Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 232

Kapok (s. Tafel 74), Wollhaare aus dem Innern der Früchte verschiedener Gattungen aus der Familie der Bombacaceen, insbesondere der C. pentandra (L.) Gärtn. (Der malaiische Name dieses Baumes "Kapok" ist allgemein auf das Produkt der kapokliefernden Gewächse übergegangen.) - Stammpflanzen (vgl. Ulbrich). Außer C. pentandra kommen vorläufig für die deutschen Kolonien nur einige Bombaxarten in Betracht: 1. C. pentandra (Eriodendron anfractuosum, "Seidenbaumwollbaum" oder schlechthin "Baumwollbaum", engl. "Silk-cotton-tree"), wahrscheinlich aus dem tropischen Amerika stammend, ein mächtiger Urwaldbaum Kameruns, auch in Togo an leuchtgründigen Standorten häufig. In Deutsch- Ostafrika und Togo in Kultur genommen; in Deutsch-Neuguinea ist die Kultur als unrentabel wieder aufgegeben. Liefert bei weitem die Hauptmenge des Handelskapoks. In der Jugend von ausgesprochenem Etagenwuchs und an Stamm und Ästen der wilden Bäume mit dichtem Stachelpanzer bekleidet, der den Kulturformen allmählich verloren gegangen ist (vgl. Busse); ausgewachsen bis über 60 m hoch werdend, mit am Grunde in riesige Plattenwurzeln auslaufendem Stamm (Busse). In der Kultur (Bley, Bruck) niedriger gehalten. Zahlreiche Kulturformen, - 2. Bombaxarten und zwar: B. malabaricum Di. im Monsungebiet, B. buonopozense P. B., B. angulicarpum Ulbr., B. flammeum Ulbr., B. Buesgenii Ulbr., sämtlich in Kamerun und Togo und B. rhodognaphalon K. Schum. in Deutsch-Ostafrika. Bisher nirgends kultiviert. Bei sämtlichen in Betracht kommenden C.- und B.- Arten bildet die Frucht eine holziglederige oder holzige Kapsel, auf der Innenwandung mit langen, je nach Sorte schneeweißen bis grauen, oft seidenglänzenden Haaren (Kapok) ausgekleidet. Die Kapseln einiger Arten springen schon am Baum auf, bei anderen Fallen sie geschlossen ab. Letzteres ist vorteilhafter, da der Kapok leichter und reiner gewonnen werden kann. Die Samen liegen lose in der Wolle und lassen sich leicht entfernen. Für die Anzucht von Ceiba pentandra werden vorzugsweise Stecklinge verwendet, da diese gewisse Merkmale, z. B. die Stachellosigkeit sicherer vererben als Samen. - Schädlinge und Krankheiten: Für die Kultur in den Kolonien noch nicht von Bedeutung geworden (vgl. Bruck). - Verwendung: In erster Linie als Füllmaterial für Kissen, Matratzen, Schwimmgürtel und andere Rettungsgeräte in See- und Luftschiffahrt. Neuerdings auch mit Baumwolle zusammen versponnen. Der Verbrauch nimmt auch in Deutschland sichtlich zu, und für den Absatz ergeben sich immer bessere Aussichten. Nebennutzungen (Holz, Samen usw.) vgl. Mücke, Ulbrich. - Ausfuhr aus den deutschen Kolonien 1912. Deutsch- Ostafrika: rund 53 000 kg im Werte von 62 600 M; Togo: rund 7000 kg im Werte von 7100 M. S.a. Wollbaum.

Literatur: Busse in Ber. d. Deutsch. Pharmazeut. Ges. 1905 Tal. II. - Ders., in Vegetationsbilder, herausg. v. Karsten u. Schenck IV. Reihe, Heft 2, Jena 1906. -Ders., Ebenda, Heft 5. - Mücke in "Pflanzer" IV, 1908 S. 289 ff. - Bley, De Kapokcultuur op Java, Ned. Ind. Landbouw-Syndikaat, Soerabaya 1911. - Bruck, Beih. zum Tropenpfl. 19,12 Heft 5. - Gaisser in Mitt. a. d. d. Schutzgeb. XXV, 1913 S. 286. - Ulbrich in Notizbl. Bot. Gart. u. Mus., Berl. Nr. 51 (Lpz. 1913). - DerseIbe in Englers Botan. Jahrb. 41 (1913) S. 516. -Tropenpflanzer 1911, S. 105, 272, 576. - Schwalbe u. Troeltzsch, Beiträge zur Kenntnis der Kapokfaßer, Tropenpflanzer 1913.

Busse.