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Kilimandscharo
(s. Tafel 107)
(sprich sch wie j in Journal). Das Wort bedeutet Berg
des Höchsten, des Himmelsgottes, ist eine sehr alte und altertümliche
Bezeichnung der Wasuaheli. Der
Vulkanberg
K. in Deutsch-Ostafrika ist als höchster Berg Afrikas, ferner wegen
seiner
landschaftlichen Schönheiten, wegen seiner geographischen Eigenart eine
der am meisten genannten Landschaften der Kolonie. Als eine solche muß der Berg schon wegen
der sehr großen Fläche, die er bedeckt, bezeichnet werden. Mit dem
benachbarten
Meru (s.d.) zusammen bildet er wegen mancher gemeinsamen Eigenschaften
ein Gebiet.
Im Tertiär wurde hier eine große Scholle vielfach durch Verwerfungen
zerbrochen und sank in ihrer Gesamtheit ein. Sie erstreckt sich von der
heutigen Ostafrikanischen Bruchstufe (s.d.) bis zu 37° 40' ö. L., also
über 260 km, in westöstlicher Richtung, ist von Norden nach Süden etwa
80 km breit. Randliche Verwerfungen sind im Süden deutlich zu erkennen,
so am Tschatschamesteilrand, der schon aus Urgestein besteht. Dieser
Ostwestbruch
ist nur ein Teil einer aus Elementen sehr verschiedener Richtung
zusammengesetzten
Bruchzone. Der westwärts begrenzende Teil der Ostafrikanischen
Bruchstufe
ist in seiner heutigen Ausgestaltung jünger als die Versenkung der
K.Scholle.
Letztere wird im Norden von der Gneislandschaft Matabatu
im Longido (2620 m) und im Oldoinjo Erok (2553 in) um etwa 1.400 in
überragt.
Der Höhenunterschied zwischen der Ebene am Südfuß des K. und dem höheren
Gneisland im Osten ist ziemlich gering. - Auf diesem großen Senkungsfeld
hat sich der Vulkanismus wohl zunächst in deckenförmigen Ergüssen
betätigt,
deren Spuren sich besonders auf den Hochflächen nordwestlich und
südwestlich
vom Meru verfolgen lassen. Noch im Tertiär begannen zentrale Eruptionen.
Ihre kräftigsten Wirkungen zeigen sie im K. und Meru (s.d.), weniger
starke
weiter westlich im Mondul (s.d.), Tarossero (2100 m), Burko (2300 m), Essimingor (2300 m), zu denen vielleicht noch
der Ketumbeine (s.d.) zu rechnen ist.
Die bedeutendere Höhe des K. und Meru bedingt besondere klimatische
Erscheinungen;
zu diesen gehört es auch, daß viel reichlichere Niederschläge auftreten
als an denen der anderen fünf Berge. So konnte sich an den beiden großen
ein ungemein reiches Pflanzenleben entfalten; in dessen Gesamtbild und
ebenso in den Einzelheiten der Flora zeigen K. und Meru nahe Verwandtschaft. Dem Tierleben, später dem
Menschen boten die beiden Berge durch die verhältnismäßig viel größeren
Flächen, die sie bedecken, eine ganz andere Möglichkeit der Entfaltung.
Der K. bedeckt etwa 6200, der Meru 1600, die fünf anderen Vulkane
zusammen
2700 qkm. Nur an den Hängen der ersteren kam es zu dauernder Besiedlung.
Alles das rechtfertigt die Abtrennung des K. und Meru als einer
besonderen
geographischen Einheit. Wir rechnen zu ihnen nur noch den Teil des
großen
Senkungsfeldes, der sich rings um sie ausbreitet, 3400 qkm, so daß die
Gesamtgröße des Gebietes etwa 11200 qkm beträgt.
Der K. ist kein einheitlicher Vulkan.
Ein Überrest
seiner ältesten Bauperiode ist wohl die Schirakette, die mit Höhen bis
zu etwa 4300 m den äußersten Westen der Hochregion des K. einnimmt. Nach
Osten folgen Kibo (s. Tafel 107) und Mawensi,
die beiden Hauptgipfel des K., ersterer 6010 m, letzterer 5355 m hoch.
Der im wesentlichen aus Feldspatbasalt aufgebaute Mawensi oder Mawenge (auch Kimawense), d. i. der Zerschartete, ist der weit
ältere. Nur Überreste des einstigen Kraters finden sich an seinen
östlichen
Steilhängen. Der höchste der wild zerklüfteten Felstürme, die ihnen
krönen,
wurde, 1912 erstmals bestiegen. Erst mit dem Erlöschen des Mawensi begann der Kibo, d. i. der Scheckige (wegen
der dunklen Felsinseln in den glitzernden Eismassen, s. Tafel 107 und
129), sich emporzuwölben. Aus ihm brachen Rhombenporphyre, Trachydolerite, Phonolithe
hervor. Sein guterhaltener Krater hat
fast
2 km Durchmesser und ist etwa 200 m steil eingetieft. Im Süden erreicht
der Rand seine bedeutendste Höhe, die Kaiser-Wilhelmspitze, die erstmals
1899 von Hans Meyer (s.d.), dessen Name mit der Erforschung des K.
untrennbar
verknüpft ist, erstiegen wurde. Es ist die höchste Stelle Afrikas. Auf
dem Kraterboden erhebt sich ein kleiner Eruptionskegel; auch er scheint
erloschen zu sein; doch spricht manches dafür, daß Reste von Eigenwärme
noch in dem Kibo aufgespeichert sind. Einst haben die der Schirakette,
dann die dem Mawensi, besonders aber die dem Kibo entströmenden Laven
sich nach allen Seiten weithin ausgebreitet; die Mitwirkung von Tuffen
beim Aufbau des Berges tritt hinter ihnen stark zurück. Eine größere
Tuffzone
liegt in West-Rombo (s. d.). Das Gesamtergebnis der Tätigkeit, die von
den Hauptausbruchsstellen ausgeübt wurde, ist merkwürdig einheitlich.
Von welcher Seite auch man sich dem Berg nähert, man hat stets den
Eindruck
eines gewaltigen Kegels, dessen sanftgeschwungene Linien plötzlich in
die Formen der Gipfel übergehen. Auch die seitlichen Ausbrüche, die wohl
zu jeder Zeit der Tätigkeit des K. stattfanden, fügen sich mit wenig
auffallenden
Zügen in dies Bild. Ungemein groß ist die Zahl, mannigfaltig die Formen
der lateralen Ausbrüche, in denen Tuffe häufiger auftreten, und der
parasitären
Kegel an den tieferen Hängen und vor dem Fuß des K. Auch auf dem 4400
m hohen Sattelplateau zwischen den Hauptgipfeln, ein Werk von ihnen,
erheben
sich einige Schmarotzerkegel. Die Formen der meisten derartigen Kegel
sind schon wieder stark zerstört; in wenigen Fällen ist eine Kraterform
gut erhalten; eine von ihnen birgt den fast 3 qkm großen Dschalasee
am Ostfuß des K Die Schirakette ist zum Teil von den jungen Ausbrüchen
des Galumaplateaus begraben.
Die Zahl von 6200 qkm für die vom K. bedeckte Fläche begreift die
Gegenden der dem Fuß vorgelagerten Gebilde ein. Unter ihnen befinden sich auch
noch wenige Gneishügel der alten Urgesteinsscholle, die die vulkanische Decke
durchragen, so die Sokogruppe im Südosten. Der eigentliche Kegel des K. nimmt
etwa 4500 qkm ein, davon liegen fast 700 auf britischem Boden. - Die
jungvulkanischen Gesteine des K. haben bei der Verwitterung einen ungemein fruchtbaren, meist
schokoladenbraunen Boden ergeben. Auch die Humusbildung ist, zumal in höheren
Teilen des Berges ziemlich stark. Anstehendes Gestein findet sich hauptsächlich
in den Schluchten und in der Hochwüste.
Der Kraterrand des Kibo ist nach Westen durch eine etwa 400 m breite
Bresche zerschnitten, nach Osten durch zwei engere und weniger tiefe
Scharten.
Mit Ausnahme dieser Stellen trägt der zunächst nach außen ziemlich
langsam
abfallende Rand eine Gletscherkappe, die sich immer weiter auf den
Hängen
ausbreitend schließlich nach Westen, Süden und Osten etwa ein Dutzend
kurzer Gletscherzungen entsendet; im Südwesten reichen sie etwa bis auf
4500 m, im Osten nur auf 5360 m Meereshöhe herab. Ein weiterer Eisstrom
endet im abflußlosen Innern des Kraters. Insgesamt sind auf dem Kibo
etwa
10 qkm vergletschert. Die Schneegrenze
liegt heute im Osten und Norden etwa auf 5800, im Westen auf 5430, im
Süden auf 5380 m. Der Mawensi ragt nicht in sie hinein, obwohl er
einzelne
Firnflecke in steilen Rinnen das ganze Jahr hindurch trägt. Zur
Diluvialzeit
aber war auch er stark vergletschert. Damals lag die Schneegrenze 600
m tiefer. Am Südwesthang des K. reichten die Gletscher mindestens bis
auf 3600 m hinab (s. Deutsch-Ostafrika 2). - Das den Fuß des Berges
umgebende
hügelige Land hat sehr verschiedene Meereshöhe, im Südosten etwa 750,
nach Westsüdwesten gegen den Meru hin etwa 1300, im Nordwesten 1200, im
Nordosten sogar 1400 m. So finden sich schon am Fuß des K. recht
verschiedene
klimatische Bedingungen. Auch die Regenmenge bleibt zwar überall am Fuß
des K. unter 1000 mm (s. u.), ist aber im S erheblich größer als im N.
Der unterste Höhengürtel des Berges erhebt sich vom Fuß in anfangs sehr
geringer, dann etwas stärkerer Steigung bis zu rund 1800 m. Von hier bis
zu 3000 m ist der Anstieg steil. Weiterhin folgen flachere Hänge, die
aber schon von 3800 m an wieder ziemlich steil sind. Bei weitem am
schroffsten
sind die Flanken der beiden Hauptgipfel etwa von 4500 m aufwärts. Diese
Böschungsverhältnisse gelten nur für große Teile des K., vielerorts sind
sie sehr andersartig. So liegt südwestlich vom Kibo, zwischen 3600 und
3900 m, auf 10 km hin der ungemein schroffe Madschamesteilabfall, die
Osthänge des Mawensi sind bis auf 1800 m hinab durchweg steil usw. - In
dem Gürtel zwischen 1100 und 1800 m liegen die Siedlungen und Felder der
Dschagga (s.d.), liegen die ältesten
Niederlassungen
der Europäer, Stationen und Missionen, wenige Farmen. Es ist der einzige
Teil des K., der klimatisch etwas genauer bekannt ist. Die Temperaturen
entsprechen so ziemlich in normaler Weise der Meereshöhe, die jährliche
Schwankung nimmt nach oben zu. Die Regenmenge wächst mit der Höhe, ist
reichlich, aber nicht übermäßig, dürfte im Mittel der Südhälfte dieser
Zone 1600 mm betragen, im Norden, besonders im Nordwesten, erheblich
weniger.
Im Folgenden sind die Jahresmengen einiger Stationen
zusammengestellt:

Die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge und Wärme ist die
normale
des ostafrikanischen Monsunklimas (s. Deutsch-Ostafrika 4, dort Tabelle
für Moschi).
Der Gürtel von 1800-3000 m ist heute das Hauptwaldland des Berges, zugleich
das Hauptregengebiet. Die Jahressumme dürfte im Mittel wohl 2000 mm erreichen.
Noch stärker als weiter unten fällt hier die merkwürdige Bevorzugung der
besonders regenreichen Südwest- gegenüber der Südostseite des Berges auf. Fast
andauernd liegen Wolken und Nebel hier in breitem
Band um den Berg, während die höheren Teile häufig gleichzeitig fast wolkenlos
sind. Von 3000 m aufwärts nehmen die Niederschläge schnell ab, die
Lufttrockenheit zu. Das Sattelplateau hat das Klima einer Hochwüste. Enorme Temperaturstürze und
Feuchtigkeitsänderungen in kürzester Zeit sind die Regel. Das
Isolationsthermometer steigt auf über 70°, während im Schatten die Temperatur dem Gefrierpunkte naheliegt. Während
der kühlen Jahreszeit dürfte das Thermometer nachts regelmäßig unter 0° sinken.
Die Schneefälle reichen dann bis zu 4600 m hinab. Der Antipassat setzt sich hier
gegenüber den sehr mächtigen lokalen Luftströmungen häufig durch. Die schon
lange geplante große meteorologische Station auf dem Sattelplateau wäre von
hoher wissenschaftlicher Bedeutung.
Die Entwässerung des K.-Gebietes
entspricht der einheitlichen Form des großen Berges. Über 100 radial angeordnete
Bäche fließen ziemlich gleichmäßig verteilt nach allen Richtungen vom Berg
hinab, etwa die Hälfte von ihnen entspringen als dünne Wasserfäden oberhalb der
Waldgrenze.
Ein Teil der den Kibogletschern entstammenden Schmelzwässer verschwindet
sofort im Schutt, um erst viel tiefer als Quelle aufzutreten. Nicht den kleinen
Gletschern, sondern den Regenmassen des Waldgürtels verdanken die Bäche ihre
sehr reichliche Wasserführung das ganze Jahr hindurch. An der oberen Waldgrenze
haben die Schluchten häufig einen Gefällsbruch, der den der Hänge noch weit
übertrifft. In ihrem Verlauf durch Wald und Kulturregion sind viele Wasserläufe
äußerst steil und tief eingeschnitten. Hier und da mag die ursprüngliche Form
der Lavaströme den Weg des Wassers wesentlich beeinflußt haben, aber die
Herausarbeitung all dieser Bergrippen ist doch in erster Linie ein Werk der
Erosion.
In der Kulturregion beginnt meist die Vereinigung zu größeren
Gewässern.
Die Flüsse der Südseite des Berges sind dem Pangani
(s.d.), im Südosten seinem Ruwu-Arm, im Südwesten dem Kikuletwa (s.d.)
tributär. Des letzteren größter Nebenfluß ist der Weruweru, in den wiederum der Garanga (s. Kiboscho) von 0, der Kikafu von W. (s. Madschame) mündet. Ein Teil der nordöstlichen
Hänge
wird durch den Tsavo zum Sabaki
entwässert,
der in Britisch-Ostafrika den
Ozean erreicht. Im übrigen gehen die Flüsse der Nordhälfte in mehrere
kleine, abflußlose Gebiete. -Außerordentlich groß ist die Bedeutung
aller
dieser Gewässer für die Kultur des Bodens. Die Dschagga (s.d.) kennen
sorgfältige Bewässerung seit jeher. Neuerdings wird das Wasser noch
weiter
unterhalb in den Pflanzungen der Europäer verwandt. So wird mancher Bach
in der trockenen Jahreszeit völlig aufgebraucht. -
Vegetationsformationen
und Flora des K. sind äußerst mannigfaltig. Die großen klimatischen
Gegensätze
bedingen das. Ihre Vereinigung auf so engem Raum begünstigte die
Entstehung
neuer Formen. Gleichzeitig ergibt sich die Möglichkeit der Erhaltung von
Arten, die unter anderen klimatischen Verhältnissen einst in Afrika viel
weiter verbreitet waren (s. Deutsch-Ostafrika 6). Am Fuß des Berges
finden
wir Tropensteppe in jeder Form, auch die Salzsteppe tritt an der
Südgrenze
des Gebietes auf. Grassteppe wechselt mit Trockenwald. Wo dicht
am beginnenden Anstieg zahlreiche Quellen die von weit oben
herabkommenden
Flüsse verstärken, tritt Alluvialwald auf, wie der Rauwald im S, der
manche
aus höheren Regionen stammende Arten birgt. An die lichtere Steppe schließt sich bergwärts dichter Buschwald, der vor Zeiten etwa von 1200 m ab an
der Südhälfte des K. in tropischen Regenwald
überging. Die Kulturregion der Wadschagga
breitet sich heute hier aus. Ihre weiten Bananenhaine werden von
einzelnen
immergrünen Bäumen, Resten des Waldes, überragt. Wo oberhalb 1700 m der
Wald einst gerodet, dann das Land sich selbst wieder
überlassen wurde, entstand die Adlerfarnformation mit dem
kosmopolitischen
Pteridium aquilinum. Die untere Grenze des ringsum den Berg
geschlossenen
Gürtelwaldes liegt heute im Süden durchschnittlich bei 1800 m, im Norden
höher.
Von etwa 2000 m an geht der Regenwald sehr allmählich in den ebenfalls
immergrünen Höhenwald über. Vorher herrschen
in unübersehbarem Artenreichtum unter den Bäumen durchaus tropische Arten wie
Syzygium guineense, Ficus Schimperiana. Über einen
Teppich der verschiedensten Blütenpflanzen, Selaginellen und anderen Farne erheben sich blühende Sträucher, Vernonien
usw., überragt von wilden Bananen und Dracaenen; Piperaceen ranken an den
Büschen, eine rosafarben blühende Begonie klettert hoch hinauf. Dem Höhenwald
sind besonders Ericaceen eigen. Erica arborea
tritt in 15 m hohen Exemplaren erst vereinzelt, dann bestandbildend auf und je
höher in desto niedrigeren Formen. Agauria salicifolia gleicht unten der
knorrigen Eiche, wird in 3400 m zum Kümmerstrauch. Auch Bambusbestände von
Arundinaria alpina treten oberhalb 2000 m auf, die Baumfarne merkwürdigerweise hauptsächlich in
dieser Höhe. Einige wenige Nadelhölzer
haben Bedeutung, Podocarpusarten und vor allem Juniperus procera, die Usambarazeder, die dank ihrem verhältnismäßig
geringen Feuchtigkeitsbedürfnis am Nordhang des K. weite Flächen bedeckt. Dort
im Norden fehlt der Regenwald, nur Höhenwald tritt auf. Die Bäume des
Höhenwaldes sind in den tiefen Lagen dicht mit Moosen und epiphytischen Farnen
behangen, weiter hinauf überwiegen Flechten,
wie Usnea barbata. Der Boden ist mit dichtem Teppich von Moosen, Farnen, Gräsern
und vielen buntblühenden Kräutern und Sträuchern, darunter manche Labiate,
bedeckt. Weiter oben treten Formen auf, die an die Heimat erinnern, unsere
Sanicula europaea, ein Wegerich ein Ehrenpreis, ein Veilchen u.a.m.; das
letztere heißt Viola abyssinica, und ebenso trägt der mächtige Kossobaum den
Namen Hagenia abyssinica; sie weisen auf die mannigfachen verwandtschaftlichen
Beziehungen zu dem großen Hochland im Norden, wie die Ericaceen an das Kapland
erinnern. - Der Höhenwald hört oft mit scharfer Grenze zugleich mit dem
Steilanstieg auf, nur wenige in feuchteren Mulden gelegene Waldinseln treten
höher auf. Aber im Südwesten, am Fuß des Madschamesteilabfalls, reicht der Wald
etwa bis 3500 m, allmählich in Hochgebirgsbusch übergehend. Insgesamt bedeckt
der Gürtelwald des K. heute noch nahezu 1000 qkm. - Die Vegetation oberhalb des Waldes ist je höher
desto mehr durch die Trockenheit dieser Region bedingt. Die Grasflächen sind
anfangs üppig und geschlossen, bald mehrt sich das Vorkommen von allerhand
Strohblumen, darunter das schöne Helichrysum Johannis Meyeri. - In feuchteren
Gegenden und Stellen, so in den Tälern tritt die phantastisch aussehende,
baumförmige Senecio Johnstoni auf, ferner 2 m hohe Lobelien usw. Für die
trockeneren Teile oberhalb 3500 m sind eine Anzahl von niedrigen Büschen
charakteristisch, die gelbe Komposite Euryops dacrydiodes, ferner die Ericinella
Mannii. Bald wird die Vegetationsdecke dünner und dünner. Schon bei 4200 m
ducken sich vereinzelte Grasbüschel, Kompositenpolster und andere xerophile
Pflänzchen in den Schutz der Felsblöcke.
Bei 4400 m hat die Vegetation aufgehört. Nur ganz vereinzelte Vorposten, Gräser wie Koeleria, dringen bis zu 5000 m empor,
bis zum Kibogipfel hinauf Flechten.
Verglichen mit der Flora ist die Tierwelt des
Gebietes verhältnismäßig arm und eintönig. Einst war die Steppe rings um den Fuß
des K. ein Wildrevier ersten Ranges. Nashorn,
Zebra, Gnu, Kuhantilope, Säbelantilope, Gazelle, Strauß, Löwe und viele andere waren in
Menge vorhanden. Heute sind im Süden vereinzelte Antilopen eine Seltenheit (s. Deutsch-Ostafrika 7), während die Steppe
im Norden noch viele dieser Tiere birgt. Ziemlich reich ist noch überall in der
Steppe, wo Seen und Sümpfe auftreten, die Vogelwelt. Die vielen kleinen Seen der
Steppe zwischen K. und Meru, die Sümpfe des abflußlosen Gebiets im Norden werden
von einer Menge von Wasservögeln besucht. Enten,
Gänse, Wasserhühner, Taucher, Reiher, Ibisse, Störche,
Pelikane, Flamingos kommen zeitweise in großen Mengen vor,
nicht wenige nordische Zugvögel unter ihnen. Auch die Vogelwelt der Kulturzone
ist ziemlich artenreich. Hier treten Schwalben, Tauben, Webervögel, Glanzstare, Kuckuckarten auf. Ferner sind in
dieser Zone häufig Meerkatzen und Paviane, Buschschweine, viele Mäuse und Ratten,
die sog. Wurzelratte (Tachyoryctes), der
ihres Fellchens wegen eifrig nachgestellt wird. Löwen steigen nicht selten aus der Steppe empor,
ebenso Hyänen, die Leoparden kommen aus dem Wald herab.
Der Wald scheint zunächst besonders arm an größeren Tieren zu sein. Doch ist
gerade hier der Elefant, wenn gerade ein Jagdverbot am Berge besteht, nicht
selten. Er klettert von der Steppe bis hinauf über die Waldgrenze. Ein
Nachtaffe, ferner der Colobusaffe, der Baumschliefer, die beiden letzteren ihres
Felles wegen eifrig gejagt, sind in Menge vorhanden. Helmvogel, Haarvögel, Nashornvögel treten hier auf, oberhalb des
Waldes die prächtig schillernden Nektariniden. Raben schweben über dem Eis des Kibogipfels. Ähnlich schwer erklärlich ist der
nicht allzu seltene Aufenthalt der mächtigen Elenantilope noch bei 4700 m. Die Kleinfauna
des ganzen Gebietes hat sich neuerdings als ziemlich artenreich erwiesen.
Die Bevölkerung des K.-Gebietes besteht aus zwei sehr verschiedenen
Elementen. In den Steppen am Fuß des Berges, an einigen Stellen, so im
Nordosten, höher hinauf bewegten sich die hamitischen Massai (s.d.), die heute, soweit es sich um
deutschen
Boden handelt, auf das große Reservat im Süden (s. Massaisteppe) des Kikuletwa verwiesen sind. Sie und ihnen verwandte
Stämme waren es, vor deren Räubereien
und Viehdiebstählen sich die Dschagga (s.d.) wohl erst vor einigen
Jahrhunderten
vom Fuß des Berges in die Kulturzone zurückgezogen haben. Die
geographische
Eigenart der neuen Wohnsitze ist schuld daran, daß aus einem einst
vermutlich
ziemlich einheitlichen Stamm eine Menge kleinster Staatenbildungen
hervorgingen.
Die radialen, zum Teil von bedeutenden Gewässern erfüllten Rinnen, die
allseits an den Hängen des K. sich von der oberen Waldgrenze beginnend
herabziehen, bilden für den Verkehr zum
Teil ganz erhebliche Hindernisse. Noch schärfer trennend wirkte, es, daß
bei sehr dicht werdender Bevölkerung und begrenzter
Ernährungsmöglichkeit
fast jede Siedlungsgruppe Neider und Feind ihrer Nachbarn wurde. So
schlossen
sich die einzelnen Splitter des Volkes immer mehr gegeneinander ab. Auf
einem Gebiet von etwa 860 qkm herrschten schließlich nicht weniger als
38 selbständige Häuptlinge, die zum großen Teil in dauernder
Fehde miteinander lagen. Die vielen blutigen Überfälle verhinderten eine
weitere erhebliche Zunahme der Bevölkerung; jetzt aber, wo seit 11/2
Jahrzehnten
Friede am Berg herrscht, ist sie stark gewachsen; man schätzt sie heute
auf etwa 97000 (vgl. Moschi 3). So schreitet heute auch der Anbau in und
am Rande der Kulturzone ständig fort. Bananen,
Bohnen und Mais bilden
die Hauptnahrung, Eleusine-(s.d.) Hirse
wird mehr zur Bierbereitung angebaut. In der Viehzucht
herrscht immer noch Stallfütterung
vor. Die Zahl der Rinder dürfte 70000
erreichen,
die des Kleinviehs ist größer (s. auch Moschi 3.). Die
Bevölkerungsdichte
der Kulturzone dürfte den für Ostafrika
ungemein hohen Wert von 114 erreichen (legt man die Fläche des ganzen
Berges, abgesehen vom britischen Nordosten, zugrunde, so ist hier die
Dichte etwa 25). - Noch viel größere Veränderungen sind am Fuß des K.
und in der Steppe im Süden und Westen des Berges vor sich gegangen. 1848
wurde der K. von den deutschen Missionaren Krapf (s.d.) und Rebmann (s.d.) entdeckt. In der Folge waren Missionare beider Konfession die ersten, die an
seinen Hängen dauernden Aufenthalt nahmen. Erst 5 Jahre nach Abschluß
des grundlegenden Vertrags mit England faßte die deutsche Regierung im
Jahre 1891 tatsächlich festen Fuß am Berge. Die alte Station Moschi
wurde
damals nach Niederwerfung von Kiboscho (s. d.) erbaut. Noch im selben
Jahr wird sie verlassen und die Station Marangu
errichtet. Schon 189 wird die neue Station Moschi, an etwas anderer
Stelle
als die alte gelegen, bezogen, die seither Sitz der deutschen Herrschaft
blieb. Bald darauf begannen indische und vor allem griechische Kaufleute
ihre Geschäfte, letztere betätigten sich auch bald in kleineren Pflanzungen. Frühere Angehörige der
Schutztruppe
waren die ersten Deutschen, die als Farmer zu arbeiten begannen. 1898 wurde die Ugandabahn (s.d.) bis Voi (s.d.) und darüber hinaus eröffnet. Die Entwicklung
des K. setzte aber doch erst schneller und kräftiger ein, als die Usambarabahn (s. Eisenbahnen Ia) von Mombo nach Buiko, dann
weiter bis zum K. fortgesetzt wurde; 1911 wurde sie bis Station Moschi
(s.d.) eröffnet. Heute reiht sich, da wo einst schwer durchdringlicher
Busch am Fuß des K. herrschte, eine Pflanzung an die
andere. Manihot-Kautschuk und
Sisal (s. diese) wird gepflanzt, nachdem schon früher mit dem hier
lohnenden
Kaffeebau in höheren, feuchteren Lagen begonnen worden war. - Am WNW-Fuß
des K. liegt in 1250 m mittlerer Mh. das wenig heiße und feuchte
Farmgebiet
Engare Nairobi (d. i. kaltes Gewässer in der
Massaisprache), so genannt nach dem südlichen und nördlichen Fluß, beide
gleichen Namens, die hier vom K. herabkommen, um im NW, in der Steppe
zu verrieseln. Hier sitzen u. a. auch Buren. Dies Gebiet stößt nach W
an den Gau Engare Nanjuki des Siedlungsgebiets am Meru (s.d.). (Die Zahlen des Viehs, das im Besitz der
Europäer am K., sind die von Moschi 3, s.d.). Während bisher die Straße
mit den alle paar Monat einmal durch gewaltige Hochwasser zerstörten
Brücken
den lebhaften Verkehr nach Westen vermittelte, wird nun bald die
Fortsetzung
der Bahn zum Meru hinziehen. Heute ist der größte Teil der Flächen, die
am K. und an seinem Fuß für Besiedelung in Betracht kommen, von
Eingeborenen
und Europäern besetzt, nur im Norden und Nordwesten sind noch Gebiete
in wenig günstiger Verkehrslage unbewohnt, ebenso die Grasländer
oberhalb
des Waldes. Ob auf diesen letzteren je Viehzucht wird getrieben werden
können, ist allerdings recht zweifelhaft.
Literatur: Hans Meyer, 0stafrikanische Gletscherfahrten. Lpz. 1890.
- Derselbe,
Der Kilimandscharo. Bln. 1900. - A. Widenmann, Die Kilimandscharo-
Bevölkerung.
P. M. 1899. E. 129. -C. Uhlig, Vom Kilimandscharo
zum Meru. Ges. f. Erdk. Bln. 1904. - F. Jäger, Forschungen in den
Hochregionen
des Kilimandscharo. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1909. Y. Sjöstedt, Wiss.
Ergebn. d. Schwedischen Zoolog.
Exped. nach dem Kilimandscharo, dem Meru usw. bes. I. 1. Stockkolm 1910.
M. Lange, Eine Kibobesteigung. Z. Ges. f. Erdk. Bln. 1912. - F. Klute,
Vorläuf. Ber. über eine Forschungsr. am Kilimandscharo von E. Öhler und
F. Klute 1912. P. M. 1912/II. - B. Struck, Der Name Kilimandjaro, P. M.
1914. - Karte: K. von Deutsch-Ostafrika
1: 300 000, bearb. v. P. Sprigade und M. Moisel, Bl. 5.
Kilimandscharo.
Uhlig.
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