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Kirchengemeinden. Durch den Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß
(s.d.) und den Evangelischen Oberkirchenrat (s.d.) in Berlin Ist die planmäßig fortschreitende
kirchliche
Versorgung der deutschredenden Evangelischen in den deutschen
Schutzgebieten
eingeleitet und hat zu der Begründung einer stetig wachsenden Zahl von
K. geführt, die der preußischen Landeskirche der älteren Provinzen
angeschlossen
sind. Die folgenden Zahlenangaben stammen aus dem Jahre 1911 resp.1912.
Deutsch-Südwestafrika
steht infolge des starken Anwachsens der weißen Bevölkerung (1900: 3387,
1912: 14816, darunter 11812 Personen evangelischer Konfession) obenan.
In der Hafenstadt Swakopmund besteht
eine am 29. Dez. 1906 angeschlossene Gemeinde, die 228 reichsangehörige
Mitglieder zählt und eine am 7. Jan. 1912 eingeweihte Kirche besitzt
(Deutsch-Evangelisch
im Auslande XI, 237-247, 3). - Die Gemeinde in Windhuk, der Hauptstadt
der Kolonie, ist mit 1755 Seelen inkl. Klein-Windhuk, darunter 1668 Reichsdeutschen,
die größte des Landes und seit 19. Juni 1901 angeschlossen; in ihren
Filialen
in Okahandja-Osana und Klein-Windhuk werden alle Monate Gottesdienste
gehalten. Die Gemeinde hat 2 Geistliche,
eine große, 1910 eingeweihte Kirche und unterhält einen Kindergarten
(Deutsch-Evangelisch
im Auslande X, 83; XI, 88, 199, 321, 488). - Auch, im nördlichen Teil
des Schutzgebiets ist auf Anregung des Deutschen evangelischen
Kirchenausschusses
mit der Gründung von K. begonnen worden. In Karibib wurde die Gemeinde 1909 begründet, der
Anschluß
ist 1912 erfolgt; Nebengemeinden sind Omaruru und Usakos. Eine eigene Kirche hat sie ebensowenig wie
die 1911 begründeten Gemeinden in Grootfontein und Tsumeb. - Im Süden besitzt das wichtige Lüderitzbucht eine am 25. Juli 1910
angeschlossene
Gemeinde, die 784 Seelen zählt; ihr ist die Nebengemeinde Kolmannskuppe
mit 125 Seelen angegliedert; die Mitglieder beider Gemeinden sind
Reichsangehörige.
1912 fand die Einweihung der neuerbauten Kirche statt (Deutsch-
Evangelisch
im Auslande XI, 153, 362, 456). In Keetmannshoop, der bekannten, 1866
begründeten Missionsstation der Rheinischen Missionsgesellschaft (s.
d.),
ist eine 1910 ins Leben gerufene K., die 14. Juni 1912 angeschlossen
worden
ist und 628 Seelen zählt. Zu ihr gehört als Nebengemeinde Gibeon (1863 als Missionsstation begründet) mit 90
Seelen. Eine eigene Kirche besitzt die Gemeinde von Keetmannshoop noch
nicht. - Die Pfarrer der südwestafrikanischen Gemeinden vereinigen sich
zu regelmäßigen Konferenzen, die erste fand Okt. 1910 in Windhuk
(Deutsch-Evangelisch im Auslande X, 364), die zweite im Jan. 1912 in
Swakopmund
(ebend. XI, 285) statt, an der bereits 7 Pfarrer teilnehmen konnten. Von
der Konferenz der evangelischen Pfarrer Deutsch-Südwestafrikas wird seit
1911 ein durch Pfarrer Hasenkamp in Swakopmund geleitetes und daselbst
erscheinendes "Evangelisches Gemeindeblatt" herausgegeben. - In den Kolonien Togo und Kamerun ist das Bedürfnis nach Begründung von K.
noch nicht hervorgetreten, so daß die hier ansässigen evangelischen
Deutschen
gegebenenfalls die pastoralen Dienste der Missionare in Anspruch nehmen. In Kamerun waren
im Jahre 1912 unter 1537 Weißen 1218 Evangelische, in Togo unter 345
Weißen
222 Evangelische. - In Deutsch-
Ostafrika
(gesamte weiße Bevölkerung 1912: 4866 Personen, darunter 3187
Evangelische)
ist die Gemeinde zu Daressalam
bereits
seit dem 30. Dez. 1901 der preußischen Landeskirche angeschlossen und
hat, abgesehen von der Besatzung der beiden Kriegsschiffe, einen infolge
des großen Wechsels der Bevölkerung freilich, starken Schwankungen
unterliegenden
Gemeindebestand von etwa 575 Seelen, darunter 38 evangelische Syrer,
die im Syrischen Waisenhaus zu Jerusalem erzogen sind und meist deutsch
verstehen. Auch die ca. 30 orthodoxen Griechen, die sich zur deutschen
Gemeinde halten, verstehen zum Teil deutsch. Von Daressalam aus werden
Predigtstationen in Sansibar, Bagamojo, Sadani,
Kilwa, Lindi,
Mohoro, Morogoro,
Kilossa, Mpapua,
Dodoma, Kilimatinde, Manjoni, Tabora versehen; insgesamt kommen hier etwa 400
Personen
in Frage. Die Gemeinde hat eine eigene Kirche. - Im Herbst 1909 hat sich
unter dem Namen "Deutsch-evangelische Kirchengemeinde von Tanga und Hinterland" eine neue selbständige deutsche -
Gemeinde organisiert, deren Seelenzahl etwa 300 beträgt. Die kirchliche
Versorgung der Gemeinde wird durch einen Missionar der Bielefelder
Missionsgesellschaft
(s.d.) ausgeübt. - In Tsingtau hat sich die deutsche evangelische
Bevölkerung,
soweit sie nicht der dortigen Militärgemeinde angehört, 1905 auf
Anregung
des Deutschen evangelischen Kirchenausschusses in der Form eines Vereins
organisiert und wird von dem Gouvernementspfarrer pastoriert. - Auf Samoa war in Apia
1896/1902
ein deutscher evangelischer Pfarrer
stationiert.
In Rabaul auf der Gazellehalbinsel der Insel Neupommern hat sich 1911 eine deutsche
evangelische
Gemeinde gebildet. S. Deutscher evang. Kirchenausschuß, Ev. Oberkirchenrat.
Literatur: E. W. Bußmann, Evangelische Diasporakunde. Marburg 1908.
-Mitteilung des evangelischen Oberkirchenrats über die kirchliche
Versorgung
der deutschredenden Evangelischen in den deutschen Schutzgebieten:
Verhandlungen
der 6. ordentlichen Generalsynode der evangelischen Landeskirche
Preußens.1909,
II Bd. Berlin 1910, 437 ff. C. Mirbt, Mission und
Kolonialpolitik in den deutschen Schutzgebieten. Tübingen 1910, 271 ff.
- Derselbe, Die deutschevangelische Diaspora im Auslande. Halle a. S.
1910. Derselbe, Die Frau in der deutschen evangelischen Auslandsdiaspora
und der deutschen Kolonialmission; Marburg 1912. -. Fortlaufende
Berichterstattung
über die Kirchengemeinden in den deutschen Kolonien: Deutsch-Evangelisch
im Auslande. Zeitschrift für die Kenntnis und Förderung der
Auslandsgemeinden.
Marburg (seit - 1902). -Kapler, Die deutschen Schutzgebiete als
Arbeitsfeld für den Gustav-
Adolf- Verein. Leipzig 1913.
Mirbt. |