Deutsches Kolonial-Lexikon (1920), Band II, S. 310 ff.

Klima. 1. Definition des K. 2. Allgemeines. 3. K.Typen. a) Land- und See-K., b) Wüsten-K., c) Küsten-K., d) Wald-K., e) Monsun-K., f) Gebirgs- und Höhen-K, 4. K.zonen. a) Tropenzone, b) Gemäßigte Zone, e) Polarzone. 5. K.Provinzen. 6. Klassifikation der Klimate.

1. Definition des K. Unter K. versteht man die Gesamtheit der meteorologischen Erscheinungen, die den mittleren Zustand der Atmosphäre an irgendeiner Stelle der Erdoberfläche kennzeichnen, während die Witterung nur eine Phase, ein einzelner Akt aus der Aufeinanderfolge der Erscheinungen ist, deren voller, Jahr für Jahr mehr oder minder gleichartiger Verlauf das K. eines Ortes bildet. Demnach ist das K. die Gesamtheit der Witterungen eines längeren oder kürzeren Zeitabschnitts, wie sie durchschnittlich zu dieser Zeit des Jahres einzutreten pflegen. Ärzte und Biologen geben wegen der Einwirkung der meteorologischen Faktoren auf Menschen, Tiere und Pflanzen dem Begriff K. eine erheblich weitere Ausdehnung. Sie verstehen unter K. die Kombination der verschiedenen Verhältnisse der Atmosphäre und der Oberfläche der Erde, welche die Geeignetheit einer Gegend für das Leben und die Gesundheit der Organismen bedingen.

2. Allgemeines. Die folgenden Einteilungen in K.typen, K.zonen und K.provinzen geben nur eine allgemeine Einteilung. Näheres ist im Absatz K. der einzelnen Schutzgebiete nachzulesen.

3. K.-typen. An K.-typen sind zu unterscheiden Land- und See-K. nebst Wüsten- , Küsten-, Wald- und Monsun-K., wie Gebirgs- und Höhen-K. - a) Land- und See- K. Das See-K. unterscheidet sich vom Land-K. durch geringere Temperaturänderungen, größere Feuchtigkeit der Luft, stärkere Bewölkung, höhere Windgeschwindigkeit, stärkere Niederschläge und geringeren Staubgehalt der Luft. See-K. besitzen am ausgeprägtesten von den deutschen Kolonien die Inselgruppen im Stillen Ozean. Im Land-K. ist mit teilweiser Ausnahme von Windrichtung und Luftdruck die tägliche und jährliche Schwankung aller Elemente größer, auch die unregelmäßigen Temperaturänderungen von Tag zu Tag und Jahr zu Jahr. Sonnenstrahlung und Wärmeausstrahlung sind kräftiger. Die Trockenheit der Luft, die Windstille bei Kälte und die mittäglichen Winde, teilweise auch die erhöhte Ein- und Ausstrahlung machen die stärkeren Gegensätze der Temperatur erträglicher. Mehr oder weniger scharf ausgeprägt finden wir das Land-K. im Hinterland unserer afrikanischen Kolonien. b) Wüsten -K. Die ausgeprägteste Form des Land-K. ist das Wüsten-K. Nur die gesunde von Krankheitskeimen freie Luft hat es mit dem See-K. gemeinsam; ferner bewirkt die Abwesenheit von Bäumen und Büschen und der starke mittägliche Luftaustausch zwischen den erhitzten untersten Luftschichten und denen der freien Atmosphäre auch in den Wüsten, wenigstens periodisch, bedeutende Windstärken. Sonst ist das Wüsten-K. der schärfste Gegensatz zum See-K. Die Luft der Wüsten ist so wasserarm, daß trotz der aufsteigenden Luftbewegung sich Wolken kaum, Regen fast nie bilden. Die Erwärmung und Abkühlung der Oberflächen von Felsen erfolgt so schnell, daß sie öfter zu deren Zerstörung führt. Die feineren Teile werden vom Winde fortgeführt (Deflation), bis sie von Gewässern oder niederschlagsreichen Teilen am Rande der Wüste festgehalten werden (Lößbildung). Gegen die übermäßige Verdunstung schützen sich die Pflanzen in ihren Blättern durch Behaarung, Ätherische Öle, Verkleinerung der Oberfläche und Epidermis ohne Spalten. Wasserbecken von beschränkter Ausdehnung wie durch kalte Meeresströmungen kühl gehaltene Teile der Ozeane lassen die Wüste bis dicht an ihre Ufer treten. In unseren Kolonien finden wir Wüsten-K. in den küstennahen Teilen von Deutsch-Südwestafrika. - c) Küsten-K. Das Küsten-K. zeigt alle möglichen Übergänge vom Wüsten- bis zum See-K. je nach der vorherrschenden Windrichtung. Charakteristisch ist besonders in den niederen Breiten der Wechsel von Land- und Seewinden. In geringerer oder größerer Ausdehnung begegnen wir dem Küsten-K. an den Küsten namentlich unserer afrikanischen Kolonien. d) Wa1d-K. Der Wald beeinflußt selbst in kleinen Streifen kräftig den Raum unter den Baumkronen und in seiner nächsten Umgebung dadurch, daß er den Wind bricht und damit das Wegwehen der Erdkrume verhindert wie das Austrocknen des Erdreichs und der Pflanzen verringert. Sein Einfluß auf Temperatur und Wassergehalt der Luft ist nur gering; ob der Wald eine Zunahme der Niederschläge gegenüber dem freien Feld verursacht, ist noch nicht einwandfrei nachgewiesen; sicher ist sie nur gering. In unseren Kolonien tritt dieser K.typ in den waldigen Teilen von Kamerun, Deutsch-Ostafrika und Deutsch-Neuguinea auf. e) Monsun- K. Im regelmäßigen Monsun-K. wehen im Winter Land-, im Sommer Seewinde, es herrscht demnach im Winter Land-, im Sommer See-K. Gestörtes Monsun-K. haben die im Monsungebiet gelegenen Küsten großer Inseln oder Halbinseln, die dem Festland zugewandt sind; es tritt demnach h ier der Wintermonsun als See-, der Sommermonsun als Landwind auf, und zwar bei genügender Breite des vorliegenden Meeres und Landes mit den zugehörigen Eigenschaften. Die Beständigkeit der Monsune ist am größten in den niederen Breiten, doch zeigen diese Gebiete keine so starke Abweichung vom K. monsunfreier Gebiete wie in den mittleren Breiten, da in beiden Gebieten die Hauptregenzeit in den Sommer, die Haupttrockenzeit in den Winter fällt, und da ferner die Wärmeunterschiede zwischen Land und Meer nur gering sind. In höheren Breiten wirken die Monsune im Sommer und Winter temperaturerniedrigend; sie verursachen dort trockene, heitere Winter und feuchte, trübe Sommer. Am ausgeprägtesten finden wir das Monsun-K. im Kiautschougebiet, weniger scharf im nordöstlichen Deutsch-Ostafrika. - f) Gebirge- und Höhen-K. Die Gebirge beeinflussen das K. durch ihre absolute Höhe und ihre Böschung. Stets nimmt mit wachsender Höhe der Luftdruck ab, und zwar im Meeresniveau auf etwa 10,5 m Erhebung um 1 mm. In mehr als 4000 m Seehöhe werden die meisten Menschen von der Bergkrankheit befallen. Das dem Menschen schädliche K. der Gebiete über 2000 m Seehöhe wird daher von manchen als Höhen-K. dem Gebirgs-K. der unteren Stufen gegenübergestellt, das wegen der Reinheit und Kühle der Luft dem Menschen heilsam ist. Zu nimmt mit wachsender Höhe die Durchlässigkeit der Luft und die Intensität der Sonnenstrahlung, ab der Gehalt an Wasserdampf, Staub und im allgemeinen auch die Temperatur (bis zu 1°) auf 100 m). Die Änderung der relativen Feuchtigkeit ist unregelmäßig ihre größten Werte erreicht sie in der Höhe der Wolken. Der Niederschlag nimmt mit der Steilheit der Abhänge und bis zu einer gewissen Höhe zu; er ist am größten auf der Seite, gegen die am häufigsten feuchte Winde wehen. In Steppen und Wüsten bilden die Gebirge Oasen größerer Feuchtigkeit. Im Sommer und um Mittag ist die vertikale Temperaturabnahme meist sehr groß; im Winter und zur Nacht nur gering, bei strenger Kälte findet sogar nicht selten eine Temperaturzunahme mit der Höhe statt. Demnach haben die Gipfel kleinere tägliche und jährliche Temperaturschwankungen, nähern sich also dem See-K.; dagegen zeigen Hochtäler zum Teil die kontinentalen Eigenschaften des Tal-K. besonders stark. Groß ist der Einfluß der Gebirge auf die Winde. Bei ruhigem Wetter weht der Wind in Schluchten und Tälern tags bergaufwärts, nachts meist von 9p bis 9a talabwärts: Berg- und Tal-W. Die Gebirge hindern die wagerechte Luftbewegung in den unteren Schichten bzw. machen sie unmöglich. Es können sich daher besonders bei Gebirgen, die von Westen nach Osten sich erstrecken, oder die ein Binnen- von einem Küstenland trennen, zu deren beiden Seiten auf geringen Entfernungen größere Unterschiede von Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit als in der Ebene entwickeln. Über Pässe, die bis in das Gebiet der Druckunterschiede reichen, stürzt sich dann, oft mit verheerender Gewalt, die dichtere Luft in die Täler der anderen Seite. Beim Abstieg nimmt die Luft auf je 100 m um 1° C zu. Da sie wegen des schnellen Abstiegs keinen neuen Wasserdampf aufnehmen kann, kommt sie unten sehr trocken an. Bei geringen Temperaturunterschieden zu beiden Gebirgsseiten und langsamer Temperaturabnahme mit der Höhe, was dem gewöhnlichen Zustande entspricht, kommt die Luft unten daher sehr warm an (Föhn). Als warmen Fallwind treffen wir einen ähnlichen heißen Ostwind in der Namib. Dem Höhen- und Gebirgs-K. begegnen wir in den hochgelegenen Teilen von Deutsch-Ost- und Deutsch-Südwestafrika, Kamerun und Deutsch-Neuguinea.

4. K.zonen. An K.zonen sind zu unterscheiden die heiße oder tropische zwischen den Wendekreisen (40%), die beiden gemäßigten zwischen den Wende- und Polarkreisen (je 26%) und die beiden kalten innerhalb der Polarkreise (je 4% der Erdoberfläche). Sie sind nicht nur nach der Höhe der Temperatur, deren Jahreswerte die folgende Tabelle von 10° zu 10° Breite gibt, sondern besonders nach dem Charakter der Witterung, des organischen Lebens und der menschlichen Kultur höchst verschieden voneinander. Die Bedeutung dieser Einteilung beruht nicht so sehr auf der Höhe der mittleren Jahrestemperatur als auf dem Vorhandensein oder Fehlen einer genügend kühlen oder einer genügend warmen Jahreszeit. - a) Tropen-K. In der Tropenzone sind die Temperaturunterschiede in der gleichen Meereshöhe nur gering, es fehlt eine eigentliche kalte Jahreszeit, ferner sind größere Luftdruckschwankungen und daher auch Stürme eine seltene Ausnahme. Es fehlt daher den Tropen die Unbeständigkeit unseres Wetters. Wie die Temperatur zeigen auch die Niederschläge und die Bewölkung die Verhältnisse unseres Sommers in meist noch verstärktem Maße. Der Regen fällt gewöhnlich in kräftigen, kurzen Schauern; zu unterscheiden sind im Verlauf des Jahres in den meisten Gegenden eine oder mehrere Regen- und Trockenzeiten. Die Tageslänge sinkt nie unter 10 1/2 Stunden herab. Der tropischen Zone gehören unsere sämtlichen Kolonien außer dem Kiautschougebiet an. b) K. der gemäßigten Zone. Mit zunehmender Breite nimmt in den gemäßigten Zonen die Temperatur schnell ab. Daher haben auch die Winde je nach ihrem Ursprungsort sehr verschiedene Temperaturen zur Folge, und da die einen sich erwärmende, die anderen sich abkühlende Luft herbeiführen, so ist ihre Neigung zur Wolken- und Regenbildung verschieden. Die Luftdruckdifferenzen und infolgedessen auch die unperiodischen Änderungen des Wetters sind besonders in den polaren Teilen dieser Zonen recht groß, Stürme sind keine Seltenheit. Die westlichen Winde sind vorherrschend. Die atmosphärischen Wirbel ziehen meist von Westen nach Osten. Nur das Kiautschougebiet gehört von den deutschen Kolonien dieser Zone an. - c) Po1ar-K. In die Zone des Polar-K. reicht keine deutsche Kolonie.

5. K.provinzen. Eine genauere, Einteilung, als sie nach den K.zonen möglich ist, hat Supan (s.u. Literatur) durch die Einteilung in 35 K.provinzen unter hauptsächlicher Beachtung von Temperatur und Niederschlag wie der Winde getroffen. Von den deutschen Kolonien gehören an der chinesischjapanischen Provinz das Kiautschougebiet. Auf dem Festland relativ bedeutende Winterkälte und streng periodische Regen; - der tropischen Provinz von Afrika Deutsch-Ostafrika, Kamerun und Togo. Temperatur auf den inneren Hochflächen durch die Seehöhe gemildert, desto höher aber in den schmalen Küstenebenen. Tropenregen; - der Kalahariprovinz Deutsch-Südwestafrika. Regenarm; der ostindischaustralischen Monsunprovinz Kaiser-Wilhelmsland, Bougainville, der Bismarckarchipel, die Admiralitätsinseln, die Palau- und Japinseln. Mit Ausnahme einiger Inseln im Archipel streng periodischer Regen mit Nordwestwind. Temperatur ziemlich gleichmäßig trotz beträchtlicher Ausdehnung der Provinz; Jahresschwankung sehr mäßig; - der polynesischen Tropenprovinz die südlichen Marshallinseln mit Jaluit, die Karolinen, Nauru und die Samoainseln. Tropen-K. durch die See gemildert; eigentlich das ganze Jahr ein milder Sommer. Regen auf den hohen Inseln reichlich und mit tropischer Periodizität.

6. Eine Klassifikation der Klimate auf Grund der Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnisse hat W. Köppen in Hettners "Geographischer Zeitschr., Lpz. 1900", auf Grund der Wasserführung A. Penck in den "Sitzungsberichten der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berl. 1910", veröffentlicht. Das Charakteristische dieser Klassifikationen ist, homologe Klimate auch weit voneinander entfernter Erdräume aufzusuchen und zu verbinden. S.a. Klima unter den einzelnen Schutzgebieten.

Literatur: Hann, Handbuch, der Klimatologie, 3. Aufl., Stuttg. 1908. - Supan, Grundzüge der physischen Erdkunde, 5. Aufl., Lpz. 1911. - Woeikof, Die Klimate der Erde, 1887. Köppen, Klimakunde (in Sammlung Göschen), 2. Aufl., Lpz. 1906. - Meteorologische Zeitschrift. - K. der deutschen Kolonien behandelt besonders Hans Meyer: Das deutsche Kolonialreich, Lpz. u. Wien, 1909 u. 1910. -Mitt. a. d. d. Schutzgeb.

Heidke.