Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 219

Kamerunästuar (s. Tafel 75), breite, am Eingang eingeschnürte, sechslappige Bucht im innersten Winkel der Bai von Biafra im Südosten des Kamerunberges auf 4° n. Br. Das K. stellt das Mündungsgebiet von einer Anzahl kleinerer Küstenflüsse dar, so des Mungo von Nordwesten, Wuri und Dibamba von Nordosten, Ndonga von Südosten. Der Mungo bildet bei seiner Mündung ein ausgedehntes Delta, dessen westlichster Arm, Bimbia, sich am Fuß des Kamerunberges ins Meer ergießt. Nach Süden bilden die beiden Hauptarme die Mokuschu- und Modeakabucht. Die äußerste Südostspitze des Deltas ist Kap Kamerun. Zwischen den schlauchförmigen Mündungen des Wuri und Dibamba schiebt sich die Malimbaspitze. Die beiden südlichen Buchten heißen Manoka- und Malimbabucht. Die lange, schmale und sandige Suellabalandzunge schiebt sich von Süden her vor das Ästuar. Die Tiefen sind gering, meist unter 5 m. Eine 10 m-Rinne erstreckt sich im Bogen von der Mündung nach Südosten und läßt den Schluß zu, daß hier ehemals der wasserreiche Sanaga mündete, der noch jetzt durch das Kwakwa-Creek mit der nördlichen Manokabucht in Verbindung steht. Tiefen von mehr als 20 m im Mündungsgebiet des Mungo sind auf Sackungen des weichen Schlammbodens oder auf die ausräumende Kraft der Gezeitenströmungen zurückzuführen. Das K. liegt ganz in jungen Flußalluvien eingebettet, nur die Jossplatte zwischen Wuri und Dibamba, auf der Duala liegt, besteht aus älteren Rotlehmen und erhebt sich 10 m über den Flutspiegel. Die niederen Sumpfufer sind von Mangrovedickicht bedeckt. Vor der Mündung lagern unterseeische Sandbänke, die eine Gefahr für die Schiffahrt bilden. Das K. bildet einen ausgezeichneten Hafen für eine ganze Flotte, ist aber nicht frei von gefährlichen Tornados. - Die bedeutendsten Orte sind Duala am linken und Bonaberi am rechten Ufer des verbreiterten Wuri, beide jetzt Endpunkte von Eisenbahnen. Erholungsbedürftige Weiße suchen die trockene und gesunde Suellabaspitze auf, wo sich ein Sanatorium befindet.

Passarge-Rathjens.