Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 224

Kanuri, Volksstamm in Kamerun im Süden und Südwesten des Tsadsees. Sie sitzen nur zum kleinsten Teil auf deutschem, in der Mehrzahl auf englischem Boden und bilden die Hauptmasse der Bevölkerung des alten Bornureiches (s. Bornu). -Die K. sind ein Mischvolk aus vorderasiatischen Stämmen, Teda und Negern, tragen mohammedanische Kleidung und bekennen sich zum Islam. Ihre Sprache ist ein Gemisch asiatischer und Sudansprachen (s.d.). Im Äußern gleichen sie mehr den Negern, sind aber häufig von ziemlich heller Hautfarbe und schlankerem Körperbau. Die Männer haben Ziernarben auf den Wangen. Sie wohnen in festen Städten und haben im Norden viereckige Häuser mit einem Obergeschoß, im Süden ausschließlich Kegeldachhütten. Die K. sind fleißige Ackerbauer und Pflanzen Hirse, Baumwolle, Weizen und etwas Reis. Ihre Viehzucht erstreckt sich auf Rinder, die als Pack und Reittiere benutzt werden, Pferde, Esel, Ziegen, Schafe und Geflügel. Außerdem sind sie Handwerker und Händler, verstehen Färberei und Weberei und vertreten in Adamaua zusammen mit den Haussa den Mittelstand. Neuerdings wandern viele von ihnen nach Adamaua. ein. Die wichtigste Stadt der K. auf deutschem Gebiet ist Dikoa.

Passarge-Rathjens.