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Karolinen. 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Klima. 3. Pflanzenwelt. 4.
Tierwelt. 5. Eingeborenenbevölkerung. 6.
Geschichte und Verwaltung. 7.
Entdeckungsgeschichte.
1. Lage- und Bodengestaltung. Die K. umfassen alle Inseln zwischen 137°
bis 164° ö. L. und 4° bis 10° n. Br., mit Ausnahme von Ujelang, das den Marshallinseln zugerechnet wird, außerdem
zählt man ihnen gewöhnlich noch verschiedene Inselchen südlich der
Palauinseln
hinzu. In dieser ungeheueren Fläche von fast 2 Mill. qkm sind aber nur
etwa 1000 qkm festes Land, wovon zudem die Hauptmasse auf die 4
Inselgruppen
Ponape (347 qkm), Jap (207), Truk (132) und Kusaie (110 qkm) entfällt
(s.d. betr. Artikel), der Rest auf ungefähr 700 Koralleninselchen. Die
4 genannten größeren Inseln bzw. Inselgruppen sind allein nicht
ausschließlich
aus Korallenkalk gebildet, sondern bestehen vielmehr in der Hauptsache
aus Basalt (Ponape, Truk, Kusaie) oder
Strahlsteinschiefern,
Amphiboliten und Talkschiefern (Jap; auch auf Truk sind Proben davon
gefunden
worden). Die Koralleninseln (s.d.) treten meist in der
Form der Atolle (s.d.) auf, deren es etwa
25 gibt, aber auch als Einzelinseln (etwa 10). Von den Koralleninseln
seien namentlich angeführt: Bur, Merir, Sonsol, Tabi südlich der Palauinseln, Ngulu zwischen den Palauinseln und Jap (s. Tafel 70),
dann die sog. Zentralkarolinen
zwischen Jap und Truk: Ululssi, Feis,
Sorol, Aurepik, Oleai,
Faraulip, Elato,
Lamutrik, Satuwal, Poloot, Pulap, Hok, Nomwin, die Inseln südlich von Truk wie Lossop, Namoluk,
Nomoi,
Nukuor, Kapingimarang, zwischen Truk und Ponape Oroluk und Ngatik, zwischen Ponape und Kusaie Mokil und Pingelap.
Junge Hebungen von ansehnlichem Ausmaß sind im ganzen Gebiet (im
Gegensatz
zu den Marianen, s.d.) nur vereinzelt festgestellt worden (Feis, 20 m). Dagegen bieten gerade die hohen
jungeruptiven
größeren Inseln des Archipels das Bild junger Senkung (so namentlich
Truk).
Ansehnliche Erhebungen finden sich nur auf den 4 "hohen" Karolinen; die
höchsten Berge sind der Tolokole oder
Tolokonu auf Ponape mit 872 m, der Fenkol auf Kusaie mit 657 m, der
Teroken
auf Wola (Truk) 414 m, der Tolowan auf
Toloas
(Truk) 366 m und der Köbul auf Jap mit ca. 300 m. Die Bergformen sind
auf Kusaie sehr schroff, durch spitze Grate und Hörner
ausgezeichnet; auf Ponape sind sie mehr gerundet, auf Jap sanft, mehr zu Plateaucharakter neigend. -
Regelrechte
Quellen und Bäche finden sich nur auf den nichtkorallinen Inseln,
während
der Regen sonst im klüftigen Korallenkalk
versinkt und nur Brunnen das nötige
Trinkwasser
liefern. Flüßchen, die auf kurze Strecken für flache Boote schiffbar
sind,
gibt es nur auf Ponape.
Sapper.
2. Klima. Das Klima der K. dürfte ein gleichmäßiges, tropisches Seeklima sein. Es ist jedoch nicht ausreichend
bekannt,
da genügend lange Beobachtungsreihen von Temperatur, Wind
und Luftdruck fehlen. Dagegen gestatten etwas längere Reihen von
Niederschlagsbeobachtungen
annähernd richtige Schlüsse über deren örtliche und jahreszeitliche
Verteilung.
Hiernach nehmen die Niederschläge von Osten nach Westen ab. Die
höchsten jährlichen Mengen sind mit etwa 6500 mm an der amerikanischen
Missionsstation auf Kusaie, die niedrigsten mit etwa 2800 mm auf
Lamutrik
und Feis gemessen. Weit häufiger als bisher angenommen ist, scheinen
Taifune
die K. heimzusuchen (s. Wind 5). Nach den Beobachtungen von Jap
(Klimatabelle
s. unter Deutsch-Neuguinea) weht in den westlichen K. von Ende November
bis Ende Mai der Nordostpassat, meist mit großer Stärke und bewirkt eine
erhebliche Herabminderung der Niederschläge; sonst wehen veränderliche
Winde. Die Regenfälle haben meist böigen Charakter. Die Mitteltemperatur
des Jahres beträgt 27,4°, die des kältesten Monats (Januar) 26,5°, die
des wärmsten (Juni) 28,3°. Die absoluten Temperaturextreme sind 23° und
33°, die tägliche Temperaturschwankung 4°, höchstens 5°. Weiter östlich
weht fast das ganze Jahr der Nordostpassat, mit besonderer Stetigkeit
und Stärke vom November bis März; meist vom Juli bis Oktober treten
vielfach
südöstliche und südliche bis westliche Winde auf, die gewöhnlich eine
Steigerung der Niederschläge bewirken, so daß wir auch hier ein Gebiet
vorwiegender Sommerregen vor uns haben. Die mittlere Temperatur des
Jahres
beträgt nach den Beobachtungen von Ponape 26,7°, die kältesten Monate
sind der November und Dezember, beide mit 25,9°, der wärmste August mit
27,3°.
Niederschlagskarte
und
Literatur
s. Deutsch-Neuguinea.
Heidke.
3. Pflanzenwelt. In bezug auf ihr Pflanzenkleid muß man bei den K. die
hohen, gebirgigen Inseln von den niedrigen Koralleneilanden trennen.
Letztere
sind bei den Marshallinseln
(s.d.)
behandelt. Des weiteren besteht ein Unterschied zwischen den infolge
regenreicheren
Klimas mehr bewaldeten Ostkarolinen
und den trockeneren Westkarolinen und Palauinseln
(s.d.). Es sollen hier die ersteren, hauptsächlich Kusaie, Ponape und
Truk betrachtet werden. An Bachmündungen und sumpfigen Stellen der Küste
ist die Mangroveformation (s. Tafel 163) verbreitet, aus
Sonneratia acida,
Barringtonia speciosa und Heritiera littoralis gebildet, denen sich
Bruguiera,
Nipa und Xylocarpus zugesellen. Den Sandstrand überziehen Ipomoea
pescaprae
und Vigna lutea, nach dem Lande zu schließen sich Pandanus, die silberblättrige Tournefortia
argenta,
Terminalia u. a. an, durchzogen von Derris uliginosa und Cissus
trifolia.
Für Ponape und Truk ist noch die Steinnußpalme, Coelococcus
carolinensis,
zu erwähnen. - Primärer Urwald ist so gut
wie nicht mehr vorhanden, er ist den Kulturen der Eingeborenen zum Opfer
gefallen. An seine Stelle tritt ein mäßig hoher, lichter Sekundärwald mit Artocarpus incisa,
Barringtonia,
Pandanus tectorius, Ficus in zum Teil
mächtigen
Exemplaren und der Betelpalme Areca
Catechu. - Die wichtigsten Kulturpflanzen sind nächst der Kokospalme "Lack", Cyrtosperma edule, und
"Nfeu",
Colocasia antiquorum, ferner Yams (Dioscorea),
Bataten (Ipomoea batatas) und Bananen. Die Dörfer sind umgeben von Hainen von
Nutzbäumen
wie Citrusarten, Papayen, Jambosa malaccensis, Mango, Brotfruchtbaum, Inocarpus edulis; die
Tropenunkräuter,
wie Fleurya, Elephantopus, Ageratum, Eleusine, fehlen nicht.
Lauterbach. 4.
Tierwelt. Die Tiere der K. sind wie die der Palauinseln (s.d. und Deutsch-Neuguinea) teils weit verbreitet,
teils auf Mikronesien, teils auf die
Karolinen, teils auch auf einzelne der Inseln dieser Gruppe beschränkt.
Von Tauben ist Ptilopus ponapensis auf Ruk und Ponape, P. hernsheimi auf Kusaie beschränkt.
Phlogoenas yapensis kommt nur auf Jap, P. kubaryi nur auf Ruk vor. Aus
der Fliegenfängergattung Rhipidura wurde R. kubaryi nur auf Ponape, R.
versicolor nur auf Jap gefunden. Am weitesten ist die Sonderung der
Arten
bei den Brillenvögeln fortgeschritten. Auf Jap kommt Zosterops hypolais
und Z. oleaginea vor, auf Ruk Z. owstoni, auf Ponape Z. ponapensis und
auf Ualau Z. cinerea vor. Auch ein Papagei Eos rubiginosa kommt auf den
Karolinen (Ponape) vor. Eine Fliegenfängergattung Metabolus ist mit M.
rugensis auf die Insel Ruk, eine Stargattung Kittlitzia mit K. corvina
auf die Insel Kusaie beschränkt. Dahl.
5. Eingeborenenbevölkerung (s. Tafel 32-34). Die Bevölkerung ist
nicht
einheitlich. Einzelne kleinwüchsige Individuen, die sich z. B. auf Jap,
Truk, Ponape, Kusaie (s.d. betr. Art.) finden, können als Reste einer
Schicht aufgefaßt werden, die vor den in geschichtlicher Zeit
eingewanderten
Völkern auf den Inseln saß. Einwanderer sind 1. von Westen her
Indonesier,
2. von Süden und Westen Melanesier,
3. von Osten und Südwesten Polynesier.
Das Übergewicht haben Polynesier, zumal im Osten (Ponape, Kusaie [s. Tafel
112], Nukuor, Kapingamarang, Marshallinseln [s.d.], Nauru [s.d.]), wo ihr Einfluß in der geistigen
Kultur,
dem Aufbau der Gesellschaft u. a. zum Ausdruck kommt. Nächstdem sind
indonesische
Einwirkungen am stärksten, besonders in Palau (s.d.) und Jap (s.d.). In
den Zentral-K. (s. Truk) sind polynesische und indonesische Elemente
etwa
gleich stark vertreten. Unbedeutend erscheint diesen beiden Gruppen
gegenüber
das melanesische Element. - Von den K. her ist der Nordrand Melanesiens
beeinflußt worden (s. Paramikronesien), auch auf den kleinen
Inseln
am Ostrande Melanesiens sind karolinische Einflüsse nachweisbar (s. Polynesische Exklaven). Die
Verbreitung
der kulturellen Elemente zeigen die Karten unter Deutsch-Neuguinea.
Thilenius, Hambruch.
6. Geschichte und Verwaltung. Wie in den übrigen Teilen der Südsee, so faßte der deutsche Handel auch auf den Karolinen bereits in den 70er
Jahren festen Fuß. Es kamen sowohl die Vertreter des Hauses Godeffroy
(s.d.), wie auch die der Firma Hernsheim (s.d.) und legten auf den
Inseln
Handelsstationen an. Bereits im August
1885
wurde sodann auf den Westkarolinen, und zwar auf der Insel Jap, die
deutsche
Flagge gehißt. Die Inseln galten damals für herrenlos, die spanische
Regierung,
die bis dahin sich kolonisatorisch in jenem Gebiete noch nicht betätigt
hatte, erhob aber ältere Ansprüche auf die Inselgruppen. Die
Entscheidung
darüber, wem die Inseln gehören sollten, wurde dem Papst als
Schiedsrichter
überwiesen, und dieser sprach sie Spanien zu, während Deutschland Handelsfreiheit
sowie das Recht zugestanden wurde, auf den Inseln eine Flotten- und
Kohlenstation
anzulegen. Nachdem infolge des schiedsgerichtlichen Verfahrens die
Inselgruppen
wieder in den Vordergrund des Interesses gerückt war, nahmen die Spanier
auch tatsächlich im Jahre 1887 von ihnen Besitz. Es gelang ihnen aber
nicht, sie einer friedlichen wirtschaftlichen Entwicklung
entgegenzuführen,
vielmehr hatten sie auf der Insel Ponape
in den Ostkarolinen jahrelange, schwere, verlustreiche Kämpfe mit den
sich gegen die spanische Herrschaft auflehnenden Eingeborenen zu
bestehen.
Infolgedessen entschloß sich die spanische Regierung nach dem
unglücklichen
Kriege mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika den gesamten Archipel
einschließlich der Palauinseln und Marianen an das Deutsche Reich zu verkaufen. Die
Verhandlungen führten auch bald zu einem Ergebnis, und die hierüber
aufgenommene
Erklärung der beiderseitigen Regierungen vom 8. Febr. 1899 wurde durch
einen Vertrag vom 30. Juni 1899 (KolBl. 1899, 469) bestätigt. Danach
trat
Spanien die Karolinen einschließlich der Palauinseln und Marianen,
ausgenommen
Guam, gegen eine Entschädigung von 25 Mill. Pesetas
= 16 3/4 Mill. M an das Deutsche Reich ab und behielt sich außer der
Zusage
der Meistbegünstigung im Handel noch die Befugnis vor, von der sie
übrigens
bis jetzt nicht Gebrauch gemacht hat, für die Zwecke der Kriegsund
Handelsmarine
Kohlendepots zu errichten. Nachdem der Vertrag vom 30. Juni 1899 die
Zustimmung
der gesetzgebenden Körperschaften gefunden hatte, wurde der gesamte
Archipel
durch Allerhöchste Order vom 18. Juli 1899 (KolBl. 1899, 506) für das
Deutsche Reich in Besitz genommen und durch Allerhöchste Order vom
gleichen
Tage (KolBl. 1900, 93) als ein Bestandteil des Schutzgebiets Deutsch-
Neuguinea
erklärt. Durch Verfügung des Reichskanzlers, betreffend die Regelung der
Verwaltung und der Rechtsverhältnisse im Inselgebiet der Karolinen,
Palauinseln
und Marianen vom 24. Juli 1899 (KolBl. 1900, 94) wurde sodann die
Verwaltung
des Inselgebiets unter der Verantwortung des Gouverneurs von Deutsch-
Neuguinea
in den Ostkarolinen einem Vizegouverneur, in den Westkarolinen
einschließlich
der Palauinseln sowie in den Marianen jeweils einem Bezirksamtmann
übertragen. Die Abgrenzung des Bezirks der Ostkarolinen von dem
der Westkarolinen wurde in der Weise vorgenommen, daß die Inseln östlich
des 148° östl. L. zum Bezirk der Ostkarolinen, die westlich davon
gelegenen
den Westkarolinen zugeteilt wurden. Die seitens der Kgl. spanischen
Regierung
und seitens der einzelnen spanischen Gouverneure erlassenen
Verwaltungsverordnungen
und Instruktionen wurden vom Gouverneur
von Deutsch - Neuguinea (v. Bennigsen) durch V. vom 4. Nov. 1899 (KolGG. 4,
125) mit Wirkung vom gleichen Tage außer Kraft gesetzt, und an ihre
Stelle
die entsprechenden deutschen Vorschriften zur Einführung gebracht. - Die
Haupttätigkeit der Verwaltung nach der Besitzergreifung (zum
Vizegouverneur
war Dr. Hahl ernannt worden) war zunächst
darauf gerichtet, geordnete Zustände herzustellen und die Eingeborenen
an die Verwaltungsorganisation anzugliedern. Auf einzelnen Inselgruppen,
so namentlich in den Ostkarolinen mußten vor allen Dingen Maßnahmen
ergriffen
werden, um den Waffenschmuggel zu unterdrücken und die Eingeborenen,
soweit
sie bereits im Besitz von Gewehren waren, zu entwaffnen. Diese Maßnahme
gelang sowohl auf der Trukgruppe, woselbst die Eingeborenen 436 Gewehre und 2531 Patronen ablieferten, wie auch auf
Ponape, denn auch dort kamen 535 Gewehre und 3938 Patronen in die Hände
der Verwaltung. Allein wie sich später zeigen sollte, ist auf Ponape die
Ablieferung der Gewehre keine vollständige gewesen. Auf den
Westkarolinen
und auf den Marianen vollzog sich die Entwicklung in durchaus
friedlicher
Weise, nur auf den Palauinseln war einmal ein schärferes Eingreifen
notwendig,
da dort die sog. Kalits (Zauberer)
infolge
der deutschen Herrschaft ihren alten Einfluß schwinden sahen und deshalb
unter den Eingeborenen dahin zu wirken suchten, das ihnen unbequeme Joch
wieder abzuschütteln. Es gelang aber dem energischen Eingreifen des
damaligen
Stationsleiters Winkler, ohne größeres Machtaufgebot und ohne jedes
Blutvergießen
der unruhigsten Elemente unter den Kalits habhaft zu werden, die sodann
nach der Strafkolonie Laulau auf Saipan
verbannt wurden. Seitdem ist auch auf den Palauinseln, wie sonst in den
Westkarolinen und Marianen, die Ruhe nicht mehr gestört worden. Dagegen
kam es in den Ostkarolinen und zwar auf der Insel Ponape selbst, die
immer
die unruhigsten Elemente beherbergte, zu einem schweren, blutigen
Zusammenstoß.
Die im Interesse der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in die Wege
geleitete, durchaus erforderliche Abschaffung der Lehnsherrschaft, die
tatsächlich fast das ganze Land in den Besitz weniger Häuptlinge
gebracht hatte, wie auch die Heranziehung der Eingeborenen zu Wege- und
Steuerarbeiten bildeten den tieferen Grund der Unzufriedenheit der
Eingeborenen
mit der deutschen Herrschaft. Den unmittelbaren Anlaß zum Ausbruch des
Aufruhrs gab die von dem Bezirksamtmann angeordnete, im Interesse der
Aufrechterhaltung der Autorität aber notwendige Bestrafung eines
Eingeborenen,
der sich gegenüber den Anordnungen der Regierung widerspenstig gezeigt
hatte. Der damalige Bezirksamtmann Boeder (s.d.), der selbst an Ort und
Stelle ging, um Ordnung zu schaffen, wurde nebst den in seiner
Begleitung
befindlichen weiteren 3 Beamten und einigen Eingeborenen von den
Angehörigen
des Stammes Dschokatsch am 18. Okt. 1910 niedergemacht. Es gelang dem
die Leitung der Verwaltung übernehmenden Medizinalrat Girschner, der durch mehr als
zehnjährigen
Aufenthalt auf der Insel mit den Sitten und Lebensgewohnheiten der
Ponapeleute
auf das engste vertraut war, die übrigen Stämme auf Ponape zur Einnahme einer neutralen
Haltung
zu veranlassen, und sie kamen auch selbst seiner Aufforderung, die
Weißenniederlassung
zu schützen, nach. Infolgedessen konnte die "Kolonie" gehalten werden, bis vom Gouvernement in Rabaul ein größeres Aufgebot von schwarzen Polizeisoldaten unter der
Führung weißer Beamter eintraf. Da vorauszusehen war, daß die
Eingeborenen
auf der einen einzigen großen Felsen bildenden Halbinsel Dschokatsch
verzweifelten
Widerstand leisten würden, so wurden auch noch Kriegsschiffe requiriert,
und es trafen bald darauf 4 Kreuzer vor Ponape ein, deren Landungskorps
sich sodann an den Unternehmungen gegen die Aufständischen beteiligten.
Im Februar 1911 gelang es, die Feste Dschokatsch zu stürmen; die
Deutschen
verloren bei der Aktion 3 Angehörige der Marine und zwei melanesische
Polizeisoldaten; 7 Weiße und 9 melanesische Polizeisoldaten wurden teils
schwer, teils leicht verwundet. Am 22. Febr. 1911 war sodann der gesamte
auf rührerische Stamm in der Gewalt der Regierung, und 2 Tage später
wurden
17 der Haupträdelsführer standrechtlich erschossen. Der ganze, aus 426
Personen bestehende Stamm der Dschokatschleute wurde nach den
Palauinseln
verbannt und das von ihm innegehabte Land eingezogen. Auch die Waffen,
die sich noch im Besitz der Ponapeleute befanden, wurden bei diesem
Anlaß
weggenommen. Danach trat Ruhe ein, aber immerhin sah sich der
Bezirksamtmann
einige Monate später veranlaßt, noch 21 junge Leute aus verschiedenen
Stämmen Ponapes zu verbannen, da diese sich zu einem Geheimbund
zusammengetan
hatten und Lieder sangen, die auf die Vorgänge von 1910 sich bezogen.
Dieses Eingreifen trug weiter zur Sicherung des Friedens bei, und es konnte nun mit
der Aufhebung der Lehnsherrschaft und der Aufteilung des Landes begonnen
werden. Die Lehnsgüter wurden sämtlich als freies Eigentum der Lehnsträger erklärt und dabei die
einzelnen
Grenzen von den Beteiligten selbst abgesteckt. Dafür müssen die bisher
Lehnspflichtigen jährlich an 15 Tagen Steuerarbeit leisten, und die
Hälfte
des Ertrages dieser Steuer wird als Ersatz für die Aufgabe der
Lehnsherrschaft
den bisherigen Lehnsherren überwiesen. Damit hat sich das Volk offenbar
abgefunden, denn die Ruhe ist seitdem auf Ponape nicht mehr gestört
worden.
Auch auf den anderen Inseln der Karolinen hat sich, wie schon erwähnt,
die Entwicklung in durchaus friedlicher Weise vollzogen. Rückschläge
sind
da und dort nur eingetreten infolge des öfteren Auftretens schwerer
Taifune,
die infolge ihrer verheerenden Wirkung oft ganze Inseln aller
Fruchtbäume
beraubten. Die Verwaltung war mehrfach genötigt, die Eingeborenen von
den zerstörten Inseln wegzunehmen und sie auf anderen Inseln, die
genügend
Nahrung bieten, anzusiedeln. (Wegen der Bevölkerung, des Handels, der
europäischen Unternehmungen, der Eingeborenenproduktion, des Missions-
und Zollwesens, des Verkehrswesens in der Inselgruppe der Karolinen s.
Ostkarolinen, Westkarolinen, Palauinseln und Marianen.)
Krauß. 7. Entdeckungsgeschichte. Die K. kamen zuerst 1525
durch den Portugiesen
Diego da Rocha, dann 1526 durch den Spanier Alonzo de Salazar, 1528/29
durch Alvaro de Saavedra in den
Gesichtskreis
der Europäer; spätere Entdeckungen spanischer Seefahrer machten bis zum
Ende des 16. Jahrh. vermutlich die wichtigsten Inseln der mittleren und
östlichen K. bekannt. 1686 entdeckte Lazeano eine größere Insel
(wahrscheinlich
Jap), die er zu Ehren der damaligen Königin von Spanien Carolina
nannte; davon hat dann schließlich der ganze Archipel den Namen
bekommen.
Gegen Ende des 18. Jahrh. entdeckten Wilson, Mortlock, Runter, Thomson, Mulgrave u.a. eine Reihe von Inseln wieder
oder auch erstmalig; genauere Kunde aber
brachten erst O. v. Kotzebues (s.d.) und A. v. Chamissos (s.d.) Fahrt
1816, die Aufnahmen Duperreys (s.d.) 1828/24 (von Kusaie und Truk), namentlich aber des Grafen Lütke 1827/28. Später haben französische,
britische,
deutsche und spanische Schiffe die Küsten aufgenommen. Der amerikanische
Missionar Dr. Gulick machte auf Ponape 1853-56 Meteorologische
Beobachtungen,
Kubary (s.d.) 1868-96 ethnographische und zoologische Untersuchungen und
Sammlungen auf verschiedenen Inseln. Nach der deutschen Besitzergreifung
wurden Meteorologische Stationen
errichtet,
von einzelnen Beamten (Senfft, Dr. Born) Berichte über die Bevölkerung
und besondere Ereignisse gebracht, von A. Kraemer (s.d.) und der Hamburgischen Südsee-
Expedition
(s.d.) unsere Kenntnisse einzelner Gebiete wesentlich vertieft, von Volkens
(s.d.) die Flora von Jap untersucht, und von der deutschen
Marine
viele Inseln neu aufgenommen.
Sapper.
Literatur: Maxwell, On the Caroline Archipelago. Proc. R. Geogr. Soc.
London 1822. - J. Kubary, Ethnogr. Beitr. z.
Kenntnis des Karolinen-Archipels. Leiden 1892. - A. Senfft, Bericht über den
Besuch einiger Inselgruppen der Westkarolinen, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. XVII. -
A. Krämer, Studienreise nach den Zentral- und Westkarolinen, Mitt. a. d. d.
Schutzgeb. XXI. -Deutsche Seekarten Nr. 97 u. 93. - Der Aufstand zu Ponape
1910/11 hat in zahlreichen Zeitschriften
Mitteilungen über Land und Leute veranlaßt. Vgl. E. Frhr. Spiegel von und zu
Peckelsheim, Kriegsbilder aus Ponape. Stuttgart o. J. Volkens - Vegetation d.
Karolinen in Engl. bot. Jahrb. 31.
Lpz. 1902. - E. Hartert, The birds of Ruk in the Central Carolines in Nov.Zool.
VII, 1900, 1 ff.
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