Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 300

Kilwa-Kissiwani, d. i. Kilwa auf der Insel, Ort und Insel an der Küste von Deutsch-Ostafrika., 1. Die Insel ist etwa 18 qkm groß, besteht aus gehobenem Riffkalk, hat hübsche Vegetation, auf der Landseite Mangroven. Die Entfernung vom Festland beträgt nach Norden 1,7 km. Hier liegt ein S-förmiger Meeresarm, der überall auf 0,6 km Breite mindestens 20 m Wasser hat; er führt in den noch tieferen, sehr geräumigen Beaver-Hafen, einen Creek (s.d.) des Festlandes, in dessen Hintergrund der Mawudji (s.d.) mündet. Er ist wohl der beste Hafen von Deutsch- Ostafrika und der gegebene Ausgangspunkt für eine Eisenbahn zum Njassa, die den Süden von Deutsch-Ostafrika zu erschließen hätte. Nach Westen zu verschmälert der die Insel abtrennende Wasserarm sich bis auf 1 km und wird sehr flach. 2. Der Ort K.-K. ist heute ein unbedeutendes Dorf. K. ist die älteste fremde Ansiedlung innerhalb DeutschOstafrika. Nachdem schon zweimal vorher mohammedanische Araber sich hier niedergelassen hatten, gründeten etwa 975 mohammedanische Perser aus Schiras (die Schirazi ihre Nachkommen) hier eine Stadt, von der aus sie allmählich einen erheblichen Teil der Küste, insbesondere das goldreiche Sofala beherrschten. 1505 wurde "Quiloa", dessen Hauptstadt damals etwa 4000 Einwohner hatte, portugiesischer Vasallenstaat, bis 1512 hielten die Portugiesen die Stadt sogar besetzt. In der Folge sank Kilwa durch die Unterbindung seiner Beziehungen zu Sofala zu geringer Bedeutung herab; es stand unter portugiesischer Oberherrschaft, bis vom Ende des 17. Jahrh. an die ganze Küste unter den Einfluß der Araber von Maskat geriet. Schließlich wurde K.- K. ein Teil des festländischen Gebietes der Maskatherrscher von Sansibar; in dieser Zeit entstand die 1807 fertiggestellte Burg, die am besten erhaltene der Ruinen, an denen K.K. so reich ist. Mit ziemlicher Sicherheit sind festgestellt Reste der portugiesischen Festung San Jago, ein Palast vom Ende des 17. Jahrh., zwei Moscheen, die mindestens 400 Jahre alt sind. Es wäre sehr zu wünschen, daß diese Ruinen und ähnliche der Inseln Ssonga- Manara (s.d.), Mafia (s.d.), Dschuani bei Mafia, Kwale (s.d.) und Koma bei Kwale einer exakten archäologischen Untersuchung unterworfen würden. Im Laufe des 19. Jahrh. trat Kilwa-Kiwindsche (s.d.), 27 km nördlich auf dem Festland gelegen, an die Stelle von der Inselstadt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß ein Grund dafür der Wunsch der Araber war, bei ihrem Sklavenhandel nicht von den europäischen Schiffen, die in den guten Hafen leicht einlaufen konnten, gestört zu werden. Der weite, flache Strand des neuen Platzes ließ Kriegsschiffe kaum näher als auf 3 km herankommen.

Literatur: J. Strandes, Die Portugiesenzeit von D. und Englisch-OA. Bln. 1899. - F. Stuhlmann, Beiträge zur Kulturgesch. von OA. Bln. 1909. - Karte: Kilwa-Kissiwani-Bucht 1: 75 000, D. Admiral. -Karte Nr. 188, 1904.

Uhlig.