Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 294 ff.

Kilimandscharo

(s. Tafel 107) (sprich sch wie j in Journal). Das Wort bedeutet Berg des Höchsten, des Himmelsgottes, ist eine sehr alte und altertümliche Bezeichnung der Wasuaheli. Der Vulkanberg K. in Deutsch-Ostafrika ist als höchster Berg Afrikas, ferner wegen seiner landschaftlichen Schönheiten, wegen seiner geographischen Eigenart eine der am meisten genannten Landschaften der Kolonie. Als eine solche muß der Berg schon wegen der sehr großen Fläche, die er bedeckt, bezeichnet werden. Mit dem benachbarten Meru (s.d.) zusammen bildet er wegen mancher gemeinsamen Eigenschaften ein Gebiet.

Im Tertiär wurde hier eine große Scholle vielfach durch Verwerfungen zerbrochen und sank in ihrer Gesamtheit ein. Sie erstreckt sich von der heutigen Ostafrikanischen Bruchstufe (s.d.) bis zu 37° 40' ö. L., also über 260 km, in westöstlicher Richtung, ist von Norden nach Süden etwa 80 km breit. Randliche Verwerfungen sind im Süden deutlich zu erkennen, so am Tschatschamesteilrand, der schon aus Urgestein besteht. Dieser Ostwestbruch ist nur ein Teil einer aus Elementen sehr verschiedener Richtung zusammengesetzten Bruchzone. Der westwärts begrenzende Teil der Ostafrikanischen Bruchstufe ist in seiner heutigen Ausgestaltung jünger als die Versenkung der K.Scholle. Letztere wird im Norden von der Gneislandschaft Matabatu im Longido (2620 m) und im Oldoinjo Erok (2553 in) um etwa 1.400 in überragt. Der Höhenunterschied zwischen der Ebene am Südfuß des K. und dem höheren Gneisland im Osten ist ziemlich gering. - Auf diesem großen Senkungsfeld hat sich der Vulkanismus wohl zunächst in deckenförmigen Ergüssen betätigt, deren Spuren sich besonders auf den Hochflächen nordwestlich und südwestlich vom Meru verfolgen lassen. Noch im Tertiär begannen zentrale Eruptionen. Ihre kräftigsten Wirkungen zeigen sie im K. und Meru (s.d.), weniger starke weiter westlich im Mondul (s.d.), Tarossero (2100 m), Burko (2300 m), Essimingor (2300 m), zu denen vielleicht noch der Ketumbeine (s.d.) zu rechnen ist. Die bedeutendere Höhe des K. und Meru bedingt besondere klimatische Erscheinungen; zu diesen gehört es auch, daß viel reichlichere Niederschläge auftreten als an denen der anderen fünf Berge. So konnte sich an den beiden großen ein ungemein reiches Pflanzenleben entfalten; in dessen Gesamtbild und ebenso in den Einzelheiten der Flora zeigen K. und Meru nahe Verwandtschaft. Dem Tierleben, später dem Menschen boten die beiden Berge durch die verhältnismäßig viel größeren Flächen, die sie bedecken, eine ganz andere Möglichkeit der Entfaltung. Der K. bedeckt etwa 6200, der Meru 1600, die fünf anderen Vulkane zusammen 2700 qkm. Nur an den Hängen der ersteren kam es zu dauernder Besiedlung. Alles das rechtfertigt die Abtrennung des K. und Meru als einer besonderen geographischen Einheit. Wir rechnen zu ihnen nur noch den Teil des großen Senkungsfeldes, der sich rings um sie ausbreitet, 3400 qkm, so daß die Gesamtgröße des Gebietes etwa 11200 qkm beträgt.

Der K. ist kein einheitlicher Vulkan. Ein Überrest seiner ältesten Bauperiode ist wohl die Schirakette, die mit Höhen bis zu etwa 4300 m den äußersten Westen der Hochregion des K. einnimmt. Nach Osten folgen Kibo (s. Tafel 107) und Mawensi, die beiden Hauptgipfel des K., ersterer 6010 m, letzterer 5355 m hoch. Der im wesentlichen aus Feldspatbasalt aufgebaute Mawensi oder Mawenge (auch Kimawense), d. i. der Zerschartete, ist der weit ältere. Nur Überreste des einstigen Kraters finden sich an seinen östlichen Steilhängen. Der höchste der wild zerklüfteten Felstürme, die ihnen krönen, wurde, 1912 erstmals bestiegen. Erst mit dem Erlöschen des Mawensi begann der Kibo, d. i. der Scheckige (wegen der dunklen Felsinseln in den glitzernden Eismassen, s. Tafel 107 und 129), sich emporzuwölben. Aus ihm brachen Rhombenporphyre, Trachydolerite, Phonolithe hervor. Sein guterhaltener Krater hat fast 2 km Durchmesser und ist etwa 200 m steil eingetieft. Im Süden erreicht der Rand seine bedeutendste Höhe, die Kaiser-Wilhelmspitze, die erstmals 1899 von Hans Meyer (s.d.), dessen Name mit der Erforschung des K. untrennbar verknüpft ist, erstiegen wurde. Es ist die höchste Stelle Afrikas. Auf dem Kraterboden erhebt sich ein kleiner Eruptionskegel; auch er scheint erloschen zu sein; doch spricht manches dafür, daß Reste von Eigenwärme noch in dem Kibo aufgespeichert sind. Einst haben die der Schirakette, dann die dem Mawensi, besonders aber die dem Kibo entströmenden Laven sich nach allen Seiten weithin ausgebreitet; die Mitwirkung von Tuffen beim Aufbau des Berges tritt hinter ihnen stark zurück. Eine größere Tuffzone liegt in West-Rombo (s. d.). Das Gesamtergebnis der Tätigkeit, die von den Hauptausbruchsstellen ausgeübt wurde, ist merkwürdig einheitlich. Von welcher Seite auch man sich dem Berg nähert, man hat stets den Eindruck eines gewaltigen Kegels, dessen sanftgeschwungene Linien plötzlich in die Formen der Gipfel übergehen. Auch die seitlichen Ausbrüche, die wohl zu jeder Zeit der Tätigkeit des K. stattfanden, fügen sich mit wenig auffallenden Zügen in dies Bild. Ungemein groß ist die Zahl, mannigfaltig die Formen der lateralen Ausbrüche, in denen Tuffe häufiger auftreten, und der parasitären Kegel an den tieferen Hängen und vor dem Fuß des K. Auch auf dem 4400 m hohen Sattelplateau zwischen den Hauptgipfeln, ein Werk von ihnen, erheben sich einige Schmarotzerkegel. Die Formen der meisten derartigen Kegel sind schon wieder stark zerstört; in wenigen Fällen ist eine Kraterform gut erhalten; eine von ihnen birgt den fast 3 qkm großen Dschalasee am Ostfuß des K Die Schirakette ist zum Teil von den jungen Ausbrüchen des Galumaplateaus begraben.

Die Zahl von 6200 qkm für die vom K. bedeckte Fläche begreift die Gegenden der dem Fuß vorgelagerten Gebilde ein. Unter ihnen befinden sich auch noch wenige Gneishügel der alten Urgesteinsscholle, die die vulkanische Decke durchragen, so die Sokogruppe im Südosten. Der eigentliche Kegel des K. nimmt etwa 4500 qkm ein, davon liegen fast 700 auf britischem Boden. - Die jungvulkanischen Gesteine des K. haben bei der Verwitterung einen ungemein fruchtbaren, meist schokoladenbraunen Boden ergeben. Auch die Humusbildung ist, zumal in höheren Teilen des Berges ziemlich stark. Anstehendes Gestein findet sich hauptsächlich in den Schluchten und in der Hochwüste.

Der Kraterrand des Kibo ist nach Westen durch eine etwa 400 m breite Bresche zerschnitten, nach Osten durch zwei engere und weniger tiefe Scharten. Mit Ausnahme dieser Stellen trägt der zunächst nach außen ziemlich langsam abfallende Rand eine Gletscherkappe, die sich immer weiter auf den Hängen ausbreitend schließlich nach Westen, Süden und Osten etwa ein Dutzend kurzer Gletscherzungen entsendet; im Südwesten reichen sie etwa bis auf 4500 m, im Osten nur auf 5360 m Meereshöhe herab. Ein weiterer Eisstrom endet im abflußlosen Innern des Kraters. Insgesamt sind auf dem Kibo etwa 10 qkm vergletschert. Die Schneegrenze liegt heute im Osten und Norden etwa auf 5800, im Westen auf 5430, im Süden auf 5380 m. Der Mawensi ragt nicht in sie hinein, obwohl er einzelne Firnflecke in steilen Rinnen das ganze Jahr hindurch trägt. Zur Diluvialzeit aber war auch er stark vergletschert. Damals lag die Schneegrenze 600 m tiefer. Am Südwesthang des K. reichten die Gletscher mindestens bis auf 3600 m hinab (s. Deutsch-Ostafrika 2). - Das den Fuß des Berges umgebende hügelige Land hat sehr verschiedene Meereshöhe, im Südosten etwa 750, nach Westsüdwesten gegen den Meru hin etwa 1300, im Nordwesten 1200, im Nordosten sogar 1400 m. So finden sich schon am Fuß des K. recht verschiedene klimatische Bedingungen. Auch die Regenmenge bleibt zwar überall am Fuß des K. unter 1000 mm (s. u.), ist aber im S erheblich größer als im N. Der unterste Höhengürtel des Berges erhebt sich vom Fuß in anfangs sehr geringer, dann etwas stärkerer Steigung bis zu rund 1800 m. Von hier bis zu 3000 m ist der Anstieg steil. Weiterhin folgen flachere Hänge, die aber schon von 3800 m an wieder ziemlich steil sind. Bei weitem am schroffsten sind die Flanken der beiden Hauptgipfel etwa von 4500 m aufwärts. Diese Böschungsverhältnisse gelten nur für große Teile des K., vielerorts sind sie sehr andersartig. So liegt südwestlich vom Kibo, zwischen 3600 und 3900 m, auf 10 km hin der ungemein schroffe Madschamesteilabfall, die Osthänge des Mawensi sind bis auf 1800 m hinab durchweg steil usw. - In dem Gürtel zwischen 1100 und 1800 m liegen die Siedlungen und Felder der Dschagga (s.d.), liegen die ältesten Niederlassungen der Europäer, Stationen und Missionen, wenige Farmen. Es ist der einzige Teil des K., der klimatisch etwas genauer bekannt ist. Die Temperaturen entsprechen so ziemlich in normaler Weise der Meereshöhe, die jährliche Schwankung nimmt nach oben zu. Die Regenmenge wächst mit der Höhe, ist reichlich, aber nicht übermäßig, dürfte im Mittel der Südhälfte dieser Zone 1600 mm betragen, im Norden, besonders im Nordwesten, erheblich weniger. Im Folgenden sind die Jahresmengen einiger Stationen zusammengestellt:

Die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge und Wärme ist die normale des ostafrikanischen Monsunklimas (s. Deutsch-Ostafrika 4, dort Tabelle für Moschi).

Der Gürtel von 1800-3000 m ist heute das Hauptwaldland des Berges, zugleich das Hauptregengebiet. Die Jahressumme dürfte im Mittel wohl 2000 mm erreichen. Noch stärker als weiter unten fällt hier die merkwürdige Bevorzugung der besonders regenreichen Südwest- gegenüber der Südostseite des Berges auf. Fast andauernd liegen Wolken und Nebel hier in breitem Band um den Berg, während die höheren Teile häufig gleichzeitig fast wolkenlos sind. Von 3000 m aufwärts nehmen die Niederschläge schnell ab, die Lufttrockenheit zu. Das Sattelplateau hat das Klima einer Hochwüste. Enorme Temperaturstürze und Feuchtigkeitsänderungen in kürzester Zeit sind die Regel. Das Isolationsthermometer steigt auf über 70°, während im Schatten die Temperatur dem Gefrierpunkte naheliegt. Während der kühlen Jahreszeit dürfte das Thermometer nachts regelmäßig unter 0° sinken. Die Schneefälle reichen dann bis zu 4600 m hinab. Der Antipassat setzt sich hier gegenüber den sehr mächtigen lokalen Luftströmungen häufig durch. Die schon lange geplante große meteorologische Station auf dem Sattelplateau wäre von hoher wissenschaftlicher Bedeutung.

Die Entwässerung des K.-Gebietes entspricht der einheitlichen Form des großen Berges. Über 100 radial angeordnete Bäche fließen ziemlich gleichmäßig verteilt nach allen Richtungen vom Berg hinab, etwa die Hälfte von ihnen entspringen als dünne Wasserfäden oberhalb der Waldgrenze.

Ein Teil der den Kibogletschern entstammenden Schmelzwässer verschwindet sofort im Schutt, um erst viel tiefer als Quelle aufzutreten. Nicht den kleinen Gletschern, sondern den Regenmassen des Waldgürtels verdanken die Bäche ihre sehr reichliche Wasserführung das ganze Jahr hindurch. An der oberen Waldgrenze haben die Schluchten häufig einen Gefällsbruch, der den der Hänge noch weit übertrifft. In ihrem Verlauf durch Wald und Kulturregion sind viele Wasserläufe äußerst steil und tief eingeschnitten. Hier und da mag die ursprüngliche Form der Lavaströme den Weg des Wassers wesentlich beeinflußt haben, aber die Herausarbeitung all dieser Bergrippen ist doch in erster Linie ein Werk der Erosion.

In der Kulturregion beginnt meist die Vereinigung zu größeren Gewässern. Die Flüsse der Südseite des Berges sind dem Pangani (s.d.), im Südosten seinem Ruwu-Arm, im Südwesten dem Kikuletwa (s.d.) tributär. Des letzteren größter Nebenfluß ist der Weruweru, in den wiederum der Garanga (s. Kiboscho) von 0, der Kikafu von W. (s. Madschame) mündet. Ein Teil der nordöstlichen Hänge wird durch den Tsavo zum Sabaki entwässert, der in Britisch-Ostafrika den Ozean erreicht. Im übrigen gehen die Flüsse der Nordhälfte in mehrere kleine, abflußlose Gebiete. -Außerordentlich groß ist die Bedeutung aller dieser Gewässer für die Kultur des Bodens. Die Dschagga (s.d.) kennen sorgfältige Bewässerung seit jeher. Neuerdings wird das Wasser noch weiter unterhalb in den Pflanzungen der Europäer verwandt. So wird mancher Bach in der trockenen Jahreszeit völlig aufgebraucht. - Vegetationsformationen und Flora des K. sind äußerst mannigfaltig. Die großen klimatischen Gegensätze bedingen das. Ihre Vereinigung auf so engem Raum begünstigte die Entstehung neuer Formen. Gleichzeitig ergibt sich die Möglichkeit der Erhaltung von Arten, die unter anderen klimatischen Verhältnissen einst in Afrika viel weiter verbreitet waren (s. Deutsch-Ostafrika 6). Am Fuß des Berges finden wir Tropensteppe in jeder Form, auch die Salzsteppe tritt an der Südgrenze des Gebietes auf. Grassteppe wechselt mit Trockenwald. Wo dicht am beginnenden Anstieg zahlreiche Quellen die von weit oben herabkommenden Flüsse verstärken, tritt Alluvialwald auf, wie der Rauwald im S, der manche aus höheren Regionen stammende Arten birgt. An die lichtere Steppe schließt sich bergwärts dichter Buschwald, der vor Zeiten etwa von 1200 m ab an der Südhälfte des K. in tropischen Regenwald überging. Die Kulturregion der Wadschagga breitet sich heute hier aus. Ihre weiten Bananenhaine werden von einzelnen immergrünen Bäumen, Resten des Waldes, überragt. Wo oberhalb 1700 m der Wald einst gerodet, dann das Land sich selbst wieder überlassen wurde, entstand die Adlerfarnformation mit dem kosmopolitischen Pteridium aquilinum. Die untere Grenze des ringsum den Berg geschlossenen Gürtelwaldes liegt heute im Süden durchschnittlich bei 1800 m, im Norden höher.

Von etwa 2000 m an geht der Regenwald sehr allmählich in den ebenfalls immergrünen Höhenwald über. Vorher herrschen in unübersehbarem Artenreichtum unter den Bäumen durchaus tropische Arten wie Syzygium guineense, Ficus Schimperiana. Über einen Teppich der verschiedensten Blütenpflanzen, Selaginellen und anderen Farne erheben sich blühende Sträucher, Vernonien usw., überragt von wilden Bananen und Dracaenen; Piperaceen ranken an den Büschen, eine rosafarben blühende Begonie klettert hoch hinauf. Dem Höhenwald sind besonders Ericaceen eigen. Erica arborea tritt in 15 m hohen Exemplaren erst vereinzelt, dann bestandbildend auf und je höher in desto niedrigeren Formen. Agauria salicifolia gleicht unten der knorrigen Eiche, wird in 3400 m zum Kümmerstrauch. Auch Bambusbestände von Arundinaria alpina treten oberhalb 2000 m auf, die Baumfarne merkwürdigerweise hauptsächlich in dieser Höhe. Einige wenige Nadelhölzer haben Bedeutung, Podocarpusarten und vor allem Juniperus procera, die Usambarazeder, die dank ihrem verhältnismäßig geringen Feuchtigkeitsbedürfnis am Nordhang des K. weite Flächen bedeckt. Dort im Norden fehlt der Regenwald, nur Höhenwald tritt auf. Die Bäume des Höhenwaldes sind in den tiefen Lagen dicht mit Moosen und epiphytischen Farnen behangen, weiter hinauf überwiegen Flechten, wie Usnea barbata. Der Boden ist mit dichtem Teppich von Moosen, Farnen, Gräsern und vielen buntblühenden Kräutern und Sträuchern, darunter manche Labiate, bedeckt. Weiter oben treten Formen auf, die an die Heimat erinnern, unsere Sanicula europaea, ein Wegerich ein Ehrenpreis, ein Veilchen u.a.m.; das letztere heißt Viola abyssinica, und ebenso trägt der mächtige Kossobaum den Namen Hagenia abyssinica; sie weisen auf die mannigfachen verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem großen Hochland im Norden, wie die Ericaceen an das Kapland erinnern. - Der Höhenwald hört oft mit scharfer Grenze zugleich mit dem Steilanstieg auf, nur wenige in feuchteren Mulden gelegene Waldinseln treten höher auf. Aber im Südwesten, am Fuß des Madschamesteilabfalls, reicht der Wald etwa bis 3500 m, allmählich in Hochgebirgsbusch übergehend. Insgesamt bedeckt der Gürtelwald des K. heute noch nahezu 1000 qkm. - Die Vegetation oberhalb des Waldes ist je höher desto mehr durch die Trockenheit dieser Region bedingt. Die Grasflächen sind anfangs üppig und geschlossen, bald mehrt sich das Vorkommen von allerhand Strohblumen, darunter das schöne Helichrysum Johannis Meyeri. - In feuchteren Gegenden und Stellen, so in den Tälern tritt die phantastisch aussehende, baumförmige Senecio Johnstoni auf, ferner 2 m hohe Lobelien usw. Für die trockeneren Teile oberhalb 3500 m sind eine Anzahl von niedrigen Büschen charakteristisch, die gelbe Komposite Euryops dacrydiodes, ferner die Ericinella Mannii. Bald wird die Vegetationsdecke dünner und dünner. Schon bei 4200 m ducken sich vereinzelte Grasbüschel, Kompositenpolster und andere xerophile Pflänzchen in den Schutz der Felsblöcke. Bei 4400 m hat die Vegetation aufgehört. Nur ganz vereinzelte Vorposten, Gräser wie Koeleria, dringen bis zu 5000 m empor, bis zum Kibogipfel hinauf Flechten.

Verglichen mit der Flora ist die Tierwelt des Gebietes verhältnismäßig arm und eintönig. Einst war die Steppe rings um den Fuß des K. ein Wildrevier ersten Ranges. Nashorn, Zebra, Gnu, Kuhantilope, Säbelantilope, Gazelle, Strauß, Löwe und viele andere waren in Menge vorhanden. Heute sind im Süden vereinzelte Antilopen eine Seltenheit (s. Deutsch-Ostafrika 7), während die Steppe im Norden noch viele dieser Tiere birgt. Ziemlich reich ist noch überall in der Steppe, wo Seen und Sümpfe auftreten, die Vogelwelt. Die vielen kleinen Seen der Steppe zwischen K. und Meru, die Sümpfe des abflußlosen Gebiets im Norden werden von einer Menge von Wasservögeln besucht. Enten, Gänse, Wasserhühner, Taucher, Reiher, Ibisse, Störche, Pelikane, Flamingos kommen zeitweise in großen Mengen vor, nicht wenige nordische Zugvögel unter ihnen. Auch die Vogelwelt der Kulturzone ist ziemlich artenreich. Hier treten Schwalben, Tauben, Webervögel, Glanzstare, Kuckuckarten auf. Ferner sind in dieser Zone häufig Meerkatzen und Paviane, Buschschweine, viele Mäuse und Ratten, die sog. Wurzelratte (Tachyoryctes), der ihres Fellchens wegen eifrig nachgestellt wird. Löwen steigen nicht selten aus der Steppe empor, ebenso Hyänen, die Leoparden kommen aus dem Wald herab.

Der Wald scheint zunächst besonders arm an größeren Tieren zu sein. Doch ist gerade hier der Elefant, wenn gerade ein Jagdverbot am Berge besteht, nicht selten. Er klettert von der Steppe bis hinauf über die Waldgrenze. Ein Nachtaffe, ferner der Colobusaffe, der Baumschliefer, die beiden letzteren ihres Felles wegen eifrig gejagt, sind in Menge vorhanden. Helmvogel, Haarvögel, Nashornvögel treten hier auf, oberhalb des Waldes die prächtig schillernden Nektariniden. Raben schweben über dem Eis des Kibogipfels. Ähnlich schwer erklärlich ist der nicht allzu seltene Aufenthalt der mächtigen Elenantilope noch bei 4700 m. Die Kleinfauna des ganzen Gebietes hat sich neuerdings als ziemlich artenreich erwiesen.

Die Bevölkerung des K.-Gebietes besteht aus zwei sehr verschiedenen Elementen. In den Steppen am Fuß des Berges, an einigen Stellen, so im Nordosten, höher hinauf bewegten sich die hamitischen Massai (s.d.), die heute, soweit es sich um deutschen Boden handelt, auf das große Reservat im Süden (s. Massaisteppe) des Kikuletwa verwiesen sind. Sie und ihnen verwandte Stämme waren es, vor deren Räubereien und Viehdiebstählen sich die Dschagga (s.d.) wohl erst vor einigen Jahrhunderten vom Fuß des Berges in die Kulturzone zurückgezogen haben. Die geographische Eigenart der neuen Wohnsitze ist schuld daran, daß aus einem einst vermutlich ziemlich einheitlichen Stamm eine Menge kleinster Staatenbildungen hervorgingen. Die radialen, zum Teil von bedeutenden Gewässern erfüllten Rinnen, die allseits an den Hängen des K. sich von der oberen Waldgrenze beginnend herabziehen, bilden für den Verkehr zum Teil ganz erhebliche Hindernisse. Noch schärfer trennend wirkte, es, daß bei sehr dicht werdender Bevölkerung und begrenzter Ernährungsmöglichkeit fast jede Siedlungsgruppe Neider und Feind ihrer Nachbarn wurde. So schlossen sich die einzelnen Splitter des Volkes immer mehr gegeneinander ab. Auf einem Gebiet von etwa 860 qkm herrschten schließlich nicht weniger als 38 selbständige Häuptlinge, die zum großen Teil in dauernder Fehde miteinander lagen. Die vielen blutigen Überfälle verhinderten eine weitere erhebliche Zunahme der Bevölkerung; jetzt aber, wo seit 11/2 Jahrzehnten Friede am Berg herrscht, ist sie stark gewachsen; man schätzt sie heute auf etwa 97000 (vgl. Moschi 3). So schreitet heute auch der Anbau in und am Rande der Kulturzone ständig fort. Bananen, Bohnen und Mais bilden die Hauptnahrung, Eleusine-(s.d.) Hirse wird mehr zur Bierbereitung angebaut. In der Viehzucht herrscht immer noch Stallfütterung vor. Die Zahl der Rinder dürfte 70000 erreichen, die des Kleinviehs ist größer (s. auch Moschi 3.). Die Bevölkerungsdichte der Kulturzone dürfte den für Ostafrika ungemein hohen Wert von 114 erreichen (legt man die Fläche des ganzen Berges, abgesehen vom britischen Nordosten, zugrunde, so ist hier die Dichte etwa 25). - Noch viel größere Veränderungen sind am Fuß des K. und in der Steppe im Süden und Westen des Berges vor sich gegangen. 1848 wurde der K. von den deutschen Missionaren Krapf (s.d.) und Rebmann (s.d.) entdeckt. In der Folge waren Missionare beider Konfession die ersten, die an seinen Hängen dauernden Aufenthalt nahmen. Erst 5 Jahre nach Abschluß des grundlegenden Vertrags mit England faßte die deutsche Regierung im Jahre 1891 tatsächlich festen Fuß am Berge. Die alte Station Moschi wurde damals nach Niederwerfung von Kiboscho (s. d.) erbaut. Noch im selben Jahr wird sie verlassen und die Station Marangu errichtet. Schon 189 wird die neue Station Moschi, an etwas anderer Stelle als die alte gelegen, bezogen, die seither Sitz der deutschen Herrschaft blieb. Bald darauf begannen indische und vor allem griechische Kaufleute ihre Geschäfte, letztere betätigten sich auch bald in kleineren Pflanzungen. Frühere Angehörige der Schutztruppe waren die ersten Deutschen, die als Farmer zu arbeiten begannen. 1898 wurde die Ugandabahn (s.d.) bis Voi (s.d.) und darüber hinaus eröffnet. Die Entwicklung des K. setzte aber doch erst schneller und kräftiger ein, als die Usambarabahn (s. Eisenbahnen Ia) von Mombo nach Buiko, dann weiter bis zum K. fortgesetzt wurde; 1911 wurde sie bis Station Moschi (s.d.) eröffnet. Heute reiht sich, da wo einst schwer durchdringlicher Busch am Fuß des K. herrschte, eine Pflanzung an die andere. Manihot-Kautschuk und Sisal (s. diese) wird gepflanzt, nachdem schon früher mit dem hier lohnenden Kaffeebau in höheren, feuchteren Lagen begonnen worden war. - Am WNW-Fuß des K. liegt in 1250 m mittlerer Mh. das wenig heiße und feuchte Farmgebiet Engare Nairobi (d. i. kaltes Gewässer in der Massaisprache), so genannt nach dem südlichen und nördlichen Fluß, beide gleichen Namens, die hier vom K. herabkommen, um im NW, in der Steppe zu verrieseln. Hier sitzen u. a. auch Buren. Dies Gebiet stößt nach W an den Gau Engare Nanjuki des Siedlungsgebiets am Meru (s.d.). (Die Zahlen des Viehs, das im Besitz der Europäer am K., sind die von Moschi 3, s.d.). Während bisher die Straße mit den alle paar Monat einmal durch gewaltige Hochwasser zerstörten Brücken den lebhaften Verkehr nach Westen vermittelte, wird nun bald die Fortsetzung der Bahn zum Meru hinziehen. Heute ist der größte Teil der Flächen, die am K. und an seinem Fuß für Besiedelung in Betracht kommen, von Eingeborenen und Europäern besetzt, nur im Norden und Nordwesten sind noch Gebiete in wenig günstiger Verkehrslage unbewohnt, ebenso die Grasländer oberhalb des Waldes. Ob auf diesen letzteren je Viehzucht wird getrieben werden können, ist allerdings recht zweifelhaft.

Literatur: Hans Meyer, 0stafrikanische Gletscherfahrten. Lpz. 1890. - Derselbe, Der Kilimandscharo. Bln. 1900. - A. Widenmann, Die Kilimandscharo- Bevölkerung. P. M. 1899. E. 129. -C. Uhlig, Vom Kilimandscharo zum Meru. Ges. f. Erdk. Bln. 1904. - F. Jäger, Forschungen in den Hochregionen des Kilimandscharo. Mitt. a. d. d. Schutzgeb. 1909. Y. Sjöstedt, Wiss. Ergebn. d. Schwedischen Zoolog. Exped. nach dem Kilimandscharo, dem Meru usw. bes. I. 1. Stockkolm 1910. M. Lange, Eine Kibobesteigung. Z. Ges. f. Erdk. Bln. 1912. - F. Klute, Vorläuf. Ber. über eine Forschungsr. am Kilimandscharo von E. Öhler und F. Klute 1912. P. M. 1912/II. - B. Struck, Der Name Kilimandjaro, P. M. 1914. - Karte: K. von Deutsch-Ostafrika 1: 300 000, bearb. v. P. Sprigade und M. Moisel, Bl. 5. Kilimandscharo.

Uhlig.