Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 219

Kamerunberg (s. Tafel 75 u. 77). Der K. erhebt sich im innersten Winkel der Bai von Biafra, nördlich vom Kamerunästuar (s.d.) und bildet einen völlig isolierten Gebirgsstock. Er ist vulkanischen Ursprungs und noch jetzt in Tätigkeit, wie der Ausbruch vom 26. April 1909 lehrte, der mit Lavaergüssen und einem Erdbeben verbunden war, das die Gouvernementsgebäude in Duala beschädigte. Auch schwefelhaltige heiße Quellen lassen auf den Zustand im Innern schließen. Die Grundmasse des K. ist Basalt, er ist bis zu halber Höhe mit Lavaströmen und gewaltigen Tuffmassen umgeben. Er bildet einen ungefähr 1000 m hohen Sockel, von dem schroff der Gipfel des Etinde, 1715 m hoch, emporragt, dessen Gestalt mit dem Matterhorn verglichen wird. Das ist der kleine K. Von der ersten Stufe geht es auf eine zweite ca. 2200 m hohe Stufe hinauf und dann in sanfterer Böschung zum Fako oder großen K. mit 4070 m Höhe. Zwischen beiden Hauptgipfeln erheben sich eine große Anzahl parasitärer Krater. Wahrscheinlich ist der Etinde der erste Eruptionsherd gewesen, der von den Atmosphärilien stärker angegriffen und zugespitzt worden ist, als der jüngere Fako. Dieser ist auch erloschen, sein Kraterrand besonders nach Süden stark zerstört, so daß er Hufeisenform zeigt. Auf der weniger steilen Ostböschung des Fako erheben sich der Robert-Meyer-Krater und der jüngste 1909 entstandene Okotikrater. - Die Ausbruchsstellen des K. liegen auf einer Linie von Südsüdwest nach Nordnordost, entsprechend der Längsachse des Vulkanmassivs. Auf dieser Linie ist die vulkanische Tätigkeit von Westen nach Osten vorgeschritten. In folge seiner Höhe und isolierten Lage bildet der K. eine klimatische Insel. Sein Gipfel steht unter dem Einfluß des Nordostpassats, der relativ starke Abkühlung und geringe Niederschläge bringt. Da die letzteren aber in dem porösen vulkanischen Gestein versinken, so ist der Gipfel sehr arm an Quellen. Die Mannsquelle in 2260 m Höhe am Westabhang, die Mann bei der Erstbesteigung im Jahre 1862 entdeckte, ist die letzte wichtige Station. Hier am Austritt der Quellen, also in ungefähr 2200 m Höhe, beginnt der Urwald, während oberhalb offenes Grasland herrscht. Der untere Teil des K. steht unter dem Einfluß regenreicher Seewinde und erhält starke Niederschläge, die in Debundja ein Maximum von 1011 m im Jahre erreichen. Schneebedeckung des Gipfels tritt nur vorübergehend auf. Vom K. strömen nach allen Seiten starke Gebirgsbäche herab, die aber infolge ihres Gefälles ohne Bedeutung sind. - Die Küstengestaltung am Fuße des K. zeigt vorspringende Kaps und dazwischen liegende sanft geschwungene Buchten. Die Kaps stellen die Spitzen von alten Lavaströmen dar, die der Meeresbrandung mehr Widerstand geleistet haben als die weichen dazwischenliegenden Tuffe. Bibundi und Debundja liegen in einer solchen Bucht, die nach Süden durch das Kap Debundja abgeschlossen wird. Die Ambasbucht mit der Stadt Victoria dagegen ist ein alter, durch die Brandung zerstörter Kraterring. Zwischen Kap Nachtigal und Kap Bimbia folgt dann noch Kriegsschiffhafen. Bei Victoria liegt ferner Kakaohafen. - Der Stamm der Bakwiri (s.d.) hat seine Wohnsitze auf den Hängen des K., er unterwarf sich erst nach langen Kämpfen. - An den nördlichen Abhängen bis in die Tiefländer am Rio del Rey wohnen die Bambuko, am schroffen Westabhang haben sich einige kleine Stämme unabhängig erhalten. Auf der 1000 m-Terrasse des K. liegt Buea (s.d.), Sitz des Gouverneurs, mit kühlem, feuchten aber relativ gesundem Klima. Hierher wurde mit gutem Erfolg Algäuer Vieh eingeführt. Um den Südfuß des K. ziehen sich Plantagen, die durch eine Eisenbahn mit Kakaohafen verbunden sind. In 700 m Meereshöhe liegt die Militärstation Soppo.

Passarge-Rathjens.