 22 der Tafel 86]). Die Neigung zu naturalistischer Darstellung ist im allgemeinen unverkennbar, wenn anders Anläufe zur Stilisierung bereits deutlich erkennbar sind. - Auf dem Gebiet der Religion kommt der den ganzen Norden beherrschende Islam ethnographisch kaum in Betracht. Wo er noch nicht hingedrungen ist, herrschen Zauberglaube, Animismus und Ahnenkult in sicher stets vorhandener, wenn auch noch nicht klar erkennbarer Wechselbeziehung. Vermutlich ist auch noch mit dem Totemismus zu rechnen. Ihren sichtbaren Ausdruck finden alle diese Gefühle der Abhängigkeit von höheren, überirdischen Mächten in zahlreichen Amuletten, Masken, Kopfaufsätzen, Fetischfiguren u. dgl. m. Bei den Duala und den Völkern um den Kamerunberg ist das Gefühl der Abhängigkeit von den Seelen der Verstorbenen zusammengeflossen mit der alten Einrichtung der Altersklassen und Männerbünde und äußert sich nunmehr in Gestalt der Einrichtung der Geheimbünde (s.d. bei Duala). Weiter im Norden, im Kreuzflußgebiet und auch Nigerien hinüber, finden wir hingegen die alles beherrschende Einrichtung des Juju. Der Begriff ist seinem Inhalte nach noch nicht klar zu erfassen. Mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutet es ursprünglich nichts anderes als das irokesische Orenda oder das melanesische Mana, also die dem Menschen, den Tieren oder selbst den Dingen innewohnende Zauberkraft, die man zum eignen Nutzen oder zu des Nächsten Schaden anwenden kann, sofern die eigne Zauberkraft dazu ausreicht. Später scheinen sich Geister- und Ahnenfurcht hinzugesellt zu haben, so daß gegenwärtig ein wahrer Wust von Vorstellungen mit dem Begriff des Juju zusammenfällt. Seine Träger sind auch hier Männervereinigungen in besonderen Jujuhäusern; äußerer Ausdruck des Kultus vielgestaltige Fetischfiguren, Masken und Kopfaufsätze, die man als zeitweiligen Sitz der wirksamen Kräfte ansieht, die man im Jujuhaus aufstellt, mit denen man tanzt und Umzüge veranstaltet, und vor denen man gegebenenfalls auch opfert. Die Abb. 1, 2 [Geheimhundmasken], 4 [Idol Ekongolo] und Abb. 7 [Jujukopf], 9 [Kopfaufsatz], 11 [Tanzmasken] der farb. Tafel Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 3, 7, 19, 22 der Tafel 86 geben eine Auswahl von Figuren aus diesem Pantheon wieder.

Weule.

8. Eingeborenenproduktion. Die Wirtschaftsprodukte der Eingeborenen sind in den verschiedenen Teilen K. auch wesentlich verschiedene. Das Waldgebiet eignet sich mit seiner tiefgründigen Humusschicht vorzüglich für den Ackerbau, ist aber für Viehzucht vollständig unbrauchbar wegen der Tsetsefliege und einiger stets bald auftretender Seuchen. Dagegen sind Jagd und Fischfang im weitesten Maße nutzbringend. Das Grasland ist wegen der Trockenzeit nur zu bestimmten Jahreszeiten für den Ackerbau brauchbar, es fallen eine ganze Anzahl von anspruchsvollen Kulturpflanzen fort. Dafür tritt die Viehzucht hervor, ebenso wie die Jagd, die in den großen Antilopen- und Gazellenscharen der Savannen zu ihrem Nutzen kommt. Dasselbe ist der Fall in den Tiefländern des oberen Logone, wo wir Viehzucht und Ackerbau vereinigt antreffen. Die Sumpfgebiete am unteren Logone und südlich des Tsadsee eignen sich dagegen mehr für den Ackerbau, da die Viehzucht unter den regelmäßig auftretenden Seuchen sehr leidet. Hier tritt der Fischfang dagegen außerordentlich in den Vordergrund. Was nun zunächst die Jagd anbelangt, so kommt vor allem für den Handel das Elfenbein in Betracht. Die Verbreitung des Elefanten erstreckt sich besonders über das Waldgebiet, dann über das Grasland von Südadamaua und über das Tsadseegebiet. Im Massivgebiet von Nordadamaua ist er selten. Die hauptsächlichen Elefantenjäger sind die Bagielli des Urwaldgebietes, die von der Erlegung dieses Wildes leben. Sie tauschen das Fleisch und die Zähne an die Neger, in deren Gebiet sie wohnen, gegen Zerealien und ihre sonstigen Bedürfnisse ein. Im Grasland sind die Haussa, vielfach Elefantenjäger. Sie benutzen aber Gewehre, während die Pygmäen ihnen nur mit Lanzen zuleibe gehen. Die Ausfuhr an Elfenbein belief sich im Jahre 1907/08 auf über 1 Mill. M. Seitdem ist sie bis auf 625 500 im Jahre 1910 und weiter auf 536 000 im Jahre 1913 gesunken und wird wohl noch weiter sinken, in dem Maße wie der Elefant der Kultur oder der Verfolgung erliegt. Außer Elfenbein kommen an tierischen Produkten nur noch wenige in geringen Mengen in Betracht. Erwähnt mögen nur Straußenfedern werden. Am Tsadsee werden die Strauße von den Arabern gejagt. Aber die Produktion ist doch nur gering. Eine weitere wirtschaftliche Betätigung der Eingeborenen, der Fischfang, bringt keine Produkte auf den Weltmarkt. Fischer sind besonders die Urwaldstämme und die am Logone und am unteren Schari, sowie am Tsadsee wohnenden Völker. Wenden wir uns zur Viehzucht, so haben wir schon gesehen, daß dieselbe nur außerhalb des Urwaldes möglich ist. Zwar gibt es Viehbestände, besonders im Kreuzflußgebiet, aber die Tiere sind mager und ziemlich wertlos. Da eine breite Urwaldzone das Grasland von der Küste trennt, so ist dadurch eine Ausfuhr des produzierten Viehes sehr erschwert. Es wird daher Vieh zumeist den Benue abwärts oder über die Westgrenze in englisches Gebiet ausgefühft. Nur das Kleinvieh, Ziegen und Schweine, kommen auch im Waldlande vor, letztere wohl nur dort. Viehzüchter sind besonders die Bororo-Fulbe, die sich ausschließlich mit Viehzucht beschäftigen, und dann die Lakka, die aber auch eifrige Ackerbauer sind. Im Waldlande sind die Boki nordwestlich von Ossidinge Viehzüchter, aber ihr Vieh stammt aus dem Sudan. Die Qualität des Viehs ist teilweise gering, nur die Rinder der Fulbe sind relativ gut, wohl auch das Vieh der Lakka. Man ist von der Regierung aus bestrebt, die Güte des Viehbestandes durch Einführung guten Viehes zu heben. Der Wert der exportierten Tiere betrug im Jahre 1910 nur 10452 M, während er im Jahre 1906 51170 M und im Jahre 1908 sogar 100000 M betrug. Im Jahre 1913 ist der Betrag wieder auf 20000 M gestiegen. Pferdezucht wird besonders am Logone durch die Lakka und Musgu betrieben. Doch ist das Pferd in ganz Adamaua bekannt, außer im Baiaplateau, wo auch das Rind nicht vorkommt. Doch haben die Baia für Pferd und Rind Namen. In Bornu wird in geringem Maße Straußenzucht getrieben, doch ist die Produktion minimal. Ehe wir zum Ackerbau übergehen, wollen wir die wildwachsenden Pflanzen betrachten, die der Eingeborene ausnutzt, sei es zum eigenen Gebrauch, sei es als ein von den Europäern begehrter Handelsartikel. Von den letzteren steht Kautschuk an erster Stelle. Die wichtigste Kautschukpflanze ist Kickxia elastica, die im ganzen Urwaldgebiet im Überfluß vorkommt, daneben kommt die Liane, die Landolphia in verschiedenen Arten in Betracht. Leider wird natürlich von den Eingeborenen bei der Kautschukgewinnung Raubbau getrieben, so daß eine Verminderung der Kautschukbestände von Jahr zu Jahr eintritt. Die Ausfuhr von Kautschuk belief sich im Jahre 1910 auf 11070680 M, und davon sind 10960680 M Sammelprodukte der Eingeborenen und nur 110000 M erst Produkte europäischen Plantagenbetriebes. Das Bild für 1912 ist folgendes: Pflanzungskautschuk 170800 M, Sammelkautschuk 11801671 M. Im Mandaragebirge wird von den Eingeborenen Guttapercha gesammelt, aber bisher nur im Werte von etwa 1000 M. An zweiter Stelle, früher den Wert des gesammelten Kautschuk übertreffend, steht das Sammeln der Ölfrüchte. Die an erster Stelle in Betracht kommende Pflanze ist die Ölpalme, die im ganzen Waldgebiet und stellenweise auch auf dem Plateau, in der Sanagamulde und im Mbamtal vorkommt. Man kann bei ihr teilweise von einer Kultur sprechen, indem der Eingeborene den Wald, in dem sie vorkommt, von Gebüsch lichtet. Ein anderer für die Ölgewinnung in Betracht kommender Baum ist der Schibaum, der im ganzen Sudan häufig ist. Aus seinen Früchten wird die sog. Schibutter gewonnen. Die Ausfuhr von Schibutter betrug 1910 aber nur für 14 906 M, und bis 1912 ist eine erhebliche Abnahme zu verzeichnen. Dagegen ist die Ausfuhr von Palmkernen von Jahr, zu Jahr gestiegen und wird wegen der großen Häufigkeit der Ölpalme immer wichtiger für die Entwicklung der Kolonie werden. Die Ausfuhr von Kernen betrug im Jahre 1910 3553479 M, im Jahre 1912 4406000 M, die Ausfuhr von Palmöl 1260000 M resp. 1622400 M. Von sonstigen pflanzlichen Produkten ist noch die Kolanuß, deren Produktion sich 1910 auf 50580 M (im Jahre 1912 stieg die Ausfuhr auf 167000 M) belief, und das Gummi arabicum (1912 = 44 300 M) zu erwähnen. Die Hauptproduktion von Nutzhölzern liegt ebenfalls in den Händen der Eingeborenen, die leider auch hierbei vielfach Raubbau treiben. Es handelt sich hier natürlich hauptsächlich um das Waldlande aus dem etwa 10-15 Arten von Bäumen verwertet werden. An erster Stelle stehen vor allem Mahagoni, Ebenholz, Baumwollholz, Boagossi und Oku-Mie u. a. Die Gesamtausfuhr belief sich im Jahre 1910 auf 144905 M, von denen 124272 M von Eingeborenen produziert wurden, stieg aber im Jahre 1912 bereits auf 700000 M. Erwähnt müssen noch die mineralischen und fossilen Sammelprodukte werden, besonders Kopal und Glimmer, die zur Hälfte, also etwa im Werte von 30000 M, im Jahre 1910 zur Eingeborenenproduktion gehören. Im Jahre 1912 war der ganze Betrag der Ausfuhr. mineralischer und fossiler Rohstoffe 1466 M. - Wir kommen jetzt zu den Erzeugnissen des eingeborenen Ackerbaus, von denen aber für den Welthandel bisher nur der Kakao in Frage kommt, wenigstens in größerem Maße. Die Kulturpflanzen der Waldlandneger, also damit der Bantuneger, sind ganz andere als die der Graslandbewohner. Im Waldland sind die Knollenfrüchte die Hauptnahrungsmittel, vor allen Maniok, Yams und Bataten. Daneben kommt die Banane in Betracht, ferner Mais, Bohnen, Kürbisse, dann Zuckerrohr, Pfeffer und Tabak als Genußmittel. Im Gegensatz dazu ist die Hauptpflanze der Graslandneger die Hirse, während alle anderen dagegen zurücktreten. Hinzu kommen Mais, Yams, Reis und Erdnüsse. Im Tsadseetiefland wächst der Reis wild und wird auch schon angebaute ebenso wie der Weizen. Die Hauptnahrungspflanze ist aber auch hier die Hirse. Wie gesagt, ist keine dieser Lebensmittelpflanzen als Handelsprodukt wichtig. Dagegen haben die Genußmittel Aussicht, für die Ausfuhr wichtig zu werden, und der Kakaobaum ist es schon jetzt. Von den 3033399 M, die im Jahre 1910 für Kakao erzielt wurden (1912 = 3 721000 M), entfallen 325 543 M (resp. 521260 M) auf die Eingeborenenproduktion, und der Kakaobaum scheint unter den Negern von Jahr zu Jahr beliebter zu werden. Die Hauptgegenden des Kakaobaus sind der K.berg und die Gegend von Jaunde . Ebenfalls dürften die Kulturen von Faserpflanzen in K. eine große Zukunft haben. Vor allem die Baumwolle findet im Norden gute Existenzbedingungen, und die Regierung sucht den Baumwollbau überall zu heben. Doch ist bisher die Produktion noch nicht für eine wesentliche Ausfuhr groß genug. -Zuletzt müssen wir noch kurz die Erzeugnisse der Eingeborenenindustrie erwähnen. Die Ausfuhr dieser Produkte belief sich im Jahre 1910 auf 42 248 M (1911 = 62 690 M, 1912 = 28 258 M), und die Erzeugnisse bestanden hauptsächlich in Lederarbeiten, Strohflechtereien und Holzwaren.

Passarge- Rathgens.

9. Europäerbevölkerung. Die weiße Bevölkerung K.s ist von 528 im Jahre 1900 auf 826 im Jahre 1905 und 1781 im Jahre 1912 (Nachweis vom 1. Januar 1913) gestiegen; sie hat sich im letzten Jahrzehnt nahezu verdreifacht. Der Nationalität nach teilte sich die weiße Bevölkerung im Jahre

1900 in 475 Reichsangehörige, 75 Ausländer
1905 in 727 Reichsangehörige, 88 Ausländer
1910 in 1084 Reichsangehörige, 152 Ausländer
1912 in 1560 Reichsangehörige, 228 Ausländer

Die Bevölkerung fremder Nationalität ist also dem Verhältnis nach gegenüber dem Stande von 1900 zurückgeblieben. Unter den Ausländern stehen die Engländer an erster Stelle, dann kommen Amerikaner, Schweizer, Österreicher. Dem Geschlecht nach teilte sich die Bevölkerung im Jahre

1900 in 475 Männer 42 Frauen 11 Kinder
1905 in 727 Männer 77 Frauen 22 Kinder
1910 in 1084 Männer 139 Frauen 61 Kinder
1912 in 1560 Männer 230 Frauen 81 Kinder

Daraus geht hervor, daß die Zusammensetzung der Bevölkerung sich seit 1900 etwas zugunsten der Frauen und Kinder verschoben hat. Diese vom Rassenstandpunkte aus erfreuliche Tatsache ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die gesamten äußeren Lebensbedingungen, die gesundheitlichen Verhältnisse, Wohnung, Verpflegung, Geselligkeit, Verkehrswesen sich im Laufe des letzten Jahrzehnts sehr gebessert haben, so daß die im Schutzgebiet tätigen Europäer trotz des tropischen Klimas es wagen können, weibliche Familienangehörige und Kinder mit hinauszunehmen. Im Jahre 1900 waren von den 42 weißen Frauen 27 verheiratet, und zwar 1 an einen Regierungsbeamten, 20 an Missionare, 4 an Kaufleute und 2 an Pflanzer. Im Jahre 1912 waren von den 230 Frauen 173 verheiratet, und zwar 50 an Kaufleute und andere Gewerbetreibende, 56 an Missionare und 67 an Regierungsbeamte und Schutztruppenangehörige. Es zeigt sich, daß die Bestrebungen der Kolonialverwaltung, soweit es möglich ist, verheirateten Beamten die Mitnahme ihrer Familie zu ermöglichen, von Erfolg gewesen sind. Bei der Unterscheidung der Bevölkerung nach Beruf en ist am wichtigsten die zwischen unmittelbar wirtschaftlich produktiven Berufen und anderen. Zur ersten Gruppe sind Kaufleute, Pflanzer, Seeleute, Bauunternehmer, Ingenieure, Handwerker und ähnliche Berufe zu rechnen, zur zweiten Regierungsbeamte, Schutztruppenangehörige, Missionare, ärztliches Personal usw.

1900 gehörten zur 1. Gruppe 302 Personen,
    2. Gruppe 169 Personen,
1905 gehörten zur 1. Gruppe 447 Personen,
    2. Gruppe 274 Personen,
1910 gehörten zur 1. Gruppe 651 Personen,
    2. Gruppe 433 Personen,
1912 gehörten zur 1. Gruppe 885 Personen,
    2. Gruppe 675 Personen,

Am dichtesten mit weißer Bevölkerung ist der Verwaltungsbezirk Duala besiedelt. Es folgen Buea, Victoria, Edea, Kribi, Jaunde. In der persönlichen Zusammensetzung unterliegt die weiße Bevölkerung, wie bei dem tropischen Klima nicht anders zu erwarten ist, einem starken Wechsel. - In Neu-K. setzte sich die weiße Bevölkerung aus ungefähr 40-50 französischen Verwaltungsbeamten, 50-60 Schutztruppenangehörigen und 60-70 kaufmännischen und Pflanzungsangestellten zusammen. Verhältnismäßig am dichtesten mit Weißen besetzt war bisher das Ssanga-Gebiet und die Gegend der Muni-Mündung.

10. Europäische Unternehmungen. Neben der Eingeborenenproduktion, auf der zurzeit von den wichtigsten Ausfuhrartikeln der Kautschuk und die Ölpalmfrüchte zum weitaus größten Teil beruhen, spielen auch die europäischen landwirtschaftlichen Unternehmungen eine bedeutende Rolle. Sie sind für die wirtschaftliche Entwicklung Kameruns insofern von der größten Bedeutung, als bei ihnen eine planmäßige Bewirtschaftung vorherrscht und auf ihnen viele Tausende von Eingeborenen, die eine geregelte Arbeit noch nicht kennen, an eine solche gewöhnt worden sind und gewöhnt werden. Den klimatischen Verhältnissen des Landes entsprechend, sind diese europäischen Unternehmungen ihrer Form nach Plantagenunternehmungen. Sie entstanden zunächst an den fruchtbaren Abhängen des Kamerunberges, wo schon 1894 fast das ganze brauchbare Land an größere Unternehmungen vergeben war. Im Laufe der Jahre dehnte sich der Plantagenbau auch auf die anderen Bezirke des Schutzgebiets aus und entwickelte sich besonders an der Nordbahn in stärkerem Maße. Im Jahre 1910 bestanden 44 Unternehmungen im Plantagenbau, darunter waren 13 Aktiengesellschaften mit einem Kapital von 13,1 Mill. M und 4 KolonialGesellschaften mit 2,52 Mill. M. Die Zahl der Unternehmungen stieg 1911 auf 52 und 1912 auf 58. An erster Stelle hinsichtlich der Dauer ihres Bestehens sowie hinsichtlich der bebauten Fläche und ihrer Ertragfähigkeit stehen die Kakaokulturen. Zunächst begannen Anfang der 90er Jahre die Pflanzungen am Kameruner Berge mit dem Anbau von Kakao. Als er sich als lohnend erwies, ging man auch an anderen Stellen des Schutzgebiets zu dieser Kultur über. Der Ernteertrag hat sich langsam aber stetig gehoben, obgleich in manchen Jahren Krankheiten (Braunfäule) und Schädlinge (Rindenwanze) großen Schaden an- richteten. Nach den bisherigen Erfahrungen kann man sagen, daß die Zukunft der Kakaokultur in Kamerun gesichert ist. - Es folgen der Ausdehnung nach die Kautschukplantagen. Unter den Kautschukpflanzen, die bisher angebaut sind, herrschte bis 1907 die Kickxia elastica vor. Von da an begann man sich immer mehr der Hevea briasiliensis zuzuwenden. Die anderen Kautschukpflanzen, wie Castilloa, Ficus elastica, Manihot u. a., sind nur wenig verbreitet. Gegenüber dem Handelskautschuk, d.h. dem durch Eingeborene aus Wildbeständen gewonnenen und von Händlern aufgekauften Kautschuk, kommt der Plantagenkautschuk hinsichtlich der Menge bis jetzt kaum in Betracht. Sein Anteil an der Ausfuhr wird, steigen, je mehr die an- gepflanzten Bestände an Kautschukbäumen in das zapffähige Alter kommen. - Auch bei den Ölpalmfrüchten sind die Erträgnisse der europäischen Plantagen im Verhältnis zur Eingeborenenproduktion und zur Gesamtausfuhr noch gering. Immerhin weisen auch diese Kulturen eine dauernde Steigerung in der Zahl der Palmen auf. Seitdem durch Maschinen eine von der menschlichen Arbeitskraft unabhängigere Ausnutzung der Früchte ermöglicht worden ist, wenden sich immer mehr Unternehmungen, zum größten Teil im Neben- betriebe, dieser Kultur zu. Es sind z. B. große Flächen alter Kakaobestände mit Ölpalmen durchgepflanzt worden. Ein Unternehmen verwertet die Früchte der Ölpalme im Hauptbetriebe. Es hat zu diesem Zweck eine leistungsfähige Fabrik errichtet, die die Palmfrüchte teilweise von den Eingeborenen aufkauft, teilweise selbst aus gekauften oder gepachteten Ländereien erntet. Der Kultur der Ölpalme durch die Eingeborenen in Verbindung mit maschinellen Aufbereitungsanstalten unter europäischer Leitung steht in K. wahrscheinlich eine große Zukunft bevor, da der europäische Markt für Pflanzenfette und -öle jetzt und in absehbarer Zeit fast unbeschränkt aufnahmefähig ist. - Mehlbananen (Planten) werden seit 10 Jahren, meist in Mischkultur, immer mehr gebaut. Sie dienen in erster Linie zur Verpflegung farbiger Arbeiter. Die Versuche, das aus ihnen gewonnene Bananenmehl in größeren Mengen in Deutschland einzuführen, haben noch zu keinem dauernden Erfolg geführt. - Die Kultur der Eßbananen ist neueren Datums. Es sind bereits größere Flächen mit ihnen bepflanzt. Eine Ausfuhr in nennenswerter Menge wird aber erst, im Jahre 1914 einsetzen, da vom 1. Okt. dieses Jahres ab mehrere Kühldampfer, ohne die eine Beförderung dieser Früchte nach Europa nicht möglich ist in die Fahrt nach K. eingestellt werden sollen. - Tabak wurde schon vor mehr als 20 Jahren versuchsweise gebaut. Die Versuche wurden dann in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts wieder aufgenommen. Sie schlugen fehl, weil man auf Boden und örtliches Klima nicht die nötige Rücksicht genommen hatte. In den letzten Jahren hat man jedoch im Gebiete der Nordbahn ein für Tabakbau anscheinend hervorragend geeignetes Gelände gefunden. Es sind mehrere größere Unternehmen entstanden, die bisher ein vorzügliches dem Sumatratabak mindestens gleichwertiges Erzeugnis geliefert haben. Die bebaute Fläche ist zurzeit noch ziemlich gering, wird aber in den nächsten Jahren bei günstiger Entwicklung der Arbeiterverhältnisse in starkem Maße steigen. Mit dem Anbau von Kola, Baumwolle, Gewürzen und Faserpflanzen ist man über das Versuchsstadium noch nicht hinausgekommen. Wie sich in den Plantagenunternehmen der Anbau der wichtigsten Kulturen in den letzten Jahren entwickelt hat, ergibt sich aus der nachstehenden Übersicht, die allerdings mangels ausreichender Unterlagen Lücken hat und nicht unbedingt zuverlässig ist. Der Bedarf an farbigen Arbeitern ist, wie aus der Zusammenstellung zu ersehen ist, in den letzten Jahren in starkem Maße gestiegen, so daß ihre Beschaffung, da auch die Bahnbauten einen Bedarf von mehreren Tausend haben, zurzeit auf Schwierigkeiten stößt. Mehrere Pflanzungen beschäftigen sich auch mit kaufmännischen Geschäften, jedoch liegt, der Hauptanteil vom Handel in der Hand reiner kaufmännischer Firmen, von denen sowohl in der Form von Handelsgesellschaften mit höherem Kapital wie auch als Einzelkaufleute eine große Anzahl in K. tätig sind. Im übrigen siehe unter 9. Handel.

Die Viehzucht liegt, abgesehen von den Bestrebungen der Regierung auf diesem Gebiete, fast ganz in den Händen der Eingeborenen. Da wo sie von europäischen Unternehmungen betrieben wird, dient sie in der Hauptsache zur Versorgung der weißen Angestellten mit frischem Fleisch. Einige private Versuche in größerem Maßstabe versprechen Erfolg. - Bergbau wird in K. noch nicht betrieben. Zwar wurde das Vorkommen von Salz, Petroleum, Kupfer, Zinn, Glimmer, Kohle, Marmor und einigen anderen Mineralien festgestellt, doch ist ein abbauwürdiges Lager bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Die geologische Erforschung des Landes wird fortgesetzt. An gewerblichen Unternehmungen, die im Schutzgebiet noch wenig vertreten sind, sind zu nennen eine Seifensiederei in Duala, die aber noch nicht für die Ausfuhr arbeitet, einige Dampfsägewerke, die das Land mit Möbel- und Bauholz versorgen und einige im Entstehen begriffene größere Holzschlagunternehmen. Andere kleinere gewerbliche Betriebe (Bäckereien, Sattlereien, Fleischereien, Gastwirtschaften, Baugeschäfte usw.) dienen einem rein örtlichen Bedarf. In Duala und Kribi sind Rechtsanwälte, in Duala auch ein Landmesserbureau. Die Nordbahn gehört der Kamerun-Eisenbahn- Gesellschaft, die ein Kapital von 16 640000 M hat. In Alt-K. sind zwei Konzessionsgesellschaften tätig: Gesellschaft Süd-Kamerun (Kapital 3 000 000 M) und Gesellschaft Nordwest-Kamerun (Kapital 4360000 M). Mit dem Erwerb von Neu-Kamerun sind folgende französischen Gesellschaften übernommen worden: 1. Soeiété de la Sangha Equatoriale, 2. Société de la Mambéré-Sangha (i. L.), 3. Compagn ie commerciale de colonisation du Congo français, 4. Société du Haut-Ogooué, 5. Compagnie de la Ngoko-Sangha, 6. Compagnie française du Haut-Congo, 7. Compagnie forestière Sangha-Oubangui. 8. Compagnie française de 1'Ouhamé-Nana. Die Gesellschaften unter Ziff. 1, 2 und 3 fallen ganz, die übrigen nur zum Teil in deutsches Gebiet. S. a. die einzelnen Gesellschaften unter ihrem Namen.

11. Handel.

Die Übersicht zeigt, daß der Gesamthandel, im letzten Jahrzehnt eine nur im Jahre 1908 durch die allgemeine Welthandelskrise vorübergehend unterbrochene, stark aufsteigende Richtung gehabt hat. Die besonders bemerkenswerte Zunahme seit dem Jahre 1909 ist zum großen Teil auf die gesteigerte Bautätigkeit und auf die fortschreitende Vollendung der Nord- und Mittellandbahn zurückzuführen. Die Vergleichung der Ein- und Ausfuhrziffern ergibt, daß K. mehr Werte einführt als ausführt, was darauf schließen läßt, daß erhebliche Kapitalsinvestierungen im Lande stattgefunden haben und noch stattfinden. Von dem Gesamthandel des Jahres 1912 entfielen 47 Mill. M auf den Handel mit Deutschland, und zwar 27,2 Mill. M auf die Einfuhr aus Deutschland und 19,8 Mill. M auf die Ausfuhr nach Deutschland. -An zweiter Stelle stand England mit 5,5 Mill. M Einfuhr und 3 Mill. M Ausfuhr, also 8,5 Mill. Gesamthandel. Der Handel mit den übrigen Wirtschaftsgebieten ist sehr gering. Mit den afrikanischen Nachbargebieten betrug er 1912 971000 M in der Einfuhr und 181000 M in der Ausfuhr; mit Amerika 230 800 M in der Einfuhr; mit Frankreich 30000 M in der Einfuhr und mit den übrigen Ländern zusammen 231000 M in der Einfuhr und 221 000 M in der Ausfuhr. Der Anteil der Regierung an der Einfuhr betrug 5,4 Mill. M. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Materialien für die Eisenbahnbauten, die im Jahre 1912 im Werte von ungefähr 0,9 Mill. M (1910 5 Mill., 1911 2,4 Mill.) eingeführt worden sind, nicht für Rechnung der Regierung eingeführt wurden. - Von der Einfuhr des Jahres 1912 kamen für 32,9 Mill. M (191128 Mill. M) über die Küste und für 1,3 Mill. M (1911 1,3 Mill. M) über die Binnengrenzen. Sieht man von der Einfuhr an Eisenbahnmaterial, die ganz über Duala ging, ab, so entfielen von den Gesamthandelsziffern des Jahres 1912 auf Duala 26,4, Kribi 20,3, Victoria 5,7, Molundu 1,4, Garua 1,0, Rio del Rey 0,9 Mill. M. Die Entwicklung der Ausfuhr der Hauptausfuhrartikel in den letzten Jahren geht aus der nachstehenden Übersicht hervor. Es wurden ausgeführt (in Millionen Mark):

An erster Stelle steht danach dem Werte nach der Kautschuk. Er ist fast ganz von Eingeborenen produziert worden; die Europäerpflanzungen haben noch nicht 1% zu der Ausfuhrmenge beigetragen. Durch den Gebietszuwachs ist die überragende Bedeutung des Kautschuks für die Ausfuhr noch verstärkt worden, da in Neu-K. die Ausfuhr bisher zu einem noch größeren Prozentsatz aus Kautschuk (80 bis 90 %) bestanden hat als in Alt-K. und auch in Neu- K. der Kautschuk ganz aus der Eingeborenenproduktion stammt. Hauptproduktionsbezirke sind in Alt-K. die Bezirke Joko, Dengdeng, Dume, Lomie und Molundu, in Neu-K. das ganze Ssanga- und Joindogebiet. Kautschuklianen kommen auch noch nördlich vom Urwaldgebiete in den Uferwäldern des Graslandes vor. Wie lange der aus wilden Beständen stammende Kautschuk seine führende Stellung als Ausfuhrprodukt, die er seit 1904 inne hat, noch wird behalten können, ist sehr zweifelhaft, da er durch die Eingeborenen großenteils im Wege des Raubbaus gewonnen wird und eine wirksame Bekämpfung des Raubbaus sich bisher trotz aller Bemühungen der Regierung als nahezu unmöglich erwiesen hat. Der Preisrückgang auf dem Kautschukmarkt im Jahre 1907/08 hatte für das Jahr 1908 einen erheblichen Rückgang der Ausfuhr zur Folge gehabt. Dieser Rückgang ist im Jahre 1909 jedoch schon wieder eingeholt und in den folgenden Jahren bedeutend überholt worden. Von der Ausfuhr des Jahres 1911 waren nur rund 68000 M Pflanzungskautschuk, das übrige sog. Handelskautschuk, d.h. als natürliches Erzeugnis des Urwaldes gesammelter Kautschuk. Hiervon gingen für 10,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7 Mill. M nach England. An zweiter Stelle steht die Ausfuhr von Palmkernen, die im Jahre 1910 die Kakaoausfuhr überholt hat. Die starke Steigerung der Ausfuhr an Palmkernen in den letzten Jahren ist hauptsächlich auf das Fortschreiten des Eisenbahnbaues, der reiche Ölpalmgebiete erschloß, zurückzuführen. Von der Palmkernausfuhr des Jahres 1912 gingen für etwa 3,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7 Mill. nach England. Auch die Palmkerne, stammen zum weitaus größten Teil aus Eingeborenenproduktion. Es ist bei der steigenden Bewegung der Preise für Palmöl und Palmkerne zu erwarten, daß diese Produkte in Zukunft eine noch größere Bedeutung für die Eingeborenenproduktion gewinnen, als sie bisher schon hatten, da die Ertragsfähigkeit der Ölpalmen durch die Ernten nicht verringert wird, wie dies bei den Kautschukpflanzen die Regel ist. Die Ölpalmpflanzungen der Eingeborenen sind bisher von geringem Umfang und auf die Umgebung der Stationen beschränkt, wo Saatgut und junge Pflanzen an die Eingeborener verteilt werden. Die Ausfuhr in Kakao in der letzten Jahren zeigt eine nicht sehr starke, aber stetige Zunahme. Von der Ausfuhr des Jahre 1911 waren für 2,8 Mill. M Pflanzungskakao und für 0,5 Mill. M sog. Handelskakao, d.h. auf Eingeborenenpflanzungen geernteter Kakao. Für 3,9 Mill. M gingen nach Deutschland, für 0,2 Mill. M nach England. Die hauptsächlichsten Ausfuhrgebiete für Eingeborenenkakao sind die Umgebung von Victoria und die Ufer des Mungo-, Wuri-, Dibombe-, Sanaga- und Dibambaflusses, ferner die des Ndonga- und Quaquakriks. Die Eingeborenen ziehen den Kakao hauptsächlich in Gartenkultur, so daß der Anbau der einzelnen Besitzer durchschnittlich gering ist. Dadurch hat bisher die Aufbereitung der Ernten gelitten. Eine planmäßige Organisierung der Aufbereitung und Ausfuhr des Eingeborenenkakao läßt er warten, daß in Zukunft für ihn eine bessere Marktbeschaffenheit erzielt wird. Die Palmölausfuhr zeigte in den letzten Jahren gegenüber dem Jahre 1907 einen merklichem Rückgang und hat erst im Jahre 1911 den Stand von 1907 wieder erreicht und etwas überholt. Diese langsame Entwicklung der Palmölausfuhr gegenüber der bedeutenden Steigerung der Ausfuhr von Palmkernen wird darauf zurück- geführt, daß die zur Herstellung des Öles notwendige Arbeit von Männern geleistet wird und daß diese in den letzten Jahren in großer Zahl bei den Eisenbahnbauten beschäftigt waren, so daß für die Herstellung des Öles nicht genügend Arbeitskräfte vorhanden waren. Neuerdings wirkt die maschinelle Bearbeitung der Ölpalmfrüchte (s. oben unter 8) günstig auf die Ausfuhrzahlen für Palmöl ein. Von der Palmölausfuhr des Jahres 1912 gingen für 0,7 Mill. M nach Deutschland und für 0,8 Mill. M nach England. - Die Elfenbeinausfuhr zeigte wie überall an der westafrikanischen Küste seit Jahren einen Rückgang. Das ist einmal auf die strengeren Maßnahmen zum Schutze der Elefanten und auf das allmähliche Aufhören der Zufuhr sog. fossilen Elfenbeins zurückzuführen (s. Elfenbein). Ein großer Teil der Ausfuhr stammt aus Französisch-Äquatorialafrika, von wo das Elfenbein über Garua ausgeführt wird. Gegen die genannten Ausfuhrartikel bleiben die übrigen wie Ebenholz, Njabinüsse, Kolanüsse, Schinüsse, Guttapercha usw. an Bedeutung weit zurück. Auch diese stammen ganz oder zum größten Teil aus der Eingeborenenproduktion. Ebenso spielt die Ausfuhr aus der im Graslande und weiter im Norden bestehenden Vieh- und Pferdezucht der Eingeborenen eine geringe Rolle. Im Jahre 1911 wurden im Residenturbezirk Adamaua 255500, im Residenturbezirk der Tsadseeländer 80000 Stück und im Verwaltungsbezirk Banjo 60000 Stück Zeburinder und in den übrigen Bezirken im ganzen etwa 10000 Stück buckellose Rinder gezählt. Die frühere Ausfuhr nach den englischen und französischen Nachbargebieten hat in den letzten Jahren aufgehört und ist nach dem fleischarmen Urwaldgebiete K.s gegangen. Die Pferdezucht ist auf Adamaua und die Tsadseeländer beschränkt. Es wurden im ganzen etwa 14000 Pferde und 2000 Ponys gezählt. Rationelle Vieh- und Pferdezucht wird von den Eingeborenen bisher nur in geringem Maße betrieben. Die Bestrebungen der Regierung gehen dahin, durch Errichtung eines Gestütes in Adamaua und durch Einrichtung von Rindviehzuchtstationen sowie durch Belehrung der Eingeborenen eine Höherzüchtung herbeizuführen und durch eine Vermehrung des tierärztlichen Personals den manchmal verheerend auftretenden Tierseuchen, vor allem der Lungenseuche beim Rindvieh, entgegenzuwirken (s.a. Rindviehzucht und Pferdezucht). Die Tatsache, daß die Ausfuhr im wesentlichen auf Kautschuk, Öl, Palmfrüchten und Kakao beruht, verbürgt eine weiter aufsteigende und stetige Entwicklung der Ausfuhr und, da von der Ausfuhr die Kaufkraft der Eingeborenen und von dieser hauptsächlich die Einfuhr abhängt, auch die entsprechende Entwicklung des Gesamthandels. Bei allen diesen Produkten mit Ausnahme des Kautschuks sind die Aussichten für die nächste Zeit günstig. Durch die Mittellandbahn werden in den nächsten Jahren bisher nicht zu verwertende, reiche Ölpalmbestände erschlossen werden, und die Marktverhältnisse für Ölfrüchte versprechen für die nächste Zeit die gleich günstige Entwicklung wie in den letzten Jahren. Die Kakaoausfuhr läßt eine weitere Steigerung erwarten, da bisher noch nicht alle Pflanzungen erntereif sind und weitere Pflanzungen, besonders auch durch Eingeborene, angelegt werden. Schlecht dagegen sind die Aussichten für den Kautschuk, der in der letzten Zeit infolge des gesteigerten Ertrages der ostasiatischen Kautschukpflanzungen einen derartigen Tiefstand im Preise erreicht hat, daß der wilde Kautschuk aus Kamerun zurzeit nur mit Verlust ausgeführt werden kann. Immerhin liegt in der Zusammensetzung der Ausfuhr aus mehreren Produkten, die für ihr Gedeihen und ihren Absatz ganz verschiedene Vorbedingungen haben, eine starke Gewähr dafür, daß auch bei zeitweiligem Versagen eines Produktes die Entwicklung des Gesamthandels nicht dauernd aus ihrer steigenden Richtung gebracht wird.

Die Übersicht läßt den schon erwähnten Zusammenhang zwischen Ausfuhr und Einfuhr erkennen. Der Rückgang der Ausfuhr im Jahre 1908 hat auch einen Rückgang der Einfuhr in diesem und im folgenden Jahre und die Ausfuhrsteigerung im Jahre 1909 eine bedeutende Zunahme der Einfuhr in den folgenden Jahren zur Folge gehabt. Das kommt besonders in der Einfuhr von Geweben zum Ausdruck, die der am meisten begehrte Verbrauchs- und Tauschartikel der Eingeborenen sind. Von der Einfuhr an Textil- und Filzwaren im Jahre 1912 stammen etwa 6,2 Mill. aus Deutschland und 2,9 Mill. aus England; es ist aber anzunehmen, daß der Anteil der englischen Einfuhr noch größer ist, da ein Teil der deutschen Verschiffungen englische Produkte umfaßt. Die starke Konkurrenzfähigkeit der englischen Gewebeindustrie kommt also auch hier, wie überall an der westafrikanischen Küste, zum Ausdruck. Von dem an zweiter Stelle stehenden Einfuhrartikel - Fleisch, Fische und tierische Nahrungsmittel - kamen für etwa 3,1 Mill. M aus Deutschland für 0,4 Mill. aus England. Etwa die Hälfte dieser Einfuhr besteht aus Stockfischen, einem Hauptnahrungsmittel der eingeborenen Arbeiter. Die an dritter Stelle genannte Einfuhrgruppe - nicht besonders benannte Eisenwaren - wird zum größten Teil für die Bedürfnisse der Eingeborenen eingeführt. Die für die Bahnbauten und sonstigen Zwecke eingeführten Eisenwaren sind in dieser Einfuhr nicht enthalten, nämlich Roheisen, eiserne Schienen und Stangen mit rund 0,7 Mill. M, Wellblech, Nägel usw. mit 0,2 Mill. M, Waren aus anderen unedlen Metallen mit 0,5 Mill. M, Maschinen, Fahrzeuge aller Art und Geräte mit 0,7 Mill. M. Bei der letzten Gruppe ist zu erwähnen, daß die Einfuhr der Maschinen für landwirtschaftliche Betriebe gegen 1910 erheblich zugenommen hat. Die Zunahme der Reiseinfuhr ist auf die weitere Ausdehnung des Bahnbaues und auf regeren Verkehr zurückzuführen. Die Geldeinfuhr hat auch im Jahre 1912 wieder zum größten Teil aus Silbergeld bestanden. Es ist in diesem Jahre aber auch ein größerer Posten Papiergeld (2,6 Mill. M) eingeführt worden. Die Zollverhältnisse sind in K. durch die Zollverordnung vom 1. Aug. 1911 (Amtsblatt für K. 1911 Nr. 16 S. 331) und die Zolltarifverordnung vom gleichen Tage geregelt. Letztere hat aber inzwischen mehrere wichtige Veränderungen erfahren, zuletzt durch Verordnung vom 10. Sept. 1913 (Amtsblatt für K. Nr. 29 S. 401). Danach ist der Einfuhrzol1 im allgemeinen ein Wertzoll, der bei Geweben 15. v. H., bei Eisenwaren 20 v. H., im Übrigen 10 v. H. beträgt. -Nur wenige Waren sind mit einem besonderen, nach Maß oder Gewicht berechneten Einfuhrzoll belegt, nämlich alkoholische Getränke, Waffen, Pulver, Salz, Tabak, Reis und getrocknete Fische; einzelne Waren gehen zollfrei ein, hauptsächlich Maschinen und Materialien, die für die Investierung im Lande bestimmt sind oder wissenschaftlichen und medizinischen Zwecken dienen.. Ausfuhzöl1e werden erhoben von Kautschuk, Elfenbein, frischen Kolanüssen und lebenden Nutztieren. Nutztiere sind mit einem Ausfuhrzoll belegt worden, um die Ausfuhr von Vieh und Pferden aus den nördlichen Bezirken K.s nach den benachbarten fremden Kolonien zu unterbinden, mit dem Erfolge, daß diese Ausfuhr auch merklich abgenommen und sich mehr nach dem fleischarmen Süden K.s gelenkt hat. Im Jahre 1911 wurden etwa, 14000 Rinder vom Norden nach dem Süden getrieben. Für die Zollverhältnisse des in dem sog. vertraglichen Kongobecken liegenden Teiles K.s, nämlich die Südostecke AltK.s und den größten Teil Neu-K.s, sind die Bestimmungen der Berliner und Brüsseler Generalakte maßgebend. Die Träger des Binnenhandels waren früher hauptsächlich die an der Küste wohnenden Eingeborenenstämme. Ihr Handel ist aber mehr und mehr von den in K. tätigen europäischen Unternehmungen (s. Abschnitt 10) zurückgedrängt worden. Die am Gummihandel interessierten deutschen Unternehmungen hatten sich bis vor kurzem zu einem Gummisyndikat zusammengeschlossen. Außerdem haben die im südlichen Teil tätigen Firmen zur Vertretung ihrer Interessen die Handelskammer von Süd-K. gegründet, die auf dem Gebiete des geschäftlichen und öffentlichen Lebens eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Nach ihrem Muster hat sich vor kurzem auch in Duala eine Vereinigung zur Vertretung der Handelsinteressen Dualas und Mittel-K.s gebildet. In den letzten Jahren haben sich die aus dem Norden kommenden Haussahändler mehr und mehr im Binnenhandel ausgebreitet; der Zwischenhandel in Kautschuk, Elfenbein und Vieh liegt größtenteils in ihren Händen. - Für Neu-K. liegen genaue Ziffern über den Handel nicht vor. Der auf Neu-K. entfallende Teil des Gesamthandels von Französisch-Aquatorialafrika wird von französischer Seite auf 10-12 Mill. Franken geschätzt. Im Verhältnis der Ein- und Ausfuhr von Französisch- Äquatorialafrika entfielen davon etwa 6,5 Mill. Fr. auf die Ausfuhr und 3,5 Mill. Fr. auf die Einfuhr. Die Ausfuhr bestand fast ganz aus Kautschuk und, etwas Elfenbein. Bemerkenswert für das Verhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr in NeuK. ist, daß in Französisch-Äquatorialafrika im Gegensatz zu Alt-K. seit Jahrzehnten mehr ausgeführt als eingeführt wird.

12. Verkehr. K. kommt infolge seines Klimas als Besiedelungsland für Weiße bis auf kleinere Hochländer, die sich vielleicht später als besiedelungsfähig erweisen, voraussichtlich nicht in Betracht. Sein wirtschaftlicher Wert für Europäer liegt in der großen Hauptsache in seiner Eigenschaft als Absatz- und Produktionsgebiet. Für die Ein- und Ausfuhr ist neben den natürlichen Produktionsmöglichkeiten die Verbindung der Produktionsstätten mit den Verbrauchsplätzen von ausschlaggebender Bedeutung. Die Verkehrsfrage stellt sich daher in den Vordergrund des wirtschaftspolitischen Interesses. Am einfachsten ist sie naturgemäß im Küstengebiete, da hier als billigstes und brauchbarstes Verkehrsmittel die Seeschifffahrt zur Verfügung steht. Der Hafen von Duala kann zu den besten Häfen der westafrikanischen Küste gerechnet werden. Weniger gut sind die Häfen und Landungsstellen bei Victoria, Kribi, Rio del Rey und Kampo. Zu diesen Häfen kommt durch die Neuerwerbungen vom Jahre 1911 noch die Muni-Bucht, die von deutschen Dampfern jetzt schon regelmäßig angelaufen wird und anscheinend günstige Landungsverhältnisse bietet. Im Jahre 1911 liefen die K.er Küste 536 (1909 488) Dampfer an mit 1551058 (1909 1034654) Reg.Tonnen. Davon entfallen auf den Hafen von Duala 170 Dampfer mit 492990 Reg.-Tonnen und auf den von Victoria 191 Dampfer mit 533898 Reg.-Tonnen. Von den übrigen 175 Dampfern mit 524170 Reg.Tonnen, die sich auf die übrigen Häfen verteilen, entfällt der größte Teil auf Kribi, dessen Schiffsverkehr sich trotz der ungünstigen Landungsverhältnisse in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Von den 396 Handelsdampfern (1495058 Reg.-Tonnen), die im Jahre 1911 in K.er Häfen anliefen, fuhren 224 Dampfer mit 1126206 Reg.-Tonnen unter deutscher, 154 mit 368852 Reg.Tonnen unter fremder Flagge. Gegenüber dem Vorjahr ist der Verkehr der deutschen Handelsschiffe der Zahl nach gestiegen, der der fremden etwas zurückgegangen. Unter den deutschen Handelsschiffen kommen an erster Stelle die Dampfer der Woermann-Linie, die zusammen mit der Hamburg-Amerika-Linie und der Hamburg-Bremer-Afrika-Linie einen regelmäßigen 14tägigen Schiffahrtsdienst zwischen Deutschland und K. unterhält, unter den fremden Handelsschiffen die der englischen Reederei Elder Dempster und Co. in Betracht. Als natürliche Verkehrswege im Küstengebiete sind die Flußläufe des Sanaga, Wuri, Mungo, Muni und Ndian zu nennen, die von der Küste aus auf kurze Strecken schiffbar sind und in ihrem Delta zahlreiche schiffbare Querverbindungen (Creeks) haben. Der K.er Überseeverkehr geht aber nicht in seinem ganzen Umfange über die deutsche Küste. Die Nordecke und die Südostecke K.s stehen durch die Wasserstraßen des Niger-Benue und des KongoSsanga mit fremden Küsten und dadurch mit dem Weltverkehr in unmittelbarer Verbindung. Von geringerer Bedeutung ist der Verkehrsweg, den der Kreuzfluß nach Britisch-Südnigeria (Kalabar) hin bildet. Der Umfang des Überseeverkehrs, der über diese Flußläufe geht, läßt sich zahlenmäßig nicht feststellen. Einen Anhalt geben die Ziffern des Gesamthandels, der über die Zollstellen Molundu, Garua und Nssanakang geht, nämlich über Molundu im Jahre 1912 für 1429 800 (1910 974583) M, über Garua für 1092000 (1910 830747) M und über Nssanakang für 271000 (1910 320774) M. Auf dem Niger-Schiffahrtsnetze ist die Flußschiffahrt nach der Kongoakte von 1885 für Flaggen jeder Nationalität frei. Die tatsächlichen Verhältnisse aber, die die Schiffahrt ohne Hafenanlagen, Anlegeplätze, Holzstationen, Lagerschuppen und vor allem ohne ein geschultes Lotsenpersonal unmöglich machten, haben dazu geführt, daß auf dem Niger-Benue die englische Niger Company tatsächlich ein Verkehrsmonopol hat. In den letzten Jahren hat sich das Interesse in steigendem Maße diesem Verkehrswege zugewendet, da erkannt worden ist, daß er - mit dem weitverzweigten Schari-Logone-System verbunden - ein geeignetes Einfallstor für den Handel nach dem mittleren und östlichen Sudan bildet. Zu den mehrfachen französischen Projekten, die auf die bessere Nutzbarmachung dieses Verkehrsweges hinzielten (Mao Kebi-Tuburi-Logone) ist, seitdem der deutsche Landbesitz im Nordosten K.s durch das deutsch- französische Abkommen vom 4. Nov. 1911 bedeutend erweitert worden ist, ein neues deutsches Projekt gekommen, nämlich Garua durch eine nordöstlich verlaufende Eisenbahn mit dem Logone zu verbinden. Ähnlich wie auf dem Niger Benue liegen die Verhältnisse auf dem Kongo. Auch hier hat trotz der Internationalität der Schiffahrt die französische und belgische Schifffahrt den Verkehr bisher fast ganz beherrscht. Der deutsche Anteil daran ist verschwindend gering. Durch das deutsch-französische Abkommen vom 4. Nov. 1911 ist Deutschland in den Besitz langer, wichtiger Wasserverkehrsstraßen (Ssanga, Ngoko, Grüner Likuala, Likuala-mossaka) gekommen, und der Kongo und Ubangi werden durch deutsches Gebiet berührt. Hier soll unter Anlehnung an eine bestehende französische Gesellschaft eine neue deutsche Schiffahrtsgesellschaft gegründet werden. - Für das ganze übrige Gebiet K.s, das nicht im unmittelbaren Verkehrsbereich der Küste, des Niger oder des Kongo liegt, das sog. Hinterland, ist die Verkehrsfrage ungleich schwieriger. Für die Beförderung hochwertiger Güter wie Elfenbein und Kautschuk stand bisher das landesübliche, primitivste Verkehrsmittel, der Lastenträger, zur Verfügung. Hauptsächlich im südlichen Teile K.s hat sich ein großer Trägerverkehr entwickelt, der in Kribi mündet. Um ihn zu fördern, wurde im Süden ein ziemlich ausgedehntes Straßennetz angelegt (s. Wegebau), das zum Teil auch dem Automobilverkehr dienen kann. Aber auch bei diesen hochwertigen Gütern nehmen die Handelsgewinne mit der fortschreitenden Entfernung der Produktionsgebiete von der Küste bei der teueren Trägerbeförderung immer mehr ab. Ferner drängt der Weltbedarf an Ölen, Fettstoffen und Baumwolle dazu, diese im Hinterlande vorkommenden Massengüter zur Ausfuhr zu bringen. Das ist nur durch die Eisenbahn und Wasserstraßen möglich. Da es natürliche Wasserstraßen, die als Verbindungswege vom Hinterland zur Küste dienen könnten, nicht gibt, bleibt als Verkehrsmittel nur die Eisenbahn. Die Eisenbahnpläne konzentrieren sich in K. zurzeit auf 3 Projekte: 1. Das Südbahnprojekt will von Kribi aus das Südgebiet erschließen und möglichst die Schiffahrtsstraßen des Ngoko und Ssanga erreichen. Dieses Projekt wird hauptsächlich von den Handelsinteressenten in Kribi betrieben, findet aber nicht die Unterstützung der Regierung. 2. Das Mittellandbahnprojekt will von Duala aus das mittlere Hinterland erschließen und bei Mbalmayo den schiffbaren Oberlauf des Njong erreichen. Mit seiner Ausführung ist bereits begonnen worden. Die etwa 300 km lange Bahnstrecke bis zum Njong ist genehmigt und im Bau. Auf einer 131 km langen Strecke ist von Duala aus der Bahnbetrieb schon aufgenommen. Von Mbalmayo aus wird der Verkehrsweg vorläufig durch den von hier ab aufwärts schiffbaren Njong eine Verlängerung von über 250 km erfahren und sich dadurch der östlich davon liegenden, etwa 200 km langen Wasserstraße des Dume auf 30-40 km nähern. Da der Njong und der Dume jetzt schon befahren werden und bei fortschreitender Reinigung des Flußbettes ein Verkehr mit kleineren Dampfern möglich ist, wird durch diese Anschlußbahn ein ziemlich brauchbarer östlicher Verkehrsweg quer durch Alt-K. geschaffen. Damit wird die Frage der Mittellandbahn aber nicht endgültig gelöst sein. Ob sie von Mbalmayo aus südöstlich zur Erschließung des Südostgebietes in der Richtung zum Ngoko vorgetrieben werden soll oder östlich nach Nola in der Richtung nach Bangi oder nach Nordosten den Sanaga entlang, um die wichtige Wasserscheide zu gewinnen, von der der Sanaga, der Ssanga, der Lobaje, der Schari, der Penndé und der Logone kommen, oder aber um unter Benutzung des Farotales Garua zu erreichen, darüber gehen die Meinungen vorläufig noch auseinander. - 3. Das dritte Bahnprojekt betrifft die Nordbahn, die sog. Manengubabahn, die das nördliche Hinterland von Duala erschließen soll. Vorläufig sind 160 km dem allgemeinen Verkehr übergeben. Im ersten Betriebsjahre (l. April bis 31. Dez. 1911) wurden 3941644 Pers.-km und 958076 t-km gefahren und 380432 M Betriebseinnahmen bei 292589 M Betriebsausgaben erzielt. Im Kalenderjahr 1912 betrugen die Roheinnahmen 633568 M und die Betriebsausgaben 414092 M (= 65 % der Roheinnahmen); der Betriebsüberschuß sonach 219466 M. Die weitere Ausgestaltung des Nordbahnprojektes wird ebenfalls von dem Ergebnis der in der letzten Zeit vorgenommenen Erkundungen abhängen. -Neben diesen 3 großen Bahnprojekten hat die 23 km lange Schmalspurbahn der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria von Victoria nach Soppo, die allerdings die erste Bahn im Schutzgebiet war, nur untergeordnete örtliche Bedeutung. S. a. Eisenbahnen. - Der Post - und Telegraphenverkehr wird in K. von 37 Post- und 11 Telegraphenanstalten (1911) besorgt. Im Jahre 1911 wurden rund 1097000 Briefsendungen, 66 000 Stück Postanweisungen mit einem Betrage von rund 12,3 Mill. M, 36000 Pakete und 68000 Telegramme befördert. K. war bis vor kurzem nur durch ein englisches Kabel an das Welttelegraphennetz angeschlossen. Im Jahre 1912 ist das deutsche Kabel Emden-Teneriffa-Monrovia nach Togo und K. fortgesetzt worden, so daß jetzt der deutsche Kabelverkehr von dem englischen Kabel unabhängig ist. Zu Land bestehen folgende Telegraphenlinien: Duala - Buea - Victoria, Duala-Jabassi-Njanga, Duala-Edea, Duala-Kribi, Kribi-Lolodorf-Jaunde- Abong, Mbang-Dume-Njassi, Lolodorf-Ebolowa. Am 5. März 1911 ist in Duala eine Küstenstation für drahtlose Telegraphie eröffnet worden, die in erster Linie dem Verkehr mit Schiffen in See dienen soll. Neuerdings vermittelt sie auch den Verkehr mit der Funkenstation Santa Isabel auf Fernando Po und hat auch die Verbindung mit der Großstation in Tongo hergestellt. S. a. - Postwesen, Telegraphen und Funkentelegraphie.

13. Geld- und Bankwesen.Vor der Begründung der deutschen Schutzherrschaft waren in K. deutsches, englisches und französisches Geld und Maria-Theresia-Taler im Umlauf. Die Maria- Theresia-Taler von 1780 waren im ganzen Sudan und im Hinterlande von K. verbreitet und das beliebteste Zahlungsmittel. Daneben gab es noch verschiedene Arten von Eingeborenengeld, in erster Linie die Kaurimuscheln. Der Handelsverkehr mit den Eingeborenen vollzog sich in der ersten Zeit vorwiegend im Wege des Tauschhandels. Das Bestreben der deutschen Verwaltung ging dahin, die Eingeborenen an den Verkehr mit Bargeld zu gewöhnen und das fremde Geld möglichst aus dem Verkehr zu bringen. Durch die V. vom 1. Febr. 1905 (KolGG. Bd. 9, S. 43) wurde in K. die Rechnung nach Reichsmark eingeführt. Gesetzliches Zahlungsmittel sind alle Münzen, die im Reichsgebiet gesetzliches Zahlungsmittel sind, mit der Maßgabe, daß neben den Reichsgoldmünzen auch die Reichssilbermünzen für jeden Betrag in Zahlung genommen werden müssen und daß Nickel- und Kupfermünzen bis zu 5 M gesetzliches Zahlungsmittel sind. Reichskassenscheine sind bei allen amtlichen Kassen für ihren Nennwert in Zahlung zu nehmen. Im Privatverkehr findet ein Zwang zu ihrer Annahme nicht statt. Die amtlichen Kassen sind berechtigt (aber nicht verpflichtet), Reichsbanknoten in Zahlung zu nehmen; es ist jedoch beabsichtigt, die 1000 M-Reichsbanknoten von dem amtlichen Kassenverkehr in K. auszuschließen. Bei den Eingeborenen haben sich besonders die 1 M- und 1/2 M-Stücke und die 5 ? - Stücke eingeführt, 2 und 3 M-Stücke und 10 ?Stücke sind bei ihnen nicht beliebt. Für englisches und französisches Gold- und Silbergeld ist ein fester Kurs festgesetzt, zu dem sie von den öffentlichen Kassen des Schutzgebiets in Zahlung genommen werden; für 1 Pfd. Sterling 20 M und für 20 Franken 16 M. Die Einfuhr von Maria-TheresiaTalern und von Kaurimuscheln ist bei Strafe verboten. Da der Maria-Theresia-Taler aber noch weit verbreitet ist, sind die öffentlichen Kassen K.s ermächtigt worden, ihn bis auf weiteres ungefähr zu seinem Silberwerte, nämlich zum Preise von 1,50 M, anzunehmen. Die Bargeldeinfuhr erfolgt fast ganz für Rechnung des Gouvernements und besteht zum größten Teile aus Silbermünzen. Das in K. umlaufende Geld ist demnach hauptsächlich Silbergeld. In den Jahren 1911 und 1912 ist allerdings auch ein größerer Posten Papiergeld eingeführt worden. Ein Bankinstitut, das amtlich den Geldumlauf zu überwachen und zu regeln hätte, besteht in K. nicht. Die Deutsch-Westafrikanische Bank (s. d.) in Berlin, die eine Kolonialgesellschaft nach § 11 SchGG. ist und in Duala und Lome (Togo) Niederlassungen hat, besorgt den Geldverkehr im Innern und mit dem Auslande und die Zahlungsausgleichungen. Sie führt auch durch Vermittlung des Gouvernements Münzgeld ein, wenn das Bedürfnis dafür sich zeigt. Ihr Gesamtumsatz betrug im Jahre 1912 bei der Niederlassung in Duala rund 65 Mill. (1910 38 Mill.) M, die Zahl der Kontokurrent- und Depositenkonten war 450 (270). Neben diesen Bankinstituten besorgen auch die größeren Handelshäuser Bank- und Geldgeschäfte für den örtlichen Bedarf. S. a. Geld u. Geldwirtschaft und Banken.

14. Verwaltung. Die Verwaltung in K. wird durch das Gouvernement in Buea geführt (s. Tafel 77). An der Spitze dieser Behörde steht der Gouverneur, der dem Staatssekretär des RKA. unterstellt ist. Seine Befugnisse sind nicht einheitlich und zusammenfassend geregelt; sie beruhen vielmehr zum Teil auf Gewohnheitsrecht, zum Teil auf zahlreichen Einzelbestimmungen. Er ist nicht nur zum Erlaß von Verwaltungsverordnungen im engeren Sinne, sondern in bestimmten Grenzen auch zum Erlaß von Rechtsverordnungen befugt, die die Allgemeinheit binden. Er ist der oberste Inhaber der Polizeigewalt im Schutzgebiet und hat die oberste Leitung der ganzen Zivil- und Militärverwaltung. Die Schutztruppe ist ihm unterstellt. Er hat die Disziplinargewalt über die Beamten und Schutztruppenangehörigen. (Über Rang usw. s. Gouverneur.) - Zur Erledigung der Geschäfte der Zentralverwaltung steht dem Gouverneur eine Anzahl von Beamten zur Verfügung, die als "Referenten" die Geschäfte der einzelnen Verwaltungszweige führen. Eine besondere Stellung hat der "Erste Referent", der Direktorialgeschäfte versieht und der in Abwesenheit oder bei sonstiger Verhinderung des Gouverneurs in der Regel auch sein Vertreter ist. Am Gouvernement bestehen zurzeit 10 Referate. Während die Referenten und das übrige Beamtenpersonal dem Gouverneur nach dem Bureausystem nachgeordnet sind, steht ihm der Gouvernementsrat (s. d.) als beratendes Organ zur Seite. Er setzt sich aus dem Gouverneur, aus einer Anzahl von Schutzgebietsbeamten (amtlichen Mitgliedern) und einer Anzahl von Weißen des Schutzgebietes (außeramtlichen Mitgliedern) oder deren Stellvertretern zusammen. Die außeramtlichen Mitglieder, die vom Gouverneur nach vorheriger Anhörung der Berufskreise berufen werden, müssen in der Zahl von wenigstens 3 berufen werden. Sie müssen zahlreicher sein als die amtlichen Mitglieder, die gleichfalls der Gouverneur bestimmt. Den Vorsitz bei den Verhandlungen des Gouvernementsrats führt der Gouverneur. Die Vorschläge für den jährlichen Haushaltsetat und die Entwürfe der von dem Gouverneur zu erlassenden oder in Vorschlag zu bringenden wichtigeren Verordnungen sind dem Gouvernementsrat vor Einreichung an das Reichskolonialamt vor- zulegen. Er ist nur beratendes Organ; das Gouvernement ist an seine Vorschläge nicht gebunden. - Der Zentralverwaltung ist die örtliche Verwaltung unterstellt. Ihre Einrichtung ist in K. noch nicht abgeschlossen. Sie ist von der fortschreitenden Erschließung des Landes abhängig und daher bei dem ver- schiedenen Stande der Erschließung in den einzelnen Gebieten nicht einheitlich. Es ist zu unterscheiden zwischen Zivil- und Militärverwaltung. Die Zivilverwaltung wird fortschreitend in den Gebieten eingerichtet, die als befriedet angesehen werden und eine gewisse Gewähr für eine ungestörte wirtschaft- liche und politische Weiterentwicklung bieten; das sind naturgemäß die der Küste zunächst liegenden oder durch Eisenbahnen oder Schifffahrtswege erschlossenen Gebiete. Die in diesen Gebieten errichteten Zivilverwaltungsbezirke werden je nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und Größe und nach dem in Stande ihrer Erschließung von einem Bezirksamtmanne (zurzeit in Duala, Kribi, Victoria, Edea, Jaunde, Lomie, Ebolowa, Jabassi und Ossidinge) oder einem Bezirksleiter (zurzeit in Johann-Albrechts-Höhe, Banjo, Ukoko, Dschang, Ikelemba, Bare, Jukaduma) geleitet. Von diesen durch selbständige Bezirksleiter verwalteten Bezirken sind die Unterbezirke zu unterscheiden, die in einzelnen Bezirken zur weiteren Dezentralisierung der Verwaltung errichtet worden sind. Ihre Leiter unterstehen zunächst dem Bezirks- amtmanne. Die örtlichen Verwaltungsbehörden verfügen über das für den Geschäftsgang nötige Unterpersonal und zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit in ihren Bezirken über eine Abteilung Polizeitruppe. Das Personal der Polizeitruppe bestand im Jahre 1912 aus 27 Weißen (Reichsangehörigen), und 1155 Farbigen. -Die Militärverwaltungsbezirke unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Stellung gegenüber dem Gouvernement und der Verwaltungsbefugnisse ihrer Leiter in nichts von den Zivilverwaltungsbezirken. Der einzige Unterschied besteht darin, daß der Leiter der Schutztruppe angehört und gleichzeitig militärische Funktionen hat. Der größte Teil des der Küste ferner liegenden Hinterlandes ist politisch und wirtschaftlich noch nicht soweit erschlossen, daß die Besetzung durch die der Zivilverwaltung zur Verfügung stehende Polizeitruppe die dauernde Ruhe und Sicherheit genügend gewährleisten könnte. Dieses Hinterland wird daher noch durch die militärisch besser geschulte Schutztruppe besetzt gehalten. Zurzeit besteht Militärverwaltung in den Bezirken Bamenda, Dume, Mittel-Sanga-Lobaje, Ober-Sanga-Uam, Ober-Logone, Iwindo und Wolö-Ntem. In militärischen Angelegenheiten unterstehen die einen Verwaltungsbezirk leitenden Offiziere dem Kommandeur der Schutztruppe, der seinerseits dem Gouverneur unterstellt ist, in Verwaltungsangelegenheiten dagegen unmittelbar dem Gouvernement. -Verschieden hiervon ist die Verwaltung in den sog. Residenturbezirken. Diese werden zwar zur Aufrechterhaltung der deutschen Schutzherrschaft und von Ruhe und Frieden auch von der Schutztruppe besetzt gehalten; die Verwaltung ist aber den einheimischen Machthabern überlassen geblieben, und die Verwaltungstätigkeit der Residenten, die in der Regel Offiziere sind, beschränkt sich auf die politische Vertretung der deutschen Macht, die Überwachung der Verwaltungstätigkeit der einheimischen Machthaber und auf die An- gelegenheiten, die Weiße betreffen. Zurzeit bestehen 3 Residenturen, Garua, Mora und Ngaundere. - Das Personal der K.er Schutztruppe bestand im Jahre 1912 aus 175 Weißen (Reichsangehörigen) und 1550 Farbigen, eingeteilt in 12 Kompagnien, davon eine, die 12., nur vorübergehend bewilligt. Der Kommandeur und Stab der Schutztruppe hat seinen Sitz in Soppo. Dem Kommando der Schutztruppe war bis vor kurzem auch die in Duala stehende Polizeistammkompagnie unterstellt. - Für die übrigen, neben der allgemeinen inneren Verwaltung bestehenden besonderen Verwaltungszweige - wie Finanz-, Zoll- und Medizinalwesen -, für Land- und Forstwirtschaft, für Bergbau und Verkehrswesen usw. stehen dem Gouvernement die erforderlichen technischen Beamten zur Verfügung. Diese technischen Verwaltungszweige sind zum Teil auch örtlich gegliedert, wie z.B. die Zollverwaltung. Zum größten Teil ist aber bei den örtlichen Verwaltungsbehörden eine scharfe Trennung zwischen diesen technischen Verwaltungszweigen und der allgemeinen Verwaltung nicht durchgeführt, so daß die Geschäfte der Finanz-, Zoll- und sogar der Postverwaltung auch oft durch die Beamten der allgemeinen Verwaltung mit wahrgenommen werden. Die Zollverwaltung wird in der Hauptsache durch technische Zollbeamte geführt. An den Hauptorten sind Hauptzollämter und Zollämter eingerichtet; daneben bestehen eine ganze Anzahl von Zollnebenstellen an der Küste und entlang der Nordwest- und der Ostgrenze. Das landwirtschaftliche Referat hat bisher eine ausgedehnte Tätigkeit entfaltet. Die Versuchsanstalt für Landeskultur in Victoria befaßt sich mit der Auf- zucht tropischer Nutzpflanzen, der Lieferung von Saat- und Pflanzengut, mit Versuchen zur Hebung der Plantagenwirtschaft, insbesondere des Kakao-, Kautschuk- und Ölpalmenbaues, mit Düngungsversuchen und wissenschaftlichen und technischen Untersuchungen in Laboratorien. (Über die landwirtschaftliche Schule und die Ackerbauschule in Dschang s. Dschang.) Die Sennerei in Buea, das Vorwerk Buea, die Viehzuchtstationen Dschang, Jaunde und Djuttitsa mit ihren Vorwerken sollen durch Reinzucht eingeführten Viehes, durch Abgabe reinrassiger Zuchtbullen und durch Kreuzung eingeführter Rassen mit dem einheimischen Rind der Hebung der einheimischen Viehbestände dienen. In Golombe ist ein Gestüt errichtet worden. Zur Hebung und Organisierung der Kautschukausfuhr ist die Kautschukinspektion mit den Kautschukkulturstationen Sangmelima, Akonolinga, Dume und Dscha-Posten errichtet worden, wo Kautschukpflanzen aufgezogen und an Eingeborene verteilt und die Eingeborenen von Sachverständigen in der Anzapfung und Aufbereitung des Kautschuks unterrichtet werden. In den Landschaften Bamum und Adamaua sind seit 1911 landwirtschaftliche Sachverständige beschäftigt, um für die Einführung des rationellen Baumwollbaus in diesen Gebieten die nötigen Vorarbeiten zu erledigen. Es sind von ihnen Versuchsstationen in Kuti und Tittog eingerichtet worden. Außer diesen besonderen landwirtschaftlichen Einrichtungen sind den örtlichen Verwaltungsbehörden auch in Duala, Edea, Bare, Yoko, Bamenda, Garua besondere landwirtschaftliche Sachverständige zugeteilt worden, um die auf diesen Stationen eingerichteten Versuchsfelder und -gärten zu besorgen. Im Jahre 1912 wurde in Nomajos (Bezirk Jaunde) eine Versuchsstation für Eingeborenenkultur errichtet; ferner wurde eine Inspektion für Ölpalm- und Kakaokultur geschaffen. Für die Hebung des Forstwesens stehen 2 höhere Forstbeamte und das nötige Unterpersonal zur Verfügung. Die Medizinalverwaltung hat in den meisten Verwaltungsstationen Regierungs- oder Militärärzte stationiert, denen neben der ärztlichen Praxis in den Stationen die Medizinalverwaltung der einzelnen Bezirke obliegt. Zur Bekämpfung der Pocken sind mehrere Lymphegewinnungsstationen, so in Bamenda, Banjo, Dschang, Garua, Kusseri, Jaunde und Duala, errichtet worden. Als Erfolg der systematischen Pockenbekämpfung konnte festgestellt werden, daß in den letzten Jahren nur wenige vereinzelte Fälle von Pocken vorgekommen sind. Zur Bekämpfung der Schlafkrankheit ist mit der Errichtung von Sammellagern begonnen worden Für die nächste Zeit ist eine sehr erhebliche Vermehrung des ärztlichen Personals und die Anlage mehrerer neuer Sammellager geplant. Für die in Duala eingerichtete Fleischbeschau und die Erforschung und Bekämpfung der Tierkrankheiten stehen auch einige Tierärzte zur Verfügung. Die Postverwaltung untersteht nicht dem Gouvernement, sondern unmittelbar dem Reichspostamt. Die Postverwaltung wird durch das Postamt in Duala geführt, dem die übrigen Post- und Telegraphenstationen unterstellt sind. Auch die Geschäfte der Postverwaltung werden aber nicht auf allen Stationen von besonderen Postbeamten, sondern zum Teil auch von Beamten der allgemeinen Verwaltung wahrgenommen.

15. Rechtsprechung.In der Rechtsprechung ist sowohl beim formellen wie beim materiellen Rechte und bei der Gerichtsverfassung zwischen Weißen- und Farbigenrechtsprechung zu unterscheiden. - In der Weißenrechtsprechung ist die Trennung zwischen Rechtsprechung und Verwaltung grundsätzlich durchgeführt. Soweit Verwaltungsbeamte als beauftragte Richter einzelne richterliche Geschäfte, wie Beweiserhebungen, wahrnehmen, wird dies durch die besonderen Verhältnisse und die großen Entfernungen im Schutzgebiete notwendig gemacht. K. ist in 3 Gerichtsbezirke eingeteilt: Duala, Kribi und Lomie. Die erste Instanz wird durch den Bezirksrichter und durch das Bezirksgericht gebildet. Der Bezirksrichter als Einzelrichter hat in Zivilsachen die Zuständigkeit der heimischen Amtsgerichte, in Strafsachen die der Schöffengerichte. Das Bezirksgericht hat in der Besetzung mit dem Bezirksrichter und 2 Laienbeisitzern in Zivilsachen die Zuständigkeit der Landgerichte, in Besetzung mit dem Bezirksrichter und 4 Laienbeisitzern in Strafsachen die Zuständigkeit der Strafkammern und der Schwurgerichte. Zweite Instanz ist das Obergericht in Buea, das zugleich für Togo Obergericht ist. In der Besetzung mit dem Oberrichter und 4 Beisitzern ist es Beschwerde- und Berufungsinstanz in Strafsachen und Zivilsachen gegen die Entscheidungen der Bezirksrichter und Bezirksgerichte. Eine dritte Instanz besteht augenblicklich noch nicht. Für das Prozeßverfahren und das materielle Recht der Weißenrechtsprechung gelten die dem bürgerlichen Recht angehörenden Vorschriften der Reichsgesetze und der daneben innerhalb Preußens im bisherigen Geltungsbereich des preußischen allgemeinen Landrechts in Kraft stehenden allgemeinen Gesetze und die dem Strafrecht und dem Strafprozeßrecht angehörenden Vorschriften der Reichsgesetze. -Während die Weißenrechtsprechung durch Reichsgesetz geregelt ist, ist die Farbigenrechtsprechung dem Verordnungsrecht vorbehalten. Die Gerichtsbarkeit über die Farbigen steht grundsätzlich den weißen Verwaltungsbehörden zu. Eine Trennung zwischen der Rechtsprechung und der Verwaltung besteht hier nicht. Soweit eine tatsächliche Verwaltung in K . noch nicht besteht, ist die Eingeborenenrechtsprechung den einheimischen Autoritäten überlassen. Aber auch da, wo schon eine geregelte Verwaltungstätigkeit eingerichtet ist, kann aus Zweckmäßigkeitsgründen die Befugnis zur Rechtsprechung den eingeborenen Autoritäten belassen oder besonders verliehen werden. Die Häuptlinge können zur Rechtsprechung als erste Instanz für ihren Dorfbezirk vom Bezirksamtmann ermächtigt werden, und zwar reicht ihre Zuständigkeit in Zivilsachen dann bis zu einem Streitwert von 100 M, in Strafsachen bis zu Strafen von 300 M oder 6 Monaten Gefängnis. Für die diese Zuständigkeit übersteigenden Zivil- und Strafsachen können als erste Instanz sog. "Eingeborenen-Schiedsgerichte" errichtet werden, die zugleich zweite Instanz für die Häuptlingssachen sind. Die Schiedsgerichte werden für größere, ethnographisch oder wirtschaftlich abgegrenzte Bezirke gebildet; ihre Mitglieder werden vom Bezirksamtmann ernannt. Höchste Instanz in der Eingeborenen-Rechtsprechung ist der Gouverneur. Er kann die Ausübung seiner letztinstanzlichen Befugnisse dem Oberrichter übertragen und hat dies für K. auch getan. Dadurch ist aber nichts an dem Grundsatze geändert, daß die Farbigenrechtsprechung den weißen Verwaltungsbehörden zusteht. Der Oberrichter handelt in diesem Falle nicht auf Grund seiner Richtereigenschaft, sondern im Auftrage des Gouverneurs. Soweit eine Verleihung der Eingeborenenrechtsprechung an Häuptlinge oder Schiedsgerichte nicht erfolgt, wird für die Farbigen durch die örtlichen Verwaltungsbehörden Recht gesprochen. Der Leiter des Bezirks (Bezirksamtmann, Bezirksleiter, Stationsleiter der Zivilverwaltung oder Bezirksleiter der Militärverwaltung) ist also erste Instanz, der Gouverneur oder in seinem Auftrage der Oberrichter zweite und letzte Instanz. Für das Prozeßverfahren und das materielle Recht in Eingeborenensachen gibt es kein kodifiziertes Recht. Die Eingeborenengerichte urteilen nach ihren Rechtsgewohnheiten. Die Weißengerichte wenden unter Berücksichtigung der Rechtsgewohnheiten der Eingeborenen und der besonderen Verhältnisse im Schutzgebiet die der Weißengesetzgebung zugrunde liegenden Grundsätze an. - Für die Mischprozesse richtet sich die Zuständigkeit nach der Rassenzugehörigkeit des Beklagten. Ist der Beklagte ein Weißer, so ist das Gericht des Weißen, ist er ein Farbiger, so ist der Richter des Farbigen zuständig, und zwar im letzteren Falle immer der weiße Eingeborenenrichter, auch wenn Häuptlings- oder Schiedsgerichte bestehen. An Orten, wo ein Bezirksrichter tätig ist, wird jedoch tatsächlich auch dieser Teil der gemischten Gerichtsbarkeit durch den Bezirksrichter wahrgenommen. Es ist aber auch hier daran festzuhalten, daß der Bezirksrichter in diesem Falle nicht in seiner Richtereigenschaft tätig wird, sondern als Beauftragter des Bezirksleiters. Materiell ist in diesen Mischprozessen der richtige Ausgleich zwischen den Rechtsanschauungen der Eingeborenen und den Grundsätzen des Weißenrechtes zu finden. In Neu-K. hat bisher für die Weißenrechtsprechung kein Gericht seinen Sitz gehabt. Die abgetretenen Gebiete haben zu den Gerichtsbezirken von Libreville, Bangui und Brazzaville gehört. Die deutsche Verwaltung hat einen Bezirksrichter in das Sanga-Gebiet entsandt. Sein Bezirk gehört vorläufig zu dem Gerichtssprengel Lomie. Er wird voraussichtlich in Nola seinen Sitz nehmen. Die Eingeborenen- Gerichtsbarkeit hat in Neu-K. ebenso wie in Alt-K. den Verwaltungsbehörden zugestanden.

16. Schulen. Für den Unterricht weißer Kinder bestehen zurzeit in K. noch keine öffentlichen Schulen. Bei der geringen Zahl der weißen Kinder hat sich ein Bedürfnis dafür bis jetzt noch nicht gezeigt. - Die Schulen für den Unterricht der eingeborenen Kinder zerfallen in Regierungsschulen und Missionsschulen. Zurzeit bestehen 4 Regierungsschulen, nämlich in Duala, Victoria, Jaunde und Garua. Im Jahre 1912 wurden in Duala in 6 Klassen 362, in Victoria in 6 Klassen 257, in Jaunde in 3 Klassen 160 und in Garua in 3 Klassen 54 Schüler unterrichtet. In den ersten 3 Schulen wird der Unterricht von weißen Lehrern gegeben, während in Garua 2 farbige Hilfslehrer tätig sind. Da die Schüler zum Teil von auswärts kommen, sind mit den Schulen Internate verbunden, in denen die auswärtigen Schüler untergebracht werden. Neben diesen Volksschulen hat die Regierung Handwerker- und landwirtschaftliche Schulen errichtet, nämlich in Buea eine Tischlerei, eine Polsterei und eine Druckerei, in Victoria im Anschluß an die Versuchsanstalt für Landeskultur eine landwirtschaftliche Schule, in der in einem dreijährigen Kursus Eingeborene zu landwirtschaftlichen Aufsichtsbeamten herangebildet werden. Bei der Aufnahme in diese Schule werden Absolventen der Volksschule bevorzugt. Auf der landwirtschaftlichen Schule in Dschang werden die Schüler, meist Häuptlingssöhne, in Landwirtschaft, Gärtnerei und Viehzucht, daneben auch in deutscher Sprache unterrichtet. Auf den Regierungsschulen werden nur Knaben unterrichtet. Die Regierung hatte früher auch eine Mädchenschule unterhalten. Diese Schule wurde jedoch vor einigen Jahren wieder aufgelöst, und der Unterricht der Mädchen wird jetzt ganz den Missionsgesellschaften überlassen. - Neben den Regierungsschulen entfalten die Missionsgesellschaften (s. u. Nr. 15) eine ausgedehnte Tätigkeit auf dem Gebiete des Unterrichtswesens. Während in den Regierungsschulen 1912 nur 833 Schüler unterrichtet wurden, waren es in den Missionsschulen 42000. Die Baseler Missionsgesellschaft unterrichtete im Jahre 1911 in 243 Dorfschulen 10522 Schüler und Schülerinnen, dazu kommen noch 233 Knaben in 5 gesonderten Knabenschulen und 273 Knaben in 3 Mittelschulen, 109 Mädchen in 2 gesonderten Mädchenschulen. Auf einem Gehilfenseminar wurden 55 Knaben zu Lehrgehilfen herangebildet. Die Baptistenmission unterrichtete in 5 Hauptschulen und 45 Volksschulen auf den Außenstationen im Jahre 1910 1755 Knaben und 78 Mädchen. In Duala hat sie ein Lehrerseminar errichtet. Die Presbyterianermission unterhält in Batanga, Efulen, Elat und Lolodorf 4 Knabenschulen und 4 Mädchenschulen und auf den Außenstationen 65 Dorfschulen. Sie hat im Jahre 1910 4680 Knaben und 370 Mädchen unterrichtet. Im Jahre 1911 ist die Zahl der Schüler auf 6975 gestiegen. Der Knabenschule bei Elat ist eine Schule für die Ausbildung von Predigern angegliedert. Die Pallottinerkongregation hat im Jahre 1910 in 16 Stationsschulen und 72 Außenschulen 5807 Knaben und 665 Mädchen unterrichtet. Im Jahre 1911 ist die Gesamtzahl auf 7000 gestiegen. Auch mit den Missionsschulen sind, soweit es notwendig ist, Knaben- und Mädcheninternate verbunden. Für das Unterrichtswesen in K. ist die Schulordnung vom 25. April 1910 (Amtsbl. für K. 1910 S. 125 ff) maßgebend, der ein Lehrplan beigegeben ist. Danach steht die allgemeine Schulaufsicht über alle Schulanstalten dem Gouverneur zu. Neben der im Schulort herrschenden Eingeborenensprache darf keine andere lebende Sprache gelehrt werden als die deutsche; jedoch darf die Duala- Sprache in den Schulen, in denen sie bei Erlaß der Schulordnung neben der im Schulorte herrschen den Eingeborenensprache als Unterrichtssprache eingeführt war, noch 3 Jahre lang beibehalten werden. Ein Schulzwang besteht nur für die Schüler, die ordnungsmäßig angemeldet worden sind. Die Missionsschulen, die bei der Verteilung der Schulbeihilfen berücksichtigt werden wollen, müssen ihren Unterricht nach dem Lehrplan des Gouverne- ments einrichten. Der Lehrplan regelt den Unterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen, in der deutschen Sprache, in den Anfangsgründen der Geschichte und in der Erd- und Naturkunde und sieht für diese Lehrgegenstände einen fünfjährigen Lehrgang vor. Die übrigen Lehrgegenstände, wie Religion, Musik, Turnen usw., sind der Bestimmung der Missionsgesellschaften überlassen. Die Missionsgesellschaften haben ihren Schulen zahlreiche Handwerker- und Landwirtschaftliche Schulen angegliedert, in denen vor allem Schreinerei, Schneiderei, Schusterei, Sattlerei, Ziegelbrennerei, Farmbetrieb und weibliche Handarbeiten gelehrt werden. In Neu-K. haben bisher französische Regierungs- oder Missionsschulen nicht bestanden. Die Konzessionsgesellschaften, haben das Recht gehabt, Eingeborenenschulen zu errichten. Eine solche Schule ist von der Compagnie forestière Sanga-Ubangi in Bania errichtet worden, in der etwa 50 Schüler vor allem in praktischer Arbeit unterrichtet wurden.

17. Missionen.Die christliche Mission, war in K. schon vor der deutschen Verwaltung tätig. 1845 errichtete die Baptisten-Missionsgesellschaft in London von Fernando Po aus ihre erste Niederlassung in Duala. Sie wurde von dort im Jahre 1858 von der katholischen Mission, die die Unterstützung, des spanischen Gouverneurs von Fernando Po hatte, verdrängt und verlegte ihren Sitz in die Ambas-Bucht, wo sie Victoria gründete. 1886 ging diese Niederlassung an die evangelische Baseler Missionsgesellschaft über. 1889 kam es aber zwischen den dortigen eingeborenen baptistischen Christen und der Baseler Missionsgesellschaft zum Bruch, da die baptistischen Christen sich den strengeren Forderungen der Baseler Missionsgesellschaft in der Frage der Sklaverei und der Vielweiberei und in anderen Fragen nicht anpassen wollten, und die eingeborenen baptistischen Christen sonderten sich als selbständige christliche Gemeinden von der Baseler Missionsgesellschaft ab. 1890 sandte die Missionsgesellschaft der deutschen Baptisten einige Missionare nach K., um diese selbständigen Gemeinden zu unterstützen. Es war aber auch diesen baptistischen Missionaren nicht möglich, mit den eingeborenen Baptisten zusammen zu arbeiten, wenn auch die Verbindung nicht vollständig abgebrochen wurde. Im Süden K.s wirkt seit 1885 die amerikanische Presbyterianermission, die sich schon im Jahre 1847 weiter südlich in Französisch-Gabun niedergelassen hatte und mit der Begründung der deutschen Herrschaft in K. ihre Tätigkeit auf dieses Gebiet ausdehnte (s. Mission, 2. evangelische und die einzelnen Missionsgesellschaften). - Die Katholische Mission wird durch das apostolische Vikariat K. mit dem Sitz in Duala geleitet. Bis vor kurzen war die katholische Mission nur durch die Pallottiner-Kongregation vertreten. Die Propaganda in Rom hat jedoch neuerdings der Genossenschaft der Priester vom Herzen Jesu, Missionshaus Sittard, einen Missionsbezirk im Norden K.s übertragen, der das ganze Adamaua- Gebiet von Kunde nordwärts bis zum 10° n. Br. und die angrenzenden Teile Neu- K.s umfassen. Solange der Norden des Schutzgebietes aus politischen Gründen für die Tätigkeit der Missionen noch nicht freigegeben werden kann, wirkt die neue Mission im Bezirke Bamenda, der zum Gebiet der Pallottiner Mission gehört (s. Mission, 3. katholische und die einzelnen apostolischen Vikariate und Missionsgenossenschaften). Die Tätigkeit der Missionen hat sich bisher hauptsächlich auf das Küstengebiet und das ihm zunächst liegende Hinterland beschränkt. Im Norden ist sie schon etwas weiter bis Bamenda und Bamum und im Süden bis Jaunde vorgedrungen. Der Norden des Schutzgebietes ist, wie vorstehend bereits angedeutet, für die Missionierung bisher noch nicht freigegeben worden, da die hier zu lösenden Fragen über die Beziehungen der christlichen Missionen zum Islam noch nicht genügend geklärt erscheinen. Neben der eigentlichen christlichen Missionierung entfalten sämtliche Missionsgesellschaften auch auf dem Gebiete des Unterrichtswesens (s.o. Nr. 16. Schulen), des Sanitätswesens, der Erforschung des Landes, der Bevölkerung und der Sprachen eine umfangreiche Tätigkeit. In Neu-K. ist, soweit bekannt, bisher noch wenig Missionstätigkeit ausgeübt worden. Es befindet sich lediglich im Munibezirk eine kleine Niederlassung der Söhne vom Heiligsten Herzen (Vikariat Gabun).

18. Geschichte. Geschichtliche Überlieferungen aus der älteren Zeit haben wir in K. selbst nur sehr wenige und auch diese nur von den hamitischsemitischen islamischen Staaten des Nordens. Im Beginn des Mittelalters wurden die Gobir durch den Druck der nördlich wohnenden Völker aus der Sahara, Air und Asben nach Süden in die Gegenden des Sudans gedrängt und gründeten die sieben echten Haussastaaten. Schon vor diesen Staaten, die im zentralen Sudan gegründet wurden, bestand wahrscheinlich das alte Kanem im Nordosten des Tsadsees, von hamitisch-semitischen Bardoa aus Vorderasien begründet. Dieses wurde frühzeitig mohammedanisch und eroberte das ganze Gebiet des Tsadsees nach langem Kampfe mit den Sso, die vorher im Süden des Tsadsees herrschten. Doch im 14.-15. Jahrh. wurden die Sefua, das seit langem regierende Herrschergeschlecht, durch die Bulala aus Kanem verjagt und auf die Gegend westlich des Tsadsees beschränkt, wo sie das Reich Bornu gründeten und, sich mit den Sso und den Negern mischend, zu den Kanuri (s.d.) wurden. In dieser Zeit wurden auch die Reiche Dar Fur und Wadai gegründet. Darauf kam von Westen, vom Senegal her, das Hirtenvolk der Fulbe (s. d.), die zuerst friedlich unter den anderen Völkern saßen. Erst am Anfang des 19. Jahrh. gründete der Scheich Othman dan Fodio ein großes Reich, das vom Niger bis zum Logone und bis nach Südadamaua reichte, mit Sokoto als Hauptstadt. Das Reich Bornu war zwar bestehen geblieben, aber seine Herrscher waren schwach und wenig energisch, aber die Mächte Sokoto und Wadai wurden immer kräftiger. Sokoto dehnte seine Eroberungszüge bis in die Schariländer aus, der Vasallenstaat Adamaua (s.d.) beherrschte den ganzen Norden des Hochlandes von Südadamaua. Nach Süden dehnten die Fulbe ihre Eroberungszüge bis zum Sanaga und weiter aus und verursachten bedeutende Völkerverschiebungen im Süden K.s. Im Norden zogen sich die bedrängten Heidenstämme, die teilweise größere Reiche gebildet hatten, so das Battareich mit der Hauptstadt Kokomi, in die Gebirgsmassive zurück, wohin die Fulbe ihnen mit ihren Pferden nicht folgen konnten. Im Jahre 1890 drang dann ein ägyptischer Bandenführer, Rabeh, von Osten aus in die Tsadseeländer ein und warf die alten Reiche Bagirmi und Bornu über den Haufen. Damit kommen wir aber in die Zeit der europäischen Entdeckungsreisen hinein, und die Kämpfe der europäischen Expeditionen gegen Rabeh haben gerade zur Erschließung dieser Gebiete beigetragen. - Die Entdeckungsgeschichte K.s gehört fast ganz der neuesten Zeit an. Aus ältester Zeit liegen nur 2 Berichte vor - der eine in den Geschichtsbüchern Herodots, der andere auf Erztafeln eines karthagischen Tempels -, die es wahrscheinlich machen, daß schon im Jahre 550 v. Chr. die Phönizier bei einer Umschiffung Afrikas und später 450 v. Chr. der Karthager Hanno an die Küste K.s gekommen sind. Aus den folgenden 2 Jahrtausenden liegt keine Kunde über dieses Land vor. Im Jahre 1484 segelte der Portugiese Cao auf der Suche nach dem Wege nach Indien zwischen dem K.berge und Fernando Po durch und ankerte in der Gegend des heutigen Victoria. Seit der Zeit zeigen zwar die Weltkarten, zuerst die Karte Martin Behaims, die charakteristische Linie der Biafra-Bucht in allgemeinen Umrissen, zu einer Besetzung oder Erforschung der K.er Küste hat diese Kenntnis in den nächsten Jahrhunderten aber nicht geführt. Die Niederlassungen der an der übrigen westafrikanischen Küste tätigen Kolonialmächte, zuerst der Portugiesen, dann der Holländer, Engländer, Spanier und Franzosen haben für sie nur als Stützpunkte des Sklavenhandels oder der Schiffahrt nach Indien Bedeutung gehabt. Für diese Zwecke war die K.-Küste durch ihre Lage in der innersten Ecke der Ausbuchtung, die die afrikanische Westküste bildet, wenig geeignet. Im 19. Jahrhundert nahm die Unterbindung des Sklavenhandels und die Ablenkung des asiatischen Verkehrs durch den Suezkanal den westafrikanischen Niederlassungen auch noch den Rest ihrer Bedeutung und veranlaßte die dort ansässigen Mächte teilweise zur Aufgabe ihrer Niederlassungen. Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts gab die gewaltige Steigerung des Güterverbrauches und der Güterbewegung von allen Teilen der Erde nach den Handelszentren in Mitteleuropa den bisher als wenig wertvoll betrachteten westafrikanischen Gebieten eine neue Bedeutung. Die früher dort tätigen Kolonisationsmächte besetzten ihre alten Niederlassungen wieder, und Deutschland trat als neuer Bewerber hervor. Die Tätigkeit deutscher Kaufleute an der westafrikanischen Küste, ging der deutschen Besitzergreifung Kameruns voraus. Im Jahre 1862 schon hatte die Hamburger Firma Woermann in Französisch-Gabun eine Handelsniederlassung und in den nächsten Jahren weitere Niederlassungen in Lagos und Akkra und 1868 in Duala angelegt, und dieser ersten Niederlassung an der K.er Küste waren bald weitere deutsche und ausländische Firmen gefolgt. Der politische und kaufmännische Wettbewerb des Auslandes veranlaßte die deutschen Handelsinteressenten zu wiederholten Eingaben an die Reichsregierung, die noch freien Gebiete an der afrikanischen Westküste zu besetzen. Diese Eingaben hatten erst im Jahre 1884 Erfolg. Am 14. Juli 1884 hißte Nachtigal im Auftrage der Regierung in Duala die deutsche Flagge, nachdem dies einige Tage vorher schon in Lome (Togo) geschehen war. Das Küstengebiet nördlich und südlich von Duala wurde unter dem Widersprüche Englands unter deutsche Schutzherrschaft genommen. Es fand aber bald eine Einigung mit England und auch mit Frankreich statt, auf Grund deren die Küste von Kampo bis Rio del Rey unbestrittener deutscher Besitz wurde. - Das folgende Jahrzehnt diente der Ausdehnung der deutschen Hoheit in das Innere des Landes. Von diesem war zu jener Zeit wenig bekannt. Denn die ersten Forschungsreisen in unsere Kolonie gingen nicht von der Küste aus, wie man wohl annehmen möchte, sondern führten durch die Sahara ins Tsadseegebiet. Die Reisenden benutzten die großen Verkehrsstraßen, die von den Sudanreichen nach Tripolis führten. Im Jahre 1806 kam Hornemann von Tripolis bis zum Niger, wo er ermordet wurde. 1822 erreichten die Engländer Denham (s.d.), Clapperton und Oudney den Tsadsee. Dann kamen im Jahre 1851/52 die Reisen von Barth (s.d.) und Overweg; Barth drang bis Jola und bis zu den Tuburisümpfen vor. An die letzteren gelangte auch Vogel (s.d.). Durch die Reisen von Rohlfs (1865/67) und Nachtigal (s.d.) (1869/74) wurden die ganzen Tsadseeländer noch weiter bekannt. Flegel (s.d.) reiste 1879 den Benue hinauf und drang auf dem Hochland bis Ngaundere vor. Bis zum Nordrand des Plateaus war K. nach Süden bekannt, als im Jahre 1884 die Besitzergreifung erfolgte. - Damit begann ein neuer Abschnitt der Geschichte. Hatten die Reisen bisher in der Hauptsache wissenschaftlichen, nicht politischen Charakter, so kam es jetzt sehr darauf an, die Landesgrenzen des neu erworbenen Küstenstreifens gegenüber dem Wettbewerb der Nachbarn möglichst weit in das Innere vorzuschieben. An der Küste war man bis dahin überhaupt noch nicht weit vorgedrungen. Die einzigen Erfolge waren die Besteigung des K.berges durch Burton (s.d.) und Mann (1861/62), und nur der Pole Rogoczinsky (s.d). war 1883 bis zum Barombisee gelangt. Auch nach der deutschen Besitzergreifung gelang es einige Jahre lang nicht, über den Küstensaum - hinaus vorzudringen. 1885 erforschten Stubenrauch und Schuckmann das Kalabargebiet, Zöller (s.d.) den K.berg und den unteren Sanaga. Dann gelang es Zintgraff im Dienste der Kolonialverwaltung die Bakossiberge zu erreichen, ferner gründete er die Barombistation am Elefantensee 1888. Im selben Jahr noch erreichte er das Banjangland, aber erst 1889 gelang ihm der Durchbruch zum Grasland. Er erreichte Bali und zog nach Jola, von dort über das Bekomhochland zurückkehrend. 1890 wurde Baliburg gegründet. Im Süden gelang der Aufstieg aufs Plateau schon 1887, wo Kund (s.d.), Tappenbeck (s.d.) und Weißenborn den Njong und Sanaga entdeckten. 1889 wurde hier die Station Jaunde gegründet. Morgen (s.d.) entdeckte 1890 den Mbam und zog den Sanaga entlang zur Küste; im selben Jahre noch führte eine zweite Expedition ihn nach Joko, Tibati, Banjo und Ibi. Dieselbe Route fast führte 1891/92 Stetten (s.d.) und Hering nach Ngambe und von dort über Banjo nach Jola. Inzwischen waren die Franzosen von Osten und Westen in Mittel-K. eingedrungen und hatten überall Verträge abgeschlossen. De Brazza war vom Kongo aus den Ssanga hinaufgefahren, Mizon war vom Benue aus über Kunde und Gasa nach Bania marschiert, Maistre gelangte vom Ubangi zum Schari und von dort nach Lai, Lame und Garua. So war es höchste Zeit, daß 1893 die Expedition von Uechtritz (s.d.) und Passarge (s.d.) von Garua aus nach Bubandjidda, Marua und Ngaundere vorstieß und überall Verträge abschloß. Diese Vorgänge führten 1893 und 1894 zu Verträgen mit England und Frankreich, in denen die deutsch- englische Grenze bzw. die deutschfranzösische Grenze festgelegt wurde und damit zur Anerkennung des Kameruner Hinterlandes als deutsches Schutzgebiet von annähernd der Größe Deutschlands. Es folgte nun zunächst bis 1898 eine Zeit der Ruhe, in der man sich darauf beschränkte, die in Besitz genommenen Gebiete in Verwaltung zu nehmen. Neue Vorstöße, die häufig mit Kämpfen verbunden waren, setzten seit 1898 wieder ein. Der östliche Süden des Schutzgebietes wurde vom Kongo-Ssanga her durch Plehn im Jahre 1899 erschlossen. Seine Arbeit setzten in den folgenden Jahren Frhr. v. Stein und Scheunemann fort; ersterem gelang die Überwindung des breiten menschenleeren Urwaldgebietes, das den Südosten des Schutzgebietes von der Küste trennt. Die Buli, im Hinterland der Südküste wurden, nachdem sie 1900 Kribi überfallen hatten, durch v. Bülow unterworfen. Die Wute, die 1899 durch v. Kamptz bereits unterworfen worden waren, wurden 1905 durch Dominik befriedet. Besonders schwere Kämpfe verursachten in den Jahren 1905 bis 1907 die Bewohner des oberen Njong und Dja; aber erst 1910 wurden hier die Maka, ebenfalls durch Dominik, endgültig unterworfen. Die Keaka und Ekoi am Kreuzfluß bekämpfte 1900 bis 1903 v. Besser und später, 1904, als sie sich wieder erhoben, mit dauerndem Erfolge Mueller, der 1905 auch die Stämme des Manengubagebirges unterwarf. Die Bangwa wurden 1903 zur Botmäßigkeit gebracht, in den folgenden Jahren, hauptsächlich durch Glauning, die zum Bezirke Bamenda gehörigen Stämme. Von hervorragender Bedeutung war die Besetzung des Adamaua- und Tsadseegebietes. Hier hatten 1900 die Franzosen auf deutschem Gebiete den Eroberer Rabeh, der im Herzen des Sudan ein mächtiges Reich gegründet hatte, entscheidend geschlagen. Sollte das Ansehen des Deutschen Reiches dort nicht verloren gehen, so mußte eine Besetzung der Gebiete deutscherseits erfolgen. Diesem Zwecke dienten die Züge von Cramer v. Clausbruch, Dominik, v. Bülow, Rathke und Pavel, die teilweise gefährliche Kämpfe mit dem Sultan von Jola, der von den Engländern aus seiner Residenzstadt vertrieben worden war, zu bestehen hatten. Nachdem dieser 1902 bei Marua geschlagen worden war, wurde das Tsadseegebiet dauernd besetzt. Die Unterwerfung und Befriedung des Landes hat sich im allgemeinen ohne größere Störungen und ohne erhebliche Rückschläge, wie sie in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika eingetreten sind, vollzogen. Die Stellung des Gouverneurs wurde nach der vorübergehenden Verwaltung durch Dr. Buchner (s.d.), den Nachtigal mit seiner Vertretung beauftragt hatte, eingenommen durch Frhr. v. Soden (s.d.), v. Zimmerer (s.d.), v. Puttkamer (s.d.), in dessen Verwaltungszeit (1895-1906) hauptsächlich die Erschließung des Schutzgebietes fällt, dann Dr. Seitz (s.d.), Dr. Gleim (s.d.) und (seit März 1912) Ebermaier (s. d.).- Die Grenze des Schutzgebietes gegen die englische Kolonie Nigerien ist durch ein Abkommen vom 11. März 1913 festgelegt worden, das auch über die Schiffahrt auf dem Kreuzfluß er- leichternde Bestimmungen enthält. Die Süd- und Ostgrenze des Schutzgebietes gegen Fran- zösisch- Äquatorialafrika wurde durch ein Abkommen vom Jahre 1908 genau festgelegt. Inzwischen hat diese Grenze durch das deutsch französische Abkommen vom 4. Nov. 1911 ihre Bedeutung verloren. K. hat durch das Abkommen im Süden und Osten gegen Abtretung des Dreiecks zwischen Logone und Schari und gegen die im Marokko-Abkommen enthaltenen Zugeständnisse eine Vergrößerung ungefähr um die Hälfte seiner Fläche erfahren. Die neuen Gebiete sind deutscherseits zum größten Teil am 1. Oktober 1912, zum kleineren Teil am 1. Januar, 1. April und 1. Juni 1913 in Besitz und Verwaltung genommen worden. Die neuen Grenzen werden durch eine gemischte Kommission festgelegt. Die Grenze zwischen K. und Spanisch-Guinea ist noch nicht in natura festgelegt. S. Erwerbung der deutschen Kolonien 3 und Gre nzfestsetzungen.

Meyer.

Literatur: Denham and Clapperton, Narrative of Travels and discoveries in North and Central Africa. Lond. 1828. - H. Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zentralafrika in den Jahren 1849-53. Gotha 1857-59. Rohlfs, Reise durch Nordafrika vom Mittelländischen Meer bis zum Busen von Guinea 1865-67. Petermanns Mitteilungen, Ergänzungsheft. Gotha 1873. - Nachtigal, Sahara u. Sudan. Berl. 1879-89. - Buchholz, Reisen in Westafrika. Lpz. 1880. - Morgen, Durch Kamerun von Süd nach Nord. Berl. 1893. Zintgraff, Nordkamerun. Berl. 1895. - Passarge, Adamaua. Berl. 1895. - Dominik, Kamerun. Berl. 1901. -Dominik, Vom Atlantik zum Tsad. Berl. 1908. -Hutter, Wanderungen u. Forschungen im Nordhinterland von Kamerun. Braunschweig 1902. - M. v. Oppenheim, Rabeh u. das Tsadseegebiet. Berl. 1902. Bauer, Die Benue-Niger-Expedition. Berl. 1904. - Esch, Solger, Oppenheim u. Jaeckel, Beiträge zur Geologie von Kamerun. Stuttg. 1904. Lenfant, La grande route du Tchad. Paris 1904. -Edlinger, Beiträge, zur Geologie und Petrographie von Adamaua. Braunschweig 1908. Mansfeld, Urwalddokumente. Berl. 1908. Marquardsen, Der Niger-Benue. Berl. 1908. -Ritter, Neukamerun. Berl. 1912. - Das deutsche Kolonialreich, Bd. I. Lpz. 1909.

Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 169 ff.

Kamerun. 1. Lage und Grenzen. 2. Bodengestaltung. 3. Gewässer. 4. Klima. 5. Pflanzenwelt. 6. Tierwelt. 7. Eingeborenenbevölkerung. 8. Eingeborenenproduktion. 9. Europäerbevölkerung. 10. Europäische Unternehmungen. 11. Handel. 12. Verkehr. 13. Geld- und Bankwesen. 14. Verwaltung. 15. Rechtsprechung. 16. Schulen. 17. Missionen. 18. Geschichte. (Finanzwesen s. Finanzen.)

Karten

1. Lage und Grenzen. Die Kolonie K. liegt im innersten Winkel der Bucht von Guinea, bildet also einen Teil der Guineaküste und trennt das sog. Ober-Guinea von Nieder-Guinea. Im Verhältnis zu ihrer Größe hat sie nur einen relativ geringen Anteil am Meer. Nach dem Innern, dem Osten zu verbreitert sie sich, so daß sie an der östlichen Grenze vom Kongo bis zum Tsadsee reicht; das ist eine Strecke von über 14 Breitengraden in der Luftlinie. K. erstreckt sich vom 13. Grad n. Br. bis zum 1. Grad s. Br. und vom 7 1/2 bis zum 18 1/2 Grad ö. L. Das sind beträchtliche Dimensionen und Entfernungen, und es ist ohne weiteres daraus erklärlich, daß sich K. aus landschaftlich und klimatisch verschiedenartigen Regionen zusammensetzt. Wir finden fast alle Übergänge vom trockenen Steppengebiet im Norden, am Tsadsee, bis zum dichtesten Urwald im Süden am Ssanga. Die Grenzen von K., wie sie heute bestehen, sind noch sehr unentwickelt, teilweise sogar noch gar nicht näher festgelegt. Die relative Unkenntnis besonders eines Teils der Grenzgebiete bedingt, daß die Grenzlinie entweder durch Flüsse geführt wird, oder in gerader Linie fest bestimmte Punkte verbindet. Zu großen Unzulänglichkeiten würde der Bestand der spanischen Kolonie Spanisch-Guinea führen, die als Enklave im deutschen Gebiet liegt, und zwar so, daß sie einen Teil des deutschen Besitzes, nämlich den südlich von ihr liegenden Zipfel vollkommen vom übrigen deutschen Gebiet trennt. Wir grenzen mit unserem Besitz an den dreier anderer Kolonialmächte, nämlich Frankreich, England und Spanien. An der ganzen Nordwestgrenze grenzen wir an englisches Gebiet, an Britisch-Nigeria. Im Osten und Süden liegt Französisch-Zentralafrika. Von Spanisch-Guinea ist schon gesprochen. Nur mit dem Kongozipfel würden wir den belgischen Kongostaat berühren, wenn nicht die Inseln im Kongo französisch geblieben wären. Unser Gebiet umfaßt nach neuen Feststellungen des geodätischen Bureaus im KA. rund 795 000 qkm; davon haben wir durch das Abkommen vom 4. Nov. 1911 mit Frankreich (s.-Erwerb der deutschen Kolonien 3) 295000 qkm gewonnen, aber mit dem sog. Entenschnabel 12000 verloren. Was nun die Grenzen von K. anbetrifft, so sind dieselben teilweise noch nicht festgelegt. Die ganze Süd- und Ostgrenze ist durch den Vertrag vom 4. Nov. 1911 in den Grundzügen bestimmt; die genauere Aufnahme des Grenzgebietes wird aber wohl die Notwendigkeit vieler Abänderungen ergeben. Die Westgrenze ist durch zwei Expeditionen vermessen, aber nur das Stück von Jola bis zum Tsadsee ist bisher gesetzlich festgelegt. Für die Grenze von der Küste bis Jola kommt der Grenzvertrag vom 15. Nov. 1893 mit England in Betracht. Es hat eine Vermessung bis Jola stattgefunden, aber die z.B. schon in der Karte des großen Kolonialatlas niedergelegten Vertragsentwürfe sind noch nicht ratifiziert. Die Grenze verläuft geradlinig und macht geringe Abweichungen zwischen dem oberen Ende des Rio del Rey bis zu den Schnellen des Kreuzflusses und verläuft von dort fast ebenso geradlinig in der Richtung auf Jola. Für die Strecke Jola-Tsadsee kommt der deutsch.-engl. Vertrag vom 16. Juli 1906 in Betracht. Die Grenze beschreibt um Jola einen Halbkreis mit etwa 45 km Radius, folgt dem Unterlauf des Faro, geht dann ein Stück den Mao Tiel hinauf und verläuft in nördl. Richtung zum Mao Kilanje und dann zum Jadseram, dem sie bis eben vor Dikoa folgt. Dikoa, das deutsch bleibt, wird in kleinem Bogen umgangen und dann verläuft die Grenze in der Richtung N 25° O bis zum Tsadsee geradlinig (Riebow, Deutsche Kol.Gesetzgebung Bd. I 79, 92, 215, 696; Bd. II 54, 80; Bd. X 277). - Was die Ost- und Südgrenze unseres Schutzgebietes anbelangt, so richtet sie sich vorläufig nach dem Abkommen vom 4. Nov. 1911 zwischen Deutschland und Frankreich. Sie verläuft vom Massoliee in der Bucht von Monda zur Südostecke von Spanisch-Guinea in gerader Linie. Von dort in einer Linie zur Mündung des Dschua in den Iwindo, darauf ersterem folgend bis Madschingo (franz. bleibend) und darauf von dort geradlinig zum Ngoko- Ssanga-Punkt. Wesso bleibt französisch. Die Grenze geht nun nach SW 6-12 km unterhalb Wesso zum Kandeko und folgt diesem, dem Bokiba und dem Likuala Mossaka bis zum Kongo. Hier ist eine Strecke von 6-12 km deutsch. Dann geht die Grenze den Likuala Essubi aufwärts bis Botungo. Von hier verläuft sie geradlinig nach S bis Bera Ngoko, dann nach Nordw. zur Vereinigung von Lobai und Bodinge und darauf den Lobai abwärts zum Ubangi. Auch hier folgt sie dem Fluß 12 km, dann steigt sie in gerader Linie zum Pama etwas westlich vom Zusammenfluß mit dem Mbi. Dann den Pama aufwärts und in gerader Linie zum Penndé oder östlichen Logone bei Goree. Nun folgt sie dem Penndé, Logone und Schari bis zum, Tsadsee (DKolZtg. 1911 S. 765). Das spanische Gebiet, Span.Guinea oder Munigebiet bildet eine Enklave in deutschem Besitz. Seine Grenzen werden durch das deutsch-franz. Abkommen vom 24. Dez. 1885 im Norden bestimmt, weil damals noch das ganze südlich der Kampo gelegene Gebiet französisch war, und erst später an Spanien, durch den Vertrag vom 27. Juni 1900, abgetreten wurde. Im Norden wird die Grenze bis zu dem Punkte, wo der Kampo den 10° östl. Länge schneidet, durch diesen Fluß geführt und von dort auf dem Breitengrad dieses Punktes nach Osten weitergeführt. Im Osten und im Süden wird die Grenze durch den spanisch-französischen Vertrag vom 27. Juni 1900 festgelegt. Im Süden geht sie im Talweg des Muni nach Osten und folgt dem 1° nördl. Breite von dem Punkt an, wo der Utemboni diesen zuerst schneidet. Die Ostgrenze bildet der 9° östl. Länge von Paris, d. h. 11° 20' östl. Länge von Greenwich. Es hat zwar eine Grenzregulierung im Jahre stattgefunden 1901, aber es ist noch kein Vertrag zwischen den Regierungen abgeschlossen. - Von den dem deutschen Gebiet vorgelagerten Inseln gehören Fernando Po und Annobon den Spaniern, Principe und San Tomee den Portugiesen und von den kleineren Inseln nahe dem Festland Elobi und Corisco den Spaniern.

2. Bodengestaltung. Man kann in K. in großen Zügen 5 verschiedene Gebiete nach der Oberflächengestaltung unterscheiden:
a) Das Küstenvorland, b) das Plateau von K., c) die Massivregion von Adamaua, d) das Logone-Tsad-- Becken, e) das Ssangatiefland. Der Besprechung dieser Gebiete im einzelnen soll kurz ein Überblick über die geologischen Verhältnisse in K. vorangehen. Die geologische Erforschung beschränkt sich bisher auf wenige Routen, die durchgelegt sind, und auf die Untersuchung von nutzbaren Lagerstätten. K. ist wie der größte Teil von Afrika ein in Schollen abgesunkenes oder aufgerichtetes Plateau. Wo Sedimentärschichten auftreten, sind sie meist flach gelagert. Im Anschluß an die Bildung von Spalten und Brüchen sind vulkanische Ergüsse erfolgt und haben Decken oder Vulkane entstehen lassen. Alluvialebenen sind das dritte Element, das für die Bodengestaltung K.s maßgebend ist. Über die Tektonik des Gebietes ist noch wenig Klarheit geschaffen worden, weil im kristallinen Gebirge, aus dem der größte Teil K.s besteht, Brüche und Verwerfungen sehr schwer nachzuweisen sind. Die Küste in einer Entfernung voll 30-100 km begleitend, haben wir überall einen verhältnismäßig steilen Anstieg, der in 2 Stufen zum Hochland hinaufführt. Wahrscheinlich ist, daß diese Stufen einen Bruchrand darstellen, der aber von der Erosion stark angeschnitten ist. Sicherer ist eine zweite Bruchlinie, auf der überall vulkanische Ausbrüche stattgefunden haben. Diese Linie beginnt bei der Insel Annobon und geht über Principe und Fernando Po zum K.-Berg. Die Region jung vulkanischer Gesteine setzt sich in derselben Richtung nach Nordosten noch bis Banjo hin fort und fällt hier mit dem Nordwestrand des Plateaus von Adamaua zusammen. Außerdem dürfte ein tektonisches Gebilde der Mberegraben sein, der sich an der Ostseite des Hochlandes von Adamaua im Quellgebiet des Mbere in der Richtung von Westsüdwesten nach Ostnordosten erstreckt. Auch bei seiner Bildung sind vulkanische Ergüsse erfolgt. Seine Ränder brechen 2-400 m steil ab, seine Sohle hat eine Breite von 5 bis 7 km. Petrographisch kann man in K. vier verschiedene Gebiete unterscheiden: 1. Das altkristalline Rumpfgebirge, 2. die Sedimentärgebiete, 3. die jung vulkanischen Gebiete, 4. die Alluvialgebiete. Das altkristalline Gebiet hat die weiteste Verbreitung in K. Ganz Südkamerun und Adamaua wird von ihm eingenommen. Die wichtigsten Gesteine sind Granit, Gneis und Glimmerschiefer mit vereinzelten Vorkommen von Quarziten, Amphiboliten, Granatfelsen, Syeniten, Dioriten, Diabasen. Die Sedimentärgesteine haben ihre größte Ausbreitung einmal im Benuetiefland und andererseits im Küstengebiet. Im Tale des Benue sind es die sog. Benuesandsteine, die weite Verbreitung haben. Die genaueren Grenzen im Süden sind noch nicht bestimmt. Im Norden reichen sie wohl bis Demssa, Tengelin zum Hossere Duli, wo die Auflagerung auf Granit zu erkennen ist. Auf englischem Gebiete ist die Verbreitung eine ungleich weitere. Das Alter dieser gelben bankigen Sandsteine konnte wegen Fehlens jeder Fossilien bisher noch nicht festgestellt werden. Ein zweites Vorkommen von sedimentären Schichten haben wir im Kreuzfluß, wo wir einen 30-40 km breiten Gürtel von Sandsteinen von Keschan im Norden bis Araru im Süden reichend finden. Es sind helle Sandsteine, die nach Fischresten in ihnen jetzt der unteren Kreide zugerechnet werden. Es liegen in ihnen Tonschichten, die sehr reich an Bitumen sind, ferner sind Kohlenschmitzen gefunden und Soolquellen nachgewiesen. An der Küste von den Fällen des Sanaga bis zu den Ndianfällen im Norden treten überall Sandsteine und Schiefertone auf, die zur oberen Kreide, und zwar zur Emscherstufe gerechnet werden müssen. Im Süden tauchen sie unter tertiären Schichten unter, die aus mürben Sandsteinen, Tonen und Lehmen bestehen. Die in ihnen gefundene Fauna ist eozänen Alters. Die jüngeren Eruptivgesteine bedecken im Westen von Adamaua weite Gebiete. Es sind meist Basalte, Andesite und Trachyte, Laven und Tuffe, aus denen die Decken und Vulkane dieser Gegenden bestehen. Dann haben wir in Mittel-Adamaua einzelne Vorkommen von Basalten, ferner im Mandaragebirge und am Benue. Das Absinken des Mberegrabens ist ebenfalls mit vulkanischen Ausbrüchen verbunden gewesen. - Nutzbare Mineralien: Zinkerze wurden mit Bleierzen verbunden in Gutschumi in Adamaua gefunden. Glimmer kommt abbauwürdig in Essudan, dann bei Babanki Tungo und Kentu, sowie bei Woe Matun vor. Marmor für Gebrauch im Lande bei Bidjar in Adamaua. Bitumen und Kohle in kleinen Flözen bei Mamfe. Erdöl tritt im Dualabezirk in verschiedenen kleinen Quellen zutage. Salz kommt in Form von Kochsalzquellen im Ossidingebezirk vor. Natronquellen sind um Adamaua bekannt geworden, aus Demssa und Ngaundere.

a) Das Küstenvorland. Wir wollen unter diesem Begriff den Streifen niederen Landes fassen, der von der Küstenlinie bis zum Beginn des Anstiegs zum Plateau reicht. Dieser Streifen wird durch den K.Berg (s. Tafel 77) unterbrochen, den wir also noch zu diesem Gebiet zählen wollen, da er als einzelner Vulkan dem Vorland als fremdes Gebilde aufgesetzt ist. Die Küstenlinie von K. bildet einen Bogen, der nach Südwesten geöffnet ist und in dessen innerem, Winkel der K.-Berg gelegen ist. Im Westen haben wir das mächtige Nigerdelta, das eine Flußfahrt von Togo nach K. auf den vielen Creeks möglich macht, im Süden vom K.-Berg das K.-Astuar, das wahrscheinlich ein ehemaliges Delta des Sanaga darstellt. Wenigstens spricht dafür, daß noch eine Wasserverbindung mit dem Sanaga existiert. Weiter im Süden, südlich des Sanaga tritt dann das kristalline Gestein bis an die Küste heran. Dementsprechend haben wir eine verschiedene Gestalt der Küste. Westlich des Kamerunberges bilden sumpfige, flache Mangrovendickichte die Ufer. Dann folgt auf der ganzen Strecke, an der die Hänge des Kamerunberges ans Meer treten, eine steile, zerrissene Kliffküste, an der noch zu sehen ist, wie junge Lavaströme ins Meer geflossen sind. Wieder einen anderen Charakter zeigt die Küste des Kamerunästuars. Dort haben Küstenströmung und Kalema, die beide ungehindert wirken konnten, eine geradlinige Flachküste geschaffen mit Strandwällen und Nehrungen. Dieser Charakter der Küste reicht bis nach Kribi hin. Zwischen Kribi und Kampo tritt das kristalline Grundgebirge direkt bis an die Küste, und dadurch wird stellenweise eine Kliffküste bis 20 m Höhe geschaffen. Denselben Charakter trägt die Küste von Spanisch-Guinea bis zum Kap St. Jean. Hier springt die Küste in rechtem Winkel zurück, um die Bucht von Corisco zu bilden.Im ganzen Umkreis dieses Gebietes scheinen Sedimentärschichten zu liegen, während der Rand des kristallinen Plateaus bis hinter den Rio Muni zurückzutreten scheint. Die Ufer der Bucht von Corisco mit der Bucht von Monda und dem Rio Muni sind flach und mit Mangroven bewachsen. Der Streifen des Küstenvorlandes ist entsprechend dem Vor- und Rücktreten des inneren Plateaus verschieden breit. Er teilt sich wieder in einen alluvialen Streifen und einen kristallinen Streifen. Folgende Tabelle gibt die verschiedenen Breiten an:

 

Ganzes Vorland (km)

Alluv.

(km)

Krist.

(km)

Kap Peleikan . . . . . . 195 45 150
Kap Suellaba . . . . . . 110 85 25
Sanagamündung . . . 130 70 60
Lonji. . . . . . . . . . . . . . 55 5 50
Kampo . . . . . . . . . . . 25-30 - 25-30

Man kann wohl als Regel angeben, daß die ersten Schnellen an allen Flüssen den Anfang des kristallinen Gebiets bezeichnen. Das alluviale Vorland bildet überall ein mit dichtem Urwald bewachsenes, durch ein Gewirr von kommunizierenden Flüssen zerschnittenes, sumpfiges Tiefland. Nach der Küste zu findet man Strandwälle, Lagunen und Mangrovendickichte, in der Tiefe liegen Kreideschichten, die lokal aufgeschlossen sind. Im Norden haben wir das Rio del Rey-Tiefland mit 4 tiefen Buchten, die weit in das Land führen und teilweise mit Dampfern befahren werden können. Mit Flußdampfern kann man die kleinen Küstenflüsse bis zu den Schnellen hinauffahren. Im Süden des K.berges liegt das K.ästuar, das durch den Kwakwa mit dem Sanaga verbunden ist. Wie schon erwähnt, ist das Ästuar wohl das alte Delta des Sanaga, der später weiter südlich durchgebrochen ist. Die Creeks sind teilweise bis 20 m tief, eine schwer zu erklärende Tatsache. Im Hintergrunde der Bucht liegt der schöne Hafen Duala, der Hauptort der ganzen Kolonie. Duala gegenüber liegt Bonaberi als Hafenplatz der Nordbahn. In die K.mündung fließen die Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba, die alle von dem Plateaurand herabkommen und bis zu den Schnellen schiffbar sind. Mit dem K.ästuar unmittelbar in Verbindung steht das Tiefland des Sanaga und des Njong. Das Land steigt hier meist bis zu 10-15 m an und wird stellenweise von bis 60 m hohen Sandsteinwällen durchzogen. An der Grenze des kristallinen Gebietes liegt Edea und der Ossasee. Von da steigt das Tiefland bis zum Dibamba auf 45 m an. Im Süden der Njongbucht wird dann das Alluvialgebiet immer schmäler, bis bei Kribi das kristalline Vorland direkt ans Meer tritt. - Im Zusammenhang mit dem Alluvialland der Küste wollen wir das Massiv des K.berges betrachten, das ihm aufgesetzt ist. Im Norden des K.berges, zwischen ihm und dem Manengubagebirge steigt das Alluvium an seiner höchsten Stelle bis auf 267 m bei Kumbo, südlich des Elefantensees, an. Dieser selbst ist ein Alter Krater, ebenso wie der Diadiasee, zwischen Dibamba und Mungo. Dort liegt auch an der schmalsten Stelle des Schwemmlandes der Rickardsee, ebenfalls ein alter Krater. Der K.berg ist ein aus mehreren Vulkanen zusammengesetztes Massiv von etwa 50 km Durchmesser. Er gehört zu der schon erwähnten, sich von Annobon und Fernando Po hinziehenden Vulkanreihe, und demgemäß ist seine Längsachse nach Nordosten gerichtet, daher sind auch die jüngsten Ergüsse von Südwesten nach Nordosten hin fortgeschritten, von der Mannsquelle bis zum Fako. Der letzte Ausbruch war im April bis Mai 1909. Dabei entstanden 3 neue, kleine Krater. Das Massiv steigt in mehreren Terrassen an. Die erste Stufe liegt etwa in 900 m; auf ihr befindet sich Buea, die zweite Stufe steigt steil bis etwa 2800 m an, und von dieser Terrasse aus erhebt sich bis 4170 m der Faro. Im Westen erhebt sich mit sehr steilen Hängen der etwa 2000 m hohe Etinde, der nach Esch die alte Vulkanruine eines früheren Berges darstellt, der durch die späteren Ausbrüche zerstört und teilweise verschüttet wurde. Auch hier im Westen haben wir erst einen allmählichen Anstieg bis auf etwa 1000 m Höhe. Zwischen dem Etinde und dem Fako liegt inmitten eines in der Ausbruchsrichtung streichenden Zuges von Kratern und parasitären Vulkanen die Mannsquelle, die einzige Quelle, die über dem Waldgürtel sich findet, und daher ein wichtiger Punkt für Besteigungen des Gipfels ist. Alles Wasser verschwindet sonst sofort im porösen Gestein. Der Krater des Fako ist zum größten Teil durch die Erosion zerstört, nur auf der Nordseite ist er teilweise erhalten und bildet hier den Gipfel des ganzen Berges. Eine geschlossene Urwaldzone reicht etwa bis 2200 m hoch empor, doch streckt der Wald an feuchten Stellen, besonders in den Flußtälern, Zungen bis 2700 m hinauf. Dann beginnt ganz unvermittelt das Grasland, das bei 2800-3000 m in eine wilde, vegetationslose Hochgebirgswüste übergeht. Eine ständige Schneebedeckung führt der K.berg nicht, doch halten sich Schneeflecken wohl öfter längere Zeit. Fast immer ist der Gipfel in einer Nebel- und Wolkenschicht verborgen, und nur selten sieht man vom Fuße des Berges aus den Gipfel frei vor sich liegen. An der Küste, am Fuße des K.berges, liegen die beiden Hafenstädte Bimbia und vor allem Victoria, letzteres an der schönen Ambasbucht. Hier, an der zerrissenen Küste des Berges, sind viele gute Häfen, die aber wegen der Schwierigkeit des Zugangs zum Lande wertlos sind. Die Brandung hat die weichen Tuffschichten zerstört und Buchten in den Hang eingegraben, während die härteren Laven als Vorgebirge stehen geblieben sind. Victoria ist der Hafen für Buea, das in 900 m Höhe am Westhang des K.berges gelegen ist. Es ist wegen seiner gesunden Lage Sitz der Regierung geworden. Das südliche Ufer des Rio Muni, das seit dem Novemberabkommen deutsch ist, scheint ein sedimentäres Plateau von geringer Höhe darzustellen. In der Nähe des Rio Muni, und besonders in seinem hinteren Teil, ist das Gebiet sumpfig, so ist z. B. der Bane mit dem Tembone durch Kanäle verbunden. Die Stufe zum kristallinen Plateau liegt etwa 50 km von der Küste entfernt. Ob noch ein kristallines Vorland vorhanden ist, ist ungewiß. Das ganze Vorland liegt etwa 50 m hoch, und diese Erhebung tritt bis nahe an die Küste heran. Der Rio Muni selbst ist ein tiefes Becken, das wahrscheinlich einen guten Schiffshafen abgibt. In Butika legen schon jetzt die Woermanndampfer an. In den Rio Muni fließt der Tembone, der aber im unteren Teil deutsch ist und wie der Noya vom Plateau herabkommt. Das ganze Gebiet ist mit dichtem Urwald bestanden. - Das kristalline Vorland entwickelt sich überall, mit einer deutlichen, wenn auch oft geringen Stufe aus dem alluvialen Gebiet. Im Norden des Rio del ReyTieflandes wird das kristalline Vorland bis zum Abfall des Baliplateaus unter dem Namen der Westkameruner Massivregion zusammengefaßt. Die Stufe zum Tiefland ist im Osten am Mungo, wo dieses selbst sehr hoch ansteigt, gering, wird aber nach Westen immer mächtiger, so daß die Flüsse zum Teil Wasserfälle von außerordentlicher Schönheit bilden. Das ganze Gebiet stellt eine Stufe von etwa 200 m Meereshöhe dar, aus der einzelne Massive hervorragen. Ob das Ganze eine Inselberglandschaft, die einfach abgesunken ist, darstellt, oder von Brüchen und Senkungen zertrümmert ist, ist nicht bekannt, doch spricht das Auftreten von jungvulkanischen Gesteinen für letztere Auffassung. Drei Massive treten besonders hervor: Die Rumpiberge, das Obangmassiv und, schon zur Hauptsache auf englischem Gebiet, die Auaberge. Ein unruhiges Hügelland bildet die Fläche, auf der sie sich erheben. Die Rumpiberge sind ein zerrissenes, urwaldbedecktes Bergland von bis zu 1500 m Höhe, während Obang- und Auamassiv 1000 m nicht übersteigen. Unter den trennenden H ügelländern möge nur die Ossidingesenke mit der anschließenden Banjangbucht erwähnt werden. Erstere ist von den schon erwähnten Sandsteinen der unteren Kreide erfüllt, die bituminöse Schiefer und Kohlenflöze führen sowie Salzquellen enthalten. Die Entwässerung des Gebietes wird einesteils durch kleine Küstenflüsse, wie den Meine, Ndian und Koran, andererseits durch den Kreuzfluß und seine Nebenwässer, besorgt, der erst nach Nordwest fließt und dann in großem Bogen nach Süden umbiegt. Das ganze Gebiet ist mit dichtem Urwald bedeckt, und nur auf den höheren Massiven finden wir einige Grastäler, die Viehzucht zulassen. An Siedelungen haben wir in der Westkameruner Massivregion zuerst Johann-Albrechtshöhe in günstiger Lage, die Straße von Duala nach Ossidinge beherrschend. Ossidinge am Kreuzfluß liegt in dem Zentrum des Ossidingetieflandes und Mamfe am Ende der Schiffahrt des Kreuzflusses. - Zwischen dem Wuri und Dibombe haben wir ein stark zerschnittenes Hügelland von 200-300 m Höhe; dann verbreitert sich das kristalline Vorland und erweitert sich zur sog. Wuri-Njong-Bucht, die am Sanaga eine Breite von 70 km besitzt. Es ist das eine ebene bis hügelige Platte, überall mit dichtem Urwald bedeckt und noch wenig erforscht. Jenseits des Lokundje verschmälert sich dann das Vorland wieder, es bildet eine ebene Fläche, die aber teilweise von markanten Bergen überragt wird. Ein solcher Berg ist der Elefantenberg, der etwa 350 m hoch ist. Ob die Platte eine abgesunkene Inselberglandschaft darstellt, oder ob die Erosion die Hügel stehen gelassen hat, ist zweifelhaft. Bei Kribi tritt die kristalline Zone ans Meer. Kribi ist der wichtigste Hafen an der Südküste, von dem aus wichtige Handelsstraßen ins Innere führen, während Kampo schlechte Landungsverhältnisse besitzt. Außer ihm kommen noch Groß- und Kleinbatanga, letzteres am Njong gelegen, in Betracht. Lolodorf, an der Straße nach Jaunde gelegen, liegt am Fuße der Hauptstufe des Plateaus. Die Flüsse des ganzen Gebietes kommen vom Plateau oder wenigstens vom Rande der Stufe herab.
b) Das Plateau von K. Von dem Küstenvorland steigt man nach Osten meist mit mehreren Stufen auf ein weites Plateau hinauf, das sieh über den größten Teil von K. erstreckt. Es ist der nördliche Teil der sog. Schwelle von Nieder-Guinea, setzt sich ununterbrochen über Spanisch-Guinea und Französisch-Kongo in den Kongostaat hinein fort. Nach Norden endet es ebenfalls mit einer Stufe, und es ist strittig, ob diese Stufe einen Bruch darstellt oder eine Erosionsstufe ist. Auf jeden Fall setzen die Massive von Nordadamaua die Oberfläche des Plateaus von K. fort. Nach Osten zu senkt die Hochfläche sich allmählich und geht ununterbrochen in französisches Gebiet über. Die Oberfläche dieses Plateaus ist nicht gleichmäßig flach; sie ist aufgebogen, zerbrochen, und einzelne Sockel ragen von ihr hervor. Sie besteht zum größten Teil aus archaischen, gefalteten Gesteinen, die Überreste eines einstigen Gebirges sind, von dem die Abtragung einzelne Erhebungen übriggelassen hat. Im Norden haben wir den höchsten Teil, von dem aus sich das Plateau in mehreren Stufen senkt. Im Westen, wo vielleicht der aufgebogene Rand eines Staffelbruchs vorliegt, liegen ebenfalls im Norden die größten Höhen über 2500 m, während sich der Rand im Süden auf 1000 m etwa erniedrigt. Man kann das Plateau von K. in zwei große Gebiete trennen, deren Grenze nördlich der Sanagamulde nach Kunde und von da zum Uam hinüberzieht, im Norden das Hochland von Südadamaua und im Süden die Hochfläche von Süd-K. - Die Hochfläche von SüdK. läßt sich wieder in drei Gebiete teilen, in das Südkameruner Randgebirge, in die Sanagaschwelle und in die Njemplatte. Das Südkameruner Randgebirge ist lediglich der aufgebogene Westrand des Plateaus, der zur Küste steil, wahrscheinlich überall in zwei Stufen abfällt und sich nach Osten zu langsam senkt. Im Norden beginnt es mit der Sanagasenke, und im Süden setzt es sich durch das spanische Gebiet in das französische Gebiet hinein fort. Die erste Stufe von der Küste aus liegt in etwa 300- 600 m Höhe und scheint sich nach Norden zu zu verbreitern, um am Sanaga direkt in die dort 500 m hoch gelegene Plateaufläche überzugehen. Östlich von Kampo sind die Mbembeberge, die vielleicht noch zur ersten Stufe gehören, 700-800 m hoch. Im Süden im deutschen Munigebiet hat es den Anschein, als ob der Plateaurand, der ununterbrochen durch Spanisch- Guinea reicht, auf einer Linie auf der Höhe des Rio Muni abbricht und erst weiter im Osten wieder einsetzt, während zugleich eine Erniedrigung stattfindet. Wir haben auch dort zwei Stufen, die erste in 200 m Höhe etwa, während der Rand der zweiten bis zu 700 m sich erhebt. Der Übergang des Gebirgslandes nach Osten in die wellige und nur durch einzelne Inselberge überragte Hochfläche ist ein allmählicher und daher auch schwer festzulegen. Im Norden sind die Ndogoberge östlich von Jaunde die letzten Ausläufer, weiter im Süden soll der Pfalla die Grenze bilden. Es wird davon abhängen, wie weit sich die vom Rande aus einschneidenden Flüsse bereits eingegraben und die früher vorhandenen Flächen zerrissen haben. Man wird wohl fast g anz Spanisch-Guinea und also auch das ganze südlich davon gelegene deutsche Gebiet zum Randgebirge zählen können. Das ganze betrachtete Gebiet ist mit tropischem Urwald bedeckt, nur am Sanaga im Norden greift das Grasland über die Ndogoberge und auf die erste Stufe bis an Jaunde heran. Die Flußläufe bevorzugen, wie es, bei Bruchstufen oft der Fall ist, zwei Richtungen, einmal parallel zur Stufe und zweitens senkrecht zu ihr. Es scheint sogar, als ob die erste Stufe zuweilen angedeutet wäre durch auffällige Ablenkungen in der Flußrichtung parallel zum Hochlandrande. Die meisten Flüsse haben den Rand durchbrochen und entwässern teilweise große Teile der Hochfläche. Wahrscheinlich haben sie sich große Gebiete der nach Osten hin entwässernden Flüsse leicht erobern können. Der Njong, der den Rand bei den Tappenbeckschnellen durchbricht, entspringt weit innerhalb der Njemplatte, sein Nebenfluß, der Nkele, hat den Rand noch nicht durchbrochen. Der Lokundje und sein Nebenfluß Tjange haben den Rand durchbrochen, haben die Hochfläche noch nicht erreicht. Der Kampo oder Ntem dagegen hat ein großes Einflußgebiet. Der Uelle oder Rio Benito liegt nur mit seinem Oberlauf auf deutschem Gebiet und hat schon einen Teil der Hochfläche erobert. Die Hauptzuflüsse des Rio Muni, der Tembone und der Noja, liegen noch vollständig im Randgebirge. Im Anschluß an das Südkameruner Randgebirge ist noch das zu ihm gehörige Ebomassiv zu betrachten, das nur orographisch von ihm zu trennen ist. Wir hatten im Süden des Sanaga einen fast nördlichen etwas nach Osten gerichteten Verlauf des Hochlandrandes. Am Sanaga macht der Rand eine Biegung, er wendet sich nach Nordwest. Zugleich steigt die Höhe des Randes bis auf über 2000 m. Die Stufe nach Westen fällt steil und wahrscheinlich ohne Vorstufe ab, aber auch nach Osten zum Tal des Mbam soll der Abfall sehr steil sein. Die Hänge des Massivs sind mit dichtem Urwald bedeckt, doch sind auf den obersten Teilen schon Hochweiden und Hochsteppen zu finden. Das ganze Gebiet ist wild und unzugänglich und daher unbewohnt und eine Völkerscheide zwischen Bantu- und Sudannegern geworden. - Die Njemplatte ist eine 600700 m hohe wellige Ebene, die sich durch die großen Flußgebiete in einzelnen Mulden und Schwellen teilen läßt. Andererseits sind die Niveauunterschiede so gering daß meilenweit nicht zu unterscheiden ist, in welchem Flußgebiet man sich befindet. Die Entstehung dieser aus gefaltetem kristallinem Gestein bestehenden Rumpfflächen ist eins der interessantesten Probleme in Afrika. Im Süden, im neuerworbenen deutschen Gebiet, haben die Nebenflüsse des tief eingeschnittenen Ogowe, die also eine relativ große Erosionskraft besitzen, die ursprüngliche Hochebene stark zerrissen. Im Osten des Iwindo tritt ein Sandsteinrand auf. Wir haben dort eine ziemlich bewegte Oberfläche. Im einzelnen ist dies Gebiet außer an den Flußläufen wenig erforscht. Im Osten steigt die Hochfläche zu der Kunabembe-Schwelle an, die etwa 800-900 m hoch ist und die durch den Dscha und Bumba in tiefen Tälern durchbrochen wird. Im Südosten fällt die Kunabembe-Schwelle ziemlich steil zum Sanagatiefland ab. Es ist noch nicht recht ersichtlich, ob sie ein Hügelland ist, oder ob noch einzelne Hochflächen zwischen den Flüssen liegen. Wie in allen diesen von dichtem Urwald bedeckten Gebieten ist die Übersicht dem Reisenden sehr erschwert. Auf der alten Kameruner Südgrenze zieht sich im Laufe des Ntem und des Aina ein langer Sumpfgürtel von Westen nach Osten. Die Wasserscheide zwischen dem Kom und dem Aina bildet eine ebene Fläche. Im Norden dieser Sumpfgebiete liegt ein Hügelland von etwa 100 m Niveauunterschieden, das nach Südosten zwischen Aina, dem Quellfluß des Iwindo, und dem Dscha unmittelbar in die Kunabembe-Schwelle übergeht. Nach Norden von den eben besprochenen Gebieten kommen wir auf die eigentliche Njemplatte, das ist das Stromgebiet der vier Flüsse Dscha, Njong, Dume und Bumba. Man kann bei diesen vier Stromgebieten kaum von Schwellen, die sie trennen, sprechen, so gering sind die Höhenunterschiede, wenn man von einem Flußgebiet ins andere kommt. Ein mächtiges Sumpfgebiet im mittleren Teil der Platte gibt ihnen allen ihre Entstehung und macht es auf weite Strecken unmöglich, die Quellgebiete zu trennen. Mit Ausnahme des oberen Njong ist das ganze Gebiet mit dichtem Urwald bedeckt, der auch dort, wo das Terrain nicht völlig eben ist, den sog. Urwaldsumpf bildet, der die Feuchtigkeit im Ge- wirr der vermodemden Pflanzenreste zurückhält. Das ganze obere Ssangagebiet ist in ein Plateau von durchschnittlich 600 m Höhe eingeschnitten. Der Fluß kommt vom Hochland von Jadé, das die östlichen Ausläufer des Baiaplateaus darstellt, und also schon zum Hochland von Südadamaua zu zählen ist. Wir haben hier die Grenze südlich von Kunde, etwa in der Fortsetzung der Sanagaschwelle nach Osten zum Uam hinüber zu ziehen: Die Grenze des Hochlandes gegen das Tiefland des unteren Ssanga und Ubangi ist schwer zu ziehen; ungefähr richtig wird man wohl gehen, wenn man sie von Bayanga zum Zusammenfluß Mbaere-Lobai und von dort nach Bangi etwa legt. Die Gegend zwischen Mambere (Ssanga) und Kadei wird von einer Schwelle eingenommen, vielleicht ein Ausläufer des Baia- Hochlandes wie die Sanagaschwelle, und sie zwingt den Kadei zu seinem ausgesprochenen Bogen. Die Wasserscheide zwischen Mbaere und Mambere soll nur von geringer Höhe sein, nur einzelne Inselberge von beträchtlicherer Höhe sind ihr aufgesetzt. Weiterhin nach Osten erniedrigt sich das Plateau immer mehr und löst sich zuletzt in Einzelberge auf, um dann allmählich in die Ebenen am Ubangi, in der aber doch immer wieder einzelne Inselberge auftreten, überzugehen. Mehr ist kaum über dieses noch so unbekannte Gebiet zu sagen, zumal man auf französische Literatur angewiesen ist, aus der schwer exakte Tatsachen zu entnehmen sind. Wie im ganzen Südkamerun haben wir auch hier fast nur Granite, Gneise, Glimmerschiefer, aber darin zuweilen Diabase und Quarzgänge, die oft den Anlaß zu Stromschnellen bilden. In den Flußtälern haben wir teilweise schon weite Alluvialflächen, dagegen auf den Plateaus Eluvium, das hier zum Teil den sterilen konkretionären Lateritboden bildet, der für Kultur sehr ungünstig ist. Der umgelagerte Laterit dagegen bildet einen sehr fruchtbaren Boden. - Im Norden der Njemplatte bildet die Sanagaschwelle die Wasserscheide zur Sanagamulde hin. Die Hochfläche steigt auf 600-700 m an, und einzelne bis 200 m hohe Inselberge sind ihr aufgesetzt. Nach Osten geht die Sanagaschwelle ins Baiahochland über, im Westen über die Ndogoberge ins Randgebirge. Wir kommen hier schon aus dem Urwaldgebiet heraus. Das Grasland umfaßt bereits die ganze Njongmulde und zieht sich dann etwas nördlich des Kadei zum Ssanga, um von dort in fast gerader östlicher Richtung zum Ubangi hinüberzulaufen. An den Flußläufen greift der Urwald dagegen noch weit in das Steppen- und Grasland hinein. Die Sanagamulde, die nördlich der Sanagaschwelle sich allmählich herabsenkt, ist zum größten Teil mit weiten Grasflächen bedeckt. Nördlich des Sanaga trifft man auf zahlreiche flache, sumpfige Mulden, die mit Raphiadickicht bewachsen sind. Wenn wir die Südkameruner Hochfläche noch einmal im ganzen betrachten, so sind für sie charakteristisch weite, nur sehr wenig bewegte Flächen, die an den Rändern überall durch die Erosion in ein mehr oder minder zerrissenes Bergland verwandelt sind. Um so seltsamer mutet das plötzliche Auftreten von steilen Massiven oder Bergen an, die sich steil aus der Ebene erheben und die manchmal mitten im Waldlande schwarze, kahle Felskuppen bilden. Die Ebenen sind meist mit Laterit bedeckt, während im Gebirge die Gipfel mit ungeheuren Blockmeeren bedeckt sind. - Zwei Hauptstraßen führen von Kribi aus nach Osten auf das Hochland. Die eine führt über Lolodorf nach Jaunde und von dort zur Dumestation weiter, die andere direkt nach Ebolowa und von dort nach Lomie und Molundu. Damit sind schon die Hauptsiedelungen charakterisiert. Jaunde liegt an der Grenze von Wald und Grasland noch im Randgebirge. Ebolowa, ebenfalls noch im Randgebirge, zwischen den Zuflüssen des Kampo und des Njong. Im Süden ist Molundu der wichtigste Ort, am Zusammenfluß des Bumba und Dscha gelegen und Endpunkt der Handelsstraße über Ebolowa. Die Schiffahrt den Ssanga abwärts ist offen. Nordwestlich liegt Bayanga am Ssanga, ebenfalls am Fuße der Kunabembeschwelle gelegen. Auch von hier ist Schiffahrt Ssanga abwärts möglich. Diese geht aufwärts bis Nola, das am Zusammenfluß, von Ssanga und Kadei gelegen ist und erst 1911 an Deutschland fiel. Weitere Orte im Flußgebiet des Ssanga sind Carnot und Bania am Mambere und Gasa am Libumbi, einem Nebenfluß des Kadei. Es wird sich erst herausstellen müssen, ob sie für Deutschland die Bedeutung gewinnen, die sie bei den Franzosen hatten. In der Mitte der Njemplatte liegen, Lomie, Kam und Dumestation. Im Norden von letzterer, aber schon im Grasland, liegt Gamane, das alte Bertua, wie auch die vorigen Orte an einer wichtigen Handelsstraße gelegen. - Das Hochland von Südadamaua ist ungleich reicher gegliedert als das Hochland von, Süd-K. Von Süden kommend, treffen wir nörd lich der Sanagamulde auf eine 400-700 m hohe Stufe, auf eine Linie, die durch die Orte Sasu, Linte, Joko, Ndumbi und Mande bezeichnet wird. Wir kommen auf ein etwa 1000-1500 m hoch gelegenes Plateau, das man nun wieder in westöstlicher Richtung in drei gesonderte Hochländer teilen kann. in das Balihochland, das Mbamhochland und das Baiahochland. Nördlich dieser Hochländer treffen wir aber noch auf eine weitere Stufe, die uns zu Höhen von 1700-3000 m hinaufführt, und auch hier ist eine Dreiteilung durchzuführen. Wir haben auf dieser höchsten Terrasse des Plateaus von K. das Balihochland, das Kumbohochland und das Ngaunderehochland. Weiterhin nach Norden Fallen diese letzterwähnten Hochländer steil zu der nur ca. 500 m hoch liegenden Fläche der Massivregion des mittleren Adamaua ab. Im Osten haben wir anscheinend ein stufenförmiges Abfallen zu den Ebenen des Scharibeckens. Doch liegen die Verhältnisse hier wohl recht kompliziert, was schon aus dem Vorhandensein des Mberegrabens, der hier in den Rand des Hochlandes eingesenkt ist, hervorgeht. Noch komplizierter sind die Verhältnisse an der Westseite des Hochlandes. Der eigentliche Rand des Plateaus scheint hier in nordwestlicher Richtung, in der Fortsetzung des Ebohochlandes, zu verlaufen. Doch ist ihm in der Mitte, auf der Höhe des K.berges, ein dreieckiger, etwa durchschnittlich 7-800 m hoher Sockel angegliedert, dem wieder einzelne, teils bis 2500 m hohe Massive aufgesetzt sind. Das ganze wird unter dem Namen Manengubahochland zusammengefaßt. Zugleich hat eine starke vulkanische Tätigkeit hier an dem Nordostrande des Plateaus eingesetzt und hat den einheitlichen Charakter des Randes zerstört. Wo aber der Rand deutlich ausgebildet ist, da haben wir nicht wie im Süden ein Abfallen in 2 Stufen, sondern einen einzigen sehr steilen Abbruch. Wir wollen mit der Betrachtung der einzelnen Hochländer im Westen beginnen. Das Balihochland ist das westlichste der drei oberen Hochländer. Es ist ein etwa viereckiger Klotz, der nach Osten und Westen sehr steil, nach Süden ebenfalls steil abfällt und nur nach Norden zu sich allmählich zum Benuetiefland senkt. Der höchste Teil ist das Bamettagebirge, das sich bis auf 3000 m erhebt und ein wildes, rauhes Gebirgsland mit vielen Höhlen darstellt. Nach Nordwesten vom Bamettagebirge folgen die Wadjemberge, die nur noch 1200 m hoch sind und mauerartig nach Bascho zu abfallen. Bei Bali haben wir ein Plateau von 1200-1500 m Höhe, mäßig bewegt, mit 500 bis 800 m hohen Rändern, nämlich im Osten das Bamendagebirge, im Westen das Bamettagebirge. Dieses Hügelland, die sog, Mijasenke, bildet die Wasserscheide zwischen Benue und Kreuzfluß. Sie setzt sich im Norden in das Bafuthügelland fort. Die geologischen Verhältnisse dieses Gebietes sind wenig bekannt, aber wohl recht verwickelt. Basaltdecken, Laven und alte Krater lassen vermuten, daß Brüche und Verwertungen das Gebiet durchziehen. Das Grundgebirge ist altkristallin. Im Norden fließt der Mija oder Metschum zum Katsena Allah und Benue. Die Wasserscheide zum Kreuzfluß läuft auf dem Kamme des Bamettagebirges entlang. Die Urwaldgrenze läuft hier am westlichen Rande des Hochlandes entlang.. Der Übergang vom Waldland zum Grasland ist ein ganz unvermittelter und liegt etwa in 1000 m Höhe. Die wichtigste Stadt dieses Gebietes ist Bali, in der Mijasenke gelegen. - Im Süden des Balihochlandes liegt das Manengubahochland. Vom Ebomassiv ausgehend verläuft in nordwestlicher Richtung ein Steilrand, der eigentliche Rand des ganzen Plateaus, und südwestlich von diesem, also vielleicht als nicht ganz abgesunkene Scholle, beginnt das Manengubahochland. Der 700-800 m hohen Oberfläche dieses Klotzes sind einzelne Hochländer, die beträchtliche Höhen erreichen, aufgesetzt, teils vulkanischer Entstehung, wie überhaupt das ganze Gebiet in der Verlängerung der Vulkanlinie, die von den Guineainseln zum K.berg verläuft, liegt. Am weitesten im Süden liegt das Massiv des Kupe, eine von, mehreren Gipfeln gekrönte Berggruppe, deren Gestein aus Diorit besteht. Doch deuten junge Vulkane und Krater an, daß das Massiv jugendlicher Entstehung ist. Östlich davon trifft man auf das 700-800 m hohe Bakossibergland und im Norden von beiden auf das eigentliche Manengubagebirge, das eine Höhe von 2230 m erreicht. Letzteres besteht aus Basalten und Trachyten und stellt wohl nur eine Reihe junger Vulkane dar, deren Krater und Lavaströme teilweise noch gut erhalten sind. So z. B. im Westen der 3 km breite Epochakrater mit zwei Kraterseen in seinem Grunde. Westlich des Manengubagebirges erhebt sich der sog. Mugozug und in gleicher nordnordöstlicher Richtung ihn fortsetzend die Bafaramiberge, ein unwirtliches, wildes Gebirge. Jenseits des tiefen Quertals des Mbo setzen die Mboberge die Bafaramiberge fort und erreichen wieder Höhen von 2000 m. Nach Westen senken sich die Mboberge langsam zum Batombergland, dagegen fallen sie steil nach Osten zum Nkamkessel ab. Nach Westen haben wir weiter im Norden den Einbruch des Fontem kessels, mit Rändern von 1500-2000 m Höhe. Damit endet das Manengubahochland im Norden. Die Ränder im Süden werden gebildet durch ein 700-600 m hohes Bergland, das sich an den Rand des Plateaus von K. anlehnt und in westlicher Richtung davon durch das Nlonakomassiv, das bis zu 2400 m erreicht. Zwischen ihm und dem Kupemassiv findet sich eine tiefe Senke. Inmitten dieser eben besprochenen Umkränzung von Gebirgszügen liegt in 600-800 m, Meereshöhe der Nkamkessel, der also allseitig von 2000 m hohen Bergen umgeben ist. Der Boden ist sumpfig, weil der einzige enge Abfluß zum Mungo den ganzen fallenden Regen oft nicht schnell genug abführen kann. Dieser Fluß ist also die Hauptwasserader, die das Manengubahochland entwässert. Die Randgebirge werden nach außen durch Nebenflüsse des Mungo, Dibombe und Kreuzflusses entwässert. Die Hänge des Manengubahochlandes sind bis etwa 800-1000 m mit Urwald bedeckt. Dann folgt die Ölpalmenwaldzone und dann bereits das Grasland. Nur die Nkamebene ist ebenfalls mit Gras bedeckt und nur an den zahlreichen Wasserarmen mit Galeriewald bewachsen. Bedeutende Siedelungen gibt es im Manengubahochlande nicht, das ganze Gebiet ist sehr unzugänglich, wenn auch wegen des vulkanischen tiefgründig verwitterten Gesteins äußerst fruchtbar. Die Manengubabahn wird wohl zur wirtschaftlichen Belebung des schönen Landes beitragen. - Jenseits des Fontemkessels, in der Verlängerung der Mboberge, kommen wir zum Bamendagebirge und besteigen damit wieder das Plateau. Der Bamendazug wird durch eine tiefe Senke in die Bainbutoberge und die Mutiberge zerlegt, letztere erreichen bis 2500 m Höhe. Beide bestehen aus altkristallinem Gestein und sind mit jungen vulkanischen Decken teilweise überlagert. Der Paß zwischen beiden Gebirgen, der Babanki Tungo, liegt 1800 m hoch. Der Muti, der höchste Gipfel der Mutiberge, ist ein Vulkan und in seiner Nähe liegt der anmutige Kratersee Bambulue. Das Bamendagebirge gehört schon zur niederen Terrasse des Hochlandes. Nördlich steigen wir noch fast 1000 m auf das Kumbohochland hinauf und betreten damit den gewaltigsten Gebirgsstock von ganz K. - Das Kumbohochland ist ein Plateau von 2000 bis 3000 m Höhe und durch tiefe Einschnitte in mehrere einzelne Massive zerlegt. Auch hier haben wir noch überall Zeugen der vulkanischen Tätigkeit, die diesen Teil K.s heimgesucht hat, in Form von vulkanischen Decken und Kratern. Nach Norden fällt das Plateau einmal steil zu etwa 1000 m hoch gelegenen Gebirgsländern ab und dann nochmals in einer ebenso steilen Stufe zu den 300-400 m hoch gelegenen Ebenen der Benuelandschaften. Im Osten der Mijasenke kommt man auf das Hochland von Bekom, ein 2000 m hoch liegendes Plateau, das steil zu seiner etwas tiefer liegenden Vorstufe, dem Hochlande von Bafum, abfällt. Letzteres ist ein wildes, teils Wald tragendes, zerrissenes Bergland. In ihm liegen die beiden Ndüseen, die wohl als Maarbildungen anzusprechen sind. Weiter östlich von diesen beiden Landschaften kommen wir zu dem Hochland von Oku, m it seiner Vorstufe, die in eine Anzahl von tief gelegenen Kesseln aufgelöst ist. Im Okuhochland findet sich in 2340 m Höhe der Mauwesee, ein alter Krater. Die Wasserscheide nach Süden liegt hier, im höchsten Teil des Kumbohochlandes, in 2800 m Höhe. Das nächste Gebirgsmassiv nach Osten ist zwischen Katsena-Allah und dem tief eingeschnittenen Donga das Banssohochland, eine ziemlich einförmige Hochfläche mit einzelnen Bergen von geringer Höhe. Die durchschnittliche Höhe beträgt 2000 m. Jenseits des Donga liegt ein 2000 m hohes Gebiet, das wenig bekannte Mambilahochland, das weit nach Nordwesten vorstößt. Damit endet der Zug des Kumbohochlandes. Eine tiefe Einsenkung, der Djauro-Gotil-Paß, der kaum 2000 m hoch ist, trennt es vom Ngaunderehochland. Die Entwässerung dieses Kumbohochlandes ist senkrecht zur Längsrichtung. Die Nebenflüsse des Benue, Katsena-Afiah, Donga, Mija und Taraba, fließen vom Nordhang, während die Nebenflüsse des Mbam für die Entwässerung der südlichen Gehänge sorgen. An Siedelungen haben wir in unserem Gebiet eine Reihe auf dem Kamm des Hochlandes längs der Straße, die hier nach Osten zieht. Das sind Bamenda, am Zugang zur Mijasenke und dem Paß von Babanki Tungo gelegen, ferner Bafut, Kumbo und Banjo am Westfuß des Mambilahochlandes, am Zugang zum Genderopaß. - Das Ngaunderehochland schließt sich nach Osten jenseits des Djauro- Gotil-Passes an das Kumbohochland in einer durchschnittlichen Höhe von 1300-1400 m an. Es sind ihm einzelne Massive bis zu 2000 m Höhe aufgesetzt. Nach Norden fällt es steil mit einer 600-900 m hohen Stufe ab, nach Süden ist eine Stufe von 200 m vorhanden, die aber ebenfalls steil zum Siebenstromlande abfällt. Im Osten senkt es sich langsam zum Logonetiefland und ist in eine Reihe von westöstlich streichenden Rücken durch tiefe, grabenförmige Erosionsrinnen zerlegt. Während wir im Westen fast nur altkristalline Gesteine finden, haben wir im Osten, besonders nördlich von Ngaundere, Basaltdecken in großer Ausdehnung und im Gendero und im Labai alte Vulkane. Ganz im Westen ist der Stock des Djauro Gotil gelegen, der wenig bekannt ist, aber eine Höhe von 2000-3000 m erreichen soll. Südlich von diesem Massiv liegt die etwa 1100 m hohe Hochfläche von Galim, die das nördliche Ende der Tibatischwelle darstellt. Verschiedene andere Massive, teils noch völlig unerforscht, sind dem Ngaunderehochland aufgesetzt, von denen nur das Karnagebirge, das durch den Quellfluß des Benue vom eigentlichen Hochland getrennt ist, das Ubakagebirge, das Lakoigebirge im Osten usw. genannt seien. Etwas nördlich von Ngaundere entspringt auf dem Basaltplateau, das mit einer Stufe von 600 m nach Norden abbricht, der Wina, der die östlichen Teile des Plateaus, das hier etwa 1800 m hoch ist, durchbricht. Südöstlich von Ngaundere liegt der Labai und der Bab el Gendero, beides Vulkankegel. Die Entwässerung dieses Teiles des Hochlandes setzt von Norden, Osten und Süden ein. Überall reichen die Wasseradem weit auf das Plateau hinauf. Die Vegetation ist Grassteppe mit Gebüsch, auf den höheren Teilen schöne Hochweiden, aber auch wilde, blockbesäte Abhänge. Die Siedelungen dieses Gebietes sind spärlich. An bedeutenderen haben wir vor allem Ngaundere, in 1118 m Höhe am oberen Wina gelegen, der Mittelpunkt dieses ganzen mittleren Teils von K. und Ausgangspunkt wichtiger Straßen. -Mit einer meist gut ausgebildeten Stufe fallen diese eben besprochenen Hochländer zu der zweiten Etage des Plateaus von K. ab. Das Niveau dieser Hochländer liegt zwischen 1000 und 1500 m, und ihre Entwässerung wird nur durch die Nebenflüsse des Sanaga besorgt. Im Westen haben wir im Flußgebiete des Mbam das sog. Mbamplateau, das sich wieder in verschiedene Hochflächen und Mulden einteilen läßt. Wenn man vom Bamendagebirge, das als schroffer Wall von 2000 m und mehr sich erhebt, blickt, so schaut man nach Südosten auf eine bewegte Hochfläche von 1300-1600 m Höhe, die nach dem Fluß, der sie entwässert, Nunplateau genannt werden kann. Aus dem sonst ziemlich gleichmäßigen Niveau ihrer Oberfläche schauen einzelne schroffe Erhebungen heraus, Inselberge, so z. B. der Bali Rumbat. Nach Westen erhöht sich das Hochland etwas und bildet hier den Rand des Plateaus, der steil zum Nkamkessel abstürzt. Der Hauptsache nach besteht dies Gebiet aus Graniten und kristallinen Schiefern, doch treten im Norden vulkanische Bildungen auf. Dort bilden auch einige größere vulkanische Massive die Grenze des Nunplateaus nach Osten. Das sind die Mbamberge, der Nka Gam und der Batpit. Von den beiden letzteren kann man vermuten, daß sie früher riesige Vulkane waren, der Batpit trägt sogar auf seinem Gipfel einen kleinen See, den Mfusee, der den Boden eines vollständig erhaltenen Kraters ausfüllt. -Nach Osten setzt sich das Nunplateau in gleichmäßiger Senkung zwischen den aufgesetzten vulkanischen Massiven ins Bamumhochland fort, das eine durchschnittliche Höhe von 900-1000 m besitzt und sich gegen Süden zum Mbam und Nun bis auf 700 m senkt. Beide Hochländer sind mit hohem Gras bewachsen, doch geht das Grasland oft in eine offene Parklandschaft über. Der einzig wichtige Ort des ganzen Gebietes ist Bamum in 1180 m Höhe, Knotenpunkt einer Anzahl von wichtigen Straßen. Der Rand beider eben besprochenen Hochländer geht nach Westen unmittelbar in das Ebohochland über, das ja, wie erwähnt, auch nichts weiter ist, als der aufgebogene Rand des K.er Plateaus. Im nördlichen Teil des Mbomassivs geht nach Osten hin das Bafiabergland, das man wohl ebensogut als die Fortsetzung des Bamumhochlandes nach Süden ansehen kann, ebenso wie das Nguttebergland, das seine Fortsetzung nach Osten bildet. Dann hätten wir also ein einheitliches Plateau, das sich von Norden und von Westen senkt und in das sich Nun und Mbam in teils sehr engen Schluchten eingeschnitten haben. Es liegt ungefähr in 900 m, das Bafia- und das Nguttebergland und einzelne Inselberge von 300-500 m Höhe sind ihm aufgesetzt. Nach Süden fällt es mit der erwähnten Stufe zur Sanagamulde ab. - Im Quellgebiete des Mbam liegt das Tikarplateau, das sich nach Osten aus der Mbammulde allmählich bis zu Höhen von 1000 m erhebt. Im Innern sind ihm einzelne Bergmassive aufgesetzt, die 1200 m und mehr erreichen, so die Ngua- und Bumbaberge. Nach allen Seiten ist es von höheren, m eist bis 1200 m hohen Gebirgsrändern eingefaßt. Im Norden haben wir den Rand, der zu den höheren Hochländern, hier dem Kumbohochlande, emporführt. Im Osten erhebt sich die Tibatischwelle, die Wasserscheide zwischen den beiden Hauptnebenflüssen des Sanaga, dem Mbam und Djerem bildend. Sie besteht aus einer Reihe von Massiven, die ohne Stufe nach Westen zu dem Tikarplateau, nach Osten zur Djerembucht abfallen. Im Süden liegt das Dommegebirge, das mit steiler Stufe zur Sanagamulde abfällt und im Westen in die Ngutteberge übergeht, wenn auch eine tiefe, 660 m hohe Senke dazwischen liegt. Das Dommegebirge ist wild und unzugängiglich. Die oberen Regionen sind steinig, mit weiten Blockhalden besetzt, die oft fast alle Vegetation verhindern, ebenso wie es der Fall ist bei den höchsten Teilen der Tbatischwelle. Die niedrig gelegenen Gebiete sind mit Grassteppen oder Parklandschaften bedeckt, und nur an den Flußtälern finden wir Galeriewald, der allerdings bis fast zu den Quellen emporsteigt. Der Verkehr meidet dieses ganze Gebiet, und die Siedelungen, die von Bedeutung sind, liegen daher meist am Rande. Der größte Ort im Innern ist Ngambe, am Kim, einem Nebenflusse des Mbam, gelegen. Joko, am Fuße des Dommegebirges gelegen, ist ein wichtiger Straßenort, ebenso wie Tibati, das am Fuße der Tibatischwelle liegt, schon fast in der Djerembucht. - Von der Tibatischwelle nach Osten gehend, kommen wir in die Djerembucht oder, wie die Fulbe sie nennen, das Siebenstromland. Das Quellgebiet des Djerem, der es mit seinen Nebenflüssen bildet, streckt sich von Osten nach Westen und bildet eine weite Mulde, deren Flüsse teilweise mit Booten befahrbar sind. Im Süden wird sie von der Sanagamulde durch die Ndumbischwelle begrenzt, die den Djerem zu seinem ostwestlichen Laufe zwingt, bis er umbiegt und sie in engem, mit Schnellen versehenem Tal durchbricht. Die Ndumbischwelle bricht nach Süden mit einer steilen Stufe ab, ebenso wie das Dommegebirge, das sie nach Osten fortsetzt. Das ganze Gebiet ist wenig bekannt. Nach Osten zu hebt sich die Djerembucht und die Ndumbischwelle allmählich, um in das weite Baiaplateau überzugehen. Das Baiaplateau ist der Quellknoten aller wichtigen Flüsse, die nach Norden zum Tsadsee, nach Westen zum Meer, nach Süden zum Kongo und nach Osten zum Ubangi fließen. Hier entspringen der Logone, der Schari, der Lobai, der Ssanga und der Sanaga. Im Norden geht das Ngaunderehochland direkt in das Baiaplateau über, im Osten sollen nach Lenfant 2-3 ausgesprochene Stufen zum Logonetiefland hin vorhanden sein, und im Süden senkt es sich allmählich zur Hochfläche von Süd-K. herab. Die durchschnittliche Höhe ist 900-1200 m, und einzelne Berge von 1400 m Höhe sind ihr aufgesetzt. Das Hochplateau wird durch den Mberegraben, einen tiefen Grabenbruch mit 400 m hohen steilen Rändern, in zwei Teile geteilt. Im Norden haben wir bis zum Wina eine ziemlich gleichmäßige Hochfläche, die sich wohl nach Osten zuerst ganz allmählich bis zu den Lukubergen senkt, um dann bis zum Zusammenfluß des Wina und des Mbere schnell zu sinken. Im Süden des Mbere liegt das Hochland von Jadé, ebenfalls eine weite, aber bereits von der Erosion aufgelöste Hochfläche, die mit dreien, das Plateau in einem vollen Halbkreis umziehenden Stufen nach Osten abfallen soll. Eine Reihe von Bergen, von den Bumbabalbergen im Norden bis zu den Karebergen im Osten sollen die aufgebogenen Ränder der ersten Stufe darstellen. Zur Pluvialzeit soll nach Lenfant der Tsadsee den Fuß des Hochlandes von Jadé bespült haben, so erklärt er die Sand- und Geröllmassen, die die Täler erfüllen. Nach Osten setzt sich dann das Plateau zur Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Schari und Ubangi fort. Es herrscht hier derselbe Landschaftscharakter wie im Süden, nämlich weite Ebenen mit einzelnen Massiven oder Inselbergen. Das Hochland von Jadé besteht zur Hauptsache aus Granit; Kristalline Schiefer sollen hauptsächlich an den Flußschnellen auftreten. Am mittleren Mambere und Nana sollen rote Sandsteine auftreten, die beträchtliche Steilhange bilden. Ob wir im Süden einen allmählichen Übergang zu den Plateaus am Ssanga haben, oder ob ein Steilrand vorhanden ist, läßt sich aus der Literatur nicht feststellen. Doch haben wir noch südlich des Uam im Hochland von Buar eine Hochfläche von über 1000 m Höhe. Die Flüsse, die von dem Plateau nach allen Seiten abströmen, sind tief eingeschnitten und sollen an jeder der drei von Lenfant angenommenen Stufen Schnellen besitzen, während dazwischen teilweise fahrbare Flußstrecken liegen. Die Vegetation ist Gras, auf den Höhen lichter Wald, während die Gipfel wahre Blockmeere darstellen, in denen die Dörfer der Eingeborenen vorzügliche Deckung besitzen. Die Hochflächen sind vielfach mit Laterit besetzt. Kunde, im Süden vom Hochland von Jadé gelegen, ist der wichtigste Ort im neu erworbenen Gebiet, ein Kreuzungspunkt wichtiger Straßen. Das ganze Hochland ist nach dem Dorfe Jadé genannt, das im Mittelpunkt der Hochfläche liegt. Nach Lenfant ist Bugaruia der wichtigste Ort des Gebietes.
c) Die Massivregion von Adamaua. Wie wir gesehen haben, steht man im Norden des Plateaus von K. vor einem gewaltigen Absturz. Wir schauen vom Rande dieser Stufe in weite, tief gelegene Alluvialböden und Gesteinsflächen, aus denen aber gewaltige, steil nach allen Seiten abfallende Massive sich erheben, deren plateauförmige Oberfläche die gleiche Höhe besitzt, wie der nördliche Teil des Plateaus von K., etwa 2000 m und mehr Höhe. Der Schluß liegt nahe, eine Fortsetzung des Plateaus nach Norden zu konstruieren. Es ist aber ein noch offenes Problem, ob diese Massive stehengebliebene Horste einer in weiten Gebieten abgesunkenen Hochfläche sind, ob also der Nordrand von K. einem Bruche seine Entstehung verdankt, oder ob die Erosion des Wassers und des Windes die Massive aus der Hochfläche herausgearbeitet hat. Daß diese Erosion beträchtlich ist und in früheren Zeiten noch viel beträchtlicher war, ist wohl anzunehmen. Wir haben hier im ganzen Gebiete in vorzüglicher Ausbildung den Charakter der Inselberglandschaft: f ast völlig ebene Gesteinsflächen, die über weite Räume sich hinziehen, und daraus erheben sich in großer Zahl Berge mit steilen Hängen, deren Fuß teilweise mit Schutt verhüllt ist. Durch das Benuetal wird eine Zweiteilung der Massivregion von Adainaua vorgenommen. Wir haben also 3 Gebiete: die Massive von Mitteladamaua, das Benuetal und die Massive von Nordadamaua. Mitteladamaua können wir im Westen begrenzen durch eine Linie, die wir von den Ausläufern des Baliplateaus im Norden bis zum nördlichsten Punkte des Benue ziehen. Im Süden haben wir den Steilrand des Plateaus von K., im Norden das Benuetal und im Osten die letzten Ausläufer des Ngaunderehochlandes. Im Norden des Steilrandes von Südadamaua gelangen wir -zuerst auf eine Reihe von Inselbergplatten, die nur durch niedrige Wasserscheiden voneinander getrennt sind. Es sind das von Westen nach Osten: die Inselbergglatte von Gaschaka, die Farobucht, die Benuebucht und die Inselbergplatte von Bubandjidda. Die Inselbergplatte von Gaschaka wird von dem Taraba und seinen Nebenflüssen entwässert. Die Ebenen liegen in einer Höhe von 250-400 m, während die Inselberge aus einem Plateau von 1000-1500 m Höhe herausgeschnitten zu sein scheinen, so z. B. der Alkasin. Im Süden wird die Platte durch das Kumbohochland begrenzt, im Norden durch das steile Massiv des Tschebtschigebirges. Im Osten erhebt sich das Land nur wenig; ebene Flächen in der Höhe von 600 m bilden die Wasserscheide gegen die Bucht von Faro. Nach Westen öffnet sich die Bucht gegen das breite Benuetiefland. Die Inselbergplatte von Gaschaka setzt wegen der breiten Talflächen dem Verkehr kein Hindernis entgegen. Die Vegetation besteht aus einer lichten Buschsteppe, die teilweise in eine Parklandschaft übergeht. Der einzige, wenig bedeutende Ort ist Gaschaka, am Fuße des Kumbohochlandes gelegen. Nach Osten zu gelangt man über eine nur 550 m hohe Wasserscheide in die Farobucht, die vom Faro und seinem Nebenflusse, dem Mao Deo, entwässert wird. Im Norden ragen die Massive des Alantikagebirges und des Ssarigebirges, zwischen denen der Faro nach Norden zum Benue fließt, empor. Im Süden liegt der geschlossene Wall des Ngaunderehochlandes, das im Osten der Farobucht einen Vorsprung nach Norden sendet, das Karnagebirge, während gleichzeitig von Norden aus vom Ssarigebirge ein Basaltplateau ausgeht, die zusammen mit dazwischenliegenden Massiven die Wassergegen die Benuebucht bilden. Die Farobucht ist eine von einzelnen Inselbergen überragte Ebene, die im Innern noch wenig bekannt ist, und deren Vegetationsdecke wohl zur Hauptsache in Steppenbuschwald besteht. Im Westen liegt der Ort Kontscha, an der Hauptroute nach Norden. Mehrere bequeme Übergänge führen zwischen den Massiven im Osten der Farobucht zur Benuebucht hinüber. Diese, im Quellgebiet des Benue gelegen, geht nach Nordosten unmittelbar in die Inselbergplatte von Bubandjidda über. Der Benue reicht tief in die Hochfläche von Ngaundere, südlich der Karnaberge, hinein. Die Ebenen im Norden bestehen überwiegend aus Gneis, besitzen eine Höhe von 300-400 m und werden von zahlreichen Inselbergen und kleinen Massiven überragt. Weiter im Osten scheint die Inselberglandschaft, nach den Karten zu urteilen, allmählich in die Ausläufer des Ngaunderehochlandes überzugehen, um sich dann gemeinsam zum Kebbigneisland hinabzusenken. Auch hier scheint überall Buschsteppe vorzuherrschen, die sowohl Ebenen wie Inselberge und Massive bedeckt. - Wir kommen dann weiter im Norden zwischen den eben besprochenen Inselberglandschaften und dem Benue zu einer Gruppe von vier größeren Massiven, die wieder kleinere Inselbergplatten zwischen sich einschließen. Im Westen beginnend haben wir, zum größten Teil allerdings auf englischem Gebiet liegend, das Tschebtschigebirge, ein in nordöstlicher Richtung gestreckter Wall von 1800-2000 m Höhe, das durch die Erosion teilweise tief zerschnitten ist. Es besteht zur Hauptsache aus Granit, dem Basaltdecken aufgesetzt sind, während im Norden die Hänge schon von Benuesandstein gebildet werden. Wie alle diese Massive ist es mit Buschwald bedeckt. Im Osten folgen das Werregebirge und das Alantikagebirge. Das Werregebirge steigt direkt mit steilen Hängen aus dem Benuetal bis zu über 1200 m Höhe an. Das Alantikagebirge bildet einen langen nach Nordosten gestreckten Zug von ca. 2000 m Gipfelhöhe mit außerordentlich steilem Abfall nach Osten. Zwischen beiden zieht sich eine breite Ebene nach Norden. Inmitten der drei bereits behandelten Massive liegt die Dalamiplatte, die nach Süden zu in die Laroplatte übergeht. Das nächste Massiv nach Osten zu ist das Ssarigebirge, das eine Höhe von ca. 2000 m haben soll. Es ist durch die nur schmale Ebene des unteren Faro vom Alantikagebirge getrennt. - Das Benuetal liegt bei Garua nur 210 m hoch und ganz im Osten bei Rei Buba erst 277 m. Aus dem englischen Gebiet im Westen zieht sich die Region des Benuesandsteins bis östlich von Garua in deutsches Gebiet hinein. Die Oberflächengestaltung dieses Sandsteingebietes ist schwach hügelig, nur zuweilen heben sich einige Sandsteinketten oder aus dem Sandstein hervorragende kristalline Inseln über das allgemeine Niveau. Dann bricht der Sandstein mit steilem Rand nach Osten ab, doch haben sich einzelne Zeugenberge aus Sandstein, die dem Grundgestein aufgesetzt sind, erhalten, so z. B. das 300 und mehr Meter hohe Tengelingebirge. Weiter im Osten folgt dann ein hügeliges Terrain, das allmählich in das Kebbigneisland, dem zahlreiche Inselberge aufgesetzt sind, übergeht, so z. B. die Hossere, Gore, Duli und Basima. In den Flußtälern sind hier überall mächtige Alluvionen abgesetzt. Baum- oder Buschsteppe bedeckt das ganze Land. Der wichtigste Ort des ganzen Nordens unserer Kolonie ist Garua am Benue, mit Schiffahrt zum Niger. Ferner kommt Rei Buba am Mao Rei in Betracht, dann Adumre, Bipare und Lame, meist große Siedelungen der Eingeborenen und an wichtigen Straßen gelegen. - In Nordadamaua bildet nur ein einziges Massiv den Knotenpunkt aller Gewässer, die von ihm allseitig abfließen. Es ist das das Mandaragebirge, ein Plateau von 800-900 m Höhe mit Gipfelhöhen bis zu 1200 m, in südwestlich- nordöstlicher Richtung gestreckt und durch die Erosion und breiten Ebenen von allen Seiten zugänglich gemacht. Im Innern haben wir ein relativ geschlossenes Plateau, dann folgen die aufgelösten Ränder, die allmählich wieder in eine zuerst recht geschlossene, dann aber immer lichter werdende Inselberglandschaft übergehen. im Westen scheint der Abbruch des Plateaus ein ziemlich steiler zu sein, während nach Osten und besonders nach Süden der Übergang zu den Ebenen des Tsad und Logone und Benue ein viel allmählicherer ist. Bekannte Inselberge oder kleine Massive sind im Süden der Hossere Holma, im Osten die Hossere Ndili, Hossere Marua, der Mendif und andere. Die Vegetation des Mandaragebirges besteht meist aus Buschsteppe oder Dorngestrüpp, das aber ziemlich licht steht. Die Siedelungen dieses Gebietes liegen am Fuße und in den Tälern des Mandaragebirges, so vor allem Marua im Osten, das Zentrum von Nordadamaua, ferner Mora im Norden. In dem Gebirge liegen die weniger wichtigen Orte Gauar und am Westrand Madagali, Mubi und Uba. Die Entwässerung des Gebirges wird vor allem von Nebenflüssen des Benue und Schari aus besorgt, während der direkt in den Tsadsee mündende Jadseram nicht weit ins Gebirge hineingreift.
d) Das Logone - Tsadseebecken. Im äußersten Nordosten unserer Kolonie betreten wir weite Alluvialebenen. Die Grenzen dieses Gebietes, wo das Gestein von Alluvien bedeckt ist, sind natürlich schwer festzustellen. Außerdem tauchen vereinzelte Gesteinskuppen als Inselberge mitten aus dem Schwemmland hervor. Im Mandaragebirge beginnen die Alluvien direkt am Fuß der Berge, wo auch noch überall Inselberge auftreten, die erst in weiter Entfernung vom Gebirge verschwinden. Dann greift das Tiefland im Tal des Mao Kebbi weit nach Westen, aber im Süden dieses Flusses tritt sofort der Felsboden zutage. Weiter im Süden verläuft die Grenze des Gneislandes und Alluviallandes wohl nicht weit vom Logone entfernt, zieht sich dann aber von Jerokol aus tief den Mbere entlang nach Westen hin. Die ersten Schnellen des Logone liegen erst eben vor Kaitia. Von dort aus, von Jerokol geht die Grenze etwa nach Kagopal und Gore, um von hier aus direkt nach Osten weiterzuziehen zum Bahr Sara. Der Tsadsee liegt etwa 290 m hoch, und von dort aus steigt das alluviale Gebiet ganz allmählich nach Süden, mit fast unmerklichen Neigungen bis auf 400 m an. Diese Alluvien bestehen aus Lehmen und Sanden mit einzelnen Vorkommnissen von Kalktuffen. Die Flüsse haben sich zum Teil mit steilen Ufern in diese Ablagerungen eingeschnitten, so daß in Gegenden, wo das Netz der Wasserarme sehr dicht ist, einzelne Plateaus direkt herausgeschnitten sind. Man kann wohl annehmen, daß früher die Seebedeckung eine viel größere war, daß der Tsadsee vielleicht das ganze Tsad-Logonebecken ausgefüllt hat. Die Franzosen nehmen an, daß damals ebenfalls ein jahreszeitliches Sinken des Seespiegels stattgefunden habe, und daß dann die Flüsse die vielen regellosen und jetzt für die Entwässerung unnützen Trockentäler und Sümpfe geschaffen haben. Im ganzen Logonebecken soll der Grundwasserspiegel ständig eine gleiche Höhe haben, und zur Regenzeit ein Teil der Flüsse, so z. B. der Penndé, die größte Menge ihres Wassers an das Grundwasser abgeben. Der Penndé erhält durch seine Nebenflüsse ungeheure Wassermengen zugeführt und ist zur Regenzeit doch nur 80 m breit im Unterlaufe. Dagegen führen Uam und Logone zur Regenzeit ganz bedeutende Wassermassen in den Tsadsee und überschwemmen ihre Ufer auf weite Strecken hin. Der Tsadsee hat ein Areal, das im Laufe der Zeit die größten Schwankungen gezeigt hat. Nachtigal gibt es auf 27 000 qkm an. Augenblicklich sind überhaupt nur noch zwei Becken ständig mit Wasser bedeckt, eins vor der Mündung des Schari und eins vor der Mündung des Komadugu. Der Nordteil ist versandet. Die Uferlinie ist im Süden schwer festzustellen wegen der dichten Röhrichtdickichte, die kaum zu durchdringen sind. Im Osten ist der sog. Archipel, eine Unmenge von länglich parallelen Inseln, die wegen ihrer Form als Dünen gedeutet wurden. Nach Osten geht der Bahr el Ghasal als tiefgelegene, teils sumpfige Niederung nach Borku hinein, der als früherer Abfluß des See angesehen wird. Jetzt ist der See abflußlos. Das Gebiet zwischen Jadseram und Schari ist ausgezeichnet durch die Unmasse von Kanälen und toten Wassern, die besonders vom Schari ausgehen und überall in den Tsad münden. Einzelne Inselberge ragen aus dem Tiefland auf, so der Mendif, dann die Kuppe von Balda, ferner nördlich des Taburi die Berge von Daua. Der Boden ist auf weite Strecken hier von dem sog. Firki bedeckt, einem schwarzen, zur Trockenzeit mit tiefen Rissen zerspringenden Humusboden. Zur Regenzeit bildet er einen unter Wasser stehenden Sumpf. Im Westen bildet der Jadseram die Grenze des deutschen Gebietes. Er kommt vom Mandaragebirge, an dessen Westhängen er entlang fließt. Er steht mit seinen Nebenarmen mit denen der übrigen Flüsse, die vom Mandaragebirge kommen, sowie mit denen des Schari und des Logone in Verbindung. Doch sind alle diese Kanäle zur Trockenzeit meist wasserleer. Die großen Kanäle, die vom Schari und Logone ausgehen, sind er Sserbeal, der Sawal, der Mere Rura, der Kulal Mardia und der Matia. In letzteren münden die zwei vom Mandaragebirge herabkommenden Flüsse Jegoa und Tsanaga. Eine interessante Tatsache ist, daß der Schari in offener Wasserverbindung mit dem Benue steht und zwar vermittelst des Mao Kebbi und der Tuburisümpfe. Inwieweit und wie oft der Logone hier zum Benue seine Wassermassen sendet, ist noch nicht ganz bestimmt. Wahrscheinlich ist, daß der Benue und der Mao Kebbi im Laufe der Zeit, wenn der Mensch es nicht verhindern wird, den Logone und damit wohl auch den Schari anzapfen wird und damit das Tsadseebecken zur Wüste werden ließe. Die Grenze des deutschen Gebietes läuft den Logone und dann den Penndé, wie der östliche Logone besser genannt wird, hinauf bis Gore, um von dort nach Süden weiter zu verlaufen. Bei Gore liegt auch der Eintritt des Penndé in das Alluvialland. Westlich dieser Logonelinie liegt das sog. Zwischenstromland zwischen Schari und Logone, das seit dem Novemberabkommen an Frankreich abgetreten ist. Am linken Ufer des Logone ist wahrscheinlich nur noch ein schmaler Gürtel des Alluviallandes vorhanden, der sich aber wohl weit am westlichen Logone hinaufzieht. Zwischen Logone und Penndé liegt das Lakkaland, fruchtbare Ebenen, die oft mit 20 m steilen Rand zu den in die Alluvien eingeschnittenen Flüsse abfallen. Die Vegetation dieses Gebietes ist Buschsteppe und Grasland. Dieser Charakter ändert sich nördlich der Tuburisümpfe. Dort tritt die Dornbaumsteppe auf, die den ganzen nördlichen Teil des Tsadbeckens einnimmt und die sich im Unterlauf des Schari zu einem dichten Dornbuschwald verdichtet. An den Flußläufen haben wir Sumpfvegetation und am Tsadsee einen wohl 20 km breiten Schilfgürtel. Die Siedelungen liegen zur Hauptsache an den schiffbaren Strömen, so am Jadseram Bama und Dikoa, am Schari Gulfei, am Logone Kusseri, Musgam, Lai, am Kebbi Lere. Lame und Binder sind Knotenpunkte wichtiger Straßen.
e) Das Ssangatiefland. Wir haben die Grenze zwischen dem Hochland von K. und dem Ssangatiefland von Wesso nach Bera Ngoko und von dort in einem nach Süden offenen Bogen, etwa zur Mündung des Lobai, gezogen. Der Beginn des Plateaus wird beim Ubangizipfel durch die die Schiffahrt hindernde erste Schnelle des Ubangi, die sog. Schnelle von Singa, angezeigt. Es ist nun aber nach der französischen Literatur nicht nachzuweisen, wo die Schnellen liegen, ob oberhalb oder unterhalb der Einmündung des Lobai. Das Ssangatiefland bildet einfach den nördlichen Teil des gewaltigen Kongobeckens und liegt in etwa 350- 400 m durchschnittlicher Höhe. Da das Gebiet nur von den Flüssen aus bereist ist und noch niemand ins Innere gekommen ist, so ist schwer, etwas über die Natur des Landes zu sagen. Wahrscheinlich ist, daß das mit dichtem Urwald bedeckte Sumpfland zur Regenzeit, und das ist die längere Hälfte des Jahres, zum größten Teil unter Wasser steht. Eines weiteren Urteils muß man sieh wohl vorläufig enthalten. Der deutsche Ssangazipfel liegt einerseits zwischen dem Kandeko- und Likuala- Mossaka und andererseits dem Likuala-Essubi, oder wie die Franzosen ihn nennen, den Likuala aux Herbes, beides Flüsse, die gemeinsam mit dem zwischen ihnen fließenden Ssanga mit einem Gewirr von Flußarmen, sich in das Gewirr der Flußarme des, Kongo ergießen. Auch noch weiter oberhalb ist der Ssanga mehrmals mit den beiden Likuala durch Kanäle verbunden. Der Ssanga selbst fließt in großen Windungen zwischen sumpfigen, undurchdringlichen Uferwaldungen dahin, der Schiffahrt aber keine Schwierigkeiten bereitend, wenn es auch oft schwer ist, in dem Gewirr von Flußarmen den richtigen herauszufinden. Die Vegetation des ganzen Gebietes ist dichtester Urwald, der schwer zu durchdringen sein wird. Am südlichen Ende des Ssangazipfels liegt Bonga am Kongo, ein aus einigen Hütten bestehender elender, sehr ungesunder Ort, der aber wegen seiner Lage für unsere Kolonien Wichtigkeit erlangen wird. Sonstige Siedelungen sind kaum erwähnenswert.

3. Gewässer. Man kann in K. fünf große Stromsysteme unterscheiden. Das sind:
a) die Flüsse, die zum Meere fließen, b) die Flüsse, die dem Benue zufließen, also damit dem Nigersystem angehören, c) die in das abflußlose Tsadseebecken fließenden Flüsse, d) die zum Kongo und Ubangi gehörenden Zuflüsse, und e) ganz im Süden die Quellflüsse einiger Nebenflüsse des Ogowe. Die Hauptwasserscheide geht bei dieser Verteilung des Flußnetzes auf dem Nordrand des Plateaus von K. entlang, und zwar vom Ebomassiv ausgehend zum Bamendagebirge, dann auf dem Kamm des Kumbohochlandes zum Kamm des Ngaunderehochlandes und von dort zum Baiaplateau, in dessen südöstlichem Teile, dem Hochland von Jadé, wir den Quellknoten des ganzen Gebietes besitzen. Hier entspringen der Sanaga, die Quellflüsse des Ssanga, der Uam, als Quellfluß des Schari, sowie die beiden Quellflüsse des unteren Logone, der westliche Logone und der Penndé. Die Wasserscheiden gehen von diesem Zentrum nach allen Seiten. Die Wasserscheide zwischen den Flüssen, die zum Meer abfließen, und denen, die dem Kongo zufließen, geht auf der Sanagaschwelle entlang, um von dort nach Süden in die Sumpfwasserscheiden der Njemplatte überzugehen, wo es schwer hält, die Quellflüsse verschiedenen Stromsystemen zuzuteilen. Südlich des Dscha teilt sie sich in zwei Äste, die die Quellen des Iwindo zwischen sich einschließen, die aber beide wenig markant sind. Die Wasserscheide zwischen den Zuflüssen des Tsadbeckens und denen des Kongobeckens ist ebenfalls wenig markant; sie senkt sich mit dem allgemeinen Niveau der Landschaften nach Osten zu. Ein seltenes Vorkommen ist, daß in K. zwei Stromsysteme, das des Tsadbeckens und das des Niger untereinander durch den Tuburisumpf in Verbindung stehen, und daß zu den feuchten Jahreszeiten ein Teil des Logonewassers dem Meere zugeschickt wird. Man nimmt an, daß hier eine Wasserscheideneroberung vom Benue aus stattgefunden hat, und daß der Mao Kebbi, der Ausfluß der Tuburisümpfe, bestrebt ist, den ganzen oberen Logonelauf sich tributär zu machen.
a) Die Küstenflüsse. Man kann unter den Flüssen, die ihr Wasser ins Meer führen, zwei Arten unterscheiden, je nachdem sie den der Küste parallel verlaufenden aufgebogenen Rand des inneren Plateaus durchbrochen haben, oder ob sie auf diesem entspringen. Danach spricht man von Vorlandflüssen und Hochlandflüssen. Zu ersterer Kategorie gehören alle kleineren Küstenflüsse sowie auch der Kreuzfluß, der allerdings nur mit seinem Oberlaufe auf deutschem Gebiet liegt. Solche sind z. B. der Akpa Korum, der Ndian, der Meme, ferner Mungo, Wuri und Dibamba, sowie der Lokundje und Lobe und endlich im Süden von Spanisch-Guinea der Ndua. Von den Flüssen, die weit auf das Hochland hinaufreichen, ist der größte der Sanaga, der von dem äußersten Ostrand des Hochlandes entspringt. Ferner gehören zu dieser Kategorie der Njong und der Kampo oder Ntem. Wir wollen mit den kleinen Vorlandflüssen beginnen. Der Kreuzfluß oder Cross River gehört nur in seinem Oberlaufe zu unserem Gebiet. Seine zahlreichen Quellflüsse entspringen auf dem Rand des Plateaus vom Manengubagebirge bis zum Baliplateau. Er durchfließt dann in westnordwestlicher Richtung das OssidingeTiefland und beschreibt auf englischem Gebiet einen großen Bogen, um die Westkameruner Massivregion zu umgehen. Er mündet mit einem ausgedehnten Ästuar, das mit dem Ästuar von Rio del Rey zusammenhängt. Der Kreuzfluß ist bis Mamfe schiffbar und führt daher einen großen Teil des Handels des westlichsten Teils unserer Kolonien zum Meer. Er fließt völlig von den Quellen bis zur Mündung im Urwald, der aber nicht weit von seinem Talweg nach Norden aufhört. Ossidinge und Mamfe sind die wichtigsten an ihm gelegenen Siedelungen. Die beiden nächsten in das Rio-del-Rey-Ästuar mündenden Küstenflüsse sind der Akpa Korum und der Ndian, ersterer die Grenze gegen Nigeria bildend. Beide entspringen auf dem Anom-Bergland und fließen völlig im Waldland. Sie sind wohl nur in ihren untersten Mündungsgebieten schiffbar, wo sie durch ein Netzwerk von Creeks mit dem Hafen Rio del Rey verbunden sind. Der nächste ebenfalls in das Rio-del-Rey- Ästuar mündende Küstenfluß ist der Meme, der von den Rumpibergen herabkommend erst nach Süden fließt, dann durch den Kamerunberg nach Westen abgelenkt, diesen umfließt. Für die Schiffahrt kommt er nicht in Betracht. Jenseits des Kamerunberges münden im Kamerunästuar die drei im Unterlauf schiffbaren Flüsse Mungo, Wuri und Dibamba. Der Mungo entspringt an den Westhängen des Bamendagebirges, biegt dann nach Süden um und fließt zwischen Manengubagebirge und Kamerunberg hindurch, um mit einem Netzwerk von Creeks in die Kamerunbucht zu münden. Er ist bis Mundame, also bis zum Beginn des kristallinen Vorlandes, schiffbar. Der Wuri, der längste dieser drei Flüsse, ist bis Jabassi schiffbar und entspringt mit seinen Nebenflüssen auf dem Plateaurand vom Ebomassiv bis zum Manengubahochland. Seine Hauptquellflüsse, von denen wohl der Nkam der Hauptfluß ist, der das ganze Innere des Manengubahochlandes entwässert, sind außerdem noch der Dibombe, der vom Manengubagebirge kommt und bis Nganga schiffbar ist, und der Makombe. An der Mündung des Wuri liegt der Haupthafen der Kolonie Duala. Der dritte der in die Kameruner Bucht mündenden Flüsse ist der Dibamba, der bis Bengange Schiffahrt erlaubt und auf den Vorbergen des Ebomassives entspringt. Wir überschlagen die großen vom Plateau herabkommenden Flüsse Sanaga und Njong und treffen im Süden zuerst auf den Lokundje, der am Plateaurand entspringt, für die Schifffahrt überhaupt nicht in Betracht kommt. Schon 10 km von der Küste beginnen die Schnellen. Wo der Fluß aus der letzten Plateaustufe heraustritt, liegt Lolodorf. Ebenso wie der Lokundje sind der Kribi und der Lobe im Oberlauf tief eingeschnittene Erosionstäler, im Unterlauf von Schnellen unterbrochene Flüsse, die für die Schifffahrt unbrauchbar sind. An der Mündung des Kribi liegt in einer kleinen Bucht der bedeutendste Handelsplatz von Südkamerun, Kribi. Nahe der Mündung des Lobe liegt Groß-Batanga. Der Hauptfluß von Spanisch-Guinea ist der Uelle, der mit seinen Quellen auf deutschem Gebiet liegt und daher hier betrachtet werden muß. Der Uelle entspringt bei Andum, verläuft erst in westlicher Richtung und durchbricht 2 Stufen des Plateauabfalles, jedesmal erst nördlich oder südlich an ihr entlang fließend. Vom Meer aus ist der Uelle 20 km mit Dampfbooten schiffbar. Die Schiffbarkeit des Oberlaufes beginnt in Fen und endet in Akulaban. In dem südlich von Spanisch-Guinea gelegenen Munizipfel besitzen wir in dem Temboni noch einen kleinen schiffbaren Küstenfluß, der bis Ekododo mindestens für Küstendampfer befahrbar ist. Der Temboni liegt nur im Unterlauf auf d eutschem Gebiet, während der südlichere, ebenfalls in den Rio Muni mündende Ndua oder Noja fast ganz deutsch ist. Wieweit dieser breite Fluß im Unterlauf schiffbar ist, muß sich durch die Erforschung zeigen. -Von größerer Bedeutung sind die großen Küstenflüsse, die Hochlandflüsse Kampo, Njong und Sanaga. Der Kampo bildet an seinem Unterlaufe die Grenze gegen Spanisch-Guinea. An seiner Mündung liegt der Hafenplatz Kampo, die Schiffahrt auf dem Kampo ist aber von hier aus nur einige Kilometer weit möglich. Der Ntem, wie der Kampo auch heißt, entspringt etwa auf 12° 36' östl. L. südlich der alten deutschfranzösischen Grenze und läuft zuerst bis Minvul in sumpfigen Niederungen. Dann beginnt die Schiffbarkeit bis zum Einfluß des Kom, der wohl eigentlich der Hauptzufluß des Kampo ist. Beim Einfluß des Ke, der von Süden kommt, ist er schon 200 m breit. Außer dem Kom strömen ihm von Norden noch mehrere wichtige Zuflüsse zu, so der Mboro und der Mwila, die beide aus der Gegend von Ebolowa kommen. Eine eigentümliche Erscheinung ist es beim Kampo, daß er sich zweimal mitten im Gebirge in 2 Arme teilt, die erst nach kilometerlangem Lauf sich wieder vereinigen. Die erste Gabelung findet auf der zweiten Plateaustufe statt, und gleich darauf wiederholt sich das Phänomen noch einmal. Die dritte Gabelung liegt eben vor der Mündung und hat eine Länge von über 45 km. Der ganze Lauf des Kampo liegt in Urwaldgebiet. Weit wichtiger als der Kampo ist der Njong, der auf der Njemplatte entspringt, im westlichen Lauf den Plateaurand in tiefem, an Wasserfällen reichem Tal durchbricht, um dann in ruhigem, zuletzt südlichem Laufe dem Meer zuzuströmen. An seiner Mündung ist er über 600 m breit und bis Dehane, also etwa 60 km, weit schiffbar. Dann treten die ersten Schnellen auf, die sich, je mehr wir uns dem Plateau nähern, mehren. Die Tappenbeckschnellen sind die letzten, und damit beginnt auch wieder die Schiffbarkeit des Njong, die bis Abong Mbang möglich ist. Die wichtigsten Nebenflüsse des Njong sind der Nkele, der vom Plateaurand herunterkommt und dem Ngong im Vorland zufließt, sowie der Pfalla mit dem Sso, die beide von Süden kommen und noch auf dem Plateau münden. Im Unterlauf fließt der Njong im Urwaldgebiet, im Oberlauf wird er von dichten Galeriewäldern bis hinauf zu seiner Quelle umsäumt. An seinem Oberlaufe liegt das wichtige Abong Mbang, der Endpunkt seiner Schiffbarkeit, weiter unterhalb Akonolinga. Der mächtigste der direkt zur Küste fließenden Flüsse ist der Sanaga, der auf dem östlichen Rande des Kameruner Plateaus entspringend, dieses also in seiner ganzen Breite durchfließt. Auf seinem ganzen Laufe fließt er hauptsächlich in westsüdwestlicher Richtung. An seiner Mündung ist er durch schiffbare Creeks mit dem Kamerunästuar verbunden. Seine Schiffbarkeit reicht im Unterlauf nur bis Edea, wo die ersten Schnellen auftreten. Er durchbricht den Plateaurand, wo dieser seine Richtungsänderung vornimmt, wodurch eine Weite Bucht gebildet wird. Aber auch nach Überwindung der Stufe folgen sich eine Schnelle nach der anderen, so z. B. die Nachtigalschnellen, so daß der Strom nur auf einer ganz kurzen Strecke von etwa 50 km unterhalb Ndo schiffbar ist. Sein Quellfluß ist der Lom, der auf dem Hochland von Jadé entspringt. Von rechts fließt ihm sein größter Nebenfluß zu, der Djerem, der östlich von Ngaundere entspringt und das Siebenstromland entwässert. Unterhalb hat der Sanaga bereits eine Breite von 500-1000 m. Die nächsten Nebenflüsse von Norden sind der Djam und der Dschi, die beide vom Dommegebirge herabkommen. Unterhalb der Nachtigalschnellen mündet ebenfalls von Norden der Nbam mit seinen Nebenflüssen Kim und Nun. Alle von Süden kommenden Flüsse sind unbedeutend. Wir sehen also, daß der Sanaga den ganzen nördlich der Sanagaschnelle gelegenen Teil des Kameruner Plateaus entwässert, und außer einer kleinen Strecke im Mittellauf und eines Teils des Siebenstromlandes nirgends Schifffahrt erlaubt. Auch der Sanaga ist auf seinem ganzen Verlaufe auf dem Plateau von dichten Galeriewäldern umgeben. Wichtige Orte liegen weder an ihm noch an seinen Nebenflüssen, ausgenommen Edea, den Endpunkt der Schiffbarkeit des Unterlaufs.
b) Das Nigersystem. Die dem Nigersystem angehörenden Gewässer K.s fließen nur dem diesem tributären Benue zu. Der Benue, ein linker Nebenfluß des Niger, entspringt auf dem Ngaunderehochland, fließt zuerst nach Norden und biegt dann in großem Bogen, die Massivregion Nordadamauas durchfließend, in westliche Richtung um, und nimmt dann seine Hauptrichtung WSW ein. Er verläßt das deutsche Gebiet bei der Einmündung des Faro. Das ganze Benuesystem ist weit hinauf schiffbar. Der Hauptfluß selbst ist bis zur Einmündung des Rei schiffbar, und dieser Nebenfluß ist wieder bis Rei Buba befahrbar. Der Mao Kebbi ist bis Lere der Schiffahrt zugänglich, und der Faro und sein Nebenfluß Mao Deo bis Laro. Der Benue bildet also die natürliche Ausfuhrstraße für den ganzen Norden von K. Von links empfängt der Benue eine ganze Reihe von Nebenflüssen, die auf deutschem Gebiet entspringen. Nur der Faro, der ebenso wie sein Nebenfluß, der Mao Deo, auf dem Ngaunderehochland entspringt, ist ganz deutsch und bildet nur in seinem unteren Laufe die Grenze gegen englisches Gebiet. Die drei nächstfolgenden, der Taraba, der Donga und der Katsena-Allah, haben ihre Quellen auf dem Kumbohochland. Der Taraba und der Katsena-Allah sind im Unterlaufe schiffbar, doch reicht ihre Schiffbarkeit nicht mehr bis auf deutsches Gebiet. Von den rechtsseitigen Zuflüssen des Benue ist vor allem der Mao Schufi oder Mao Rei, der von den östlichen Ausläufern des Plateaus von Kamerun entspringt, ferner der Mao Sidi und endlich der Mao Kebbi, die beide östlich von Lame entspringen, zu erwähnen. Der Mao Kebbi ist durch die Tuburisümpfe zur Regenzeit mit dem Logonesystem verbunden, so dass dieses also zeitweise einen kleinen Abfluß zum Atlantischen Ozean besitzt. Ein Nebenfluß des Mao Kebbi, der Mao Lue, kommt vom südlichen Teile des Mandaragebirges herunter. Zwei weitere rechtsseitige Nebenflüsse des Benue, der Tiel und der Kilangi, bilden stellenweise die Grenze gegen Nigeria. Entsprechend der Schiffbarkeit des Benue liegen eine Reihe bedeutender Siedelungen an ihm und seinen Zuflüssen. In der Nähe des Benue selbst liegt, allerdings noch auf englischem Gebiet, Jola, weiter oberhalb Garua. Am Mao Schufi liegt Rei Buba, am Mao Kebbi Bipare und Lere. Am Faro bzw. Mao Deo liegen Kontscha, Tschamba und Laro.
c) Das abflußlose Tsadseebecken. Wie wir gesehen haben, entwässert zu bestimmten Jahreszeiten ein Teil des Logone zum Benue, aber der Betrag ist zu geringfügig, als daß man nicht das Tsadseebecken als ein abflußloses bezeichnen kann. Die für unser Gebiet in Betracht kommenden Zuflüsse des Tsadsees sind der Schari und sein Nebenfluß, der Logone. Der Quellfluß des Schari ist der Uam, der auf dem Plateau von Jadé in der Nähe von Buala entspringt. Er fließt erst östlich und umgeht die Karéberge in einem nach Norden offenen Bogen. Nach Lenfant sollen 3 Stufen überwunden werden, die jedesmal durch eine Reihe von Schnellen angedeutet sind. Dazwischen liegen Flußstrecken, die mit Booten befahrbar sind. Vom französischen Posten des Uam ab ist die Schiffahrt mit Booten abwärts möglich, also erst auf französischem Gebiet. Wie weit der Unterlauf des Uam für die Flußschiffahrt in Betracht kommt, ist noch unbekannt. Sein größter Nebenfluß von links ist der Nana Baria, der im Lande der Talla Baia entspringt, aber auch bald das deutsche Gebiet verläßt. Der Uam mündet etwas unterhalb Fort Archambault in den eigentlichen Schari, der fälschlich so benannt wird. Dieser, der sich in den Grib fortsetzt, ist bis Fort Crampel für die Gribingi fortsetzt, ist bis Fort Crampe für die Flußdampfer befahrbar und bildet eine vorzügliche Verkehrsstraße bis zum Tsadsee hin. Nur der unterste Teil des Schari bis zum Einfluß des Logone bei Kusseri bildet die deutsche Grenze. Der Logone bildet bis zu dem Punkte, wo er sich in seine zwei Quellflüsse teilt, die Grenze des deutschen und des französischen Gebietes. Dort übernimmt dann der Penndé, der östlichste der beiden, auch östlich Logone genannt, die Grenzführung bis zum Orte Goré. Der Penndé entspringt auf dem Hochland von Jadé. Man kann drei Regionen unterscheiden. Die erste von der Quelle bis Bi Namcor mit starker Erosion und daher vielen Schnellen; die zweite bis Dokula in welligem Terrain mit breitem Tal, wo Bootschiffahrt möglich ist, und drittens von Dokula an, wo wahrscheinlich Flußschiffahrt möglich ist. Die letzte Schnelle liegt bei Dimbaia. Der westliche Logone ist wahrscheinlich bis etwas unterhalb Kaitia für die Schiffahrt brauchbar. Oberhalb Kaitia teilt er sich in drei Quellflüsse, in den Lim, der vom Hochland von Jadé kommt, den Mbere, der den Mberegraben durchfließt und auf dem Westende des Baiahochlandes entspringt und den Wina, der seine Quelle noch westlich von Ngaundere besitzt. Ein weniger bedeutender Nebenfluß des Logone ist der Nia, der von den östlichen Ausläufern des Ngaunderehochlandes herunterkommt. In ihrem Unterlaufe teilen sich Logone wie Schari in zahlreiche Nebenarme, die teilweise mit Nebenarmen des Jadseram sich treffen und ein Netzwerk von Kanälen bilden, die das ganze Logonetiefland durchziehen. Ein solcher Arm ist z. B. der Ebeji, der vom Logone ausgeht und nahe dem Jadseram in den Tsadsee mündet. Südlich von Musgam geht der Matia ab, in den die vom Mandaragebirge kommenden Flüsse Tsanaga und Jegoa münden. Der Jadseram bildet die westliche Grenze von Kamerun. Er entspringt auf dem südlichen Ende des Mandaragebirges und fließt in nördlicher Richtung zum Tsadsee, wo er, wie erwähnt, ein unentwirrbares Netz von Mündungskanälen, die mit denen des Schari-Logone zusammenlaufen, bildet. Wie das Benuesystem weist auch das Tsadseesystem eine größere Periodizität der Wasserzuführung auf, als die vorher behandelten Küstenflüsse. Diese Wasserzuführung richtet sich nach den Niederschlägen und kann beträchtliche Schwankungen in der Schiffbarkeit der Flüsse verursachen. Auch liegt hier eine Reihe bedeutender Siedelungen an den Wasserwegen. So liegt Bakassi am Zusammenfluß von Logone und Penndé. Am Logone liegen ferner Lai (französisch), Musgum, Kusseri, Gulfei; am Jadseram liegen Bama und Dikoa.
d) Das Kongosystem. Zu diesem System gehören die Flüsse, die dem Kongo und seinem großen Nebenfluß, dem Ubangi zuströmen. Das deutsche Gebiet reicht mit zwei schmalen Zipfeln an diese beiden Ströme selbst, und daher müssen diese erst kurz besprochen werden. Der Kongo fließt vom Eintritt des Ubangi an in südwestlicher Richtung. Von seiner Mündung aus ist er bis Matadi schiffbar. Dann folgt aufwärts der Abschnitt der Schnellen und Fälle, der bis zum Stanley Pool reicht. Von dort ist der Kongo wieder dem Dampferverkehr offen. Das deutsche Gebiet erreicht den Kongo bei der Mündung des Ssanga. Der Ssanga entspringt mit seinem Quellfluß, dem Nana, auf dem Hochland von Jadé und fließt in ungefähr südlicher Richtung. Seine Hauptzuflüsse erhält er von rechts. Zuerst fließt ihm der Mambere zu, der vom Baiabochland kommt. Beide Flüsse besitzen ein ziemlich starkes Gefälle. Weiter unterhalb mündet bei Nola der Kadei, der bei Kunde entspringt, mit seinen Nebenflüssen, dem Dume, dem Bumbe und dem Libumbe. Der Kadei fließt mit seinen Nebenflüssen im Oberlaufe auf den ebenen Flächen der Njemplatte und wir haben darum im Gebiet des Dume und Kadei eine große schiffbare Flußstrecke. Die Endpunkte dieser Strecken sind am Dume die Dumestation, am oberen Kadei der Ort Bakumbo und am unteren Kadei der Ort Delele. Unterhalb tritt der Kadei in eine Zone von Schnellen ein, die bis Nola hin reichen. Bei Nola beginnt die ungehinderte Schiffahrt des Ssanga, die bis zum Kongo hinunterreicht. Der nächste Zufluß von rechts ist der Dscha, der im Unterlauf auch den Namen Ngoko führt, ebenfalls auf der Njemplatte entspringt, erst westlich verläuft, dann aber in einem kurzen Bogen in ostsüdöstlicher Richtung umbiegt. Der ganze Oberlauf des Dscha wird durch Schnellen unterbrochen, so daß eine Schiffbarkeit erst von Dongo oder Ngoila möglich wird, da die letzten Schnellen oberhalb Dongo liegen. Sein Nebenfluß, der Bumba, den er von links empfängt, entspringt ebenfalls auf der Njemplatte. Bei der Mündung des Ngoko verläßt der Ssanga das gebirgige Terrain und tritt in das Tiefland ein. Eine Reihe von Verbindungskanälen verbindet ihn mit zwei, ihm parallel verlaufenden, die deutsche Grenze bildenden Flüssen, dem Likuala-Mossaka und dem Likuala-Essubi oder Likuala aux herbes. Ersterer entspringt auf französischem Gebiet am Ostabfall der Schwelle von Guinea und ist bis zum Orte Makua auf französischem Gebiet schiffbar. Letzterer entspringt im Tiefland zwischen dem Ssanga und dem Ubangi und ist bis Botunga schiffbar. Das ganze Flußgebiet des Ssanga liegt bis auf seine beiden Quellflüsse im Gebiete des Urwaldes. Im Tieflande sind die Ufer sumpfig, der Fluß teilt sich in viele Arme, besonders nach der Mündung in den Kongo zu, wo dieser, der Ssanga und die beiden Likuala, ein unentwirrbares Netz von Kanälen bilden. Auch hier ist der Wasserstand ein jahreszeitlich sich ändernder. Zur Regenzeit steht wohl das ganze Gebiet des unteren Ssanga unter Wasser. An der Mündung des Ssanga liegt Bonga, am Einfluß des Dscha Wesso (französisch), am Dscha Molundu, Ngoila, Dongo. Am Zufluß des Dume, dem Kadei, liegt Nola, an jenem die Dumestation. Am Bumbe liegt Gasa, am Mambere Bania und Carnot. Der Ubangi ist zur Regenzeit bis Bangi mit Dampfern befahrbar. Zur Trockenzeit sind die Schnellen von Singa ein Hindernis. Es ist typisch für die Gründlichkeit der Franzosen, daß sich nicht feststellen läßt, ob diese Schnellen unterhalb der Mündung des Lobai oder oberhalb liegen. Das ist wichtig für den Wert des Ubangizipfels. Vermutlich liegen sie oberhalb, da der Lobai noch 80 km weit schiffbar ist und in sumpfigen Ufern fließt, und die Schnellen meist das Aufhören des Tieflandes bedeuten. Der Lobai, als der bedeutendste Nebenfluß des Ubangi auf dieser Strecke, entspringt auf dem Plateau von Buar, einem Ausläufer des Hochlandes von Jadé. Sein Nebenfluß wieder ist der Mbaere, der zwischen Ssanga und Lobai fließt. Die Nordgrenze des Ubangizipfels bildet der Pama, dessen Lauf aber noch vollständig unbekannt ist. Ebensowenig wissen wir von den unterhalb des Lobai auf deutschem Gebiete entspringenden, dem Ubangi zufließenden Flüssen, dem Ibenga und dem Motaba.
e) Das Ogowesystem. Dieses Flußsystem reicht nur mit seinem nördlichsten Teil in das deutsche Gebiet hinein. Die unteren Nebenflüsse des Ogowe, der Abanga und der Okano, liegen nur mit ihren Quellen in Kamerun. Nur der Iwindo mit seinen Nebenflüssen gehört in größerer Erstreckung zum Kameruner Besitz. Der Iwindo, in seinem Oberlauf auch Aina genannt, entspringt nicht weit von der alten deutschfranzösischen Grenze. Er verläuft erst in Sümpfen in östlicher Richtung und biegt dann nach Süden um. Bis zur Mündung des Karagua oder Je, der von Nordosten aus Altkamerun kommt und der bis Ntam mit Booten befahrbar ist, verläuft der Fluß noch auf dem Plateau. Dann treten Hügel auf, der Lauf wird schneller, und einige Schnellen, die aber von der Schiffahrt überwunden werden können, sind vorhanden. Endgültig Schluß der Schiffahrt ist in Kandjama. Der Dschua, der streckenweise die Grenze bildet, fließt dem Iwindo ebenfalls von rechts zu. Er ist bis fast nach Madjingo hinauf schiffbar. Der Nuna etwas unterhalb mündet von rechts, dann ebenfalls von rechts der Ua und der Mvung. Alle diese Flüsse sind wohl im Oberlauf teilweise fahrbar, aber an ihrem Unterlaufe, ehe sie ins Tal des Ogowe kommen, haben sie, wie auch dieser selbst, eine Reihe von Schnellen zu überwinden. Zuletzt müssen wir noch den in die Gabunmündung fließenden Komo erwähnen, der im spanischen Gebiet entspringt und auf kurzer Strecke durch deutsches Gebiet fließt.

4. Klima. K. bildet klimatologisch kein einheitliches Gebiet. Es liegt auf der Grenze zweier großer klimatischer Provinzen, einmal der Sahararegion und andererseits des Kongobeckens. Dazu tritt der tief einschneidende Winkel der Bucht von Guinea, die das Klima des Gebietes beeinflußt.
- Luftdruck und Winde. Wenn die Sonne südlich des Äquators steht, bildet sich über Südafrika ein Minimum, das dann mit der Sonne allmählich nach Norden wandert und im Juli über der Sahara mit einem Luftdruck von ca. 756 mm steht. Wir haben dann eine vorwiegend südliche Luftbewegung. Einerseits reicht der Südostpassat dann bis in den Süden von K. hinein, andererseits wird er durch das Minimum abgelenkt und in einen Südwestwind verwandelt. In der heißen Zeit haben wir also abwechselnd Winde aus Osten, Südosten und Südwesten. Dagegen haben wir im Januar, wenn das Minimum in Südafrika liegt, und über der Sahara ein relativ hoher Luftdruck von 760-764 mm herrscht, eine vorwiegend nordsüdliche Luftbewegung. Dieser zuweilen kalte und staubtragende Nordwind, der zur kalten Jahreszeit vorherrscht, führt in Togo den Namen Harmattan (s.d.). Außer diesen allgemeinen Luftströmungen herrscht an der Küste überall der tägliche Wechsel von Land- und Seewind. Am Tage erhitzt sich das Land, und es findet eine Luftbewegung vom kühlen Meere zum Lande statt. Der Vorgang ist dann in der Nacht der umgekehrte. Der tägliche und der jährliche Gang des Barometers ist wie im ganzen Tropengebiet ein sehr regelmäßiger. In Duala beispielsweise ist die tägliche Schwankung 3 mm, und die beiden Maxima liegen bei 9 Uhr 30 Min. vormittags und 10 Uhr 30 Min. nachmittags.
- Temperatur. Die Temperatur ist von 3 Faktoren abhängig, vom Sonnenstand, d.h. vom Wandern der Sonne, von der Lage zur Küste und von der Meereshöhe. Obwohl K. nördlich des Äquators liegt, hat der Süden seine heißeste Zeit im Nordwinter. Es liegt dann die Isotherme von 30° über der Kalahari in Südafrika, und die Isotherme von 28° umschließt noch die Mitte von K. Im Nordsommer ist das Hitzezentrum ins Innere der Sahara gerückt, die 32° Isotherme geht durch den Tsadsee, die 28° Isotherme geht wieder durch die Mitte K.s. Nach Lage und Höhe kann man nun verschiedene Regionen mit verhältnismäßig einheitlichem Klima unter scheiden. Das Küstenvorland besitzt eine im Verhältnis zu seiner äquatorialen Lage mäßig hohe Temperatur. Mehrere Gründe sind dafür maßgebend. Einmal reicht die kalte Benguellaströmung (s. d.) bis in diese Breiten, wenn auch Duala selbst die warme Äquatorialgegenströmung besitzt. Dann herrschen in dem ganzen Gebiet westliche, also vom Meere kommende und daher relativ kühle Winde vor. Ferner ist das ganze Vorland mit Wald bedeckt, der überall zu einer Minderung der Temperaturextreme beiträgt. Es sind darum sowohl die täglichen wie die jährlichen Schwankungen der Temperatur sehr gering. Die jährliche Amplitude ist nur etwa 2- 4°, und ebenfalls die tägliche Amplitude bewegt sich in gemäßigten Beträgen (etwa 2-8°). Der K.berg ragt als Kälteinsel aus dem Tiefland auf, da mit der Höhe ja die Temperatur abnimmt. In seinen höheren Teilen ist er aber kälter, als die Höhe allein es veranlaßt. Buea (980 m) hat eine mittlere Temperatur von 19,6°. Plateaus zeichnen sich meist durch große Temperaturschwankungen aus, besonders sind die täglichen Amplituden und die extremen Temperaturen beträchtlich. Das ist auch bei dem Plateau von K. der Fall. Die jährliche Amplitude ist nur gering, nämlich ca. 2°. Die mittleren Jahrestemperaturen schwanken natürlich mit der Meereshöhe. Jaunde (731 m) hat 22,5°, Bali (1340 m) hat nur 18,1° mittlere Jahrestemperatur. Dagegen beträgt die mittlere tägliche Amplitude in Jaunde 10,5°, in Bali 11,1°. Die Massivregion von Nordadamaua wird sich im Gegensatze zu dem südlichen Plateau durch weniger extreme Temperatur auszeichnen, doch fehlen hier bisher Beobachtungen. Wenn wir noch weiter nach Norden gehen, nähern wir uns allmählich dem Saharagebiete, und damit wird das Klima kontinentaler und die Extreme größer. In Kuka z.B. haben wir ein Jahresmittel von 28,2°, die jährliche mittlere Amplitude beträgt 11°. Nach Osten zu, in der Gegend des Ubangi lassen diese Extreme wieder etwas nach. Im Ssangatiefland, sowie im südlichsten Teil des K.-Plateaus haben wir außerordentliche Gleichmäßigkeit der Temperaturen. Leranga (0° 40' s. Br., 17° 38' ö. L.) hat eine mittlere jährliche Schwankung von nur 2,1°.
- Niederschläge. Die Jahresmenge nimmt im allgemeinen im Kongogebiet von der Küste nach dem Innern zu, im mittleren K. dagegen umgekehrt von der Küste nach dem Innern ab. Die Beträge sind etwa an der Küste von Französisch-Kongo 1-1/2 m, am Kongo bis zu 2 1/2 m; an der K.-Küste 3-5 m, auf dem Plateau 1 1/2-2 m und in Garua 749 mm, in Kusseri nur noch 464 mm. Die größte Regenmenge fällt bei Bibundi und Debundja auf der Westseite des K.berges (10-11 m). Die Häufigkeit des Regenfalls nimmt ebenfalls von Süden nach Norden zu, ebenso nach dem Innern. Die regenbringenden Winde sind hauptsächlich die Westwinde, die vom Meere kommen, doch scheint auch das Kongobecken als Feuchtigkeitsreservoir zu dienen, so daß im südlichen K. auch die Südostwinde Regen bringen. Im allgemeinen gilt die Regel, daß Gebirge die Winde zur Abgabe ihrer Feuchtigkeit zwingen. Daher haben wir überall an den Erhebungen und Gebirgsrändern große Regenmengen. Die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge ist in den verschiedenen Gebieten eine verschiedene. Im Küstenvorland östlich des K.berges haben wir eine einzige Regenzeit mit ihrem Maximum im Juni bis September. Trockenzeit ist nur im Dezember und Januar. Nach Süden zu erfolgt allmählich ein Übergang in die Gebiete mit zwei Regenzeiten. Batanga, Jaunde, Kunde ist etwa die Grenze dieser Zonen. Nördlich dieser Grenze haben wir nur eine Regenzeit, wenn auch oft zwei deutliche Maxima angedeutet sind, im Süden haben wir zwischen den Regenzeiten eine Trockenzeit. Westlich des K.berges ist eine Zone, die nahezu gar keine Trockenzeit besitzt. Was die tägliche Verteilung der Niederschläge anlangt, so fällt an der Küste von K. ausnahmsweise der meiste Regen nachts, während er an der Kongoküste am Tage fällt, was den tagsüber wehenden Seewinden entspricht. Im Innern dagegen haben wir überall den Regen zur Hauptsache während des Tages fallend. Duala hat fast 70 % Nachtregen, Jaunde dagegen 60 % Tagregen. Die Menge eines einzigen Regentages ist in unserem Gebiet oft sehr groß, an der Küste erreicht sie die größten Beträge. In Debundja erreichte das Maximum des täglichen Niederschlags im Juni 1902 456,2 mm, in Victoria 336 mm, in Bamenda nur noch 113 mm. Die Gewitterhäufigkeit nimmt wie die Regenhäufigkeit von Süden nach Norden zu. Ihren höchsten Wert erreicht sie in Baliburg mit über 200. Der jährliche Gang der Häufigkeit ist in der ganzen Kolonie ein gleicher, nämlich zwei Maxima im Zenitstand der Sonne, und zwar ist diese Periode auch dort vorhanden, wo die Regenzeit nur einmalig ist. Nur am Tsadsee hat die Gewitterhäufigkeit mit der Regenzeit nur eine einfache Periode. Die Tageszeit, in der die meisten Gewitter auftreten, ist überwiegend der Nachmittag. Außer ziemlich häufig auf dem Hochlande auftretenden Hagelfällen haben wir auf dem K.berg eine zeitweilige Schneebedeckung. Ein Sinken der Temperatur unter den Nullpunkt und eine Eisbildung kommt auf den Hochländern wohl ebenfalls des öfteren vor. Für die Vegetation der Hochländer ist die starke Taubildung, die dort während der Trockenzeit überall morgens einsetzt, von großer Bedeutung. Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft ist an der Küste sehr groß, besonders zur Regenzeit. Nach dem Innern zu nimmt er allmählich ab. In Duala beträgt die relative Feuchtigkeit etwa 80 %, am Tsadsee dagegen nur noch 65 %.

- Die vorstehend abgedruckten von Dr. Heldke aufgestellten Klimatabellen geben über die Verhältnisse von Duala (Küste), Baliburg (Hochland von Südadamaua) und Kusseri (Logone-Tsadseebecken) Auskunft, die nebenstehende Tabelle über die Niederschlagsverhältnisse einer Reihe weiterer Orte.

5. Pflanzenwelt.

Wir kommen in K. von der Küste ausgehend in eine Reihe von verschiedenen Pflanzenformationen, die je nach Klima, Bodenbeschaffenheit und Höhenlage andere sind. Zwei große Formationen sind besonders charakteristisch, einerseits das Waldland und andererseits das Grasland. Diese beiden Formationen zeigen nun wieder eine Reihe von besonderen Ausbildungen, deren jede einem besonderen Typus entspricht, der über weite Strecken sehr gleichförmigen Charakter aufweist. An der Küste treffen wir zuerst auf einen Gürtel Urwald. - Das Waldland. Die Küsten der Ästuare sind von einem Gürtel von Mangrovewald umsäumt, dessen einzige Charakterpflanze die stelzfüßige Mangrove ist, die auf Brackwasser angewiesen ist. Aus dem Mangrovewald entwickelt sich allmählich der Sumpfwald mit dichtem Unterholz, dessen Charakterpflanzen Pandanus, Raphia, Phönixpalme (s. farbige Tafel ) u. a. m. sind. Dieser wieder geht in den höheren Lagen in den eigentlichen tropischen Urwald (s. farbige Tafel ), den immergrünen Regenwald über. Die Verbreitung dieses Waldes ist eine große in K. Er nimmt das ganze Vorland, sowie den Süden des Plateaus ein und geht unmittelbar in den großen zentralafrikanischen Urwald über. Die Bäume werden etwa 40-60 m hoch, und zwischen den 20 und mehr Meter hoch emporragenden Stämmen entwickelt sich ein Lianendickicht, doch tritt der kahle Erdboden oft zutage. Die häufigsten in ihm vorkommenden Bäume sind der Wollbaum, der Mahagonibaum, der Rotholzbaum, dann die Ölpalme und endlich als wertvollster Bestandteil für die Ausnutzung die Kautschukarten Kickxia und die Liane Landolphia (s. Kautschuk). Der Hochwald verlangt 1500-2000 mm Niederschläge. Eine Unterabteilung des Hochwaldes ist der Alluvialwald, der auch dort gedeiht, wo weniger Niederschläge vorhanden sind, aber der Boden große Mengen von Feuchtigkeit enthält. Diese Waldformation entspricht dem Sumpfwald und enthält Raphia, Calamus, Lianen, im Gebirge auch Baumfarn, Aroideen u. a. m. Wird der primäre Urwald vernichtet, so regeneriert er nicht wieder, sondern es bildet sich nur der Buschwald aus Bäumen von 3-5 m Höhe mit sehr dichtem Unterholz. Nur in sehr regenreichen Gegenden entsteht später wieder hieraus der Hochwald. Am K.berg finden wir zwischen 700-900 m den Ölpalmenwald, der als überwiegenden Baum die Ölpalme enthält. Wieder ein anderer Wald ist der nur über 1800 m Höhe auftretende Höhenwald, der bis 2700 m hinaufreicht, der einen großen Teil des K.berges bedeckt, aber wohl auch auf den Hochländern im Innern vorkommt. Ganz andere Waldarten finden wir in den Steppengebieten mit mehrmonatlichen Trockenzeiten. Das ist der Steppenbuschwald, dessen Bäume mäßig hoch, oft verkrüppelt, mit lederartigen Blättern oder sogar mit Dornen versehen sind. Eine Form dieses Waldes ist die Obstgartensteppe. Charakteristisch für ihn ist, daß die Bäume licht stehen, so daß die Kronen sich nicht berühren. Eine andere Form ist der Laubbuschwald mit laubabwerfenden Bäumen. Einzelne hohe Bäume: Butterbaum, Leberwurstbaum, Tamarinde und auch Affenbrotbaum sind ihr eingestreut. Vorwiegend aus Akazien besteht der Dornbuschwald, der oft undurchdringlich für den Europäer ist. - Das Grasland. Die zweite auf den Gebieten mit Trockenzeiten vorkommende Pflanzenformation ist das Grasland, in dem Gräser die vorherrschenden Pflanzen sind. Die Gräser sind in Büscheln, die bis 30 cm auseinander stehen, angeordnet und erreichen beträchtliche Höhen. So ist das Elefantengras, das auf den Hochflächen in sehr weiter Verbreitung vorkommt, 6-7 m hoch. Das Grasland ist von dem, die Flüsse an beiden Seiten begleitenden Galeriewald und flachen, meist mit Sumpfwald bedeckten feuchten Niederungen unterbrochen. Der Urwald geht nicht direkt in das, Grasland über, sondern als Zwischenformation schaltet sich meist die Parklandschaft ein. Es ist das eine Landschaft, wo einzelne Waldparzellen mitten im Grasland auftreten, wiederum einzelne Grasparzellen mitten im Walde. Es sieht aus, als ob sich Grasland und Waldland gegenseitig bekämpfen. Die Charakterbäume dieser Formation sind Borassus, Hyphaene, zwei Palmenarten, und Adansonia, d. i. der Affenbrotbaum. Ebenso wie beim Waldland ist der Übergang in den Steppenbuschwald vom Grasland aus ein allmählicher. Hier bildet die sog. Buschsavanne den Übergang. Es ist das eine Formation, in der Grasflächen mit Inseln und Streifen von Büschen und Buschwald abwechseln. - Was die Verbreitung dieser Formationen anbelangt, so folgen sie sich im allgemeinen als breite Streifen von Süden nach Norden, wobei einzelne Inseln besonderer Verhältnisse halber natürlich im Gebiete fremder Formationen auftreten. Der Mangrovewald bildet an der Küste einen schmalen Gürtel. Dann beginnt der breite Gürtel des Urwaldes, dessen Nordgrenze sich an den Westhängen des Plateaus nach Süden zieht, etwa beim Sanaga das Plateau erklimmt und eben nördlich von Jaunde, Kam, Dumestation, Nola und weiter nach Osten sich hinzieht. Das Grasland, das die nächste Formation ist, nimmt das ganze übrige Plateau ein. Die Massivregion von Nordadamaua ist die Region des Laubbuschwaldes, und nur im nördlichsten Teil trifft man schon auf Dornbuschwald, der große Teile des Tsadseetieflandes einnimmt. Das Logone-Scharitiefland ist teilweise von schönem Weideland eingenommen, in dem einzelne Partien von Sumpfland vorkommen. Weiter im Süden scheint dagegen das Weideland teilweise wieder in die Laubbuschsteppe überzugehen.

6. Tierwelt. Die Vertreter der K.er Tierwelt gehören vier großen Tierprovinzen an, die sich in K. berühren. Es sind vertreten: Gattungen des Sudans, des Kongobeckens, Niederguineas und Oberguineas. Außer nach diesen zoogeographischen Verbreitungsgesetzen richtet sich das Vorkommen der Tierwelt streng nach den Pflanzenformationen. Das Waldland beherbergt einige Tierformen, die sonst schon fast ausgerottet sind und die in den Schlupfwinkeln des Waldes sich noch erhalten konnten. Charakteristisch für das Waldland sind besonders die Menschenaffen, Schimpanse und Gorilla, dann einige Halbaffen, ein Schuppentier, der Potanogale velox, ein Insektenfresser; ferner kommen folgende bekannte Arten vor: der rote Büffel, der Buschbock, das Pinselohrschwein, das Flußpferd, der Elefant, letztere aber auch ebenso häufig in der Savannenregion, der Leopard, mehrere Stummelaffen und eine ganze Anzahl anderer Affen. An Vögeln ist das Waldland arm, wenigstens fallen sie dem Auge des Reisenden wenig auf. Hier ist die Heimat des Graupapageis. Die Savannenregion ist durch das massenhafte Auftreten der Wiederkäuer charakterisiert, besonders einer Menge von Antilopen- und Gazellenarten. Der rote Büffel des Waldlandes wird durch den großen, schwarzen Büffel ersetzt. An Raubtieren, die diesen Tierarten folgen, treten zum Leoparden noch Löwe, Hyäne, Schakal und wilder Hund. Zum Elefanten kommt das Nashorn. Bei den Affen treten die Paviane hervor. Dann Zebra, das Erdferkel und eine große Anzahl von wühlenden Tieren, besonders Nagetiere. An Vögeln treten auf: die Strauße und eine große Anzahl von Hühnervögeln, Trappen und im Norden eine Unmenge von Wassergeflügel. Ebenfalls im Norden treten dann Giraffe und Zebra als Charaktertiere hervor. S. a. Tierwelt der Schutzgebiete, Zoologie und Tafel 79/80.

7. Eingeborenenbevölkerung (s. Tafel 58, 78, 81 -86). K. ist in. der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts der Schauplatz großer Wanderungen und Völkerverschiebungen gewesen. Es stoßen hier 3 verschiedene Wanderrichtungen zusammen, und die Wanderungen sind heute noch nicht ganz zum Stillstand gekommen. Es kommt daher oft vor, daß Nachrichten älterer Reisender über Wohnsitze von Stämmen heute nicht mehr stimmen. Die drei in Frage kommenden Wanderrichtungen sind folgende: die erste, wahrscheinlich älteste Völkerbewegung kam aus Süden oder Südosten, veranlaßt von den in Ostafrika nach Süden drängenden Völkerschaften. Es sind dies die Bantustämme. Die zweite Wanderstrasse benutzte wahrscheinlich die NilKongowasserscheide und hat eine direkt ostwestliche Richtung. Es sind das die Fangvölker. Und die dritte Richtung ist ein nordsüdliche, im allgemeinen das Bestreben der Saharavölker, in die fruchtbaren Gebiete des Sudans einzudringen. Sprachen. Wir wollen erst die Sprachen, die in unserem Gebiet gesprochen werden, betrachten. Die Bagielli, die über das äquatoriale Waldland verbreitete Urbevölkerung, sprechen ihre eigene noch wenig bekannte Sprache. Sie sprechen aber überall daneben die Sprache der Stämme, in deren Gebiet sie sitzen. Das Arabische wird nur von den Schua, südlich des Tsadsees gesprochen, ist aber als die Sprache des Islams, die Schriftsprache der ganzen mohammedanischen Völker und wird darum auch in einem großen Teile Nord-K.s verstanden (s. Araber). Zwei Sprachen, die zusammengehören, sind das Ful, das die Fulbe sprechen (s. Fulbesprache), und das Kanuri. Beide Sprachen zeigen Verwandtschaft mit dem Somali, wenn sie auch vieles aus den Negersprachen schon übernommen haben, und sind also wohl hamitisch. Die Sprachen der Neger zerfallen in 2 große Gruppen, in die Sudansprachen (s.d.) und die Bantusprachen (s.d.). Beide haben gemeinsam, daß die Präfixe gegenüber den Suffixen für die Bildung von Begriffen außerordentlich hervortreten. Die Sudansprache umfaßt eine große Anzahl von Sprachen, die unter einander sehr verschieden sind, und die einzelnen Volksstämme der Sudanneger können sich also nicht untereinander verständigen. Gemeinsam aber ist allen die Eigentümlichkeit, daß die Worte einsilbig sind und verschiedene Tonhöhe besitzen. Zu der Sudansprache gehört wohl auch das Haussa, das als Verkehrssprache für K. sehr wichtig ist. Die Grenze zwischen Bantu- und Sudansprache fällt ungefähr mit der Waldgrenze zusammen. Doch kommen sowohl in dem Bereich der Sudansprachen einzelne Enklaven von Bantu sprechenden Völkern vor, wie auch umgekehrt Sudanneger im Gebiete der Bantu sitzen. Die Bantusprache zerfällt eigentlich nur in eine große Anzahl von Dialekten, und die Völkerschaften können wenigstens zum Teil sieh untereinander verständigen. Hier muß der Fang erwähnt werden, einer großen Völkergruppe, die in Süd-K. sitzt, mit Bantusprache, die aber viele Sudanwortstämme enthält, was neben der anthropologischen Gleichheit dazu geführt hat, daß man sie als Sudanneger erkannt hat, die nur die Bantusprache angenommen haben.
Die Bagielli. Dieses Pygmäenvolk bewohnte früher vor der Einwanderung der eigentlichen Neger den ganzen afrikanischen Kontinent. Jetzt lebt es zurückgezogen im Urwald. Wir finden sie in K. wohl im ganzen Urwaldgebiet. Im Randgebirge südlich des Sanaga sind sie nachgewiesen, ebenso sind sie noch zahlreich im ganzen Ssangagebiet bis zu den Zuflüssen des Kadei und Mambere. Auch in Spanisch-Guinea und im südlichen deutschen Gebiet sind sie in kleinen Gruppen zerstreut. Sie sind bei den Dzimu unter den Namen Babinga, bei den Fang als Baiagga, bei den Küstenleuten als Bekue oder Akoa bekannt. Noch andere Namen sind Beköä, Bequelle, Boyaelli, Bakolo, Ebajagga. Sie sind 1,45 bis 1,50 m hoch, haben lange Arme, sind brachyzephal und prognath, haben wolliges Haar, relativ helle Hautfarbe. Sie wandern als Elefantenjäger weit umher und tauschen das Fleisch bei den Bantus gegen Maniok und Bananen ein. Die Elefanten töten sie mittels großer Assagaien, die sie ihnen in den Leib stoßen. Ihre Hütten sind armselig, aus Laub und Zweigen gebaut und zwischen Felsen oft versteckt. Sie sollen von sanften Sitten sein, Blutvergießen verabscheuen und auch ziemlich hohe religiöse Begriffe haben. Sie tatauieren sich selten und dann nur linear.
Die Neger. Die zwei Gruppen, die man sprachlich, bei ihnen unterscheiden kann, lassen sich anthropologisch nicht ganz einhalten. Der Wuchs ist mittelgroß, die Gliedmaßen muskulös, der Körper kräftig, oft schön gebaut. Das Gesicht ist rund, mit breiten Backenknochen, dicken, aufgeworfenen Lippen, breiter, flacher Nase und niedriger Stirn. Die Schädelform ist äußerst wechselnd, die Kiefer aber meist prognath. Die Hautfarbe ist meist ein rötliches Braun, wechselt aber ziemlich. Das Haar ist wollig und kräftig, der Bartwuchs ist gering. Im allgemeinen sind 2 Typen zu unterscheiden unter den Negern, die aber gemischt in Sudan- und Bantugruppe vorkommen. Der erste Typ ist klein, kräftig, häßlich, mit dicken Nasen und typischen Negergesichtern. Der zweite Typ ist dagegen hochgewachsen, schlank, mit schmalen Nasen und weniger aufgeworfenen Lippen, auch oft heller Hautfarbe. Der erstere wird durch die ältere Bantugruppe, dann die Domme, Mambila, Bansso, Dumbo und Bafum, ferner durch die Musgu und Kotoko vertreten. Zur 2. Gruppe gehören die Fang, die Baia, die Batta, die Margi u.a. Man nimmt an, daß der 2. Typ durch Mischung mit hamitischen und semitischen Völkern entstanden ist. Körperverunstaltungen, Tatauierung, Stammesmarkierung, Beschneidung kommen überall vor.
- Bantuneger. Die Bantuvölker kann man in zwei Gruppen einteilen, die durch die Fang voneinander getrennt sind: einmal die K.- oder Dualagruppe und andererseits die Makagruppe oder Bangalagruppe, wie sie nach den am Kongo sitzenden Bangala genannt wird, die aber nicht mehr auf deutschem Gebiet wohnen. Die Dualagruppe zerfällt wieder in zwei Unterabteilungen, in die Bakokogruppe mit nördlicher Wanderrichtung und in die Bakundugruppe mit südlichem Wandern.
Die Bakundugruppe sitzt im Küstenvorland um den Kamerunberg und nördlich von ihm. Sie grenzen im Norden und Osten an Sudanneger, von denen aber nur die Boki im Tiefland sitzen. Sprachlich lassen sich die Stämme der Bakundugruppe wieder in zwei Abteilungen teilen. Zu der ersten gehören die Ekombe, die Bafo, die Balong, die Barombi und die Abo. Die Ekombe-Baji sitzen mit ihrem Hauptorte am Meine, die Bafo in einem langen Streifen von Joh.-Albrechtshöhe nach Norden bis zum Bamendagebirge. Die Balong wohnen am linken Ufer des Mungo, treiben Handel, und die Barombi schließlich, zu denen die Abo gehören, sitzen an den Seen und zwischen Mungo und Wuri. Zu der zweiten Gruppe der Bakundugruppe gehören die Babondo, die am Unterlauf des Meme und nördlich davon sitzen; die Barue, die ihre Wohnsitze in einem Streifen von Rio del Rey bis zu den Rumpibergen haben, die Mbonge, die südlich der Rumpiberge sitzen, die Bakundu, die einmal im Nordwesten der Rumpierge sitzen, andererseits die Bakunduplatte im Norden des K.berges bewohnen. Außer diesen beiden Gruppen gibt es noch eine Masse anderer Stämme, deren Zugehörigkeit noch unbestimmt ist. Im Nordwesten der Rumpiberge zieht sich der Stamm der Ngolo weit ins Rio-del-Rey- Tiefland. Nordwestlich von ihnen sitzen die Odondop bis zur englischen Grenze. Nach Norden folgen, schon im Flußgebiet des Kreuzflusses, die Batanga und die Bakogo und nur mit einem Teil auf deutschem Gebiet der große Stamm der Ekoi, der bis zum Kreuzfluß selbst reicht. Östlich von diesen, südlich von Ossidinge, sitzen die Keaka und die Obang. Die ganze Banjangbucht wird von dem großen Stamm der Banjang eingenommen, während die Anjang nur im Nordosten von Ossidinge wohnen. Dort zieht sich auch ein kleiner Zipfel der zur Hauptsache auf englischem Gebiet sitzenden Boki, die den übrigen Bantustämmen völlig fremd gegenüber stehen, in deutsches Gebiet hinein. Östlich der Banjang, am Fuße des Manengubahochlandes, sitzen die Basgssi. An den Hängen des K.berges sitzen im Westen die Bambuko, im Osten die Bakwiri, die beide vom Norden gekommen sind und der Bakundugruppe angehören. Weiter im Süden in der Mungo-Wuribucht sitzen eine Reihe von Stämmen, deren Zugehörigkeit nicht festgestellt ist, wie die Wuri, Pongo, Bodiman und Balong. - Die zweite Unterabteilung der Dualagruppe ist die Bakokogruppe, die in der Sanagabucht und im Verlande bis Kampo hinab ihre Wohnsitze hat. Am K.Ästuar sitzen die Duala, ein Volk von 15000 Seelen. Dann kommen wir weiter im Süden und Osten zu dem großen Volk der Bakoko, die über den Njong hinüber reichen und im Osten weit auf das Hochland hinaufgreifen. Man kann sie in mehrere Gruppen teilen. Am Sanaga sitzen die Bassa, östlich von ihnen im Ebomassiv die Loko. Südlich der Bakoko sitzen Mischstämme mit den Fang, die meist zu den Jaunde gerechnet werden. Im Flußgebiet des Lokundje sitzen die Ngumba, die von Südosten erst in relativ junger Zeit gekommen sein sollen. An der Küste wohnen die Batangaleute und etwas weiter im Innern auf der Strecke zwischen Lokundje und Kampo die Mabea.
-Die Bangalagruppe soll sprachlich von der Makagruppe abzutrennen sein. Erstere ist danach der durch die Fang abgetrennte östliche Teil der Pualagruppe und muß sprachlich mit dieser vereinigt werden. Dagegen soll die Makagruppe mit Stämmen der Küste zu einer Gruppe sich vereinigen, die eine andere Wanderperiode der Bantu repräsentiert. Wie weit das richtig ist, müssen Sprachuntersuchungen lehren. Wir wollen nun zuerst die Bangalagruppe, die sicher den vorher betrachteten Stämmen am nächsten steht, behandeln. Es kommen dabei für unser Gebiet nur die Bafuru des Ssangazipfels in Betracht, die sich am rechten Kongoufer, vom Likuala-Essubi bis hinunter zum Alima erstrecken, über die aber wenig bekannt ist. Nördlich der Bafuru sitzen die Baloi, die ebenfalls wohl zu dieser Gruppe gehören und einen Zipfel nach Süden in unser Gebiet hineinsenden. Am Kongo selbst sitzen vielleicht auf unserem Gebiete noch die Bubangi, die in ihrer Hauptmasse auf dem rechten Ufer des Kongo wohnen. Nördlich dieser Völker treffen wir dann auf eine Reihe von Völkern, die, wie erwähnt, von den bisher behandelten Bantu abweichen, aber mit Völkern der Küsten, mit denen sie nicht im Zusammenhang stehen, zu vereinigen sind, nämlich mit den Baseke und den ihnen verwandten Völkern an der Coriscobucht und weiter südlich. Nördlich der Bafuru soll ein Volk der Bufinde sitzen an beiden Ufern des Ssanga. Weiter Ssanga aufwärts kommt man dann in das Gebiet der Basangavölker des oberen Ssanga, der Kaka (?), Gundi und Bukongo. Am ganzen Unterlauf des Dscha sitzen die Sanga-Sanga, ein wohl mit den Basanga identischer Volksstamm. Sie werden auch als Misanga bezeichnet. Auf der Kunabembeschwelle sitzen die Bombassa und die Kunabembe. Nordwestlich von ihnen trifft man auf die weit verbreiteten Stämme der Ndsem oder Dsimu (s.d.) und Njem (s.d.), was wohl alles dasselbe bedeutet. Sie haben die Kultur und Gewohnheiten der Fang angenommen, wurden deshalb viel mit ihnen verwechselt, sind aber zu der Makagruppe gehörig. Sie senden einen Keil nach Süden Iwindo abwärts und sitzen auch im Ngoko-Ssangawinkel. Nördlich von ihnen sitzen die Kaka, die aber im Süden, südlich des deutschen Gebietes am Likuala noch einmal vorkommen sollen, und westlich der Bomome, die im Dumegebiet sitzen, treffen wir auf die eigentlichen Maka. In den Süden unseres deutschen Gebietes ragen noch Teile von Völkern hinein, die zu einer großen Gruppe zusammengefaßt werden, welche ihr Zentrum einmal am mittleren Kongo und andererseits am unteren Ogowe besitzt. Für uns kommen in Betracht: zwischen dem oberen Iwindo und den nördlichen Zuflüssen des Likuala Mossaka die Bakota und um die Bucht von Gabun, sowie südlich und nördlich davon die Mpongwe. Die Fang. Dieses Volk, das erst in jüngster Zeit sich in die Gebiete der Bantuneger eingedrängt hat, spricht eine Bantusprache. Es sind aber ursprünglich Sudanneger und zwar aus dem Nilgebiet, wo sie den Niain Niam nahe stehen. Sie sind, bis sie in ihr jetziges Gebiet kamen, weit herum gekommen. Es wird angenommen, daß sie auf ihrer Westwanderung erst zum Ubangi kamen, dann nach Norden drängten und darauf von den Fulbe nach Süden getrieben wurden. Dabei haben sie alle unterwegs angetroffenen Völker vernichtet oder aufgenommen. Ihre Südwestwanderrichtung, die noch andauert, wurde durch das Erscheinen der Europäer an der Küste veranlaßt, ist also mehr ein Drängen zur Küste. Jetzt ist ein Rückstoß eingetreten, seit einem Jahrzehnt etwa geht die Wanderung nach Osten über den Iwindo gegen die Bakota. Die Fang teilen sich in zwei große Gruppen, in die Betschi und die Makei, auch nach dem Satz, mit dem sie ihre Rede beginnen: Ich sage daß . . ., Masuna und Makina genannt. Die Betschi sitzen im Nordwesten, die Makei im Südosten. Sie teilen sich in eine ganze Anzahl von Stämmen, deren Name entweder mit Eb ... (Makei) oder mit Es ... (Betschi) beginnt. Größere Völker unter ihnen sind: im Norden, südlich des Sanaga sitzend, die Etun und die Mwelle; dann südlich auf dem K.er Randgebirge und seinen Hängen die Jaunde, die nach Aussage eines Sprachgehilfen des Kolonialinstituts noch in der vorletzten Generation Bati, also eine Sudansprache gesprochen haben sollen; östlich von ihnen die Bane, am mittleren Njong; darauf im Süden bis zum Kampo das große Volk der Bule am Kampo selbst, an der Grenze von Spanisch-Guinea die Ntum, denen die Okak in Spanisch-Guinea nahe stehen. Im Osten, am Ntem und am Aina, die Mwai und weiter im Süden die eigentlichen Fang oder Pangwe.
- Die Sudanneger. Man hat Versuche gemacht, die Sudanneger in Gruppen zu teilen, doch ist die Kenntnis von den einzelnen Stämmen noch teilweise so gering, daß man nicht viele Resultate erzielt hat. Der westlichste Sudanstamm sind die schon erwähnten Boki, die im Nordwesten von Ossidinge sitzen. Auf dem Balihochland sitzen eine Reihe von kleinen Stämmen, deren bekanntester der der Bali ist. Westlich von ihnen sitzen auf dem Bamettaplateau die Bametta und an den Abhängen und am Fuße des Abfalls die Muntschi. Im Norden der Bali wohnen die Bafat und im Quellgebiet des Katsena-Allah die Bafum. Im Osten auf dem Bamendagebirge und seinen Abhängen kleine Stämme wie Bamenda, Bamessong und andere, und weiter im Osten dann die Balikumbat und die Balibagam. Auf dem zum Kamkessel abfallenden Rand des Hochlandes sitzen unter anderen die Bangangte, im Manengubahochland die Elorng, Mbo und Bangwa und unzählige kleine Stämme. Auf dem Rand des Hochlandes bis zum Eboplateau wohnen dann wohl Mischstämme zwischen Bantu- und Sudannegern, z. B. die Bafia. Im Nuntal und auf dem Bamumgebirge sitzen die Bamum und östlich von ihnen im ganzen Tal des Mbam die Tikar. Auf dem Dommegebirge wohnt das Volk der Domme, südöstlich von ihnen das große Volk der Wute, die die Sanagamulde einnehmen. Westlich von ihnen sitzen die Bati, an den Ufern des unteren Mbam; sie sind, wie die Wute, in die von den Fang verlassenen Gebiete eingerückt. Mischstämme von Sudan- und Bantunegern sind wohl die Jebaka und Keperre am Sanaga. Auf dem Kumbohochland sitzt eine Reihe von Stämmen, von denen die Bansso die wichtigsten sind. Andere sind die Tukum und die Mainbila, die weiter im Norden sitzen, ebenso wie die Bekom und die Ndoro. Wir kommen nun zu den im Osten des Plateaus von K. wohnenden großen Stämmen der Mbum und der Baia. Die Mbum, im Osten auch Mberre genannt, wohnen auf dem Ngaunderehochland, im Osten fast bis zum Penndé sich ausbreitend. Sie sind jetzt in ihrer ganzen Masse deutsch. Die Baia (s. Tafel 78) werden mit mehreren anderen Völkern zu einer großen Gruppe zusammengeschlossen, besonders mit den Yangere, deren Sprache der ihren völlig identisch ist, und dann mit den Mandjia, die im Ubangizipfel auch auf deutschem Gebiet sitzen. Die Baia teilen sich in eine Reihe von Unterstämmen und sitzen am Ostabfall des Hochlandes sowie teilweise schon im östlichen Tieflande. Ihre Verbreitung geht von Bania bis zum mittleren Uam und vom Sanaga bis zum oberen Lobai. Die Unterstämme, in die sie sich teilen, sind die Baia-Buri von Bania bis zum oberen Mambere, die Baia-Baia auf dem Baiahochland, die Baia-Buar im Gebiet des oberen Uam und Lobai, die Baia-Kaia im Gebiet des oberen Logone, die Baia-Tala zwischen oberem Uam und Baria und endlich die Baia- Mbaka nördlich des unteren Uam. Man kann drei Dialekte bei ihnen unterscheiden, den ersten sprechen die Buri, den zweiten die Buar, Kaia und Baia und den dritten die Tala und Mbaka. Die Jangere sind in mehrere Enklaven zerrissen. Die Hauptmasse sitzt wohl östlich des Mambere, eine zweite westlich davon am Kadei, ferner eine Enklave am mittleren Uam und eine andere, die nördlichste, zwischen oberem Penndé und oberem Baria. Das dritte Volk dieser Baiagruppe sind die Mandjia, die von den Ndri in zwei Teile zerrissen worden sind. Die südliche Partei sitzt am Ubangi zwischen Mpoko und Lobai. Wir müssen noch zwei Enklaven dieser Gruppe erwähnen, die weit südlich in das Gebiet der Bantuneger verschlagen sind. Das sind erst die am unteren Bumba sitzenden Bangandu, die zu den Baia zu rechnen sind, und zweitens ein kleiner Stamm Baia am Zusammenfluß von Kadei und Dume. - Sprachlich von dieser Baiagruppe verschieden sind mehrere andere Völker, die in Teilen in deutsches Gebiet hinein reichen. Es sind einmal die Ndri, die den Banda nahe stehen und auf deutschem Gebiet am mittleren Lobai und in einer kleinen Enklave zwischen Mbaere und Lobai vorkommen. Ein anderer Stamm, der nur zum ganz kleinen Teil in den Ubangizipfel hineinragt, ist das Volk der Mbaga, die am Ubangi unterhalb des Lobai sitzen. - Mehr den Mbum als den Baia nahestehend sind die Stämme, die am mittleren Logone wohnen, die Laka, Sara und Mbei. Das Gebiet der Lakka beginnt an der unteren Wina und reicht nach Osten bis zum mittleren Schari. Die Sara, die ihnen wohl verwandt sind, reichen bei Lai mit einem Zipfel auf deutsches Gebiet hinüber. Eigenartig ist, daß die Lakka, die Sara und Mbei mit den Baia, den Jangere und auch den Mbaka eine gemeinsame Beschneidungssprache besitzen, die aber schon zur Verkehrssprache zwischen den einzelnen Stämmen geworden ist. Es ist das Labi, über dessen Herkunft aber noch nichts bekannt ist. - Westlich der Lakka sitzen in der Inselberglandschaft von Bubandjidda die Dama und weiterhin am oberen Benue die Durru. Auf dem Ssarimassiv wohnen die kleinen Heidenstämme der Woko und Namdschi, nördlich davon der von den Fulbe vernichtete, früher große Stamm der Batta. Auf den Massiven von Nordadamaua sitzt eine ganze Anzahl von Heidenstämmen, die sich hier noch gegen die Fulbe haben halten können. So auf dem Alantikagebirge die Dere und weiter südlich die Tschamba. Auf dem Inselbergplateau von Gaschaka sitzen die Darra neben einer ganzen Anzahl von kleineren Stämmen. - Nördlich des Benue, zwischen Rei Buba und dem Mandaragebirge, wohnt der Stamm der Falli, der sprachlich von den übrigen Sudanstämmen sich sehr unterscheidet. In dem Tiefland des Mao Kebi und südlich bis Lame sitzt das Volk der Mundang und in den Tuburisümpfen im Osten die Tuburi. Am Logone nördlich von Lai bis zur Mündung der Tuburisümpfe treffen wir auf beiden Ufern die Massa und Mabba. Logone abwärts kommen wir dann zu dem wichtigen Volk der Musgu und noch weiter nördlich zu den ihnen sehr nahestehenden Kotoko, die aber schon Mohammedaner geworden sind. Nördlich von Binder sitzt ein Stamm namens Suggi oder Mendie, im Tsadseetiefland eine Anzahl von Stämmen, die aber kaum mehr als dem Namen nach bekannt sind. Im Mandaragebirge sitzen die vielen Stämme der Mandara. Im Nordwesten des Gebirges und im Oberlauf des Jadseram treffen wir auf die Margi. Im Mittellauf des Jadseram breiten sich dann die Gamergu aus.
Semiten und Hamiten. Semiten sind ursprünglich die Araber, die im Süden des Tsadsees in großer Menge, etwa 100000, sitzen. Es ist der Stamm der Schua, deren Wanderungen in islamischer Zeit von Arabien her Becker neuerdings an der Hand der arabischen Literatur verfolgt hat. Die Kanuri sind ein Mischvolk von Semiten und Negern, wobei aber ihr Negertyp am meisten hervortritt. Das Volk sitzt zur Hauptsache auf englischem Gebiet und reicht nur mit einem Teil in das südliche Tsadseetiefland hinein. Sie waren die Bewohner des alten Königreiches Bornu, das durch Rabeh zerstört wurde. Die Fulbe (s. Tafel 58) sind zweifellos Hamiten, wenn auch oft ein Negertypus unter ihnen hervortritt. Sie sind groß, schlank, mit langen Nasen und dünnen Lippen. Sie gleichen fast völlig den Berbern Nordafrikas, sollen manchmal sogar blaue Augen und blonde Haare haben. Sie sind vor einigen Jahrhunderten als Hirten aus dem Senegalgebiet gekommen und nehmen ihre Machtstellung erst seit dem Anfang des 19. Jahrh. ein. Sokoto war die Hauptstadt, und unter ihr standen mehrere Vasallenreiche. Eins war Adainaua mit der Hauptstadt Jola. Die Vasallenstaaten des Emirs von Adamaua sind noch jetzt die Ausbreitungszentren der Fulbe. Auf dem Hochlande von Südadamaua liegen die Staaten Ngaundere, Tibati und Banjo, während die Hauptmasse der Fulbe in der Massivregion von Adamaua sich befindet. Um Marua haben wir außer einigen anderen kleinen noch eine, große Enklave. Die Bororo-Fulbe, die noch als Hirten herumziehen, haben sich am reinsten den hamitischen Typ bewahrt. Ebenfalls Hamiten sind die Haussa, die als Händler oder Handwerker über unsere ganze Kolonie verbreitet sind. Auch sie sind viel mit Negern vermischt. Sie haben die Fulbe, denen sie an Zahl über waren, in sich aufgenommen, so daß sie ein Mischvolk sind, das eigentlich keinen Volkstypus besitzt. Ihre Verbreitungszentren liegen einmal am mittleren Benue und seinen Nebenflüssen Taraba, Donga und Katsena-Allah, andererseits in der Massivregion von Nordadamaua mit Garua als Mittelpunkt. Von da aus verbreiten sie sich über das ganze Hochland von Südadamaua und nach Osten hinunter bis zum mittleren Ssanga und Ngoko. Unter dem Einfluß der Europäer haben sie sogar die Küste erreicht.

Passarge-Rathjens.

Bevölkerungsstatistik. Die Zahl der Eingeborenen K.s betrug nach der amtlichen Statistik 1913: 2 648 610 (teils gezählt, teils geschätzt). Die Bewohner der neu erworbenen Gebiete waren hierbei noch nicht berücksichtigt. Die Zahl der nicht eingeborenen farbigen Bevölkerung (aus Liberia, Togo, Gabun, Goldküste, Nigerien usw. stammend) betrug 2 405, die der Mischlinge 110.

Die Kulturverhältnisse der Eingeborenen (s. farbige Tafeln und Tafel 86). Über die wirtschaftlichen Verhältnisse der Eingeborenen s. unter 8. Eingeborenenproduktion. Wie zumeist in Afrika tritt die Technik in der Form der Haus- oder höchstens der Dorfindustrie auf. Tongefäße von sehr bedeutenden Abmessungen aus älterer Zeit findet man im Logonegebiet. Tonpfeifenköpfe der verschiedensten Form und Größe, oft in der Form stilisierter Tier- oder Menschenfiguren, zuweilen auch mit aufgesetzten Tierkörpern werden gewerbsmäßig im Süden des Graslandes, vom Bamumgebiet bis Bali, Bansso und Banjo, hergestellt und vertrieben (s. farb.Taf. Kamerun, S. 200, Abb. 5 [Tabakpfeife] u. Tafel 86 Abb. 1). Auch die Formen der tönernen Gebrauchsgefäße treten in diesem Gebiet ganz allgemein über die sonst allgemein feststellbare Nüchternheit heraus (s. Tafel 86 Abb. 4). Weit verbreitet und vielfach geübt ist auch die Schnitzerei. Künstlerisch am niedrigsten steht sie unzweifelhaft im Waldland, wo sie über schematisch wiedergegebene Tier- und Menschenfiguren nur vereinzelt hinwegkommt (s. farb. Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 2 [Geheimbundmaske], 6 [Ruder] u. Tafel 86 Abb. 19). In der Mitte des Landes deckt sich der Bereich der Schnitzkunst fast völlig mit dem der Töpferei, mit der Maßgabe freilich, daß Bamum auf dem Gebiet der ersteren sehr bedeutend stärker ist. Hier ist denn auch fast jeder Gebrauchsgegenstand entweder zum freien Kunstwerk geworden oder zum mindesten doch künstlerisch verziert. Die Abb. 3 (Speiseschüssel), 6 (Schemel), 7 (Jujukopf) der farbigen Tafel Kamerun, S. 200, und die Abb. 3, 7, 22 der Tafel 86 vermögen nur einen sehr schwachen Begriff von dem Formenreichtum und der Phantastik dieser zwar barbarischen, aber gerade deshalb doppelt interessanten Kunstwerke zu geben. Die Vorliebe für die Tierwelt, die in den Gestalten des Leoparden, des Hasen, des Chamäleons, der Krabbe, der Spinne, des Krokodils und mancher anderer, einstweilen nur schwer zu bestimmender Tiere, überall wiederkehrt, läßt auf einen früher vorhandenen Totemismus schließen, doch liegt eine einwandfreie Bestätigung, seines Vorhandenseins noch nicht vor. Auch das Schnitzgewerbe ist in besonderen Dörfern und dort oft auch noch wieder in bestimmten Familien lokalisiert, in denen es sich vom Vater auf den Sohn vererbt. Sehr hübsche Geräte versteht man im Grasland aus den als Bierbehälter verwendeten Kürbisflaschen herzustellen; man weiß ihnen durch Umwicklung während des Wachstums die gewünschte Form zu geben, überspinnt sie mit buntfarbigen Perlenmänteln und gibt ihnen Pfropfen in Tierform (s. farbige Tafel Kamerun, S. 200, Abb. 2 [Kürbisgefäß]). Perlen europäischer Herkunft sind, wie seit den Zeiten der Venetianer oder gar der Phöniker, überhaupt ein gern verwandtes Verzierungsmittel für Hausrat jeder Art. Die Abb. 8 (Thronsessel), 9 (Kopfaufsatz) u. 11 (Tanzmaske) der farb. Tal. Kamerun, S. 200, geben einen hübschen Begriff davon. Ein ebenfalls landfremdes, aber immerhin afrikanischer anmutendes Verzierungsmittel sind Kaurischnecken, wie sie zur Ausschmückung der Tanzmaske (s. farbige Tafel Kamerun, S. 200, Abb. 12) verwendet worden sind. Sie werden als Ziermittel auch sonst viel benutzt. -Zwei nach Alter und Herkunft viel umstrittene Techniken Westafrikas sind die Gewinnung des Eisens samt der Schmiederei und der Metallguß. Jene hält v. Luschan gar für eine Erfindung des Negers selbst, was jedoch mit der sonstigen technischen Unfruchtbarkeit dieser Rasse nur schwer in Einklang zu bringen ist; den Metallguß hingegen sieht Leo Frobenius auf Grund seiner letzten Reisen für eine Entlehnung aus dem antiken mittelmeerischen Kulturkreis an. Benin, Joruba und das Kameruner Grasland würden dann kulturell wenigstens in dieser Beziehung zusammengehören. Wie man auch über das Alter beider Techniken denken mag - in ihren Leistungen stehen sie beide recht hoch. Belege für die Schmiedekunst sind die Abb. 5, 8, 9, 23 der Tafel 86, Abb. 5 (Pulvergefäß) u. Abb. 10 (Helm) auf den farbigen Tafeln Kamerun, S. 196 u. 200, für die Gießkunst Abb. 10, 15, 20 der Tafel 86. Das verwendete Metall ist ursprünglich eine ziemlich reine Bronze; neuerdings nimmt man Messing und Patronenhülsen. Das Verfahren ist das bekannte der verlorenen Form. Während die Gußwerke älterer Art den Vergleich mit Benin nicht im mindesten zu scheuen brauchen, gehen aus den Werkstätten des Fürsten Njoja von Bamum (s. d.) nur noch sehr minderwertige Stücke hervor. - Unverhältnismäßig reich ist für afrikanische Verhältnisse der Hausrat vieler Kameruner Volksstämme. Der hohe Stand der Töpferei sorgt für Krüge, Töpfe, Schalen und Lampen aller Art, die Flechterei für Körbe, Teller, Schalen, Taschen, Netze und Matten von oft sehr feiner Arbeit, die Schnitzerei endlich für Speiseschüsseln, Schemel, Sessel u. a. m., die fast ausnahmslos mit nicht geringem Geschmack durchgeführt sind (s. farb. Taf. Kamerun, S. 200, Abb. 3 [Speiseschüssel], 6 [Schemel] u. 8 [Thronsessel). Unter den Musikinstrumenten weisen die Trommeln zwei stark verschiedene Formen auf: die ausgehöhlte Schlitztrommel von der Art der Duala-Sprechtrommel (s. Tafel 86 Abb. 24), die im ganzen Waldlande zuhause ist, und die mit Fell bespannten Zylindertrommeln, die sich vorwiegend im Sudan finden. Weitere Schlaginstrumente sind ein primitives Xylophon, das aus einfachen Brettern von verschiedener Länge besteht; ferner das bekannte Negerklavier, die Marimba, bei der unter den Klangbrettern Kürbisschalen als Resonanzböden hängen; schließlich eiserne Doppelglocken von der Form der Abb. 13 Tafel 86, die zu Signalzwecken dienen. Blasinstrumente sind: die Flöte aus Rohr (s. farbige Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]) oder Tierhorn, Tuthörner aus Elfenbein (s. Tafel 86 Abb. 14) und (im Sudan) Trompeten aus Blech. Unter den Saiteninstrumenten ist die Harfe von der Form der Abb. 11 Tafel 86 für die Fangvölker charakteristisch. Anderswo kommen vor: eine Gitarre, bei der jede Saite an einem besonderen Stege befestigt ist; eine Harfe mit nur einem Saitenträger; endlich der primitive Musikbogen mit nur einer Saite. Die Klimper- Sansa (im Süden von Deutsch-Ostafrika Ulimba; s. Tafel 144 ist auch in Kamerun zuhause. Die Kleidung der Kameruner schwankt zwischen völliger Nacktheit und einem Überfluß von Stoffen. Ganz unbekleidet gingen noch vor einem halben Jahrhundert die Musgu, und Marghi; noch heute wird derselbe Kleidungsmangel von manchen Stämmen des Mbamgebietes und des Kumbe-Hochlandes erwähnt. Auch die Bali gehen zuzeiten nackt. Penisfutterale verschiedenster Gestaltung sind oder waren sowohl im Osten Nordkameruns, bei den Mattafall, Durru, Mbum usw. (s. Tafel 86 Abb. 18) gebräuchlich, wie auch im Waldland, bei den Bafia und anderen Stämmen des Mbamgebietes. (Ein Penisfutteral aus dem nördlichen Togo zeigt zum Vergleich mit Abb. 18 die Tafel 86 Abb. 16.) - Von wirklich flächenhafter Kleidung kamen früher vielfach Rindenstoffe und Palmfasergewebe in Betracht, jene bei den Waldlandstämmen des Südens, diese besonders im Kreuzflußgebiet. Heute ist auch über diese Gebiete entweder die Wolle des mohammedanischen Kleiderüberflusses oder der europäische Kattun geschritten. - Einen hübschen Einblick in das Kapitel Schmuck und Haartracht gewährt die Abb. 3 (Jaundemädchen) der farbigen Tafel Kamerun, S. 196. Soweit die Waldlandstämme des Südens zu der großen Familie der Fang gehören oder von ihnen beeinflußt sind, reicht auch die hübsche Frisur, wie das Jaundemädchen sie trägt. Ein solches Kunstwerk ist natürlich nur schwer herzustellen und wird deshalb auch nur von Zeit zu Zeit erneuert. Auch weiter im Norden, bei den Bane und ihren Nachbarn, sind derart kunstvolle Frisuren im Schwange. Anderswo, wie bei den Schua-Arabern und den Kotoko, zerlegt man das Haar in unzählige feine, vom Kopfe herabhängende,Flechten. Im Schmuck sind die Ober- und Unterlippenscheiben, die Nasen- und Ohrpflöcke der Musgu und ihrer Nachbarn das Abenteuerlichste. Nasenpflöcke sind auch bei den Jaunde üblich (s. farb. Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 3 [Jaundemädchen]). Sonst umfaßt dieses Kapitel alle die Ketten, Schnüre, Ringe und Spangen, die wir bei anderen Afrikanern auch finden. Aus der Kosmetik der Haussa erwähnenswert sind jene, auch in den ethnographischen Sammlungen häufigen, hübsch gestalteten Fellbüchschen für Antimonpulver, das von den Schönen dieser weit verbreiteten Völkerschaft zum Unterschminken der Augen gebraucht wird (s. Tafel 86 Abb. 12). - Ungemein mannigfaltig ist naturgemäß die Bewaffnung der vielgestaltigen Kameruner Bevölkerung. Unter den Angriffswaffen walten Keule und Messer vor bei den Fulbe und den von ihnen beeinflußten Völkern. Stumpfe, nur zum Hieb geeignete Schwertmesser (s. Tafel 86 Abb. 5) sind auch im südlichen Grasland im Gebrauch. Schon nach der Kongoprovinz hinüber neigen sodann die Hiebmesser von der Form der Abb. 8 Tafel 86 und der Wurfmesser Abb. 9 ebenda. Die Sudanstämme tragen kürzere Messer gern am Unterarm oder am Halse. Dolchmesser mit hohlem Handgriff, ganz ähnlich dem in Abb. 4 Tafel 195 wiedergegebenen verwenden die Djikum, die Wute und manche andere Stämme Südwest-Adamauas. Eine sicher von Europa her beeinflußte Schwertform ist das sog. Haussaschwert, eine fast meterlange gerade Waffe, die stark an unser altes Ritterschwert erinnert. Stoßspeer und Wurflanze sind nahezu allgemein verbreitet. Bei den Reitervölkern des Sudans sind die Lanzen von beträchtlicher Länge. Bei einzelnen Stämmen des Waldlandes verfeuert man kurze vergiftete Spieße aus Gewehren auf Großwild. Der Bogen ist durchweg einfacher Natur. Asiatischen Einfluß zeigt er nur im Sudan, indem er hier zuweilen in der Mitte eingedrückt ist. Der Pfeil zeigt nirgends Befiederung. In der Spannweise des Bogens interessant sind die Wute. Diese besitzen einen recht kräftigen, langen Bogen, den sie nur sehr wenig straff bespannen. Aus diesem Grunde schlägt die Sehne beim Schuß schwer auf die linke Hand. Zu deren Schutz legen die Wute nun große, schön gepunzte Lederkissen um das Handgelenk (s. Tafel 86 Abb. 17), auf die die Sehne aufschlägt. Das Spannen des Bogens selbst geschieht mit Hilfe einer Spannvorrichtung. Diese besteht entweder in dem Hohlgriff des oben erwähnten Dolchmessers, mit dessen hinterer Kante die Sehne zurückgezogen wird, oder in einem Holzbügel von der in der Tafel 86 Abb. 17 erkennbaren Form, der sich um die Mittelhand legt. Während die Sehne hinter dem Bügel ruht, sucht der Schütze den Pfeil mit den oberen Teilen von Daumen und Zeigefinger festzuhalten. - Der Vergangenheit gehört heute das Wurfmesser an, eine auf Nord- und Zentralafrika beschränkte Waffe, die, horizontal geschleudert, bei ihrer Rotation mit den ihr eigentümlichen Zacken den Gegner an unbedeckten Körperstellen verwunden sollte. Eine der einfacheren Formen ist in Abb. 9 Tafel 86 wiedergegeben. - Zweifellos fremd im Lande und von den Europäern entlehnt ist hingegen die Armbrust. Sie ist den Fangstämmen eigentümlich, findet sich aber auch am Kamerunberg und am Mbam. Im äußeren Aufbau gleicht sie vollkommen der europäischen Armbrust. Prüft man hingegen den Abzugsmechanismus, so erkennt man sofort, die technische Hilflosigkeit des Negers. Der Schaft ist nämlich der Quere nach aufgespalten. In der unteren Hälfte ist ein Pflock befestigt, der in ein durch den Oberteil gebohrtes Loch eingreift und es vollkommen ausfüllt, sobald die beiden Schafthälften aufeinander liegen. Quer über das Loch des Oberschaftes hin liegt die Nute, in die die Armbrustsehne sich einlagert. Kommt der Pflock von unten, so treibt er die Sehne nach oben aus der Nute heraus; sie schlägt nach vorn und treibt das Geschoß davon. Auf diesem Aufbau beruht die Spannweise: man muß die Finger zwischen die Schafthälften klemmen, um die Sehne in die Nute legen zu können. Erst wenn man sie mühselig aus dem Spalt löst, tritt der Abzugsmechanismus in Kraft. Trotz dieser vollkommenen Unzulänglichkeit des Baues ist die Waffe früher gefürchtet gewesen, besonders allerdings wohl wegen der stark vergifteten, kaum häkelnadelgroßen Pfeile. Heute ist die Armbrust Kinderspielzeug. - Unter den Schutzwaffen stehen Schilde und Panzer obenan. Jene sind sowohl tierischer wie pflanzlicher Abkunft, wobei Rindenschilde auf das Kumbohochland beschränkt sind, während die übrigen Formen anscheinend regellos durcheinanderlaufen. Nur der Lederschild ist dabei mehr auf den Sudan und Adamaua, beschränkt, während der Holzschild das Gebiet seiner größten Ausbreitung im Südosten hat. - Panzer sind oder waren nur im Norden verbreitet: Tierhautpanzer bei den Tuburi und Musgu, Wattepanzer für Roß und Reiter bei den regulären Truppen der Haussa, Kanuri und Fulbe, Eisenpanzer bei den Mohammedanern (s. Tafel 86 Abb. 23). Mit diesem Eisenpanzer vereint trägt man Metallhelme von der Form des in Abb. 10 der farbigen Tafel Kamerun, S. 200, wiedergegebenen. Der geistige Kulturbesitz sei hier nur kurz gestreift, da eine eingehendere Behandlung bei dem verfügbaren Raum ja doch nicht möglich ist. Über die Trommelsprache als eine der bemerkenswertesten Errungenschaften s. Duala. Die bildende Kunst äußert sich weniger in der Malerei als der Plastik; jene hat, allerdings unter dem Einfluß europäischer Farben, einen größeren Aufschwung nur bei den Duala genommen (s. farbige Tafel Kamerun, S. 196, Abb. 1,2 [Geheimbundmasken], 4 [Idol Ekongolo], 6 [Ruder], 7 [Bootmodell]); im übrigen beschränkt sie sich auch hier auf die farbige Verzierung von Gegenständen aller Art. Um so allgemeiner ist dagegen in dem vom Islam unberührten Teile die Plastik; sie begreift alle die zahllosen aus Holz, Horn und Knochen geschnitzten Gegenstände, wie auch die Keramik und den Guß aus Messing und Bronze und läßt kaum irgendeinen Teil des Kulturgutes dieser südlichen Völker außer acht (Abb. 1 [Hausleiste], 3 [Speiseschüssel], 4 [Tanzmaske], 6 [Schemel], 7 [Jujukopf], 10 [Helm] und Abb. 1, 2 [Geheimbundmasken], 5 [Pulvergefäß] der farbigen Tafeln Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 2, 3, 7, 19, 21, 22 der Tafel 86]). Die Neigung zu naturalistischer Darstellung ist im allgemeinen unverkennbar, wenn anders Anläufe zur Stilisierung bereits deutlich erkennbar sind. - Auf dem Gebiet der Religion kommt der den ganzen Norden beherrschende Islam ethnographisch kaum in Betracht. Wo er noch nicht hingedrungen ist, herrschen Zauberglaube, Animismus und Ahnenkult in sicher stets vorhandener, wenn auch noch nicht klar erkennbarer Wechselbeziehung. Vermutlich ist auch noch mit dem Totemismus zu rechnen. Ihren sichtbaren Ausdruck finden alle diese Gefühle der Abhängigkeit von höheren, überirdischen Mächten in zahlreichen Amuletten, Masken, Kopfaufsätzen, Fetischfiguren u. dgl. m. Bei den Duala und den Völkern um den Kamerunberg ist das Gefühl der Abhängigkeit von den Seelen der Verstorbenen zusammengeflossen mit der alten Einrichtung der Altersklassen und Männerbünde und äußert sich nunmehr in Gestalt der Einrichtung der Geheimbünde (s.d. bei Duala). Weiter im Norden, im Kreuzflußgebiet und auch Nigerien hinüber, finden wir hingegen die alles beherrschende Einrichtung des Juju. Der Begriff ist seinem Inhalte nach noch nicht klar zu erfassen. Mit großer Wahrscheinlichkeit bedeutet es ursprünglich nichts anderes als das irokesische Orenda oder das melanesische Mana, also die dem Menschen, den Tieren oder selbst den Dingen innewohnende Zauberkraft, die man zum eignen Nutzen oder zu des Nächsten Schaden anwenden kann, sofern die eigne Zauberkraft dazu ausreicht. Später scheinen sich Geister- und Ahnenfurcht hinzugesellt zu haben, so daß gegenwärtig ein wahrer Wust von Vorstellungen mit dem Begriff des Juju zusammenfällt. Seine Träger sind auch hier Männervereinigungen in besonderen Jujuhäusern; äußerer Ausdruck des Kultus vielgestaltige Fetischfiguren, Masken und Kopfaufsätze, die man als zeitweiligen Sitz der wirksamen Kräfte ansieht, die man im Jujuhaus aufstellt, mit denen man tanzt und Umzüge veranstaltet, und vor denen man gegebenenfalls auch opfert. Die Abb. 1, 2 [Geheimhundmasken], 4 [Idol Ekongolo] und Abb. 7 [Jujukopf], 9 [Kopfaufsatz], 11 [Tanzmasken] der farb. Tafel Kamerun, S. 196 u. 200, sowie Abb. 3, 7, 19, 22 der Tafel 86 geben eine Auswahl von Figuren aus diesem Pantheon wieder.

Weule.

8. Eingeborenenproduktion. Die Wirtschaftsprodukte der Eingeborenen sind in den verschiedenen Teilen K. auch wesentlich verschiedene. Das Waldgebiet eignet sich mit seiner tiefgründigen Humusschicht vorzüglich für den Ackerbau, ist aber für Viehzucht vollständig unbrauchbar wegen der Tsetsefliege und einiger stets bald auftretender Seuchen. Dagegen sind Jagd und Fischfang im weitesten Maße nutzbringend. Das Grasland ist wegen der Trockenzeit nur zu bestimmten Jahreszeiten für den Ackerbau brauchbar, es fallen eine ganze Anzahl von anspruchsvollen Kulturpflanzen fort. Dafür tritt die Viehzucht hervor, ebenso wie die Jagd, die in den großen Antilopen- und Gazellenscharen der Savannen zu ihrem Nutzen kommt. Dasselbe ist der Fall in den Tiefländern des oberen Logone, wo wir Viehzucht und Ackerbau vereinigt antreffen. Die Sumpfgebiete am unteren Logone und südlich des Tsadsee eignen sich dagegen mehr für den Ackerbau, da die Viehzucht unter den regelmäßig auftretenden Seuchen sehr leidet. Hier tritt der Fischfang dagegen außerordentlich in den Vordergrund. Was nun zunächst die Jagd anbelangt, so kommt vor allem für den Handel das Elfenbein in Betracht. Die Verbreitung des Elefanten erstreckt sich besonders über das Waldgebiet, dann über das Grasland von Südadamaua und über das Tsadseegebiet. Im Massivgebiet von Nordadamaua ist er selten. Die hauptsächlichen Elefantenjäger sind die Bagielli des Urwaldgebietes, die von der Erlegung dieses Wildes leben. Sie tauschen das Fleisch und die Zähne an die Neger, in deren Gebiet sie wohnen, gegen Zerealien und ihre sonstigen Bedürfnisse ein. Im Grasland sind die Haussa, vielfach Elefantenjäger. Sie benutzen aber Gewehre, während die Pygmäen ihnen nur mit Lanzen zuleibe gehen. Die Ausfuhr an Elfenbein belief sich im Jahre 1907/08 auf über 1 Mill. M. Seitdem ist sie bis auf 625 500 im Jahre 1910 und weiter auf 536 000 im Jahre 1913 gesunken und wird wohl noch weiter sinken, in dem Maße wie der Elefant der Kultur oder der Verfolgung erliegt. Außer Elfenbein kommen an tierischen Produkten nur noch wenige in geringen Mengen in Betracht. Erwähnt mögen nur Straußenfedern werden. Am Tsadsee werden die Strauße von den Arabern gejagt. Aber die Produktion ist doch nur gering. Eine weitere wirtschaftliche Betätigung der Eingeborenen, der Fischfang, bringt keine Produkte auf den Weltmarkt. Fischer sind besonders die Urwaldstämme und die am Logone und am unteren Schari, sowie am Tsadsee wohnenden Völker. Wenden wir uns zur Viehzucht, so haben wir schon gesehen, daß dieselbe nur außerhalb des Urwaldes möglich ist. Zwar gibt es Viehbestände, besonders im Kreuzflußgebiet, aber die Tiere sind mager und ziemlich wertlos. Da eine breite Urwaldzone das Grasland von der Küste trennt, so ist dadurch eine Ausfuhr des produzierten Viehes sehr erschwert. Es wird daher Vieh zumeist den Benue abwärts oder über die Westgrenze in englisches Gebiet ausgefühft. Nur das Kleinvieh, Ziegen und Schweine, kommen auch im Waldlande vor, letztere wohl nur dort. Viehzüchter sind besonders die Bororo-Fulbe, die sich ausschließlich mit Viehzucht beschäftigen, und dann die Lakka, die aber auch eifrige Ackerbauer sind. Im Waldlande sind die Boki nordwestlich von Ossidinge Viehzüchter, aber ihr Vieh stammt aus dem Sudan. Die Qualität des Viehs ist teilweise gering, nur die Rinder der Fulbe sind relativ gut, wohl auch das Vieh der Lakka. Man ist von der Regierung aus bestrebt, die Güte des Viehbestandes durch Einführung guten Viehes zu heben. Der Wert der exportierten Tiere betrug im Jahre 1910 nur 10452 M, während er im Jahre 1906 51170 M und im Jahre 1908 sogar 100000 M betrug. Im Jahre 1913 ist der Betrag wieder auf 20000 M gestiegen. Pferdezucht wird besonders am Logone durch die Lakka und Musgu betrieben. Doch ist das Pferd in ganz Adamaua bekannt, außer im Baiaplateau, wo auch das Rind nicht vorkommt. Doch haben die Baia für Pferd und Rind Namen. In Bornu wird in geringem Maße Straußenzucht getrieben, doch ist die Produktion minimal. Ehe wir zum Ackerbau übergehen, wollen wir die wildwachsenden Pflanzen betrachten, die der Eingeborene ausnutzt, sei es zum eigenen Gebrauch, sei es als ein von den Europäern begehrter Handelsartikel. Von den letzteren steht Kautschuk an erster Stelle. Die wichtigste Kautschukpflanze ist Kickxia elastica, die im ganzen Urwaldgebiet im Überfluß vorkommt, daneben kommt die Liane, die Landolphia in verschiedenen Arten in Betracht. Leider wird natürlich von den Eingeborenen bei der Kautschukgewinnung Raubbau getrieben, so daß eine Verminderung der Kautschukbestände von Jahr zu Jahr eintritt. Die Ausfuhr von Kautschuk belief sich im Jahre 1910 auf 11070680 M, und davon sind 10960680 M Sammelprodukte der Eingeborenen und nur 110000 M erst Produkte europäischen Plantagenbetriebes. Das Bild für 1912 ist folgendes: Pflanzungskautschuk 170800 M, Sammelkautschuk 11801671 M. Im Mandaragebirge wird von den Eingeborenen Guttapercha gesammelt, aber bisher nur im Werte von etwa 1000 M. An zweiter Stelle, früher den Wert des gesammelten Kautschuk übertreffend, steht das Sammeln der Ölfrüchte. Die an erster Stelle in Betracht kommende Pflanze ist die Ölpalme, die im ganzen Waldgebiet und stellenweise auch auf dem Plateau, in der Sanagamulde und im Mbamtal vorkommt. Man kann bei ihr teilweise von einer Kultur sprechen, indem der Eingeborene den Wald, in dem sie vorkommt, von Gebüsch lichtet. Ein anderer für die Ölgewinnung in Betracht kommender Baum ist der Schibaum, der im ganzen Sudan häufig ist. Aus seinen Früchten wird die sog. Schibutter gewonnen. Die Ausfuhr von Schibutter betrug 1910 aber nur für 14 906 M, und bis 1912 ist eine erhebliche Abnahme zu verzeichnen. Dagegen ist die Ausfuhr von Palmkernen von Jahr, zu Jahr gestiegen und wird wegen der großen Häufigkeit der Ölpalme immer wichtiger für die Entwicklung der Kolonie werden. Die Ausfuhr von Kernen betrug im Jahre 1910 3553479 M, im Jahre 1912 4406000 M, die Ausfuhr von Palmöl 1260000 M resp. 1622400 M. Von sonstigen pflanzlichen Produkten ist noch die Kolanuß, deren Produktion sich 1910 auf 50580 M (im Jahre 1912 stieg die Ausfuhr auf 167000 M) belief, und das Gummi arabicum (1912 = 44 300 M) zu erwähnen. Die Hauptproduktion von Nutzhölzern liegt ebenfalls in den Händen der Eingeborenen, die leider auch hierbei vielfach Raubbau treiben. Es handelt sich hier natürlich hauptsächlich um das Waldlande aus dem etwa 10-15 Arten von Bäumen verwertet werden. An erster Stelle stehen vor allem Mahagoni, Ebenholz, Baumwollholz, Boagossi und Oku-Mie u. a. Die Gesamtausfuhr belief sich im Jahre 1910 auf 144905 M, von denen 124272 M von Eingeborenen produziert wurden, stieg aber im Jahre 1912 bereits auf 700000 M. Erwähnt müssen noch die mineralischen und fossilen Sammelprodukte werden, besonders Kopal und Glimmer, die zur Hälfte, also etwa im Werte von 30000 M, im Jahre 1910 zur Eingeborenenproduktion gehören. Im Jahre 1912 war der ganze Betrag der Ausfuhr. mineralischer und fossiler Rohstoffe 1466 M. - Wir kommen jetzt zu den Erzeugnissen des eingeborenen Ackerbaus, von denen aber für den Welthandel bisher nur der Kakao in Frage kommt, wenigstens in größerem Maße. Die Kulturpflanzen der Waldlandneger, also damit der Bantuneger, sind ganz andere als die der Graslandbewohner. Im Waldland sind die Knollenfrüchte die Hauptnahrungsmittel, vor allen Maniok, Yams und Bataten. Daneben kommt die Banane in Betracht, ferner Mais, Bohnen, Kürbisse, dann Zuckerrohr, Pfeffer und Tabak als Genußmittel. Im Gegensatz dazu ist die Hauptpflanze der Graslandneger die Hirse, während alle anderen dagegen zurücktreten. Hinzu kommen Mais, Yams, Reis und Erdnüsse. Im Tsadseetiefland wächst der Reis wild und wird auch schon angebaute ebenso wie der Weizen. Die Hauptnahrungspflanze ist aber auch hier die Hirse. Wie gesagt, ist keine dieser Lebensmittelpflanzen als Handelsprodukt wichtig. Dagegen haben die Genußmittel Aussicht, für die Ausfuhr wichtig zu werden, und der Kakaobaum ist es schon jetzt. Von den 3033399 M, die im Jahre 1910 für Kakao erzielt wurden (1912 = 3 721000 M), entfallen 325 543 M (resp. 521260 M) auf die Eingeborenenproduktion, und der Kakaobaum scheint unter den Negern von Jahr zu Jahr beliebter zu werden. Die Hauptgegenden des Kakaobaus sind der K.berg und die Gegend von Jaunde . Ebenfalls dürften die Kulturen von Faserpflanzen in K. eine große Zukunft haben. Vor allem die Baumwolle findet im Norden gute Existenzbedingungen, und die Regierung sucht den Baumwollbau überall zu heben. Doch ist bisher die Produktion noch nicht für eine wesentliche Ausfuhr groß genug. -Zuletzt müssen wir noch kurz die Erzeugnisse der Eingeborenenindustrie erwähnen. Die Ausfuhr dieser Produkte belief sich im Jahre 1910 auf 42 248 M (1911 = 62 690 M, 1912 = 28 258 M), und die Erzeugnisse bestanden hauptsächlich in Lederarbeiten, Strohflechtereien und Holzwaren.

Passarge- Rathgens.

9. Europäerbevölkerung. Die weiße Bevölkerung K.s ist von 528 im Jahre 1900 auf 826 im Jahre 1905 und 1781 im Jahre 1912 (Nachweis vom 1. Januar 1913) gestiegen; sie hat sich im letzten Jahrzehnt nahezu verdreifacht. Der Nationalität nach teilte sich die weiße Bevölkerung im Jahre

1900 in 475 Reichsangehörige, 75 Ausländer
1905 in 727 Reichsangehörige, 88 Ausländer
1910 in 1084 Reichsangehörige, 152 Ausländer
1912 in 1560 Reichsangehörige, 228 Ausländer

Die Bevölkerung fremder Nationalität ist also dem Verhältnis nach gegenüber dem Stande von 1900 zurückgeblieben. Unter den Ausländern stehen die Engländer an erster Stelle, dann kommen Amerikaner, Schweizer, Österreicher. Dem Geschlecht nach teilte sich die Bevölkerung im Jahre

1900 in 475 Männer 42 Frauen 11 Kinder
1905 in 727 Männer 77 Frauen 22 Kinder
1910 in 1084 Männer 139 Frauen 61 Kinder
1912 in 1560 Männer 230 Frauen 81 Kinder

Daraus geht hervor, daß die Zusammensetzung der Bevölkerung sich seit 1900 etwas zugunsten der Frauen und Kinder verschoben hat. Diese vom Rassenstandpunkte aus erfreuliche Tatsache ist in erster Linie darauf zurückzuführen, daß die gesamten äußeren Lebensbedingungen, die gesundheitlichen Verhältnisse, Wohnung, Verpflegung, Geselligkeit, Verkehrswesen sich im Laufe des letzten Jahrzehnts sehr gebessert haben, so daß die im Schutzgebiet tätigen Europäer trotz des tropischen Klimas es wagen können, weibliche Familienangehörige und Kinder mit hinauszunehmen. Im Jahre 1900 waren von den 42 weißen Frauen 27 verheiratet, und zwar 1 an einen Regierungsbeamten, 20 an Missionare, 4 an Kaufleute und 2 an Pflanzer. Im Jahre 1912 waren von den 230 Frauen 173 verheiratet, und zwar 50 an Kaufleute und andere Gewerbetreibende, 56 an Missionare und 67 an Regierungsbeamte und Schutztruppenangehörige. Es zeigt sich, daß die Bestrebungen der Kolonialverwaltung, soweit es möglich ist, verheirateten Beamten die Mitnahme ihrer Familie zu ermöglichen, von Erfolg gewesen sind. Bei der Unterscheidung der Bevölkerung nach Beruf en ist am wichtigsten die zwischen unmittelbar wirtschaftlich produktiven Berufen und anderen. Zur ersten Gruppe sind Kaufleute, Pflanzer, Seeleute, Bauunternehmer, Ingenieure, Handwerker und ähnliche Berufe zu rechnen, zur zweiten Regierungsbeamte, Schutztruppenangehörige, Missionare, ärztliches Personal usw.

1900 gehörten zur 1. Gruppe 302 Personen,
    2. Gruppe 169 Personen,
1905 gehörten zur 1. Gruppe 447 Personen,
    2. Gruppe 274 Personen,
1910 gehörten zur 1. Gruppe 651 Personen,
    2. Gruppe 433 Personen,
1912 gehörten zur 1. Gruppe 885 Personen,
    2. Gruppe 675 Personen,

Am dichtesten mit weißer Bevölkerung ist der Verwaltungsbezirk Duala besiedelt. Es folgen Buea, Victoria, Edea, Kribi, Jaunde. In der persönlichen Zusammensetzung unterliegt die weiße Bevölkerung, wie bei dem tropischen Klima nicht anders zu erwarten ist, einem starken Wechsel. - In Neu-K. setzte sich die weiße Bevölkerung aus ungefähr 40-50 französischen Verwaltungsbeamten, 50-60 Schutztruppenangehörigen und 60-70 kaufmännischen und Pflanzungsangestellten zusammen. Verhältnismäßig am dichtesten mit Weißen besetzt war bisher das Ssanga-Gebiet und die Gegend der Muni-Mündung.

10. Europäische Unternehmungen. Neben der Eingeborenenproduktion, auf der zurzeit von den wichtigsten Ausfuhrartikeln der Kautschuk und die Ölpalmfrüchte zum weitaus größten Teil beruhen, spielen auch die europäischen landwirtschaftlichen Unternehmungen eine bedeutende Rolle. Sie sind für die wirtschaftliche Entwicklung Kameruns insofern von der größten Bedeutung, als bei ihnen eine planmäßige Bewirtschaftung vorherrscht und auf ihnen viele Tausende von Eingeborenen, die eine geregelte Arbeit noch nicht kennen, an eine solche gewöhnt worden sind und gewöhnt werden. Den klimatischen Verhältnissen des Landes entsprechend, sind diese europäischen Unternehmungen ihrer Form nach Plantagenunternehmungen. Sie entstanden zunächst an den fruchtbaren Abhängen des Kamerunberges, wo schon 1894 fast das ganze brauchbare Land an größere Unternehmungen vergeben war. Im Laufe der Jahre dehnte sich der Plantagenbau auch auf die anderen Bezirke des Schutzgebiets aus und entwickelte sich besonders an der Nordbahn in stärkerem Maße. Im Jahre 1910 bestanden 44 Unternehmungen im Plantagenbau, darunter waren 13 Aktiengesellschaften mit einem Kapital von 13,1 Mill. M und 4 KolonialGesellschaften mit 2,52 Mill. M. Die Zahl der Unternehmungen stieg 1911 auf 52 und 1912 auf 58. An erster Stelle hinsichtlich der Dauer ihres Bestehens sowie hinsichtlich der bebauten Fläche und ihrer Ertragfähigkeit stehen die Kakaokulturen. Zunächst begannen Anfang der 90er Jahre die Pflanzungen am Kameruner Berge mit dem Anbau von Kakao. Als er sich als lohnend erwies, ging man auch an anderen Stellen des Schutzgebiets zu dieser Kultur über. Der Ernteertrag hat sich langsam aber stetig gehoben, obgleich in manchen Jahren Krankheiten (Braunfäule) und Schädlinge (Rindenwanze) großen Schaden an- richteten. Nach den bisherigen Erfahrungen kann man sagen, daß die Zukunft der Kakaokultur in Kamerun gesichert ist. - Es folgen der Ausdehnung nach die Kautschukplantagen. Unter den Kautschukpflanzen, die bisher angebaut sind, herrschte bis 1907 die Kickxia elastica vor. Von da an begann man sich immer mehr der Hevea briasiliensis zuzuwenden. Die anderen Kautschukpflanzen, wie Castilloa, Ficus elastica, Manihot u. a., sind nur wenig verbreitet. Gegenüber dem Handelskautschuk, d.h. dem durch Eingeborene aus Wildbeständen gewonnenen und von Händlern aufgekauften Kautschuk, kommt der Plantagenkautschuk hinsichtlich der Menge bis jetzt kaum in Betracht. Sein Anteil an der Ausfuhr wird, steigen, je mehr die an- gepflanzten Bestände an Kautschukbäumen in das zapffähige Alter kommen. - Auch bei den Ölpalmfrüchten sind die Erträgnisse der europäischen Plantagen im Verhältnis zur Eingeborenenproduktion und zur Gesamtausfuhr noch gering. Immerhin weisen auch diese Kulturen eine dauernde Steigerung in der Zahl der Palmen auf. Seitdem durch Maschinen eine von der menschlichen Arbeitskraft unabhängigere Ausnutzung der Früchte ermöglicht worden ist, wenden sich immer mehr Unternehmungen, zum größten Teil im Neben- betriebe, dieser Kultur zu. Es sind z. B. große Flächen alter Kakaobestände mit Ölpalmen durchgepflanzt worden. Ein Unternehmen verwertet die Früchte der Ölpalme im Hauptbetriebe. Es hat zu diesem Zweck eine leistungsfähige Fabrik errichtet, die die Palmfrüchte teilweise von den Eingeborenen aufkauft, teilweise selbst aus gekauften oder gepachteten Ländereien erntet. Der Kultur der Ölpalme durch die Eingeborenen in Verbindung mit maschinellen Aufbereitungsanstalten unter europäischer Leitung steht in K. wahrscheinlich eine große Zukunft bevor, da der europäische Markt für Pflanzenfette und -öle jetzt und in absehbarer Zeit fast unbeschränkt aufnahmefähig ist. - Mehlbananen (Planten) werden seit 10 Jahren, meist in Mischkultur, immer mehr gebaut. Sie dienen in erster Linie zur Verpflegung farbiger Arbeiter. Die Versuche, das aus ihnen gewonnene Bananenmehl in größeren Mengen in Deutschland einzuführen, haben noch zu keinem dauernden Erfolg geführt. - Die Kultur der Eßbananen ist neueren Datums. Es sind bereits größere Flächen mit ihnen bepflanzt. Eine Ausfuhr in nennenswerter Menge wird aber erst, im Jahre 1914 einsetzen, da vom 1. Okt. dieses Jahres ab mehrere Kühldampfer, ohne die eine Beförderung dieser Früchte nach Europa nicht möglich ist in die Fahrt nach K. eingestellt werden sollen. - Tabak wurde schon vor mehr als 20 Jahren versuchsweise gebaut. Die Versuche wurden dann in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts wieder aufgenommen. Sie schlugen fehl, weil man auf Boden und örtliches Klima nicht die nötige Rücksicht genommen hatte. In den letzten Jahren hat man jedoch im Gebiete der Nordbahn ein für Tabakbau anscheinend hervorragend geeignetes Gelände gefunden. Es sind mehrere größere Unternehmen entstanden, die bisher ein vorzügliches dem Sumatratabak mindestens gleichwertiges Erzeugnis geliefert haben. Die bebaute Fläche ist zurzeit noch ziemlich gering, wird aber in den nächsten Jahren bei günstiger Entwicklung der Arbeiterverhältnisse in starkem Maße steigen. Mit dem Anbau von Kola, Baumwolle, Gewürzen und Faserpflanzen ist man über das Versuchsstadium noch nicht hinausgekommen. Wie sich in den Plantagenunternehmen der Anbau der wichtigsten Kulturen in den letzten Jahren entwickelt hat, ergibt sich aus der nachstehenden Übersicht, die allerdings mangels ausreichender Unterlagen Lücken hat und nicht unbedingt zuverlässig ist. Der Bedarf an farbigen Arbeitern ist, wie aus der Zusammenstellung zu ersehen ist, in den letzten Jahren in starkem Maße gestiegen, so daß ihre Beschaffung, da auch die Bahnbauten einen Bedarf von mehreren Tausend haben, zurzeit auf Schwierigkeiten stößt. Mehrere Pflanzungen beschäftigen sich auch mit kaufmännischen Geschäften, jedoch liegt, der Hauptanteil vom Handel in der Hand reiner kaufmännischer Firmen, von denen sowohl in der Form von Handelsgesellschaften mit höherem Kapital wie auch als Einzelkaufleute eine große Anzahl in K. tätig sind. Im übrigen siehe unter 9. Handel.

Die Viehzucht liegt, abgesehen von den Bestrebungen der Regierung auf diesem Gebiete, fast ganz in den Händen der Eingeborenen. Da wo sie von europäischen Unternehmungen betrieben wird, dient sie in der Hauptsache zur Versorgung der weißen Angestellten mit frischem Fleisch. Einige private Versuche in größerem Maßstabe versprechen Erfolg. - Bergbau wird in K. noch nicht betrieben. Zwar wurde das Vorkommen von Salz, Petroleum, Kupfer, Zinn, Glimmer, Kohle, Marmor und einigen anderen Mineralien festgestellt, doch ist ein abbauwürdiges Lager bis jetzt noch nicht nachgewiesen. Die geologische Erforschung des Landes wird fortgesetzt. An gewerblichen Unternehmungen, die im Schutzgebiet noch wenig vertreten sind, sind zu nennen eine Seifensiederei in Duala, die aber noch nicht für die Ausfuhr arbeitet, einige Dampfsägewerke, die das Land mit Möbel- und Bauholz versorgen und einige im Entstehen begriffene größere Holzschlagunternehmen. Andere kleinere gewerbliche Betriebe (Bäckereien, Sattlereien, Fleischereien, Gastwirtschaften, Baugeschäfte usw.) dienen einem rein örtlichen Bedarf. In Duala und Kribi sind Rechtsanwälte, in Duala auch ein Landmesserbureau. Die Nordbahn gehört der Kamerun-Eisenbahn- Gesellschaft, die ein Kapital von 16 640000 M hat. In Alt-K. sind zwei Konzessionsgesellschaften tätig: Gesellschaft Süd-Kamerun (Kapital 3 000 000 M) und Gesellschaft Nordwest-Kamerun (Kapital 4360000 M). Mit dem Erwerb von Neu-Kamerun sind folgende französischen Gesellschaften übernommen worden: 1. Soeiété de la Sangha Equatoriale, 2. Société de la Mambéré-Sangha (i. L.), 3. Compagn ie commerciale de colonisation du Congo français, 4. Société du Haut-Ogooué, 5. Compagnie de la Ngoko-Sangha, 6. Compagnie française du Haut-Congo, 7. Compagnie forestière Sangha-Oubangui. 8. Compagnie française de 1'Ouhamé-Nana. Die Gesellschaften unter Ziff. 1, 2 und 3 fallen ganz, die übrigen nur zum Teil in deutsches Gebiet. S. a. die einzelnen Gesellschaften unter ihrem Namen.

11. Handel.

Die Übersicht zeigt, daß der Gesamthandel, im letzten Jahrzehnt eine nur im Jahre 1908 durch die allgemeine Welthandelskrise vorübergehend unterbrochene, stark aufsteigende Richtung gehabt hat. Die besonders bemerkenswerte Zunahme seit dem Jahre 1909 ist zum großen Teil auf die gesteigerte Bautätigkeit und auf die fortschreitende Vollendung der Nord- und Mittellandbahn zurückzuführen. Die Vergleichung der Ein- und Ausfuhrziffern ergibt, daß K. mehr Werte einführt als ausführt, was darauf schließen läßt, daß erhebliche Kapitalsinvestierungen im Lande stattgefunden haben und noch stattfinden. Von dem Gesamthandel des Jahres 1912 entfielen 47 Mill. M auf den Handel mit Deutschland, und zwar 27,2 Mill. M auf die Einfuhr aus Deutschland und 19,8 Mill. M auf die Ausfuhr nach Deutschland. -An zweiter Stelle stand England mit 5,5 Mill. M Einfuhr und 3 Mill. M Ausfuhr, also 8,5 Mill. Gesamthandel. Der Handel mit den übrigen Wirtschaftsgebieten ist sehr gering. Mit den afrikanischen Nachbargebieten betrug er 1912 971000 M in der Einfuhr und 181000 M in der Ausfuhr; mit Amerika 230 800 M in der Einfuhr; mit Frankreich 30000 M in der Einfuhr und mit den übrigen Ländern zusammen 231000 M in der Einfuhr und 221 000 M in der Ausfuhr. Der Anteil der Regierung an der Einfuhr betrug 5,4 Mill. M. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Materialien für die Eisenbahnbauten, die im Jahre 1912 im Werte von ungefähr 0,9 Mill. M (1910 5 Mill., 1911 2,4 Mill.) eingeführt worden sind, nicht für Rechnung der Regierung eingeführt wurden. - Von der Einfuhr des Jahres 1912 kamen für 32,9 Mill. M (191128 Mill. M) über die Küste und für 1,3 Mill. M (1911 1,3 Mill. M) über die Binnengrenzen. Sieht man von der Einfuhr an Eisenbahnmaterial, die ganz über Duala ging, ab, so entfielen von den Gesamthandelsziffern des Jahres 1912 auf Duala 26,4, Kribi 20,3, Victoria 5,7, Molundu 1,4, Garua 1,0, Rio del Rey 0,9 Mill. M. Die Entwicklung der Ausfuhr der Hauptausfuhrartikel in den letzten Jahren geht aus der nachstehenden Übersicht hervor. Es wurden ausgeführt (in Millionen Mark):

An erster Stelle steht danach dem Werte nach der Kautschuk. Er ist fast ganz von Eingeborenen produziert worden; die Europäerpflanzungen haben noch nicht 1% zu der Ausfuhrmenge beigetragen. Durch den Gebietszuwachs ist die überragende Bedeutung des Kautschuks für die Ausfuhr noch verstärkt worden, da in Neu-K. die Ausfuhr bisher zu einem noch größeren Prozentsatz aus Kautschuk (80 bis 90 %) bestanden hat als in Alt-K. und auch in Neu- K. der Kautschuk ganz aus der Eingeborenenproduktion stammt. Hauptproduktionsbezirke sind in Alt-K. die Bezirke Joko, Dengdeng, Dume, Lomie und Molundu, in Neu-K. das ganze Ssanga- und Joindogebiet. Kautschuklianen kommen auch noch nördlich vom Urwaldgebiete in den Uferwäldern des Graslandes vor. Wie lange der aus wilden Beständen stammende Kautschuk seine führende Stellung als Ausfuhrprodukt, die er seit 1904 inne hat, noch wird behalten können, ist sehr zweifelhaft, da er durch die Eingeborenen großenteils im Wege des Raubbaus gewonnen wird und eine wirksame Bekämpfung des Raubbaus sich bisher trotz aller Bemühungen der Regierung als nahezu unmöglich erwiesen hat. Der Preisrückgang auf dem Kautschukmarkt im Jahre 1907/08 hatte für das Jahr 1908 einen erheblichen Rückgang der Ausfuhr zur Folge gehabt. Dieser Rückgang ist im Jahre 1909 jedoch schon wieder eingeholt und in den folgenden Jahren bedeutend überholt worden. Von der Ausfuhr des Jahres 1911 waren nur rund 68000 M Pflanzungskautschuk, das übrige sog. Handelskautschuk, d.h. als natürliches Erzeugnis des Urwaldes gesammelter Kautschuk. Hiervon gingen für 10,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7 Mill. M nach England. An zweiter Stelle steht die Ausfuhr von Palmkernen, die im Jahre 1910 die Kakaoausfuhr überholt hat. Die starke Steigerung der Ausfuhr an Palmkernen in den letzten Jahren ist hauptsächlich auf das Fortschreiten des Eisenbahnbaues, der reiche Ölpalmgebiete erschloß, zurückzuführen. Von der Palmkernausfuhr des Jahres 1912 gingen für etwa 3,5 Mill. M nach Deutschland, für 0,7 Mill. nach England. Auch die Palmkerne, stammen zum weitaus größten Teil aus Eingeborenenproduktion. Es ist bei der steigenden Bewegung der Preise für Palmöl und Palmkerne zu erwarten, daß diese Produkte in Zukunft eine noch größere Bedeutung für die Eingeborenenproduktion gewinnen, als sie bisher schon hatten, da die Ertragsfähigkeit der Ölpalmen durch die Ernten nicht verringert wird, wie dies bei den Kautschukpflanzen die Regel ist. Die Ölpalmpflanzungen der Eingeborenen sind bisher von geringem Umfang und auf die Umgebung der Stationen beschränkt, wo Saatgut und junge Pflanzen an die Eingeborener verteilt werden. Die Ausfuhr in Kakao in der letzten Jahren zeigt eine nicht sehr starke, aber stetige Zunahme. Von der Ausfuhr des Jahre 1911 waren für 2,8 Mill. M Pflanzungskakao und für 0,5 Mill. M sog. Handelskakao, d.h. auf Eingeborenenpflanzungen geernteter Kakao. Für 3,9 Mill. M gingen nach Deutschland, für 0,2 Mill. M nach England. Die hauptsächlichsten Ausfuhrgebiete für Eingeborenenkakao sind die Umgebung von Victoria und die Ufer des Mungo-, Wuri-, Dibombe-, Sanaga- und Dibambaflusses, ferner die des Ndonga- und Quaquakriks. Die Eingeborenen ziehen den Kakao hauptsächlich in Gartenkultur, so daß der Anbau der einzelnen Besitzer durchschnittlich gering ist. Dadurch hat bisher die Aufbereitung der Ernten gelitten. Eine planmäßige Organisierung der Aufbereitung und Ausfuhr des Eingeborenenkakao läßt er warten, daß in Zukunft für ihn eine bessere Marktbeschaffenheit erzielt wird. Die Palmölausfuhr zeigte in den letzten Jahren gegenüber dem Jahre 1907 einen merklichem Rückgang und hat erst im Jahre 1911 den Stand von 1907 wieder erreicht und etwas überholt. Diese langsame Entwicklung der Palmölausfuhr gegenüber der bedeutenden Steigerung der Ausfuhr von Palmkernen wird darauf zurück- geführt, daß die zur Herstellung des Öles notwendige Arbeit von Männern geleistet wird und daß diese in den letzten Jahren in großer Zahl bei den Eisenbahnbauten beschäftigt waren, so daß für die Herstellung des Öles nicht genügend Arbeitskräfte vorhanden waren. Neuerdings wirkt die maschinelle Bearbeitung der Ölpalmfrüchte (s. oben unter 8) günstig auf die Ausfuhrzahlen für Palmöl ein. Von der Palmölausfuhr des Jahres 1912 gingen für 0,7 Mill. M nach Deutschland und für 0,8 Mill. M nach England. - Die Elfenbeinausfuhr zeigte wie überall an der westafrikanischen Küste seit Jahren einen Rückgang. Das ist einmal auf die strengeren Maßnahmen zum Schutze der Elefanten und auf das allmähliche Aufhören der Zufuhr sog. fossilen Elfenbeins zurückzuführen (s. Elfenbein). Ein großer Teil der Ausfuhr stammt aus Französisch-Äquatorialafrika, von wo das Elfenbein über Garua ausgeführt wird. Gegen die genannten Ausfuhrartikel bleiben die übrigen wie Ebenholz, Njabinüsse, Kolanüsse, Schinüsse, Guttapercha usw. an Bedeutung weit zurück. Auch diese stammen ganz oder zum größten Teil aus der Eingeborenenproduktion. Ebenso spielt die Ausfuhr aus der im Graslande und weiter im Norden bestehenden Vieh- und Pferdezucht der Eingeborenen eine geringe Rolle. Im Jahre 1911 wurden im Residenturbezirk Adamaua 255500, im Residenturbezirk der Tsadseeländer 80000 Stück und im Verwaltungsbezirk Banjo 60000 Stück Zeburinder und in den übrigen Bezirken im ganzen etwa 10000 Stück buckellose Rinder gezählt. Die frühere Ausfuhr nach den englischen und französischen Nachbargebieten hat in den letzten Jahren aufgehört und ist nach dem fleischarmen Urwaldgebiete K.s gegangen. Die Pferdezucht ist auf Adamaua und die Tsadseeländer beschränkt. Es wurden im ganzen etwa 14000 Pferde und 2000 Ponys gezählt. Rationelle Vieh- und Pferdezucht wird von den Eingeborenen bisher nur in geringem Maße betrieben. Die Bestrebungen der Regierung gehen dahin, durch Errichtung eines Gestütes in Adamaua und durch Einrichtung von Rindviehzuchtstationen sowie durch Belehrung der Eingeborenen eine Höherzüchtung herbeizuführen und durch eine Vermehrung des tierärztlichen Personals den manchmal verheerend auftretenden Tierseuchen, vor allem der Lungenseuche beim Rindvieh, entgegenzuwirken (s.a. Rindviehzucht und Pferdezucht). Die Tatsache, daß die Ausfuhr im wesentlichen auf Kautschuk, Öl, Palmfrüchten und Kakao beruht, verbürgt eine weiter aufsteigende und stetige Entwicklung der Ausfuhr und, da von der Ausfuhr die Kaufkraft der Eingeborenen und von dieser hauptsächlich die Einfuhr abhängt, auch die entsprechende Entwicklung des Gesamthandels. Bei allen diesen Produkten mit Ausnahme des Kautschuks sind die Aussichten für die nächste Zeit günstig. Durch die Mittellandbahn werden in den nächsten Jahren bisher nicht zu verwertende, reiche Ölpalmbestände erschlossen werden, und die Marktverhältnisse für Ölfrüchte versprechen für die nächste Zeit die gleich günstige Entwicklung wie in den letzten Jahren. Die Kakaoausfuhr läßt eine weitere Steigerung erwarten, da bisher noch nicht alle Pflanzungen erntereif sind und weitere Pflanzungen, besonders auch durch Eingeborene, angelegt werden. Schlecht dagegen sind die Aussichten für den Kautschuk, der in der letzten Zeit infolge des gesteigerten Ertrages der ostasiatischen Kautschukpflanzungen einen derartigen Tiefstand im Preise erreicht hat, daß der wilde Kautschuk aus Kamerun zurzeit nur mit Verlust ausgeführt werden kann. Immerhin liegt in der Zusammensetzung der Ausfuhr aus mehreren Produkten, die für ihr Gedeihen und ihren Absatz ganz verschiedene Vorbedingungen haben, eine starke Gewähr dafür, daß auch bei zeitweiligem Versagen eines Produktes die Entwicklung des Gesamthandels nicht dauernd aus ihrer steigenden Richtung gebracht wird.

Die Übersicht läßt den schon erwähnten Zusammenhang zwischen Ausfuhr und Einfuhr erkennen. Der Rückgang der Ausfuhr im Jahre 1908 hat auch einen Rückgang der Einfuhr in diesem und im folgenden Jahre und die Ausfuhrsteigerung im Jahre 1909 eine bedeutende Zunahme der Einfuhr in den folgenden Jahren zur Folge gehabt. Das kommt besonders in der Einfuhr von Geweben zum Ausdruck, die der am meisten begehrte Verbrauchs- und Tauschartikel der Eingeborenen sind. Von der Einfuhr an Textil- und Filzwaren im Jahre 1912 stammen etwa 6,2 Mill. aus Deutschland und 2,9 Mill. aus England; es ist aber anzunehmen, daß der Anteil der englischen Einfuhr noch größer ist, da ein Teil der deutschen Verschiffungen englische Produkte umfaßt. Die starke Konkurrenzfähigkeit der englischen Gewebeindustrie kommt also auch hier, wie überall an der westafrikanischen Küste, zum Ausdruck. Von dem an zweiter Stelle stehenden Einfuhrartikel - Fleisch, Fische und tierische Nahrungsmittel - kamen für etwa 3,1 Mill. M aus Deutschland für 0,4 Mill. aus England. Etwa die Hälfte dieser Einfuhr besteht aus Stockfischen, einem Hauptnahrungsmittel der eingeborenen Arbeiter. Die an dritter Stelle genannte Einfuhrgruppe - nicht besonders benannte Eisenwaren - wird zum größten Teil für die Bedürfnisse der Eingeborenen eingeführt. Die für die Bahnbauten und sonstigen Zwecke eingeführten Eisenwaren sind in dieser Einfuhr nicht enthalten, nämlich Roheisen, eiserne Schienen und Stangen mit rund 0,7 Mill. M, Wellblech, Nägel usw. mit 0,2 Mill. M, Waren aus anderen unedlen Metallen mit 0,5 Mill. M, Maschinen, Fahrzeuge aller Art und Geräte mit 0,7 Mill. M. Bei der letzten Gruppe ist zu erwähnen, daß die Einfuhr der Maschinen für landwirtschaftliche Betriebe gegen 1910 erheblich zugenommen hat. Die Zunahme der Reiseinfuhr ist auf die weitere Ausdehnung des Bahnbaues und auf regeren Verkehr zurückzuführen. Die Geldeinfuhr hat auch im Jahre 1912 wieder zum größten Teil aus Silbergeld bestanden. Es ist in diesem Jahre aber auch ein größerer Posten Papiergeld (2,6 Mill. M) eingeführt worden. Die Zollverhältnisse sind in K. durch die Zollverordnung vom 1. Aug. 1911 (Amtsblatt für K. 1911 Nr. 16 S. 331) und die Zolltarifverordnung vom gleichen Tage geregelt. Letztere hat aber inzwischen mehrere wichtige Veränderungen erfahren, zuletzt durch Verordnung vom 10. Sept. 1913 (Amtsblatt für K. Nr. 29 S. 401). Danach ist der Einfuhrzol1 im allgemeinen ein Wertzoll, der bei Geweben 15. v. H., bei Eisenwaren 20 v. H., im Übrigen 10 v. H. beträgt. -Nur wenige Waren sind mit einem besonderen, nach Maß oder Gewicht berechneten Einfuhrzoll belegt, nämlich alkoholische Getränke, Waffen, Pulver, Salz, Tabak, Reis und getrocknete Fische; einzelne Waren gehen zollfrei ein, hauptsächlich Maschinen und Materialien, die für die Investierung im Lande bestimmt sind oder wissenschaftlichen und medizinischen Zwecken dienen.. Ausfuhzöl1e werden erhoben von Kautschuk, Elfenbein, frischen Kolanüssen und lebenden Nutztieren. Nutztiere sind mit einem Ausfuhrzoll belegt worden, um die Ausfuhr von Vieh und Pferden aus den nördlichen Bezirken K.s nach den benachbarten fremden Kolonien zu unterbinden, mit dem Erfolge, daß diese Ausfuhr auch merklich abgenommen und sich mehr nach dem fleischarmen Süden K.s gelenkt hat. Im Jahre 1911 wurden etwa, 14000 Rinder vom Norden nach dem Süden getrieben. Für die Zollverhältnisse des in dem sog. vertraglichen Kongobecken liegenden Teiles K.s, nämlich die Südostecke AltK.s und den größten Teil Neu-K.s, sind die Bestimmungen der Berliner und Brüsseler Generalakte maßgebend. Die Träger des Binnenhandels waren früher hauptsächlich die an der Küste wohnenden Eingeborenenstämme. Ihr Handel ist aber mehr und mehr von den in K. tätigen europäischen Unternehmungen (s. Abschnitt 10) zurückgedrängt worden. Die am Gummihandel interessierten deutschen Unternehmungen hatten sich bis vor kurzem zu einem Gummisyndikat zusammengeschlossen. Außerdem haben die im südlichen Teil tätigen Firmen zur Vertretung ihrer Interessen die Handelskammer von Süd-K. gegründet, die auf dem Gebiete des geschäftlichen und öffentlichen Lebens eine lebhafte Tätigkeit entfaltet. Nach ihrem Muster hat sich vor kurzem auch in Duala eine Vereinigung zur Vertretung der Handelsinteressen Dualas und Mittel-K.s gebildet. In den letzten Jahren haben sich die aus dem Norden kommenden Haussahändler mehr und mehr im Binnenhandel ausgebreitet; der Zwischenhandel in Kautschuk, Elfenbein und Vieh liegt größtenteils in ihren Händen. - Für Neu-K. liegen genaue Ziffern über den Handel nicht vor. Der auf Neu-K. entfallende Teil des Gesamthandels von Französisch-Aquatorialafrika wird von französischer Seite auf 10-12 Mill. Franken geschätzt. Im Verhältnis der Ein- und Ausfuhr von Französisch- Äquatorialafrika entfielen davon etwa 6,5 Mill. Fr. auf die Ausfuhr und 3,5 Mill. Fr. auf die Einfuhr. Die Ausfuhr bestand fast ganz aus Kautschuk und, etwas Elfenbein. Bemerkenswert für das Verhältnis zwischen Ein- und Ausfuhr in NeuK. ist, daß in Französisch-Äquatorialafrika im Gegensatz zu Alt-K. seit Jahrzehnten mehr ausgeführt als eingeführt wird.

12. Verkehr. K. kommt infolge seines Klimas als Besiedelungsland für Weiße bis auf kleinere Hochländer, die sich vielleicht später als besiedelungsfähig erweisen, voraussichtlich nicht in Betracht. Sein wirtschaftlicher Wert für Europäer liegt in der großen Hauptsache in seiner Eigenschaft als Absatz- und Produktionsgebiet. Für die Ein- und Ausfuhr ist neben den natürlichen Produktionsmöglichkeiten die Verbindung der Produktionsstätten mit den Verbrauchsplätzen von ausschlaggebender Bedeutung. Die Verkehrsfrage stellt sich daher in den Vordergrund des wirtschaftspolitischen Interesses. Am einfachsten ist sie naturgemäß im Küstengebiete, da hier als billigstes und brauchbarstes Verkehrsmittel die Seeschifffahrt zur Verfügung steht. Der Hafen von Duala kann zu den besten Häfen der westafrikanischen Küste gerechnet werden. Weniger gut sind die Häfen und Landungsstellen bei Victoria, Kribi, Rio del Rey und Kampo. Zu diesen Häfen kommt durch die Neuerwerbungen vom Jahre 1911 noch die Muni-Bucht, die von deutschen Dampfern jetzt schon regelmäßig angelaufen wird und anscheinend günstige Landungsverhältnisse bietet. Im Jahre 1911 liefen die K.er Küste 536 (1909 488) Dampfer an mit 1551058 (1909 1034654) Reg.Tonnen. Davon entfallen auf den Hafen von Duala 170 Dampfer mit 492990 Reg.-Tonnen und auf den von Victoria 191 Dampfer mit 533898 Reg.-Tonnen. Von den übrigen 175 Dampfern mit 524170 Reg.Tonnen, die sich auf die übrigen Häfen verteilen, entfällt der größte Teil auf Kribi, dessen Schiffsverkehr sich trotz der ungünstigen Landungsverhältnisse in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Von den 396 Handelsdampfern (1495058 Reg.-Tonnen), die im Jahre 1911 in K.er Häfen anliefen, fuhren 224 Dampfer mit 1126206 Reg.-Tonnen unter deutscher, 154 mit 368852 Reg.Tonnen unter fremder Flagge. Gegenüber dem Vorjahr ist der Verkehr der deutschen Handelsschiffe der Zahl nach gestiegen, der der fremden etwas zurückgegangen. Unter den deutschen Handelsschiffen kommen an erster Stelle die Dampfer der Woermann-Linie, die zusammen mit der Hamburg-Amerika-Linie und der Hamburg-Bremer-Afrika-Linie einen regelmäßigen 14tägigen Schiffahrtsdienst zwischen Deutschland und K. unterhält, unter den fremden Handelsschiffen die der englischen Reederei Elder Dempster und Co. in Betracht. Als natürliche Verkehrswege im Küstengebiete sind die Flußläufe des Sanaga, Wuri, Mungo, Muni und Ndian zu nennen, die von der Küste aus auf kurze Strecken schiffbar sind und in ihrem Delta zahlreiche schiffbare Querverbindungen (Creeks) haben. Der K.er Überseeverkehr geht aber nicht in seinem ganzen Umfange über die deutsche Küste. Die Nordecke und die Südostecke K.s stehen durch die Wasserstraßen des Niger-Benue und des KongoSsanga mit fremden Küsten und dadurch mit dem Weltverkehr in unmittelbarer Verbindung. Von geringerer Bedeutung ist der Verkehrsweg, den der Kreuzfluß nach Britisch-Südnigeria (Kalabar) hin bildet. Der Umfang des Überseeverkehrs, der über diese Flußläufe geht, läßt sich zahlenmäßig nicht feststellen. Einen Anhalt geben die Ziffern des Gesamthandels, der über die Zollstellen Molundu, Garua und Nssanakang geht, nämlich über Molundu im Jahre 1912 für 1429 800 (1910 974583) M, über Garua für 1092000 (1910 830747) M und über Nssanakang für 271000 (1910 320774) M. Auf dem Niger-Schiffahrtsnetze ist die Flußschiffahrt nach der Kongoakte von 1885 für Flaggen jeder Nationalität frei. Die tatsächlichen Verhältnisse aber, die die Schiffahrt ohne Hafenanlagen, Anlegeplätze, Holzstationen, Lagerschuppen und vor allem ohne ein geschultes Lotsenpersonal unmöglich machten, haben dazu geführt, daß auf dem Niger-Benue die englische Niger Company tatsächlich ein Verkehrsmonopol hat. In den letzten Jahren hat sich das Interesse in steigendem Maße diesem Verkehrswege zugewendet, da erkannt worden ist, daß er - mit dem weitverzweigten Schari-Logone-System verbunden - ein geeignetes Einfallstor für den Handel nach dem mittleren und östlichen Sudan bildet. Zu den mehrfachen französischen Projekten, die auf die bessere Nutzbarmachung dieses Verkehrsweges hinzielten (Mao Kebi-Tuburi-Logone) ist, seitdem der deutsche Landbesitz im Nordosten K.s durch das deutsch- französische Abkommen vom 4. Nov. 1911 bedeutend erweitert worden ist, ein neues deutsches Projekt gekommen, nämlich Garua durch eine nordöstlich verlaufende Eisenbahn mit dem Logone zu verbinden. Ähnlich wie auf dem Niger Benue liegen die Verhältnisse auf dem Kongo. Auch hier hat trotz der Internationalität der Schiffahrt die französische und belgische Schifffahrt den Verkehr bisher fast ganz beherrscht. Der deutsche Anteil daran ist verschwindend gering. Durch das deutsch-französische Abkommen vom 4. Nov. 1911 ist Deutschland in den Besitz langer, wichtiger Wasserverkehrsstraßen (Ssanga, Ngoko, Grüner Likuala, Likuala-mossaka) gekommen, und der Kongo und Ubangi werden durch deutsches Gebiet berührt. Hier soll unter Anlehnung an eine bestehende französische Gesellschaft eine neue deutsche Schiffahrtsgesellschaft gegründet werden. - Für das ganze übrige Gebiet K.s, das nicht im unmittelbaren Verkehrsbereich der Küste, des Niger oder des Kongo liegt, das sog. Hinterland, ist die Verkehrsfrage ungleich schwieriger. Für die Beförderung hochwertiger Güter wie Elfenbein und Kautschuk stand bisher das landesübliche, primitivste Verkehrsmittel, der Lastenträger, zur Verfügung. Hauptsächlich im südlichen Teile K.s hat sich ein großer Trägerverkehr entwickelt, der in Kribi mündet. Um ihn zu fördern, wurde im Süden ein ziemlich ausgedehntes Straßennetz angelegt (s. Wegebau), das zum Teil auch dem Automobilverkehr dienen kann. Aber auch bei diesen hochwertigen Gütern nehmen die Handelsgewinne mit der fortschreitenden Entfernung der Produktionsgebiete von der Küste bei der teueren Trägerbeförderung immer mehr ab. Ferner drängt der Weltbedarf an Ölen, Fettstoffen und Baumwolle dazu, diese im Hinterlande vorkommenden Massengüter zur Ausfuhr zu bringen. Das ist nur durch die Eisenbahn und Wasserstraßen möglich. Da es natürliche Wasserstraßen, die als Verbindungswege vom Hinterland zur Küste dienen könnten, nicht gibt, bleibt als Verkehrsmittel nur die Eisenbahn. Die Eisenbahnpläne konzentrieren sich in K. zurzeit auf 3 Projekte: 1. Das Südbahnprojekt will von Kribi aus das Südgebiet erschließen und möglichst die Schiffahrtsstraßen des Ngoko und Ssanga erreichen. Dieses Projekt wird hauptsächlich von den Handelsinteressenten in Kribi betrieben, findet aber nicht die Unterstützung der Regierung. 2. Das Mittellandbahnprojekt will von Duala aus das mittlere Hinterland erschließen und bei Mbalmayo den schiffbaren Oberlauf des Njong erreichen. Mit seiner Ausführung ist bereits begonnen worden. Die etwa 300 km lange Bahnstrecke bis zum Njong ist genehmigt und im Bau. Auf einer 131 km langen Strecke ist von Duala aus der Bahnbetrieb schon aufgenommen. Von Mbalmayo aus wird der Verkehrsweg vorläufig durch den von hier ab aufwärts schiffbaren Njong eine Verlängerung von über 250 km erfahren und sich dadurch der östlich davon liegenden, etwa 200 km langen Wasserstraße des Dume auf 30-40 km nähern. Da der Njong und der Dume jetzt schon befahren werden und bei fortschreitender Reinigung des Flußbettes ein Verkehr mit kleineren Dampfern möglich ist, wird durch diese Anschlußbahn ein ziemlich brauchbarer östlicher Verkehrsweg quer durch Alt-K. geschaffen. Damit wird die Frage der Mittellandbahn aber nicht endgültig gelöst sein. Ob sie von Mbalmayo aus südöstlich zur Erschließung des Südostgebietes in der Richtung zum Ngoko vorgetrieben werden soll oder östlich nach Nola in der Richtung nach Bangi oder nach Nordosten den Sanaga entlang, um die wichtige Wasserscheide zu gewinnen, von der der Sanaga, der Ssanga, der Lobaje, der Schari, der Penndé und der Logone kommen, oder aber um unter Benutzung des Farotales Garua zu erreichen, darüber gehen die Meinungen vorläufig noch auseinander. - 3. Das dritte Bahnprojekt betrifft die Nordbahn, die sog. Manengubabahn, die das nördliche Hinterland von Duala erschließen soll. Vorläufig sind 160 km dem allgemeinen Verkehr übergeben. Im ersten Betriebsjahre (l. April bis 31. Dez. 1911) wurden 3941644 Pers.-km und 958076 t-km gefahren und 380432 M Betriebseinnahmen bei 292589 M Betriebsausgaben erzielt. Im Kalenderjahr 1912 betrugen die Roheinnahmen 633568 M und die Betriebsausgaben 414092 M (= 65 % der Roheinnahmen); der Betriebsüberschuß sonach 219466 M. Die weitere Ausgestaltung des Nordbahnprojektes wird ebenfalls von dem Ergebnis der in der letzten Zeit vorgenommenen Erkundungen abhängen. -Neben diesen 3 großen Bahnprojekten hat die 23 km lange Schmalspurbahn der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria von Victoria nach Soppo, die allerdings die erste Bahn im Schutzgebiet war, nur untergeordnete örtliche Bedeutung. S. a. Eisenbahnen. - Der Post - und Telegraphenverkehr wird in K. von 37 Post- und 11 Telegraphenanstalten (1911) besorgt. Im Jahre 1911 wurden rund 1097000 Briefsendungen, 66 000 Stück Postanweisungen mit einem Betrage von rund 12,3 Mill. M, 36000 Pakete und 68000 Telegramme befördert. K. war bis vor kurzem nur durch ein englisches Kabel an das Welttelegraphennetz angeschlossen. Im Jahre 1912 ist das deutsche Kabel Emden-Teneriffa-Monrovia nach Togo und K. fortgesetzt worden, so daß jetzt der deutsche Kabelverkehr von dem englischen Kabel unabhängig ist. Zu Land bestehen folgende Telegraphenlinien: Duala - Buea - Victoria, Duala-Jabassi-Njanga, Duala-Edea, Duala-Kribi, Kribi-Lolodorf-Jaunde- Abong, Mbang-Dume-Njassi, Lolodorf-Ebolowa. Am 5. März 1911 ist in Duala eine Küstenstation für drahtlose Telegraphie eröffnet worden, die in erster Linie dem Verkehr mit Schiffen in See dienen soll. Neuerdings vermittelt sie auch den Verkehr mit der Funkenstation Santa Isabel auf Fernando Po und hat auch die Verbindung mit der Großstation in Tongo hergestellt. S. a. - Postwesen, Telegraphen und Funkentelegraphie.

13. Geld- und Bankwesen.Vor der Begründung der deutschen Schutzherrschaft waren in K. deutsches, englisches und französisches Geld und Maria-Theresia-Taler im Umlauf. Die Maria- Theresia-Taler von 1780 waren im ganzen Sudan und im Hinterlande von K. verbreitet und das beliebteste Zahlungsmittel. Daneben gab es noch verschiedene Arten von Eingeborenengeld, in erster Linie die Kaurimuscheln. Der Handelsverkehr mit den Eingeborenen vollzog sich in der ersten Zeit vorwiegend im Wege des Tauschhandels. Das Bestreben der deutschen Verwaltung ging dahin, die Eingeborenen an den Verkehr mit Bargeld zu gewöhnen und das fremde Geld möglichst aus dem Verkehr zu bringen. Durch die V. vom 1. Febr. 1905 (KolGG. Bd. 9, S. 43) wurde in K. die Rechnung nach Reichsmark eingeführt. Gesetzliches Zahlungsmittel sind alle Münzen, die im Reichsgebiet gesetzliches Zahlungsmittel sind, mit der Maßgabe, daß neben den Reichsgoldmünzen auch die Reichssilbermünzen für jeden Betrag in Zahlung genommen werden müssen und daß Nickel- und Kupfermünzen bis zu 5 M gesetzliches Zahlungsmittel sind. Reichskassenscheine sind bei allen amtlichen Kassen für ihren Nennwert in Zahlung zu nehmen. Im Privatverkehr findet ein Zwang zu ihrer Annahme nicht statt. Die amtlichen Kassen sind berechtigt (aber nicht verpflichtet), Reichsbanknoten in Zahlung zu nehmen; es ist jedoch beabsichtigt, die 1000 M-Reichsbanknoten von dem amtlichen Kassenverkehr in K. auszuschließen. Bei den Eingeborenen haben sich besonders die 1 M- und 1/2 M-Stücke und die 5 ? - Stücke eingeführt, 2 und 3 M-Stücke und 10 ?Stücke sind bei ihnen nicht beliebt. Für englisches und französisches Gold- und Silbergeld ist ein fester Kurs festgesetzt, zu dem sie von den öffentlichen Kassen des Schutzgebiets in Zahlung genommen werden; für 1 Pfd. Sterling 20 M und für 20 Franken 16 M. Die Einfuhr von Maria-TheresiaTalern und von Kaurimuscheln ist bei Strafe verboten. Da der Maria-Theresia-Taler aber noch weit verbreitet ist, sind die öffentlichen Kassen K.s ermächtigt worden, ihn bis auf weiteres ungefähr zu seinem Silberwerte, nämlich zum Preise von 1,50 M, anzunehmen. Die Bargeldeinfuhr erfolgt fast ganz für Rechnung des Gouvernements und besteht zum größten Teile aus Silbermünzen. Das in K. umlaufende Geld ist demnach hauptsächlich Silbergeld. In den Jahren 1911 und 1912 ist allerdings auch ein größerer Posten Papiergeld eingeführt worden. Ein Bankinstitut, das amtlich den Geldumlauf zu überwachen und zu regeln hätte, besteht in K. nicht. Die Deutsch-Westafrikanische Bank (s. d.) in Berlin, die eine Kolonialgesellschaft nach § 11 SchGG. ist und in Duala und Lome (Togo) Niederlassungen hat, besorgt den Geldverkehr im Innern und mit dem Auslande und die Zahlungsausgleichungen. Sie führt auch durch Vermittlung des Gouvernements Münzgeld ein, wenn das Bedürfnis dafür sich zeigt. Ihr Gesamtumsatz betrug im Jahre 1912 bei der Niederlassung in Duala rund 65 Mill. (1910 38 Mill.) M, die Zahl der Kontokurrent- und Depositenkonten war 450 (270). Neben diesen Bankinstituten besorgen auch die größeren Handelshäuser Bank- und Geldgeschäfte für den örtlichen Bedarf. S. a. Geld u. Geldwirtschaft und Banken.

14. Verwaltung. Die Verwaltung in K. wird durch das Gouvernement in Buea geführt (s. Tafel 77). An der Spitze dieser Behörde steht der Gouverneur, der dem Staatssekretär des RKA. unterstellt ist. Seine Befugnisse sind nicht einheitlich und zusammenfassend geregelt; sie beruhen vielmehr zum Teil auf Gewohnheitsrecht, zum Teil auf zahlreichen Einzelbestimmungen. Er ist nicht nur zum Erlaß von Verwaltungsverordnungen im engeren Sinne, sondern in bestimmten Grenzen auch zum Erlaß von Rechtsverordnungen befugt, die die Allgemeinheit binden. Er ist der oberste Inhaber der Polizeigewalt im Schutzgebiet und hat die oberste Leitung der ganzen Zivil- und Militärverwaltung. Die Schutztruppe ist ihm unterstellt. Er hat die Disziplinargewalt über die Beamten und Schutztruppenangehörigen. (Über Rang usw. s. Gouverneur.) - Zur Erledigung der Geschäfte der Zentralverwaltung steht dem Gouverneur eine Anzahl von Beamten zur Verfügung, die als "Referenten" die Geschäfte der einzelnen Verwaltungszweige führen. Eine besondere Stellung hat der "Erste Referent", der Direktorialgeschäfte versieht und der in Abwesenheit oder bei sonstiger Verhinderung des Gouverneurs in der Regel auch sein Vertreter ist. Am Gouvernement bestehen zurzeit 10 Referate. Während die Referenten und das übrige Beamtenpersonal dem Gouverneur nach dem Bureausystem nachgeordnet sind, steht ihm der Gouvernementsrat (s. d.) als beratendes Organ zur Seite. Er setzt sich aus dem Gouverneur, aus einer Anzahl von Schutzgebietsbeamten (amtlichen Mitgliedern) und einer Anzahl von Weißen des Schutzgebietes (außeramtlichen Mitgliedern) oder deren Stellvertretern zusammen. Die außeramtlichen Mitglieder, die vom Gouverneur nach vorheriger Anhörung der Berufskreise berufen werden, müssen in der Zahl von wenigstens 3 berufen werden. Sie müssen zahlreicher sein als die amtlichen Mitglieder, die gleichfalls der Gouverneur bestimmt. Den Vorsitz bei den Verhandlungen des Gouvernementsrats führt der Gouverneur. Die Vorschläge für den jährlichen Haushaltsetat und die Entwürfe der von dem Gouverneur zu erlassenden oder in Vorschlag zu bringenden wichtigeren Verordnungen sind dem Gouvernementsrat vor Einreichung an das Reichskolonialamt vor- zulegen. Er ist nur beratendes Organ; das Gouvernement ist an seine Vorschläge nicht gebunden. - Der Zentralverwaltung ist die örtliche Verwaltung unterstellt. Ihre Einrichtung ist in K. noch nicht abgeschlossen. Sie ist von der fortschreitenden Erschließung des Landes abhängig und daher bei dem ver- schiedenen Stande der Erschließung in den einzelnen Gebieten nicht einheitlich. Es ist zu unterscheiden zwischen Zivil- und Militärverwaltung. Die Zivilverwaltung wird fortschreitend in den Gebieten eingerichtet, die als befriedet angesehen werden und eine gewisse Gewähr für eine ungestörte wirtschaft- liche und politische Weiterentwicklung bieten; das sind naturgemäß die der Küste zunächst liegenden oder durch Eisenbahnen oder Schifffahrtswege erschlossenen Gebiete. Die in diesen Gebieten errichteten Zivilverwaltungsbezirke werden je nach ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und Größe und nach dem in Stande ihrer Erschließung von einem Bezirksamtmanne (zurzeit in Duala, Kribi, Victoria, Edea, Jaunde, Lomie, Ebolowa, Jabassi und Ossidinge) oder einem Bezirksleiter (zurzeit in Johann-Albrechts-Höhe, Banjo, Ukoko, Dschang, Ikelemba, Bare, Jukaduma) geleitet. Von diesen durch selbständige Bezirksleiter verwalteten Bezirken sind die Unterbezirke zu unterscheiden, die in einzelnen Bezirken zur weiteren Dezentralisierung der Verwaltung errichtet worden sind. Ihre Leiter unterstehen zunächst dem Bezirks- amtmanne. Die örtlichen Verwaltungsbehörden verfügen über das für den Geschäftsgang nötige Unterpersonal und zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Sicherheit in ihren Bezirken über eine Abteilung Polizeitruppe. Das Personal der Polizeitruppe bestand im Jahre 1912 aus 27 Weißen (Reichsangehörigen), und 1155 Farbigen. -Die Militärverwaltungsbezirke unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Stellung gegenüber dem Gouvernement und der Verwaltungsbefugnisse ihrer Leiter in nichts von den Zivilverwaltungsbezirken. Der einzige Unterschied besteht darin, daß der Leiter der Schutztruppe angehört und gleichzeitig militärische Funktionen hat. Der größte Teil des der Küste ferner liegenden Hinterlandes ist politisch und wirtschaftlich noch nicht soweit erschlossen, daß die Besetzung durch die der Zivilverwaltung zur Verfügung stehende Polizeitruppe die dauernde Ruhe und Sicherheit genügend gewährleisten könnte. Dieses Hinterland wird daher noch durch die militärisch besser geschulte Schutztruppe besetzt gehalten. Zurzeit besteht Militärverwaltung in den Bezirken Bamenda, Dume, Mittel-Sanga-Lobaje, Ober-Sanga-Uam, Ober-Logone, Iwindo und Wolö-Ntem. In militärischen Angelegenheiten unterstehen die einen Verwaltungsbezirk leitenden Offiziere dem Kommandeur der Schutztruppe, der seinerseits dem Gouverneur unterstellt ist, in Verwaltungsangelegenheiten dagegen unmittelbar dem Gouvernement. -Verschieden hiervon ist die Verwaltung in den sog. Residenturbezirken. Diese werden zwar zur Aufrechterhaltung der deutschen Schutzherrschaft und von Ruhe und Frieden auch von der Schutztruppe besetzt gehalten; die Verwaltung ist aber den einheimischen Machthabern überlassen geblieben, und die Verwaltungstätigkeit der Residenten, die in der Regel Offiziere sind, beschränkt sich auf die politische Vertretung der deutschen Macht, die Überwachung der Verwaltungstätigkeit der einheimischen Machthaber und auf die An- gelegenheiten, die Weiße betreffen. Zurzeit bestehen 3 Residenturen, Garua, Mora und Ngaundere. - Das Personal der K.er Schutztruppe bestand im Jahre 1912 aus 175 Weißen (Reichsangehörigen) und 1550 Farbigen, eingeteilt in 12 Kompagnien, davon eine, die 12., nur vorübergehend bewilligt. Der Kommandeur und Stab der Schutztruppe hat seinen Sitz in Soppo. Dem Kommando der Schutztruppe war bis vor kurzem auch die in Duala stehende Polizeistammkompagnie unterstellt. - Für die übrigen, neben der allgemeinen inneren Verwaltung bestehenden besonderen Verwaltungszweige - wie Finanz-, Zoll- und Medizinalwesen -, für Land- und Forstwirtschaft, für Bergbau und Verkehrswesen usw. stehen dem Gouvernement die erforderlichen technischen Beamten zur Verfügung. Diese technischen Verwaltungszweige sind zum Teil auch örtlich gegliedert, wie z.B. die Zollverwaltung. Zum größten Teil ist aber bei den örtlichen Verwaltungsbehörden eine scharfe Trennung zwischen diesen technischen Verwaltungszweigen und der allgemeinen Verwaltung nicht durchgeführt, so daß die Geschäfte der Finanz-, Zoll- und sogar der Postverwaltung auch oft durch die Beamten der allgemeinen Verwaltung mit wahrgenommen werden. Die Zollverwaltung wird in der Hauptsache durch technische Zollbeamte geführt. An den Hauptorten sind Hauptzollämter und Zollämter eingerichtet; daneben bestehen eine ganze Anzahl von Zollnebenstellen an der Küste und entlang der Nordwest- und der Ostgrenze. Das landwirtschaftliche Referat hat bisher eine ausgedehnte Tätigkeit entfaltet. Die Versuchsanstalt für Landeskultur in Victoria befaßt sich mit der Auf- zucht tropischer Nutzpflanzen, der Lieferung von Saat- und Pflanzengut, mit Versuchen zur Hebung der Plantagenwirtschaft, insbesondere des Kakao-, Kautschuk- und Ölpalmenbaues, mit Düngungsversuchen und wissenschaftlichen und technischen Untersuchungen in Laboratorien. (Über die landwirtschaftliche Schule und die Ackerbauschule in Dschang s. Dschang.) Die Sennerei in Buea, das Vorwerk Buea, die Viehzuchtstationen Dschang, Jaunde und Djuttitsa mit ihren Vorwerken sollen durch Reinzucht eingeführten Viehes, durch Abgabe reinrassiger Zuchtbullen und durch Kreuzung eingeführter Rassen mit dem einheimischen Rind der Hebung der einheimischen Viehbestände dienen. In Golombe ist ein Gestüt errichtet worden. Zur Hebung und Organisierung der Kautschukausfuhr ist die Kautschukinspektion mit den Kautschukkulturstationen Sangmelima, Akonolinga, Dume und Dscha-Posten errichtet worden, wo Kautschukpflanzen aufgezogen und an Eingeborene verteilt und die Eingeborenen von Sachverständigen in der Anzapfung und Aufbereitung des Kautschuks unterrichtet werden. In den Landschaften Bamum und Adamaua sind seit 1911 landwirtschaftliche Sachverständige beschäftigt, um für die Einführung des rationellen Baumwollbaus in diesen Gebieten die nötigen Vorarbeiten zu erledigen. Es sind von ihnen Versuchsstationen in Kuti und Tittog eingerichtet worden. Außer diesen besonderen landwirtschaftlichen Einrichtungen sind den örtlichen Verwaltungsbehörden auch in Duala, Edea, Bare, Yoko, Bamenda, Garua besondere landwirtschaftliche Sachverständige zugeteilt worden, um die auf diesen Stationen eingerichteten Versuchsfelder und -gärten zu besorgen. Im Jahre 1912 wurde in Nomajos (Bezirk Jaunde) eine Versuchsstation für Eingeborenenkultur errichtet; ferner wurde eine Inspektion für Ölpalm- und Kakaokultur geschaffen. Für die Hebung des Forstwesens stehen 2 höhere Forstbeamte und das nötige Unterpersonal zur Verfügung. Die Medizinalverwaltung hat in den meisten Verwaltungsstationen Regierungs- oder Militärärzte stationiert, denen neben der ärztlichen Praxis in den Stationen die Medizinalverwaltung der einzelnen Bezirke obliegt. Zur Bekämpfung der Pocken sind mehrere Lymphegewinnungsstationen, so in Bamenda, Banjo, Dschang, Garua, Kusseri, Jaunde und Duala, errichtet worden. Als Erfolg der systematischen Pockenbekämpfung konnte festgestellt werden, daß in den letzten Jahren nur wenige vereinzelte Fälle von Pocken vorgekommen sind. Zur Bekämpfung der Schlafkrankheit ist mit der Errichtung von Sammellagern begonnen worden Für die nächste Zeit ist eine sehr erhebliche Vermehrung des ärztlichen Personals und die Anlage mehrerer neuer Sammellager geplant. Für die in Duala eingerichtete Fleischbeschau und die Erforschung und Bekämpfung der Tierkrankheiten stehen auch einige Tierärzte zur Verfügung. Die Postverwaltung untersteht nicht dem Gouvernement, sondern unmittelbar dem Reichspostamt. Die Postverwaltung wird durch das Postamt in Duala geführt, dem die übrigen Post- und Telegraphenstationen unterstellt sind. Auch die Geschäfte der Postverwaltung werden aber nicht auf allen Stationen von besonderen Postbeamten, sondern zum Teil auch von Beamten der allgemeinen Verwaltung wahrgenommen.

15. Rechtsprechung.In der Rechtsprechung ist sowohl beim formellen wie beim materiellen Rechte und bei der Gerichtsverfassung zwischen Weißen- und Farbigenrechtsprechung zu unterscheiden. - In der Weißenrechtsprechung ist die Trennung zwischen Rechtsprechung und Verwaltung grundsätzlich durchgeführt. Soweit Verwaltungsbeamte als beauftragte Richter einzelne richterliche Geschäfte, wie Beweiserhebungen, wahrnehmen, wird dies durch die besonderen Verhältnisse und die großen Entfernungen im Schutzgebiete notwendig gemacht. K. ist in 3 Gerichtsbezirke eingeteilt: Duala, Kribi und Lomie. Die erste Instanz wird durch den Bezirksrichter und durch das Bezirksgericht gebildet. Der Bezirksrichter als Einzelrichter hat in Zivilsachen die Zuständigkeit der heimischen Amtsgerichte, in Strafsachen die der Schöffengerichte. Das Bezirksgericht hat in der Besetzung mit dem Bezirksrichter und 2 Laienbeisitzern in Zivilsachen die Zuständigkeit der Landgerichte, in Besetzung mit dem Bezirksrichter und 4 Laienbeisitzern in Strafsachen die Zuständigkeit der Strafkammern und der Schwurgerichte. Zweite Instanz ist das Obergericht in Buea, das zugleich für Togo Obergericht ist. In der Besetzung mit dem Oberrichter und 4 Beisitzern ist es Beschwerde- und Berufungsinstanz in Strafsachen und Zivilsachen gegen die Entscheidungen der Bezirksrichter und Bezirksgerichte. Eine dritte Instanz besteht augenblicklich noch nicht. Für das Prozeßverfahren und das materielle Recht der Weißenrechtsprechung gelten die dem bürgerlichen Recht angehörenden Vorschriften der Reichsgesetze und der daneben innerhalb Preußens im bisherigen Geltungsbereich des preußischen allgemeinen Landrechts in Kraft stehenden allgemeinen Gesetze und die dem Strafrecht und dem Strafprozeßrecht angehörenden Vorschriften der Reichsgesetze. -Während die Weißenrechtsprechung durch Reichsgesetz geregelt ist, ist die Farbigenrechtsprechung dem Verordnungsrecht vorbehalten. Die Gerichtsbarkeit über die Farbigen steht grundsätzlich den weißen Verwaltungsbehörden zu. Eine Trennung zwischen der Rechtsprechung und der Verwaltung besteht hier nicht. Soweit eine tatsächliche Verwaltung in K . noch nicht besteht, ist die Eingeborenenrechtsprechung den einheimischen Autoritäten überlassen. Aber auch da, wo schon eine geregelte Verwaltungstätigkeit eingerichtet ist, kann aus Zweckmäßigkeitsgründen die Befugnis zur Rechtsprechung den eingeborenen Autoritäten belassen oder besonders verliehen werden. Die Häuptlinge können zur Rechtsprechung als erste Instanz für ihren Dorfbezirk vom Bezirksamtmann ermächtigt werden, und zwar reicht ihre Zuständigkeit in Zivilsachen dann bis zu einem Streitwert von 100 M, in Strafsachen bis zu Strafen von 300 M oder 6 Monaten Gefängnis. Für die diese Zuständigkeit übersteigenden Zivil- und Strafsachen können als erste Instanz sog. "Eingeborenen-Schiedsgerichte" errichtet werden, die zugleich zweite Instanz für die Häuptlingssachen sind. Die Schiedsgerichte werden für größere, ethnographisch oder wirtschaftlich abgegrenzte Bezirke gebildet; ihre Mitglieder werden vom Bezirksamtmann ernannt. Höchste Instanz in der Eingeborenen-Rechtsprechung ist der Gouverneur. Er kann die Ausübung seiner letztinstanzlichen Befugnisse dem Oberrichter übertragen und hat dies für K. auch getan. Dadurch ist aber nichts an dem Grundsatze geändert, daß die Farbigenrechtsprechung den weißen Verwaltungsbehörden zusteht. Der Oberrichter handelt in diesem Falle nicht auf Grund seiner Richtereigenschaft, sondern im Auftrage des Gouverneurs. Soweit eine Verleihung der Eingeborenenrechtsprechung an Häuptlinge oder Schiedsgerichte nicht erfolgt, wird für die Farbigen durch die örtlichen Verwaltungsbehörden Recht gesprochen. Der Leiter des Bezirks (Bezirksamtmann, Bezirksleiter, Stationsleiter der Zivilverwaltung oder Bezirksleiter der Militärverwaltung) ist also erste Instanz, der Gouverneur oder in seinem Auftrage der Oberrichter zweite und letzte Instanz. Für das Prozeßverfahren und das materielle Recht in Eingeborenensachen gibt es kein kodifiziertes Recht. Die Eingeborenengerichte urteilen nach ihren Rechtsgewohnheiten. Die Weißengerichte wenden unter Berücksichtigung der Rechtsgewohnheiten der Eingeborenen und der besonderen Verhältnisse im Schutzgebiet die der Weißengesetzgebung zugrunde liegenden Grundsätze an. - Für die Mischprozesse richtet sich die Zuständigkeit nach der Rassenzugehörigkeit des Beklagten. Ist der Beklagte ein Weißer, so ist das Gericht des Weißen, ist er ein Farbiger, so ist der Richter des Farbigen zuständig, und zwar im letzteren Falle immer der weiße Eingeborenenrichter, auch wenn Häuptlings- oder Schiedsgerichte bestehen. An Orten, wo ein Bezirksrichter tätig ist, wird jedoch tatsächlich auch dieser Teil der gemischten Gerichtsbarkeit durch den Bezirksrichter wahrgenommen. Es ist aber auch hier daran festzuhalten, daß der Bezirksrichter in diesem Falle nicht in seiner Richtereigenschaft tätig wird, sondern als Beauftragter des Bezirksleiters. Materiell ist in diesen Mischprozessen der richtige Ausgleich zwischen den Rechtsanschauungen der Eingeborenen und den Grundsätzen des Weißenrechtes zu finden. In Neu-K. hat bisher für die Weißenrechtsprechung kein Gericht seinen Sitz gehabt. Die abgetretenen Gebiete haben zu den Gerichtsbezirken von Libreville, Bangui und Brazzaville gehört. Die deutsche Verwaltung hat einen Bezirksrichter in das Sanga-Gebiet entsandt. Sein Bezirk gehört vorläufig zu dem Gerichtssprengel Lomie. Er wird voraussichtlich in Nola seinen Sitz nehmen. Die Eingeborenen- Gerichtsbarkeit hat in Neu-K. ebenso wie in Alt-K. den Verwaltungsbehörden zugestanden.

16. Schulen. Für den Unterricht weißer Kinder bestehen zurzeit in K. noch keine öffentlichen Schulen. Bei der geringen Zahl der weißen Kinder hat sich ein Bedürfnis dafür bis jetzt noch nicht gezeigt. - Die Schulen für den Unterricht der eingeborenen Kinder zerfallen in Regierungsschulen und Missionsschulen. Zurzeit bestehen 4 Regierungsschulen, nämlich in Duala, Victoria, Jaunde und Garua. Im Jahre 1912 wurden in Duala in 6 Klassen 362, in Victoria in 6 Klassen 257, in Jaunde in 3 Klassen 160 und in Garua in 3 Klassen 54 Schüler unterrichtet. In den ersten 3 Schulen wird der Unterricht von weißen Lehrern gegeben, während in Garua 2 farbige Hilfslehrer tätig sind. Da die Schüler zum Teil von auswärts kommen, sind mit den Schulen Internate verbunden, in denen die auswärtigen Schüler untergebracht werden. Neben diesen Volksschulen hat die Regierung Handwerker- und landwirtschaftliche Schulen errichtet, nämlich in Buea eine Tischlerei, eine Polsterei und eine Druckerei, in Victoria im Anschluß an die Versuchsanstalt für Landeskultur eine landwirtschaftliche Schule, in der in einem dreijährigen Kursus Eingeborene zu landwirtschaftlichen Aufsichtsbeamten herangebildet werden. Bei der Aufnahme in diese Schule werden Absolventen der Volksschule bevorzugt. Auf der landwirtschaftlichen Schule in Dschang werden die Schüler, meist Häuptlingssöhne, in Landwirtschaft, Gärtnerei und Viehzucht, daneben auch in deutscher Sprache unterrichtet. Auf den Regierungsschulen werden nur Knaben unterrichtet. Die Regierung hatte früher auch eine Mädchenschule unterhalten. Diese Schule wurde jedoch vor einigen Jahren wieder aufgelöst, und der Unterricht der Mädchen wird jetzt ganz den Missionsgesellschaften überlassen. - Neben den Regierungsschulen entfalten die Missionsgesellschaften (s. u. Nr. 15) eine ausgedehnte Tätigkeit auf dem Gebiete des Unterrichtswesens. Während in den Regierungsschulen 1912 nur 833 Schüler unterrichtet wurden, waren es in den Missionsschulen 42000. Die Baseler Missionsgesellschaft unterrichtete im Jahre 1911 in 243 Dorfschulen 10522 Schüler und Schülerinnen, dazu kommen noch 233 Knaben in 5 gesonderten Knabenschulen und 273 Knaben in 3 Mittelschulen, 109 Mädchen in 2 gesonderten Mädchenschulen. Auf einem Gehilfenseminar wurden 55 Knaben zu Lehrgehilfen herangebildet. Die Baptistenmission unterrichtete in 5 Hauptschulen und 45 Volksschulen auf den Außenstationen im Jahre 1910 1755 Knaben und 78 Mädchen. In Duala hat sie ein Lehrerseminar errichtet. Die Presbyterianermission unterhält in Batanga, Efulen, Elat und Lolodorf 4 Knabenschulen und 4 Mädchenschulen und auf den Außenstationen 65 Dorfschulen. Sie hat im Jahre 1910 4680 Knaben und 370 Mädchen unterrichtet. Im Jahre 1911 ist die Zahl der Schüler auf 6975 gestiegen. Der Knabenschule bei Elat ist eine Schule für die Ausbildung von Predigern angegliedert. Die Pallottinerkongregation hat im Jahre 1910 in 16 Stationsschulen und 72 Außenschulen 5807 Knaben und 665 Mädchen unterrichtet. Im Jahre 1911 ist die Gesamtzahl auf 7000 gestiegen. Auch mit den Missionsschulen sind, soweit es notwendig ist, Knaben- und Mädcheninternate verbunden. Für das Unterrichtswesen in K. ist die Schulordnung vom 25. April 1910 (Amtsbl. für K. 1910 S. 125 ff) maßgebend, der ein Lehrplan beigegeben ist. Danach steht die allgemeine Schulaufsicht über alle Schulanstalten dem Gouverneur zu. Neben der im Schulort herrschenden Eingeborenensprache darf keine andere lebende Sprache gelehrt werden als die deutsche; jedoch darf die Duala- Sprache in den Schulen, in denen sie bei Erlaß der Schulordnung neben der im Schulorte herrschen den Eingeborenensprache als Unterrichtssprache eingeführt war, noch 3 Jahre lang beibehalten werden. Ein Schulzwang besteht nur für die Schüler, die ordnungsmäßig angemeldet worden sind. Die Missionsschulen, die bei der Verteilung der Schulbeihilfen berücksichtigt werden wollen, müssen ihren Unterricht nach dem Lehrplan des Gouverne- ments einrichten. Der Lehrplan regelt den Unterricht im Lesen, Schreiben, Rechnen, Zeichnen, in der deutschen Sprache, in den Anfangsgründen der Geschichte und in der Erd- und Naturkunde und sieht für diese Lehrgegenstände einen fünfjährigen Lehrgang vor. Die übrigen Lehrgegenstände, wie Religion, Musik, Turnen usw., sind der Bestimmung der Missionsgesellschaften überlassen. Die Missionsgesellschaften haben ihren Schulen zahlreiche Handwerker- und Landwirtschaftliche Schulen angegliedert, in denen vor allem Schreinerei, Schneiderei, Schusterei, Sattlerei, Ziegelbrennerei, Farmbetrieb und weibliche Handarbeiten gelehrt werden. In Neu-K. haben bisher französische Regierungs- oder Missionsschulen nicht bestanden. Die Konzessionsgesellschaften, haben das Recht gehabt, Eingeborenenschulen zu errichten. Eine solche Schule ist von der Compagnie forestière Sanga-Ubangi in Bania errichtet worden, in der etwa 50 Schüler vor allem in praktischer Arbeit unterrichtet wurden.

17. Missionen.Die christliche Mission, war in K. schon vor der deutschen Verwaltung tätig. 1845 errichtete die Baptisten-Missionsgesellschaft in London von Fernando Po aus ihre erste Niederlassung in Duala. Sie wurde von dort im Jahre 1858 von der katholischen Mission, die die Unterstützung, des spanischen Gouverneurs von Fernando Po hatte, verdrängt und verlegte ihren Sitz in die Ambas-Bucht, wo sie Victoria gründete. 1886 ging diese Niederlassung an die evangelische Baseler Missionsgesellschaft über. 1889 kam es aber zwischen den dortigen eingeborenen baptistischen Christen und der Baseler Missionsgesellschaft zum Bruch, da die baptistischen Christen sich den strengeren Forderungen der Baseler Missionsgesellschaft in der Frage der Sklaverei und der Vielweiberei und in anderen Fragen nicht anpassen wollten, und die eingeborenen baptistischen Christen sonderten sich als selbständige christliche Gemeinden von der Baseler Missionsgesellschaft ab. 1890 sandte die Missionsgesellschaft der deutschen Baptisten einige Missionare nach K., um diese selbständigen Gemeinden zu unterstützen. Es war aber auch diesen baptistischen Missionaren nicht möglich, mit den eingeborenen Baptisten zusammen zu arbeiten, wenn auch die Verbindung nicht vollständig abgebrochen wurde. Im Süden K.s wirkt seit 1885 die amerikanische Presbyterianermission, die sich schon im Jahre 1847 weiter südlich in Französisch-Gabun niedergelassen hatte und mit der Begründung der deutschen Herrschaft in K. ihre Tätigkeit auf dieses Gebiet ausdehnte (s. Mission, 2. evangelische und die einzelnen Missionsgesellschaften). - Die Katholische Mission wird durch das apostolische Vikariat K. mit dem Sitz in Duala geleitet. Bis vor kurzen war die katholische Mission nur durch die Pallottiner-Kongregation vertreten. Die Propaganda in Rom hat jedoch neuerdings der Genossenschaft der Priester vom Herzen Jesu, Missionshaus Sittard, einen Missionsbezirk im Norden K.s übertragen, der das ganze Adamaua- Gebiet von Kunde nordwärts bis zum 10° n. Br. und die angrenzenden Teile Neu- K.s umfassen. Solange der Norden des Schutzgebietes aus politischen Gründen für die Tätigkeit der Missionen noch nicht freigegeben werden kann, wirkt die neue Mission im Bezirke Bamenda, der zum Gebiet der Pallottiner Mission gehört (s. Mission, 3. katholische und die einzelnen apostolischen Vikariate und Missionsgenossenschaften). Die Tätigkeit der Missionen hat sich bisher hauptsächlich auf das Küstengebiet und das ihm zunächst liegende Hinterland beschränkt. Im Norden ist sie schon etwas weiter bis Bamenda und Bamum und im Süden bis Jaunde vorgedrungen. Der Norden des Schutzgebietes ist, wie vorstehend bereits angedeutet, für die Missionierung bisher noch nicht freigegeben worden, da die hier zu lösenden Fragen über die Beziehungen der christlichen Missionen zum Islam noch nicht genügend geklärt erscheinen. Neben der eigentlichen christlichen Missionierung entfalten sämtliche Missionsgesellschaften auch auf dem Gebiete des Unterrichtswesens (s.o. Nr. 16. Schulen), des Sanitätswesens, der Erforschung des Landes, der Bevölkerung und der Sprachen eine umfangreiche Tätigkeit. In Neu-K. ist, soweit bekannt, bisher noch wenig Missionstätigkeit ausgeübt worden. Es befindet sich lediglich im Munibezirk eine kleine Niederlassung der Söhne vom Heiligsten Herzen (Vikariat Gabun).

18. Geschichte. Geschichtliche Überlieferungen aus der älteren Zeit haben wir in K. selbst nur sehr wenige und auch diese nur von den hamitischsemitischen islamischen Staaten des Nordens. Im Beginn des Mittelalters wurden die Gobir durch den Druck der nördlich wohnenden Völker aus der Sahara, Air und Asben nach Süden in die Gegenden des Sudans gedrängt und gründeten die sieben echten Haussastaaten. Schon vor diesen Staaten, die im zentralen Sudan gegründet wurden, bestand wahrscheinlich das alte Kanem im Nordosten des Tsadsees, von hamitisch-semitischen Bardoa aus Vorderasien begründet. Dieses wurde frühzeitig mohammedanisch und eroberte das ganze Gebiet des Tsadsees nach langem Kampfe mit den Sso, die vorher im Süden des Tsadsees herrschten. Doch im 14.-15. Jahrh. wurden die Sefua, das seit langem regierende Herrschergeschlecht, durch die Bulala aus Kanem verjagt und auf die Gegend westlich des Tsadsees beschränkt, wo sie das Reich Bornu gründeten und, sich mit den Sso und den Negern mischend, zu den Kanuri (s.d.) wurden. In dieser Zeit wurden auch die Reiche Dar Fur und Wadai gegründet. Darauf kam von Westen, vom Senegal her, das Hirtenvolk der Fulbe (s. d.), die zuerst friedlich unter den anderen Völkern saßen. Erst am Anfang des 19. Jahrh. gründete der Scheich Othman dan Fodio ein großes Reich, das vom Niger bis zum Logone und bis nach Südadamaua reichte, mit Sokoto als Hauptstadt. Das Reich Bornu war zwar bestehen geblieben, aber seine Herrscher waren schwach und wenig energisch, aber die Mächte Sokoto und Wadai wurden immer kräftiger. Sokoto dehnte seine Eroberungszüge bis in die Schariländer aus, der Vasallenstaat Adamaua (s.d.) beherrschte den ganzen Norden des Hochlandes von Südadamaua. Nach Süden dehnten die Fulbe ihre Eroberungszüge bis zum Sanaga und weiter aus und verursachten bedeutende Völkerverschiebungen im Süden K.s. Im Norden zogen sich die bedrängten Heidenstämme, die teilweise größere Reiche gebildet hatten, so das Battareich mit der Hauptstadt Kokomi, in die Gebirgsmassive zurück, wohin die Fulbe ihnen mit ihren Pferden nicht folgen konnten. Im Jahre 1890 drang dann ein ägyptischer Bandenführer, Rabeh, von Osten aus in die Tsadseeländer ein und warf die alten Reiche Bagirmi und Bornu über den Haufen. Damit kommen wir aber in die Zeit der europäischen Entdeckungsreisen hinein, und die Kämpfe der europäischen Expeditionen gegen Rabeh haben gerade zur Erschließung dieser Gebiete beigetragen. - Die Entdeckungsgeschichte K.s gehört fast ganz der neuesten Zeit an. Aus ältester Zeit liegen nur 2 Berichte vor - der eine in den Geschichtsbüchern Herodots, der andere auf Erztafeln eines karthagischen Tempels -, die es wahrscheinlich machen, daß schon im Jahre 550 v. Chr. die Phönizier bei einer Umschiffung Afrikas und später 450 v. Chr. der Karthager Hanno an die Küste K.s gekommen sind. Aus den folgenden 2 Jahrtausenden liegt keine Kunde über dieses Land vor. Im Jahre 1484 segelte der Portugiese Cao auf der Suche nach dem Wege nach Indien zwischen dem K.berge und Fernando Po durch und ankerte in der Gegend des heutigen Victoria. Seit der Zeit zeigen zwar die Weltkarten, zuerst die Karte Martin Behaims, die charakteristische Linie der Biafra-Bucht in allgemeinen Umrissen, zu einer Besetzung oder Erforschung der K.er Küste hat diese Kenntnis in den nächsten Jahrhunderten aber nicht geführt. Die Niederlassungen der an der übrigen westafrikanischen Küste tätigen Kolonialmächte, zuerst der Portugiesen, dann der Holländer, Engländer, Spanier und Franzosen haben für sie nur als Stützpunkte des Sklavenhandels oder der Schiffahrt nach Indien Bedeutung gehabt. Für diese Zwecke war die K.-Küste durch ihre Lage in der innersten Ecke der Ausbuchtung, die die afrikanische Westküste bildet, wenig geeignet. Im 19. Jahrhundert nahm die Unterbindung des Sklavenhandels und die Ablenkung des asiatischen Verkehrs durch den Suezkanal den westafrikanischen Niederlassungen auch noch den Rest ihrer Bedeutung und veranlaßte die dort ansässigen Mächte teilweise zur Aufgabe ihrer Niederlassungen. Erst in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts gab die gewaltige Steigerung des Güterverbrauches und der Güterbewegung von allen Teilen der Erde nach den Handelszentren in Mitteleuropa den bisher als wenig wertvoll betrachteten westafrikanischen Gebieten eine neue Bedeutung. Die früher dort tätigen Kolonisationsmächte besetzten ihre alten Niederlassungen wieder, und Deutschland trat als neuer Bewerber hervor. Die Tätigkeit deutscher Kaufleute an der westafrikanischen Küste, ging der deutschen Besitzergreifung Kameruns voraus. Im Jahre 1862 schon hatte die Hamburger Firma Woermann in Französisch-Gabun eine Handelsniederlassung und in den nächsten Jahren weitere Niederlassungen in Lagos und Akkra und 1868 in Duala angelegt, und dieser ersten Niederlassung an der K.er Küste waren bald weitere deutsche und ausländische Firmen gefolgt. Der politische und kaufmännische Wettbewerb des Auslandes veranlaßte die deutschen Handelsinteressenten zu wiederholten Eingaben an die Reichsregierung, die noch freien Gebiete an der afrikanischen Westküste zu besetzen. Diese Eingaben hatten erst im Jahre 1884 Erfolg. Am 14. Juli 1884 hißte Nachtigal im Auftrage der Regierung in Duala die deutsche Flagge, nachdem dies einige Tage vorher schon in Lome (Togo) geschehen war. Das Küstengebiet nördlich und südlich von Duala wurde unter dem Widersprüche Englands unter deutsche Schutzherrschaft genommen. Es fand aber bald eine Einigung mit England und auch mit Frankreich statt, auf Grund deren die Küste von Kampo bis Rio del Rey unbestrittener deutscher Besitz wurde. - Das folgende Jahrzehnt diente der Ausdehnung der deutschen Hoheit in das Innere des Landes. Von diesem war zu jener Zeit wenig bekannt. Denn die ersten Forschungsreisen in unsere Kolonie gingen nicht von der Küste aus, wie man wohl annehmen möchte, sondern führten durch die Sahara ins Tsadseegebiet. Die Reisenden benutzten die großen Verkehrsstraßen, die von den Sudanreichen nach Tripolis führten. Im Jahre 1806 kam Hornemann von Tripolis bis zum Niger, wo er ermordet wurde. 1822 erreichten die Engländer Denham (s.d.), Clapperton und Oudney den Tsadsee. Dann kamen im Jahre 1851/52 die Reisen von Barth (s.d.) und Overweg; Barth drang bis Jola und bis zu den Tuburisümpfen vor. An die letzteren gelangte auch Vogel (s.d.). Durch die Reisen von Rohlfs (1865/67) und Nachtigal (s.d.) (1869/74) wurden die ganzen Tsadseeländer noch weiter bekannt. Flegel (s.d.) reiste 1879 den Benue hinauf und drang auf dem Hochland bis Ngaundere vor. Bis zum Nordrand des Plateaus war K. nach Süden bekannt, als im Jahre 1884 die Besitzergreifung erfolgte. - Damit begann ein neuer Abschnitt der Geschichte. Hatten die Reisen bisher in der Hauptsache wissenschaftlichen, nicht politischen Charakter, so kam es jetzt sehr darauf an, die Landesgrenzen des neu erworbenen Küstenstreifens gegenüber dem Wettbewerb der Nachbarn möglichst weit in das Innere vorzuschieben. An der Küste war man bis dahin überhaupt noch nicht weit vorgedrungen. Die einzigen Erfolge waren die Besteigung des K.berges durch Burton (s.d.) und Mann (1861/62), und nur der Pole Rogoczinsky (s.d). war 1883 bis zum Barombisee gelangt. Auch nach der deutschen Besitzergreifung gelang es einige Jahre lang nicht, über den Küstensaum - hinaus vorzudringen. 1885 erforschten Stubenrauch und Schuckmann das Kalabargebiet, Zöller (s.d.) den K.berg und den unteren Sanaga. Dann gelang es Zintgraff im Dienste der Kolonialverwaltung die Bakossiberge zu erreichen, ferner gründete er die Barombistation am Elefantensee 1888. Im selben Jahr noch erreichte er das Banjangland, aber erst 1889 gelang ihm der Durchbruch zum Grasland. Er erreichte Bali und zog nach Jola, von dort über das Bekomhochland zurückkehrend. 1890 wurde Baliburg gegründet. Im Süden gelang der Aufstieg aufs Plateau schon 1887, wo Kund (s.d.), Tappenbeck (s.d.) und Weißenborn den Njong und Sanaga entdeckten. 1889 wurde hier die Station Jaunde gegründet. Morgen (s.d.) entdeckte 1890 den Mbam und zog den Sanaga entlang zur Küste; im selben Jahre noch führte eine zweite Expedition ihn nach Joko, Tibati, Banjo und Ibi. Dieselbe Route fast führte 1891/92 Stetten (s.d.) und Hering nach Ngambe und von dort über Banjo nach Jola. Inzwischen waren die Franzosen von Osten und Westen in Mittel-K. eingedrungen und hatten überall Verträge abgeschlossen. De Brazza war vom Kongo aus den Ssanga hinaufgefahren, Mizon war vom Benue aus über Kunde und Gasa nach Bania marschiert, Maistre gelangte vom Ubangi zum Schari und von dort nach Lai, Lame und Garua. So war es höchste Zeit, daß 1893 die Expedition von Uechtritz (s.d.) und Passarge (s.d.) von Garua aus nach Bubandjidda, Marua und Ngaundere vorstieß und überall Verträge abschloß. Diese Vorgänge führten 1893 und 1894 zu Verträgen mit England und Frankreich, in denen die deutsch- englische Grenze bzw. die deutschfranzösische Grenze festgelegt wurde und damit zur Anerkennung des Kameruner Hinterlandes als deutsches Schutzgebiet von annähernd der Größe Deutschlands. Es folgte nun zunächst bis 1898 eine Zeit der Ruhe, in der man sich darauf beschränkte, die in Besitz genommenen Gebiete in Verwaltung zu nehmen. Neue Vorstöße, die häufig mit Kämpfen verbunden waren, setzten seit 1898 wieder ein. Der östliche Süden des Schutzgebietes wurde vom Kongo-Ssanga her durch Plehn im Jahre 1899 erschlossen. Seine Arbeit setzten in den folgenden Jahren Frhr. v. Stein und Scheunemann fort; ersterem gelang die Überwindung des breiten menschenleeren Urwaldgebietes, das den Südosten des Schutzgebietes von der Küste trennt. Die Buli, im Hinterland der Südküste wurden, nachdem sie 1900 Kribi überfallen hatten, durch v. Bülow unterworfen. Die Wute, die 1899 durch v. Kamptz bereits unterworfen worden waren, wurden 1905 durch Dominik befriedet. Besonders schwere Kämpfe verursachten in den Jahren 1905 bis 1907 die Bewohner des oberen Njong und Dja; aber erst 1910 wurden hier die Maka, ebenfalls durch Dominik, endgültig unterworfen. Die Keaka und Ekoi am Kreuzfluß bekämpfte 1900 bis 1903 v. Besser und später, 1904, als sie sich wieder erhoben, mit dauerndem Erfolge Mueller, der 1905 auch die Stämme des Manengubagebirges unterwarf. Die Bangwa wurden 1903 zur Botmäßigkeit gebracht, in den folgenden Jahren, hauptsächlich durch Glauning, die zum Bezirke Bamenda gehörigen Stämme. Von hervorragender Bedeutung war die Besetzung des Adamaua- und Tsadseegebietes. Hier hatten 1900 die Franzosen auf deutschem Gebiete den Eroberer Rabeh, der im Herzen des Sudan ein mächtiges Reich gegründet hatte, entscheidend geschlagen. Sollte das Ansehen des Deutschen Reiches dort nicht verloren gehen, so mußte eine Besetzung der Gebiete deutscherseits erfolgen. Diesem Zwecke dienten die Züge von Cramer v. Clausbruch, Dominik, v. Bülow, Rathke und Pavel, die teilweise gefährliche Kämpfe mit dem Sultan von Jola, der von den Engländern aus seiner Residenzstadt vertrieben worden war, zu bestehen hatten. Nachdem dieser 1902 bei Marua geschlagen worden war, wurde das Tsadseegebiet dauernd besetzt. Die Unterwerfung und Befriedung des Landes hat sich im allgemeinen ohne größere Störungen und ohne erhebliche Rückschläge, wie sie in Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Südwestafrika eingetreten sind, vollzogen. Die Stellung des Gouverneurs wurde nach der vorübergehenden Verwaltung durch Dr. Buchner (s.d.), den Nachtigal mit seiner Vertretung beauftragt hatte, eingenommen durch Frhr. v. Soden (s.d.), v. Zimmerer (s.d.), v. Puttkamer (s.d.), in dessen Verwaltungszeit (1895-1906) hauptsächlich die Erschließung des Schutzgebietes fällt, dann Dr. Seitz (s.d.), Dr. Gleim (s.d.) und (seit März 1912) Ebermaier (s. d.).- Die Grenze des Schutzgebietes gegen die englische Kolonie Nigerien ist durch ein Abkommen vom 11. März 1913 festgelegt worden, das auch über die Schiffahrt auf dem Kreuzfluß er- leichternde Bestimmungen enthält. Die Süd- und Ostgrenze des Schutzgebietes gegen Fran- zösisch- Äquatorialafrika wurde durch ein Abkommen vom Jahre 1908 genau festgelegt. Inzwischen hat diese Grenze durch das deutsch französische Abkommen vom 4. Nov. 1911 ihre Bedeutung verloren. K. hat durch das Abkommen im Süden und Osten gegen Abtretung des Dreiecks zwischen Logone und Schari und gegen die im Marokko-Abkommen enthaltenen Zugeständnisse eine Vergrößerung ungefähr um die Hälfte seiner Fläche erfahren. Die neuen Gebiete sind deutscherseits zum größten Teil am 1. Oktober 1912, zum kleineren Teil am 1. Januar, 1. April und 1. Juni 1913 in Besitz und Verwaltung genommen worden. Die neuen Grenzen werden durch eine gemischte Kommission festgelegt. Die Grenze zwischen K. und Spanisch-Guinea ist noch nicht in natura festgelegt. S. Erwerbung der deutschen Kolonien 3 und Gre nzfestsetzungen.

Meyer.

Literatur: Denham and Clapperton, Narrative of Travels and discoveries in North and Central Africa. Lond. 1828. - H. Barth, Reisen und Entdeckungen in Nord- und Zentralafrika in den Jahren 1849-53. Gotha 1857-59. Rohlfs, Reise durch Nordafrika vom Mittelländischen Meer bis zum Busen von Guinea 1865-67. Petermanns Mitteilungen, Ergänzungsheft. Gotha 1873. - Nachtigal, Sahara u. Sudan. Berl. 1879-89. - Buchholz, Reisen in Westafrika. Lpz. 1880. - Morgen, Durch Kamerun von Süd nach Nord. Berl. 1893. Zintgraff, Nordkamerun. Berl. 1895. - Passarge, Adamaua. Berl. 1895. - Dominik, Kamerun. Berl. 1901. -Dominik, Vom Atlantik zum Tsad. Berl. 1908. -Hutter, Wanderungen u. Forschungen im Nordhinterland von Kamerun. Braunschweig 1902. - M. v. Oppenheim, Rabeh u. das Tsadseegebiet. Berl. 1902. Bauer, Die Benue-Niger-Expedition. Berl. 1904. - Esch, Solger, Oppenheim u. Jaeckel, Beiträge zur Geologie von Kamerun. Stuttg. 1904. Lenfant, La grande route du Tchad. Paris 1904. -Edlinger, Beiträge, zur Geologie und Petrographie von Adamaua. Braunschweig 1908. Mansfeld, Urwalddokumente. Berl. 1908. Marquardsen, Der Niger-Benue. Berl. 1908. -Ritter, Neukamerun. Berl. 1912. - Das deutsche Kolonialreich, Bd. I. Lpz. 1909.