Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 243

Kartoffeln sind nach ihrer Einführung aus der Neuen Welt nach und nach besonders in den gemäßigten Zonen ein tägliches und unentbehrliches Nahrungsmittel geworden, so daß sie der Europäer trotz mancher Ersatzknollen auch in den Tropen nicht gern entbehrt. Von den 800 Arten der Gattung Solanum bilden mehrere essbare Knollen, aber nur Solanum tuberosum kommt allein für den Anbau in Frage. Deutschland steht an der Spitze der kartoffelbauenden Länder mit einer Jahresproduktion von 43 Mill. t, von denen allein 5 Mill. t Saatkartoffeln sind, die nicht nur im Inlande, sondern auch im Auslande Absatz finden. Die K. stellt keine großen Ansprüche an den Boden. Sie verlangt auch nicht übermäßig viel Wasser. Man pflanzt sie in Reihen von etwa 1/2 m Zwischenraum im Abstande von ca. 30 cm. Die jungen Pflanzen müssen im Anfang regelmäßig gehackt und gehäufelt werden. Als Saatmaterial können die selbstgezogenen K. in den Tropen in der Regel nicht benutzt werden. Man muß meist jedesmal frische Saatkartoffeln beziehen. Als gute Sorten werden unter den frühen: Kaiserkrone, Perle von Erfurt, Erstling, Juli, Eschenblättrige Vieren und von den späteren: Eldorado, Vor der Front, Up to date, Industrie u. a. genannt. In den höheren Lagen der Tropen ist der Kartoffelbau stets möglich; auch in den tiefer gelegenen Gegenden wird zu Versuchen geraten, allerdings bleiben die Kartoffeln meist kleiner. In den Subtropen, z. B. auf Malta, in Algier, auf den Kanarischen Inseln hat sich eine umfangreiche Kartoffelproduktion entwickelt, die in der Lage ist, den Norden Europas fast den ganzen Winter hindurch bis zur ersten Ernte in diesen Gebieten mit frischen Kartoffeln zu versehen. S. a. Gemüsebau.

Literatur: Werner, H., Kartoffelbau. Berl. (Parey) 1911. - Kolbe, W., Gemüsebau in den Tropen und Subtropen. Berl. (Wilh. Süsserott) 1911.

Voigt.