Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 234

Karagwe, etwa 9800 qkm große Landschaft des Zwischenseengebietes (s.d.) von Deutsch-Ostafrika, die im W und N vom Kagera (s.d ) begrenzt wird. Nach O bildet die natürliche Grenze von K. gegen Uheia (im weiteren Sinne, s. d.) ein 400-500 m hoher Steilabfall, eine Bruchstufe, die politische reicht hier bis zum Burigisee und Muischa, in die Mitte des Grabens von Nieder- Ihangiro (s.d.), im N noch weiter ostwärts. Das von N nach S gerichtete Laufstück des Kagera liegt zum größten Teil in einem Graben mit vielen Seen. So ist K. eine im Durchschnitt 1500 m hohe, vielfach auf 1700 m ansteigende, im einzelnen wohl noch vielfach zerstückelte Scholle. S-N ist die herrschende Richtung auch in den kleineren Tälern. Das Land ist aufgebaut aus den Schichten der Zwischenseenformation (s. Zwischenseengebiet), Quarziten und Tonschiefern. Die letzteren geben fruchtbare Verwitterungsböden. Die heißen Quellen von Mtagata im nördl. K. dürften auch mit einer etwa in der NS-Richtung verlaufenden Störung zusammenhängen. Ihre Temperatur betrug 1907: 53,5° C. Das mild alkalische Wasser wird von den Eingeborenen fleißig benutzt. Die Regenmengen von K. dürften im Durchschnitt 1000 mm nicht viel übersteigen. Kagondo aber am Ostfuß der K.scholle, noch innerhalb der politischen Grenzen von K., hat 1578 mm. Steppenvegetation aller Art bedeckt den größten Teil des Landes, in der Hauptsache Grassteppe, diese besonders auf den Höhen, daneben Hochgebirgsbusch, in den Tälern xerophile Gehölze. An den Flüssen herrscht Sumpfgrasvegetation mit viel Papyrus und dichter Busch; ganz im N von K. findet sich etwas Waldland. Auch die Fauna ist die der Steppe. Als besonders häufig wird das Nashorn genannt. Die Bewohner gehören zum Bantustamm der Wanjambo (s.d.). Sie sind Ackerbauer und werden von hamitischen Wahuma (s.d.) beherrscht. Die Zahl der Bewohner von K. beträgt etwa 25000, was einer Dichte von nur 2-3 entspricht und im Verhältnis zu den natürlichen Hilfsquellen sehr wenig ist. Angebaut werden hauptsächlich Bananen, Bohnen, Eleusine, Sorghum, Erdnüsse. Der Viehstand ist geringer als sonst im Zwischenseengebiet. Große Teile von K. eignen sich für europäische Farmwirtschaft. Der Sultansitz ist Weranjanje.

Literatur: N. Weiß, Die Völkerstämme im Norden D.O.s, Berl. 1910. - E. F. Kirschstein, Die heißen Quellen von Mtagata in Karagwe, Z. Ges. f. Erdk. Berl. 1910. -Ferner S. Ihangiro.

Uhlig.