Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 237 ff.

Karolinen. 1. Lage und Bodengestaltung. 2. Klima. 3. Pflanzenwelt. 4. Tierwelt. 5. Eingeborenenbevölkerung. 6. Geschichte und Verwaltung. 7. Entdeckungsgeschichte.

1. Lage- und Bodengestaltung. Die K. umfassen alle Inseln zwischen 137° bis 164° ö. L. und 4° bis 10° n. Br., mit Ausnahme von Ujelang, das den Marshallinseln zugerechnet wird, außerdem zählt man ihnen gewöhnlich noch verschiedene Inselchen südlich der Palauinseln hinzu. In dieser ungeheueren Fläche von fast 2 Mill. qkm sind aber nur etwa 1000 qkm festes Land, wovon zudem die Hauptmasse auf die 4 Inselgruppen Ponape (347 qkm), Jap (207), Truk (132) und Kusaie (110 qkm) entfällt (s.d. betr. Artikel), der Rest auf ungefähr 700 Koralleninselchen. Die 4 genannten größeren Inseln bzw. Inselgruppen sind allein nicht ausschließlich aus Korallenkalk gebildet, sondern bestehen vielmehr in der Hauptsache aus Basalt (Ponape, Truk, Kusaie) oder Strahlsteinschiefern, Amphiboliten und Talkschiefern (Jap; auch auf Truk sind Proben davon gefunden worden). Die Koralleninseln (s.d.) treten meist in der Form der Atolle (s.d.) auf, deren es etwa 25 gibt, aber auch als Einzelinseln (etwa 10). Von den Koralleninseln seien namentlich angeführt: Bur, Merir, Sonsol, Tabi südlich der Palauinseln, Ngulu zwischen den Palauinseln und Jap (s. Tafel 70), dann die sog. Zentralkarolinen zwischen Jap und Truk: Ululssi, Feis, Sorol, Aurepik, Oleai, Faraulip, Elato, Lamutrik, Satuwal, Poloot, Pulap, Hok, Nomwin, die Inseln südlich von Truk wie Lossop, Namoluk, Nomoi, Nukuor, Kapingimarang, zwischen Truk und Ponape Oroluk und Ngatik, zwischen Ponape und Kusaie Mokil und Pingelap. Junge Hebungen von ansehnlichem Ausmaß sind im ganzen Gebiet (im Gegensatz zu den Marianen, s.d.) nur vereinzelt festgestellt worden (Feis, 20 m). Dagegen bieten gerade die hohen jungeruptiven größeren Inseln des Archipels das Bild junger Senkung (so namentlich Truk). Ansehnliche Erhebungen finden sich nur auf den 4 "hohen" Karolinen; die höchsten Berge sind der Tolokole oder Tolokonu auf Ponape mit 872 m, der Fenkol auf Kusaie mit 657 m, der Teroken auf Wola (Truk) 414 m, der Tolowan auf Toloas (Truk) 366 m und der Köbul auf Jap mit ca. 300 m. Die Bergformen sind auf Kusaie sehr schroff, durch spitze Grate und Hörner ausgezeichnet; auf Ponape sind sie mehr gerundet, auf Jap sanft, mehr zu Plateaucharakter neigend. - Regelrechte Quellen und Bäche finden sich nur auf den nichtkorallinen Inseln, während der Regen sonst im klüftigen Korallenkalk versinkt und nur Brunnen das nötige Trinkwasser liefern. Flüßchen, die auf kurze Strecken für flache Boote schiffbar sind, gibt es nur auf Ponape.

Sapper.

2. Klima. Das Klima der K. dürfte ein gleichmäßiges, tropisches Seeklima sein. Es ist jedoch nicht ausreichend bekannt, da genügend lange Beobachtungsreihen von Temperatur, Wind und Luftdruck fehlen. Dagegen gestatten etwas längere Reihen von Niederschlagsbeobachtungen annähernd richtige Schlüsse über deren örtliche und jahreszeitliche Verteilung. Hiernach nehmen die Niederschläge von Osten nach Westen ab. Die höchsten jährlichen Mengen sind mit etwa 6500 mm an der amerikanischen Missionsstation auf Kusaie, die niedrigsten mit etwa 2800 mm auf Lamutrik und Feis gemessen. Weit häufiger als bisher angenommen ist, scheinen Taifune die K. heimzusuchen (s. Wind 5). Nach den Beobachtungen von Jap (Klimatabelle s. unter Deutsch-Neuguinea) weht in den westlichen K. von Ende November bis Ende Mai der Nordostpassat, meist mit großer Stärke und bewirkt eine erhebliche Herabminderung der Niederschläge; sonst wehen veränderliche Winde. Die Regenfälle haben meist böigen Charakter. Die Mitteltemperatur des Jahres beträgt 27,4°, die des kältesten Monats (Januar) 26,5°, die des wärmsten (Juni) 28,3°. Die absoluten Temperaturextreme sind 23° und 33°, die tägliche Temperaturschwankung 4°, höchstens 5°. Weiter östlich weht fast das ganze Jahr der Nordostpassat, mit besonderer Stetigkeit und Stärke vom November bis März; meist vom Juli bis Oktober treten vielfach südöstliche und südliche bis westliche Winde auf, die gewöhnlich eine Steigerung der Niederschläge bewirken, so daß wir auch hier ein Gebiet vorwiegender Sommerregen vor uns haben. Die mittlere Temperatur des Jahres beträgt nach den Beobachtungen von Ponape 26,7°, die kältesten Monate sind der November und Dezember, beide mit 25,9°, der wärmste August mit 27,3°. Niederschlagskarte und Literatur s. Deutsch-Neuguinea.

Heidke.

3. Pflanzenwelt. In bezug auf ihr Pflanzenkleid muß man bei den K. die hohen, gebirgigen Inseln von den niedrigen Koralleneilanden trennen. Letztere sind bei den Marshallinseln (s.d.) behandelt. Des weiteren besteht ein Unterschied zwischen den infolge regenreicheren Klimas mehr bewaldeten Ostkarolinen und den trockeneren Westkarolinen und Palauinseln (s.d.). Es sollen hier die ersteren, hauptsächlich Kusaie, Ponape und Truk betrachtet werden. An Bachmündungen und sumpfigen Stellen der Küste ist die Mangroveformation (s. Tafel 163) verbreitet, aus Sonneratia acida, Barringtonia speciosa und Heritiera littoralis gebildet, denen sich Bruguiera, Nipa und Xylocarpus zugesellen. Den Sandstrand überziehen Ipomoea pescaprae und Vigna lutea, nach dem Lande zu schließen sich Pandanus, die silberblättrige Tournefortia argenta, Terminalia u. a. an, durchzogen von Derris uliginosa und Cissus trifolia. Für Ponape und Truk ist noch die Steinnußpalme, Coelococcus carolinensis, zu erwähnen. - Primärer Urwald ist so gut wie nicht mehr vorhanden, er ist den Kulturen der Eingeborenen zum Opfer gefallen. An seine Stelle tritt ein mäßig hoher, lichter Sekundärwald mit Artocarpus incisa, Barringtonia, Pandanus tectorius, Ficus in zum Teil mächtigen Exemplaren und der Betelpalme Areca Catechu. - Die wichtigsten Kulturpflanzen sind nächst der Kokospalme "Lack", Cyrtosperma edule, und "Nfeu", Colocasia antiquorum, ferner Yams (Dioscorea), Bataten (Ipomoea batatas) und Bananen. Die Dörfer sind umgeben von Hainen von Nutzbäumen wie Citrusarten, Papayen, Jambosa malaccensis, Mango, Brotfruchtbaum, Inocarpus edulis; die Tropenunkräuter, wie Fleurya, Elephantopus, Ageratum, Eleusine, fehlen nicht.

Lauterbach.

4. Tierwelt. Die Tiere der K. sind wie die der Palauinseln (s.d. und Deutsch-Neuguinea) teils weit verbreitet, teils auf Mikronesien, teils auf die Karolinen, teils auch auf einzelne der Inseln dieser Gruppe beschränkt. Von Tauben ist Ptilopus ponapensis auf Ruk und Ponape, P. hernsheimi auf Kusaie beschränkt. Phlogoenas yapensis kommt nur auf Jap, P. kubaryi nur auf Ruk vor. Aus der Fliegenfängergattung Rhipidura wurde R. kubaryi nur auf Ponape, R. versicolor nur auf Jap gefunden. Am weitesten ist die Sonderung der Arten bei den Brillenvögeln fortgeschritten. Auf Jap kommt Zosterops hypolais und Z. oleaginea vor, auf Ruk Z. owstoni, auf Ponape Z. ponapensis und auf Ualau Z. cinerea vor. Auch ein Papagei Eos rubiginosa kommt auf den Karolinen (Ponape) vor. Eine Fliegenfängergattung Metabolus ist mit M. rugensis auf die Insel Ruk, eine Stargattung Kittlitzia mit K. corvina auf die Insel Kusaie beschränkt. Dahl.

5. Eingeborenenbevölkerung (s. Tafel 32-34). Die Bevölkerung ist nicht einheitlich. Einzelne kleinwüchsige Individuen, die sich z. B. auf Jap, Truk, Ponape, Kusaie (s.d. betr. Art.) finden, können als Reste einer Schicht aufgefaßt werden, die vor den in geschichtlicher Zeit eingewanderten Völkern auf den Inseln saß. Einwanderer sind 1. von Westen her Indonesier, 2. von Süden und Westen Melanesier, 3. von Osten und Südwesten Polynesier. Das Übergewicht haben Polynesier, zumal im Osten (Ponape, Kusaie [s. Tafel 112], Nukuor, Kapingamarang, Marshallinseln [s.d.], Nauru [s.d.]), wo ihr Einfluß in der geistigen Kultur, dem Aufbau der Gesellschaft u. a. zum Ausdruck kommt. Nächstdem sind indonesische Einwirkungen am stärksten, besonders in Palau (s.d.) und Jap (s.d.). In den Zentral-K. (s. Truk) sind polynesische und indonesische Elemente etwa gleich stark vertreten. Unbedeutend erscheint diesen beiden Gruppen gegenüber das melanesische Element. - Von den K. her ist der Nordrand Melanesiens beeinflußt worden (s. Paramikronesien), auch auf den kleinen Inseln am Ostrande Melanesiens sind karolinische Einflüsse nachweisbar (s. Polynesische Exklaven). Die Verbreitung der kulturellen Elemente zeigen die Karten unter Deutsch-Neuguinea.

Thilenius, Hambruch.

6. Geschichte und Verwaltung. Wie in den übrigen Teilen der Südsee, so faßte der deutsche Handel auch auf den Karolinen bereits in den 70er Jahren festen Fuß. Es kamen sowohl die Vertreter des Hauses Godeffroy (s.d.), wie auch die der Firma Hernsheim (s.d.) und legten auf den Inseln Handelsstationen an. Bereits im August 1885 wurde sodann auf den Westkarolinen, und zwar auf der Insel Jap, die deutsche Flagge gehißt. Die Inseln galten damals für herrenlos, die spanische Regierung, die bis dahin sich kolonisatorisch in jenem Gebiete noch nicht betätigt hatte, erhob aber ältere Ansprüche auf die Inselgruppen. Die Entscheidung darüber, wem die Inseln gehören sollten, wurde dem Papst als Schiedsrichter überwiesen, und dieser sprach sie Spanien zu, während Deutschland Handelsfreiheit sowie das Recht zugestanden wurde, auf den Inseln eine Flotten- und Kohlenstation anzulegen. Nachdem infolge des schiedsgerichtlichen Verfahrens die Inselgruppen wieder in den Vordergrund des Interesses gerückt war, nahmen die Spanier auch tatsächlich im Jahre 1887 von ihnen Besitz. Es gelang ihnen aber nicht, sie einer friedlichen wirtschaftlichen Entwicklung entgegenzuführen, vielmehr hatten sie auf der Insel Ponape in den Ostkarolinen jahrelange, schwere, verlustreiche Kämpfe mit den sich gegen die spanische Herrschaft auflehnenden Eingeborenen zu bestehen. Infolgedessen entschloß sich die spanische Regierung nach dem unglücklichen Kriege mit den Vereinigten Staaten von Nordamerika den gesamten Archipel einschließlich der Palauinseln und Marianen an das Deutsche Reich zu verkaufen. Die Verhandlungen führten auch bald zu einem Ergebnis, und die hierüber aufgenommene Erklärung der beiderseitigen Regierungen vom 8. Febr. 1899 wurde durch einen Vertrag vom 30. Juni 1899 (KolBl. 1899, 469) bestätigt. Danach trat Spanien die Karolinen einschließlich der Palauinseln und Marianen, ausgenommen Guam, gegen eine Entschädigung von 25 Mill. Pesetas = 16 3/4 Mill. M an das Deutsche Reich ab und behielt sich außer der Zusage der Meistbegünstigung im Handel noch die Befugnis vor, von der sie übrigens bis jetzt nicht Gebrauch gemacht hat, für die Zwecke der Kriegsund Handelsmarine Kohlendepots zu errichten. Nachdem der Vertrag vom 30. Juni 1899 die Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften gefunden hatte, wurde der gesamte Archipel durch Allerhöchste Order vom 18. Juli 1899 (KolBl. 1899, 506) für das Deutsche Reich in Besitz genommen und durch Allerhöchste Order vom gleichen Tage (KolBl. 1900, 93) als ein Bestandteil des Schutzgebiets Deutsch- Neuguinea erklärt. Durch Verfügung des Reichskanzlers, betreffend die Regelung der Verwaltung und der Rechtsverhältnisse im Inselgebiet der Karolinen, Palauinseln und Marianen vom 24. Juli 1899 (KolBl. 1900, 94) wurde sodann die Verwaltung des Inselgebiets unter der Verantwortung des Gouverneurs von Deutsch- Neuguinea in den Ostkarolinen einem Vizegouverneur, in den Westkarolinen einschließlich der Palauinseln sowie in den Marianen jeweils einem Bezirksamtmann übertragen. Die Abgrenzung des Bezirks der Ostkarolinen von dem der Westkarolinen wurde in der Weise vorgenommen, daß die Inseln östlich des 148° östl. L. zum Bezirk der Ostkarolinen, die westlich davon gelegenen den Westkarolinen zugeteilt wurden. Die seitens der Kgl. spanischen Regierung und seitens der einzelnen spanischen Gouverneure erlassenen Verwaltungsverordnungen und Instruktionen wurden vom Gouverneur von Deutsch - Neuguinea (v. Bennigsen) durch V. vom 4. Nov. 1899 (KolGG. 4, 125) mit Wirkung vom gleichen Tage außer Kraft gesetzt, und an ihre Stelle die entsprechenden deutschen Vorschriften zur Einführung gebracht. - Die Haupttätigkeit der Verwaltung nach der Besitzergreifung (zum Vizegouverneur war Dr. Hahl ernannt worden) war zunächst darauf gerichtet, geordnete Zustände herzustellen und die Eingeborenen an die Verwaltungsorganisation anzugliedern. Auf einzelnen Inselgruppen, so namentlich in den Ostkarolinen mußten vor allen Dingen Maßnahmen ergriffen werden, um den Waffenschmuggel zu unterdrücken und die Eingeborenen, soweit sie bereits im Besitz von Gewehren waren, zu entwaffnen. Diese Maßnahme gelang sowohl auf der Trukgruppe, woselbst die Eingeborenen 436 Gewehre und 2531 Patronen ablieferten, wie auch auf Ponape, denn auch dort kamen 535 Gewehre und 3938 Patronen in die Hände der Verwaltung. Allein wie sich später zeigen sollte, ist auf Ponape die Ablieferung der Gewehre keine vollständige gewesen. Auf den Westkarolinen und auf den Marianen vollzog sich die Entwicklung in durchaus friedlicher Weise, nur auf den Palauinseln war einmal ein schärferes Eingreifen notwendig, da dort die sog. Kalits (Zauberer) infolge der deutschen Herrschaft ihren alten Einfluß schwinden sahen und deshalb unter den Eingeborenen dahin zu wirken suchten, das ihnen unbequeme Joch wieder abzuschütteln. Es gelang aber dem energischen Eingreifen des damaligen Stationsleiters Winkler, ohne größeres Machtaufgebot und ohne jedes Blutvergießen der unruhigsten Elemente unter den Kalits habhaft zu werden, die sodann nach der Strafkolonie Laulau auf Saipan verbannt wurden. Seitdem ist auch auf den Palauinseln, wie sonst in den Westkarolinen und Marianen, die Ruhe nicht mehr gestört worden. Dagegen kam es in den Ostkarolinen und zwar auf der Insel Ponape selbst, die immer die unruhigsten Elemente beherbergte, zu einem schweren, blutigen Zusammenstoß. Die im Interesse der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes in die Wege geleitete, durchaus erforderliche Abschaffung der Lehnsherrschaft, die tatsächlich fast das ganze Land in den Besitz weniger Häuptlinge gebracht hatte, wie auch die Heranziehung der Eingeborenen zu Wege- und Steuerarbeiten bildeten den tieferen Grund der Unzufriedenheit der Eingeborenen mit der deutschen Herrschaft. Den unmittelbaren Anlaß zum Ausbruch des Aufruhrs gab die von dem Bezirksamtmann angeordnete, im Interesse der Aufrechterhaltung der Autorität aber notwendige Bestrafung eines Eingeborenen, der sich gegenüber den Anordnungen der Regierung widerspenstig gezeigt hatte. Der damalige Bezirksamtmann Boeder (s.d.), der selbst an Ort und Stelle ging, um Ordnung zu schaffen, wurde nebst den in seiner Begleitung befindlichen weiteren 3 Beamten und einigen Eingeborenen von den Angehörigen des Stammes Dschokatsch am 18. Okt. 1910 niedergemacht. Es gelang dem die Leitung der Verwaltung übernehmenden Medizinalrat Girschner, der durch mehr als zehnjährigen Aufenthalt auf der Insel mit den Sitten und Lebensgewohnheiten der Ponapeleute auf das engste vertraut war, die übrigen Stämme auf Ponape zur Einnahme einer neutralen Haltung zu veranlassen, und sie kamen auch selbst seiner Aufforderung, die Weißenniederlassung zu schützen, nach. Infolgedessen konnte die "Kolonie" gehalten werden, bis vom Gouvernement in Rabaul ein größeres Aufgebot von schwarzen Polizeisoldaten unter der Führung weißer Beamter eintraf. Da vorauszusehen war, daß die Eingeborenen auf der einen einzigen großen Felsen bildenden Halbinsel Dschokatsch verzweifelten Widerstand leisten würden, so wurden auch noch Kriegsschiffe requiriert, und es trafen bald darauf 4 Kreuzer vor Ponape ein, deren Landungskorps sich sodann an den Unternehmungen gegen die Aufständischen beteiligten. Im Februar 1911 gelang es, die Feste Dschokatsch zu stürmen; die Deutschen verloren bei der Aktion 3 Angehörige der Marine und zwei melanesische Polizeisoldaten; 7 Weiße und 9 melanesische Polizeisoldaten wurden teils schwer, teils leicht verwundet. Am 22. Febr. 1911 war sodann der gesamte auf rührerische Stamm in der Gewalt der Regierung, und 2 Tage später wurden 17 der Haupträdelsführer standrechtlich erschossen. Der ganze, aus 426 Personen bestehende Stamm der Dschokatschleute wurde nach den Palauinseln verbannt und das von ihm innegehabte Land eingezogen. Auch die Waffen, die sich noch im Besitz der Ponapeleute befanden, wurden bei diesem Anlaß weggenommen. Danach trat Ruhe ein, aber immerhin sah sich der Bezirksamtmann einige Monate später veranlaßt, noch 21 junge Leute aus verschiedenen Stämmen Ponapes zu verbannen, da diese sich zu einem Geheimbund zusammengetan hatten und Lieder sangen, die auf die Vorgänge von 1910 sich bezogen. Dieses Eingreifen trug weiter zur Sicherung des Friedens bei, und es konnte nun mit der Aufhebung der Lehnsherrschaft und der Aufteilung des Landes begonnen werden. Die Lehnsgüter wurden sämtlich als freies Eigentum der Lehnsträger erklärt und dabei die einzelnen Grenzen von den Beteiligten selbst abgesteckt. Dafür müssen die bisher Lehnspflichtigen jährlich an 15 Tagen Steuerarbeit leisten, und die Hälfte des Ertrages dieser Steuer wird als Ersatz für die Aufgabe der Lehnsherrschaft den bisherigen Lehnsherren überwiesen. Damit hat sich das Volk offenbar abgefunden, denn die Ruhe ist seitdem auf Ponape nicht mehr gestört worden. Auch auf den anderen Inseln der Karolinen hat sich, wie schon erwähnt, die Entwicklung in durchaus friedlicher Weise vollzogen. Rückschläge sind da und dort nur eingetreten infolge des öfteren Auftretens schwerer Taifune, die infolge ihrer verheerenden Wirkung oft ganze Inseln aller Fruchtbäume beraubten. Die Verwaltung war mehrfach genötigt, die Eingeborenen von den zerstörten Inseln wegzunehmen und sie auf anderen Inseln, die genügend Nahrung bieten, anzusiedeln. (Wegen der Bevölkerung, des Handels, der europäischen Unternehmungen, der Eingeborenenproduktion, des Missions- und Zollwesens, des Verkehrswesens in der Inselgruppe der Karolinen s. Ostkarolinen, Westkarolinen, Palauinseln und Marianen.)

Krauß.

7. Entdeckungsgeschichte. Die K. kamen zuerst 1525 durch den Portugiesen Diego da Rocha, dann 1526 durch den Spanier Alonzo de Salazar, 1528/29 durch Alvaro de Saavedra in den Gesichtskreis der Europäer; spätere Entdeckungen spanischer Seefahrer machten bis zum Ende des 16. Jahrh. vermutlich die wichtigsten Inseln der mittleren und östlichen K. bekannt. 1686 entdeckte Lazeano eine größere Insel (wahrscheinlich Jap), die er zu Ehren der damaligen Königin von Spanien Carolina nannte; davon hat dann schließlich der ganze Archipel den Namen bekommen. Gegen Ende des 18. Jahrh. entdeckten Wilson, Mortlock, Runter, Thomson, Mulgrave u.a. eine Reihe von Inseln wieder oder auch erstmalig; genauere Kunde aber brachten erst O. v. Kotzebues (s.d.) und A. v. Chamissos (s.d.) Fahrt 1816, die Aufnahmen Duperreys (s.d.) 1828/24 (von Kusaie und Truk), namentlich aber des Grafen Lütke 1827/28. Später haben französische, britische, deutsche und spanische Schiffe die Küsten aufgenommen. Der amerikanische Missionar Dr. Gulick machte auf Ponape 1853-56 Meteorologische Beobachtungen, Kubary (s.d.) 1868-96 ethnographische und zoologische Untersuchungen und Sammlungen auf verschiedenen Inseln. Nach der deutschen Besitzergreifung wurden Meteorologische Stationen errichtet, von einzelnen Beamten (Senfft, Dr. Born) Berichte über die Bevölkerung und besondere Ereignisse gebracht, von A. Kraemer (s.d.) und der Hamburgischen Südsee- Expedition (s.d.) unsere Kenntnisse einzelner Gebiete wesentlich vertieft, von Volkens (s.d.) die Flora von Jap untersucht, und von der deutschen Marine viele Inseln neu aufgenommen.

Sapper.

Literatur: Maxwell, On the Caroline Archipelago. Proc. R. Geogr. Soc. London 1822. - J. Kubary, Ethnogr. Beitr. z. Kenntnis des Karolinen-Archipels. Leiden 1892. - A. Senfft, Bericht über den Besuch einiger Inselgruppen der Westkarolinen, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. XVII. - A. Krämer, Studienreise nach den Zentral- und Westkarolinen, Mitt. a. d. d. Schutzgeb. XXI. -Deutsche Seekarten Nr. 97 u. 93. - Der Aufstand zu Ponape 1910/11 hat in zahlreichen Zeitschriften Mitteilungen über Land und Leute veranlaßt. Vgl. E. Frhr. Spiegel von und zu Peckelsheim, Kriegsbilder aus Ponape. Stuttgart o. J. Volkens - Vegetation d. Karolinen in Engl. bot. Jahrb. 31. Lpz. 1902. - E. Hartert, The birds of Ruk in the Central Carolines in Nov.Zool. VII, 1900, 1 ff.