Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 244

Kasernen. Die Unterkunftsräume der Schutztruppen (s.d.) sind, soweit sie für die europäischen Angehörigen der Truppe bestimmt sind, fast ausnahmslos in europäischer Bauart ausgeführt, und es sind nach Möglichkeit die heimischen Erfahrungen dabei verwertet worden. Trotzdem hat man sich unter den Schutzruppen-H. nicht monumentale Gebäude wie unsere K. in der Heimat vorzustellen, vielmehr handelt es sich fast durchweg um Bauten einfachster Art, weil sie in der Regel durch die Truppe ohne Mitwirkung bautechnischer Kräfte errichtet werden, und weil vorwiegend die an Ort und Stelle sich befindenden Baustoffe Verwendung finden müssen. Fast ausschließlich findet man deshalb einstöckige Gebäude, die zum Schutze gegen die Strahlung der Sonne auf allen oder wenigstens auf der Hauptsonnenseite von verandaartigen Vorbauten umgeben sind. Die Fundamente bestehen meistens aus Bruchsteinen, die Wände aus ungebrannten, an der Luft getrockneten oder auch aus gebrannten Ziegeln; wo Ziegel nicht zu beschaffen sind, ist Bruchsteinmauerwerk in Lehm oder Kalkmörtel verwendet. Als Bedachung dient Wellblech, seltener Gras- oder Mattenbelag. Vereinzelt werden auch Baracken aus Wellblech, hauptsächlich als Lagerräume, seltener zu Wohnzwecken verwendet. Bei der Gruppierung der einzelnen Anlagen eines Kasernements muß häufig auf die Verteidigungsfähigkeit Bedacht genommen werden. So sind noch jetzt die Mehrzahl der K. im Innern von Kamerun und Ostafrika und in Südwestafrika noch die aus älterer Zeit stammenden Anlagen in Form von Festen und befestigten Lagern gebaut (s. Befestigungen). Die farbigen Soldaten in Kamerun und Ostafrika sind teilweise auch schon in K. europäischer Bauart untergebracht, zum Teil wohnen sie noch in runden Lehmhütten mit Grasdach. In Kamerun sind auch größere kasernenartige Bauten afrikanischer Bauweise, sog. Buschhäuser, für die farbigen Soldaten errichtet. Bei diesen Buschhäusern bestehen die Seitenwände entweder aus Bambus mit Lehmbewurf, das Dach aus Gras, oder es dienen Baumstämme als Tragebalken, während die Wände aus Rinde, das Dach aus Raphiarippe und Matten bestehen, zu deren Befestigung Lianen verwendet worden sind (s. Tafel 43, 89- 94).

Nachtigall.