| Kindersterblichkeit. Die K. der Eingeborenen der Tropen ist in hohem Maße verschieden von der der
Europäer
in den Tropen. Die K. der Europäer ist am stärksten im ersten
Lebensjahre
(Säuglingssterblichkeit), und zwar
zeigt sie innerhalb dieses Jahres eine Abnahme
von Monat zu Monat. Im allgemeinen ist die Säuglingssterblichkeit der
Europäer in den Tropen beträchtlich höher als in der gemäßigten Zone;
doch ist es bemerkenswert, daß die Hygiene
auch auf diesem Gebiete große Erfolge aufzuweisen hat, daß
beispielsweise
nach den Berichten der letzten Jahre die Sterblichkeit
der Europäersäuglinge in Manila nicht wesentlich höher war als in den
Vereinigten Staaten. Entscheidend für die Säuglingssterblichkeit der
Europäerkinder
ist die Ernährungsart, und es ist nicht genug zu betonen, daß die
natürliche
Ernährung der Kinder an der Mutterbrust den
Säugling
auch in den Tropen gut und sicher gedeihen und ihn die gefährdeten
ersten
Monate ohne Gefahr überstehen läßt. Die junge Mutter soll sich durch
anfängliche
Mißerfolge im Stillgeschäft nicht abschrecken lassen; in bei weitem den
meisten Fällen gelingt das Stillen der Europäermutter in den Tropen
ebensogut
wie in der gemäßigten Zone, es maß nur der ernste Wille dazu vorhanden
sein. Es ist dabei zu bedenken, daß wenn das Stillen durch die
Mütterbrust
unterbleibt, das neugeborene Kind in sehr viel höherem Maße als in der
gemäßigten Zone der Gefahr, durch Ernährungsschaden (Brechdurchfall)
zugrunde
zu gehen, ausgesetzt ist. Hinderungsgründe für das Stillen - abgesehen
von der mechanischen Unfähigkeit und Versagen der Milchproduktion, die
in praxi von Laien viel häufiger fälschlich angenommen werden als
wirklich
vorliegen -gibt es keine, es müßte denn sein, daß die Mutter an einer
schweren, konsumierenden Krankheit leidet, wie Tuberkulose, schwere
Malariablutarmut
u.a. In der großen Mehrzahl der Fälle aber wird die Europäermutter auch
in den Tropen imstande sein, ihr Kind selbst zu stillen, wenn sie nur
selbst den ernsten Willen hat, ihre natürliche Pflicht in diesem überaus
wichtigen Punkte gewissenhaft zu erfüllen. Wenn Stillunfähigkeit oder
Hinderungsgründe, wie oben beschrieben, vorliegen, so ist der beste
Ersatz
der Muttermilch Kuhmilch, die in derselben Weise wie in der gemäßigten
Zone vor dem Gebrauch gekocht (am besten im Soxhletapparat) werden muß.
Gute Kuhmilch steht leider in den Tropen sehr häufig nicht zur
Verfügung,
und man ist nicht selten gezwungen, zu Esels- oder Ziegenmilch, die auch
verwendbar sind, seine Zuflucht zu nehmen. Wenn auch keine frische
Tiermilch
vorhanden ist, kommen importierte Milchkonserven in Frage. Diese
Milchkonserven
kommen teils in natürlicher Beschaffenheit der Milch
(nicht eingedickt), teils eingedickt (kondensierte Milch) in den Tropen
zur Einfuhr. Die ersteren Präparate sind den
kondensierten
vorzuziehen, da die letzteren gewöhnlich einen zu starken Zusatz von Zucker
aufweisen. Erst in letzter Linie, wenn auch keine brauchbaren
Milchkonserven
zur Verfügung stehen, kommen Kindermehle (Kufeke, Knorr,
Mellin u.a.) in Betracht. Natürlich kommen neben der Gefahr des
Nährschadens
auch Infektionskrankheiten (s. d.) für die
K. in den Tropen - und zwar sowohl der Europäer wie der Farbigen - in
Betracht. In erster Linie ist zu nennen die Malaria
(s.d.), der ein großer Teil der Europäer- und Eingeborenenkinder der
Tropen zum Opfer Fallen. Ferner ist als
kaum weniger gefährlicher Feind der Kinder in den Tropen - der Weißen
wie der Farbigen - die Anchylostomiasis
(s. Ankylostomum) zu nennen, welche durch Blutarmut
zu schwerer Schädigung des kindlichen Organismus, zum Zurückbleiben in
geistiger und körperlicher Hinsicht und zum Tode führen kann. Im ganzen
kann man sagen, daß die das kindliche Leben in den Tropen bedrohenden
Gefahren durch Aufmerksamkeit und Gewissenhaftigkeit der Eltern sich in
hohem Maße einschränken und abwehren lassen; der Nährschaden der
Säuglinge
durch Brusternährung, Malaria und Anchylistomiasis durch prophylaktische
und therapeutische Maßnahmen, deren Durchführung am besten unter
ärztlicher
Anleitung erfolgen kann. Über die K. bei Eingeborenen (s.a. Kindesmorde)
ist statistisches Material bisher wenig vorhanden. Peiper (Arch. f.
Schiffs-
und Tropenhygiene 1910, 252) gibt
eine Zusammenstellung
der Todesursachen bei Eingeborenenkindern aus Ostafrika. Nach ihm bildet auch bei den
Eingeborenenkindern
der durch künstliche Ernährung entstehende Darmkatarrh die häufigste
Todesursache.
Im allgemeinen bleibt das Kind der Eingeborenen Ostafrikas an der Brust,
bis es imstande ist zu laufen. Jedoch leiden nach Angaben, die Peiper
von Dorfältesten im Bezirk Kilwa in Deutsch-Ostafrika erhielt, von 50 Frauen etwa 20 an
Milchmangel
und müssen Beinahrung geben. Als Beinahrung kommt außer Kuh- und
Ziegenmilch
besonders ein Brei aus Mehl (Reis, Mais, Negerhirse)
in Betracht, der im Hinblick auf die Erkrankung der Kinder an
gefährlichen
Darmkatarrhen von unheilvoller Wirkung ist. Auf der Untersuchung Peipers
basierend wurden vom Gouvernement
von Deutsch-Ostafrika Erhebungen in der ganzen Kolonie angestellt, und zwar durch Umfrage bei den
Ärzten des Schutzgebietes, über welche im Sanitätsbericht des Jahres
1912
berichtet wird. Aus diesem Berichte geht hervor, daß Muttermilch bei den
Eingeborenen Deutsch-Ostafrikas gewöhnlich bis in das 2. bis 3.
Lebensjahr
gereicht wird. Als Ersatz kommt Kuhmilch und daneben Ziegenmilch in
Betracht.
Beinahrung neben der Muttermilch wird gewöhnlich bereits in den ersten
Monaten nach der Geburt gegeben in Gestalt der oben erwähnten Breie, auf
deren die Gesundheit des Kindes gefährdende Wirkung in einem für die Eingeborenenbevölkerung
bestimmten,
in Suahelisprache abgefaßten und
in einer Auflage von 10000 Exemplaren verbreiteten Merkblatte amtlich
hingewiesen worden ist. S.a. Gesundheitspflege.
Werner. |